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Taxi Times München - Juni 2017

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STANDPLATZ UNTER STROM

STANDPLATZ UNTER STROM Die neue Münchner Freiheit wurde als Mobilitätsstation geplant. Taxistände sind in München auf der Liste der gefährdeten Plätze. Stadtraum ist kostbar – und warum sollten Taxis noch Standplätze haben, wenn sie doch ohnehin per Telefon oder App gerufen werden? So oder so ähnlich denken wohl Entscheider, ob sie nun in der Stadtverwaltung oder entsprechenden Organisationen sitzen. Der Taxistand beim Marienplatz an der Dienerstraße? Busse und Fahrräder sind wichtiger! Der Stand in der Ziemssenstraße bei den LMU Kliniken in der Nußbaumstraße? Das Parkraummanagement für die Klinik hat Vorrang (siehe Seite 26). Während die Rufsäule wohl bald wirklich ihren Platz in der Telefonie-Ausstellung des Deutschen Museums finden dürfte, bleibt jedoch die Frage nach Parkraum oder Haltestellen für Taxis hochaktuell. Nicht nur aus dem Grund, weil rund 3 300 Taxis nicht ständig in München herumfahren oder in zweiter Reihe den Verkehr blockieren können, sondern weil die Einhaltung der Umweltvorschriften früher oder später den Umstieg aufs Elektrotaxi in der Stadt erfordert. Genau deshalb sollten Taxistandplätze künftig auch Lade plätze für Elektrotaxis sein – und zwar in der Form von Schnellladeplätzen, die ein Auffüllen der Batterie innerhalb von Minuten erlauben. Der Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) hat zum Jahresende 2016 insgesamt 7 407 öffentlich zugängliche Ladepunkte bzw. 3 206 Ladestationen in Deutschland ermittelt [1]. Darin enthalten sind 292 DC-Schnellladepunkte. Bei einem Fahrzeugbestand von etwas mehr als 77 000 Elektroautos (Stand 2016) kamen also bundesweit im Schnitt zehn Lade punkte auf ein Auto, jedoch 260 Elektroautos pro Schnellladestation. Unter den deutschen Städten ist Berlin laut Erhebung des BDEW Spitzenreiter mit 536 Ladestationen. Auf Platz zwei und drei folgen Stuttgart (375) und unverändert Hamburg (292). Da hat München mit derzeit etwas über 100 Ladestationen kräftig aufzuholen, weshalb kürzlich 30 Millionen Euro in ein schweres Programm eingeflossen sind. Dies könnte eine Verdoppelung der vorhandenen Ladestellen zur Folge haben [2]. Der Nachteil der geplanten Ladestationen ist jedoch ihre Ausführung und ihr Standort. Ebenso wie die bereits vorhandenen 23 Ladestationen der SWM sind dies 11-kW- oder 22-kW-Ladepunkte, die nicht schnell laden können. DC-Ladestationen mit Gleichstrom sind nach wie vor rar. Zudem will die Stadt die neuen Ladestationen am Stadtrand an P+R-Parkplätzen bauen. Für Pendler, die ihre privaten Elektroautos dort langsam laden können, macht das Sinn. Für Elektrotaxis machen jedoch nur Schnellladestationen Sinn. Erfahrungen beim E-Plan-Projekt [3] zeigten bereits, dass das Elektrotaxi 2 durchschnittlich 187 Kilometer pro Schicht fuhr, die Ladekapazität meist schon bei 150 Kilometern erschöpft war. Bei den Stadtplanern und Mobilitätsforschern herrscht längst die Meinung vor, dass in der Stadt der Zukunft sogenannte Mobilitätsstationen (engl. mobility hubs) das Stadtbild prägen sollten. Besonders die jüngeren Stadtbewohner halten sich in der Stadt kein Auto mehr, sondern wollen einen praktischen Mix aus Verkehrsmitteln, die sie an strategisch günstigen Verkehrsknotenpunkten wechseln können. 1998 lebte jeder zehnte junge Deutsche zwischen 18 und 34 Jahren in einem Haushalt ohne Auto, 2008 war es jeder fünfte [4]. Vom e-bike in die Tram oder von der U-Bahn nachts ins Taxi. Der Ort, an dem dies geschieht, sollte keineswegs den Charme einer Bahnhofshalle aus den Siebzigern aufweisen, sondern zum Schmuckstück eines Stadtviertels werden, das entsprechende Ladengeschäfte und Restaurants oder Bars nach sich zieht. München ist in diesem Punkt keineswegs rückständig: Die neu gestaltete Münchner Freiheit ist als solche Mobilitätsstation geplant worden. Bei der Planung von Taxiständen sollten in Zukunft Lademöglichkeiten vorgesehen sein. Am Kopf des Standes darf noch eine Weile die Rufsäule glänzen, am Ende der Schlange sollten zwei Elektrotaxis eine Schnelllademöglichkeit vorfinden. Dann wäre auch die Münchner Freiheit perfekt. khm Quellen: [1] https://www.bdew.de/internet.nsf/id/bdew-erhebung-elektromobilitaet-de [2] https://www.tz.de/muenchen/stadt/elektromobilitaet-muenchen-plant- 100-neue-ladestationen-7383469.html [3] http://schaufenster-elektromobilitaet.org/de/content/projekte_im_ ueberblick/projektsteckbriefe/projekt_3137.html [4] http://www.zukunft-mobilitaet.net/162772/urbane-mobilitaet/mobilitaetsstationen-nutzen-sinn-zweck-verknuepfung/ GRAFIK: MVG 18 JUNI / 2017 TAXI

ISARFUNK TAXIZENTRALE ELEMENTARE FRAGEN Warum verzögert Uber weiterhin rechtskräftige Entscheidungen und handelt das KVR nicht? Was soll das mit der Ortskunde und der Tariffreigabe? IsarFunk hat zu diesen Fragen klare Positionen. Am 18. Mai erklärte der Bundesgerichtshof, dass ein Verbot der UberBLACK-Applikation rechtens sei, solange man Uber als Verkehrsunternehmen einstufe (siehe Bericht auf Seite 8). Doch genau diese Frage der Einstufung hat der BGH zur weiteren Entscheidung an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) nach Luxemburg verwiesen. Warum drückt sich der BGH um eine Entscheidung? In der Sache richtig, vom weiteren Vorgehen her falsch. So sieht das Urteil aus Sicht der Taxibranche aus. Die Vertagung der Entscheidung an den EuGH bedeutet eine ? weitere Verzögerung um wenigstens ein Jahr. Das wirkt sich fatal für die Branche aus. Uber und andere Fahrtenvermittler können praktisch weiter an der Zerstörung des Taximarktes arbeiten. Es gibt auch deutsche Urteile, die zwar später vom EuGH kassiert wurden, aber wenigstens erst einmal wirksam sind. Sind unsere Richter konfliktscheu? Warum sind Juristen, Politiker und Behörden so passiv? Auch die Münchner Aufsichtsbehörde sollte unserer Meinung nach transparenter arbeiten. Wenn Mietwagenunternehmer gegen das Gesetz verstoßen, sollen wir sie zur Anzeige bringen, hieß es aus der Ruppertstraße. Das hat das Gewerbe in München zur Genüge getan, nur bekommt keiner danach Feedback. Wir wissen deshalb nicht, ob das KVR entsprechende Sanktionen ausgesprochen hat. Was sollen wir eigentlich noch ermitteln? Weshalb geht das KVR Uber nicht direkt an und schreibt lediglich Briefe an die Mietwagenunternehmer? Die Rechtsgrundlage ist doch durch das Berliner Urteil der Uber-App vorhanden. Die Politik will – auf Druck von Uber & Co – wichtige Punkte unseres Personenbeförderungsgesetzes aufweichen. Vor allem die Ortskunde wird als nicht mehr nötig betrachtet. Dabei gibt es gute Argumente für die Ortskundeprüfung: Wie viele Sekunden braucht man, um eine Adresse einzugeben? Kennt das Navi die Baustellen? Kennt es alle Sonderfälle? Im Mietwagenmarkt setzen sie voll aufs Navi, und wenn einer kein Deutsch kann, dann stellt er eben die Bedienerführung auf Englisch um. Und in Bayern kommt noch eine skandalöse Begleiterscheinung hinzu: Das Bayerische Verkehrsministerium schafft die Ortskunde- ? prüfung für Mietwagenfahrer einfach ab. Wieder eine Schwächung des Taxis. Völlig fatal wäre auch der Wegfall der Tarifpflicht. App-Anbieter, viele Politiker und vielleicht auch einige Taxler möchten den Tarif lieber heute als morgen abschaffen. Doch sind wir jetzt ÖPNV oder nicht? Die MVG hat einen Tarif – den sie übrigens sehr regelmäßig und sehr zügig anhebt. Unser Taxitarif ist schlecht. Er ist zu niedrig, nicht flexibel genug, zu selten und zu spät erhöht. Im Dezember hat der Bundesrat eine Änderung des Personenbeförderungsgesetzes vorgebracht [1]. Die soll der „Sicherung von Qualitäts- und Sozialstandards im öffentlichen Personennahverkehr“ dienen. Kein Wort über Taxi ist darin zu finden. Die viel geforderte Überarbeitung dieses Gesetzes hinsichtlich moderner Techniken, in Richtung der Flexibilisierung des Tarifs oder Klärung zwischen Taxi und Mietwagen scheint auf anderen Ebenen vorangetrieben zu werden. khm ? ISARFUNK TAXIZENTRALE GMBH & CO KG Rosenheimer Straße 139 81671 München Telefon Taxiruf: 089 / 450 540 Telefon Verwaltung: 089 / 450 54-100 E-Mail: info@isarfunk.de www.isarfunk.de www.facebook.com/isarfunk450540 Presserechtlich verantwortlich für diese Seiten: Christian Hess Redaktion: Karl-Heinz Mayer (khm), Essential Media GRAFIK: Raufeld Medien DIE WICHTIGSTEN TAXITHEMEN Damit Sie nichts verpassen, schicken wir Ihnen jede Woche die aktuellen Neuigkeiten aus der Taxibranche als Newsletter. Jetzt anmelden! www.taxi-times.taxi/newsletter TAXI JUNI / 2017 19

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