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Taxi Times München - Juni 2018

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WETTBEWERB Der IsarTiger

WETTBEWERB Der IsarTiger geht nachts auf Shuttle- Tour. Ob er als Raubtier im Taxirevier wildert oder seine Beute mit dem Taxigewerbe teilt, wird die Zukunft zeigen. DIE MVG SHUTTELT MIT CADDYS Die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG will ab Mitte Juni einen Sammeltaxi- Dienst erproben, dem man den vielsagenden Namen »IsarTiger« gegeben hat. Das Taxigewerbe wurde im Vorfeld informiert. Der Test für den „IsarTiger“ beginnt mit einer dreimonatigen, kostenlosen Erprobungsphase mit 20 umweltfreundlichen Pkw, darunter VW-Caddys mit CNG-Antrieb sowie die kleineren, elektrisch angetriebenen VW-Golf und BMW i3. Ob weitere Fahrzeuge angeschafft werden, hängt nach Auskunft des Pressesprechers der Stadtwerke München, Michael Solić, vom Verlauf der Testphase ab. Auf Anfrage der Taxi Times schrieb er in einer E-Mail: „Das Besondere bei der Münchner Lösung ist auch, dass etwaige Kapazitätserweiterungen von vornherein in Kooperation mit Taxiunternehmen gedacht werden. Die ersten Gespräche dazu gab es bereits mit den beiden großen Taxianbietern in München; sie werden zeitnah weitergeführt.“ FÜR JEDEN BLEIBT ETWAS ÜBRIG Jürgen Dinter, IsarFunk München, bestätigte die Gespräche. „Wir begrüßen es, dass die MVG eine Zusammenarbeit mit örtlichen Dienstleistern in Betracht zieht“, sagte Dinter. Solić beantwortet die Frage der Konkurrenzsituation diplomatisch: „Gerade in München ist die Mobilitätsnachfrage so groß, dass für jeden Anbieter etwas übrig bleibt.“ Genehmigungstechnisch plant die MVG eine Erlaubnis als Linienverkehr. Dafür seien nach Aussage Solićs „alle Details in mehreren Gesprächen“ mit der Regierung von Oberbayern, die für Genehmigungen im Linienverkehr zuständig ist, „abgestimmt worden“. Laut Aussage der MVG soll der IsarTiger als „OnDemand-Service“ längerfristig „eine Lücke schließen“ und gerade da wirken, wo der Abstand zwischen den Haltestellen zu groß sei: Die gesetzliche Definition von Linienverkehr setzt aber Haltestellen und Regelmäßigkeit voraus. Der Sprecher des für Taxigenehmigungen zuständigen Münchner Kreisverwaltungsreferates (KVR), Johannes Mayer, entgegnet dazu, dass es der Genehmigungsbehörde erlaubt wäre, „den atypischen Verkehr“ einem der Typen des Personenbeförderungsgesetzes zuzuordnen (§ 2 Abs. 6 PBefG). Während der Erprobung in der ersten Stufe sollen Kunden der MVG zur Teilnahme eingeladen werden. Sie können sich samstagnachts zwischen 19 und 2 Uhr per Smartphone-App ein Fahrzeug zu einer der bestehenden Haltestellen oder zu einem der U-Bahnhöfe bestellen und sich zu einer beliebigen Adresse im Bediengebiet zwischen der Innenstadt und dem Münchner Westen fahren lassen. Fahrtwünsche anderer Kunden werden zu gemeinsamen Routen optimiert. Die MVG möchte Kundenbedürfnisse kennenlernen, ihre Betriebs- und Rechnungsabläufe erproben und wird die Testphase durch eine Marktforschung begleiten. In der zweiten Stufe soll der Service kostenpflichtig werden und eventuell auf die Freitagnacht ausgedehnt werden. Die Fahrpreise sollen über dem des städtischen ÖPNV, aber unterhalb des Taxitarifs bleiben. Der Fahrpreis wird vom Konto des Nutzers abgebucht. prh • Verkehrsunfallabwicklung • Verkehrsrecht • Bußgeldsachen • Zivilrecht • Strafrecht Brienner Str. 11 D-80333 München Tel. 089 - 55 06 67-0 Fax. 089 55 06 67-129 www.artz-partner.de artz@artz-partner.de FOTO: MVG, xxxxx 14 JUNI / JULI / 2018 TAXI

WETTBEWERB RIDE-HAILING IST NICHT RIDE-SHARING »Ride« heißt »einen Ausflug machen«, »sharing« heißt »gemeinsame Benutzung«, »hailing« heißt »hageln«. Dienste wie Uber, Didi und moovel wünschen sich, dass es Profit hagelt. Isar-Tiger: nur echt mit dem Taxigewerbe … Die Aktienbewertung von Uber liegt bei über 40 Milliarden Dollar. Da kann niemand mehr von einem öffentlichen Dienst oder gar einer sozialen Mission sprechen. Denn nur das verdient den Namen „Ride-sharing“, wie z. B. die klassische Mitfahrzentrale. Die „Mitfahrunternehmen“, wie sie sich selbst nennen, betreiben auf Profit orientiertes „Ride-Hailing“, auch „Ride-Booking“ genannt. Der US-amerikanische Ride-Hailing-Riese Uber teilt sich gerade die Welt mit dem chinesischen Rivalen Didi auf. In China hat sich Didi im letzten Jahr durchgesetzt und die chinesische Niederlassung von Uber übernommen. Didi wurde drei Jahre später als Uber gegründet, hat aber bereits 60 Millionen Nutzer mehr als Uber und seit Juli 2017 über 4 Milliarden Dollar mehr Kapital. Hier ein Auszug der Investorenliste: Apple, Alibaba, Tencent, SoftBank, Foxconn. Zum Vergleich ein Auszug aus Ubers Investorenliste: Citigroup, Fidelity, Goldman Sachs, Microsoft, Morgan Stanley, Jeff Bezos. Die Expansion von Didi ist erfolgreicher, weil die Chinesen, anders als Uber, Konkurrenten nicht verdrängen, sondern die Beteiligung an lokal führenden Ride- Hailing-Anbietern anstreben. Und bei uns? Irgendwie fliegt Daimler immer knapp unter dem Radar. Die Mobilitäts-App moovel sowie zahlreiche Beteiligungen und Kooperationen (z. B. mit Via) zeigen aber, dass der Konzern in Deutschland und Europa gerne die Rolle von Uber oder Didi spielen würde. Wer eine Mobilitäts-App will, die Verkehrsangebote im öffentlichen Verkehrsinteresse vernetzt, sollte Kooperationen von Nahverkehrsgesellschaften und Mercedes kritisch sehen. Kommt der schwäbische Autobauer wie beispielsweise in Stuttgart oder Berlin zum Zug, dann besteht die große Gefahr, dass wir es am Ende doch mit Uber oder Didi zu tun bekommen. Denn moovel dürfte für diese Giganten bestenfalls ein Übernahmekandidat sein. Fazit: Keine Mobilitäts-App ohne Taxi- Apps wie taxi.eu und Taxi Deutschland! Bei moovel ist nur die Eigenmarke mytaxi integriert. Und als MVG-Partner taugt vor allem das Taxigewerbe: als Isar-Tiger in Hellelfenbein. sb S C H L A G E R HOUSE EDITION FOTO: Fotolia / olga_gl TAXI JUNI / JULI / 2018 15

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