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E_1936_Zeitung_Nr.054

E_1936_Zeitung_Nr.054

BERN, Freitag, 3. Juli 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang — N° 54 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dlenstan and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Gelbe Liste- REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheck III 414 • Telegramm-Adresse: Autorerue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrSssere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern der RUsswirtschalt E Der 5. Juli 1936 als Prüfstein — Politischer Schnaps—Vernichter des Automobilismus. Späne werden fliegen in diesem Kampfe, haben wir kürzlich erklärt. Heute schon dürfte an einem vollen Erfolge der durch die Benzinkonsumenten auf nächsten Sonntag angesetzten Stillegungsaktion denn auch kein Zweifel mehr sein. Ein Tageserfolg — wird man dann abschätzend urteilen. Jedem Einsichtigen aber muss das Ergebnis dieser 24 Stunden dartun, wie die ganze Bewegung nicht künstlich geschaffen worden ist, sondern auf Grund der untragbar gewordenen Verhältnisse inmitten der betroffenen Kreise entstand, wie sie nicht von oben diktiert, sondern als natürlicher Ausdruck des Selbsterhaltungswillens von unten herauf kam und schon deshalb schwerlich auf eine Einzelaktion beschränkt bleiben wird. Für uns erfreulich ist die Sympathie, welcher dieser demonstrative Verzicht auf das Benützen der Motorfahrzeuge in den verschiedensten Volksklassen begegnet. Jeder Unvoreingenommene hat endlich begriffen, dass es gegen Recht und Gerechtigkeit geht, den Benzinkonsumenten einen Zusatztreibstoff zu 2 Fr. pro Liter aufzuzwingen, während ihnen besseres Material zu 7,5 Rappen pro Liter (unverzollt) und zu 43 Rappen pro Liter in beliebigen Mengen zur Verfügung steht. 25 Rappen kostet heute ein Glas Bier. Wer ist also willens, für den Becher 2 Fr. zu zahlen? Benzin darf beim heutigen Stand der Motorisierung nicht mehr als Luxusgut angesprochen werden. Und den ewigen Nörglern, welche da behaupten: Die Geltendmachung berechtigter Ansprüche auf derart absonderlichem Wege widerspreche «edlem Schweizersinn », sei ins Stammbuch geschrieben: Wenigstens konsumieren darf der Bürger unserer freien Schweiz noch, was ihm beliebt. Hier Zwang anzuwenden, und handle es sich auch nur um die Fütterung der Explosionsmotoren, dazu gibt es nicht einmal ein moralisches Recht! Zur Selbstaufgabe bereite Idealisten mögen still halten, wenn ihnen das Hemd vom Leibe gerissen wird. Weder Motorfahrzeugbesitzer noch Benzinkonsumenten aber sind hiezu gewillt! Automobilisten, Benzinkonsumenten! Wehrt euch am 5. Juli 1936 geschlossen gegen die andauernden Zugriffe von Moloch Staat auf die kleiner und kleiner werdenden Einkommen weitester Kreise! Beweist durch eure Einmütigkeit, dass wir Eidgenossen zwar Engelsgeduld besitzen, dass ein endliches: Bis hierher und nicht weiter! dann aber um so gewaltiger aufsteigt! Zeigt, wie über alle politischen Verschiedenheiten hinwegschreitend eine Devise heute alle Steuerzahler eint: So wirbt ein Automobilist in einer Schweizer Stadt für die Abwehraktion vom 5. Juli, ein unmissverständlicher Beweis für die begeisterte Zustimmung, welche die Stillegung in diesen Kreisen gefunden hat. Schluss mit der Misswirtschaft! Automobilisten, Benzinkonsumenten! Ueberdenkt noch einmal die gegenwärtige Lage der schweizerischen Automobilwirtschaft. Werdet euch darüber klar, dass es vielleicht einzelnen unter euch noch immer möglich ist, für den Liter Benzin 50 und mehr Rappen zu bezahlen, ohne deshalb die Fahrleistungen einschränken zu müssen, dass diesen Ausnahmen aber die Mehrzahl der schweizerischen Motorfahrzeugbesitzer gegenübersteht, für die jede weitere Benzinpreiserhöhung die sichere Vernichtung von Erwerbsmöglichkeiten und damit ihrer Existenz bedeutet Erkennt, dass von eurem Tun und Lassen am' 5. Juli 1936 das Schicksal des schweizerischen Autogewerbes abhängt! Nur eine lückenlose Front vermag die Bundesbehörden vom Willen der gesamten Automobilwirtschaft zum Kampf mit dem Fiskus, und zwar auch in noch schärferer Form, zu überzeugen. Ueber das ganze Land verteilen sich die Kontrollen der am motorisierten Strassenverkehr Interessierten. Wer am 5. Juli a. c. sein Motorfahrzeug in Verkehr setzt, hat kein Recht, allfälligen Pfiffen oder dem Gespött der Strasse gegenüber den Entrüsteten zu spielen. Er verdient die ihm zuteil werdende Verachtung, denn er verrät 40 000 Miteidgenossen, die auf Gedeih und Verderb mit der schweizerischen Automobilwirtschaft verknüpft sind. Wer sich zu Recht und Gerechtigkeit bekennt, bleibt am 5. Juli 1936 zu Hause! Dass diesem eidgenössischen Schnaps, der nun um jeden Preis unsern "Explosionsmotoren eingeschüttet werden soll, ein besonderes beim ganzen Beimischungszwang nicht nur um die Benzinpreisverteuerung, sondern ebensosehr um die Behebung der Alkoholmisswirtschaft und um Klarheit in jeder Beziehung! Uns interessiert die Ausdehnung des durch die Alkoholmillionen gespiesenen Kanalnetzes ausserordentlich. Man hat während der letzten vier Wochen fast ausschliesslich von den unerhörten Zumutungen der Alkoholverwaltung an die Automobilisten gesprochen. Aber nicht nur den Benzinkonsumenten gegenüber gefällt sich dieser Regiebetrieb in der Rolle des Mannes mit der eisernen Faust auch industrielle Grossbezüger von Sprit mussten sich allerhand gefallen lassen. Dass die über das Wohl grosser Bevölkerungskreise kühl hinwegschreitende Alkoholverwaltung es auch ablehnte, kleinen Spitälern und Krankenkassen weiterhin verbilligten Alkohol abzugeben, verwundert niemanden mehr. Als jedoch dann bestimmte industrielle Verbraucher mit der Schliessung der Fabriken drohten, fand sich die Monopolverwaltung plötzlich bereit, nicht länger den von 250 auf 580 Franken pro 100 kg hinaufgesetzten Ansatz, sondern einen solchen von 54 Fr. pro 100 kg in Anrechnung zu bringen. Die Preisreduktion von 526 Fr. pro 100 kg ist diesen Bezügern durchaus zu gönnen. Das Beispiel aber beweist neuerdings, welches Rechengenie an der Spitze dieses eidgenössischen Regiebetriebes amtet Anstandslos bezahlten Glühlampenfabriken, Uhrenindustrie und graphisches Gewerbe etc. die längste Zeit 250 Fr. pro 100 kg Sprit. Weil nun der Alkoholdirektor als Herrscher in sei- Weil die Motorfahrzeugbesitzer nicht gewillt sind, die Kosten der beispiellosen Misswirtschaft der Alkoholverwaltung zu bezahlen. Weil sie den Beimischungszwang als einen volkswirtschaftlichen Unsinn ablehnen. Weil jede weitere Belastung des Motorfahrzeugsverkehrs unerträglich ist, und Weil die Motorfahrzeugbesitzer Gerechtigkeit auch in der Steuerpraxis verlangen. Protestieren sie gegen die fortdauernde Mehrbelastung durch Zölle und Sondersteuern, und Verlangen Warum wir nns am 5. Juli wehren... von den zuständigen Behörden vollständigen Verzicht auf jede weitere fiskalische Massnahme, die geeignet ist, Tausenden das Halten von Motorfahrzeugen zu verunmöglichen I Der 5. Juli, als Protesttag sämtlicher Motorfahrzeugbesitzer, soll den Behörden mit aller Deutlichkeit beweisen, dass die Zeiten der Worte vorüber sind, und die Stunde der Tat geschlagen hat! Geschmäcklein eigen ist, hat die Behandlung der von der eidgenössischen Alkoholverwaltung produzierten Rechenkünste während der Sommersession eindeutig erwiesen. Kein typisch schweizerischen Geschmäcklein — nein, dafür aber ein ausgesprochen politisches. Ein Mann aus der Privatwirtschaft, der gleich dem Direktor der Alkoholverwaltung von seiner vorgesetzten Behörde desavouiert worden wäre, hätte unter allen Umständen die Konsequenzen ziehen müssen. Nach wie vor fühlt sich der eidgenössische Alkoholdirektor trotz all dem Vorgefallenen nicht im mindesten kompromittiert. Aus dem himmelweiten Unterschied zwischen seinen Auffassungen und denjenigen der Steuerzahler im allgemeinen und der Benzinkonsumenten im besondern allein lässt sich dies nicht erklären. Vielleicht aber bringt der ihm kürzlich entwischt sein sollende Ausspruch: Er wisse schon, dass man ihn gerne verschwinden sähe. Bevor es jedoch soweit sei, wolle er dann noch zünftig den Deckel eines Hafens mit besonders trübem Inhalt heben! einiges Licht in die Sache. Man gestatte uns die Frage: Was für schöne Dinge wurden da gebraut, die das helle Licht des Tages nicht vertragen? Heraus mit der Sprache!. Es geht nem Reich diesen Belieferungsmodus nicht mehr anerkennen wollte, sondern auch hier 580 Fr. pro 100 kg Sprit durchzusetzten versuchte, erleidet der Bund durch die Schuld der Alkoholverwaltung einen Ausfall von 196 Fr. pro 100 kg Sprit und hat ausserdem noch den Beamten zu honorieren, welcher die Denaturierung der Ware besorgt Derartige «Husarenstücklein» zeigen mit aller Deutlichkeit, dass durchaus nicht die Alkoholgesetzgebung in erster Linie für die Defizitwirtschaft der Alkoholregie verantwortlich zu machen ist, sondern dass der sich mit wenigen Ausnahmen aus landwirtschaftlichen Kreisen rekrutierende Beamtenstab dieses Verwaltungszweiges mit seinem Chef an der Spitze ebenso sehr schuld trägt an den unhaltbaren Zuständen. Der Bundesrat und insbesondere der Vorsteher des Finanzdepartementes mache sich klar, dass, wird die Konsequenz aus den Parlamentsdebatten über die eidgenössische Alkoholverwaltung nicht voll und ganz gezogen, das ohnehin erschütterte Vertrauen weitester Volkskreise erneut schwerste Belastung erfährt. Praktiken, wie sie bei der Alkoholverwaltung zur Anwendung kamen, sind wenig dazu angetan, den Bürger von Unvoreinge- Wir berichten heute über: Alpenstrassen als Magnete der Autotouristik. Nachlese zum Grossen Preis von Frankreich. Die 400 Meilen auf der Roosevelt-Piste. Noch eine blendungsfreie Beleuchtungsart. Spritbeimischung im Spiegel der andern. Beilage: nommenheit seiner Behörden zu überzeugen. Die Misswirtschaft dieses Regiebetriebes hat das Fass zum Ueberlaufen gebracht. Der 5. Juli 1936 ist nicht nur ein Protest gegen jede weitere Belastung des Motorfahrzeugverkehrs, sondern ebensosehr gegen die Defizite der Alkoholverwaltung, gegen deren Geschäftspraktiken. Die Stillegung des Motorfahrzeugverkehrs wird deshalb nicht Sache der Benzinkonsumenten bleiben, sondern die Angelegenheit aller werden. Noch einmal: Wer der Parole nicht Folge leistet, hilft mit an der Vernichtung der schweizerischen Automobilwirtschaft. Mwehckampf. tnacscfuect Streiflichter aus dem Kanton Zürich. Herr C. Burk hatte am 1. Juli die Zürcher Pressevertreter zu einer Vorbesprechung über die am 5. Juli stattfindende Stillegung des Motorfahrzeugverkehre eingeladen, um ihnen Auskunft zu geben über Zweck und Bedeutung dieser Abwehraktion und die für die Durchführung getroffenen iMassnahmen. Seinen Ausführungen war zu entnehmen, dass die Kant. Straseenverkehrsliga mit der Durchführung der Vorarbeiten ein achtköpfiges Aktionskomitee unter der Leitung von Herrn G. Burk eingesetzt hat. Als Zentralstellen funktionieren die beiden Sekretariate der Zürcher Sektionen des T.G.S. und A.G.S. Die bisherigen- Vorarbeiten bestanden im Versand eines schlagkräftigen Zirkulars an 22.000 Automobilieten und Motorradfahrer, zusammen mit einem kleinen roten Plakat, das die Inschrift trägt c Aus Protest am 5. Juli: Stillegung des Motorfahrzeugverkehrs». Zirkular und Plakat sind auch andern Kantonen zur Verfügung gestellt worden. Schon am Mittwochabend führten die meisten Zürcher Autos diese ausgezeichnete, lebendige Reklame an den Wagenfenstern mit eich. Ausserdem wurden in den Garagen, Reparaturwerkstätten, Hotels und Restaurants des Kantons 3000 grosse Plakate zum Aushang gebracht. Die Das Plakat der Via Vita zum 5. Juli Stillegung des Motorfahrzeug- Verkehrs als Protest Am 5. Juli — gegen die Misswirtschaft der Alkoholverwaltung — gegen das Höhertreiben der Lebenskosten durch immer schwerere Besteuerung des Motorfahrzeugs. Kontrollen werden durchgeführt.