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Taxi Times München - Juni 2018

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TITELTHEMA Anita

TITELTHEMA Anita Marzini, Taxifahrerin seit 1994, 2 Enkelkinder Levent Tatli, Taxifahrer seit 1997, 2 Kinder Mazin Abudi, Taxifahrer seit 2010, 2 Kinder Erkan Görüyilmaz, Taxiunternehmer seit 2016, verheiratet in unsere Taxis vermittelt wird. Und natürlich bieten auch wir die Möglichkeit, Taxifahrten mit anderen (fremden) Mitfahrern zu teilen. »Schützen Ihre Oma, Ihre Nachbarn – und Ihre Wähler« EINE APP KANN NICHT ALLES Unser Angebot geht sogar noch weiter. Es gibt viele Dinge, die lassen sich nicht mit einer App erledigen. Wenn Sie zum Beispiel etwas im Fahrzeug vergessen haben. Wenn Sie uns mitteilen wollen, dass Sie einen besonders großen Kombi brauchen, weil Ihr Hund auch mitfährt. Wenn wir Ihnen aus der Apotheke etwas besorgen sollen. Und wenn wir Sie am Hauseingang oder in der Praxis abholen sollen, weil Sie im Rollstuhl sitzen und unsere Hilfe brauchen. Haben Sie schon einmal versucht, über eine der neuen „modernen“ Apps ein Rollstuhltaxi zu bestellen? Bei uns geht das, unsere Taxizentralen sind dafür auch immer telefonisch zu erreichen – mit freundlichen Mitarbeitern am anderen Ende der Leitung. Das ist nicht altmodisch und unmodern, das ist menschlich und serviceorientiert. Unsere Konkurrenz macht es sich viel einfacher. Uber und all die anderen möchten keine schwierigen Aufträge. Sie bieten Mobilität nur denjenigen an, die schnell, beweglich und technikaffin sind – und die sich ein Fahrzeug auch dann leisten können, wenn die Fahrt wegen hoher Nachfrage drei bis viermal so teuer wird. Zahlreiche Medien haben darüber berichtet, als bei einem amerikanischen Fahrtenvermittler zu Silvester die Preise explodierten, als bei einem Terroranschlag in Sydney die Flughafenfahrten plötzlich ein Vielfaches kosteten. Algorithmen bestimmen bei diesen Anbietern den Preis. Je höher die Nachfrage, desto höher die automatische Abbuchung von der Kreditkarte. Großereignisse wie Volksfeste oder wichtige Messen verteuern jede Fahrt. Reiche Businesskunden können sich das noch leisten, die Oma Müller mit ihrer kleinen Rente muss zu solchen Zeiten Sie ihren wichtigen Arzttermin absagen. Das ist die wahre Absicht, die hinter dem Taxigesetz „PBefG“ steckt, das von den neuen App-Anbietern als altmodisch und unzeitgemäß gegeißelt wird. Das PBefG wurde nicht geschrieben, um den Taxiunternehmer zu schützen, sondern um den Kunden zu schützen. Dieser Anspruch ist zeitlos, er galt schon 1960 und er muss auch im Jahr 2018 gelten. Das PBefG garantiert feste Preise (Tarifpflicht), eine 24/7-Verfügbarkeit (Betriebspflicht) und die Verlässlichkeit, dass jede Fahrt durchgeführt wird (Beförderungspflicht). Diese drei Pflichten sind die Säulen des Taxiverkehrs. Wenn man nur eine davon entfernt, stürzen auch die anderen ein. Dann haben Sie als Fahrgast keine Verlässlichkeit mehr. Das ist der Grund, warum wir Taxifahrerinnen und Taxifahrer dafür kämpfen, dass WARUM VERANTWORTUNGSBEWUSSTE POLITIKER DIE RÜCKKEHRPFLICHT NICHT AUFHEBEN DÜRFEN! Rückkehrpflicht für Mietwagen bedeutet, dass ein Chauffeur nach Beendigung einer Personenbeförderung sofort und auf direktem Weg zum Firmensitz zurückfahren muss. Sobald eine weitere Bestellung vorliegt (die nicht per App, sondern am Betriebssitz eingehen muss), kann der Chauffeur diese unverzüglich durchführen. Die Rückkehrpflicht ist also eine Regelung für den Fall, dass ein Chauffeur KEINEN neuen Fahrtauftrag hat. Was macht also ein Mietwagenfahrer zwischen zwei Touren, wenn er nicht zum Betriebssitz zurückfahren muss? Er bewegt sich dort, wo er schnell einen nächsten Auftrag erwartet. Anders als Taxis darf der Mietwagenchauffeur aber an keinem Halteplatz warten, er darf auch keine Fahrgäste aufnehmen, die ohne Bestellung einsteigen. Also muss er so lange im Kreis herumfahren, bis er eine Bestellung per App bekommt. Untersuchungen in den USA, wo Uber und andere private Anbieter bereits den Markt übernommen haben, beweisen, dass dort der Verkehr rasant zugenommen hat. Selbst wenn manche Mietwagenfahrer anstatt zu kreisen auf Parkplätzen am Straßenrand warten, verschärft dies das Verkehrs- und Stauproblem der Innenstädte. Denn diese Parkplätze fehlen den Anwohnern, die dadurch länger suchend durch die Straßen fahren müssen. Jeder, der schon einmal hinter einem Auto im Schneckentempo hergefahren ist, das einen Parkplatz sucht, weiß, dass dies die größten Stauverursacher sind. Taxis fahren dagegen nach dem Ausstieg ihrer Kunden sofort zu dem nächstgelegenen öffentlichen Halteplatz und warten dort auf die nächste Fahrt. Sie verursachen so keinen Stau und nehmen auch keine öffentlichen Parkplätze weg. Der Wegfall der Rückkehrpflicht für Mietwagen würde also den Verkehr und die Umwelt nicht entlasten, sondern noch sehr viel stärker belasten als bisher. jh FOTOS: Günni 6 JUNI / JULI / 2018 TAXI

TITELTHEMA Nazari Ahmad Wali, Taxifahrer seit 2010, 4 Kinder Faik Akbeniz, Taxifahrer seit 2011, verheiratet Muhammed Tunca, Taxifahrer seit 2017 Manfred Reiter, Taxiunternehmer seit 2009 die Tarif, Betriebs- und Beförderungspflicht im PBefG nicht aufgehoben oder gelockert wird. Die anderen App-Anbieter wollen sich diesen Verpflichtungen nicht unterwerfen. Sie und ihre Partner betreiben ihre Fahrzeuge deshalb auch nicht als Taxi, sondern als Mietwagen mit Chauffeur. Ein Mietwagenchauffeur hat viele Rechte: Er darf den Fahrpreis frei bestimmen, hat also keine Tarifpflicht. Er darf aussuchen, welche Fahrten er machen will und welche nicht, hat also keine Beförderungspflicht. Er entscheidet seine Verfügbarkeitszeiten selbst, weil er keine Betriebspflicht hat. Wenn Mietwagen-Apps erst einmal den Markt beherrschen, müssen Bürger immer damit rechnen, dass eine Fahrt völlig überteuert abgerechnet wird, dass Bestellungen abgelehnt werden, weil sie zu kurz sind oder dass erst gar keine Fahrzeuge zur Verfügung stehen. TAXIS SIND IMMER IN DER NÄHE Ein Mietwagenchauffeur hat aber auch viele Pflichten. So muss er beispielsweise nach jeder Fahrt zu seiner Firmenzentrale zurückfahren, solange er keinen neuen Auftrag hat. Er darf also nicht irgendwo am Straßenrand parken oder halten, bis neue Fahrgäste über seine App bestellen oder bei ihm direkt einsteigen. Er darf auch nicht so lange im Kreis fahren, bis er endlich eine neue Fahrt bekommt. Es gibt keine öffentlichen Warteplätze für Mietwagen. Die gibt es nur für uns Taxifahrerinnen und Taxifahrer. Wir Taxifahrer stehen an Hunderten von Halteplätzen in der Stadt, immer in Ihrer Nähe, damit Sie jederzeit direkt bei uns einsteigen können – am Bahnhof, beim Fußballstadion, vor Krankenhäusern, vor dem Theater, an der S-Bahnhaltestelle. Wir warten an vielen Stellen in unseren Städten und Gemeinden, damit wir immer ganz schnell da sind, wenn Sie uns brauchen. Was uns große Sorgen macht: Wir warten an diesen Taxihalteplätzen in letzter Zeit immer länger, weil viele Mietwagenfahrer nicht wie vorgeschrieben nach einer Fahrt zu ihrem Firmensitz zurückkehren. Weil sie sich stattdessen irgendwo hinstellen oder so lange im Kreis fahren, bis sie von Ihnen bestellt werden. Sie als Kunde freuen sich dann natürlich, wenn der Uber-Wagen innerhalb von fünf Minuten da ist. Aber wussten Sie, dass ein per App bestellter Mietwagen nur deshalb so schnell da sein kann, weil er vorher gegen das Gesetz verstoßen hat? Hätten Sie auch 20 Minuten gewartet, wenn er von seinem Firmensitz losgefahren wäre? Wir glauben, Sie würden dann lieber uns als Ihre zuverlässigen und schnell erreichbaren Taxifahrerinnen und Taxifahrer bestellen. Unsere Konkurrenz handelt bewusst illegal. Vor allem die Uber- Partner wissen, dass sie kaum kontrolliert werden und dass man ihnen einen Verstoß gegen die Rückkehrpflicht nur schwer nachweisen kann. Sie schaffen sich einen eigenen rechtsfreien Raum und fordern gleichzeitig von der Politik, die Rückkehrpflicht aus dem PBefG zu streichen. Natürlich verrät man gegenüber der Politik nicht, dass man sich sonst weiterhin gesetzeswidrig verhalten müsste. Stattdessen argumentiert man, dass mit der Rückkehr zum Betriebssitz eines Mietwagenunternehmens unnötig die Umwelt verschmutzt und Staus verursacht würden. Diese Begründung hat einen großen Denkfehler (siehe nebenstehender Kasten). Wir Taxifahrer und Taxifahrerinnen appellieren an die Politiker Deutschlands: Lassen Sie sich nicht durch einseitige Argumente dazu verleiten, das PBefG an die Wünsche kapitalstarker Großkonzerne anzupassen. Indem Sie das Taxi schützen, schützen Sie nicht nur uns und unsere Familien. Sie schützen auch Ihre Großmutter, Ihren Nachbarn und Ihre Wähler. Nur mit dem Taxi und seinem sich am Verbraucherschutz orientierenden Gesetzesrahmen wird individuelle Mobilität nicht zum Luxusgut der Gesellschaft, sondern bleibt weiterhin für alle zugänglich. Wir Taxifahrer und Taxifahrerinnen bitten aber auch unsere Fahrgäste um Unterstützung. Helfen Sie uns, dass das Taxi als Alternative und Teil des ÖPNV bestehen bleibt. Als eine Alternative, die zwar teurer ist als Bus und Bahn, aber trotzdem immer bezahlbar bleibt und Ihnen jederzeit zur Verfügung steht. Mit herzlichen Grüßen Ihre Taxifahrerinnen und Taxifahrer Ihr Spezialist für Taxiversicherungen in München Wir bieten Ihnen für Taxen und Mietwagen: Preisgünstige Sondertarife für Taxen und Mietwagen Besondere Flottenkonditionen ab 3 Konzessionen Sondereinstufungen für Neueinsteiger Rechtschutz- und Betriebshaftpflichtkonzepte NEU: Taxi-Schutzbrief inkl. Leistung für Leihtaxi Carl-Zeiss-Str. 49 85521 Riemerling/Ottobrunn Telefon 089 / 58 90 96 70 Web www.fvo-finanz.de E-Mail info@fvo-finanz.de UNTER STÜTZER DES TAXI GEWERBES TAXI JUNI / JULI / 2018 7

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