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Taxi Times München - Juni 2018

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WETTBEWERB Pause an der

WETTBEWERB Pause an der OMV an der Ostseite des Flughafengeländes. „Gehört das Auto Ihnen?“ – „Nein, meinem Chef.“ – „Aber wenn Sie eine Privatfahrt machen, muss Ihr Chef das bei Ihrer Lohnabrechnung als geldwerten Vorteil abrechnen. Macht er das?“ – „Das müssen Sie meinen Chef fragen.“ – „Wo hat denn Ihr Chef seinen Betriebssitz?“ – „In Unterföhring.“ – „Wie viele Autos?“ – „Nur das eine.“ – „Und das kann er Ihnen am Freitagnachmittag für Privatfahrten zur Verfügung stellen?“ – „Ja“. – „Das Fahrzeug hier wurde schon öfter beobachtet, wie es Uber-Fahrgäste ein- und abgeladen hat.“ – „Das war ich nicht, ich fahre nicht für Uber. Das waren vielleicht andere Kollegen.“ – „Wie viele Fahrer hat denn ihr Chef?“ – „Fünf oder sechs.“ – „Sechs Fahrer auf einem Mietwagen? Und da dürfen Sie auch noch privat Ihren Bruder abholen?“ Schulterzucken. „Danke für das Gespräch und schönen Gruß an Ihren Bruder.“ ZWEI WARTEN IM TERMINAL F „Ein Teil dieser Parkplätze wurden übrigens von einem Leihwagenunternehmen angemietet“, berichtet mir Günni, als wir weiterfahren. „Die Geschäftsführung sollte mehr von seinem Hausrecht Gebrauch machen“, wünscht er sich, während er kurz vor der Abfahrt zum T1-Taxispeicher noch einen Schlenker zum Terminal F macht. In den Haltebuchten warten zwei Limousinen. „Uber“, erkennt Günni sofort nach dem Blick auf die Kennzeichen. „Es sind immer die gleichen. Sie kommen aus Mindelheim, sie kommen aus dem Bayerischen Wald. Sie haben sogar Kölner Kennzeichen.“ Günni scrollt auf seinem Handy durch seine Bildergalerie. In verschiedenen WhatsApp-Gruppen stellen die Taxikollegen täglich Dutzende Fotos ein, immer von Mietwagen, die man mit Fahrgästen sieht, beim Fahrgäste ein- oder ausladend und dann wieder irgendwo wartend. Eindeutige Dokumentationen, dass die Rückkehrpflicht zum Betriebssitz nicht eingehalten wurde. Günnis Chef, Florian Bachmann, ist Vorstand des Taxiverbands München TVM. Er hat viele Fahrzeuge an die Behörden gemeldet. Im Kreisverwaltungsreferat München ist man sehr aktiv. Schon vor zwei Jahren hat man jeden Mietwagenkonzessionär darüber informiert, dass die Auftragsannahme durch Apps nicht erlaubt sei. Um dagegen vorzugehen, braucht es aber eindeutige Beweise. Das ist mühsam, denn die Uber-Partner haben alle unglaublich viele Geschwister, die einen Großteil ihres Lebens in Flugzeugen verbringen. Auch das Landratsamt München greift härter durch – wie im Fall des Uber-Partners M. Doch was hilft das, wenn ausgerechnet in den Landkreisen, die für den Flughafen zuständig sind, nicht kontrolliert und durchgegriffen wird? Trotzdem geben Günni und seine Kollegen nicht auf. Sie dokumentieren weiter die immer gleichen Fahrzeuge, machen Fotos, beweisen, dass keine Rückkehr zum Betriebssitz stattfand. Noch reagieren die Kollegen sehr besonnen, doch die verbalen Streitereien mit den Uber-Fahrern nehmen zu. „Deren Dreistigkeit ist kaum noch zu ertragen“, sagt Günni. Wir sind wieder am Agip angekommen. Der unwissende Mietwagenfahrer von vorhin ist nicht mehr da, dafür zwei andere „bekannte Uber-Partner“. Wir gehen wieder hin und stellen die gleichen Fragen und bekommen die gleichen Antworten, nur dass diesmal die Schwester und nicht der Bruder abgeholt wird. Es ist, als hätte ihnen jemand genau vorgeschrieben, was sie zu sagen haben, wenn sie nach der Rückkehrpflicht befragt werden. „Der Betrug hat System“, sagt Günni, als er sich von uns verbschiedet und sich in die Wartereihe der Kollegen einreiht. Wenn er nach ca. drei Stunden Wartezeit einen Fahrgast bekommt, wird er ihm ein kühles Getränk anbieten. „Als speziellen Taxi-Service.“ jh Hinweis: Aus datenschutzrechtlichen Gründen wurden alle Kennzeichen und Namen der hier genannten Mietwagenunternehmer geschwärzt bzw. geändert. Der Redaktion sind die echten Namen und Kennzeichen bekannt. DAS LEERE VERSPRECHEN DES LRA ERDING Regelmäßig tauchen Taxikollegen im Landratsamt (LRA) Erding auf, um auf die permanenten Missstände am Flughafen aufmerksam zu machen. Doch es mangelt an Personal, seit ein früherer Sachbearbeiter wegen Vorteilsannahme im Amt verurteilt wurde, weil er Räume seines Privathauses an Taxibetriebe als Betriebssitz vermittelt hatte, damit diese ihre Konzession im Landkreis Erding anmelden konnten und so am Flughafen Aufstellrecht hatten. (Taxi Times München berichtete). Er war daraufhin aus dem Landratsamt ausgeschieden. Die lange Zeit freie Stelle wurde nun endlich mit einer jungen Kollegin besetzt. Bleibt jetzt Zeit für Kontrollen? In einem Gespräch mit den TVM- Vorständen hat der Verantwortliche versprochen, gemeinsam mit dem Kollegen aus Freising zu kontrollieren. Gemeinsam deshalb, weil das Flughafenareal durch beide Landkreise geht. Die Agip-Tankstelle ist beispielsweise Landkreis Freising, das Audi-Forum zählt zu Erding. „Nach Ostern, hat es geheißen, sollte kontrolliert werden“, verweist Taxikollege Günni auf einen Bericht in der Taxi Times vom April und atmet tief ein. „Jetzt ist Pfingsten schon lange vorbei und immer noch ist nichts passiert.“ Günni hat sich schlaugemacht. „Juristisch“, sagt er, kann man mittlerweile von einem rechtsfreien Raum sprechen. „Damit sollte man mal den verantwortlichen Landrat konfrontieren.“ jh FOTO: Taxi Times 10 JUNI / JULI / 2018 TAXI

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