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PC Games Hardware Spezial: Der ultimative Guide der Porträt- und Landschafts-Fotografie Der ultimative Guide der Porträt- und Landschafts-Fotografie (Vorschau)

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DAS HARDWARE-MAGAZIN FÜR <strong>PC</strong>-SPIELER<br />

<strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> <strong>Spezial</strong> präsentiert:<br />

<strong>Der</strong> <strong>ultimative</strong> <strong>Guide</strong> für perfekte <strong>Porträt</strong>fotos<br />

Das große Buch <strong>der</strong><br />

Wende-<br />

Bookazine<br />

Bitte umdrehen …<br />

<strong>Porträt</strong>-<br />

<strong>PC</strong>GH SPEZIAL 03/13<br />

€ 12,99<br />

<strong>Fotografie</strong><br />

Österreich € 14,50<br />

Schweiz sfr 22,-<br />

Benelux € 15,-<br />

Licht • Messung • Blitz • Schwarz & Weiß • Ausstattung


Willkommen<br />

Das große Buch <strong>der</strong><br />

<strong>Porträt</strong>-<br />

<strong>Fotografie</strong><br />

F<br />

otos von Menschen sind aus einem simplen Gr<strong>und</strong> eines <strong>der</strong> beliebtesten<br />

Motive in <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> – die Personen werden in einem ganz<br />

bestimmten Moment festgehalten, ihr Leben dokumentiert <strong>und</strong> auf<br />

diese Weise werden sie Teil unserer Erinnerung. Aber ein wirklich<br />

gutes <strong>Porträt</strong>foto aufzunehmen ist wesentlich schwieriger, als mancher<br />

meinen mag. Das große Buch <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie mit seinen Tipps & Tricks<br />

sowie Anleitungen will Ihnen dabei zur Seite stehen, bessere <strong>Porträt</strong>fotos zu<br />

machen. In unserer Einsteiger-Rubrik führen wir Sie durch die Gr<strong>und</strong>lagen <strong>und</strong><br />

frischen Ihr Wissen in einigen Bereichen wie<strong>der</strong> auf. Die Experten-Sparte wie<strong>der</strong>um<br />

macht Sie mit allen wichtigen Methoden für gelungene <strong>Porträt</strong>fotos vertraut –<br />

angefangen vom Arbeiten mit Licht bis hin zum erfolgreichen Umgang mit Ihren<br />

Models. Unsere Technik-Rubrik bietet Ihnen schließlich eine noch tiefer gehende<br />

Anleitung mit zahlreichen Tipps von Profis zum Beispiel für <strong>Porträt</strong>s auf Reisen<br />

in fremde Län<strong>der</strong> o<strong>der</strong> für das <strong>Fotografie</strong>ren von Kin<strong>der</strong>n <strong>und</strong> Babys. Am Ende<br />

<strong>der</strong> Lektüre des großen Handbuchs für <strong>Porträt</strong>-<strong>Fotografie</strong> werden Sie in jedem Fall<br />

um viele Kenntnisse reicher sein <strong>und</strong> tolle Fotos von Menschen schießen können.<br />

Wir wünschen Ihnen dabei viel Freude <strong>und</strong> Erfolg!


Inhalt<br />

26<br />

GRUNDLAGEN<br />

FÜR EINSTEIGER<br />

10 Perfekte <strong>Porträt</strong>s<br />

Geben Sie Ihren Portraits den richtigen Kick.<br />

18 Großartige Selbstporträts<br />

Drehen Sie Ihre Kamera doch auch einmal um.<br />

20 Die 20 besten Tipps für<br />

Ihre <strong>Porträt</strong>-Fotos<br />

So einfach verbessern Sie Ihre Aufnahmen.<br />

22 Übliche Fehler bei <strong>Porträt</strong>s<br />

Vermeiden Sie diese typischen Fallstricke.<br />

„Profitipps, die Ihr<br />

<strong>Fotografie</strong>-Können<br />

schnell verbessern.“<br />

So gelingen<br />

bessere <strong>Porträt</strong>s<br />

– mit unseren detaillierten Anleitungen ab Seite 26.<br />

FÜR EXPERTEN<br />

26 Bessere <strong>Porträt</strong>s schießen<br />

Das <strong>Porträt</strong>ieren ist eine <strong>der</strong> beliebtesten<br />

Fotoarbeiten – hier erfahren Sie warum.<br />

34 Mit Licht arbeiten<br />

So machen Sie sich unterschiedliche Lichtverhältnisse<br />

für beste Bil<strong>der</strong>gebnisse zunutze.<br />

42 Den Blitz kreativ<br />

einsetzen<br />

Auch mit dem eingebauten Blitz lassen<br />

sich großartige Ergebnisse erzielen.<br />

44 <strong>Der</strong> Einsatz des<br />

entfesselten Blitzes<br />

Die Nutzung eines entfesselten Blitzgeräts<br />

bringt noch mehr kreativen Spielraum.<br />

50 Mit Models arbeiten<br />

Für erfolgreiche Fotosessions ist es wichtig,<br />

gute Models zu finden <strong>und</strong> sie richtig zu führen.<br />

22<br />

4 PORTRÄTFOTOGRAFIE


© James Na<strong>der</strong><br />

CONTENTS<br />

© Gavin Gough<br />

78<br />

70 20<br />

62<br />

TECHNIKEN<br />

58 Location-<strong>Porträt</strong>s<br />

<strong>Porträt</strong>-Fotos außerhalb des Studios<br />

70 <strong>Porträt</strong>s in Schwarz-Weiß<br />

Auf Farben verzichten – monochrom arbeiten<br />

78 Die Gesichter <strong>der</strong> Welt<br />

Die wichtigsten Tipps für Sie, um auf Reisen<br />

authentische <strong>Porträt</strong>s zu erhalten.<br />

90 Fashion-<strong>Porträt</strong>s<br />

Mit Models umgehen – einen Stil entwickeln<br />

34<br />

102 <strong>Fotografie</strong> mit Kin<strong>der</strong>n<br />

<strong>und</strong> Neugeborenen<br />

Profi-Tipps für tolle Kin<strong>der</strong>-Fotos<br />

„Kreieren Sie<br />

ganz persönliche<br />

Aufnahmen.“<br />

PORTRAITFOTOGRAFIE 5


dAS Kult-MAgAzIn füR gAMeR<br />

komPlett interaktiv<br />

komPlett in Deutsch<br />

nur für aPPle iPaD<br />

eDge is the trademark of future Publishing limited, a future plc group company,<br />

uk 2013. used un<strong>der</strong> licence. all rights reserved.<br />

edge de #260 – dezeMbeR 2013<br />

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DAS HARDWARE-MAGAZIN FÜR <strong>PC</strong>-SPIELER<br />

<strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> <strong>Spezial</strong> präsentiert:<br />

Das große Buch <strong>der</strong><br />

<strong>Porträt</strong>- &<br />

<strong>Landschafts</strong>-<br />

<strong>Fotografie</strong><br />

Ein Unternehmen <strong>der</strong> MARQUARD MEDIA INTERNATIONAL AG<br />

Verleger Jürg Marquard<br />

Verlag<br />

Vorstand<br />

Computec Media AG<br />

Dr.-Mack-Straße 83, 90762 Fürth<br />

Telefon: +49 911 2872-100<br />

Telefax: +49 911 2872-200<br />

redaktion@pcgameshardware.de<br />

www.pcgameshardware.de | www.pcghx.de<br />

Albrecht Hengstenberg (Vorsitzen<strong>der</strong>),<br />

Rainer Rosenbusch, Ingo Griebl<br />

Chefredakteur <strong>PC</strong>GH SPEZIAL (V.i.S.d.P.) Christian Müller, verantwortlich für den redaktionellen Inhalt, Adresse siehe Verlagsanschrift<br />

Redakteur für beson<strong>der</strong>e Aufgaben <strong>PC</strong>GH SPEZIAL Lars Craemer<br />

Layoutkoordination <strong>PC</strong>GH SPEZIAL Albert Kraus<br />

Mitarbeiter dieser Ausgabe Emanuel Bergmann, Susanne Möllendorf, Daniel-André Reinelt, Moritz Treutwein<br />

Ina Hulm (Lektorat), Christiane Scholz (Layout)<br />

Chefredakteur <strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> Thilo Bayer (tb)<br />

Product Manager Daniel Waadt (dw)<br />

COO Hans Ippisch<br />

Vertrieb, Abonnement Werner Spachmüller (Ltg.), Nikolaus Krier<br />

Marketing Jeanette Haag<br />

Produktion Martin Closmann (Ltg.), Jörg Gleichmar<br />

www.pcgameshardware.de<br />

Chefredakteur Online Thilo Bayer<br />

Redaktion Andreas Link, Lars Craemer, Marco Albert, Frank Stöwer, Carsten Spille, Marc Sauter,<br />

Raffael Vötter, Stephan Wilke<br />

Entwicklung Markus Wollny (Ltg.), René Giering, Aykut Arik, Tobias Hartlehnert<br />

Webdesign Tony von Biedenfeld, Emanuel Popa<br />

Anzeigen<br />

CMS Media Services GmbH, Dr.-Mack-Straße 83, 90762 Fürth<br />

Anzeigenleiter<br />

Gunnar Obermeier, verantwortlich für den Anzeigenteil. Adresse siehe Verlagsanschrift<br />

Anzeigenberatung Print:<br />

Bernhard Nusser: Tel.: 0911-2872-254; bernhard.nusser@computec.de<br />

René Behme: Tel.: 0911-2872-152; rene.behme@computec.de<br />

Alto Mair: Tel.: 0911-2872-144; alto.mair@computec.de<br />

Anne Müller: Tel.: 0911-2872-251; anne.mueller@computec.de<br />

Anzeigenberatung Online:<br />

freeXmedia GmbH<br />

Ein Unternehmen <strong>der</strong> freenet Group<br />

Deelbögenkamp 4c, 22297 Hamburg<br />

Tel.: +49 (0) 40-513 06-650<br />

Fax. +49 (0) 40-513 06-960<br />

Mail: werbung@freeXmedia.de<br />

www.freeXmedia.de<br />

Anzeigendisposition: anzeigen@computec.de<br />

Datenübertragung: via E-Mail: anzeigen@computec.de<br />

Es gelten die Mediadaten Nr. 26 vom 01.01.2013<br />

Abonnement – http://abo.pcgameshardware.de<br />

Die Abwicklung (Rechnungsstellung, Zahlungsabwicklung <strong>und</strong> Versand) erfolgt über unser Partner unternehmen DPV Direct GmbH: Post-Adresse: Leserservice Computec, 20080 Hamburg, Deutschland<br />

Ansprechpartner für Reklamationen ist Ihr Computec-Team unter:<br />

Deutschland: E-Mail: computec@dpv.de, Tel.: 0911-99399098, Fax: 01805-8618002*<br />

Support: Montag 07:00–20:00 Uhr, Dienstag–Freitag 07:30–20:00 Uhr, Samstag 09:00–14:00 Uhr<br />

* (14 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 42 Cent/Min. aus dem dt. Mobilfunk)<br />

Österreich, Schweiz <strong>und</strong> weitere Län<strong>der</strong>: E-Mail: computec@dpv.de,<br />

Tel: +49-911-99399098, Fax: +49-1805-8618002<br />

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Abonnementpreis für 12 Ausgaben: <strong>PC</strong>GH Magazin € 47,88 (€ 51,60 Österreich, € 59,88 Ausland), <strong>PC</strong>GH DVD € 60,- (€ 67,20 Österreich, € 72,- Ausland)<br />

Einzelversand/Nachbestellung<br />

Online: www.pcgh.de/go/shop, E-Mail: computec@dpv.de, Tel.: 0911-99399098 , Fax: 01805-8618002*<br />

* (0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 0,42 €/Min. aus dem dt. Mobilfunk)<br />

Druck: RR Donnelley Europe, ul. Obroncow Modlina 11, 30-733 Krakau, Polen<br />

COMPUTEC MEDIA ist nicht verantwortlich für die inhaltliche Richtigkeit <strong>der</strong> Anzeigen <strong>und</strong> übernimmt keinerlei Verantwortung für in Anzeigen dargestellte Produkte <strong>und</strong> Dienstleistungen. Die Veröffentlichung von Anzeigen setzt nicht die Billigung <strong>der</strong><br />

angebotenen Produkte <strong>und</strong> Service-Leistungen durch COMPUTEC MEDIA voraus. Sollten Sie Beschwerden zu einem unserer Anzeigenk<strong>und</strong>en, seinen Produkten o<strong>der</strong> Dienstleistungen haben, möchten wir Sie bitten, uns dies schriftlich mitzuteilen. Schreiben Sie<br />

unter Angabe des Magazins, in dem die Anzeige erschienen ist, inkl. <strong>der</strong> Ausgabe <strong>und</strong> <strong>der</strong> Seitennummer an: CMS MEDIA SERVICES GmbH, Annett Heinze, Anschrift siehe oben.<br />

Einsendungen, Manuskripte <strong>und</strong> Programme:<br />

Mit <strong>der</strong> Einsendung von Manuskripten je<strong>der</strong> Art gibt <strong>der</strong> Verfasser die Zustimmung zur Veröffentlichung in den von <strong>der</strong> Verlagsgruppe herausgegebenen Publikationen. Urheberrecht: Alle in <strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> veröffentlichten Beiträge bzw. Datenträger sind<br />

urheberrechtlich geschützt. Jegliche Reproduktion o<strong>der</strong> Nutzung bedarf <strong>der</strong> vorherigen, ausdrücklichen <strong>und</strong> schriftlichen Genehmigung des Verlags.<br />

Lizenz<br />

This bookazine is published un<strong>der</strong> licence from Imagine Publishing Limited. All rights in the licensed material belong to Imagine Publishing Limited and it may not be reproduced, whether in whole or in part, without the prior written consent of Imagine<br />

Publishing Limited. ©2013 Imagine Publishing Limited.<br />

Head of Publishing: Asron Asadi, Head of Design: Ross Andrews, Production Editor: Dan Collins, Senior Art Editor: Greg Whitaker, Design: Abbi Denney<br />

www.imagine-publishing.co.uk<br />

MARQUARD MEDIA INTERNATIONAL AG<br />

Deutschsprachige Titel: SFT, WIDESCREEN, <strong>PC</strong> GAMES, <strong>PC</strong> GAMES MMORE, <strong>PC</strong> GAMES HARDWARE, N-ZONE, GAMES & MORE, BUFFED, GAMES AKTUELL, PLAY 3, PLAYBLU, XBG GAMES<br />

Internationale Zeitschriften: Polen: COSMOPOLITAN, JOY, SHAPE, HOT, PLAYBOY, CKM, VOYAGE Ungarn: JOY, SHAPE, ÉVA, IN STYLE, PLAYBOY, CKM


GrunDlAGen<br />

Für Einsteiger<br />

Alles, was Sie wissen müssen,<br />

um gute <strong>Porträt</strong>s zu erstellen.<br />

10 Perfekte <strong>Porträt</strong>s<br />

Geben Sie Ihren <strong>Porträt</strong>s den richtigen Kick.<br />

18 Großartige Selbstporträts<br />

Drehen Sie Ihre Kamera doch auch einmal um.<br />

20 Die 20 besten Tipps für<br />

Ihre <strong>Porträt</strong>fotos<br />

So einfach verbessern Sie Ihre Aufnahmen.<br />

22 Typische Fehler bei <strong>Porträt</strong>s<br />

Vermeiden Sie diese typischen Fallstricke.<br />

8 PorTräTFoToGrAFIe


gruNdlagEN<br />

„Schon mit diesen Einsteiger-<br />

Tipps gelingen Ihnen die<br />

besten <strong>Porträt</strong>s, die Sie<br />

je gemacht haben.“<br />

© James Na<strong>der</strong><br />

PorTräTfoTografIE 9


GRUNDLAGEN<br />

Versuchen Sie, mit einer<br />

Requisite – wie diesem Regenschirm<br />

– interessante Farben zu<br />

Ihren <strong>Porträt</strong>s hinzuzufügen.<br />

10 PORTRÄTFOTOGRAFIE


PERFEKTE PORTRÄTS<br />

<strong>Porträt</strong>s<br />

meistern<br />

Wenn Sie unsere fünf Gr<strong>und</strong>lagen-<br />

Lektionen befolgen, verbessern sich<br />

Ihre <strong>Porträt</strong>aufnahmen.<br />

E<br />

gal ob Sie sich als Fotograf bezeichnen<br />

o<strong>der</strong> nicht, Sie haben in Ihrem<br />

Leben bestimmt schon einige<br />

<strong>Porträt</strong>fotos erstellt.<br />

Oft handelt es sich dabei nur um<br />

einen Schnappschuss von Fre<strong>und</strong>en o<strong>der</strong> Verwandten,<br />

um sich an ein bestimmtes Ereignis<br />

zu erinnern. Aber einige dieser Aufnahmen<br />

werden dem Moment einfach nicht gerecht o<strong>der</strong><br />

bringen die Persönlichkeit <strong>der</strong> fotografierten Personen<br />

nicht richtig zum Ausdruck. Manchmal<br />

müssen Aufnahmen auch mit Photoshop bearbeitet<br />

werden, um rote Augen zu entfernen o<strong>der</strong><br />

um eine bessere Bildkomposition zu erreichen.<br />

Auf den kommenden Seiten teilen wir mit<br />

Ihnen Expertenwissen <strong>und</strong> gr<strong>und</strong>legende<br />

Techniken, um perfekte <strong>Porträt</strong>ergebnisse zu<br />

bekommen. Wenn Sie diese Gr<strong>und</strong>lagen erlernen,<br />

bevor Sie die Vorgehensweisen für Fortgeschrittene<br />

einsetzen, besitzen Sie eine solide<br />

Basis, auf <strong>der</strong> Sie aufbauen können. Wir werden<br />

Ihnen zeigen, wie Sie schlechte <strong>Fotografie</strong>angewohnheiten<br />

zum Bessern än<strong>der</strong>n – mithilfe<br />

von inspirierenden Bil<strong>der</strong>n <strong>und</strong> Erläuterungen<br />

zu Aufnahmemodi <strong>und</strong> -Techniken.<br />

Dabei ist es wichtig, nicht zu vergessen, dass<br />

ein <strong>Porträt</strong> nicht gestellt sein muss. Es geht<br />

darum, entspannte <strong>und</strong> fröhliche Menschen einzufangen.<br />

Bei warmem Wetter kann man dafür<br />

zum Beispiel hinausgehen. Wenn Sie sich mit<br />

Ihrer Kamera kreativ auseinan<strong>der</strong>setzen, finden<br />

Sie neue Wege, Ihre Liebsten zu fotografieren.<br />

Auf den kommenden Seiten: <strong>Porträt</strong>-Ratschläge für jeden<br />

Fotografen <strong>und</strong> jede Art von Kamera<br />

AUFGENOMMEN MIT …<br />

DSLR<br />

Vorteile:<br />

Eine DSLR bietet einen großen Sensor,<br />

✔ mit dem Sie größere <strong>und</strong> qualitativ bessere<br />

Fotos aufnehmen können.<br />

Nachteile:<br />

Wenn Sie sich als Anfänger mit den<br />

✗ DSLR-Einstellungen nicht so gut auskennen,<br />

ist die Bedienung schwierig.<br />

AUFGENOMMEN MIT …<br />

SMARTPHONE<br />

Vorteile:<br />

Man hat es immer dabei, weshalb es<br />

✔ sich für spontane <strong>Porträt</strong>momente<br />

perfekt eignet.<br />

Nachteile:<br />

Die Belichtung kann nicht angepasst<br />

✗ werden <strong>und</strong> Bildgröße sowie<br />

Bildqualität sind nicht so gut.<br />

AUFGENOMMEN MIT …<br />

KOMPAKTKAMERA<br />

Vorteile:<br />

Leicht zu transportieren <strong>und</strong> einsetzbar.<br />

Bietet Auto-Einstellungen<br />

✔<br />

<strong>und</strong> verschiedene <strong>Porträt</strong>modi.<br />

Nachteile:<br />

Das meist weitwinkelige Objektiv<br />

✗ kann nicht gewechselt werden,<br />

sodass <strong>Porträt</strong>s unvorteilhaft aussehen.<br />

AUFGENOMMEN MIT …<br />

KOMPAKTER SYSTEMKAMERA<br />

Vorteile:<br />

Das Objektiv lässt sich austauschen<br />

✔ <strong>und</strong> die viele Aufnahmemodi können<br />

angepasst werden.<br />

Nachteile:<br />

<strong>Der</strong> Sensor ist kleiner als bei einer<br />

✗ DSLR, weshalb die Bildqualität<br />

weniger gut ist.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 11


GRUNDLAGEN<br />

Fünf Wege zu …<br />

perfekten<br />

<strong>Porträt</strong>s<br />

Die fünf Top-Tipps, um<br />

<strong>Porträt</strong>s zu perfektionieren.<br />

STARTEN SIE MIT EINEM<br />

SCHNAPPSCHUSS ...<br />

Stellen Sie vor dem Abdrücken sicher,<br />

dass Ihrem Modell keine Haare in die<br />

Augen fallen. Platzieren Sie es zudem<br />

nicht direkt in <strong>der</strong> Mitte des Bildes <strong>und</strong><br />

benutzen Sie eine große Blende (zum<br />

Beispiel f2), um den Hintergr<strong>und</strong><br />

unscharf zu stellen.<br />

... UND GELANGEN SIE ZUM<br />

PERFEKTEN PORTRÄT!<br />

Dieses Foto wurde nur einige Minuten<br />

später als das obere erstellt, nachdem<br />

alle rechts beschriebenen Tipps befolgt<br />

wurden. Das Ergebnis ist deutlich besser.<br />

BLENDE<br />

Beim Erstellen von <strong>Porträt</strong>fotos ist<br />

die Blende wichtig. Sofern vorhanden,<br />

stellen Sie die Zeitautomatik (A)<br />

ein <strong>und</strong> versuchen Sie, das gleiche<br />

Foto mit unterschiedlichen Blenden<br />

aufzunehmen. Niedrige Werte (wie<br />

f2) verursachen verschwommene<br />

Hintergründe, während höhere<br />

Werte (wie f22) die gesamte<br />

Aufnahme scharf halten.<br />

12 PORTRÄTFOTOGRAFIE


01<br />

Nicht zu<br />

tief gehen<br />

Vermeiden Sie es, von einem zu niedrigen<br />

Winkel aus zu fotografieren,<br />

das kann unvorteilhafte Ergebnisse<br />

produzieren. Positionieren Sie sich<br />

ein wenig über Ihrem Modell <strong>und</strong><br />

fotografieren Sie nach unten.<br />

02 Attraktive<br />

Hintergründe<br />

Platzieren Sie Ihr Modell vor schönen<br />

Hintergründen. Vermeiden Sie Orte, in<br />

denen zu viel los ist, das lenkt ab.<br />

03<br />

Vorsicht,<br />

Haare<br />

Stellen Sie sicher, dass dem Modell<br />

keine Haare in die Augen hängen,<br />

damit man die Gesichtszüge genau<br />

erkennen kann.<br />

04 Richtig<br />

komponieren<br />

Achten Sie darauf, dass ein Stück <strong>der</strong><br />

Schultern zu sehen ist, sonst wirken<br />

auch gute <strong>Porträt</strong>fotos unausgeglichen.<br />

05<br />

Fokus auf<br />

die Augen<br />

Legen Sie den Fokus auf die Augen<br />

<strong>und</strong> vermeiden Sie es, dem Modell zu<br />

nahe zu kommen. Ansonsten kann<br />

es zu unvorteilhaften Objektivverzerrungen<br />

kommen.<br />

Die erweiterten<br />

<strong>Porträt</strong>modi nutzen<br />

Einstellen<br />

PERFEKTE PORTRÄTS<br />

Veschiedene <strong>Porträt</strong>modi können Ihnen dabei<br />

helfen, tolle Ergebnisse zu erzielen.<br />

Die meisten Kompaktkameras <strong>und</strong><br />

aktuellen kompakten Systemkameras<br />

bieten erweitere <strong>Porträt</strong>modi an. Diese<br />

beinhalten zum Beispiel automatisches<br />

Auslösen bei Gesichts- o<strong>der</strong> Lächelerkennung.<br />

Damit ist es wirklich<br />

einfach, sich auf die Automatik zu verlassen.<br />

Anfänger können auch Schönheitsmodi<br />

nutzen, die so gestaltet sind,<br />

dass sie Gesichtsfarben verbessern <strong>und</strong><br />

Schönheitsfehler kaschieren. Einige<br />

01 02<br />

03 04<br />

Kameras bieten sogar an, die Unschärfe<br />

des Hintergr<strong>und</strong>s anzupassen. Das<br />

hilft Ihnen dabei, professionelle Fotos<br />

zu erstellen, ohne die Blendenkontrollen<br />

bedienen zu müssen. Bei <strong>der</strong><br />

Benutzung <strong>der</strong> automatischen <strong>Porträt</strong>modi<br />

müssen Sie sich zudem keine<br />

Sorgen um die Belichtungseinstellungen<br />

machen <strong>und</strong> können sich komplett<br />

auf die richtige Positionierung des<br />

Modells konzentrieren.<br />

01 <strong>Porträt</strong>modi<br />

<strong>Porträt</strong>modi helfen Ihnen dabei, die besten Ergebnisse zu<br />

erzielen, indem sie die Belichtung an die Person anpassen.<br />

Zudem werden Hintergründe damit zurückhalten<strong>der</strong><br />

abgebildet.<br />

02 Schönheitsmodi<br />

Diese Modi sorgen für weichere Gesichtsfarben <strong>und</strong><br />

kaschieren Schönheitsfehler. Einstellbare Schönheitsmodi<br />

erlauben es zudem, die Intensität <strong>der</strong> Effekte während <strong>der</strong><br />

Aufnahme zu verän<strong>der</strong>n.<br />

03 Schwarz-Weiß-Modi<br />

Eingebaute Filter, wie zum Beispiel für Schwarz-Weiß-Aufnahmen,<br />

ermöglichen kunstvollere Ergebnisse, ohne später<br />

zur Bildbearbeitung greifen zu müssen.<br />

04 Autofokus-Einstellungen (AF)<br />

Damit sucht die Kamera selbstständig einen Bereich<br />

innerhalb <strong>der</strong> Bildkomposition aus, <strong>der</strong> fokussiert wird,<br />

sodass sie nicht manuell danach suchen müssen.<br />

Kann Ihre Kamera das?<br />

✔ DSLR<br />

✔ kompakte<br />

Systemkamera<br />

✔ Kompaktkamera<br />

✗ Smartphone<br />

Kann Ihre Kamera das?<br />

✔ DSLR<br />

✔ kompakte<br />

Systemkamera,<br />

✔ Kompaktkamera<br />

✗ Smartphone<br />

Kann Ihre Kamera das?<br />

✔ DSLR<br />

✔ kompakte<br />

Systemkamera,<br />

✔ Kompaktkamera<br />

✗ Smartphone<br />

Kann Ihre Kamera das?<br />

✔ DSLR<br />

✔ kompakte<br />

Systemkamera,<br />

✔ Kompaktkamera<br />

✔ Smartphone<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 13


gR<strong>und</strong>lagen<br />

Gruppenporträts<br />

fotografieren<br />

Es gibt viele spaßige Wege, mehr als<br />

eine Person zu fotografieren.<br />

gruppenfotos<br />

Familientreffen <strong>und</strong> Wochenendurlaube mit Fre<strong>und</strong>en stellen tolle<br />

Gelegenheiten dar, mal alle vor <strong>der</strong> Kamera einzufangen. Solche<br />

Bil<strong>der</strong> sind perfekt für Weihnachtskarten <strong>und</strong> Familienfotoalben<br />

geeignet. Holen Sie also alles aus <strong>der</strong> gemeinsamen Zeit heraus<br />

<strong>und</strong> erstellen Sie fröhliche Aufnahmen.<br />

Bedenken Sie, dass nicht alle Familienporträts formell sein<br />

müssen. Versuchen Sie, stattdessen ungewöhnliche <strong>und</strong> kreative<br />

Wege zu finden, um Ihre Liebsten zu fotografieren. Aufnahmen,<br />

auf denen gesprungen wird, wirken zum Beispiel sehr energetisch<br />

<strong>und</strong> sind gerade bei Kin<strong>der</strong>n beliebt. Sie können das Ganze zudem<br />

von ganz unten o<strong>der</strong> oben angehen <strong>und</strong> sich mal ins Gras legen<br />

o<strong>der</strong> auf eine Leiter steigen, um neue Perspektiven zu entdecken.<br />

Am wichtigsten ist es aber, entspannt zu bleiben <strong>und</strong> zu versuchen,<br />

die Persönlichkeit je<strong>der</strong> aufgenommenen Person richtig zur<br />

Geltung zu bringen.<br />

Modelle<br />

abstiMMen<br />

Versuchen sie, ihre<br />

Modelle dazu zu<br />

bekommen, ähnliche<br />

Posen einzunehmen <strong>und</strong> in die<br />

gleiche Richtung zu schauen.<br />

Für so eine aufnahme brauchen<br />

sie wahrscheinlich mehrere<br />

Versuche, bis sie es richtig hinbekommen.<br />

auF gleicheR<br />

höhe sein<br />

gerade wenn man<br />

Kin<strong>der</strong> fotografiert, ist<br />

es besser, auf <strong>der</strong>en Kopfhöhe<br />

zu knipsen. Manchmal ist es<br />

aber auch gut, von weit oben<br />

aufzunehmen, um geringe<br />

größe <strong>und</strong> Kindlichkeit<br />

einzufangen.<br />

auFnahMen MaRKieRen<br />

Viele bildbearbeitungsprogramme <strong>und</strong> Fotowebsiten<br />

erlauben inzwischen das Markieren (taggen) von<br />

Fotos mit namen, orten <strong>und</strong> weiteren informationen.<br />

damit kann man zu einem späteren Zeitpunkt schnell<br />

nach bestimmten bil<strong>der</strong>n suchen. Versuches sie es<br />

zum beispiel mit Facebooks Markierfunktion, wenn<br />

sie dort das nächste Mal Fotos hochladen.<br />

14 PoRtRätFotogRaFie<br />

14 Photography for Beginners


PERFEKTE PORTRÄTS<br />

✘ Blinken<br />

✘ Schlechte Bildkomposition<br />

Setzen Sie den<br />

Serienbildmodus<br />

für Action-<br />

Aufnahmen wie<br />

diese hier ein.<br />

✘ Haare über den Augen<br />

✘ Unscharf<br />

✘ Rote Augen<br />

✘ Falscher Weißabgleich<br />

FARBIGE REQUISITEN<br />

FÜR INTERESSANTERE<br />

BILDER EINSETZEN<br />

Versuchen Sie, eine Requisite für<br />

Farbakzente einzusetzen. Ballons,<br />

Bälle <strong>und</strong> Blumen funktionieren<br />

zum Beispiel immer gut.<br />

Häufige Fehler<br />

erkennen<br />

Verbessern Sie Ihre <strong>Porträt</strong>s, indem Sie Flüchtigkeitsfehler vermeiden.<br />

Fehler vermeiden<br />

Von schiefen Horizonten bis zu roten Augen – vieles kann<br />

ein <strong>Porträt</strong>foto ruinieren. Darum ist es wichtig zu wissen,<br />

worauf man achten muss, um nicht immer wie<strong>der</strong> die gleichen<br />

Fehler beim Drücken des Auslösers zu begehen.<br />

Einer <strong>der</strong> häufigsten, aber auch am einfachsten zu vermeidende<br />

Fehler ist das Arbeiten mit falschen Einstellungen.<br />

Egal ob Sie manuell o<strong>der</strong> mit <strong>der</strong> Automatik fotografieren,<br />

es ist wichtig, dass die Kameraeinstellungen korrekt<br />

sind, damit die bestmögliche Belichtung erreicht wird.<br />

Zudem müssen Sie sorgfältig über die Bildkomposition<br />

nachdenken. Ein <strong>Porträt</strong> muss we<strong>der</strong> den ganzen Körper<br />

noch nur den Kopf zeigen. Versuchen Sie, das Motiv also<br />

durch Bewegen <strong>der</strong> Kamera an<strong>der</strong>s einzufangen. Am wichtigsten<br />

ist es, dass Sie keine Angst davor haben, mehr als<br />

ein Foto zu machen, denn nur dann haben Sie eine Chance,<br />

die richtige Aufnahme hinzubekommen.<br />

Die drei besten<br />

Wege, Fotos<br />

zu markieren<br />

Facebook<br />

Facebook erlaubt Ihnen, Fre<strong>und</strong>e<br />

<strong>und</strong> Familie zu markieren, indem<br />

Sie nach dem Hochladen auf „Das<br />

Foto markieren“ tippen.<br />

Flickr<br />

Markieren Sie Ihre Flickr-Fotos,<br />

um diese einfacher durchsuchen<br />

zu können. Sie dürfen Namen <strong>und</strong><br />

Beschreibungen hinzufügen.<br />

iPhoto<br />

Markieren Sie Aufnahmen in<br />

iPhoto durch Schlüsselwörter, die<br />

dabei helfen, nach Kategorien zu<br />

sortieren <strong>und</strong> zu suchen.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 15


GRUNDLAGEN<br />

Versuchen Sie, mit<br />

einem Reflektor o<strong>der</strong><br />

einem weißen Karton<br />

Licht auf das Motiv<br />

umzuleiten.<br />

MIT LICHT AUFHELLEN<br />

Auch wenn Sie in Räumen fotografieren, ist es<br />

nicht unbedingt notwendig, Blitzlicht einzusetzen<br />

– beson<strong>der</strong>s wenn es draußen hell ist<br />

<strong>und</strong> Sie sich in <strong>der</strong> Nähe eines großen Fensters<br />

befinden. Nutzen Sie einen Reflektor o<strong>der</strong> ein<br />

großes, weißes Blatt Papier, um das Licht in die<br />

Aufnahme umzulenken <strong>und</strong> größere Schatten<br />

aufzuhellen. Sie können den ISO-Wert etwas<br />

nach oben korrigieren, um zu wenig Licht zu<br />

kompensieren.<br />

Die manuellen<br />

Einstellungen meistern<br />

Verzichten Sie für professionellere <strong>Porträt</strong>s auf die Automatik.<br />

Manuelle Einstellungen<br />

Fortgeschrittene Benutzer einer Kamera bekommen<br />

bei einem Ausflug in den manuellen Modus mehr Flexibilität<br />

bei <strong>der</strong> Belichtung <strong>und</strong> mehr kreative Freiheit<br />

geboten. Hierbei ist es entscheidend, dass Sie die Blendenfunktion<br />

verstehen. Eine Kamera, die einen großen<br />

Blendenbereich anbietet, ist wichtig, um dem Bild Tiefe<br />

zu geben, indem <strong>der</strong> Hintergr<strong>und</strong> unscharf aufgenommen<br />

wird. Wenn Sie den ISO-Wert sowie den Weißabgleich<br />

Ihrer Kamera anpassen können, ist das ebenfalls<br />

praktisch für <strong>Porträt</strong>aufnahmen, die bei schlechtem<br />

o<strong>der</strong> schwierigem Licht erstellt werden. Haben Sie keine<br />

Angst vor Experimenten – selbst wenn Sie mit den<br />

manuellen Einstellungen noch nicht so geübt sind. So<br />

bekommen Sie Erfahrung mit den Belichtungseinstellungen<br />

<strong>und</strong> können dadurch herausfinden, wie sich die<br />

einzelnen Optionenim Bild auswirken.<br />

✔ DANACH<br />

Wir haben das Foto<br />

zugeschnitten, die<br />

roten Augen <strong>und</strong><br />

Schönheitsfehler<br />

entfernt. Zum<br />

Schluss haben<br />

wir es noch in<br />

Schwarz-Weiß<br />

umgewandelt.<br />

✘ VORHER<br />

Hier ist zu viel<br />

Hintergr<strong>und</strong><br />

sichtbar <strong>und</strong><br />

das Modell hat<br />

rote Augen.<br />

16 PORTRÄTFOTOGRAFIE<br />

Gr<strong>und</strong>legende<br />

Schritte<br />

Nutzen Sie Bildbearbeitungssoftware,<br />

um Ihren <strong>Porträt</strong>s den letzten Schliff<br />

zu verpassen.<br />

Bearbeiten<br />

Bildbearbeitung ist ein wesentlicher Bestandteil <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

– egal ob Sie nur kleine Korrekturen vornehmen o<strong>der</strong><br />

Elemente entfernen. Programme wie Photoshop sind ideal,<br />

um Bil<strong>der</strong> zu optimieren – zum Beispiel durch das Korrigieren<br />

von Verzerrungen. Laien sind oft von den vielen Menüs<br />

abgeschreckt, aber es lohnt sich, zumindestens die gr<strong>und</strong>legenden<br />

Optionen zu beherrschen. Damit werten Sie Ihre<br />

<strong>Porträt</strong> aufnahmen ganz schnell auf. Folgen Sie diesen einfachen<br />

Schritten <strong>und</strong> Sie werden schnell bemerken, dass es<br />

ganz einfach ist, das Beste aus Ihren <strong>Porträt</strong>s herauszuholen.<br />

Fotos zuschneiden<br />

01<br />

Wählen Sie das Schneidewerkzeug<br />

in <strong>der</strong> linken Leiste<br />

aus. Klicken Sie in eine o<strong>der</strong> oberen<br />

Ecken des Bildes <strong>und</strong> ziehen Sie den<br />

Zeiger auf die gegenüberliegende<br />

untere Ecke. Halten Sie UMSCHALT<br />

auf Ihrer Tastatur gedrückt, um die<br />

Proportionen des Bildes beizubehalten,<br />

<strong>und</strong> wählen Sie einen <strong>der</strong> kleinen<br />

Quadrate in den Ecken an. Ziehen<br />

Sie daran, bis Sie zufrieden sind,<br />

<strong>und</strong> doppelklicken Sie in das Bild.


FOKUS AUF DIE AUGEN<br />

Setzen Sie den Fokuspunkt immer auf<br />

die Augen. <strong>Der</strong> Betrachter wird als Erstes zu ihnen<br />

hingezogen, darum sollte dieser Bereich unbedingt<br />

scharf aufgenommen sein.<br />

PERFEKTE PORTRÄTS<br />

TIEFENSCHÄRFE<br />

Mit einer großen Blendenöffnung<br />

können Sie künstlerische Ergebnisse erreichen.<br />

Eine geringe Tiefenschärfe stellt den<br />

Hintergr<strong>und</strong> unscharf dar <strong>und</strong> legt den Fokus<br />

auf das Hauptmotiv. Denken Sie daran, dass<br />

Sie eine schnellere Verschlusszeit für eine<br />

große Blendenöffnung brauchen.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren,<br />

bearbeiten<br />

<strong>und</strong> teilen<br />

mit Android<br />

Die drei besten ...<br />

... Foto-Apps<br />

Camera Fun Pro<br />

Mit dieser tollen Android-App können<br />

Sie bereits vor <strong>der</strong> Aufnahme die<br />

Fotoeffekte auf Ihrem Bildschirm<br />

bewun<strong>der</strong>n.<br />

Fast Burst Camera<br />

Toll für schnelle Action-<strong>Porträt</strong>s – zum<br />

Beispiel mit Kin<strong>der</strong>n. Die App kann<br />

zwischen 5 <strong>und</strong> 10 Aufnahmen pro<br />

Sek<strong>und</strong>e machen.<br />

Uva Silent Widget<br />

Camera Free<br />

Diese App erlaubt es Ihnen,<br />

Schnappschüsse ohne Auslösergeräusch<br />

<strong>und</strong> mit Fokus aufzunehmen.<br />

... Editing-Apps<br />

Colour Touch Effects<br />

Eine tolle Farbbearbeitungs-App,<br />

die es Ihnen ermöglicht, punktuell<br />

Schwarz-Weiß- o<strong>der</strong> Sepia-Aufnahmen<br />

mit Farbe zu versehen.<br />

TouchRetouch<br />

Diese fantastische App eignet<br />

sich perfekt dazu, ungewollte<br />

Objekte <strong>und</strong> Fehler aus Ihren<br />

Smartphone-Fotos zu entfernen.<br />

Little Photo<br />

Diese App erlaubt es Ihnen, tolle<br />

Retro-Filter auf Ihre Smartphone-<br />

Fotos anzuwenden.<br />

Rote Augen<br />

entfernen<br />

02<br />

Rote Augen können Sie<br />

mit dem gleichnamigen<br />

Werkzeug aus dem linken<br />

Menü entfernen. Sie können<br />

die Pupillengröße <strong>und</strong> den Verdunklungsbetrag<br />

prozentual<br />

einstellen. Setzen Sie den<br />

Mauszeiger über dem Auge an<br />

<strong>und</strong> ziehen Sie den entstehenden<br />

Kasten diagonal über das<br />

ganze Auge nach unten.<br />

Kopierstempel<br />

03<br />

Hiermit können Sie Flecken<br />

entfernen. Wählen<br />

Sie den Kopierstempel aus <strong>und</strong><br />

zoomen Sie in den betroffenen<br />

Bereich. Passen Sie die Pinselgröße<br />

dem Fleck an <strong>und</strong> wählen Sie<br />

eine weiche Spitze mit einer Deckkraft<br />

von 85 bis 100 Prozent. Halten<br />

Sie ALT gedrückt <strong>und</strong> wählen<br />

Sie einen fleckfreien Bereich aus,<br />

<strong>der</strong> sich zum Kopieren eignet.<br />

Starten Sie den Kopiervorgang.<br />

Schwarz-Weiß<br />

04<br />

Für zeitlos wirkende<br />

<strong>Porträt</strong>s empfiehlt sich<br />

eine monochrome Konvertierung.<br />

Öffnen Sie Bild > Korrekturen<br />

> Schwarz-Weiß, um alle<br />

Farben zu entfernen. Mit den<br />

Schiebereglern können Sie nun<br />

den Kontrast herausarbeiten.<br />

Setzen Sie das <strong>Vorschau</strong>-Häkchen,<br />

damit Sie direkt sehen<br />

können, wie die Anpassungen<br />

das Bild beeinflussen.<br />

... Teilen-Apps<br />

Photobucket Mobile<br />

Eine kostenlose App, mit <strong>der</strong> Sie<br />

Fotos <strong>und</strong> Videos hochladen <strong>und</strong><br />

mit jedem in Ihrem Netzwerk<br />

teilen können.<br />

Plixi for Android<br />

Mit Plixi können Sie Ihre Fotos auf<br />

Twitter <strong>und</strong> Facebook teilen – entwe<strong>der</strong><br />

bereits aufgenommene o<strong>der</strong> soeben mit<br />

dem Smartphone erstellte.<br />

Instagram<br />

Eine <strong>der</strong> beliebtesten Foto-Community -<br />

-Anwendungen auf Smartphones. Sie<br />

können hier schicke Filter hinzufügen<br />

<strong>und</strong> alles ganz leicht teilen.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 17


GRUNDLAGEN<br />

Großartige<br />

Selbstporträts<br />

VORHER<br />

Ohne den Einsatz des<br />

Blitzlichtes wirft die Sonne<br />

dunkle Schatten auf das<br />

Gesicht.<br />

Keiner will sich fotografieren lassen will? Richten<br />

Sie die Kamera doch einmal auf sich selbst!<br />

Sie brauchen …<br />

... eine Digitalkamera<br />

Wir verwendeten …<br />

… Samsung WB700<br />

<strong>und</strong> iPhone 4S<br />

Man kann es auch<br />

versuchen mit …<br />

… je<strong>der</strong> Kamera mit<br />

zwei Displays o<strong>der</strong><br />

dreh- <strong>und</strong> neigbarem<br />

Bildschirm.<br />

... je<strong>der</strong> Kamera mit<br />

einem Selbstauslöser<br />

o<strong>der</strong> Szenenmodus für<br />

Selbstporträts.<br />

Sie lernen, wie ...<br />

... Sie Selbstporträts vorbereiten<br />

<strong>und</strong> erstellen.<br />

Selbstporträts können in vielen<br />

Formen, Kulissen <strong>und</strong> Szenarien<br />

umgesetzt werden. Zum Beispiel<br />

wenn Sie alleine Urlaub machen<br />

o<strong>der</strong> wenn Sie es leid sind, dass Sie<br />

nie auf Ihren eigenen Aufnahmen erscheinen.<br />

O<strong>der</strong> vielleicht finden Sie einfach niemanden,<br />

<strong>der</strong> Modell stehen will, damit Sie Ihr <strong>Porträt</strong>foto-Know-how<br />

verbessern können – warum also<br />

nicht mit sich selbst üben? Ganze gleich, warum<br />

Sie Selbstporträts erstellen wollen, wenn<br />

Sie auf das Display Ihrer Kamera schauen, ist<br />

das alles an<strong>der</strong>e als einfach. Das Hauptproblem<br />

stellt <strong>der</strong> Winkel dar, aus dem Sie fotografieren.<br />

Die Kamera ist wahrscheinlich deutlich näher<br />

an Ihrem Kopf, als <strong>der</strong> Abstand für ein Foto<br />

eigentlich sein müsste. Das kann zu räumlichen<br />

Verzerrungen <strong>der</strong> Gesichtszüge führen.<br />

Dadurch wirkt die Nase eventuell größer, als<br />

Los geht’s! Die Kamera auf sich selber richten.<br />

sie ist, o<strong>der</strong> das Kinn sieht wie ein Doppelkinn<br />

aus, da Sie mit ausgestrecktem Arm versuchen,<br />

Abstand zur Kamera zu gewinnen. Zudem<br />

werden Sie wahrscheinlich eine Stück Ihres<br />

Arms auf dem Foto sehen. Es ist sehr schwer,<br />

die richtige Bildkomposition hinzubekommen.<br />

Doch diese Probleme sind zu bewältigen,<br />

indem Sie Kamera nicht selbst halten. Stattdessen<br />

kommen tolle, neue Innovationen zum<br />

Einsatz. Kamera-Hersteller bieten clevere<br />

Lösungen an, die dabei helfen sollen, bessere<br />

Selbstporträts zu erstellen. Diese reichen von<br />

Selbstauslösern bis hin zu Szenenmodi, Kameras<br />

mit zwei Displays, intelligenten Filtern,<br />

Fernauslösern <strong>und</strong> Bildschirmen, <strong>der</strong>en Winkel<br />

man so verstellen kann, dass man sich darauf<br />

selbst im Blick hat. Egal welche Methode Sie<br />

nutzen, um Selbstporträts aufzunehmen, sie<br />

helfen Ihnen bessere Ergebnisse zu bekommen!<br />

Eine Geschichte erzählen<br />

01<br />

Entscheiden Sie sich zuerst, was das<br />

Bild aussagen soll. Wird es verspielt<br />

o<strong>der</strong> werden Sie das Foto später als Schwarz-<br />

Weiß-Aufnahme bearbeiten? Wir versuchen es<br />

mit einem <strong>Landschafts</strong>motiv. Darum liegt <strong>der</strong><br />

Hauptfokus auf dem Motiv <strong>und</strong> <strong>der</strong> Landschaft.<br />

18 PORTRÄTFOTOGRAFIE<br />

Winkel beachten<br />

02<br />

Experimentieren Sie mit Winkeln.<br />

Wenn Sie die Kamera höher halten,<br />

heben Sie die Wangenknochen hervor, während<br />

ein niedriger Winkel eventuell unschöne<br />

Schatten verursacht. Versuchen Sie es mit<br />

einem 45-Grad-Winkel für beste Ergebnisse.<br />

Einstellungen beachten<br />

03<br />

Diese Aufnahmen werden mit einer<br />

Kompaktkamera erstellt, während<br />

unserem Modell die sehr helle Mittagssonne<br />

direkt auf die eine Gesichtshälfte scheint.<br />

Benutzen Sie in solchen Fällen den Kamerablitz,<br />

um bessere Ergebnisse zu bekommen.


SELBSTPORTRÄTS<br />

Komponieren Sie Ihre Bil<strong>der</strong> nach<br />

<strong>der</strong> Drittel-Regel, sodass Sie<br />

selber nicht mittig im Bild stehen.<br />

DIE SMARTPHONE-KAMERA NUTZEN<br />

Warum erstellen Sie nicht einfach ein Selbstporträt mit Ihrem<br />

Smartphone? Wechseln Sie dafür einfach zur Frontkamera<br />

<strong>und</strong> nutzen Sie den großen Bildschirm für die Bildkomposition.<br />

Drücken Sie auf den Auslöser <strong>und</strong> fertig!<br />

Manuelle Einstellungen<br />

04<br />

Wenn Sie etwas kreativer sein wollen,<br />

setzen Sie die Zeitautomatik ein <strong>und</strong><br />

wählen Sie einen geringen Blendenwert (f2.8)<br />

aus. Das verursacht eine geringe Schärfentiefe,<br />

weswegen Sie fokussiert dargestellt werden,<br />

<strong>der</strong> Hintergr<strong>und</strong> aber verschwommen.<br />

Bildbearbeitung lohnt sich<br />

05<br />

Für noch bessere Ergebnisse können Sie<br />

Ihr Foto zum Beispiel mit iPhoto auf dem<br />

iPhone bearbeiten. Mit dieser App können Sie<br />

jegliche Fehler entfernen <strong>und</strong> die Farben richtig<br />

zum Leuchten bringen. Damit gibt es noch mehr<br />

Gr<strong>und</strong>, auf das En<strong>der</strong>gebnis stolz zu sein.<br />

Die drei besten<br />

Features für<br />

Selbstporträts<br />

Front-Display<br />

Einige Kameras wie die Samsung<br />

PL120 (oben, ca. 100 Euro) haben für<br />

einfachere Selbstporträts einen Bildschirm<br />

auf <strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>seite.<br />

Szenenmodi<br />

Halten Sie Ausschau nach Kameramodellen<br />

mit Selbstporträt-Modus<br />

– wie ihn zum Beispiel die Panasonic<br />

TZ10 (ab 150 Euro) besitzt.<br />

Selbstauslöser<br />

Wenn eine Kamera einen Selbstauslöser<br />

besitzt – wie die Fujifilm S4000 (250 Euro)<br />

–, können Sie diesen nutzen, um in die<br />

Aufnahme hineinzurennen.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 19


GRUNDLAGEN<br />

Die 20 besten Tipps für<br />

<strong>Porträt</strong>fotos<br />

Verbessern Sie <strong>Porträt</strong>s<br />

mit diesen 20 tollen Tipps<br />

Unvorteilhafte Winkel vermeiden<br />

Machen Sie keine Aufnahmen von unten – versuchen Sie, immer<br />

auf einer Augenhöhe mit Ihrem Modell zu sein o<strong>der</strong> ganz leicht von<br />

oben herab zu fotografieren. Wenn Sie Aufnahmen von Kin<strong>der</strong>n<br />

erstellen, begeben Sie sich auf die gleiche Höhe wie diese.<br />

Anweisungen geben<br />

Wenn Sie ruhig bleiben, hilft das Ihrem Modell, sich vor <strong>der</strong> Kamera<br />

zu entspannen. Das macht es auch für Sie einfacher, Anweisungen zu<br />

geben. Passen Sie auf, dass Ihr Modell nicht in die Sonne blickt o<strong>der</strong> ihm<br />

<strong>der</strong> Wind ins Gesicht bläst, damit es auf den Aufnahmen nicht blinzelt.<br />

„Aus <strong>der</strong> Hüfte schießen“<br />

Wenn Sie authentische Straßenporträts erstellen wollen, benutzen Sie dafür<br />

eine kleinere, unauffälligere Kamera o<strong>der</strong> versuchen Sie, beläufig zu fotografieren,<br />

um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich <strong>und</strong> die Kamera zu lenken. Man<br />

braucht eine Weile <strong>und</strong> viel Geduld, bis man diese Technik beherrscht, aber sie<br />

ist hilfreich, um spannende Straßenmomente aufzunehmen.<br />

Augenkontakt<br />

Ungestellte Aufnahmen erlauben<br />

Ihnen, spontane Momente<br />

besser festzuhalten, die dann<br />

einen künstlerischeren Eindruck<br />

vermitteln. Dabei ist es egal, ob Ihr<br />

Modell in die Kamera schaut o<strong>der</strong><br />

nicht. Ein Blick vorbei kann dem<br />

Bild Entspannung hinzufügen.<br />

Es ist daher sinnvoll, das Modell<br />

zwischendurch zu bitten, wegzuschauen,<br />

um unterschiedliche<br />

Atmosphären zu erzeugen.<br />

Langsamere<br />

Verschlusszeit<br />

Sie können Bewegung festhalten,<br />

indem Sie längere Verschlusszeiten<br />

<strong>und</strong> Belichtungen für einen<br />

Bewegungsunschärfe-Effekt o<strong>der</strong><br />

Doppelbil<strong>der</strong> verwenden. Dies kann<br />

sehr kreative Aufnahmen ergeben.<br />

Allerdings braucht man viel Zeit<br />

<strong>und</strong> Übung, um diese Technik zu<br />

meistern – beson<strong>der</strong>s wenn man<br />

Personen fotografiert.<br />

Silhouetten<br />

Ein <strong>Porträt</strong> muss nicht immer ein ganzes Gesicht<br />

zeigen. Versuchen Sie einmal, nur die Augen o<strong>der</strong><br />

den M<strong>und</strong> aufzunehmen. Silhouetten eignen sich<br />

sehr gut, um künstlerische <strong>Porträt</strong>aufnahmen<br />

zu erstellen. Stellen Sie dafür sicher, dass hinter<br />

dem Modell ausreichend Licht vorhanden ist,<br />

sodass auch <strong>der</strong> Hintergr<strong>und</strong> belichtet wird.<br />

Das richtige Objektiv<br />

Nutzen Sie die richtigen Objektive. Weitwinkelobjektive<br />

können unattraktive Verzerrungen im<br />

Gesicht verursachen <strong>und</strong> Teleobjektive kreieren<br />

einen flach wirkenden Effekt. Versuchen Sie es<br />

mit einem Objektiv, das einen Fokusbereich von<br />

50–135 mm bietet, um die besten Resultate zu<br />

erzielen.<br />

Kreativ komponieren<br />

Werden Sie kreativ bei Ihren Bildkompositionen<br />

<strong>und</strong> halten Sie sich nicht immer an die Regeln.<br />

Versuchen Sie, kleinere Bereiche aufzunehmen o<strong>der</strong><br />

Motive am Rand zu platzieren. Ein <strong>Porträt</strong> muss<br />

nicht notgedrungen traditionell Kopf <strong>und</strong> Schulter<br />

zeigen. Zoomen Sie heraus <strong>und</strong> füllen Sie das Bild<br />

entwe<strong>der</strong> mit mehr Hintergr<strong>und</strong> o<strong>der</strong> Ihrem Modell.<br />

20 PORTRÄTFOTOGRAFIE


20 TIPPS FÜR PORTRÄTS<br />

Schwarz-Weiß-Aufnahmen<br />

Versuchen Sie, die Farben einheitlich zu halten,<br />

um Ablenkungen im Hintergr<strong>und</strong> zu vermeiden<br />

<strong>und</strong> den Fokus auf dem Motiv zu behalten.<br />

Denken Sie auch mal darüber nach, Aufnahmen<br />

in Schwarz-Weiß in <strong>der</strong> Nachbearbeitung umzuwandeln,<br />

um herauszufinden, ob dies das Foto<br />

verbessert. Das funktioniert beson<strong>der</strong>s gut bei<br />

authentischen Straßenporträtaufnahmen.<br />

Inspiration finden<br />

Schauen Sie sich die Werke an<strong>der</strong>er Fotografen<br />

zur Inspiration an. Versuchen Sie, berühmte<br />

Aufnahmen nachzustellen <strong>und</strong> dann Ihren<br />

eigenen Stil einzubringen. Das Analysieren<br />

von Bil<strong>der</strong>n <strong>und</strong> <strong>der</strong> Versuch, diese selbst zu<br />

reproduzieren, eignet sich hervorragend zur<br />

Verbesserung <strong>der</strong> eigenen Technik.<br />

Fokus<br />

Stellen Sie sicher, dass Ihr Motiv scharf <strong>und</strong><br />

im Fokus ist. Am wichtigsten ist es aber, die<br />

Kamera auf die Augen des Modells zu fokussieren,<br />

da <strong>der</strong> Betrachter auf ganz natürliche Art<br />

<strong>und</strong> Weise dort hingezogen wird, während er<br />

sich die <strong>Porträt</strong>aufnahme anschaut.<br />

Straßenaufnahmen<br />

Stellen Sie sich <strong>der</strong> Herausfor<strong>der</strong>ung, einen<br />

Fremden auf <strong>der</strong> Straße anzusprechen <strong>und</strong> ihn<br />

zu bitten, für ein Foto zu posieren. Damit testen<br />

Sie Ihre fotografischen Kompetenzen unter<br />

Druck <strong>und</strong> es hilft dabei, das Vertrauen in sich<br />

selbst <strong>und</strong> die eigenen <strong>Fotografie</strong>-Fähigkeiten<br />

zu stärken.<br />

Kameraeinstellungen treffen<br />

Stellen Sie bei Straßenaufnahmen sicher,<br />

dass Sie Ihre Kamera mit den richtigen<br />

Belichtungseinstellungen <strong>und</strong> einem<br />

Weißabgleich vorbereitet haben. So können Sie<br />

stets spontan zur Kamera greifen.<br />

Eine Studio-Softbox einsetzen<br />

Vermeiden Sie zu hartes, in eine Richtung<br />

leuchtendes Licht, wenn Sie Studiobeleuchtung<br />

einsetzen. Benutzen Sie eine Softbox für weichere<br />

Blitzeffekte <strong>und</strong> experimentieren Sie mit <strong>der</strong><br />

Position <strong>der</strong> Lampen. Versuchen Sie es erst mit<br />

einem simplen Aufbau, bei dem Sie das Gesicht<br />

des Modells von oben beleuchten. Das erzeugt<br />

gleichmäßiges Licht <strong>und</strong> einen schmetterlingsförmigen<br />

Schatten unter <strong>der</strong> Nase.<br />

Die Umgebung<br />

mit einbeziehen<br />

Denken Sie darüber nach, Ihr<br />

Modell in einer Umgebung zu fotografieren,<br />

in <strong>der</strong> es sich wohlfühlt.<br />

Wenn Sie an Orten fotografieren,<br />

an denen Personen etwas tun,<br />

das sie mögen, fügen Sie den<br />

Aufnahmen Persönlichkeit hinzu.<br />

Licht reflektieren<br />

Nutzen Sie Reflektoren, um die<br />

Schatten im Gesicht des Modells<br />

mit Licht aufzuhellen – sowohl<br />

im Studio als auch unterwegs.<br />

Draußen ist ein Reflektor beson<strong>der</strong>s<br />

nützlich, da er Ihnen erlaubt,<br />

natürliches Licht umzuleiten, ohne<br />

dass sich das Modell neu positionieren<br />

muss.<br />

Requisiten nutzen<br />

Denken Sie über den Einsatz von<br />

Requisiten während <strong>der</strong> Aufnahmen<br />

nach. Diese eignen sich hervorragend,<br />

um den <strong>Porträt</strong>fotos interessante<br />

Elemente hinzuzufügen.<br />

Versuchen Sie, Dinge zu benutzen,<br />

die die Persönlichkeit des Modells<br />

wi<strong>der</strong>spiegeln, o<strong>der</strong> die Stimmung<br />

verstärken, die Sie versuchen zu<br />

vermitteln.<br />

Mehrere Aufnahmen<br />

erstellen<br />

Versuchen Sie sich an einem<br />

<strong>Porträt</strong>projekt, bei dem Sie eine<br />

Serie von Fotos vom gleichen<br />

Modell kreieren. Dabei handelt<br />

es sich um eine gute Übung<br />

<strong>und</strong> gleichzeitig bauen Sie Ihr<br />

Portfolio aus.<br />

Die Perspektive än<strong>der</strong>n<br />

Verän<strong>der</strong>n Sie Ihre eigene<br />

Perspektive, um dynamischere<br />

<strong>und</strong> kreativere Aufnahmen zu<br />

bekommen. Versuchen Sie für<br />

einige lustige <strong>und</strong> experimentelle<br />

Aufnahmen, von oben zu fotografieren<br />

o<strong>der</strong> die Kamera zur Seite<br />

zu kippen.<br />

Geringe Tiefenschärfe nutzen<br />

Nutzen Sie eine weite Blendenöffnung, die<br />

Ihnen geringe Tiefenschärfe gibt, um die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters in das<br />

Bild <strong>und</strong> auf das Modell zu lenken. Das verleiht<br />

dem Bild einen künstlerischen Effekt<br />

<strong>und</strong> verhin<strong>der</strong>t, dass <strong>der</strong> Betrachter von<br />

unruhigen Hintergründen abgelenkt wird.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 21


gr<strong>und</strong>lagen<br />

Typische<br />

Fehler bei<br />

<strong>Porträt</strong>s<br />

Profi-Fotograf James Na<strong>der</strong> spricht über die häufigsten Fauxpas<br />

bei <strong>der</strong> Aufnahme von <strong>Porträt</strong>bil<strong>der</strong>n <strong>und</strong> wie man diese umgeht.<br />

James Na<strong>der</strong><br />

Website: www.<br />

jamesna<strong>der</strong>.co.uk<br />

Biografie: James Na<strong>der</strong><br />

ist kreativer Mode- <strong>und</strong><br />

Anzeigenfotograf<br />

sowie ausgebildeter<br />

Photoshop-Experte. Er<br />

besitzt klassische Dunkelkammer-<br />

<strong>und</strong> Druckvorstufen-Erfahrungen,<br />

hat sich aber inzwischen<br />

den digitalen Technologien<br />

verschrieben. Ein<br />

schneller Blick auf die<br />

Modefotografien von<br />

James deutet an, dass<br />

es sich bei ihm um einen<br />

einzigartigen Fotografen<br />

des 21. Jahrhun<strong>der</strong>ts<br />

mit außergewöhnlichem<br />

Verständnis für sein<br />

Handwerk handelt. Seine<br />

Konzepte <strong>und</strong> Designs<br />

sowie seine ungewöhnliche<br />

redaktionelle<br />

Gestaltung erlauben es<br />

James, meisterhafte Bil<strong>der</strong><br />

zu konzipieren <strong>und</strong><br />

zu gestalten, weshalb ihn<br />

Redakteure <strong>und</strong> Künstler<br />

gleichermaßen respektieren.<br />

Zudem ist er in<br />

<strong>der</strong> Lage, seine Fotos in<br />

<strong>der</strong> Nachbearbeitung auf<br />

einem beson<strong>der</strong>s hohen<br />

Niveau zu verän<strong>der</strong>n,<br />

was ihm einen Vorteil<br />

gegenüber an<strong>der</strong>en<br />

Profi- Fotografen verschafft.<br />

James wurde<br />

außerdem als Fotograf<br />

bei den englischen TV-<br />

Programmen How to<br />

Look Good Naked <strong>und</strong><br />

The Gadget Show vorgestellt.<br />

Verkaufsför<strong>der</strong>nd<br />

ein modisches<br />

anzeigenmotiv für<br />

einen k<strong>und</strong>en, <strong>der</strong> das<br />

Bild für die Bewerbung<br />

seiner Marke in den<br />

Verkaufsstellen einsetzte.<br />

Bilddetails: Nikon d3X mit<br />

24–75mm-Objektiv bei f11,<br />

1/60 sek<strong>und</strong>en, IsO 400<br />

22 POrträtfOtOgrafIe


01<br />

Vorsicht beim Zuschneiden<br />

Beson<strong>der</strong>s für K<strong>und</strong>en ist es wichtig, die Aufnahme schon<br />

vor dem Öffnen am Computer auf <strong>der</strong> Kamera zuzuschneiden.<br />

Bedenken Sie dabei immer, dass das Bild besser ankommt, wenn<br />

es richtig zugeschnitten wurde. Lassen Sie ausreichend Platz an<br />

allen relevanten Seiten, sonst schneiden Sie aber alles weg.<br />

Wie man damit umgeht<br />

Während <strong>der</strong> Aufnahme lässt man meistens mehr Platz um das<br />

Modell herum als notwendig. Ich bekomme von Auftraggebern<br />

immer wie<strong>der</strong> die Frage gestellt, ob es genug Platz für Text im<br />

Motiv geben wird. Es ist wichtig, so viel Bildbearbeitung wie möglich<br />

direkt auf <strong>der</strong> Kamera zu erledigen, denn manchmal will <strong>der</strong><br />

K<strong>und</strong>e die RAW-Dateien für die eigene Layout-Abteilung haben. Oft<br />

wird man an den Dateien gemessen, die man abgibt. Darum ist es<br />

wichtig, Platz zu lassen, aber nur so viel wie nötig.<br />

02<br />

Auf den Autofokus verlassen<br />

Es ist verlockend, sich immer auf Autofokus & Co. zu verlassen.<br />

Wenn man <strong>der</strong> Kamera allerdings die Kontrolle über die Aufnahme überlässt,<br />

kann es zu Problemen kommen. Wenn dann noch zeitlicher Druck vom K<strong>und</strong>en<br />

dazukommt, steuert man direkt auf eine Katastrophe zu. Machen Sie<br />

sich nicht zu abhängig von <strong>der</strong> Technologie.<br />

Wie man damit umgeht<br />

Bei diesem Foto (unten) for<strong>der</strong>te <strong>der</strong> K<strong>und</strong>e, dass ich eine weitere Session in<br />

viel zu wenig Zeit durchführen sollte. Ich dachte <strong>der</strong> Autofokus könne helfen.<br />

Meine Tests sahen gut aus <strong>und</strong> ich machte mit fünf Outfits weiter, ohne Fokus<br />

<strong>und</strong> Belichtung zu überprüfen. Die Belichtung ist in den RAW-Dateien kein<br />

Problem, da man viel Spielraum hat, aber unfokussiert bleibt unfokussiert. Ich<br />

musste die Bil<strong>der</strong> gründlich bearbeiten. Zum Einsatz kamen Hochpassfilter,<br />

Schärfe-Effekte sowie Kontrast- <strong>und</strong> Helligkeitsanpassungen. Dann habe ich<br />

einen Tilt-Shift-Fokus-Effekt hinzugefügt, um einige Bereiche glaubhafter zu<br />

gestalten. Zum Glück war <strong>der</strong> K<strong>und</strong>e mit dem Ergebnis zufrieden.<br />

SO SOLLtE ES<br />

AuSSEhEn<br />

Das fertige Foto sieht<br />

gut aus <strong>und</strong> ist auch in hoher<br />

Auflösung absolut akzeptabel.<br />

Die Bereiche mit einem weichen<br />

Fokus waren ursprünglich<br />

unscharf (das sieht man<br />

am besten am kleid)<br />

Bilddetails: nikon D3X mit<br />

70–200mm-Objektiv bei f3.5,<br />

1/60 Sek., iSO 400<br />

unFOkuSSiErt<br />

Diese Aufnahme war<br />

für einen kleidungshersteller,<br />

<strong>der</strong> sie für eine<br />

Messe benutzen wollte. Simpel<br />

ausgeleuchtet <strong>und</strong> eine einfache<br />

Pose. Was kann da schon<br />

schiefgehen?<br />

Bilddetails: nikon D3X mit<br />

70–200mm-Objektiv bei f3.5,<br />

1/60 Sek., iSO 400<br />

Licht An<br />

Das endgültige<br />

Ergebnis bietet gute<br />

Belichtung für das Oberteil<br />

<strong>und</strong> das Gesicht <strong>und</strong> wenig<br />

Aufmerksamkeit für die<br />

hose. Die letzte Aufnahme<br />

ist ein Erfolg.<br />

Bilddetails: nikon D3X mit<br />

24–70mm-Objektiv bei<br />

48mm <strong>und</strong> f5, 1/25 Sek<br />

Zu DunkEL<br />

Das Modell verliert<br />

sich in dem Bild, was total<br />

stumpf wirkt<br />

Bilddetails: nikon D3X mit<br />

24–70mm-Objektiv bei<br />

48mm <strong>und</strong> f5, 1/25 Sek<br />

FEhLEr VErMEiDEn<br />

03 Messfehler<br />

Beson<strong>der</strong>s bei automatischen<br />

Einstellungen ist es nicht<br />

immer eine gute Idee, sich auf die<br />

Lichtmessung zu verlassen.<br />

nOrMALE POSE<br />

Eine nette Aufnahme von<br />

dem posierenden Modell,<br />

aber zu viel Ablenkung<br />

für den Betrachter durch<br />

die hand<br />

Bilddetails: nikon D3X<br />

mit 70–200mm-Objektiv,<br />

iSO 400<br />

POWEr-POSE<br />

hier wurde die<br />

Zuschneidefunktion<br />

<strong>der</strong> kamera <strong>und</strong> ein Stativ<br />

zur Vermeidung von rucklern<br />

benutzt<br />

Bilddetails: nikon D3X mit<br />

70–200mm-Objektiv,<br />

iSO 400<br />

„An den Dateien, die man<br />

abgibt, wird man beurteilt.“<br />

Wie man damit umgeht<br />

Blitzlicht ist für die Belichtung nicht<br />

schlimm <strong>und</strong> im RAW-Format aufzunehmen<br />

ist immer gut, da man hier<br />

in <strong>der</strong> Bildbearbeitung viel herausholen<br />

kann. Allerdings wird die Beleuchtung<br />

gerade beim Einsatz von Dauero<strong>der</strong><br />

Filmlicht sehr wichtig – beson<strong>der</strong>s<br />

in den hervorzuhebenden<br />

Bereichen. Dieses Bild wurde mit<br />

rotem Kopffilmlicht beleuchtet. <strong>Der</strong><br />

Auto-Modus <strong>der</strong> Kamera gab die<br />

nötige Belichtung vor, die für Gesicht<br />

<strong>und</strong> feine Details des Outfits eingestellt<br />

wurde. Als Resultat war <strong>der</strong><br />

Rest unterbelichtet. Ich stellte in Drittel-Blendenstufen<br />

herunter, bis ich<br />

mit <strong>der</strong> Belichtung zufrieden war <strong>und</strong><br />

die Aufnahme lebendig wurde. Ich<br />

unterbelichte immer um eine Drittelblende,<br />

um sicherzugehen, dass in<br />

<strong>der</strong> RAW-Datei die Glanzlichter <strong>und</strong><br />

Schatten erhalten bleiben.<br />

POrträtFOtOGrAFiE 23


Für ExPErTEn<br />

Für Experten<br />

Verbessern Sie Ihre Fähigkeiten,<br />

um erstaunliche <strong>Porträt</strong>s zu schießen.<br />

26 Bessere <strong>Porträt</strong>s schießen<br />

Das <strong>Porträt</strong>ieren ist eine <strong>der</strong> beliebtesten<br />

Fotoarbeiten – hier erfahren Sie warum.<br />

34 Mit Licht arbeiten<br />

So machen Sie sich unterschiedliche Lichtverhältnisse<br />

für beste Bil<strong>der</strong>gebnisse zunutze.<br />

42 Den Blitz kreativ einsetzen<br />

Mit dem eingebauten Blitz lassen<br />

sich großartige Ergebnisse erzielen.<br />

44 <strong>Der</strong> Einsatz des<br />

entfesselten Blitzes<br />

Die Nutzung eines entfesselten Blitzgeräts<br />

bringt noch mehr kreativen Spielraum.<br />

50 Mit Models arbeiten<br />

Für erfolgreiche Fotosessions ist es wichtig, gute<br />

Models zu finden <strong>und</strong> sie richtig anzuleiten.<br />

„Mit diesen Tipps<br />

verwandeln Sie<br />

Ihre Fotos in<br />

professionelle<br />

Aufnahmen.“<br />

24 PorTräTFoTogrAFIE


für experten<br />

© Karl Shaw<br />

porträtfotografie 25


FÜR EXPERTEN<br />

KRAFTVOLLE PORTRÄTS<br />

An <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie reizt viele das<br />

mögliche Ergebnis <strong>und</strong> <strong>der</strong> Spaß bei<br />

<strong>der</strong> Erstellung. Diese Vielfältigkeit von<br />

Technik <strong>und</strong> Motiv gibt es kein<br />

zweites Mal.<br />

26 PORTRÄTFOTOGRAFIE


essere porträtfotos<br />

Bessere<br />

<strong>Porträt</strong>fotos<br />

Die <strong>Porträt</strong>fotografie ist ein beliebtes Genre,<br />

doch es gibt mehr als das oft zitierte Auge für<br />

das richtige Motiv. Auch die Technik muss<br />

stimmen. Finden Sie heraus, wie Sie Ihre<br />

<strong>Porträt</strong>s verbessern können.<br />

Egal wohin man sieht: Kaum eine Fotoplattform<br />

kommt ohne Tausende<br />

von <strong>Porträt</strong>fotos aus – hochgeladen<br />

von unzähligen Nutzern. Nur die<br />

Kategorie <strong>Landschafts</strong>fotos ist ähnlich<br />

populär. Das Anfertigen von wirklichkeitsgetreuen<br />

Abbil<strong>der</strong>n seines Gegenübers hat jahrtausendelange<br />

Tradition. Daher ist es auch nicht gerade erstaunlich,<br />

dass sich schon in den Anfängen <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

verstärkt darauf konzentriert wurde. Zu jener Zeit<br />

gab es noch einige technische Hin<strong>der</strong>nisse, wie zum<br />

Beispiel das Überwinden <strong>der</strong> benötigten langen Belichtungszeit,<br />

<strong>und</strong> alleine aufgr<strong>und</strong> des an<strong>der</strong>en Stils<br />

erscheinen Aufnahmen aus <strong>der</strong> Anfangszeit <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

für uns heutzutage ungewohnt <strong>und</strong> können<br />

kaum jemanden mehr beeindrucken.<br />

Vielleicht rührt das daher, dass wir inzwischen an<br />

den Stil unserer Zeit gewöhnt sind. Entspannte Posen<br />

<strong>und</strong> breites Grinsen erscheint im starken Kontrast zu<br />

ernst dreinblickenden Personen mit starrer Haltung.<br />

Fakt ist: Die mo<strong>der</strong>ne <strong>Porträt</strong>fotografie, wie wir sie<br />

heute kennen, wurde maßgeblich von <strong>der</strong> Arbeit <strong>der</strong><br />

im 19. Jahrhun<strong>der</strong>t tätigen Fotografin Julia Margaret<br />

Cameron geprägt. Man muss wissen, dass für die<br />

<strong>Porträt</strong>fotografie merklich weniger strenge Regeln<br />

existieren als für an<strong>der</strong>e Gebiete <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong>. Das<br />

mag zum einen erklären, wieso sich <strong>der</strong>art viele Stile<br />

entwickelt haben, auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite können gut<br />

gemachte <strong>Porträt</strong>fotos so immer wie<strong>der</strong> aufs Neue<br />

erstaunen <strong>und</strong> neugierig machen. <strong>Der</strong> Hauptgr<strong>und</strong><br />

für die starke Interessenausprägung hin zur <strong>Porträt</strong>fotografie<br />

mag jedoch unser Drang zu sozialen<br />

Kontakten sein. Auf den nächsten Seiten werden wir<br />

Ihnen einen kleinen Einblick in die unserer Meinung<br />

nach wichtigsten Ausprägungen <strong>und</strong> Stile <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie<br />

verschaffen <strong>und</strong> die Prozesse <strong>und</strong> Techniken<br />

dahinter beleuchten.<br />

Top-FoTo-<br />

TippS & -HinweiSe<br />

• Modelauswahl<br />

• Kreativität<br />

• Requisiten<br />

• Straßenporträts<br />

porträtfotografie 27


für experten<br />

Ein Konzept erstellen<br />

Wählen Sie Ihr Model aus <strong>und</strong> welche Art <strong>Porträt</strong> Sie anfertigen möchten. Beginnen Sie mit <strong>der</strong> Komposition.<br />

Sehr oft verbinden wir die <strong>Porträt</strong>fotografie mit <strong>der</strong><br />

Abbildung jüngerer Frauen. Vielleicht, weil wir von<br />

dieser Art Fotos aus den Massenmedien als Ideal bombadiert<br />

werden. Wir verbinden damit, dass es erstrebenswert<br />

ist, Jugend <strong>und</strong> Schönheit abzubilden. Das<br />

resultiert dann in vielen Fällen darin, dass Fotografen<br />

in ihrem Portfolio je<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Form <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie<br />

so weit wie möglich aus dem Wege gehen. Was<br />

viele vergessen, ist, dass es durchaus interessant sein<br />

kann, sich abzuheben, seinen fotografischen Horizont<br />

zu erweitern <strong>und</strong> sich mit einem kleinen Ruck selbst<br />

dazu zu bringen, auch ältere Personen o<strong>der</strong> männliche<br />

Models abzulichten. Das wusste schon Julia Margaret<br />

Cameron mit ihrem bekannten <strong>Porträt</strong> von Sir<br />

John Herschel. Man muss zugeben: Um 1860 herum<br />

blieb ihr nicht viel mehr übrig, als in Schwarz-Weiß<br />

zu porträtieren, doch offensichtlich hat dieser Stil<br />

beson<strong>der</strong>s bei <strong>der</strong> Abbildung älterer Menschen seinen<br />

Reiz. Gut inszeniert kommen so die Beson<strong>der</strong>heiten<br />

<strong>der</strong> Haut beson<strong>der</strong>s zur Geltung <strong>und</strong> das Bild vermag<br />

beinahe den Eindruck zu erwecken, die komplette<br />

© Adrian Dewey<br />

Geschichte des Menschen aus seinem Gesicht lesen<br />

zu können. Auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite <strong>der</strong> Altersskala<br />

sind Kin<strong>der</strong> interessante <strong>und</strong> herausfor<strong>der</strong>nde Motive.<br />

Doch herausfor<strong>der</strong>nd ist das Stichwort: Ein <strong>Porträt</strong>-<br />

Shooting benötigt Zeit für gute Ergebnisse – haben<br />

Sie schon einmal versucht, ein Kind längere Zeit für<br />

eine Sache zu motivieren, bei <strong>der</strong> es oftmals an einer<br />

Stelle sitzen muss <strong>und</strong> stets einen positiven Eindruck<br />

hinterlassen soll? Das ist nicht immer einfach. Auch<br />

müssen Sie bezüglich <strong>der</strong> Beleuchtung flexibler sein.<br />

Kleinkin<strong>der</strong> <strong>und</strong> Nachwuchs im Kin<strong>der</strong>gartenalter neigen<br />

dazu, sich ständig zu bewegen. Daher können Sie<br />

hier nicht mit einer großen Studioblitzinstallation <strong>und</strong><br />

einem verhältnismäßig geringen Sweetspot arbeiten.<br />

Ein gutes <strong>Porträt</strong>foto muss übrigens nicht immer<br />

aus einer einzigen Person bestehen. Ein Foto mit<br />

Fre<strong>und</strong>en o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Familie hat auf <strong>der</strong> einen Seite<br />

einen beson<strong>der</strong>en Erinnerungswert für alle Beteiligten,<br />

auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite entsteht quasi automatisch<br />

eine entspannte Atmosphäre. Sie als Fotograf müssen<br />

nicht mehr so viel Kraft aufwenden, Ihr Motiv zu<br />

Mit farben<br />

arbeiten<br />

Schwarz-Weiß ist ein<br />

beliebtes Stilmittel in <strong>der</strong><br />

porträtfotografie, doch<br />

auch farben können<br />

richtig eingesetzt<br />

ein sehr effektiver<br />

blickfang<br />

werden.<br />

einem bestimmten Gesichtsausdruck zu bringen. Für<br />

die meisten <strong>Porträt</strong>- <strong>und</strong> Hochzeitsfotografen sind<br />

Gruppenfotos <strong>der</strong> wichtigste Bestandteil eines Auftrags.<br />

Nicht zuletzt, weil diese immer gut bei K<strong>und</strong>en<br />

ankommen <strong>und</strong> mit hoher Wahrscheinlichkeit verkauft<br />

werden können. Denn egal wie kreativ Sie als<br />

Fotograf sind, egal wie spektakulär Ihr Portfolio ist: Im<br />

Gegensatz zum Einzelshooting setzen viele K<strong>und</strong>en<br />

bei Gruppenfotos immer noch auf das klassische Bild<br />

mit glücklichen Gesichtern, in Reih <strong>und</strong> Glied angeordnet.<br />

Die größten Probleme beim Gruppenporträt<br />

sind bekannt: Irgendwer verpasst immer den Moment<br />

des Auslösens <strong>und</strong> lächelt nicht o<strong>der</strong> guckt gar in<br />

eine völlig an<strong>der</strong>e Richtung. Außerdem ist es ab einer<br />

bestimmten Anzahl an Personen sehr schwierig eine<br />

perfekte Ausleuchtung zu erhalten, ohne dass sich die<br />

Teilnehmer wortwörtlich gegenseitig in den Schatten<br />

stellen. Solche Situationen zu vermeiden kennzeichnet<br />

einen guten Fotografen – das ist nicht immer eine<br />

einfache Aufgabe. Sie sollten dennoch lernen, sie zu<br />

meistern, denn min<strong>der</strong>wertige Fotos gehen einher mit<br />

unzufriedenen K<strong>und</strong>en. Daher sollten Sie sich stets<br />

gut vorbereiten. Organisieren Sie sich gut, versuchen<br />

Sie, Ihre Motive mit Namen anzusprechen, um die<br />

Aufmerksamkeit in Ihre Richtung zu lenken.<br />

Arbeiten Sie zügig <strong>und</strong> haben Sie<br />

stets die Bildkomposition vor<br />

dem inneren Auge. Nicht<br />

Mit Kin<strong>der</strong>n<br />

arbeiten<br />

Das <strong>Fotografie</strong>ren von Kin<strong>der</strong>n ist<br />

eine <strong>der</strong> größten Herausfor<strong>der</strong>ungen,<br />

die ein gewöhnlicher Fotograf zu<br />

meistern hat. Sie können ihnen<br />

schwer sagen, wie sie sich zu<br />

verhalten haben. Dennoch können<br />

Sie den Studioaufenthalt spaßig <strong>und</strong><br />

interessant gestalten, um zum<br />

Erfolg zu gelangen.<br />

zuletzt sollten Sie stets<br />

einen fre<strong>und</strong>lichen <strong>und</strong><br />

lockeren Eindruck hinterlassen.<br />

Auch wenn<br />

Sie sich gestresst<br />

fühlen: Das darf<br />

nicht nach außen<br />

umschlagen, um die<br />

Situation nicht unnötig<br />

anzuspannen.<br />

gruppenfotoS<br />

gerade eine große gruppe Kin<strong>der</strong> kann sehr herausfor<strong>der</strong>nd<br />

sein – richtig durchgeführt ist so ein foto aber<br />

ein bild fürs Leben.<br />

© Katrina Christ<br />

28 porträtfotografie


essere porträtfotos<br />

Hauttexturen<br />

Schwarz-Weiß-fotos mit einer guten<br />

feinzeichnung von Hautdetails sind nahezu ideal zur<br />

abbildung älterer, männlicher personen – vorausgesetzt,<br />

Sie möchten dieses Bildelement beson<strong>der</strong>s betonen.<br />

nicHt auf regeln BeHarren<br />

Das Mädchen lacht mit geschlossenen augen,<br />

in den nacken geworfenem Kopf <strong>und</strong> offenem M<strong>und</strong>.<br />

Manch einer mag das als regelbruch ansehen, doch das<br />

Bild eignet sich perfekt zur abbildung des charakters.<br />

© Richard Mayfield<br />

© Richard Mayfield<br />

„Eine gleichmäßige Beleuchtung o<strong>der</strong><br />

<strong>der</strong> Blick in die Kamera sind zwei große<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen bei Gruppenfotos.“<br />

<strong>Porträt</strong>ieren älterer Menschen<br />

Profi-Fotograf Richard Mayfield über die<br />

Zusammenarbeit mit Menschen je<strong>der</strong> Altersklasse<br />

© Richard Mayfield<br />

richardmayfield.co.uk<br />

Richard Mayfield ist als professioneller<br />

<strong>Porträt</strong>- <strong>und</strong><br />

Modefotograf sowie als<br />

kreativer Kopf von Venture<br />

Photography bekannt.<br />

2012 wurde er „Fotograf<br />

des Jahres“ des Britischen<br />

Instituts <strong>der</strong> professionellen<br />

<strong>Fotografie</strong>.<br />

Welche Besodnerheiten<br />

stellen Sie beim <strong>Porträt</strong>ieren<br />

älterer Menschen fest?<br />

Mich fasziniert die Zusammenarbeit mit Personen,<br />

denen man die Lebenserfahrung ansieht, immer wie<strong>der</strong>.<br />

Sie besitzen das Wissen einiger Jahrzehnte <strong>und</strong> haben<br />

fest verankerte Ansichten. Das macht es in vielen Fällen<br />

einfacher, eine Bindung zu ihnen aufzubauen <strong>und</strong> dementsprechend<br />

ihren Charakter möglichst real abzubilden.<br />

Nutzen Sie bei <strong>der</strong> Arbeit mit älteren Menschen<br />

Techniken, die Sie sind nicht verwenden?<br />

Je<strong>der</strong> Mensch hat an<strong>der</strong>e Erfahrungen gemacht <strong>und</strong><br />

nimmt Situtationen unterschiedlich wahr. Ich versuche<br />

mich stets in jeden einzelnen hineinzuversetzen, das<br />

erfor<strong>der</strong>t Wandlungsfähigkeit. Diese Fähigkeit muss<br />

man als professioneller <strong>Porträt</strong>fotograf zweifelsfrei mitbringen,<br />

um am Markt bestehen zu können. Gerade bei<br />

älteren Menschen versuche ich, ein Thema zu finden,<br />

von dem sie schwärmen o<strong>der</strong> das sie beson<strong>der</strong>s interessiert,<br />

um eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Das entspannt<br />

die Situation im Studio um einiges.<br />

Kommt dabei an<strong>der</strong>e Beleuchtung zum Einsatz?<br />

Gerade bei älteren Mitmenschen gibt es hier eine Menge<br />

Potenzial. Allerdings setze ich bei Frauen auf diffuses<br />

Licht, um nicht jede Falte extra zu betonen. Bei Männern<br />

hingegen kann das genaue Gegenteil eine beson<strong>der</strong>e<br />

Wirkung erzielen. Richtig eingesetzt kann man aus dem<br />

Gesicht so ganze Geschichten herauslesen.<br />

Welche Tricks nutzen Sie bei <strong>der</strong> Arbeit mit<br />

kamerascheuen Models?<br />

Als Fotograf muss man natürlich sein Equipment beherrschen.<br />

Doch genauso müssen wir eine Bindung zu unserem<br />

Modell aufbauen, um eine entspannte Atmosphäre<br />

zu schaffen. Meist sind die Menschen dann sehr kooperativ<br />

<strong>und</strong> anfängliche Ängste sind verflogen.<br />

Haben Sie drei Tipps für ein perfektes <strong>Porträt</strong>foto?<br />

Zuerst sollte man sich nicht verstellen <strong>und</strong> natürlich sein.<br />

Daneben muss die Fähigkeit bestehen, sich mit dem<br />

Modell auf einer kommunikativen Ebene zu bewegen. Zu<br />

guter Letzt hilft aber nur eines: Übung, Übung, Übung!<br />

Gibt es etwas, was man als angehen<strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotograf<br />

unbedingt vermeiden sollte?<br />

Verlassen Sie sich nicht zu sehr auf die Technik <strong>und</strong> überschätzen<br />

Sie sich nicht selbst. Aber verstecken Sie sich<br />

auch nicht hinter <strong>der</strong> Kamera. Seien Sie kommunikativ<br />

<strong>und</strong> arbeiten Sie mit dem Modell zusammen – nicht mit<br />

BearBeitung<br />

gutes ausgangsmaterial können Sie fast immer durch<br />

eine gelungene Bearbeitung verbessern. Versuchen Sie<br />

sich an tonwertreglern o<strong>der</strong> <strong>der</strong> gezielten entsättigung.<br />

dem Display Ihrer Kamera. Als letzter Tipp sollte gesagt<br />

sein, dass man das Modell niemals demotivieren sollte.<br />

Auch wenn er o<strong>der</strong> sie einen schlechten Tag hat <strong>und</strong><br />

unkooperativ zu sein scheint: Es ist <strong>der</strong> Job des Fotografen,<br />

das Beste aus <strong>der</strong> Situation zu machen!<br />

porträtfotografie 29


FÜR EXPERTEN<br />

In Pose setzen<br />

Erreichen Sie eine gelungene<br />

Bildkomposition mit dem Mix<br />

aus Pose, Beleuchtung<br />

<strong>und</strong> Hintergr<strong>und</strong>.<br />

ACHTEN SIE AUF DIE AUGEN<br />

Direkter Blickkontakt lässt den<br />

Betrachter ein Teil <strong>der</strong> Szene werden.<br />

Ihr Model muss nicht immer direkt in<br />

das Objektiv blicken, <strong>der</strong> Blick o<strong>der</strong><br />

die Blickrichtung sollten aber eines<br />

<strong>der</strong> Hauptbestandteile des Fotos<br />

darstellen.<br />

PLATZIEREN DER HÄNDE<br />

Die Form, die durch das Platzieren<br />

<strong>der</strong> Hände kreiert wird, fügt dem Bild<br />

interessante Kurven hinzu, die den<br />

Blick leiten. Hier folgen die Hände zum<br />

Beispiel dem Verlauf <strong>der</strong> Haare <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />

Gesichtsform des Models. Meistens<br />

müssen Sie das Model anweisen, was er<br />

o<strong>der</strong> sie mit den Händen tun soll.<br />

EINE FRAGE DER<br />

KOMPOSITION<br />

Wie viel Körper Sie in<br />

das <strong>Porträt</strong> einbeziehen,<br />

bleibt Ihnen überlassen<br />

<strong>und</strong> ist sehr oft von <strong>der</strong><br />

jeweiligen Pose abhängig.<br />

Hier ist zum Beispiel nur<br />

die Abbildung bis auf<br />

Schulterhöhe sinnvoll.<br />

DAS<br />

RICHTIGE LICHT<br />

Das richtige Licht-Setup ist essenziell,<br />

um eine bestimmte Wirkung<br />

eines <strong>Porträt</strong>s zu erreichen. Erst<br />

wenn die Beleuchtung stimmt<br />

können Sie sich über die an<strong>der</strong>en<br />

Punkte Gedanken machen.<br />

ACHTEN SIE AUF DEN HINTERGRUND<br />

Die warmen Farbtöne von Haut <strong>und</strong> Haaren bieten<br />

sich quasi an, einen blaugrauen Hintergr<strong>und</strong> zu<br />

wählen. Wie so oft in <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> können Sie<br />

sich hier in vielen Fällen auf die Anwendung <strong>der</strong><br />

Komplementärfarben konzentrieren. Das funktioniert<br />

meistens gut <strong>und</strong> sieht ansprechend aus.<br />

30 PORTRÄTFOTOGRAFIE


BESSERE PORTRÄTFOTOS<br />

Requisiten<br />

Betonen Sie den Charakter Ihres<br />

Motivs mithilfe von Requisiten.<br />

Kein Genre in <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> ist einfach zu meistern.<br />

Doch <strong>Porträt</strong>fotografen werden früher o<strong>der</strong> später<br />

mit <strong>der</strong>selben Art Mensch zu tun bekommen wie<br />

ein Lehrer: die Art Mensch, die sich strikt weigert zu<br />

tun, was ihr o<strong>der</strong> ihm nahegelegt wird. Ob es nun<br />

Lernverweigerer sind o<strong>der</strong> Personen, die sich nicht<br />

fotografieren lassen wollen, ist dabei egal – beides<br />

sind eine große Herausfor<strong>der</strong>ungen.<br />

Bei Kleinkin<strong>der</strong>n ist dies beson<strong>der</strong>s ausgeprägt,<br />

doch es sind nicht nur die Jüngeren, die in dieser<br />

Hinsicht problematisch sind. Beim Anfertigen von<br />

Familienfotos fällt immer wie<strong>der</strong> auf, dass manche<br />

Väter eine wie auch immer begründete Abneigung<br />

haben, fotografiert zu werden, an<strong>der</strong>e haben<br />

einfach nur Angst, wie sie auf dem Foto<br />

aussehen mögen.<br />

Im Laufe <strong>der</strong> Zeit haben sich<br />

verschiedene Ansätze etabliert,<br />

um mit solchen Situationen<br />

klarzukommen <strong>und</strong> um das<br />

Eis zu brechen. Einer davon<br />

ist <strong>der</strong> Einsatz von Requisiten.<br />

Sie sind nicht nur ein<br />

interessanter Blickfang im<br />

Bild, son<strong>der</strong>n können auch<br />

entspannend auf die Personen<br />

im Bild wirken, da sie sich<br />

zum Beispiel daran festhalten<br />

können. Ein kamerascheues Kind<br />

kann plötzlich eine Menge Enthusiasmus zeigen,<br />

wenn es sein Lieblingsspielzeug in den Händen hält.<br />

Weiter kann eine lachende Person bei einem Familienshooting<br />

den Rest <strong>der</strong> Familie quasi anstecken.<br />

adriandewey.com<br />

Adrian Dewey ist etablierter<br />

freiberuflicher Fotograf,<br />

Grafiker <strong>und</strong> Designer. Seine<br />

Arbeiten wurden bereits<br />

mehrfach in Magazinen<br />

veröffentlicht.<br />

Welche Vorteile sehen<br />

Sie beim Einsatz von<br />

Requisiten in <strong>der</strong><br />

<strong>Porträt</strong>fotografie?<br />

<strong>Der</strong> Einsatz von Requisiten<br />

in Einzel- <strong>und</strong> Gruppenporträts hilft oft, eine optische Balance<br />

in das Bild hineinzubringen, <strong>und</strong> dient gleichzeitig<br />

als Auflockerung durch ein an<strong>der</strong>es Objekt im Bild. Bei<br />

einem Gruppenfoto kann es beispielsweise viele verschiedene<br />

Personen geben, die miteinan<strong>der</strong> in einen Kontext<br />

Nutzen eines<br />

Triflectors<br />

Ein Triflector ist ein einfach gehaltenes Stück<br />

Equipment, das in keiner Studioausrüstung<br />

fehlen sollte. Durch die Anordnung von drei<br />

in verschiedene Richtungen reflektierenden<br />

Flächen vor dem Model, die von einem<br />

Blitz beleuchtet werden, entsteht ein<br />

interessanter Beleuchtungseffekt.<br />

REQUISITEN IM BILD<br />

Requisiten im Bild bringen einige Vorteile mit<br />

sich: Sie bieten dem Hauptmotiv einen Fixpunkt <strong>und</strong><br />

sie lockern die Bildwirkung auf.<br />

„Es gibt keinerlei Einschränkung, welche Art<br />

Requisite im Studio erlaubt ist o<strong>der</strong> nicht.“<br />

Requisiten effektiv nutzen<br />

Profi-Fotograf Adrian Dewey spricht über seine<br />

Tricks beim Einsatz von Requisiten in <strong>Porträt</strong>s<br />

gebracht werden müssen. Dort können Requisiten nützlich<br />

sein. Bei kleineren Kin<strong>der</strong>n dienen Requisiten hingegen<br />

eher als Beschäftigung, um sie von <strong>der</strong> eher langweiligen<br />

Atmosphäre im Studio zu abzulenken. Außerdem<br />

können Bauklötze <strong>und</strong> Kuscheltiere zusätzliche Farbe ins<br />

Bild bringen.<br />

Was müssen Fotografen beim Einsatz von Requisiten<br />

beson<strong>der</strong>s beachten?<br />

Requisiten müssen intelligent ausgewählt werden. Übertreiben<br />

Sie es bei <strong>der</strong> Auswahl des Typs o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Menge,<br />

geht das Hauptmotiv schnell im Gesamtwerk unter. Das<br />

ist ja genau das, was Sie nicht möchten. Auch sollten Sie<br />

beachten, wie <strong>und</strong> ob die Farben miteinan<strong>der</strong> wirken o<strong>der</strong><br />

ob das Größenverhältnis passt. Dort gibt es aber auch<br />

nicht unbedingt eine Faustformel. Manchmal ist es sogar<br />

sehr interessant, wenn man sich mit Gegensätzen konfrontiert<br />

sieht.<br />

© Adrian Dewey<br />

Manche <strong>Porträt</strong>studios besitzen gar ein ganzes<br />

Lager voll Requisiten. So ist <strong>der</strong> Fotograf für jede<br />

Situation gewappnet <strong>und</strong> erreicht damit das bestmögliche<br />

Ergebnis ohne großen Stress <strong>und</strong> ohne<br />

große Kosten – das ist immer von Vorteil, wenn <strong>der</strong><br />

Tag im Studio einmal an<strong>der</strong>s verlaufen sollte als<br />

geplant.<br />

<strong>Der</strong> Einsatz von Requisiten kann aber auch<br />

Nachteile mit sich bringen. Benutzen Sie zum<br />

Beispiel ständig die gleichen Hilfsmittel, so gibt es<br />

kaum Abwechslung in Ihren Werken <strong>und</strong> die Bil<strong>der</strong><br />

wirken austauschbar. Das kann so weit gehen,<br />

dass sogar die persönliche Note eines <strong>Porträt</strong>fotos<br />

überdeckt wird. Es ist schließlich unwahrscheinlich,<br />

dass sich mehrere Personen mit ein <strong>und</strong> demselben<br />

Gegenstand identifizieren. Daher sollten Sie stets<br />

Requisiten einsetzen, die die Persönlichkeit <strong>der</strong> zu<br />

porträtierenden Personen wi<strong>der</strong>spiegelt. Ein guter<br />

Trick, um keinen Fehlgriff zu landen, ist es, wenn<br />

Sie das Modell darum bitten, doch selber einen<br />

Gegenstand mitzubringen. Das bringt auch den Vorteil<br />

mit sich, dass Sie ein Gespräch über den Gegenstand<br />

<strong>und</strong> die dazugehörigen Assoziationen führen<br />

können, um – sofern noch nicht geschehen – das<br />

Eis zu brechen. So wird <strong>der</strong> Aufenthalt im Studio<br />

meist um einiges entspannter. Es ist deshalb eigentlich<br />

völlig egal, welche Art von Requisite Sie verwenden.<br />

Je ausgefallener das Stück, desto kreativer<br />

können Sie wirken <strong>und</strong> desto interessanter wird das<br />

Ergebnis. Allerdings sollten Sie gerade bei Kin<strong>der</strong>n<br />

darauf achten, dass Sie den Studioaufenthalt um<br />

die selbst mitgebrachten Requisite herum planen.<br />

Handelt es sich dabei um Lieblingsspielzeuge, so<br />

kann <strong>der</strong> Requisitenwechsel schnell ins Auge gehen<br />

<strong>und</strong> die Stimmung kippt in Sek<strong>und</strong>enschnelle.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 31


für experten<br />

BildzusaMMenhang<br />

auch wenn dieses Bild zunächst ein produkt<br />

des zufalls zu sein scheint: Viele fotografen<br />

achten gezielt auf elemente, die ihre<br />

Bildelemente miteinan<strong>der</strong> verknüpfen.<br />

© David Gibson<br />

Ungestellte Fotos<br />

Spontaneität zahlt sich aus.<br />

Längst nicht alle <strong>Porträt</strong>fotos müssen unter den<br />

fast schon klinischen Bedingungen in einem<br />

Fotostudio <strong>und</strong> mit professionellen Models<br />

entstehen. Sehr oft kommen die deutlich<br />

interessanteren Bil<strong>der</strong> beim spontanen Ablichten<br />

auf <strong>der</strong> Straße heraus. Solange Sie etwas<br />

Fingerspitzengefühl zeigen <strong>und</strong> sich selbst<br />

Grenzen auferlegen, müssen Sie sich auch keine<br />

Sorgen über die Legalität dieses Vorgehens<br />

machen. Niemand hat auf öffentlichen Plätzen<br />

mit dem Luxus einer Privatsphäre zu rechnen.<br />

Allerdings können Sie in Schwierigkeiten geraten,<br />

sobald Sie jemanden gezielt verfolgen o<strong>der</strong><br />

an<strong>der</strong>weitig dessen Persönlichkeitsrechte verletzen.<br />

In diesem Fall besitzt Ihr Motiv das Recht, Ihnen<br />

dies mitzuteilen o<strong>der</strong> je nach Situation auch<br />

mit polizeilichen Konsequenzen<br />

aufzuwarten. Ebenfalls sollten<br />

Sie bei Kin<strong>der</strong>n o<strong>der</strong> Beamten<br />

Vorsicht walten lassen.<br />

Behalten Sie auch im<br />

Hinterkopf, dass Sie mit<br />

den Bil<strong>der</strong>n auch nicht<br />

wie gewohnt arbeiten<br />

können. Das fängt<br />

schon damit an, dass<br />

Sie diese Fotos nicht für<br />

kommerzielle Zwecke<br />

benutzen dürfen. Für<br />

solche Fälle brauchen Sie<br />

stets eine unterschriebene<br />

Einverständniserklärung<br />

Festbrennweiten<br />

Festbrennweiten-Objektive besitzen einige<br />

Vorteile gegenüber Zoomobjektiven<br />

<strong>und</strong> nicht wenige Fotografen schwören<br />

auf diese Vorteile. Unbestreitbar ist, dass<br />

Festbrennweiten oftmals lichtstärker sind<br />

<strong>und</strong> so gleichzeitig ein größeres<br />

Freistellungspotenzial bieten.<br />

o<strong>der</strong> Model-Freigabe Ihres Motivs. Eine<br />

Verbreitung auf frei zugänglichen Websites ist<br />

ebenfalls problematisch. Doch beachtet man<br />

sämtliche Regeln <strong>und</strong> Fallstricke, so eröffnet sich<br />

Ihnen mit <strong>der</strong> Straßenfotografie ein ungeahntes<br />

Feld für Vielfalt <strong>und</strong> Kreativität, das nur darauf<br />

wartet, von Ihnen beackert zu werden.<br />

Nebenbei besitzt dieses Sujet selbstverständlich<br />

auch den Reiz, seine Technik weiter zu verfeinern,<br />

sodass Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren nicht mehr weiter<br />

auffallen <strong>und</strong> einfach in <strong>der</strong> Menge untergehen –<br />

Bil<strong>der</strong> mit natürlichen Gesichtsausdrücken <strong>und</strong><br />

ungestellten Posen sind die Folge.<br />

Bei <strong>der</strong> Straßenfotografie gibt es verschiedene<br />

Ansätze. Manche einer bevorzugt den Schuss<br />

aus <strong>der</strong> Hüfte, an<strong>der</strong>e komponieren klassisch mit<br />

dem Blick durch den Sucher. Genauso<br />

verschieden wie die Ansätze <strong>der</strong><br />

Durchführung sind auch die<br />

Ansichten darüber, ob man<br />

so entstandene Bil<strong>der</strong><br />

nachträglich zuschneiden<br />

<strong>und</strong> bearbeiten sollte<br />

o<strong>der</strong> ob dadurch die<br />

Bildaussage verfälscht<br />

werden könnte.<br />

Viele Fotografen<br />

meiden den Bereich<br />

des <strong>Porträt</strong>ierens auf<br />

offener Straße aus<br />

Angst vor den möglichen<br />

Konsequenzen. Doch wenn<br />

© David Gibson<br />

Möge die Macht Mit dir sein<br />

so manches foto benötigt auch eine gewisse<br />

portion glück <strong>und</strong> eine schnelle reaktion, um den Moment<br />

einzufangen, bevor er wie<strong>der</strong> vorbei ist.<br />

Sie mit etwas Verstand <strong>und</strong> Fingerspitzengefühl an<br />

die Sache herangehen, haben Sie kaum Probleme<br />

zu erwarten, meint David Gibson – seines<br />

Zeichens seit 25 Jahren praktizieren<strong>der</strong> Fotograf<br />

mit Schwerpunkt auf <strong>der</strong> Straßenfotografie. Einem<br />

großen Teil des Ärgers gehen Sie bereits aus dem<br />

Weg, indem Sie keine Situationen ablichten, die für<br />

Ihre Motive unvorteilhaft sein könnten o<strong>der</strong> <strong>der</strong>en<br />

Abbildung negative Folgen mit sich bringen könnte.<br />

32 porträtfotografie


essere porträtfotos<br />

© Loïc Brohard<br />

grauzone<br />

recht <strong>und</strong> unrecht<br />

gehen in <strong>der</strong> Straßenfotografie<br />

quasi nahtlos<br />

ineinan<strong>der</strong> über. Überlegen<br />

Sie also genau, was Sie tun.<br />

Viele Wege<br />

zum ziel<br />

Kaum ein fotograf aus<br />

dem genre <strong>der</strong> Straßenfotografie<br />

kommt mit <strong>der</strong><br />

gleichen technik zum<br />

gewünschten ergebnis.<br />

lassen Sie sich nicht verwirren<br />

<strong>und</strong> finden Sie ihre eigene<br />

taktik heraus.<br />

porträts<br />

in <strong>der</strong><br />

Öffentlichkeit<br />

Wir fragten Loic Brohard nach seiner<br />

Vorgehensweise für gelungene <strong>Porträt</strong>s<br />

brohardphotography.blogspot.com<br />

Einer <strong>der</strong> höchst frequentiertesten<br />

Flickr-Accounts <strong>und</strong> ein erfolgreicher<br />

Blog sind die Markenzeichen von Loic<br />

Brohard. Aufgr<strong>und</strong> seiner Erfahrung in<br />

<strong>der</strong> Straßenfotografie eignet er sich<br />

perfekt für unsere Fragen zu dem Thema.<br />

Welche Orte bevorzugen Sie?<br />

Ich halte mich meistens auf öffentlichen<br />

Veranstaltungen o<strong>der</strong> Plätzen mit<br />

starkem Touristenaufkommen auf. Das<br />

hat den Vorteil, dass man dort nicht <strong>der</strong> Einzige mit einer Kamera ist.<br />

Die wenigsten Leute interessiert es dann, ob man Fotos macht.<br />

Welche Techniken setzen Sie ein?<br />

Ich fotografiere nicht aus <strong>der</strong> Hüfte o<strong>der</strong> einer an<strong>der</strong>en ungewöhnlichen<br />

Position, da ich dem einfach nichts abgewinnen kann. Für<br />

gewöhnlich sehe ich ein Motiv, komponiere den Bildausschnitt,<br />

fokussiere <strong>und</strong> drücke ab. Das geht meist schnell <strong>und</strong> erfor<strong>der</strong>t kein<br />

heimliches Getue. Zwar könnte so das ein o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e Motiv entgehen,<br />

aber die Ausschussrate ist geringer als beim Blind-<strong>Fotografie</strong>ren.<br />

Möchte man einen bestimmten Hintergr<strong>und</strong> als Aussage im Bild<br />

haben, so muss man sich wohl auf die Lauer legen <strong>und</strong> abwarten.<br />

Gibt es regelmäßig auftretende Probleme bei Ihrer Arbeit?<br />

Manchmal scheint man mit seinem Equipment unter einer Art<br />

Generalverdacht zu stehen, dabei ist es selten illegal, an öffentlichen<br />

Orten zu fotografieren. Das Wetter ist da schon das größere Hin<strong>der</strong>nis,<br />

da man ausschließlich mit dem vorhandenen Licht arbeiten muss.<br />

Worauf achten Sie beson<strong>der</strong>s bei <strong>der</strong> Auswahl Ihres Motivs?<br />

Man versucht, sich auf eine Person zu konzentrieren <strong>und</strong> den<br />

beson<strong>der</strong>en Moment, <strong>der</strong> diese zu charakterisieren scheint, zu<br />

erwischen. Ich versuche, den Moment so abzupassen, dass <strong>der</strong><br />

Mensch selbst stolz wäre, sich exakt so irgendwo abgebildet zu sehen.<br />

Das kann durch vieles begünstigt werden: ein Gesichtsausdruck, ein<br />

Lächeln, die Darstellung eines beson<strong>der</strong>en Typus usw.<br />

Was machen Sie, wenn Sie gefragt werden, was Sie machen?<br />

Ich habe noch nie negative Reaktionen erlebt. Meistens kümmert es<br />

die Leute nicht , wenn sie erkennen, dass sie im Bild sind. Manchmal<br />

entschuldigen sie sich sogar, weil sie dachten, sie hätten im Bild gestanden.<br />

Personen, die es aber realisieren, lassen sich übrigens zu sehr<br />

interessanten Gesichtsausdrücken hinreißen.<br />

unauffällig geschossene<br />

fotos mit guter<br />

Bildkomposition besitzen<br />

eine angenehme<br />

natürlichkeit, die nur<br />

sehr schwer im Studio<br />

nachzubilden ist.<br />

© Loïc Brohard<br />

porträtfotografie 33


FÜR EXPERTEN<br />

Mit Licht<br />

arbeiten<br />

Erfahren Sie, wie Sie die unterschiedlichen Arten<br />

von Licht zu Ihrem Vorteil einsetzen, um die<br />

besten <strong>Porträt</strong>aufnahmen zu erstellen.<br />

In <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> dreht sich alles um das<br />

Licht. Das Wort „<strong>Fotografie</strong>“ selbst bedeutet<br />

sow viel wie „mit Licht malen“.<br />

Die Art des Lichtes, nach dem <strong>der</strong> Fotograf<br />

sucht o<strong>der</strong> das er versucht zu kreieren, ist<br />

oft <strong>der</strong> Gr<strong>und</strong>pfeiler des zu erstellenden Bildes.<br />

Den von <strong>der</strong> Beleuchtung hängen alle an<strong>der</strong>en<br />

Hauptmerkmale des Fotos ab. Die Beleuchtung<br />

beeinflusst sogar das zu benutzende Objektiv <strong>und</strong><br />

die Filter sowie die Bildkomposition. Dabei ist es<br />

wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass gutes<br />

Licht noch lange nicht zu einem erfolgreichen<br />

Bild führt. An<strong>der</strong>erseits braucht man auch nicht<br />

immer dramatisch hervorstechendes Licht, um<br />

tolle Aufnahmen zu erhalten. Nicht jedes gute Foto<br />

ist ausschließlich von <strong>der</strong> Beleuchtung abhängig.<br />

Wichtig ist, zu verstehen, wie sich die Zutat Licht<br />

auf die Stimmung eines Bildes auswirkt. Ansonsten<br />

können Sie, was Ihre Aufnahmen angeht, vieles<br />

auch dem Zufall überlassen. Es gibt drei Arten von<br />

Licht, die das meiste aus Ihren Fotos rausholen:<br />

natürliches Licht, künstlich erzeugtes Licht <strong>und</strong><br />

eine Kombination aus beidem. Auf den folgenden<br />

Seiten decken wir alle drei Szenarien ab.<br />

Die Art des einzusetzenden Lichtes wird größtenteils<br />

von <strong>der</strong> aufzunehmenden Szene o<strong>der</strong> dem<br />

Motiv abhängen. <strong>Landschafts</strong>fotografen arbeiten<br />

fast nur mit natürlichem Licht. Selten bis nie wird<br />

das Licht verän<strong>der</strong>t – höchstens mit einem Filter,<br />

<strong>der</strong> dabei hilft, den Weg, wie das Licht auf das<br />

Objektiv trifft, zu beeinflussen. <strong>Porträt</strong>fotografen<br />

auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite kreieren ihr Licht fast immer<br />

mit Blitzgeräten <strong>und</strong> Lichtumwandlern wie Softboxen.<br />

In dieser Meisterlektion decken wir beide<br />

Ansätze ab <strong>und</strong> geben Ihnen dabei jede Menge<br />

praktische Tipps <strong>und</strong> Hinweise mit auf den Weg,<br />

um dabei zu helfen, die unterschiedlichen Einflüsse<br />

<strong>der</strong> Beleuchtung besser zu verstehen.<br />

34 PORTRÄTFOTOGRAFIE


MIT LICHT ARBEITEN<br />

ERLEUCHTUNG<br />

Wenn Sie wissen, wie man das<br />

Licht manipuliert, besitzen Sie eine<br />

Gr<strong>und</strong>fertigkeit, mit <strong>der</strong> Sie Ihre Fotos<br />

maßgeblich verbessern können.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 35


FÜR EXPERTEN<br />

High-Key-<br />

<strong>Fotografie</strong><br />

Helle <strong>und</strong> luftige Aufnahmen für<br />

frische <strong>Porträt</strong>- <strong>und</strong> Produktfotos<br />

Bei High-Key handelt es sich um eine beliebte Art<br />

<strong>der</strong> Belichtung bei Studiofotografen. Wie bei vielen<br />

fotografischen Techniken gibt es auch hier verschiedene<br />

Wege, ihren Stil auszulegen. <strong>Der</strong> eine Weg<br />

bringt sehr helle Bil<strong>der</strong> mit wenigen Schatten, während<br />

an<strong>der</strong>e Herangehensweisen sehr helle Bil<strong>der</strong><br />

mit überbelichteten Glanzlichtern ergeben. Weiße<br />

Hintergründe sind eine Gr<strong>und</strong>voraussetzung <strong>und</strong><br />

ausdrucksstarke, überdrehte Farben werden oft eingesetzt,<br />

um die Wirkung noch zu verstärken. In <strong>der</strong><br />

High-Key-<strong>Fotografie</strong> werden manchmal absichtlich<br />

einige Details durch bloße Helligkeit <strong>und</strong> absichtliche<br />

Überbelichtung verschleiert. Dadurch entsteht<br />

oft ein leichter Weichzeichner-Effekt.<br />

Um diesen Effekt in einem Studio zu erreichen,<br />

werden mindestens drei Lichtquellen <strong>und</strong> sehr<br />

leistungsfähige Blitzgeräte benötigt. <strong>Der</strong> Effekt wird<br />

am meisten mit mo<strong>der</strong>nen <strong>Porträt</strong>aufnahmen <strong>und</strong><br />

Produktfotos in Verbindung gebracht.<br />

LECKERE AUFNAHMEN<br />

High-Key-<strong>Fotografie</strong> funktioniert beson<strong>der</strong>s<br />

gut für die Erstellung mo<strong>der</strong>ner <strong>Porträt</strong>s<br />

<strong>und</strong> Produktfotos. Perfekt eignet sie sich für<br />

Lebensmittelaufnahmen.<br />

LICHT<br />

LICH MIT<br />

ROTEM GEL<br />

WEISSER HINTERGRUND<br />

MOTIV<br />

KAMERA<br />

WEISSER HINTERGRUND<br />

SOFTBOX<br />

LICHT<br />

High-Key-<strong>Fotografie</strong> macht sich hervorragend bei<br />

<strong>Porträt</strong>aufnahmen, die ein Gefühl von Spaß <strong>und</strong><br />

Vitalität vermitteln sollen. Darum bevorzugen Studiofotografen<br />

diese Art <strong>der</strong> Belichtung, um Bil<strong>der</strong>n<br />

den Anschein von Bewegung <strong>und</strong> Spontanität zu<br />

verleihen. Aus gleichem Gr<strong>und</strong> funktioniert High-<br />

Key-<strong>Fotografie</strong> auch gut für <strong>Porträt</strong>s von Kin<strong>der</strong>n.<br />

Die Produktfotografie setzt High-Key-<strong>Fotografie</strong><br />

ebenfalls ein, da die allgemeine Helligkeit <strong>und</strong> die<br />

kräftigen Farbpaletten lebendig wirken. Darum wird<br />

diese Art <strong>der</strong> Beleuchtung gerne in <strong>der</strong> Lebensmittelfotografie<br />

eingesetzt, da die Helligkeit Frische <strong>und</strong><br />

die kräftigen Farben ein volles Aroma vermitteln.<br />

Zudem wird das Produkt sehr deutlich dargestellt<br />

<strong>und</strong> kein Detail versteckt o<strong>der</strong> verdeckt.<br />

Denken Sie aber daran, dass Sie bei <strong>der</strong> High-<br />

Key-<strong>Fotografie</strong> keine wichtigen Details durch Überbelichtung<br />

verlieren. Wenn Sie sich unsicher sind,<br />

ist es besser, zurückhaltend zu sein. Sie können<br />

Aufnahmen später immer per Bildbearbeitung noch<br />

aufhellen, aber wenn Details einmal verloren sind,<br />

ist es viel schwieriger, sie wie<strong>der</strong>herzustellen.<br />

MIT FILTERN EXPERIMENTIEREN<br />

Mit Gel-Filtern kann man die Optik <strong>der</strong> Aufnahme<br />

schnell än<strong>der</strong>n <strong>und</strong> dem <strong>Porträt</strong> das gewisse Extra verleihen.<br />

MOTIV<br />

KAMERA<br />

SOFTBOX<br />

LICHT<br />

Die drei besten Studioprodukte für die Beleuchtung<br />

Lastolite 1,8 m x 2,15 m<br />

Zusammenklappbarer Hintergr<strong>und</strong><br />

Web: www.lastolite.com<br />

Dieser beidseitig nutzbare Schwarz-Weiß-Hintergr<strong>und</strong><br />

ist ideal für High-Key-<strong>Porträt</strong>s, die im<br />

Studio aufgenommen werden. Man kann ihn<br />

zudem waschen, was sehr praktisch ist, da<br />

weiße Hintergründe schnell schmutzig werden,<br />

was dann zur Nachbearbeitung führt.<br />

Interfit RSBR1014<br />

100 x 140cm Softbox<br />

Web: www.interfitphotographic.com<br />

Eine Softbox gehört zur Gr<strong>und</strong>ausstattung<br />

für jedes <strong>Porträt</strong>studio, da sie ein diffuses<br />

<strong>und</strong> weiches Licht erzeugt. Es gibt sie in den<br />

unterschiedlichsten Größen <strong>und</strong> Formen.<br />

Überlegen Sie sich also vor dem Kauf, was<br />

Sie genau brauchen.<br />

Bowens Streamlite<br />

330 Kit<br />

Web: www.bowensdirect.com<br />

Zu diesem Kit gehören zwei Streamlite -330-<br />

Lampen, zwei Dreifachstän<strong>der</strong> <strong>und</strong> zwei<br />

Lampen mit Leuchtstoffröhren, die Tageslicht<br />

imitieren, ein Cocoon 70-Lichtzelt sowie <strong>der</strong><br />

dazugehörige Cocoon-Stän<strong>der</strong>. Dieses Zubehör<br />

ist ideal für Produktaufnahmen im Studio.<br />

36 PORTRÄTFOTOGRAFIE


MIT lIcHT ArBeITen<br />

Heller <strong>und</strong> scHöner<br />

Mit nur wenig equipment ist<br />

High-Key-<strong>Fotografie</strong> in einer<br />

studio-umgebung einfach<br />

umzusetzen.<br />

POrTräTFOTOGrAFIe 37


FÜR EXPERTEN<br />

Low-Key-<strong>Fotografie</strong><br />

Finden Sie mit unserer Anleitung heraus, wie Sie mit nur einer<br />

Lichtquelle atmosphärische, dunkle Bil<strong>der</strong> im Studio erstellen.<br />

Low-Key-<strong>Fotografie</strong> ist das Gegenteil von High-Key-<br />

<strong>Fotografie</strong> <strong>und</strong> eine beliebte Wahl für <strong>Porträt</strong>aufnahmen<br />

im Studio. Im Gegensatz zur High-Key-<strong>Fotografie</strong><br />

gibt es hier viel Schatten <strong>und</strong> es werden schwarze<br />

o<strong>der</strong> sehr dunkle Hintergründe verwendet. In <strong>der</strong><br />

Low-Key-<strong>Fotografie</strong> ist es am wichtigsten, den Lichtschein<br />

gut zu kontrollieren. Um das zu erreichen,<br />

benutzt man meistens nur eine einzige Lichtquelle.<br />

Wenn doch mal ein zweites Licht gebraucht wird –<br />

zum Beispiel als Füllicht –, wird dieses gedimmt <strong>und</strong><br />

nur ganz vorsichtig eingesetzt, damit keine Schatten<br />

verschwinden, die vom Hauptlicht erzeugt werden.<br />

Für Low-Key-<strong>Porträt</strong>s werden oft Kopflichter eingesetzt,<br />

aber nur zusammen mit einem Vorsatz o<strong>der</strong><br />

einem Wabenraster, um sicherzugehen, dass die<br />

Lichtquelle nicht über einen bestimmten, begrenzten<br />

Bereich des Motivs hinaus leuchtet.<br />

Low-Key-<strong>Fotografie</strong> verleiht dem Modell eine<br />

mystische Ausstrahlung <strong>und</strong> ist daher ein Mittel des<br />

klassischen Hollywood-<strong>Porträt</strong>stils. Low-Key-<strong>Porträt</strong>fotografie<br />

wird oft mit geheimnisvoller Pose <strong>und</strong><br />

düsterer Mimik sowie dunkler Kleidung verb<strong>und</strong>en,<br />

um Ernsthaftigkeit <strong>und</strong> Seriosität zu vermitteln.<br />

Am wichtigsten ist es, nicht zu vergessen, dass bei<br />

Low-Key-<strong>Fotografie</strong> die Schatten entscheidend sind.<br />

Man könnte auch sagen, dass es dabei eher um das<br />

geht, was man nicht erkennt, als um das, was man<br />

sehen kann. Wenn Sie Ihr Motiv zeigen, wie es gerade<br />

aus dem Schatten heraustritt, lässt es das beson<strong>der</strong>s<br />

hintergründig erscheinen. Obwohl wir Low-Key-<br />

Fotos oft mit <strong>Porträt</strong>s in Verbindung bringen, eignen<br />

sie sich auch gut für Stillleben.<br />

Das Beste an <strong>der</strong> Low-Key-<strong>Fotografie</strong> ist <strong>der</strong><br />

Umstand, dass man dafür im Allgemeinen nicht<br />

viele Lampen <strong>und</strong> auch kein sehr kräftiges Licht<br />

braucht. Tatsächlich benötigen Sie für das ideale<br />

Licht nur einen Blitzschuh, den Sie neben die Kamera<br />

stellen <strong>und</strong> kabellos auslösen. Die wahre Kunst ist<br />

es, das Licht davon abzuhalten, sich zu vermehren<br />

– also von Wänden, <strong>der</strong> Decke o<strong>der</strong> reflektierenden<br />

Oberflächen zurückzustrahlen. Dieses Problem kann<br />

man lösen, indem man an den richtigen Stellen<br />

schwarze Kartons aufstellt, die das Licht absorbieren.<br />

Diese kann man auch gut als Hintergr<strong>und</strong> benutzen.<br />

<strong>Der</strong> alleinige Einsatz von Fensterlicht kann ebenfalls<br />

zu schönen Low-Key-<strong>Porträt</strong>s führen. Helles Sonnenlicht<br />

bringt zwar einen hohen Kontrast, aber dem<br />

kann man mit einer Streuscheibe entgegenwirken,<br />

die die Intensität des Lichts reduziert. Alternativ können<br />

Sie das zu Motiv auch einfach weiter weg vom<br />

Fenster platzieren <strong>und</strong> mit den unterschiedlichen<br />

Lichtstärken experimentieren.<br />

Low-Key-<strong>Fotografie</strong> eignet sich hervorragend für<br />

Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Wenn Sie online nach<br />

Low-Key-Bil<strong>der</strong>n suchen, werden Sie viel mehr<br />

monochrome Fotos als Farbfotos finden. Es gibt aber<br />

keine Regel, die besagt, dass Sie Low-Key-Fotos nicht<br />

in Farbe schießen dürfen, also experimentieren Sie<br />

ruhig mit unterschiedlichen Einstellungen während<br />

<strong>der</strong> Bildbearbeitung.<br />

SCHWARZER HINTERGRUND<br />

MOTIV<br />

KAMERA<br />

SOFTBOX<br />

LICHT<br />

DUNKEL UND STIMMUNGSVOLL<br />

Für Low-Key-<strong>Porträt</strong>s braucht man meistens nur<br />

eine Hauptlichtquelle. Wie Sie diese im Verhältnis zu Ihrem<br />

Motiv positionieren, beeinflusst den Lichteinfall <strong>und</strong> wie die<br />

Schatten entstehen.<br />

Vier <strong>Porträt</strong>-Beleuchtungseinstellungen<br />

Eine schnelle Anleitung zu den wichtigsten Konfigurationen für temperamentvolle Bil<strong>der</strong><br />

Enggebündeltes Licht<br />

01<br />

Hier ist es wichtig, dass <strong>der</strong><br />

Kopf des Modells ein wenig<br />

zur <strong>der</strong> Schulter gedreht wird, die<br />

dem Licht am nächsten ist. Dadurch<br />

wird <strong>der</strong> sichtbare Schatten<br />

verstärkt <strong>und</strong> das Gesicht <strong>der</strong> Person<br />

erscheint generell schmaler.<br />

38 PORTRÄTFOTOGRAFIE<br />

Geteiltes Licht<br />

02<br />

Bei vielen <strong>Porträt</strong>aufnahmen<br />

wird das Hauptlicht in<br />

einem Winkel von 45 Grad positioniert.<br />

Um geteiltes Licht zu erreichen,<br />

muss man es in einem Winkel<br />

von 90 Grad relativ zum Motiv umstellen<br />

– ohne Fülllicht –, damit nur<br />

die Hälfte angeleuchtet wird.<br />

Mid-Key-<strong>Fotografie</strong><br />

03<br />

Diese Art <strong>der</strong> Beleuchtung<br />

ist zwischen Low Key <strong>und</strong><br />

High Key anzusiedeln. Man braucht<br />

nur ein Licht, um den Effekt zu produzieren,<br />

<strong>und</strong> <strong>der</strong> allgemeine Farbton<br />

entspricht einem Mittelton. Ein<br />

grauer Hintergr<strong>und</strong> ist allerdings<br />

nicht unbedingt Voraussetzung.<br />

Breitgefächertes Licht<br />

04<br />

Bei dieser Art <strong>der</strong> Beleuchtung<br />

muss <strong>der</strong> Kopf des Modells<br />

von <strong>der</strong> Schulter, die dem Licht<br />

am nächsten ist, weggedreht sein.<br />

Das reduziert die Sichtbarkeit <strong>der</strong><br />

Schattenseite im Gesicht <strong>der</strong> Person<br />

<strong>und</strong> lässt es dadurch breiter<br />

erscheinen.


MIT LICHT ARBEITEN<br />

WANDLUNGSFÄHIGES LICHT<br />

Low-Key-<strong>Porträt</strong>s wirken elegant, zeitlos<br />

<strong>und</strong> anspruchsvoll. Sie passen zu Personen<br />

jeden Alters, aber ganz beson<strong>der</strong>s gut, wenn<br />

man ein Gefühl von Autorität o<strong>der</strong> etwas<br />

Geheimnisvollem vermitteln möchte.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 39


FÜR EXPERTEN<br />

Natürliches Licht kontrollieren<br />

Das Beste aus dem vorhandenen Licht herausholen.<br />

Manchmal kommt man nicht darum herum, während<br />

einer Aufnahme mit natürlichem Licht zu<br />

arbeiten. Oft passt diese Art <strong>der</strong> Beleuchtung aber<br />

einfach nicht <strong>und</strong> Sie brauchen etwas, das Ihnen<br />

hilft, das Licht zu verän<strong>der</strong>n o<strong>der</strong> mehr davon<br />

zu erzeugen. Generell ist es besser, die Menge an<br />

natürlichem Licht beizubehalten, anstatt noch mehr<br />

hinzuzufügen. Zum Glück gibt es einige Accessoires,<br />

die Ihnen dabei einfach helfen können.<br />

Die zwei nützlichsten <strong>und</strong> beliebtesten Wege, um<br />

natürliches Licht zu kontrollieren, sind <strong>der</strong> Einsatz<br />

eines Aufhellblitzes o<strong>der</strong> eines Reflektors. Das Tolle<br />

an beiden Techniken ist, dass diese unglaublich<br />

subtil eingesetzt werden können, sodass Betrachter<br />

Ihrer Fotos gar nicht merken werden, dass noch<br />

etwas an<strong>der</strong>es als natürliches Licht anwesend war.<br />

Wenn Ihnen das beson<strong>der</strong>s wichtig ist, eignet sich<br />

ein Reflektor am besten, aber damit schafft man es<br />

eventuell nicht, die dunklen Schatten aufzuhellen.<br />

<strong>Der</strong> Aufhellblitz hat seinen Namen bekommen, weil<br />

er einfach nur die unterbelichteten Bereiche aufhellen<br />

soll.<br />

In <strong>der</strong> Theorie machen es mo<strong>der</strong>ne DLSRs einfach,<br />

den Aufhellblitz einzusetzen, da sie mit Eigenschaften<br />

wie TTL-Messung bestimmen können, wie<br />

stark <strong>der</strong> Blitz sein muss, um gegen das Tageslicht<br />

ausbalanciert zu werden. Manchmal müssen Sie<br />

aber vielleicht trotzdem die Belichtungskorrektur<br />

Ihrer Kamera <strong>und</strong>/o<strong>der</strong> des Blitzes einsetzen, um<br />

den gewünschten Effekt zu erzielen.<br />

Es gibt aber inzwischen auch jede Menge kabelloser<br />

Blitzgeräte, die Sie unabhängig von <strong>der</strong> Kamera<br />

positionieren <strong>und</strong> mithilfe <strong>der</strong>er Sie trotzdem noch<br />

die Vorteile einer TTL-Messung nutzen können. <strong>Der</strong><br />

einzige Nachteil bei <strong>der</strong> Verwendung eines Aufhellblitzes<br />

ist, dass sein Einsatz meist offensichtlich<br />

im Bild zu erkennen ist. Für dieses Problem gibt es<br />

Reflektoren.<br />

Reflektoren sind unersetzlich, wenn Sie mit natürlichem<br />

Licht arbeiten wollen. Es gibt sie in Weiß,<br />

Silber <strong>und</strong> Gold. Alle Variationen werden benutzt,<br />

um <strong>der</strong> Szene mehr Licht zu geben. Weiße Reflektoren<br />

führen zu den natürlichsten <strong>und</strong> unauffälligsten<br />

Resultaten, während silberne Reflektoren ein leicht<br />

schärferes Licht produzieren. Ein goldener Reflektor<br />

fügt Dramatik hinzu, da dieser ein warmes Leuchten<br />

auf das Motiv wirft. Darum wird <strong>der</strong> Einsatz<br />

eines goldenen Reflektors auch am ehesten auffallen.<br />

Eigentlich können Sie alles, was Sie wollen, als<br />

Reflektor benutzen. Sie müssen nicht unbedingt ein<br />

maßgeschnei<strong>der</strong>tes Produkt dafür kaufen. Ein Stück<br />

weißes Papier o<strong>der</strong> ein weißes auf einen Rahmen<br />

gespanntes T-Shirt eignen sich genauso gut für die<br />

Kontrolle von natürlichem Licht.<br />

„Wenn beson<strong>der</strong>s subtiles Zusatzlicht gefragt<br />

ist, kann ein Reflektor Wun<strong>der</strong> vollbringen.“<br />

Zubehör-Überblick<br />

Nikon SB-700<br />

Blitzgerät<br />

Web: www.nikon.de<br />

Dieses Blitzgerät bietet einen<br />

Aufhellblitz mit natürlichem<br />

Licht <strong>und</strong> ausreichend Leuchtstärke<br />

<strong>und</strong> lässt sich zudem<br />

gut transportieren. Außerdem<br />

ist es komplett kompatibel<br />

mit dem kabellosen Creative<br />

Lighting System von Nikon.<br />

Lastolite<br />

EzyBalance-Graukarte<br />

Web: www.lastolite.de<br />

Wenn sich das natürliche<br />

Licht als schwierig rausstellt,<br />

kann es passieren, dass<br />

Beleuchtungsmessung <strong>und</strong><br />

Weißabgleich nicht richtig<br />

funktionieren. Mit einer von<br />

diesen kleinen faltbaren Karten<br />

haben Sie die perfekte Lösung<br />

zur Hand, um die Einstellungen<br />

schnell hinzubekommen.<br />

Diese Ausstattung<br />

brauchen Sie zum Erfolg:<br />

Lastolite<br />

Diffuser<br />

Web: www.lastolite.de<br />

Ideal, wenn das Licht zu scharf<br />

ist <strong>und</strong> sich kein richtiger Lichtschutz<br />

findet. Nutzen Sie in<br />

solchen Situationen diesen<br />

Diffuser von Lastolite, mit dem<br />

Sie schnell <strong>und</strong> einfach die<br />

Stärke des Lichtes abschwächen<br />

können.<br />

10 Tipps für<br />

die Arbeit mit<br />

natürlichem Licht<br />

NACH SCHATTEN SUCHEN<br />

01 Halten Sie draußen nach schattigen<br />

Bereichen Ausschau, um die Vorteile eines weicheren,<br />

gleichmäßigeren Lichtes <strong>und</strong> damit einen<br />

geringeren Dynamikbereich nutzen zu können.<br />

REFLEKTOR NUTZEN<br />

02 Ein Reflektor ist sehr praktisch, um<br />

etwas Licht in die Szene zurückzuwerfen <strong>und</strong><br />

Schattenbereiche aufzuhellen.<br />

03 AUFHELLBLITZ<br />

Wo <strong>der</strong> Reflektor nicht ausreicht,<br />

kommt <strong>der</strong> Aufhellblitz zum Einsatz. Die TTL-<br />

Messung wird dem Blitz mitteilen, wie stark er sein<br />

soll, <strong>und</strong> Belichtungskorrektur einsetzen, um den<br />

Blitz etwas herunterzuregeln.<br />

GOLDENE STUNDEN<br />

04 NUTZEN<br />

Diese Regel gilt nicht nur für <strong>Landschafts</strong>aufnahmen.<br />

Nutzen Sie das natürliche Licht am Anfang<br />

o<strong>der</strong> am Ende des Tages wenn die Sonne tief steht<br />

<strong>und</strong> warmes, goldenes Licht verbreitet.<br />

DIFFUSOR EINSETZEN<br />

05 Ein Diffusor kann ähnlich wie eine Softbox<br />

dabei helfen, ein Licht zu schaffen.<br />

BLINZELN VERMEIDEN<br />

06 Fotografen versuchen im Allgemeinen,<br />

nie direkt in die Sonne zu fotografieren, aber<br />

manchmal ist das besser, als dass das Modell die<br />

Augen zusammen kneift.<br />

07 LICHTREFLEXE<br />

Viele Fotografen versuchen absichtlich,<br />

Lichtreflexe zu kreieren, die entstehen, wenn<br />

gegen die Sonne fotografiert wird. Das passt nicht<br />

zu jedem Bild <strong>und</strong> man muss aufpassen, dass es<br />

die Aufnahme nicht ruiniert – aber generell können<br />

Lichtreflexe ein Foto mo<strong>der</strong>n wirken lassen.<br />

MUSTER EINBEZIEHEN<br />

08 Schauen Sie sich die Art <strong>und</strong> Weise an,<br />

wie das Licht durch Blätter, Äste o<strong>der</strong> durch Fenster<br />

fällt, um interessante Muster zu finden.<br />

ENTFERNUNG BEACHTEN<br />

09 Wenn Sie mit Fensterlicht arbeiten, können<br />

Sie den Kontrast Ihrer Aufnahmen dadurch<br />

reduzieren, dass Sie Ihr Motiv weiter weg vom<br />

Fenster platzieren. Dadurch wird es weniger hell<br />

dargestellt <strong>und</strong> die Schatten sind nicht so dunkel.<br />

BEDECKT GEHT AUCH<br />

10 Lassen Sie sich von einer dichten Wolkendecke<br />

nicht abschrecken. Diese wirkt wie eine<br />

riesige Softbox <strong>und</strong> stellt sicher, dass das Licht<br />

gleichmäßig <strong>und</strong> einfacher nutzbar ist. Sie könnten<br />

einen goldenen Reflektor nutzen, um wärmeres<br />

Licht auf das Motiv zu werfen.<br />

40 PORTRÄTFOTOGRAFIE


MIT LICHT ARBEITEN<br />

NATÜRLICHKEIT<br />

BEWAHREN<br />

<strong>Der</strong> vorsichtige Einsatz eines<br />

Aufhellblitzes ist eine gute Lösung,<br />

wenn Sie etwas Licht in schattige<br />

Bereiche werfen wollen, während<br />

Sie in erster Linie mit natürlichem<br />

Licht arbeiten. Dadurch verbessern<br />

Sie das Foto, ohne dass es gleich<br />

zu hell wird.<br />

BLITZ<br />

NUTZEN<br />

Blitzgeräte, die Sie<br />

unabhängig von<br />

<strong>der</strong> Kamera kabellos<br />

einsetzen können,<br />

helfen Ihnen dabei,<br />

merkwürdige,<br />

Schatten aufzuhellen,<br />

während Sie<br />

mit natürlichem<br />

Licht arbeiten.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 41


FÜR EXPERTEN<br />

Blitz kreativ<br />

einsetzen<br />

Wir zeigen Ihnen, wie Sie auch mit Ihrem<br />

Einbaublitz bessere <strong>Porträt</strong>s machen können.<br />

Sie brauchen ...<br />

... eine Digitalkamera<br />

mit Blitz.<br />

... eine weiße Visitenkarte<br />

<strong>und</strong> ein Modell.<br />

Wir verwendeten ...<br />

... Samsung NX200 mit<br />

Blitz <strong>und</strong> Blitzschuh.<br />

Man kann es auch<br />

versuchen mit …<br />

... einem externen<br />

Blitzgerät.<br />

... einem Diffusor.<br />

Sie lernen wie, …<br />

... man den Blitz<br />

einstellt.<br />

... man das Licht<br />

reflektiert.<br />

OHNE BLITZ<br />

Wenn die Sonne direkt<br />

hinter <strong>der</strong> Person ist,<br />

kann die Kamera das<br />

Gesicht nicht korrekt<br />

belichten. Das Bild<br />

wird unterbelichtet.<br />

AUFHELLBLITZ<br />

Wenn Sie Ihren Blitz verwenden, wird sowohl die<br />

Person als auch <strong>der</strong> Hintergr<strong>und</strong> perfekt.<br />

So machen Sie ein tolles <strong>Porträt</strong>.<br />

42 PORTRÄTFOTOGRAFIE


KREATIVE BLITZTECHNIKEN<br />

Mitunter reicht es, die Kamera auf<br />

Automatik zu stellen <strong>und</strong> einfach<br />

loszufotografieren. Auch so<br />

gelingen Ihnen oft Fotos, auf die<br />

Sie stolz sein können. Aber wenn<br />

Sie <strong>Porträt</strong>s <strong>der</strong> Spitzenklasse machen wollen,<br />

ist die richtige Beleuchtung unerlässlich – also<br />

schalten Sie die Automatik ab <strong>und</strong> stellen Sie Ihre<br />

Kamera selbst ein.<br />

Wenn Sie ein <strong>Porträt</strong> machen, wird Ihr Können<br />

bezüglich des Lichts die Ästhetik des Bildes<br />

entscheidend verbessern. Sie können Ihr Modell<br />

gleichmäßiger ausleuchten, das Licht weicher<br />

gestalten <strong>und</strong> kreativer werden. Das Licht Ihres<br />

Einbaublitzes ist mit das schlechteste, das Ihnen<br />

zur Verfügung steht. Ein handelsüblicher LED-<br />

Blitz ist sehr stark, <strong>der</strong> Lichteinfall ist direkt,<br />

Ihr <strong>Porträt</strong>partner wird von einem Lichtstrahl<br />

getroffen. In einer größeren <strong>und</strong> offenen Umgebung<br />

mag das akzeptabel sein <strong>und</strong> manchmal<br />

geht es auch nicht an<strong>der</strong>s. Doch in den meisten<br />

Situationen ist <strong>der</strong> Blitz einfach zu stark, das Foto<br />

wird überbelichtet <strong>und</strong> wirkt verwaschen. Ganz<br />

abgesehen davon, dass die Personen auf dem<br />

Foto mitunter rote Augen haben!<br />

Obwohl so ein Einbaublitz allerlei Nachteile<br />

hat, kann man diese problemlos entschärfen <strong>und</strong><br />

daraus ein wichtiges <strong>und</strong> hilfreiches Beleuchtungswerkzeug<br />

machen. Wenn Sie darauf achten,<br />

in welchem Winkel <strong>der</strong> Blitz auf Ihr Motiv trifft,<br />

können Sie das Licht gleichmäßiger verteilen. Ihr<br />

Modell sieht so einfach besser aus. Die Hauttöne<br />

stimmen <strong>und</strong> harte Schatten werden vermieden.<br />

So können Sie auch Bewegungsunschärfen<br />

bei <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie<br />

vermeiden. Und Sie müssen<br />

außerdem nicht warten, bis das<br />

Wetter draußen wie<strong>der</strong> besser<br />

wird. Halten Sie sich einfach an<br />

die unten aufgeführten Tipps <strong>und</strong><br />

machen Sie das Beste aus Ihrem<br />

Einbaublitz.<br />

Wann Sie den Blitz<br />

vermeiden sollten<br />

Manchmal kann ein Blitz eine Aufnahme,<br />

die ansonsten gelungen wäre, ruinieren.<br />

Denn mitunter macht das natürliche Licht<br />

den Reiz aus, zum Beispiel bei Kerzenlicht<br />

o<strong>der</strong> einem Konzert. In solchen Fällen ist<br />

es besser, den Blitz abzuschalten <strong>und</strong> mit<br />

höheren ISO-Werten <strong>und</strong> langsameren<br />

Verschlusszeiten zu arbeiten.<br />

Blitzporträts So holen Sie alles aus Ihrem Einbaublitz heraus.<br />

Blitz vorgeben<br />

01<br />

Den Blitz vorzugeben ist eine Einstellung,<br />

die man bei allen Digitalkameras findet.<br />

In <strong>der</strong> Regel steckt sie im Blitzmenü. Stellt man<br />

den Blitz auf „vorgegeben“ ein, so blitzt die<br />

Kamera bei jedem Foto automatisch mit, unabhängig<br />

von den an<strong>der</strong>en Einstellungen.<br />

Blitz im Freien<br />

02<br />

Sie können Ihren Blitz auch als Aufhellblitz<br />

einsetzen, was beson<strong>der</strong>s im<br />

Freien <strong>und</strong> bei Tageslicht nützlich ist. Aufgr<strong>und</strong><br />

des natürlichen Lichts um Sie herum<br />

fällt genügend Licht in die Kamera ein, <strong>der</strong><br />

Blitz „füllt“ lediglich die Schatten auf.<br />

2. Verschlussvorhang<br />

03<br />

<strong>Der</strong> 2. Verschlussvorhang ist eine Einstellung,<br />

die man kreativ einsetzen<br />

kann. Damit wird am Ende <strong>der</strong> Belichtung geblitzt<br />

<strong>und</strong> nicht am Anfang. Diese Einstellung<br />

wird in <strong>der</strong> Regel bei längeren Belichtungszeiten<br />

von 1/30 Sek<strong>und</strong>e o<strong>der</strong> mehr benutzt.<br />

Bewegungsunschärfe<br />

04<br />

Beim 2. Verschlussvorhang geht <strong>der</strong><br />

Blitz erst am Ende <strong>der</strong> Belichtung los,<br />

so kann man Bewegung im Bild zeigen. Wenn<br />

sich die Person im <strong>Porträt</strong> bewegt, kann es dabei<br />

zu Unschärfen kommen. Doch <strong>der</strong> Blitz am<br />

Ende lässt die Bewegungen erstarren, was zu<br />

sehr kreativen Ergebnissen führen kann.<br />

Den Blitz reflektieren<br />

05<br />

Sie können den Blitz auf verschiedene<br />

Arten reflektieren. Wenn Sie ein externes<br />

Blitzgerät verwenden, können Sie es einfach<br />

auf die Decke richten. Falls sich aber <strong>der</strong><br />

Blitzwinkel am Gerät nicht verän<strong>der</strong>n lässt,<br />

können Sie einfach eine weiße Visitenkarte vor<br />

den Blitz anbringen, um das Licht zu streuen.<br />

Innenporträts<br />

06<br />

Indirekt zu blitzen ist beson<strong>der</strong>s bei<br />

Innenporträts eine gute Idee, denn<br />

dadurch wird <strong>der</strong> harte Effekt eines direkten<br />

Blitzes abgemil<strong>der</strong>t. Das Licht kann verstreut<br />

o<strong>der</strong> an einer weißen Oberfläche reflektiert<br />

werden <strong>und</strong> so wird Ihr Modell gleichmäßiger<br />

ausgeleuchtet.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 43


für experten<br />

Entfesselt<br />

blitzen<br />

Den Blitz <strong>der</strong> Kamera zu nutzen bringt bereits<br />

Vorteile, doch erst abseits des Blitzschuhs<br />

entstehen Ergebnisse mit Wow-Faktor.<br />

44 porträtfotografie


entfesselt blitzen<br />

porträtfotografie 45


Für experten<br />

T<br />

ageslicht ist die günstigste<br />

Art <strong>der</strong> Beleuchtung <strong>und</strong><br />

beeinflusst das Aussehen<br />

vieler Aufnahmen positiv.<br />

Lei<strong>der</strong> ist es in <strong>der</strong> Regel<br />

viel zu schwach, um stets eine perfekte<br />

Ausleuchtung erzeugen zu können, was<br />

aber nicht heißt, dass Sie nicht trotzdem<br />

gute Fotos schießen können. Dazu brauchen<br />

Sie auch kein teures <strong>und</strong> sperriges<br />

Studio-Equipment – ein simples Blitzgerät<br />

reicht in den meisten Fällen schon aus,<br />

um Lichtakzente zu setzen.<br />

Die meisten Fotografen nutzen ihr<br />

Blitzgerät dabei fest installiert auf dem<br />

Blitzschuh <strong>der</strong> Kamera. Das reicht für<br />

Schnappschüsse o<strong>der</strong> den Einsatz als<br />

schwachen Füllblitz, produziert jedoch<br />

harte Schlagschatten <strong>und</strong> einen zu<br />

zweidimensionalen Eindruck. So richtig<br />

profitieren Sie von einem Blitzgerät erst,<br />

wenn Sie es außerhalb des Blitzschuhs<br />

nutzen. Das tun Sie entwe<strong>der</strong> durch das<br />

herstellereigene Kommunikationssystem,<br />

ein TTL-Kabel, einem Funkkit o<strong>der</strong> einen<br />

slavefähigen Blitz. Dabei gibt es keine<br />

bessere Zeit, um das Blitzen zu lernen, als<br />

die <strong>der</strong> dunklen, bewölkten Herbst- <strong>und</strong><br />

Wintertage, an denen die Natur dramatische<br />

Bil<strong>der</strong> malt <strong>und</strong> sich die ohnehin<br />

schon schwache Sonne hinter dichten<br />

Wolken versteckt.<br />

Während viele Geräte es erlauben,<br />

ihren Blitzkopf an die Decke o<strong>der</strong> zur<br />

Seite zu richten, um das Licht indirekt<br />

auf das Motiv treffen zu lassen <strong>und</strong> es so<br />

weicher zu machen, bleibt Ihnen die volle<br />

Kontrolle über diese Art Beleuchtung nur<br />

beim entfesselten Blitzen vorbehalten.<br />

Einerseits können Sie so Bil<strong>der</strong> entstehen<br />

lassen, die in Art <strong>und</strong> Form <strong>der</strong> Beleuchtung<br />

an das erinnern, was sonst nur mit<br />

keine<br />

Bewegung<br />

ein Blitz gibt zusätzliches<br />

Fülllicht bei actionbil<strong>der</strong>n <strong>und</strong><br />

friert Bewegungen ein.<br />

Bilddetails Sony a900 mit<br />

16–35-mm-Objektiv bei 16mm,<br />

f/8 <strong>und</strong> 1/800 Sek.<br />

Dramatik<br />

Belichten Sie leicht<br />

unter <strong>und</strong> beleuchten Sie das<br />

Hauptmotiv per Blitz, um eine<br />

bedrohliche Stimmung wie<br />

hier zu erzeugen.<br />

Bilddetails: Sony a900<br />

mit 24–70-mm-Objektiv bei<br />

24mm, f/8 <strong>und</strong> 1/200sek,<br />

iSO200, Sony HVL-FL58-Blitz<br />

„Mit den meisten Blitzgeräten lässt<br />

sich die Lichtrichtung frei bestimmen.“<br />

natürlichem Licht möglich wäre. An<strong>der</strong>erseits<br />

können Sie mit dieser Technik auch<br />

das komplett gegenteilige Ergebnis erzielen<br />

– gezielt harte Schatten erzeugen <strong>und</strong><br />

Strukturen zeichnungslos blitzen. Systemblitze<br />

haben gegenüber ausgewachsenen<br />

Studioanlagen zudem den Vorteil, dass<br />

Sie nicht auf eine Synchronzeit von maximal<br />

1/250 Sek. angewiesen sind, da viele<br />

Geräte auch kürzere Zeiten erlauben. Das<br />

ermöglicht mehr Kontrolle über das künstliche<br />

Licht <strong>und</strong> erleichtert das Einfrieren<br />

von Bewegungen.<br />

Allerdings gibt es ein Problem, sobald<br />

Sie den Blitz vom Blitzschuh entfernen:<br />

Wie beziehungsweise wo befestigen Sie<br />

ihn? Natürlich können Sie Kamera <strong>und</strong><br />

Blitz mit etwas Übung beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

in <strong>der</strong> Hand halten, was schon einmal<br />

leichte Vorteile mit sich bringt. Allerdings<br />

müssen Sie sich so auf mehrere Sachen<br />

gleichzeitig konzentrieren, was selten<br />

zufriedenstellend funktioniert. Besser geht<br />

es, wenn Sie die Kamera mit Ihrem linken<br />

Arm quasi umarmen <strong>und</strong> das Gewicht auf<br />

den Oberarm verlagern, während sich <strong>der</strong><br />

Blitz in Ihrer rechten Hand befindet. <strong>Der</strong><br />

46 pOrträtFOtOgraFie


EntfESSELt BLitzEn<br />

mehrere Blitze<br />

nutzen<br />

Wenn Sie nicht darauf beschränkt sind,<br />

einen Blitz auf <strong>der</strong> Kamera zu nutzen, stehen<br />

Ihnen viele Wege offen, um Ihre kreative<br />

A<strong>der</strong> auszuleben – erst recht wenn Sie<br />

mehrere Blitze zur effektvollen Beleuchtung<br />

verwenden. Für einige Kamerasysteme<br />

stehen daher Funkmodule zur Verfügung,<br />

um mit mehreren Blitzen zu kommunizieren.<br />

Ansonsten verwenden Sie einfach<br />

ein E-TTL-Kabel.<br />

Platzieren Sie den ersten Blitz nach<br />

Ihrem Geschmack, um ihn als Hauptlichtquelle<br />

zu nutzen. Nun können Sie einen<br />

o<strong>der</strong> mehrere Blitze dazu nutzen, um<br />

Schatten aufzufüllen. Die Blitze sollten<br />

untereinan<strong>der</strong> „Sichtkontakt“ haben, da es<br />

sonst zu Störungen in <strong>der</strong> Kommunikation<br />

kommen kann. Sie können dabei auch den<br />

um mehrere Achsen drehbaren Blitzkopf<br />

zu Ihrem Vorteil einsetzen. Natürlich sind<br />

Sie nicht auf zwei Blitze wie in unserem Beispiel<br />

beschränkt, das Limit besteht lediglich<br />

im Volumen Ihrer Kameratasche.<br />

Um sicherzustellen, dass je<strong>der</strong> Blitz<br />

korrekt funktioniert, können Sie den Test-<br />

Knopf am ersten Blitz verwenden. Für weitere<br />

interessante Effekte können Sie auch<br />

mit farbigen Vorsätze experimentieren, um<br />

die Lichtfarbe zu verän<strong>der</strong>n.<br />

© nick Webster<br />

© nick Webster © nick Webster<br />

EinzigartigkEit<br />

nutzen Sie den Blitz abseits<br />

<strong>der</strong> kamera, um solche<br />

einzigartigen Lichteffekte zu<br />

erreichen, die ansonsten nicht<br />

möglich wären.<br />

Bilddetails: Sony a900 mit<br />

85-mm-Objektiv, f/8 <strong>und</strong> 1/250 Sek.<br />

zOOmrEfLEktOr<br />

Verän<strong>der</strong>n Sie die Position des<br />

integrierten reflektors des Blitzes, um die<br />

beleuchteten Bereiche genau zu definieren.<br />

Bilddetails: Sony a900 mit 24–70-mm-Objektiv<br />

bei 35mm, f/14 <strong>und</strong> 1/125 Sek., iSO200,<br />

Sony HVL-fL58-Blitz<br />

POrträtfOtOgrafiE 47


Fotos mit Biss<br />

Belichten sie dieses<br />

Bild nach messung unter <strong>und</strong><br />

stellen sie einen Blitz links<br />

neben sich auf, um das model<br />

zu beleuchten, so wird die<br />

stimmung nicht zerstört.<br />

Bilddetails: sony A900<br />

mit 24–70-mm-objektiv bei<br />

24mm, f/8 <strong>und</strong> 1/200sek,<br />

iso200, sony HVL-FL58-Blitz<br />

© Nick Webster<br />

Blitz im<br />

Alltag<br />

• Blitzen am Tage<br />

Vergessen Sie die irrtümliche<br />

Regel, dass Blitz nur<br />

bei wenig Licht verwendet<br />

werden sollte. Auch bei<br />

Sonnenschein entstehen<br />

mit Blitzeinsatz sehr gute<br />

Ergebnisse. Je nach<br />

Geschmack können Sie die<br />

Sonne auch vollständig zur<br />

Sek<strong>und</strong>ärlichtquelle<br />

degradieren.<br />

• Mischen Sie Licht<br />

Mischen Sie verschiedene<br />

Farben <strong>und</strong> Farbtemperaturen.<br />

Flureszierendes<br />

Licht in Kombination mit<br />

einem Blitz bringt Farbe ins<br />

Bild.<br />

• Abstand halten<br />

Vermeiden Sie geringe<br />

Abstände zwischen Motiv<br />

<strong>und</strong> Lichtquelle. Die Belichtungsmessung<br />

geht<br />

stets vom selben Abstand<br />

aus wie dem zwischen<br />

Kamera <strong>und</strong> Motiv. Befindet<br />

sich <strong>der</strong> Blitz näher an<br />

diesem, entstehen Überbelichtungen.<br />

• Bewegungen einfrieren<br />

Ein Blitz kann Bewegungen<br />

einfrieren, während die<br />

Belichtungszeit dennoch<br />

lang genug bleibt, um den<br />

Hintergr<strong>und</strong> unscharf zu<br />

halten.<br />

• Blitzen Sie indirekt<br />

Wann immer es möglich ist,<br />

sollten Sie darauf verzichten,<br />

den Blitz direkt auf Ihr<br />

Motiv zu richten. Nutzen<br />

Sie stattdessen Flächen,<br />

über die Sie das Licht<br />

reflektieren können, um es<br />

weicher zu machen. Niedrige<br />

Zimmerdecken o<strong>der</strong> ein<br />

kleiner Reflektor bieten<br />

sich dafür an.<br />

• Schatten beachten<br />

Beachten Sie, dass sich mit<br />

an<strong>der</strong>em Winkel <strong>der</strong> Lichtquelle<br />

auch <strong>der</strong> Schattenwurf<br />

verän<strong>der</strong>t.<br />

48 porträtFotogrAFie


entFesseLt BLitzen<br />

„<strong>Der</strong> Einsatz<br />

eines entfesselten<br />

Blitzes<br />

muss gut<br />

geplant sein.“<br />

© nick Webster<br />

An<strong>der</strong>e Ansicht<br />

Abseits <strong>der</strong> Kamera kann ein Blitz details ans Licht<br />

bringen, die normal verwehrt geblieben wären.“<br />

Bilddetails: sony A900 mit 24–70-mm-Objektiv bei 24mm,<br />

f/16 <strong>und</strong> 1/200 sek., isO200, sony hVL-FL58-Blitz<br />

Kin<strong>der</strong>FOtO<br />

Bei diesem high-Key-<strong>Porträt</strong> wurde ein<br />

Blitz zur Ausleuchtung genutzt.<br />

Bilddetails: canon eOs 1ds mit 70–200-mm-<br />

Objektiv bei 140mm, f/4 , 1/500 sek., isO100<br />

Königsweg wäre selbstverständlich, den<br />

Blitz von einem Assistenten halten zu<br />

lassen. Aber auch ein günstiges Stativ tut<br />

hier seinen Dienst. Vielen Blitzgeräten liegen<br />

entsprechende Adapter bei, mit denen<br />

Sie den Blitzschuh auf die Stativplatte<br />

montieren können. Ansonsten gibt es<br />

Adapterplatten für wenig Geld im Handel.<br />

Die Anwendung <strong>der</strong> Belichtungsmessung<br />

mit Blitzeinsatz ist sehr anspruchsvoll,<br />

doch in vielen Fällen arbeitet die Kommunikation<br />

zwischen Blitzgerät <strong>und</strong> Kamera<br />

<strong>der</strong>maßen problemlos, dass oftmals ein<br />

brauchbares Ergebnis erreicht wird – auch<br />

wenn <strong>der</strong> Blitz nicht auf <strong>der</strong> Kamera<br />

befestigt ist. Das spart eine Menge Zeit<br />

<strong>und</strong> Nerven. Zeit, die Sie wun<strong>der</strong>bar<br />

in die Komposition <strong>und</strong> Motivwahl<br />

investieren können.Die besten Resultate<br />

erreichen Sie jedoch nach wie vor im<br />

manuellen Modus. Damit erhalten Sie die<br />

volle Kontrolle über alle Parameter <strong>und</strong><br />

können selbst bestimmen, wie viel Umgebungs-<br />

<strong>und</strong> wie viel Blitzlicht auf den<br />

Sensor fallen soll. Je nach ausgewählter<br />

Messmethode können Sie so beispielsweise<br />

bei einer Messung <strong>der</strong> Belichtungsautomatik<br />

von 1/90 Sek. bei f/8.0 <strong>und</strong> einer<br />

anschließenden Än<strong>der</strong>ung auf 1/250 Sek.<br />

bei f/8.0 eine bedeutende Verän<strong>der</strong>ung<br />

erreichen: Vom Ausfransen bedrohte<br />

Himmelspartien bekommen wie<strong>der</strong> Struktur<br />

<strong>und</strong> <strong>der</strong> Blitz kann noch immer als<br />

Fülllicht dienen <strong>und</strong> gibt Ihrem Bild das<br />

gewisse Etwas – ganz automatisch. Im<br />

manuellen Modus errechnet die Kamera<br />

die benötigte Blitzstärke für eine korrekte<br />

Belichtung. Ein Beispiel, das übrigens<br />

gut zeigt, wie stark eine Platzierung des<br />

Blitzes außerhalb des optischen Zentrums<br />

in <strong>der</strong> Bildwirkung resultiert. Blitzen Sie<br />

leicht seitlich von unten, um eine dramatische<br />

Stimmung zu verstärken.Den<br />

Blitz außerhalb des Blitzschuhs zu nutzen<br />

benötigt etwas mehr Aufwand für gute<br />

Ergebnisse als die Verwendung auf <strong>der</strong><br />

Kamera. Doch wenn Sie sich mit dieser<br />

Technik vertraut gemacht haben, werden<br />

Sie sich an besseren Bil<strong>der</strong>gebnisse erfreuen<br />

können. Sie erhalten mehr Kontrolle<br />

über Lichtmenge <strong>und</strong> Einfallwinkel <strong>der</strong><br />

Beleuchtung, um völlig neue Resultate zu<br />

zielen, die vorher nie möglich gewesen<br />

wären. Das tröstet schnell über die zusätzliche<br />

Anschaffung eines Blitzkabels <strong>und</strong><br />

eines kleinen Stativs hinweg.<br />

POrträtFOtOgrAFie 49


für ExpErTEN<br />

Mit Models<br />

arbeiten<br />

Ein gutes Model zu finden <strong>und</strong> es richtig zu koordinieren<br />

ist maßgeblich für den Erfolg eines Shootings. Hier sind<br />

unsere Tipps für maximalen Erfolg<br />

<strong>und</strong> Top-Ergebnisse.<br />

TagTraum<br />

mithilfe von Blitz o<strong>der</strong> reflektor<br />

können Sie das model vom<br />

Hintergr<strong>und</strong> hervorheben <strong>und</strong><br />

mit <strong>der</strong> Lichtstimmung spielen.<br />

Bilddetails: Nikon D3s, 70–200-<br />

mm-f2.8-Objektiv bei 70mm <strong>und</strong><br />

f/7.1, 1/320 Sek., ISO200<br />

50 pOrTräTfOTOgrafIE


Mit ModelS ArBeiten<br />

© Alle Arbeiten <strong>und</strong> Bil<strong>der</strong> von Karl Shaw, falls nicht an<strong>der</strong>s vermerkt<br />

<strong>Porträt</strong>fotogrAfie 51


Für experten<br />

Geblendet<br />

eine gleichmäßige <strong>und</strong><br />

effektvolle Ausleuchtung <strong>und</strong><br />

verschiedene Hintergründe sind<br />

nur zwei <strong>der</strong> unzähligen Vorteile<br />

eines Studios.<br />

Bilddetails: nikon d3s, 50mm,<br />

f/13, 1/120 Sek., ISO200<br />

S<br />

ie fotografieren gerne Menschen,<br />

haben aber Ihre Fre<strong>und</strong>e<br />

<strong>und</strong> Familie schon abgelichtet?<br />

Dann wird es Zeit, einen<br />

Schritt weiter zu gehen!<br />

Denn nichts ist schlimmer als fehlende<br />

Abwechslung in diesem Genre – Frustration<br />

<strong>und</strong> Demotivation ist die Folge. Die Zusammenarbeit<br />

mit einem professionellen o<strong>der</strong><br />

semiprofessionellen Model scheint jedoch<br />

ein Schritt zu sein, den sich viele nicht<br />

zutrauen. Wie soll ich mich verhalten? Wie<br />

teuer wird die ganze Sache? Was benötige<br />

ich? Das sind nur einige wenige <strong>der</strong> Fragen,<br />

die in dem Kontext immer wie<strong>der</strong> auftauchen.<br />

Als Erstes sollten Sie sich Informationen<br />

beschaffen <strong>und</strong> sich nach Models umsehen.<br />

Für diesen Zweck gibt es je nach Region<br />

verschieden stark frequentierte Model-Plattformen<br />

im Internet, auf <strong>der</strong> Fotografen <strong>und</strong><br />

Models verschiedener Erfahrungsstufen aufeinan<strong>der</strong>treffen.<br />

Dabei ist eines sehr wichtig:<br />

Ehrlichkeit. Haben Sie keinerlei Erfahrung<br />

mit <strong>der</strong> Zusammenarbeit mit einem Model,<br />

so sagen Sie das auch. Erklären Sie Ihre<br />

Ideen <strong>und</strong> was Sie bisher gemacht haben.<br />

Vielleicht mag das zunächst für das ein o<strong>der</strong><br />

an<strong>der</strong>e Model abschreckend wirken, doch<br />

sobald Sie einen Anfang gemacht haben,<br />

können Sie dies ebenfalls in Ihr Profil einpflegen.<br />

So erarbeiten Sie sich Referenzen.<br />

Um sich selbst <strong>und</strong> dem Model ein Gefühl<br />

<strong>der</strong> Sicherheit zu bieten, können Sie einen<br />

Fre<strong>und</strong> zum ersten Termin mit dem Model<br />

mitnehmen – bieten Sie dies auch umgekehrt<br />

an. Das lässt Sie schon einmal nicht<br />

als schwarzes Schaf dastehen.<br />

Einige Shootings basieren auf dem sogenannten<br />

TFP-Prinzip. Die Bezeichnung<br />

stammt noch aus <strong>der</strong> analogen Zeit <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

<strong>und</strong> bedeutet ausgeschrieben „Time<br />

for prints“ – zwar passt zur digitalen <strong>Fotografie</strong><br />

eher die Bezeichnung „TFJ“ (Time for<br />

JPEGs), aber das Prinzip dahinter bleibt das<br />

gleiche. Das Model erhält Bildmaterial dafür,<br />

dass er o<strong>der</strong> sie sich Ihnen zur Verfügung<br />

stellt. Eine Win-win-Situation.<br />

Auch die Auswahl <strong>der</strong> Location ist ein<br />

wichtiger Punkt in <strong>der</strong> Planung, den es zu<br />

berücksichtigen gilt. Möchten Sie für viel<br />

Geld einige St<strong>und</strong>en im Studio verbringen<br />

o<strong>der</strong> möchten Sie sich von Wind <strong>und</strong> Wetter<br />

abhängig machen <strong>und</strong> selbst einen Ort in<br />

freier Natur suchen? Doch auch bei unserem<br />

Shooting für das Bild auf <strong>der</strong> vorherigen Seite<br />

brauchten wir mehrere Anläufe, bis wir<br />

perfekte Bedingungen vorfanden.<br />

Die ersten beiden Termine wurden von<br />

einsetzendem Starkregen zunichtegemacht.<br />

52 pOrträtFOtOGrAFIe


Mit MOdelS arBeiteN<br />

BOHeMe-cHic<br />

Kleidung, Schmuck, Haare,<br />

Make-up <strong>und</strong> die location<br />

sind allesamt wichtige<br />

elemente, um ihr Model in<br />

Szene zu setzen. ein gezieltes<br />

entsättigen gab diesem<br />

Bild das beson<strong>der</strong>e etwas.<br />

Bilddetails: Nikon d3s, 50mm,<br />

f/13, 1/120 Sek., iSO200<br />

Wir hatten keine an<strong>der</strong>e Wahl, als das<br />

schon gemietete Lichtequipment ungenutzt<br />

zu lassen <strong>und</strong> die Shootings abzusagen<br />

– mitten im Sommer, wohlgemerkt.<br />

Gut ausgestattete Studios bieten verschiedene<br />

Hintergr<strong>und</strong>systeme, Requisiten <strong>und</strong><br />

Umklei<strong>der</strong>äume – all das gibt es nicht in<br />

<strong>der</strong> freien Natur.<br />

Die meisten Schwierigkeiten bereiten<br />

dem Einsteiger in die professionelle<br />

<strong>Porträt</strong> fotografie jedoch das Interagieren<br />

mit dem Model <strong>und</strong> das Anleiten zur richtigen<br />

Pose. Lei<strong>der</strong> haben wir hier nicht<br />

genug Zeilen zur Verfügung, um uns über<br />

die Unterschiede zwischen gelungenen<br />

Posen <strong>und</strong> Missgeschicken auszulassen.<br />

Vertrauen Sie dabei einfach auf Ihren<br />

Geschmack <strong>und</strong> durchforsten Sie auch<br />

einmal Bil<strong>der</strong>-Communitys nach Ihrem<br />

Vorhaben. Orientieren Sie sich an Ihren<br />

Lieblingsfotos von an<strong>der</strong>en Fotografen<br />

<strong>und</strong> aus Zeitschriften. Als Gedächtnisstütze<br />

können Sie diese natürlich auch mit<br />

zum Fototermin nehmen. Es ist ebenfalls<br />

empfehlenswert, dem Model regelmäßig<br />

einen Blick auf das Kameradisplay zu<br />

gewähren. Vielleicht hat er o<strong>der</strong> sie ja<br />

Verbesserungsvorschläge o<strong>der</strong> Ideen für<br />

an<strong>der</strong>e Posen o<strong>der</strong> Ähnliches.<br />

Verschwenden Sie nicht zu viele Gedanken<br />

an teures Kamera-Equipment – <strong>der</strong><br />

Fotograf mitsamt seinem Blick ist bedeutend<br />

entscheiden<strong>der</strong> für gute Fotos. Es ist<br />

leicht, <strong>der</strong> Faszination für die aktuellste<br />

„Bringen Sie Abzüge<br />

Ihrer Lieblingsfotos mit<br />

zu einem Shooting.“<br />

auF drei …<br />

Wenige augenblicke<br />

vor dem<br />

auslösen befand sich<br />

das Model noch mit dem<br />

rücken zur Kamera. <strong>der</strong><br />

Blitz fror einen Großteil<br />

<strong>der</strong> Bewegung ein, die<br />

Bewegung ist im Kleid noch<br />

zu erkennen. Bilddetails:<br />

Nikon d300, 17–50mm,<br />

f/14, 1/60 Sek., iSO200<br />

<strong>Fotografie</strong>ren<br />

ohne Studio<br />

Wenn Sie über eine Location nachdenken,<br />

ist es sinnvoll, sich mehrere Orte herauszusuchen,<br />

die jeweils nicht weit entfernt voneinan<strong>der</strong><br />

sind. So vermeiden Sie eine lange<br />

Anreise <strong>und</strong> verlängern automatisch die Zeit,<br />

die zum <strong>Fotografie</strong>ren übrig bleibt. Sprechen<br />

Sie sich mit Ihrem Model ab, welche Orte Sie<br />

bevorzugen <strong>und</strong> welche Art Foto Sie dort<br />

anfertigen möchten. Vielleicht kommen<br />

Ihrem Model ja auch Ideen, die sich fotografisch<br />

gut umsetzen lassen. Geben Sie Ihrem<br />

Model ein paar Stichworte, notieren Sie Ideen<br />

in einer Liste <strong>und</strong> planen Sie gemeinsam<br />

weiter. Gerade bei <strong>der</strong> Bekleidung <strong>und</strong> den<br />

Accessoires gibt es in vielen Fällen Ideen, die<br />

dem Fotograf nie gekommen wären. Genau<br />

so etwas macht übrigens ein gutes Model<br />

aus: nicht nur stur auf die Anweisungen des<br />

Fotografen zu reagieren, son<strong>der</strong>n auch eigene<br />

Vorschläge einzubringen. Diese Eigenschaft<br />

in Kombination mit einer guten Location<br />

– <strong>und</strong> ein Großteil des Weges zu guten<br />

Fotos ist geschafft. Kleiner Tipp am Rande:<br />

Denken Sie daran, dass ein Model vermutlich<br />

auch einmal die Kleidung wechseln<br />

möchte. Nehmen Sie darauf Rücksicht <strong>und</strong><br />

bereiten Sie beispielsweise das Auto entsprechend<br />

vor.<br />

BildauFBau<br />

das Model muss nicht immer den<br />

kompletten Bildausschnitt ausfüllen.<br />

Bilddetails: Nikon d3s, 50mm, f/5.6,<br />

1/250 Sek., iSO200<br />

Hilfe im Studio<br />

Beleuchtungstechniken <strong>und</strong> an<strong>der</strong>e Stolperfallen<br />

im Studio können sehr kompliziert<br />

sein <strong>und</strong> überfor<strong>der</strong>n Einsteiger nicht selten<br />

komplett. Daher ist es eine gute Idee, vor<br />

dem Studioaufenthalt ein klärendes<br />

Gespräch mit dem Eigentümer zu führen<br />

<strong>und</strong> sich die Gr<strong>und</strong>züge erklären zu lassen.<br />

In vielen Fällen bieten diese auch Kurse an,<br />

um in die im Studio vorhandene Technik<br />

einzuweisen. Dabei werden auch vermeintliche<br />

Selbstverständlichkeiten aufgegriffen.<br />

Etwa <strong>der</strong> Hinweis, dass sich die Kamera im<br />

Studio immer im voll manuellen Modus<br />

befinden sollte.<br />

Es gibt keinen besseren Ort zum Anfertigen<br />

qualitativ hochwertiger Fotos als ein gut<br />

ausgestattetes Studio mit verschiedenen<br />

Hintergründen, guter Beleuchtung, viel<br />

Platz <strong>und</strong> Spielereien wie zum Beispiel einer<br />

Nebelmaschine. Um das Potenzial zu nutzen,<br />

kommt wie<strong>der</strong> Ihre Planungsfähigkeit<br />

ins Spiel. Holen Sie das Beste aus dem<br />

gegebenen Umfeld heraus!<br />

POrträtFOtOGraFie 53


für ExpErtEn<br />

54 porträtfotografiE


Mit MODelS Arbeiten<br />

Planung ist alles<br />

„Stellen Sie sicher, dass Ihr Model zuverlässig<br />

ist <strong>und</strong> auch pünktlich erscheint.“<br />

PuPPenähnlich<br />

experimente mit einem Makro-<br />

Objektiv erlauben nahaufnahmen.<br />

nachträgliches Glätten <strong>der</strong> haut führt<br />

zu einem puppenähnlichen Aussehen.<br />

Bilddetails: nikon D3s, 90mm, f/7.1,<br />

1/125 Sek., iSO200<br />

Technik zu verfallen, doch bessere Ergebnisse<br />

erhalten Sie dadurch nicht. Eine<br />

DSLR samt Kitobjektiv ist alles, was Sie<br />

benötigen. Je nach Lichtbedingungen<br />

können Faltrefektoren <strong>und</strong> ein Systemblitz<br />

samt Funksystem sinnvolle Ergänzungen<br />

sein. Allerdings ist zusätzliches Equipment<br />

auch immer ein weiterer Faktor, den Sie<br />

Es gibt ein englisches Sprichwort, das sinngemäß besagt:<br />

„Schlägt die Planung fehl, so plant man den Fehlschlag.“ Das gilt<br />

nicht zuletzt bei <strong>der</strong> zugegeben doch kostspieligen Anmietung<br />

eines Studios. Stellen Sie sicher, dass Ihr Model zuverlässig ist<br />

<strong>und</strong> auch pünktlich erscheint. Ansonsten ist nicht nur Ihre Zeit<br />

dahin – die Studiomiete muss trotzdem bezahlt werden. Mit<br />

o<strong>der</strong> ohne Model. Eine gute Idee, um solche Fehlschläge zu vermeiden,<br />

ist es, sich mit einem an<strong>der</strong>en gleichgesinnten Fotografen<br />

zusammenzutun. So können Sie die Kosten untereinan<strong>der</strong><br />

aufteilen <strong>und</strong> mehrere Models einladen, was nebenbei auch den<br />

Vorteil von mehr Abwechslung mit sich bringt. Bitten Sie die<br />

Models, eigene Kleidung mitzubringen, um noch mehr Variation<br />

in den Bil<strong>der</strong>n zu haben. Machen Sie sich Gedanken, was Sie<br />

genau ablichten möchten. Glamour, Mode o<strong>der</strong> ein ganz an<strong>der</strong>es<br />

Genre? Diese Frage ist für beide Seiten essenziell. Am allerwichtigsten<br />

ist aber <strong>der</strong> Spaß an <strong>der</strong> Zeit im Studio. Denken Sie immer<br />

daran: Beide Parteien ziehen ihren Vorteil aus dem Shooting.<br />

bedienen <strong>und</strong> auf den Sie aufpassen müssen.<br />

Es ist daher anzuraten, mit einem<br />

Assistenten zu arbeiten, <strong>der</strong> solche Arbeiten<br />

übernimmt. Entscheiden Sie sich dafür,<br />

sich für einige St<strong>und</strong>en in einem Studio<br />

einzumieten, dann existiert in den meisten<br />

Fällen schon ein umfangreicher Bestand<br />

an Lichtformern <strong>und</strong> an<strong>der</strong>en Beleuchtungsutensilien<br />

samt einer Einweisung<br />

durch den Studioeigentümer. So können<br />

Sie unbesorgt Ihre Kreativität ausleben<br />

<strong>und</strong> ungestört mit Ihrem Model arbeiten.<br />

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit<br />

einem Model bedeutet deutlich mehr, als<br />

nur seine Kamera beherrschen zu können.<br />

Genauso stark sind Ihre sozialen Fähigkeiten<br />

gefragt. Seien Sie fre<strong>und</strong>lich <strong>und</strong><br />

offen, sagen Sie direkt, was Sie möchten<br />

– <strong>und</strong> die Zusammenarbeit wird ein Erfolg<br />

werden.<br />

POrträtfOtOGrAfie 55


tEchNiKEN<br />

Techniken<br />

Diese detaillierten Anleitungen machen<br />

Sie zum Experten für <strong>Porträt</strong>s aller Art.<br />

58 Location-<strong>Porträt</strong>s<br />

<strong>Porträt</strong>fotos außerhalb eines Studios<br />

70 <strong>Porträt</strong>s in Schwarz-Weiß<br />

Auf Farben verzichten – monochrom arbeiten<br />

78 Die Gesichter <strong>der</strong> Welt<br />

Die wichtigsten Tipps für Sie, um auf Reisen<br />

authentische <strong>Porträt</strong>s zu erhalten.<br />

90 Fashion-<strong>Porträt</strong>s<br />

Mit Models umgehen – einen Stil entwickeln<br />

102 <strong>Fotografie</strong> mit Kin<strong>der</strong>n<br />

<strong>und</strong> Neugeborenen<br />

Profi-Tipps für tolle Kin<strong>der</strong>fotos<br />

56 <strong>Porträt</strong>FotoGrAFiE


TechnIken<br />

„Mit diesen<br />

Profi-Tipps<br />

gelingen Ihnen<br />

faszinierende<br />

<strong>Porträt</strong>s <strong>und</strong><br />

tolle Fotos.“<br />

© gavin gough<br />

PorTräTFoTograFIe 57


TECHNIKEN<br />

NelsoN MaNdela<br />

Nelson Mandela im Dorchester Hotel,<br />

London: Es war lediglich erlaubt, ein<br />

Foto zu schießen, daher musste alles<br />

sofort stimmen.<br />

Bilddetails: Canon EOS-1Ds Mark<br />

II bei 40mm, f/16 <strong>und</strong> 1/125 Sek.,<br />

ISO100<br />

© Will Amlot<br />

58 POrTräTFOTOgrAFIE


LOCATION-PORTRÄTS<br />

<strong>Porträt</strong>s<br />

vor Ort<br />

Perfekte Bil<strong>der</strong> außerhalb des Studios bedeuten meist<br />

eines: einen hohen logistischen Aufwand. Doch die<br />

Ergebnisse wissen danach zu überzeugen.<br />

Gemeinsam mit Profis ermitteln wir die größten Fehlerquellen<br />

<strong>und</strong> die besten Tipps für dieses Sujet.<br />

D<br />

as <strong>Porträt</strong>ieren vor Ort – on location –, ganz<br />

ohne die komfortablen Vorzüge eines Studios,<br />

benötigt eine Menge Kreativität. Dabei kann<br />

<strong>der</strong> Drang nach einem guten Ergebnis unter<br />

vergleichsweise schwierigen Bedingungen<br />

ein nicht zu unterschätzen<strong>der</strong> Ansporn sein. Egal wie viele<br />

Klippen man umschifft, egal wie viel Zeit Sie in Planung<br />

investieren: Es wird fast ausnahmslos zu Situationen kommen,<br />

die Sie in dieser Form nicht bedacht haben. Das Wetter<br />

kann zum Beispiel noch immer nicht beeinflusst werden <strong>und</strong><br />

auch bei plötzlichen Defekten <strong>der</strong> Blitzanlage ist Improvisationstalent<br />

gefragt. Nichtsdestotrotz schwören viele Fotografen<br />

darauf, <strong>Porträt</strong>s außerhalb des Studios anzufertigen. Gerade<br />

wegen <strong>der</strong> nicht vorhersehbaren Bedingungen <strong>und</strong> <strong>der</strong> daraus<br />

entstehenden Einzigartigkeit <strong>der</strong> Bil<strong>der</strong>.<br />

So spricht Starfotograf James Eckersley wie folgt über<br />

seinen Weg zum Erfolg <strong>und</strong> den Reiz seiner Arbeit: „<strong>Der</strong><br />

beste Weg zur Bekanntheit ist die Abwechslung in puncto<br />

Menschen <strong>und</strong> Location. Meine Arbeit brachte mich bereits<br />

an Filmsets im Gebirge <strong>und</strong> unter Wasser, hinter die Kulissen<br />

des Theaters, in das Zuhause von Superstars o<strong>der</strong> in den Kensington<br />

Palace. Kein Tag ist wie <strong>der</strong> an<strong>der</strong>e.“<br />

Vor einiger Zeit fand sich Eckersley in <strong>der</strong> Situation, Michael<br />

Sheen mitten im Gebirge irgendwo in Wales fotografieren<br />

zu können. „Er war gerade mit seinem Drehtag für The<br />

Passion fertig geworden <strong>und</strong> wollte die Nacht in <strong>der</strong> Stille<br />

<strong>der</strong> Berge verbringen. Dieser Auftrag ließ ihn mir als den<br />

wahrscheinlich fre<strong>und</strong>lichsten <strong>und</strong> offensten Menschen<br />

erscheinen, den man sich vorstellen kann. Das einzige Problem<br />

war eines <strong>der</strong> logistischen Sorte: Wie sollte ich das ganze<br />

Equipment auf den Berg hinauf bekommen?“ Momentan<br />

arbeitet James Eckersley an einem neuen Fotobuch über die<br />

bekanntesten Stuntmen <strong>und</strong> -women. „Dabei verschlägt es<br />

einen in die spektakulärsten Gegenden <strong>der</strong> Erde <strong>und</strong> das Beste:<br />

Ich darf meine Models in Brand setzen!“ So viel ist klar:<br />

Das kann nicht je<strong>der</strong> Fotograf von sich behaupten.<br />

Ebenfalls kein unbekanntes Gesicht auf dem Terrain ist<br />

Will Amlot. Er arbeitet seit über 15 Jahren in <strong>der</strong> kommerziellen<br />

<strong>Fotografie</strong> <strong>und</strong> begann seine Kariere im Umfeld <strong>der</strong><br />

Musikindustrie. „Ich deckte mit meiner Arbeit hauptsächlich<br />

Rave-Veranstaltungen <strong>und</strong> die Nachtclubkultur ab. Es war<br />

ein hartes Geschäft <strong>und</strong> ich brauchte einige Zeit, bis ich<br />

die nötigen Kontakte geknüpft hatte <strong>und</strong> mir ein Portfolio<br />

aufbauen durfte, um an mehr Aufträge zu gelangen. In den<br />

Neunzigerjahren konnte ich mir keinen besseren Platz zum<br />

Arbeiten vorstellen als die Locations, die mit <strong>der</strong> Rave-Szene<br />

zu dieser Zeit immer bekannter wurden. Es war nicht immer<br />

ein leichtes Arbeitsumfeld, das muss man zugeben. Zeitweise<br />

hatte man das Gefühl, dass alles gegen einen ist: Man<br />

arbeitet nachts, wodurch man müde wird, es ist laut, was<br />

die Kommunikation mit deinem Gegenüber erschwert. Man<br />

kann sich kaum konzentrieren <strong>und</strong> dazu kommt noch das<br />

Problem des quasi nicht vorhandenen Lichts <strong>und</strong> des Nebels<br />

– eine sehr feindliche Umgebung für Fotografen. Eines Tages<br />

arbeitete ich an einem Auftrag bei einer Rave-Veranstaltung<br />

in <strong>der</strong> Wembley Arena. Versehentlich stieß ich an die So<strong>und</strong>decks<br />

des DJs <strong>und</strong> für ein paar verdammt lange Sek<strong>und</strong>en<br />

hörten Tausende Raver aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong> einsetzenden Stille auf<br />

zu tanzen.“ Will Amlot hat sich mittlerweile auf die Arbeit<br />

mit Werbeagenturen <strong>und</strong> Redaktionen spezialisiert.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 59


teCHnIKen<br />

© mark Johnson<br />

Heston<br />

BlumentHal<br />

Heston Blumenthal in<br />

<strong>der</strong> Cineworld Fulham,<br />

london. auftragsarbeit<br />

des sen<strong>der</strong>s Channel 4 für<br />

die serie Heston’s mission<br />

Impossible<br />

Bilddetails: Canon eos 5D<br />

mark II bei 50mm, f/11 <strong>und</strong><br />

1/125 sek., Iso100<br />

„Sofern möglich versuche ich, immer das<br />

Tageslicht in meinen <strong>Porträt</strong>s zu benutzen.“<br />

Mark Johnson ist ebenfalls einer <strong>der</strong> Fotografen, <strong>der</strong> sich<br />

seinen Platz unter den Topverdienern <strong>der</strong> Branche gesichert<br />

hat. Er arbeitet unter an<strong>der</strong>em im Auftrag von Channel<br />

4, The Gurdian, Next <strong>und</strong> British Airways <strong>und</strong> war nicht<br />

zuletzt Finalist im „Taylor Wessing Photographic Portrait“-<br />

Wettbewerb 2008. „Ich begann damit, als Assistent in das<br />

Genre einzusteigen, meiner Meinung nach <strong>der</strong> beste Weg,<br />

um sich einen Namen zu machen. 2005 machte ich mich<br />

schließlich selbstständig. Ich erzielte den großen Durchbruch<br />

bei Channel 4 <strong>und</strong> habe seither keinen Blick zurück<br />

verschwendet.“ Ein Großteil von Marks Aufträgen stammt<br />

von dem populären Fernsehsen<strong>der</strong> <strong>und</strong> lebt von den verschiedenen,<br />

individuellen Orten. Er arbeitet sehr oft Hand in<br />

Hand mit den Film-Crews <strong>und</strong> fertigt dabei seine Bil<strong>der</strong> an:<br />

„Man muss die relativ kleinen Zeitfenster, in denen sich die<br />

wichtigen Szenen abspielen, ausnutzen. Die meisten Aufträge<br />

bekomme ich, weil ich genau das kann. Man bekommt nur<br />

eine bestimmte Zeit zugewiesen, in <strong>der</strong> aber alle erfor<strong>der</strong>lichen<br />

Fotos geschossen sein müssen. Manchmal sitzt man<br />

aber auch 16 St<strong>und</strong>en am Filmset <strong>und</strong> bekommt nur für fünf<br />

Minuten die Möglichkeit, seine Arbeit zu erledigen. Das ist<br />

zeitweise etwas langweilig, aber gehört auch dazu.“ In manchen<br />

Fällen ist Vorwissen aus dem Studioalltag übrigens gar<br />

nicht schlecht. So nutzt James Eckersley beispielsweise sehr<br />

oft eine ausgewachsene Blitzanlage – egal wo er seine Fotos<br />

schießt. Das erfor<strong>der</strong>t natürlich auch ein gewisses Maß an<br />

Planungstalent. „Sofern möglich versuche ich, immer das<br />

Tageslicht in meinen <strong>Porträt</strong>s zu benutzen, dabei verwende<br />

ich aber auch sehr oft weiches Blitzlicht zum Aufhellen <strong>und</strong><br />

zum Setzen von Akzenten“, erklärt er. „Das ist eine Technik,<br />

die ich mir selber jahrelang erarbeitet <strong>und</strong> immer weiter<br />

verfeinert habe. So entstehen in meinen Augen sehr atmosphärische<br />

<strong>Porträt</strong>s. Auch außerhalb des Studios sollten Sie<br />

die Gr<strong>und</strong>lagen nicht vergessen, aber übertreiben Sie es nicht<br />

mit <strong>der</strong>en Durchführung, um die Beson<strong>der</strong>heit des Orts nicht<br />

untergehen zu lassen.“ Sie sollten auch beachten, dass <strong>der</strong><br />

Aufbau von Studio-Equipment außerhalb viel logistischen<br />

Extraaufwand bedeutet, den es nicht zu unterschätzen gilt.<br />

Wenn Sie darauf angewiesen sind, sollten Sie sich besser<br />

nach einem o<strong>der</strong> mehreren Assistenten umsehen, um die Auf<strong>und</strong><br />

Abbauzeiten zu verkürzen.<br />

Wie immer in <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> ist eine gelungene Vorberei-<br />

60 <strong>Porträt</strong>FotograFIe


locatIoN­<strong>Porträt</strong>s<br />

© James eckersley<br />

tung das A <strong>und</strong> O. Bereiten Sie jedes Bild vor Ihrem inneren<br />

Auge vor <strong>und</strong> fertigen Sie sich eine Liste mit benötigtem<br />

Equipment an. Auch für jenes, um das Model vorzubereiten.<br />

Berücksichtigen Sie auch das farbliche Zusammenspiel zwischen<br />

Kleidung, Haarstyling <strong>und</strong> <strong>der</strong> Location.<br />

Gelingt Ihnen keine umfassende Planung <strong>und</strong> vergessen<br />

Sie wichtige Teile Ihrer Ausrüstung, so wird <strong>der</strong> Auftrag mindestens<br />

schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich zu bewältigen.<br />

Viele professionelle Fotografen verlassen das Haus daher<br />

nicht ohne eine Ersatzkamera. Will Amlot vertritt diese<br />

Ansicht ebenfalls: „Je<strong>der</strong> Auftrag kann desaströs enden, doch<br />

es ist die Sache des Fotografen, die größten Gefahrenstellen<br />

zu eliminieren, bevor sie auftreten können. Verlassen Sie sich<br />

nie auf eine einzige Kamera – ein Ersatzgerät ist essenziell.<br />

Die meisten Probleme können Sie nicht vorhersehen, bei<br />

an<strong>der</strong>en wie<strong>der</strong>um müssen Sie improvisieren. So war ich<br />

einmal in Sibirien <strong>und</strong> habe ein Shooting in <strong>der</strong> Nähe einer<br />

Eisenschmelze durchgeführt. Plötzlich gaben meine Blitzköpfe<br />

<strong>der</strong> Hitze nach. Nachdem ich sie mithilfe von Wasser<br />

heruntergekühlt hatte, musste ich sie mit großzügigem Einsatz<br />

von Klebeband wie<strong>der</strong> herrichten.”<br />

Denken Sie vor allem an die Stromversorgung für Ihre<br />

Blitzanlage. Will Amlot beschreibt seinen Arbeitsablauf wie<br />

folgt: „Ich fotografiere mit Canon-Equipment. Dazu kommen<br />

immer zwei Elinchrome-Ranger-Packs mit vier Blitzköpfen<br />

als noch kompakteres Starterset. Für den Fall, dass ich<br />

wi<strong>der</strong> Erwarten einmal zu wenig Akkukapazität für einen<br />

ordnungsgemäßen Betrieb haben sollte, schaffe ich mir<br />

Alternativen, um dennoch genügend unterschiedliche Set-ups<br />

nutzen zu können. So kommt bei meinen Shootings immer<br />

mindestens einmal das Canon-Objektiv mit 85mm f/1.2 zum<br />

Einsatz. <strong>Der</strong> Schärfentiefenbereich ist atemberaubend, was<br />

den Hintergr<strong>und</strong> quasi zur Nebensache macht. Ebenfalls von<br />

<strong>der</strong> Partie ist eine Octabox, die eine großartige Ausleuchtung<br />

Jack<br />

Docherty<br />

entstanden im Fernsehstudio<br />

von channel 4,<br />

später von <strong>der</strong> National<br />

Portrait Gallery aufgekauft<br />

Bilddetails: Mamiya c330<br />

mit Ilford FP4­Film<br />

<strong>Porträt</strong>FotoGraFIe 61


TECHNIKEN<br />

Kleine Beleuchtungsschule<br />

Je nach Umgebungsbedingungen verän<strong>der</strong>n sich die Anfor<strong>der</strong>ungen<br />

an die Beleuchtung. Doch keine Angst: Dazu gibt es ein paar<br />

Regeln, die Ihnen – richtig angewendet – das Leben um einiges<br />

erleichtern. Mischen Sie zum Beispiel Tageslicht <strong>und</strong> künstliches<br />

Licht, so können Sie beeindruckende Ergebnisse erhalten o<strong>der</strong><br />

störende Schatten ohne aufwendige Nachbearbeitung entfernen.<br />

In unserer ersten Grafik befindet sich die Hauptlichtquelle hinter<br />

dem Motiv – normal können Sie hier nicht mehr als die Umrisse<br />

des Models abbilden. Mithilfe eines starken Blitzes o<strong>der</strong> eines<br />

Reflektors können Sie jedoch auch die <strong>der</strong> Kamera zugewandten<br />

Seite des Models beleuchten.<br />

Im zweiten Beispiel werden zwei Blitze zur Beleuchtung <strong>der</strong><br />

Hauptmotive <strong>und</strong> einer zum In-Szene-Setzen des Hintergr<strong>und</strong>s<br />

verwendet. Machen Sie hier getrennten Gebrauch von <strong>der</strong> Belichtungsmessung,<br />

um die perfekten Einstellungen zu ermitteln.<br />

NATÜRLICHE LICHTQUELLE<br />

KAMERA MIT BLITZ<br />

MOTIV<br />

Lichtaufbau 1<br />

DUNKLER HINTERGRUND<br />

MOTIV<br />

MOTIV<br />

Lichtaufbau 2<br />

JOHN HURT<br />

<strong>Fotografie</strong>rt in seiner Londoner<br />

Wohnung mit einer Wista<br />

5x4-Kamera <strong>und</strong> Cross<br />

Processed Fuji Provia 100-Film,<br />

Beleuchtet mit zwei Metz-<br />

60-Blitzen.<br />

© James Eckersley<br />

Das Mischen von Tageslicht <strong>und</strong> Blitzlicht<br />

kann interessante Ergebnisse erzeugen.<br />

© Mark Johnson<br />

62 PORTRÄTFOTOGRAFIE


lOCATiOn-PORTRäTS<br />

Schmied<br />

fotografiert an seinem<br />

Arbeitsplatz in Henley<br />

Bilddetails: Canon eOS-<br />

1Ds Mark ii bei 28mm,<br />

f/5.6 <strong>und</strong> 1/250 Sek.,<br />

iSO160<br />

© Mark Johnson © Will Amlot<br />

Jeff Quinn<br />

<strong>Der</strong> Dekan <strong>der</strong><br />

Carlisle Missionary Baptist<br />

Church, Carlisle, Tennessee,<br />

uSA aus <strong>der</strong> Serie<br />

God&Guns<br />

Bilddetails: Mamiya<br />

RZ67 Pro 11D mit 100 mm<br />

festbrennweite, f/11 <strong>und</strong><br />

1/60 Sek., iSO100<br />

ReifenfliCkeR<br />

Reifenflicker in Havana,<br />

kuba. Aus <strong>der</strong> Serie<br />

Workers<br />

Bilddetails: Canon eOS 5D mit<br />

17–40-mm-Objektiv bei 17mm,<br />

f/5.6 <strong>und</strong> 1/30 Sek., iSO200<br />

„Verlassen Sie sich niemlas nur auf ein<br />

Kamera – Back-ups sind essenziell.“<br />

mit hoher Lichtqualität liefert.“ Zur weiteren Durchführung<br />

führt er fort: „Es ist wichtig, dass Sie genügend Energie für<br />

die Versorgung <strong>der</strong> Blitzanlage mitführen. Ich setze mindestens<br />

auf 1.200 Watt, um mich dem Umgebungslicht anzupassen.<br />

Für gewöhnlich verwende ich zwei Lichtquellen. Eines<br />

als Hauptlicht <strong>und</strong> den an<strong>der</strong>en Blitz als Fülllicht. Je nach<br />

Geschmack nutze ich auch mal einen weiteren Blitz, um den<br />

Hintergr<strong>und</strong> auszuleuchten o<strong>der</strong> um die Zeichnung in Haaren<br />

o<strong>der</strong> Gesicht zu verstärken.“<br />

James Eckersley ist ebenfalls stets auf alle Eventualitäten<br />

vorbereitet. Er erklärt uns, dass er immer mehr Equipment<br />

dabeihat, als er normal brauchen würde. „Ich gehe für<br />

gewöhnlich mit zwei Kameras, drei tragbaren Studioblitzen<br />

samt zugehöriger Stromversorgung, Funkempfängern, Softboxen<br />

<strong>und</strong> Reflektoren aus dem Haus. Öfter nehme ich auch<br />

mobile Hintergr<strong>und</strong>systeme mit, um einen studioähnlichen<br />

Effekt zu haben o<strong>der</strong> um unerwünschtes Licht abzuhalten.<br />

Das ist meiner Meinung nach sehr sinnvolles Zubehör für<br />

jeden ambitionierten Fotografen.“ Doch nicht nur die Planung<br />

von Ausrüstung <strong>und</strong> Location for<strong>der</strong>t das Organisationstalent<br />

des Fotografen. Auch eine enge Zeitplanung gehört beinahe<br />

zum Alltag, wie Mark Johnson uns erklärt. Bei einigen<br />

Aufträgen hatte er nur wenige Tage vom Auftragseingang<br />

bis zur Abgabe <strong>der</strong> fertigen Fotos. Auch er hat ständig seine<br />

Ausrüstung – bestehend aus einem Bowens-Beleuchtungskit,<br />

zwei Blitzen, zwei Softboxen, zwei Kameras <strong>und</strong> fünf bis<br />

sechs Objektiven – parat. „Wenn ich die Möglichkeit habe,<br />

informiere ich mich stets über die Location mithilfe von Google<br />

Maps, um einen Parkplatz zu finden, von dem ich schnell<br />

zum Ort des Geschehens gelange“, erklärt er uns. Bei den<br />

Objektiven schwört Mark üblicherweise auf Festbrennweiten<br />

wie dem 100-mm-Objektiv von Canon, doch seine Sammlung<br />

umfasst auch die klassischen Zoomobjektive 24–70mm <strong>und</strong><br />

70–200mm aus <strong>der</strong> L-Serie. Auch das 17–40-mm-Objektiv<br />

findet öfter den Weg in seine Fototasche – für den Fall, dass<br />

ihm nur wenig Platz bleibt. „Es ist nicht beson<strong>der</strong>s lichtstark,<br />

doch die Qualität stimmt.“<br />

Natürlich benötigt man nicht jedes Mal, wenn man sich<br />

außerhalb eines Studios bewegt, Unmengen an Ausrüstung.<br />

Bei vielen setzt schon das Budget Grenzen. Ist zum Beispiel<br />

kein Geld für eine ausgewachsene Blitzanlage vorhanden, so<br />

können Sie zur Hilfenahme von Reflektoren auch das vorhandene<br />

natürliche Licht ausnutzen <strong>und</strong> sehr gute Ergebnisse<br />

erhalten. Besichtigen Sie den Ort vorher, um die Bil<strong>der</strong> schon<br />

PORTRäTfOTOGRAfie 63


TECHNIKEN<br />

Top-Tipps von den<br />

Experten<br />

© James Eckersley<br />

James Eckersley empfiehlt: „Entwickeln Sie einen eigenen Stil,<br />

<strong>der</strong> Ihnen wenig Probleme bereitet. Es ist wichtig, dass Sie unter<br />

je<strong>der</strong> Bedingung arbeiten können, <strong>und</strong> Sie müssen Ihr Equipment<br />

in- <strong>und</strong> auswendig kennen. Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Fähigkeiten<br />

zu verbessern, <strong>und</strong> lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf.“<br />

Will Amlot merkt an: „Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken<br />

über Ihr Equipment o<strong>der</strong> den Hintergr<strong>und</strong>. Viel wichtiger ist es,<br />

eine Beziehung zu Ihrem Gegenüber aufzubauen <strong>und</strong> eine entspannte<br />

Atmosphäre zwischen Ihnen zu schaffen. Lassen Sie es<br />

sich nicht anmerken, wenn etwas schiefgeht, um die Stimmung<br />

nicht kippen zu lassen, <strong>und</strong> seien Sie stets selbstbewusst – auch<br />

wenn Ihnen gerade gar nicht danach ist. Das meiste eignen Sie<br />

sich mit zunehmen<strong>der</strong> Routine an. Also analysieren Sie Ihre Fehler<br />

<strong>und</strong> überlegen Sie, was Sie hätten tun können, um diese zu<br />

vermeiden.“<br />

Mark Johnson denkt, dass die beste Methode des Lernens die<br />

stetige, tagtägliche ist. „Manchmal können Sie sich den Luxus <strong>der</strong><br />

Arbeit ohne Zeitdruck gönnen, doch ich bevorzuge die Arbeit<br />

unter Druck. Viele meiner Lieblingsbil<strong>der</strong> aus Kuba o<strong>der</strong> den USA<br />

mussten schnell entstehen, um die Situation festzuhalten. Wenn<br />

Sie einen Ort sehen, haben Sie nur wenige Minuten Zeit zu entscheiden,<br />

wie Sie ihn in das Foto einbeziehen möchten. Zudem<br />

zeige ich meinem Gegenüber niemals Bil<strong>der</strong>, während ich noch an<br />

ihnen arbeite. Menschen versuchen sich sonst immer zu verstellen,<br />

um einen an<strong>der</strong>en Eindruck auf den Bil<strong>der</strong>n zu hinterlassen.“<br />

tent versuchte, sie zum Aufbruch zu bewegen. Obwohl Johnson<br />

bereits die vom Sen<strong>der</strong> gefor<strong>der</strong>ten Setbil<strong>der</strong> geschossen<br />

hatte, wollte er noch einige <strong>Porträt</strong>fotos außerhalb des<br />

Umfelds eines Fernsehstudios anfertigen. Daher ging er mit<br />

ihr in ein Cafe <strong>und</strong> setzte sie an einen Tisch mit metallischsilberner<br />

Tischplatte, die ihm in diesem Fall als Reflektor<br />

diente. „Ich benötigte r<strong>und</strong> eine halbe St<strong>und</strong>e <strong>und</strong> fertigte an<br />

die 50 Bil<strong>der</strong> an. Die Atmosphäre war selbstverständlich eine<br />

völlig an<strong>der</strong>e, als noch kurz zuvor im Fernsehstudio, was<br />

man den Bil<strong>der</strong>n sofort ansehen konnte. Das zeigt erneut,<br />

wie wichtig die Location für ein gelungenes Foto sein kann“,<br />

erklärt Mark.<br />

Wie man daran sieht, ist ein entspanntes Umfeld sehr<br />

wichtig <strong>und</strong> kann entscheidend für die Bildwirkung <strong>und</strong> die<br />

Ausstrahlung Ihres Gegenübers sein. Auch die Zusammenarbeit<br />

zwischen Fotograf <strong>und</strong> dem Model ist wichtig, um das<br />

gewünschte Ergebnis zu erhalten. „Immer wenn ich für mein<br />

persönliches Portfolio fotografiere, rennt mir die Zeit davon“,<br />

erzählt Mark. „Ich verbringe ungefähr 85 Prozent <strong>der</strong> Zeit<br />

damit, mit meinem Gegenüber zu kommunizieren, eine Bindung<br />

aufzubauen – damit er o<strong>der</strong> sie versteht, was ich überhaupt<br />

vorhabe. Die restlichen 15 Prozent <strong>der</strong> Zeit investiere<br />

ich dann am Ende ins <strong>Fotografie</strong>ren.“<br />

Bei <strong>der</strong> Auswahl <strong>der</strong> richtigen Location ist ein Blick auf die<br />

Wettervorhersage nie verkehrt. Dadurch werden die Lichtbedingungen<br />

bestimmt <strong>und</strong> mögliche Problemquellen offengelegt.<br />

Zu viel Wind o<strong>der</strong> gar strömen<strong>der</strong> Regen wirken selten<br />

positiv auf Stimmung <strong>und</strong> Bil<strong>der</strong>gebnis. Aber egal wie viel<br />

Sie vorbereiten: Es wird fast immer zu Situationen kommen,<br />

„Ich war 16 St<strong>und</strong>en am Set gesessen <strong>und</strong><br />

fotografierte nur fünf Minuten – frustrierend.“<br />

64 PorTräTfoTografIE<br />

einmal zu planen, <strong>und</strong> informieren Sie sich über die Zeiten<br />

des Sonnenauf- <strong>und</strong> -untergangs, um diese Szenarien als<br />

beson<strong>der</strong>en Effekt in die Bil<strong>der</strong> einfließen zu lassen. Auch<br />

Mark ist <strong>der</strong>selben Meinung: „Ich liebe es, das Tageslicht zu<br />

nutzen, einige meiner besten <strong>Porträt</strong>s sind so entstanden.<br />

Haben Sie einmal verstanden, es korrekt zu Ihren Gunsten<br />

zu nutzen, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.“<br />

Eines <strong>der</strong> besten Beispiele, wie flexibel man als Fotograf<br />

sein muss, liefert Mark Johnson uns sofort. Er hatte den Auftrag<br />

des Sen<strong>der</strong>s Channel 4, einige Bil<strong>der</strong> <strong>der</strong> Designerin Vivienne<br />

Westwood anzufertigen. Sie war müde <strong>und</strong> ihr Assisroy<br />

ford<br />

Pilot <strong>der</strong> britischen<br />

Luftwaffe. fotografiert in<br />

seinem Zuhause mit drei<br />

mobilen Blitzen <strong>und</strong> einer<br />

Wista field Camera mit<br />

6x6"-filmrückplatte<br />

(Ilford fP4)<br />

© James Eckersley<br />

PETEr<br />

PEdrEro<br />

Stuntmen-foto hinter den<br />

Kulissen <strong>der</strong> Pinewood<br />

Studios. Ein Video zur<br />

Entstehung dieses fotos<br />

finden Sie unter<br />

www.jameseckersley.co.uk<br />

unter full Burn Photo Shot 1.


© James Eckersley<br />

location-porträts<br />

porträtFotograFiE 65


teCHniKen<br />

© Mark Johnson<br />

ViVienne<br />

WestWood<br />

<strong>Fotografie</strong>rt in London<br />

außerhalb des studios von<br />

Channel 4<br />

Bilddetails: Mamiya<br />

RZ67 Pro 11d mit 100 mm<br />

Festbrennweite, f/5.6 <strong>und</strong> 1/30<br />

sek., iso160<br />

© Mark Johnson<br />

in denen Sie improvisieren müssen.<br />

„Recherchen, Ortskenntnis <strong>und</strong> Google Maps sind sinnvolle<br />

Ansätze, um die perfekte Location zu entdecken“, erklärt<br />

uns James Eckersley. „Wenn ich einen Auftrag an einem Ort<br />

erledigen soll, den ich nicht kenne, so versuche ich mir im<br />

Voraus so viele Informationen wie möglich zu beschaffen.<br />

Dazu gehört auch, dass ich ortsk<strong>und</strong>ige Personen befrage.<br />

Das bringt in manchen Fällen wirklich interessante Ergebnisse<br />

zutage <strong>und</strong> wun<strong>der</strong>volle Orte, die man sonst nie entdeckt<br />

hätte.“<br />

Flexibilität, Improvisation <strong>und</strong> das Beste aus dem Gegebenen<br />

zu machen sind essenzielle Fähigkeiten, die ein Fotograf<br />

außerhalb des Studios besitzen muss, um konkurrenzfähige<br />

Ergebnisse zu erhalten. <strong>Der</strong> Ort sollte am besten den Charakter<br />

des <strong>Porträt</strong>ierten wi<strong>der</strong>spiegeln <strong>und</strong> gleichzeitig das<br />

gewisse Etwas zum Bild beisteuern. Zu dem Zeitpunkt, als<br />

Mark Johnson an seinem „God and Guns“-Projekt arbeitete,<br />

musste er sich viele Gedanken machen, um eine dieser<br />

beson<strong>der</strong>en Wirkungen zu erzielen: „Man möchte den Ort<br />

finden, <strong>der</strong> am besten zur Person passt, ihren Charakter<br />

abbildet <strong>und</strong> sich in den Kontext fügt. Genau das ist mir<br />

mit meinen Bil<strong>der</strong>n aus den USA gelungen. Ich war auf <strong>der</strong><br />

Suche nach einer Szenerie vor religiösem Hintergr<strong>und</strong>, um<br />

die Gedanken des Betrachters in die richtige Richtung zu<br />

lenken. Manchmal fällt einem solch ein Ort sofort ins Auge,<br />

in an<strong>der</strong>en Situationen half es, sich zu einem geeigneten Ort<br />

66 PoRtRätFotogRaFie


LOCATION-PORTRÄTS<br />

„<strong>Der</strong> Ort sollte den<br />

Charakter einer<br />

Person wi<strong>der</strong>spiegeln.“<br />

Perfekte <strong>Porträt</strong>s<br />

Vier Schritte zum perfekten <strong>Porträt</strong> mit natürlichem Licht <strong>und</strong> Reflektor<br />

durchzufragen. Das geht beson<strong>der</strong>s unter Zeitdruck bedeutend<br />

schneller als eine zeitraubende Recherche im Internet.“<br />

Lei<strong>der</strong> geht auch den Profis längst nicht jedes Bild so schnell<br />

von <strong>der</strong> Hand, wie man es gerne hätte, <strong>und</strong> fast je<strong>der</strong> Fotograf<br />

weiß von beinahe katastrophalen Aufträgen zu berichten – so<br />

auch Will Amlot: „Einst sollte eine alte Farm als atmosphärischer<br />

Ort für ein Shooting herhalten. Alles verlief problemlos<br />

– bis zu dem Zeitpunkt, als ich den Stecker meiner Blitzanlage in<br />

die Steckdose steckte <strong>und</strong> sofort die Sicherungen heraussprangen.<br />

Ärgerlicherweise waren das noch alte Schmelzsicherungen<br />

<strong>und</strong> kein Laden in <strong>der</strong> Umgebung hatte diesen Typ noch auf<br />

Lager. Also musste eine vorübergehende Behelfslösung herhalten<br />

<strong>und</strong> ich überbrückte die Sicherungen mit dem Aluminiumpapier<br />

eines Schokoriegels.”<br />

Auch Mark Johnson hat eine Story parat: „Ich hatte den Auftrag,<br />

einen Minister in London in seinem Büro zu fotografieren.<br />

Es war <strong>der</strong> erste Auftrag für einen neuen Auftraggeber. Entstehen<br />

sollte das Titelbild für ein Magazin – entsprechend hoch<br />

bezahlt wurde <strong>der</strong> Job. Es war stressig <strong>und</strong> die Person hatte nur<br />

wenig Zeit. Geplant war, dass <strong>der</strong> Minister erst von einem Journalisten<br />

interviewt werden sollte, ich sollte mich hingegen um<br />

die Fotos kümmern. Für den gesamten Termin waren 45 Minuten<br />

eingeplant, von denen <strong>der</strong> Journalist bereits 42 Minuten für<br />

sein Interview benötigte. Da ich während des Interviews nicht in<br />

das Zimmer durfte, musste also alles schnell gehen. Ich fertigte<br />

einige Testfotos an, um die Lichtbedingungen einschätzen zu<br />

können, <strong>und</strong> <strong>der</strong> Minister verließ den Raum. Er dachte, dass ich<br />

fertig gewesen sei, <strong>und</strong> flog zu seinem nächsten Termin nach<br />

New York. Auch wenn Zeitdruck zum Alltag gehört, benötige<br />

ich doch mehr als nur ein paar Sek<strong>und</strong>en, um ein ansprechendes<br />

Foto zu schießen.”<br />

Von Problemen bleibt man nicht verschont, James Eckersley<br />

kann genauso davon erzählen wie seine Kollegen: „Ich hatte<br />

bereits einige herausfor<strong>der</strong>nde <strong>Porträt</strong>shootings, bei denen die<br />

abzubildenden Personen einfach einen viel zu eng gestrickten<br />

Terminplan mitbrachten o<strong>der</strong> bei denen mir die Location,<br />

beziehungsweise das Wetter einen Strich durch die Rechnung<br />

machten. Wenn man vor Ort eintrifft <strong>und</strong> ein trostloses Fleckchen<br />

Erde vorfindet, dass kein bisschen inspiriert, muss man<br />

dennoch versuchen, das Beste aus <strong>der</strong> Sache zu machen. Egal<br />

wie die Bedingungen sind: Man sollte immer mindestens zwei<br />

Ansätze im Voraus planen, die sich auch unabhängig von Ort<br />

<strong>und</strong> Wetter durchziehen lassen. Darauf kann man dann zurückgreifen,<br />

wenn alles an<strong>der</strong>e zu scheitern droht. Außerdem lässt<br />

sich immer die Tiefe <strong>der</strong> Schärfenebene verringern, um den Hintergr<strong>und</strong><br />

auszublenden.“<br />

Trotz <strong>der</strong> vielen Problemquellen wird die Arbeit außerhalb<br />

des Studios bei vielen Fotografen favorisiert. Mark Johnson<br />

erzählte uns von einem seiner Lieblingsprojekte in Russland:<br />

„Nicht nur die Orte <strong>und</strong> <strong>der</strong>en Umgebung faszinierte mich, auch<br />

die Art <strong>der</strong> Beziehung, die sich zu den Menschen in dieser<br />

Gegend aufbauen ließ, beeindruckte mich sehr. Auch wenn wir<br />

nicht dieselbe Sprache gesprochen haben, wurde ich regelmäßig<br />

eingeladen, um die Familien kennenzulernen <strong>und</strong> etwas mit<br />

ihnen zu trinken.“<br />

Noch beeindrucken<strong>der</strong> für James war hingegen eines seiner<br />

kommerziellen Projekte: „The Last Few ist ein Buch mit <strong>Porträt</strong>s<br />

<strong>der</strong> Piloten, die an <strong>der</strong> Schlacht um Großbritannien mitwirkten<br />

– wirklich beeindruckende Menschen. Alle wurden in ihrem<br />

Zuhause mit einer mobilen Studioausstattung fotografiert. Mit<br />

dem Buch möchte ich betonen, welche Leistungen diese Men-<br />

Suchen Sie sich eine Location: Es ist vorteilhaft,<br />

einen Ort zu wählen, an dem es keine<br />

1<br />

direkte Sonneneinstrahlung gibt, wie hier unterhalb<br />

einer Anlegestelle. Ansonsten entstehen<br />

hässliche <strong>und</strong> harte Schatten. Außerdem steuern<br />

Sie durch einen Platz im Schatten einem<br />

angestrengten Blick des Models entgegen.<br />

Machen Sie einige Testaufnahmen, um<br />

3 das richtige Belichtungsverhältnis zwischen<br />

Model <strong>und</strong> Hintergr<strong>und</strong> herzustellen. Solange<br />

keine Schatten absaufen <strong>und</strong> keine Lichter ausbrennen,<br />

können Sie das Material ohne Probleme<br />

nachbearbeiten. Wir stellten fest, dass eine<br />

Gesichtshälfte dunkler ist als die an<strong>der</strong>e <strong>und</strong><br />

wirkten dem mit einem Reflektor entgegen.<br />

DUNKLER HINTERGRUND<br />

MOTIV<br />

NATÜRLICHE LICHTQUELLE<br />

REFLEKTOR<br />

Lichtaufbau 3<br />

Einstellungen an <strong>der</strong> Kamera vornehmen:<br />

2 Auch unter <strong>der</strong> Anlegestelle gibt es noch<br />

genügend Licht, um die Empfindlichkeit gering<br />

zu halten. Hier können wir mit ISO200 noch<br />

eine akzeptable Belichtungszeit von 1/200sek<br />

bei f/4 erreichen. Je nach Hintergr<strong>und</strong> können<br />

Sie vor allem mit <strong>der</strong> Blende spielen.<br />

Unterhalten Sie sich mit Ihrem Model,<br />

4 um die besten Ergebnisse zu erhalten. Ein<br />

Gespräch entspannt die Situation. Zudem<br />

können Sie währenddessen viel leichter<br />

Anweisungen geben, ohne dass Sie einen<br />

unfre<strong>und</strong>lichen Eindruck hinterlassen <strong>und</strong> die<br />

Stimmung drücken.<br />

FARBE<br />

Nachbearbeitung<br />

verbessert in vielen<br />

Fällen das Ergebnis<br />

Bilddetails: Nikon<br />

D5100 mit 12–24-mm-<br />

Objektiv bei 24mm, f/4<br />

<strong>und</strong> 1/200 Sek., ISO200<br />

MONO<br />

Konvertieren in Schwarz-<br />

Weiß ist ein gerne genutzter<br />

Effekt <strong>und</strong> bringt den<br />

Tonus <strong>der</strong> Haut sehr gut<br />

zur Geltung.<br />

Bilddetails: Nikon D5100<br />

mit 12–24-mm-Objektiv<br />

bei 24mm, f/4 <strong>und</strong> 1/200<br />

Sek., ISO200<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 67


TECHNIKEN<br />

© Will Amlot<br />

ARBEITERIN<br />

Ein Arbeiterin fotografiert<br />

in Suffolk. Die<br />

Sonne wurde effektvoll als<br />

Hintergr<strong>und</strong>licht genutzt.<br />

Bilddetails: Canon EOS-<br />

1Ds Mark III bei 28mm, f/11<br />

<strong>und</strong> 1/200 Sek., ISO160<br />

„Es ist einfach unglaublich, wie einem die<br />

<strong>Fotografie</strong> Tür <strong>und</strong> Tor öffnen kann!“<br />

schen für ihr Land vollbracht haben.”<br />

Genauso wie Beinahe-Katastrophen gehören aber auch<br />

Glücksmomente zum Fotografenleben. Daher erstaunt uns<br />

nicht, dass auch Will Amlot eine entsprechende Geschichte<br />

zu erzählen hat: „Mein persönliches Highlight ist das<br />

<strong>Porträt</strong>ieren von Nelson Mandela gewesen“, erzählte er<br />

uns. „Ich war sehr aufgeregt <strong>und</strong> musste einige Probleme<br />

bewältigen. Durch Kommunikationsschwierigkeiten<br />

erfuhr ich erst zehn Minuten vor dem Termin, dass es mir<br />

aufgr<strong>und</strong> seiner ges<strong>und</strong>heitlichen Probelme erlaubt wurde,<br />

lediglich nur ein einziges Bild zu machen, bei dem wie<strong>der</strong>um<br />

nur <strong>der</strong> Einsatz eines einzigen Blitzes gestattet war.<br />

Also hatte ich nur eine Chance, bei <strong>der</strong> alles perfekt laufen<br />

musste. Natürlich fühlte ich mich deswegen unter Druck<br />

gesetzt. Dazu kommt, dass man eine solche Persönlichkeit,<br />

die die Geschichte verän<strong>der</strong>te <strong>und</strong> ein großes Idol von mir<br />

selbst ist, nicht jeden Tag trifft – geschweige denn fotografieren<br />

kann. Glücklicherweise gelang <strong>der</strong> eine Versuch <strong>und</strong><br />

<strong>der</strong> Termin brannte sich fest in mein Bewusstsein ein – als<br />

unvergessliches Erlebnis. Es ist einfach unglaublich, wie<br />

einem die <strong>Fotografie</strong> die Tore öffnet, solch bedeutenden<br />

Menschen in die Augen zu blicken!“<br />

Ausrüstung Unsere Empfehlungen für gute <strong>Fotografie</strong>-Ergebnisse außerhalb des Studios<br />

Reflektor<br />

Empfohlen: Lastolite 7231<br />

6x4ft Silver/White reflectors<br />

Preis: ca. € 100<br />

Web: www.lastolite.de<br />

Ein vielseitiger Reflektor wie <strong>der</strong><br />

Lastolite 7231 ist ideal für den<br />

Außeneinsatz in <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie.<br />

Eine große Oberfläche<br />

ermöglicht es, viel Licht zu<br />

reflektieren – egal ob als Fülllicht<br />

o<strong>der</strong> um Hintergründe<br />

auszuleuchten.<br />

Mobile Blitzanlage<br />

Empfohlen: Elinchrom Ranger<br />

Quadra RX Set A<br />

Preis: Ca. € 2.500<br />

Web: www.profot.de<br />

Für alle, die unabhängig von<br />

Steckdosen sein möchten, ist ein<br />

mobiles Blitzsystem unverzichtbar.<br />

Das Elinchrome Ranger Quadra<br />

RX Set besitzt eine Leistung<br />

von 400 Watt, verfügt über zwei<br />

Köpfe mit Halterung, zwei Batterien,<br />

ein Universalladegerät <strong>und</strong><br />

Verbindungskabel.<br />

Batteriepack<br />

Empfohlen: Bowens Travelpack<br />

(klein)<br />

Price: Ca. €650<br />

Web: www.bowensdirect.com<br />

Manchmal benötigen Sie auch<br />

unterwegs Strom. Dafür ist<br />

das Bowens Travelpack ideal.<br />

Es stellt Ihnen bis zu 3.000<br />

Watt zur Verfügung, eine<br />

Akkuladung hält im Schnitt<br />

350 Auslösungen durch.<br />

Hochauflösende<br />

Kamera<br />

Empfohlen: Pentax 645D<br />

Price: Ca. € 6.000 (Body)<br />

Web: www.pentax.de<br />

Für die bestmögliche Bildqualität<br />

benötigen Sie eine Kamera,<br />

die auch feinste Details auflösen<br />

kann. Die Pentax 645D ist<br />

eine noch kompakte Mittelformatkamera<br />

mit 40 Megapixeln<br />

<strong>und</strong> <strong>der</strong> Fähigkeit, auch kleinste<br />

Details abzubilden.<br />

Systemblitz<br />

Empfohlen: Canon Speedlite<br />

430EX II<br />

Preis: Ca. € 220<br />

Web: www.canon.de<br />

Ein Systemblitz ist die einfachste<br />

Möglichkeit für ein schnell zu<br />

konfigurierendes Fülllicht. <strong>Der</strong><br />

Canon Speedlite 430EX II<br />

besitzt genügend Leistung <strong>und</strong><br />

eine schnelle Regenerationszeit<br />

bei geringen<br />

Abmessungen.<br />

<strong>Der</strong><br />

Speedlite<br />

430EX II<br />

kann auch<br />

als kabelloser<br />

Slave-Blitz<br />

genutzt werden.<br />

68 PORTRÄTFOTOGRAFIE


loCation-<strong>Porträt</strong>s<br />

von diesen fantastischen<br />

Inspiriert sein Location-<strong>Porträt</strong>s!<br />

emma<br />

Goul<strong>Der</strong><br />

emma zur<br />

entstehung dieses<br />

Fotos: „Die Kleidung<br />

sollte möglichst<br />

nicht in farblicher<br />

Konkurrenz zum<br />

starken Gelb des<br />

rapsfeldes stehen.<br />

Zudem benutzte<br />

ich einen externen<br />

blitz <strong>und</strong> einen<br />

reflektor, um die<br />

lichtbedingungen<br />

meinen Wünschen<br />

anzupassen.“<br />

Bilddetails: Canon<br />

eos 40D mit<br />

17–85-mm-objektiv<br />

bei 28mm, f/13 <strong>und</strong><br />

1/125 sek., iso100<br />

© emma Goul<strong>der</strong><br />

© David Constable<br />

DaviD Constable<br />

entstanden in Dungeness, Kent<br />

an einem späten sommerabend. David<br />

zur entstehung: „Wir waren zunächst an<br />

einem an<strong>der</strong>en ort <strong>und</strong> fuhren schnell nach<br />

Dungeness, um das letzte sonnenlicht des<br />

tages für dieses effektvolle Foto zu nutzen.“<br />

Bilddetails: nikon D300 mit 24-70mm-objektiv<br />

bei 24mm, f/2.8 <strong>und</strong> 1/1200 sek.,<br />

iso200<br />

<strong>Der</strong>eK smith<br />

<strong>Der</strong>ek wollte sein neues 50-mmf/1.8-objektiv<br />

ausprobieren – <strong>und</strong> welches<br />

motiv würde da besser passen als die kleine<br />

tochter seines Fre<strong>und</strong>es, die vorher noch<br />

nie modell für ein Foto stehen musste. er<br />

erklärt: „ich mag die natürlichkeit in diesem<br />

Foto. <strong>Der</strong> Garten stellt eine menge Farben<br />

im hintergr<strong>und</strong> zur verfügung. Zur besseren<br />

ausleuchtung versuchte meine Frau, mithilfe<br />

eines weißen blatts Papier etwas licht<br />

von <strong>der</strong> linken seite aus zu reflektieren.“<br />

Bilddetails: Canon eos 500D bei 50mm,<br />

f/4.5 <strong>und</strong> 1/640 sek., iso100<br />

© <strong>Der</strong>ek smith<br />

<strong>Porträt</strong>FotoGraFie 69


TECHNIKEN<br />

Graustufen<br />

meistern<br />

Es ist an <strong>der</strong> Zeit, die Farben für einen Moment<br />

zu vergessen <strong>und</strong> sich <strong>der</strong> zeitlosen Wirkung <strong>der</strong><br />

Schwarz-Weiß-<strong>Fotografie</strong> zu widmen.<br />

Model Gina Godfrey<br />

Styling by Sian Stone www.sianstone.co.uk<br />

Viel zu oft im digitalen Zeitalter wird<br />

das Konvertieren in Graustufen als<br />

Notlösung für Problembil<strong>der</strong> betrachtet;<br />

einige wenige Klicks <strong>und</strong> das<br />

farbliche Unvermögen des Fotografen<br />

ist ausgebügelt.<br />

Zu Zeiten <strong>der</strong> analogen <strong>Fotografie</strong> hingegen war<br />

es noch an<strong>der</strong>s. Kein Fotograf wäre damals je auf die<br />

Idee gekommen, ein Schwarz-Weiß-Foto aus Sicherheitsgründen<br />

zu machen – wohl auch, weil man sich<br />

bereits im Voraus darüber im Klaren sein musste, ob<br />

man in Farbe o<strong>der</strong> in Graustufen fotografieren möchte.<br />

Je nach Genre gab es auch unterschiedliche Vorlieben.<br />

So schwörten viele <strong>Landschafts</strong>fotografen auf<br />

das legendäre Filmmaterial des Fujichrome Velvia<br />

50, während in <strong>der</strong> Kamera von Reportagefotografen<br />

meist ein Kodak Tri-X o<strong>der</strong> ein ähnlicher Schwarz-<br />

Weiß-Film schlummerte.<br />

Die Idee, ein Farbfoto durch Umwandeln retten zu<br />

wollen, war den meisten Fotografen zu dieser Zeit<br />

noch komplett fremd, da kaum jemand in die Nachbearbeitung<br />

seiner eigenen Bil<strong>der</strong> involviert gewesen<br />

war. Für viele bedeutete die Bezeichnung „post<br />

production” nicht mehr, als die Fotos im eigenen<br />

Bildarchiv abzulegen.<br />

<strong>Der</strong> einsetzende Siegeszug von Programmen wie<br />

Photoshop verän<strong>der</strong>te die Situation jedoch. Haben<br />

Sie den falschen Weißabgleich genutzt, falsch<br />

belichtet o<strong>der</strong> war die Beleuchtung suboptimal? Kein<br />

Problem: Wandeln Sie das Farbfoto in ein Schwarz-<br />

Weiß-Bild um!<br />

Manchmal mag das sogar wie gewünscht funktionieren,<br />

doch zu viele Fotografen vertrauen darauf.<br />

Dabei denken diese aber zu selten daran, dass ein<br />

Umwandeln in Graustufen eine an<strong>der</strong>e Sichtweise<br />

benötigt, als es bei Farbfotos <strong>der</strong> Fall ist. Gerade bei<br />

<strong>Porträt</strong>s ist ein solches Denken jedoch wichtig. Auf<br />

den folgenden Seiten zeigen wir Ihnen die Vorteile<br />

eines Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong>s <strong>und</strong> was Sie dabei<br />

beachten sollten.<br />

70 PorTräTFoToGraFIE


SCHWARZ-WEISS<br />

MONOMAGIE<br />

Trainieren Sie Ihr Auge darauf,<br />

schon vor dem Auslösen<br />

in Schwarz-Weiß zu sehen,<br />

um bessere Ergebnisse zu<br />

erhalten.<br />

Gründe für<br />

Fotos in<br />

5Schwarz-Weiß<br />

Reduzierung auf das Wesentliche<br />

01 Durch den Verzicht auf Farben muss sich das Auge<br />

des Betrachters auf an<strong>der</strong>e Dinge konzentrieren.<br />

02 Zeitlosigkeit<br />

Ein Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong> besitzt ein klassisches<br />

Aussehen, dass nur sehr schwer in Farbe zu reproduzieren ist.<br />

03 Textur<br />

Im Gegensatz zu einem Farbfoto rückt in Schwarz-<br />

Weiß die Textur des Motivs in den Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong>.<br />

04 Kontrast<br />

Entdecken Sie die Welt des Kontrasts – <strong>der</strong><br />

Unterschied zwischen hell <strong>und</strong> dunkel ist hier stilprägend.<br />

Formen nutzen<br />

05 Formen <strong>und</strong> Umrisse sind bei <strong>der</strong> Schwarz-Weiß-<br />

<strong>Fotografie</strong> sehr wichtig, um den Blick des Betrachters zu<br />

lenken. In Farbe ist dies schwieriger.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 71


TECHNIKEN<br />

Die Lichtanlage<br />

richtig einstellen<br />

Kann man für High- <strong>und</strong> Low-Key-<strong>Fotografie</strong>n<br />

dasselbe Lichtsetup nutzen?<br />

Ja <strong>und</strong> so stellen Sie Ihre Lichtanlage<br />

richtig auf <strong>und</strong> ein.<br />

Den Hintergr<strong>und</strong> ausleuchten<br />

Mithilfe von Flügelblenden können Sie die Licht<br />

menge <strong>und</strong> den Ausleuchtungswinkel kontrollieren.<br />

Für High-Key-<strong>Porträt</strong>s nutzen wir einen weiten Winkel mit<br />

großer Ausleuchtungsfläche. Verringern Sie den Winkel<br />

<strong>und</strong> die Leistung des Hauptblitzes für Low-Key-<strong>Porträt</strong>s.<br />

AUSSTRAHLUNG<br />

Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong>s sind<br />

ideal für männliche Models,<br />

um eine Hauch von Autorität<br />

abzubilden<br />

Das Reduzieren auf Graustufen bedeutet auch<br />

gleichzeitig eine Reduzierung unserer Wahrnehmung<br />

auf das Wesentliche. Wir begegnen tagtäg-<br />

lich Tausenden Farben <strong>und</strong> unser Gehirn verbindet<br />

mit je<strong>der</strong> einzelnen Farbe etwas – mit beson<strong>der</strong>s<br />

intensiven Farben wie Rot, Grün o<strong>der</strong> Blau verbinden<br />

wir sogar oft Emotionen.<br />

Fotografen machen davon sehr oft Gebrauch<br />

in ihren Werken – natürlich mit dem Blick darauf,<br />

dass die Farben miteinan<strong>der</strong> harmonieren. Viele<br />

<strong>der</strong> bekanntesten <strong>Landschafts</strong>aufnahmen erhielten<br />

die Erfolg bringende Aufmerksamkeit nur, weil<br />

die in <strong>der</strong> Szene präsenten Farben eine instinktive<br />

Reaktion in den Betrachtern auslösten <strong>und</strong> perfekt<br />

miteinan<strong>der</strong> harmonierten.<br />

Dennoch sollten wir unsere Umgebung nicht<br />

ausschließlich auf Farben reduzieren. Die nicht auf<br />

den ersten Blick erkennbaren Reize von Kontrast,<br />

Feinzeichnung <strong>und</strong> Umrissen gehen viel zu oft im<br />

Rausch <strong>der</strong> Farben unter – genau hier kommt die<br />

Schwarz-Weiß-<strong>Fotografie</strong> ins Spiel.<br />

Entfernt man die Farben aus <strong>der</strong> Wahrnehmung,<br />

bleibt uns nichts an<strong>der</strong>e übrig, als uns auf den<br />

Rest des Bildes zu konzentrieren. Jetzt rücken<br />

Kontrast <strong>und</strong> Umrisse in den Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> <strong>und</strong> wir<br />

nehmen dieses verstärkt wahr. An<strong>der</strong>s als bei<br />

<strong>der</strong> <strong>Landschafts</strong>fotografie können Farben beim<br />

<strong>Porträt</strong>ieren schnell zum Problem werden. Die<br />

falsche Auswahl <strong>der</strong> Kleidung kann die komplette<br />

Bildwirkung zerstören. Auch Hauttöne sind selten<br />

perfekt harmonisch, dasselbe Problem gibt es oft<br />

auch zwischen Haarfarbe <strong>und</strong> Augenfarbe.<br />

In dem Genre <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie wurde die<br />

Arbeit ohne Farbe daher schon lange dann praktiziert,<br />

wenn sich <strong>der</strong> Betrachter voll <strong>und</strong> ganz<br />

auf den Ausdruck, die Struktur <strong>und</strong> damit auch<br />

auf den Charakter des Abgebildeten konzentrieren<br />

sollte. Während unsaubere, faltige Haut auf<br />

einem Farbfoto fast immer abstoßend <strong>und</strong> unattraktiv<br />

empf<strong>und</strong>en wird, kehrt sich die Wirkung<br />

in Schwarz-Weiß beinahe komplett um. Das<br />

bedeutet aber nicht, dass Sie mit ein wenig Nachbearbeitung<br />

aus jedem misslungenen Bild ein<br />

geniales Werk machen können. Um das Beste aus<br />

<strong>der</strong> Technik herauszuholen, müssen Sie abseits<br />

<strong>der</strong> klassischen Komposition vor allem bei <strong>der</strong><br />

Beleuchtung einige Regeln beachten. Auch bei<br />

<strong>der</strong> Kleidung sollten Sie bereits vorher in Graustufen<br />

denken, um nicht vom Ergebnis enttäuscht<br />

zu werden.<br />

Das Model ausleuchten<br />

All unsere Graustufenporträts wurden mit einer Softbox<br />

ausgeleuchtet. Eine Positionierung seitlich oberhalb<br />

des Models sorgt für interessanten Schattenwurf, <strong>der</strong> sich<br />

schon durch leichte Positionsverän<strong>der</strong>ung variieren lässt.<br />

Flexibel sein<br />

Wir tauschten beim Wechsel zwischen High- <strong>und</strong><br />

Low-Key-<strong>Porträt</strong>s den Hintergr<strong>und</strong> aus. Nutzten wir bei<br />

High-Key-Aufnahmen noch einen hellen Hintergr<strong>und</strong>, so<br />

setzten wir beim Low-Key-Pendant auf einen schwarzen<br />

Hintergr<strong>und</strong>, um einen größeren Kontrast zwischen<br />

Gesicht <strong>und</strong> dem übrigen Bildinhalt zu schaffen.<br />

72 PORTRÄTFOTOGRAFIE


Schwarz-weiSS<br />

Wie funktioniert das?<br />

Chiaroscuro<br />

Dieses Wort stammt aus dem Italienischen <strong>und</strong> bedeutet so viel wie die gleichzeitige<br />

Präsentation von Hell <strong>und</strong> Dunkel. Das Zusammenspiel von hellen <strong>und</strong><br />

dunklen Bildbereichen erinnert je nach Bildaufbau an eine spärliche Beleuchtung<br />

wie durch Kerzenschein. Dadurch kann <strong>der</strong> Vintage-Eindruck eines<br />

Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong>s zusätzlich verstärkt werden.<br />

<strong>Porträt</strong>FotograFie 73


TecHnIKen<br />

Einer <strong>der</strong> Gründe, warum Fotografen immer wie<strong>der</strong><br />

gerne auf die Schwarz-Weiß-Technik zurückgreifen,<br />

ist <strong>der</strong> dem Auge schmeichelnde Effekt, alles an<strong>der</strong>e<br />

als perfekte Strukturen <strong>und</strong> Töne auf interessante Art<br />

<strong>und</strong> Weise abzubilden. Ein ähnlicher Weg wird auch<br />

bei Low-Key-<strong>Porträt</strong>s bestritten, bei denen ein starker<br />

Kontrast zwischen beleuchteten <strong>und</strong> im Dunkel<br />

liegenden Szenen des Bildes verwendet wird. Früher<br />

wäre das eine relativ wirklichkeitsgetreue Abbildung<br />

<strong>der</strong> Beleuchtung in einem durchschnittlichen Wohn-<br />

raum. Diese Annahme zeigt wie<strong>der</strong>, wie wichtig eine<br />

sorgfältige Ausleuchtung ist. <strong>Der</strong> einfachste Weg, um<br />

einen solchen Effekt zu erreichen, ist, nur eine Lichtquelle<br />

zu nutzen. Achten Sie darauf, dass Ihr Modell<br />

dunkle Kleidung trägt. So ist sichergestellt, dass kein<br />

weiterer heller Bildbestandteil existiert <strong>und</strong> vom<br />

Gesicht ablenkt. Einen Blitz sollten Sie mit reduzierter<br />

Leistung nutzen o<strong>der</strong> eine größere Blendenzahl an<br />

<strong>der</strong> Kamera einstellen. Manch ein Fotograf würde<br />

eine High-Key-Ausleuchtung nicht als Erstes mit<br />

einem Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong> in Verbindung bringen,<br />

da die Gefahr des Zulaufens <strong>der</strong> Schatten besteht. Es<br />

wird dennoch immer wie<strong>der</strong> bewiesen, dass auch so<br />

sehr ansehnliche Ergebnisse entstehen können. Sehr<br />

nützlich ist es übrigens, seine Kamera im RAW-Modus<br />

zu betreiben <strong>und</strong> die Bildvorschau auf Graustufen<br />

umzustellen. So können Sie viel genauer einschätzen,<br />

an welchen Stellen es zu Problemen kommen<br />

könnte <strong>und</strong> welche Einstellungen die richtigen für die<br />

jeweilige Szene sind.<br />

Schwarz-Weiß-Profis ausgefragt<br />

Wir sprachen mit Profi-Fotograf Ian Hearnshaw darüber, warum Schwarz-<br />

Weiß-<strong>Porträt</strong>s auch bei Kin<strong>der</strong>n <strong>und</strong> Säuglingen ansprechend aussehen.<br />

Name: Ian Hearnshaw<br />

Bio: Ian ist freiberuflicher<br />

<strong>Porträt</strong>- <strong>und</strong> Hochzeitsfotograf<br />

<strong>und</strong> arbeitet in Kooperation<br />

mit seinem Kollegen Pippa<br />

Mackenzie. Neben dem<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Menschen<br />

besitzt er auch die Vorliebe<br />

<strong>der</strong> Autofotografie.<br />

www.pippamackenzieportraits.com<br />

www.twistedvintageportraits.com<br />

Warum genießt Schwarz-Weiß so große Popularität<br />

für <strong>Porträt</strong>s?<br />

Es ist ein klassischer, zeitloser Stil, <strong>der</strong> eine Qualität besitzt,<br />

den man mit Farbfotos schlecht nachahmen kann.<br />

Modeerscheinungen kommen <strong>und</strong> gehen, doch<br />

Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong>s werden immer ihre Berechtigung<br />

haben. Meine K<strong>und</strong>en fühlen sich nach wie vor zu<br />

Schwarz-Weiß-Fotos hingezogen – da liegt die Vermutung<br />

doch nahe, dass vielen etwas an Farbfotos fehlt.<br />

Was bedeutet das für Fotos von Kin<strong>der</strong>n?<br />

Die Schwarz-Weiß-<strong>Fotografie</strong> trägt einen quasi zurück zu<br />

den Gr<strong>und</strong>lagen. Auf Farbfotos werden wir von einer<br />

Armada von Farben bombardiert, die unsere Wahrnehmung<br />

einschränkt. Beschränken wir uns nun auf Graustufen,<br />

so bleibt dem Betrachter nichts an<strong>der</strong>e übrig, als<br />

auf Licht, Textur, Komposition <strong>und</strong> Emotionen zu achten.<br />

Manch einer ist <strong>der</strong> Meinung, Schwarz-Weiß sei nur<br />

noch eine Notlösung für misslungene Fotos. Was<br />

halten Sie von dieser Ansicht?<br />

Ein Farbfoto mit schlechter Beleuchtung <strong>und</strong> schrecklicher<br />

Komposition ist auch in Schwarz-Weiß noch schlecht<br />

beleuchtet <strong>und</strong> schrecklich komponiert.<br />

Was muss beim <strong>Fotografie</strong>ren in Schwarz-Weiß<br />

beachtet werden?<br />

Sie müssen in Schwarz-Weiß denken. Ohne Farbe besteht<br />

Ihr Foto nur noch aus Licht, Textur <strong>und</strong> Schemen. Licht<br />

<strong>und</strong> Schatten erhalten nun eine ganz neue, wichtigere<br />

Bedeutung. Licht von <strong>der</strong> Seite o<strong>der</strong> eine Lichtreflexion im<br />

Auge können über Gelingen o<strong>der</strong> Misslingen des Fotos<br />

entscheiden. Kreativität bei <strong>der</strong> Beleuchtung macht ein<br />

gutes Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong> aus.<br />

Welche Methode <strong>der</strong> Umwandlung bevorzugen Sie?<br />

Benutzen Sie stets dieselbe o<strong>der</strong> variiert das von<br />

Bild zu Bild?<br />

Es gibt keine Methode, die mit jedem Bild funktioniert.<br />

Jedes Foto muss an<strong>der</strong>s bearbeitet werden, um das Maximum<br />

herauszuholen. Ich nutze dafür Lightroom, da <strong>der</strong><br />

Workflow sehr an die analoge Arbeit in <strong>der</strong> Dunkelkammer<br />

angelehnt ist. Das muss aber je<strong>der</strong> für sich selbst entscheiden.<br />

© Ian Hearnshaw<br />

© Ian Hearnshaw<br />

KIn<strong>der</strong> In ScHwarz-weISS<br />

Ian Hearnshaw verzichtet regelmäßig auf<br />

Farben, wenn er Kin<strong>der</strong> fotografiert.<br />

© Ian Hearnshaw<br />

74 PorTräTFoTograFIe


schwarz-weiss<br />

Kontrast<br />

Dieses Foto lebt von <strong>der</strong><br />

art Kontrast, die mit einem<br />

Farbfoto nicht zu vermitteln<br />

gewesen wäre. Die Kleidung<br />

des Models ist ein wichtiger<br />

Bildbestandteil dabei.<br />

Wie<br />

funktioniert<br />

das?<br />

Herausstechende Texturen<br />

Dieses High-Key-Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong><br />

zeigt, wie wichtig Texturen in <strong>der</strong> Schwarz-<br />

Weiß-<strong>Fotografie</strong> sind. Die Feinheiten in<br />

den Haaren <strong>und</strong> dem Oberteil des Models<br />

werden deutlich stärker herausgearbeitet,<br />

als es mit einem Farbfoto <strong>der</strong> Fall wäre. Mit<br />

gelungener Nachbearbeitung wird dieser<br />

Effekt noch weiter verstärkt.<br />

<strong>Porträt</strong>FotograFie 75


TECHNIKEN<br />

ÄLTERE MENSCHEN<br />

<strong>Porträt</strong>s älterer Menschen sind das<br />

perfekte Anwendungsgebiet für die<br />

Umwandlung in Graustufen, um den<br />

Charakter, transportiert durch die<br />

Gesichtszüge, hervorzuheben.<br />

76 PORTRÄTFOTOGRAFIE


Schwarz-weiSS<br />

Während es ganz nützlich sein kann, die Bildvorschau<br />

auf Graustufen umzustellen, sollten Sie<br />

eines vermeiden: die in <strong>der</strong> Kamera integrierten<br />

<strong>und</strong> somit auf das JPEG-Format eingeschränkten<br />

Schwarz-Weiß-Programme zu nutzen. Sie erreichen<br />

ein wesentlich besseres Ergebnis, wenn Sie<br />

das RAW-Format einsetzen <strong>und</strong> das Umwandeln<br />

später in Photoshop, Lightroom o<strong>der</strong> Nik Silver<br />

Efex Pro 2 manuell durchführen. Verlassen Sie sich<br />

außerdem nicht vollständig auf das Display Ihrer<br />

Kamera. Zwar sind diese qualitativ schon deutlich<br />

besser geworden, doch die hohe Pixeldichte lässt<br />

die <strong>Vorschau</strong> in vielen Fällen besser aussehen,<br />

als das Bild letzten Endes am Computermonitor<br />

aussieht. Übrigens ist das RAW-Format generell zu<br />

bevorzugen. Schränken Sie sich selbst <strong>und</strong> Ihre<br />

Kamera ein, indem Sie ausschließlich JPEG-Dateien<br />

speichern, so sind Sie zu 100 Prozent an die<br />

Algorithmen <strong>der</strong> Kamera geb<strong>und</strong>en. Eine nachträgliche<br />

Bearbeitung <strong>der</strong> RAW-Dateien besitzt<br />

nicht nur einen größeren Tonwertumfang, auch<br />

die Algorithmen von Lightroom <strong>und</strong> Co. sind leistungsstärker<br />

– zudem steht mehr Rechenleistung<br />

für aufwendigere Bearbeitungen zur Verfügung.<br />

Das wichtigste bei Schwarz-Weiß-Fotos ist die<br />

Balance zwischen Lichtern <strong>und</strong> Schatten. Daher<br />

Texturen in <strong>Porträt</strong>s betonen<br />

sollten Sie immer den größten Dynamikumfang<br />

des Sensors zur Weiterverarbeitung nutzen. Gerade<br />

das Kontrastverhältnis kann dadurch stark<br />

profitieren, für die Mikrokontraste steht in Adobe<br />

Camera RAW <strong>der</strong> Regler „Klarheit” zur Verfügung<br />

– sehr nützlich für Schwarz-Weiß-<strong>Porträt</strong>s. Mit<br />

etwas Erfahrung werden Sie die für Sie wichtigen<br />

Einstellungen herausfinden. Letztlich ist es immer<br />

eine Sache des Geschmacks, welche Einstellung<br />

um welchen Wert verän<strong>der</strong>t werden muss. Nehmen<br />

Sie sich dennoch stets die Zeit <strong>und</strong> verarbeiten<br />

Sie jedes Bild einzeln, statt die Stapelverarbeitung<br />

zu benutzen.<br />

01 kLarheitSreGLer<br />

Öffnen Sie das Foto in Photoshop, erstellen Sie<br />

eine Schwarz-Weiß-Ebene <strong>und</strong> ziehen Sie den Klarheitsregler<br />

ganz nach rechts.<br />

bLaukanaL betonen<br />

02 Öffnen Sie die Eigenschaften <strong>der</strong> Farbkanäle <strong>und</strong><br />

ziehen Sie den Regler <strong>der</strong> Blautöne ebenfalls nach rechts,<br />

um die Nuancen <strong>der</strong> Hautoberfläche hervorzuheben.<br />

kontraSt erhöhen<br />

03 Erstellen Sie zwei identische Ebenen des Fotos<br />

<strong>und</strong> definieren Sie eine als Hintergr<strong>und</strong>, die an<strong>der</strong>e als<br />

Anzeigeebene. Verän<strong>der</strong>n Sie mit Rechtsklick <strong>und</strong> gedrückter<br />

Alt-Taste die Deckung nach Ihrem Geschmack.<br />

Schatten <strong>und</strong> Lichter<br />

04 Erstellen Sie eine neue Ebene <strong>und</strong> wählen Sie<br />

mit gedrückter Alt-Taste „Sichtbare zusammenfügen“ aus<br />

dem Ebenenmenü. Klicken Sie danach auf Bild -> Korrekturen<br />

-> Tiefen/Lichter <strong>und</strong> passen Sie die Einstellungen<br />

nach Ihren Vorstellungen an.<br />

aufheLLen <strong>und</strong> abdunkeLn<br />

05 Setzen Sie den Modus einer neuen Ebene auf<br />

„Soft Light“ <strong>und</strong> füllen Sie diese mit 50 Prozent Grau. Nutzen<br />

Sie das Pinselwerkzeug mit geringer Deckkraft <strong>und</strong><br />

füllen Sie Bildbereiche mit Schwarz o<strong>der</strong> Weiß, um diesen<br />

Bereich abzudunkeln o<strong>der</strong> aufzuhellen. Ideal, um Struktur in<br />

<strong>der</strong> Haut hervorzuheben.<br />

06 GauSSScher<br />

unSchärfefiLter<br />

Erstellen Sie eine neue Ebene mit denselben Eigenschaften<br />

wie in Schritt 4. Definieren Sie sie als Anzeigeebene <strong>und</strong><br />

fügen Sie einen Gaußschen Unschärfeeffekt unter Filter -><br />

Unschärfefilter hinzu. In einer Ebenenmaske kennzeichnen<br />

Sie die Bereiche, die Sie aufhellen <strong>und</strong> ausbrennen wollen.<br />

fiLmkorn hinzufüGen<br />

07 Erstellen Sie eine neue Ebene mit den Eigenschaften<br />

aus Schritt 5. Unter Filter -> Rauschfilter -> Rauschen<br />

hinzufügen fügen Sie nun Rauschen mit <strong>der</strong> Option Gaußsche<br />

Normalverteilung hinzu. Arbeiten Sie erneut mit <strong>der</strong><br />

Ebenenmaske, markieren Sie gewünschte Bildbereiche.<br />

ViGnette hinzufüGen<br />

08 Markieren Sie den vollen Umfang des Fotos <strong>und</strong><br />

dunkeln Sie mit einer neuen Ebene die Ecken ab.<br />

09 feintuninG<br />

Nutzen Sie die Gradationskurve für letzte feine<br />

Verän<strong>der</strong>ungen an den Kontrasten. Mit den Ankerpunkten<br />

können Sie viel kleinere Abstufungen benutzen als mit den<br />

Reglern unterhalb des Graphen.<br />

<strong>Porträt</strong>FotograFie 77


TEChnikEn<br />

China<br />

Während eines<br />

gemeinsamen<br />

Mittagessens war das<br />

Eis zwischen Modell <strong>und</strong><br />

Fotograf schnell gebrochen.<br />

Bilddetails: Canon EOS<br />

5D Mark ii mit 16–35-mmf2.8-Objektiv<br />

bei 35 mm<br />

<strong>und</strong> f2.8, 1/100 Sek.,<br />

iSO 100<br />

© Gavin Gough<br />

78 pOrTräTFOTOGraFiE


Gesichter <strong>der</strong> Welt<br />

Gesichter<br />

<strong>der</strong>Welt<br />

Wir erklären, warum<br />

Zwischenmenschlichkeit<br />

genauso wichtig für gute<br />

<strong>Porträt</strong>fotos ist wie das<br />

Beherrschen <strong>der</strong> Technik.<br />

porträtfotoGrafie 79


TEchNIKEN<br />

Kambodscha<br />

Wie dieses<br />

mädchen beweist, helfen<br />

kleine Geschenke, um die<br />

stimmung zu lockern. die in<br />

<strong>der</strong> Nähe stehende Familie<br />

war so begeistert vom ersten<br />

Foto, dass sie darum bat, ein<br />

weiteres Foto zu schießen.<br />

Bilddetails: canon Eos<br />

5d mark II mit 85-mm-f1.2-<br />

objektiv bei 85 mm <strong>und</strong> f1.2,<br />

1/8000 sek., Iso 100<br />

W<br />

enn es darum geht, beeindruckende <strong>Porträt</strong>fotos<br />

von Ihren Reisen nach Hause<br />

zu bringen, kommt es selten alleine auf<br />

den Ort o<strong>der</strong> die technische Kontrolle<br />

Ihres Equipments an. Die wohl am häufigsten<br />

auftretende Frage in <strong>Fotografie</strong>workshops dreht sich<br />

nicht etwa um die Schärfenebene o<strong>der</strong> technische Aspekte <strong>der</strong><br />

<strong>Fotografie</strong>. Es ist viel mehr die, wie man am besten Bil<strong>der</strong> von<br />

Menschen in ihrer natürlichen Umgebung anfertigt.<br />

Unabhängig vom Reiseziel ist es immer wie<strong>der</strong> auffällig,<br />

dass die Fotos, denen wir die meiste Aufmerksamkeit schenken,<br />

nicht etwa aus eindrucksvollen Gebäuden als Motiv<br />

bestehen. Die einheimischen Menschen in ihrer Umgebung<br />

sind für Betrachter viel interessanter. Natürlich ist beispielsweise<br />

ein Foto des Taj Mahal ein eindrucksvoller Anblick,<br />

doch wenn Sie dieses Ihren Fre<strong>und</strong>en <strong>und</strong> Bekannten präsentieren,<br />

so werden unter Garantie nicht die gleichen Anmerkungen<br />

<strong>und</strong> Nachfragen für das eingefangene Tageslicht kommen<br />

wie beim Foto eines Postkarten verkaufenden Jungen<br />

auf <strong>der</strong> belebten Agra Street. Genauso wie die Khmar-Tempel<br />

von Ankgor Wat zwar für viele Fotografen ein Traummotiv<br />

darstellt, <strong>der</strong> Rikschafahrer, <strong>der</strong> sie zum Ziel <strong>der</strong> Begierde<br />

quer durch den Dschungel transportiert, die durch Tourismus<br />

geprägte Kultur des Landes aber viel besser wi<strong>der</strong>spiegelt.<br />

Es liegt nun mal in <strong>der</strong> Natur des Menschen, sich für das<br />

Leben an<strong>der</strong>er zu interessieren. Wo leben sie? Haben sie eine<br />

Familie? Was essen sie? Wo arbeiten sie? Welche Kleidung ist<br />

üblich? Wir möchten einfach wissen, wie verschieden – o<strong>der</strong><br />

auch wie identisch – unser eigenes Leben verglichen mit dem<br />

am Urlaubsort ist. Also ist es nur natürlich, dass reiselustige<br />

Fotografen mit vielen Alltagseindrücken aus dem Urlaubsland<br />

nach Hause kommen möchten.<br />

Dennoch kann das <strong>Fotografie</strong>ren uns komplett unbekannter<br />

Menschen eine Herausfor<strong>der</strong>ung sein. Schließlich wird<br />

eine solche Begegnung in den seltensten Fällen durch die<br />

Reiseagentur bereit organisiert – ganz im Gegensatz zu den<br />

Reisen nach Taj Mahal o<strong>der</strong> Angkor Wat. Man kann keine<br />

Eintrittskarten kaufen, die einem automatisch das Recht<br />

geben, die Menschen zu fotografieren <strong>und</strong> so in ihre Privatsphäre<br />

eintauchen zu dürfen. Historische Tempelanlagen <strong>und</strong><br />

Touristenwahrzeichen interessiert unser Verhalten nicht – bei<br />

Menschen sieht das gänzlich an<strong>der</strong>s aus. <strong>Der</strong> Gr<strong>und</strong> ist wenig<br />

überraschend: An<strong>der</strong>s als Gebäude besitzt Ihr Gegenüber<br />

eben auch Gefühle – ist demnach menschlich.<br />

80 porTräTFoToGraFIE


GESIChtEr DEr WELt<br />

© Gavin Gough<br />

Bhutan<br />

Objektive mit<br />

großer Blendenöffnung<br />

erlauben es Ihnen,<br />

unter schlechten<br />

Lichtbedingungen zu<br />

arbeiten <strong>und</strong> Motive<br />

vom hintergr<strong>und</strong> freizustellen.<br />

Bilddetails: Canon<br />

EOS 5D Mark II mit<br />

24–70-mm-f2.8Objektiv<br />

bei 70mm <strong>und</strong> f2.8,<br />

1/60 Sek., ISO 200<br />

pOrträtfOtOGrafIE 81<br />

© Gavin Gough


teCHNIKeN<br />

© ami Vitale<br />

Budapest<br />

es benötigte etwas<br />

Menschenkenntnis <strong>und</strong><br />

zwischenmenschliche<br />

erfahrung, um diese beiden<br />

personen dazu zu bringen,<br />

sich fotografieren zu lassen.<br />

Bilddetails: Nikon d3<br />

mit 17–35-mm-f2.8-<br />

Objektiv bei 17 mm <strong>und</strong> f7.1,<br />

1/250 sek., IsO 200<br />

Nepal<br />

Nepalesische<br />

dorfbewohner bestaunen<br />

das Kamera-equipment<br />

von Gavin Gough. solche<br />

Momente sorgen für eine<br />

aufgelockerte stimmung<br />

<strong>und</strong> tiefere einblicke in die<br />

Kultur.<br />

Bilddetails: Canon eOs<br />

5d Mark II mit 85-mm-f1.2-<br />

Objektiv bei 85 mm <strong>und</strong> f1.2,<br />

1/1000 sek., IsO 100<br />

© lesley Fisher<br />

82 pOrträtFOtOGraFIe


GEsiChtEr dEr WElt<br />

Sie werden es während <strong>der</strong> letzten Zeilen schon gemerkt<br />

haben: <strong>Fotografie</strong>ren von Menschen erfor<strong>der</strong>t eine gänzlich<br />

an<strong>der</strong>e Vorgehensweise, als es beim schnellen Ablichten<br />

einer Sehenswürdigkeit <strong>der</strong> Fall ist. <strong>Der</strong> erste Fehler, den viele<br />

begehen, ist, die einheimischen Menschen selbst als Touristenattraktion<br />

anzusehen – als existierten sie nur, um von<br />

uns fotografiert zu werden, damit wir schließlich das Lob<br />

des dorfeigenen Fotoclubs einheimsen können. Auch wenn<br />

dies offensichtlich Unsinn ist, ist es immer wie<strong>der</strong> erschreckend,<br />

wie viele Urlauber so denken <strong>und</strong> wie schwer sie sich<br />

von diesem Gedanken abbringen lassen. Zum Glück ist <strong>der</strong><br />

Weg zu beeindruckenden Urlaubsporträts einfacher, als viele<br />

vermuten würden. Zwar mögen unsere Tipps auf den ersten<br />

Blick wenig intuitiv wirken, doch die Ergebnisse werden Sie<br />

– einmal verinnerlicht – überzeugen. Hier kommen unsere<br />

Top-Ratschläge für gelungene <strong>Porträt</strong>s <strong>der</strong> lokalen Bevölkerung<br />

im Urlaub:<br />

Als Erstes packen Sie Ihre Kamera ein. Keine Angst, wir<br />

möchten Ihnen nicht von Beginn an die Fähigkeit an guten<br />

Fotos absprechen, doch einfach wahllos alles zu fotografieren,<br />

was einem vor die Linse kommt, hat noch nie das gewünschte<br />

Ergebnis gebracht. Fangen Sie lieber damit an, einen<br />

Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen, seien Sie offen,<br />

fre<strong>und</strong>lich <strong>und</strong> respektvoll.<br />

Erfolgreiche Reiseporträts bestehen schließlich nicht nur<br />

aus Menschen, die an<strong>der</strong>s gekleidet sind als wir. Während<br />

ein Mann mit Turban o<strong>der</strong> eine Frau in einem bunten Sari<br />

vielleicht auf den ersten Blick interessant erscheinen, ist<br />

es doch viel erstrebenswerter, diese Personen gemeinsam<br />

lachend mit ihren Fre<strong>und</strong>en o<strong>der</strong> ihrer Familie beziehungsweise<br />

beim alltäglichen Leben auf dem dicht belebten<br />

Markt abzulichten. Es gibt einen simplen Trick, um Fotos<br />

von wirklichem Wert <strong>und</strong> gewöhnliche Schnappschüsse zu<br />

unterscheiden: Nehmen Sie sich die Person <strong>und</strong> verfrachten<br />

Sie diese gedanklich in Ihre Heimatstadt <strong>und</strong> ersetzen Sie<br />

die Kleidung durch eine bei Ihnen zu Hause übliche. Ist das<br />

Motiv immer noch so interessant? Nein? Dann sollten Sie sich<br />

Gedanken machen wieso! Das nützlichste Werkzeug in <strong>der</strong><br />

Kameratasche eines Reisenden ist nicht etwa ein Objektiv mit<br />

möglichst viel o<strong>der</strong> wenig Brennweite. Vielmehr ist es Einfühlungsvermögen<br />

– eine Eigenschaft, die Sie näher an die<br />

Menschen heranbringt als das teuerste Teleobjektiv.<br />

Schließlich sind lange Brennweiten ein Mittel zur Bildkomposition,<br />

zur Freistellung vom Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> <strong>der</strong> optischen<br />

Komprimierung – kein Mittel eines Geheimdienstes, um<br />

heimlich Leute auszuspionieren. Da Sie im Urlaub selten in<br />

eine Situation kommen sollten, die eine lange Brennweite<br />

erfor<strong>der</strong>t, sollten Sie so ein Objektiv am besten sofort im<br />

Hotel o<strong>der</strong> ganz zu Hause lassen. Konzentrieren Sie sich<br />

lieber darauf, die Menschen in Ihrer Umgebung kennenzulernen.<br />

Dann braucht es keinen Abstand beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

mehr.<br />

Werfen Sie doch einmal ein Blick auf das Vokabular, das<br />

für gewöhnlich genutzt wird, wenn sich über die <strong>Fotografie</strong><br />

unterhalten wird: Wir „nehmen“ Fotos auf, „fangen“ Bil<strong>der</strong><br />

ein <strong>und</strong> „erhaschen“ den Moment eines Schnappschusses.<br />

Erfolgereiche Reisefotografie benötigt eine gewissen Zeit, in<br />

<strong>der</strong> Sie Ihre Umgebung erfassen müssen. Viele Fotografen<br />

fühlen sich in einem fremden Land, als seien sie zu aufdringlich.<br />

Die Wahrheit ist banal <strong>und</strong> erschreckend zugleich:<br />

Wenn Sie denken, dass Sie zu aufdringlich sind, so ist das<br />

wahrscheinlich <strong>der</strong> Fall. Wie vorher schon gesagt: Knüpfen<br />

„Merken Sie sich: Dem Gespräch folgt meist<br />

auch die Situation des <strong>Fotografie</strong>rens.“<br />

© Gavin Gough<br />

Varanasi,<br />

indiEn<br />

die goldene regel, nicht<br />

gegen die sonne zu fotografieren,<br />

kann manchmal<br />

getrost vergessen werden<br />

– wie bei diesem Bild, bei<br />

dem <strong>der</strong> farbenfrohe<br />

sonnenschirm beson<strong>der</strong>e<br />

akzente setzt.<br />

Bilddetails: Canon EOs<br />

5d Mark ii mit 16–35­mmf2.8­Objektiv<br />

mit 26 mm<br />

<strong>und</strong> f4.5, 1/3200 sek.,<br />

isO 400<br />

ExpErtEnrAtSCHLAG<br />

Ami Vitale<br />

Website: www.amivitale.com<br />

Info: Ami Vitale ist mehr als eine Reisefotografin <strong>und</strong> Fotojournalistin<br />

– sie ist eine visuelle Geschichtenerzählerin. Ihre Arbeiten heben<br />

sich von <strong>der</strong> typischen Schönwetter-Reisefotografie ab <strong>und</strong> setzen<br />

dort an, wo sich <strong>der</strong> Betrachter sofort in die Kultur <strong>und</strong> die Lebensumstände<br />

des Landes hineinversetzen kann. Ami Vitale erreicht<br />

diesen Grad <strong>der</strong> Annährung an die verschiedensten Kulturen ausschließlich<br />

dadurch, dass sie Zeit mit den Menschen <strong>der</strong> Gegend verbringt <strong>und</strong> <strong>der</strong>en Alltag<br />

kennenlernt – bevor sie die Kamera ansetzt. Ihre Motivation besteht nicht darin,<br />

schnelle Bil<strong>der</strong> zu machen, son<strong>der</strong>n darin, die fremden Kulturen zu erleben <strong>und</strong> wirklichkeitsgetreu<br />

abzubilden <strong>und</strong> zu dokumentieren.<br />

Ami Vitales Arbeiten wurden bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter an<strong>der</strong>em mit dem<br />

World Press Photo Awards, dem Lowell Thomas Award für Reisejournalismus, Lucie<br />

Awards, dem Daniel Pearl Award for Outstanding Reporting <strong>und</strong> dem Magazine Photographer<br />

of the Year Award. Ihre Arbeiten wurden weltweit in Galerien ausgestellt <strong>und</strong> in namhaften<br />

Magazinen wie zum Beispiel National Geographic, Adventure, Geo, Newsweek,<br />

Time <strong>und</strong> The Smithsonian veröffentlicht.<br />

Zurzeit lebt sie in Montana, führt ihre Berufung weiter fort <strong>und</strong> reist weiter quer über den<br />

Globus, um zu dokumentieren <strong>und</strong> Gesichten zu erzählen, die Menschen in unseren Breitengraden<br />

sonst nie zu Gesicht bekommen würden.<br />

Amis top Five für den Einstieg in das Genre <strong>der</strong> reiseporträts<br />

1 reiseziel o<strong>der</strong> Kulturerlebnis? Entscheiden Sie sich dazu, Ihre Umgebung im<br />

Urlaubsland anhand von <strong>Porträt</strong>s festzuhalten, so müssen Sie sich komplett auf die Kultur<br />

konzentrieren. Versuchen Sie, so viel wie möglich über die Menschen <strong>und</strong> ihre Lebensweise<br />

herauszufinden – bevor Sie Ihre Kamera auspacken. Sie sollten zuerst herausfinden, was es<br />

ist, was Sie festhalten möchten.<br />

2 Erst zuhören, dann fotografieren Legen Sie Ihre Kamera zur Seite <strong>und</strong> sprechen<br />

Sie mit den Menschen in Ihrer Umgebung. Kündigen Sie vorsichtig an, dass Sie vorhaben<br />

zu fotografieren. Erklären Sie Ihre Intention <strong>und</strong> hören Sie dem Gesprächspartner zu,<br />

beachten <strong>und</strong> respektieren Sie Einwände. Vielleicht hat er o<strong>der</strong> sie noch etwas vor, was ein<br />

interessanteres Motiv darstellen würde.<br />

3 Qualität statt Quantität Entschleunigen Sie sich <strong>und</strong> verbringen Sie mehr Zeit mit<br />

einer Person, statt so viele wie möglich fotografieren zu wollen. Die Qualität Ihrer Arbeit verbessert<br />

sich automatisch, wenn Sie sich in die Umgebung einleben, statt nur durchzuhetzen.<br />

4 Achten Sie auf das Licht Stehen Sie mindestens eine St<strong>und</strong>e vor Sonnenaufgang<br />

auf <strong>und</strong> gehen Sie erst nach Sonnenuntergang zurück in das Hotel, um die perfekten Lichtverhältnisse<br />

für atemberaubende Aufnahmen zu erhalten. Versuchen Sie, die Orte für Ihre<br />

<strong>Porträt</strong>s bereits vorher festzulegen, um weniger Zeit zu verlieren.<br />

5 Gegenleistung Geben Sie Ihren Models ein Exemplar Ihres Fotos von ihnen o<strong>der</strong> schicken<br />

Sie es ihnen zu. Das ist das Mindeste, was Sie tun können, nachdem diese Ihnen einen<br />

Einblick in ihre Kultur gewährt haben.<br />

pOrträtfOtOGrafiE 83


TECHNIKEN<br />

ExpErtEnratschlag<br />

Gavin Gough<br />

Website: gavingough.com<br />

Info: Gavin Gough ist ein in<br />

Bangkok ansässiger, freiberuflicher<br />

Fotograf. Er fertigt Auftragsarbeiten<br />

an, erstellt <strong>Fotografie</strong>n<br />

für Agenturen <strong>und</strong> leitet<br />

Workshops an <strong>der</strong> Bangkok<br />

Photo School, die er gründete.<br />

Großartige Reisefotos sind seiner Meinung nach ein<br />

Produkt guter Kommunikation. So wird dafür gesorgt,<br />

dass Sie einen Kontakt aufbauen <strong>und</strong> den Weg zu einzigartigen<br />

Fotogelegenheiten ebnen. Trotzdem sollte<br />

<strong>der</strong> Austausch verantwortungsvoll geschehen <strong>und</strong><br />

nicht nur aus einem Geben – egal von welcher Seite<br />

aus – bestehen.<br />

Fünf Dinge, die sie auf reisen<br />

mit an<strong>der</strong>en teilen können<br />

1 ausdrucke<br />

Früher konnte man Polaroids ausgeben, auch heute<br />

besteht die Möglichkeit, den Menschen, die Sie treffen,<br />

ein Dankeschön zu überreichen. So baut Fujifilm beispielsweise<br />

immer noch eine Sorte von Sofortbildkamera<br />

<strong>und</strong> auch kleine 6x4-Drucker, die in jeden Rucksack<br />

passen, reichen für eine schnelles Foto. Haben Sie<br />

nichts in <strong>der</strong> Art dabei, suchen Sie den nächsten<br />

Kopiershop auf o<strong>der</strong> tauschen Sie Adressdaten aus.<br />

Denken Sie daran: Versprechen Sie eine Gegenleistung,<br />

so müssen Sie dieses Versprechen auch einhalten.<br />

2 postkarten<br />

Die Menschen, die Sie treffen, sind wahrscheinlich<br />

genauso an Ihrer Herkunft interessiert wie Sie an <strong>der</strong>en.<br />

Daher ist es immer eine gute Idee, Postkarten Ihrer<br />

Heimatstadt mit sich zu führen.<br />

3 Bargeld<br />

Vermeiden Sie es, sich Fotos zu erkaufen. Das Geld<br />

sollten Sie stattdessen bei sich haben, um sich zwischendurch<br />

etwas an den Marktständen zu holen o<strong>der</strong><br />

um per Rikscha o<strong>der</strong> Tuk Tuk von A nach B zu gelangen.<br />

Das Kaufen von Fotogelegenheiten schafft gefährliche<br />

Abhängigkeiten <strong>und</strong> vergrößert die Distanz zwischen<br />

Ihnen <strong>und</strong> Ihrem Gegenüber. Lassen Sie es sein.<br />

4 Kamera-Equipment<br />

Ihre Kamera mag für viele so interessant sein wie für<br />

Sie selbst. Seien Sie also darauf vorbereitet, auch einmal<br />

die Funktion <strong>und</strong> Bedienung Ihres Equipments<br />

vorzuführen o<strong>der</strong> die Kamera aus <strong>der</strong> Hand zu geben,<br />

um von Ihrem Modell ein Foto schießen zu lassen. Das<br />

verringert die Distanz zwischen Ihnen <strong>und</strong> den Einheimischen<br />

<strong>und</strong> vielleicht erhalten Sie ja auch ein paar<br />

interessante Fotos von sich selbst.<br />

5 Zeit<br />

Es gibt kein besseres Geschenk, mit dem Sie Ihr Interesse<br />

<strong>und</strong> die Zuneigung zur fremden Kultur äußern können,<br />

als Ihre Zeit, die Sie mit den Menschen teilen. Zeigen<br />

Sie, dass Sie sich wirklich für die Kultur <strong>und</strong> die<br />

Lebensweise interessieren, <strong>und</strong> bauen Sie langsam,<br />

aber stetig eine Beziehung zwischen Ihnen <strong>und</strong> den<br />

Einheimischen auf. Einige meiner besten Fotos sind am<br />

Ende einer Woche entstanden, im Verlauf <strong>der</strong>er ich die<br />

Personen immer wie<strong>der</strong> besucht habe <strong>und</strong> wirklich viel<br />

Zeit mit ihnen verbracht habe.<br />

„Zollen Sie den<br />

Menschen<br />

Respekt, die Sie<br />

fotografieren.“<br />

© Gavin Gough<br />

84 porTräTfoToGrafIE


GESIChtEr dEr WElt<br />

IndIEn<br />

Berücksichtigen Sie die<br />

Umgebung, um diese<br />

in den Gedankengang<br />

des Betrachters mit<br />

einzubeziehen.<br />

Bilddetails: Canon EOS<br />

5d Mark II mit 16-35mmf2.8-Objektiv<br />

bei 25mm <strong>und</strong><br />

f8, 1/20 Sek., ISO 200<br />

pOrträtfOtOGrafIE 85


TeCHnIKen<br />

© Matt Brandon<br />

IndIen<br />

nutzen Sie ein<br />

Weitwinkelobjektiv, um<br />

wichtige Bestandteile<br />

<strong>der</strong> Umgebung in <strong>der</strong><br />

Komposition zu beachten -<br />

auch bei wenig Platz.<br />

Bilddetails: Canon eOS<br />

5d Mark II mit<br />

17–40mm-f4-Objektiv bei<br />

17 mm <strong>und</strong> f4,<br />

1/30 Sek., ISO 320<br />

Sie zuerst Ihre Kontakte in dem Land, seien Sie offen <strong>und</strong><br />

fre<strong>und</strong>lich. Die Fotos kommen mit <strong>der</strong> Zeit von ganz alleine.<br />

Gute <strong>Porträt</strong>s sind immer das Produkt aus einer guten Beziehung<br />

zum Modell – das ist bei Reiseporträts nicht an<strong>der</strong>s.<br />

Eigenbrötlerisches Vorgehen wirkt auch in <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

nicht befriedigend. Machen Sie einfach im Vorbeigehen ein<br />

Foto von einem Menschen auf <strong>der</strong> Straße, wird dieser nie die<br />

sichtbare Offenheit besitzen, die sich viele als Bildaussage<br />

wünschen.<br />

Also packen Sie Ihre Kamera zur Seite <strong>und</strong> verbringen Sie<br />

Zeit mit den Menschen, denen Sie begegnen. Auch wenn Sie<br />

nicht dieselbe Sprache sprechen, kann ein Lächeln schon ein<br />

bedeutendes Zeichen zur Kontaktaufnahme sein. Körpersprache<br />

ist universell <strong>und</strong> für je<strong>der</strong>mann verständlich. Es<br />

ist schließlich auch nicht schwierig, sich auf dem Markt zu<br />

verständigen, um zu fragen, wie teuer die Äpfel sind o<strong>der</strong> ob<br />

die Chillies zu scharf für Ihren Gaumen sind. Schon aus solch<br />

alltäglichen Situationen kann sich ein Gespräch ergeben, dass<br />

Ihnen Ihr Ziel näherbringt. Behalten Sie im Hinterkopf: Sie<br />

können für Ihr Gegenüber genauso interessant sein wie er<br />

o<strong>der</strong> sie für Sie ist. Haben Sie immer etwas bei sich, was Sie<br />

Fremden zeigen können, um mit wenigen Worten zu erklären,<br />

woher Sie stammen. Es sind die Dinge, die beide Seiten interessieren,<br />

die vereinen. Daher sind Postkarten mit Motiven<br />

Ihrer Heimatstadt o<strong>der</strong> Familienfotos ein guter Ansatz. Darüber<br />

können Sie sich austauschen <strong>und</strong> das Gespräch weiter<br />

fortsetzen. Einmal so Kontakte geknüpft, ist es für die folgenden<br />

Male viel angenehmer, als am an<strong>der</strong>en Ende <strong>der</strong> Gasse<br />

mit einem 300-mm-Objektiv zu stehen <strong>und</strong> agentenähnlich<br />

Menschen abzulichten. Und wer weiß: Vielleicht kommt es im<br />

Gesprächsverlauf zu dem Punkt, an dem Sie sich mit Ihrem<br />

Gegenüber so gut verstehen, dass Sie beide den Moment dokumentieren<br />

wollen. Da ist es doch praktisch, dass Sie genau<br />

jetzt eine Kamera zur Hand haben. Denn jetzt wird aus dem<br />

<strong>Fotografie</strong>ren eines Fremden eine fre<strong>und</strong>schaftliche Geste <strong>und</strong><br />

<strong>der</strong> Markthändler o<strong>der</strong> Rikschafahrer wird wahrscheinlich<br />

wenig gegen ein Foto einzuwenden haben.<br />

Erst jetzt sind Ihre Talente als Fotograf gefragt, um das<br />

Beste aus die Situation zu machen. Vergessen Sie aber nicht,<br />

dass eine große Kamera auch eine Barriere darstellen kann.<br />

<strong>Der</strong> Augenkontakt geht verloren <strong>und</strong> beide Beteiligten gehen<br />

in eine Art „Foto-Modus“. Kümmern Sie sich um die Bildkomposition,<br />

fokussieren Sie, halten Sie die Kamera abschussbereit,<br />

aber blicken Sie noch einmal hinter <strong>der</strong> Kamera hervor, um<br />

den Augenkontakt unter Aufsetzen Ihres breitesten Grinsens<br />

wie<strong>der</strong>herzustellen. <strong>Der</strong> plötzliche Wechsel des Gesichtsausdrucks<br />

springt für gewöhnlich über <strong>und</strong> die Situation ist wie<strong>der</strong><br />

entspannter. Die Geste erinnert Ihr Gegenüber daran, dass<br />

Sie immer noch dieselbe Person sind – auch wenn Sie hinter<br />

<strong>der</strong> Kamera vermutlich nicht mehr zu erkennen sind.<br />

Das Schlechteste, was Sie nach dem Abdrücken tun können,<br />

wäre übrigens, sofort zu verschwinden. Machen Sie das Beste<br />

aus dem Moment <strong>und</strong> zeigen Sie ihm o<strong>der</strong> ihr die Bil<strong>der</strong>, die<br />

Sie gemacht haben. Vielleicht bekommen Sie noch weitere<br />

Chancen <strong>und</strong> können noch bessere Fotos schießen.<br />

Bei <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> auf Reisen <strong>und</strong> im Urlaub ist weniger<br />

mehr. Behängt mit einen schweren Rucksack voll mit<br />

Equipment sind Sie natürlich in Ihrer Bewegungsfreiheit<br />

<strong>und</strong> Flexibilität eingeschränkt. Empfehlenswert ist sehr oft<br />

eine Kombination aus Weitwinkelzoomobjektiv <strong>und</strong> einer<br />

Festbrennweite mit großer Offenblende zur Freistellung vom<br />

Hintergr<strong>und</strong> o<strong>der</strong> zum Arbeiten bei schlechten Lichtbedingungen.<br />

Tragen Sie so viel herum, dass Sie eher den Eindruck<br />

hinterlassen, ein wan<strong>der</strong>n<strong>der</strong> Elektronikmarkt statt ein Fotograf<br />

zu sein, hinterlassen Sie einen völlig an<strong>der</strong>en Eindruck<br />

bei Ihren Mitmenschen. Die Kontaktaufnahme wird deutlich<br />

schwieriger, da Sie mit Equipment bepackt für Menschen, die<br />

diesen Anblick nicht gewohnt sind, bedrohlich wirken kön-<br />

ExpErtrAtschlAg<br />

Matt Brandon<br />

Website: www.thedigitaltrekker.com<br />

Info: Man sagt, dass sich <strong>der</strong> Charakter eines Fotografen in seinen<br />

Bil<strong>der</strong>n wi<strong>der</strong>spiegelt. Bei Matt Branden besteht kein Zweifel daran.<br />

Seine Werke repräsentieren die Lebensweise <strong>der</strong> Menschen verschiedenster Kulturen,<br />

wie es kaum eine zweite Kollektion vermag.<br />

Sein Portfolio strahlt seine Liebe <strong>und</strong> Zuneigung zu fremden Kulturen aus aller Welt aus.<br />

Dazu gehören Orte wie Indien, Tibet, Indonesien, Thailand <strong>und</strong> Malaysia. Auch wenn sich<br />

unter seinen Werken auch immer wie<strong>der</strong> Objekte befinden, die hinlänglich als Touristenakttraktion<br />

bekannt sind, so versucht er stets, die Kultur des Landes in seine Fotos einfließen<br />

zu lassen. Darin lässt sich erkennen, dass Matt Brandon die Interaktion mit den<br />

Menschen so sehr genießt, wie die <strong>Fotografie</strong> an sich.<br />

Matt beherrscht es, stets positive <strong>und</strong> aufbauende Aspekte in seine Geschichten einzubringen,<br />

was es ihm bereits einige Male ermöglichte, seine Reportagen im Rahmen<br />

werblicher Nutzung zu veröffentlichen. Er arbeitete bereits an Werbekampagnen für<br />

Organisationen wie Aid International, Neighbourworks, BBC, Honda <strong>und</strong> <strong>der</strong> Bombadier<br />

Transport Corporation. Sein Portfolio ist immer eine umfangreiche Anlaufstelle für Reisefotografen,<br />

die Inspiration benötigen.<br />

Matts Vorschläge für perfekte porträtfotos im Urlaub<br />

1 Nähern sie sich an Nutzen Sie ein 16–35-mm-Objektiv o<strong>der</strong> Ähnliches, jedoch<br />

keinesfalls mehr als 85 mm Brennweite. Ich komme mir wie ein Störenfried vor, wenn ich<br />

auf Reisen mit längeren Brennweiten arbeiten muss. Ich verliere den Bezug zu den<br />

Menschen <strong>und</strong> fühle mich, als würde ich den Personen den Moment entwenden. Ich bin<br />

sicher: Hält man Abstand, so empfindet Ihr Gegenüber dieselbe Art von Distanz zu Ihnen.<br />

2 lächeln Es ist erstaunlich, wie weit man kommen kann, wenn man nur öfter ein<br />

Lächeln aufsetzt <strong>und</strong> an<strong>der</strong>en Menschen gegenüber fre<strong>und</strong>lich auftritt. Ein Lächeln öffnet<br />

Tür <strong>und</strong> Tor – auch zu mancher Geschichte, die ein Mensch zu erzählen hat.<br />

3 respekt Zollen Sie Ihrem Gegenüber stets Respekt. Beson<strong>der</strong>s, wenn er o<strong>der</strong> sie<br />

kamerascheu ist <strong>und</strong> nicht fotografiert werden möchte. Respektieren Sie dies – vielleicht<br />

ist <strong>der</strong> Zeitpunkt nur noch nicht gekommen.<br />

4 lassen sie sich Zeit Hetzen Sie sich nicht ab. Nehmen Sie sich Zeit <strong>und</strong> Sie<br />

werden nicht nur dazu kommen, sämtliche Blickwinkel <strong>und</strong> Perspektiven auszunutzen.<br />

Reden Sie mit Ihrem Modell <strong>und</strong> helfen Sie, die Situation zu entspannen. So entstehen die<br />

besten – weil natürlichsten – Fotos.<br />

5 Erkennen sie, wann es Zeit ist aufzuhören Das Fehlen dieser Fähigkeit ist<br />

eine verbreitete Eigenschaft unter Anfängern. Auch wenn Sie wissen, dass Sie sich Ihre Zeit<br />

nehmen müssen, um gute Ergebnisse zu erhalten: Sie müssen erkennen, wann die Zeit<br />

gekommen ist, sich auf den Rückweg zu machen, um den Alltag <strong>der</strong> Menschen nicht zu<br />

beeinträchtigen. Achten Sie auf die Körpersprache <strong>der</strong> Einheimischen. Sie wird Ihnen den<br />

Zeitpunkt verraten – ohne dass Sie in Verlegenheit geraten, hinausgeworfen zu werden.<br />

86 POrTräTfOTOgrafIe


GeSiChTer <strong>Der</strong> WelT<br />

„Kümmern Sie<br />

sich um die<br />

Bildkomposition,<br />

fokussieren<br />

Sie, halten Sie<br />

die Kamera<br />

abschussbereit.“<br />

TibeT<br />

Augenkontakt kurz vor dem Auslösen<br />

vermeidet steife Posen <strong>und</strong> sorgt<br />

für einen entspannten, fre<strong>und</strong>lichen<br />

Gesichtsausdruck.<br />

Bilddetails: Canon eOS 5D Mark<br />

ii mit 85-mm-f1.2-Objektiv bei 85 mm<br />

<strong>und</strong> f1.6, 1/1250 Sek., iSO 200<br />

© Matt brandon<br />

POrTräTfOTOGrAfie 87


TeCHnIKen<br />

BalI, IndOneSIa<br />

„Trinken Sie einen Tee“, empfiehlt Gavin Gough. „er ist in<br />

nahezu je<strong>der</strong> Kultur verbreitet <strong>und</strong> <strong>der</strong> beste Weg, um<br />

Kontakt aufzunehmen.“<br />

Bilddetails: Canon eOS 5d Mark II mit 70–200-mm-f2.8-Objektiv<br />

bei 125 mm <strong>und</strong> f2.8, 1/125 Sek., ISO 100<br />

© Gavin Gough<br />

IndIen<br />

ein täglicher Besuch<br />

bei diesem Händler lockerte<br />

die Beziehung zwischen ihm<br />

<strong>und</strong> Fotograf Gavin Gough<br />

so weit, dass dieses Foto<br />

möglich wurde.<br />

Bilddetails: Canon eOS-<br />

1ds Mark II mit 70–200-mmf2.8-Objektiv<br />

bei 150 mm<br />

<strong>und</strong> f2.8, 1/60 Sek., ISO 400<br />

© Gavin Gough<br />

nen. Tätigen Sie bereits im Voraus die groben Einstellungen,<br />

damit Sie nicht viel Zeit verlieren <strong>und</strong> nehmen Sie nur leichtes<br />

Gepäck mit. <strong>Der</strong> Trick ist es, mit den Menschen zu interagieren<br />

– <strong>und</strong> nicht mit Ihrer Kamera. Lassen Sie sich nicht von<br />

<strong>der</strong> weitverbreiteten Behauptung anstecken, dass die Bil<strong>der</strong><br />

besser werden, je schwerer Ihre auf dem Rücken transportierte<br />

Ausrüstung ist. Hier <strong>und</strong> in vielen an<strong>der</strong>en Situationen ist<br />

exakt das Gegenteil <strong>der</strong> Fall. Machen Sie sich das Leben nicht<br />

unnötig schwer – in diesem Fall sprichwörtlich.<br />

Lernen Sie über das ideale Licht nachzudenken. Selbst das<br />

spektakulärste Modell kann langweilig <strong>und</strong> eintönig wirken,<br />

wenn es unter dem harten Sonnenlicht <strong>der</strong> Mittagsst<strong>und</strong>en<br />

fotografiert wird. Vermeiden Sie diese Zeiten o<strong>der</strong> suchen<br />

Sie um die Mittagszeit an<strong>der</strong>e Orte auf, an denen das Licht<br />

gedämpfter <strong>und</strong> diffuser ist. Denken Sie zudem immer daran:<br />

Ihre Kamera besitzt bei Weitem nicht den Dynamikumfang<br />

Ihrer Augen. Was für Sie vielleicht noch gut aussehen mag,<br />

„Halten Sie mittags nach Orten<br />

mit diffusem Licht Ausschau.“<br />

88 pOrTräTFOTOGraFIe<br />

ist für die Kamera eventuell eine unlösbare Herausfor<strong>der</strong>ung.<br />

Wenn Sie die Gelegenheit für eine tolle Aufnahme haben, so<br />

beschränken Sie sich nicht nur auf ein Bild. Versuchen Sie<br />

auch anhand <strong>der</strong> Belichtungsmessung eine um eine Blendenstufe<br />

über- <strong>und</strong> unterbelichtete Aufnahme anzufertigen.<br />

Das eröffnet Ihnen mehr Potenzial bei <strong>der</strong> Auswahl <strong>und</strong><br />

Bearbeitung. Machen Sie sich mit den verschiedenen Modi <strong>der</strong><br />

Belichtungsmessung vertraut <strong>und</strong> lernen Sie mit <strong>der</strong> Spot- <strong>und</strong><br />

Bereichsmessung umzugehen, um grobe Fehler zu vermeiden<br />

<strong>und</strong> die Ergebnisse weiter zu optimieren.<br />

Mindestens ebenso wichtig ist natürlich die Bildkomposition.<br />

<strong>Porträt</strong>s mit <strong>der</strong> klassischen Kopf-Schulter-Ansicht mögen<br />

uns vielleicht etwas über den Menschen an sich verraten,<br />

doch nur selten lässt sich so auf sein Umfeld schließen. Ist<br />

dieser Rückschluss nicht zweifelsfrei möglich <strong>und</strong> könnte<br />

das Foto auch im Hinterhof Ihrer Lieblingskneipe entstanden<br />

sein. Ziehen Sie in Betracht, die Person einmal mit weniger<br />

Brennweite auf das Bild zu bannen. So fangen Sie mehr von<br />

<strong>der</strong> Umgebung ein. Das kann den Bildeindruck sofort in eine<br />

ganz an<strong>der</strong>e Richtung lenken.<br />

<strong>Porträt</strong>ieren – speziell das <strong>Porträt</strong>ieren auf Reisen – ist eines<br />

<strong>der</strong> anspruchsvollsten Genres <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong>. Vielleicht ist das<br />

<strong>der</strong> Gr<strong>und</strong>, warum es sich auch um eines <strong>der</strong> Sujets handelt,<br />

dem die meiste Beachtung geschenkt wird. Das Kontakteknüpfen<br />

mit den Einheimischen macht Spaß <strong>und</strong> erlaubt es<br />

Ihnen, viel tiefer in die Kultur des Landes einzutauchen, als<br />

es vielen an<strong>der</strong>en Touristen gegönnt ist. Mit etwas Übung,<br />

genügend Zeit <strong>und</strong> Geduld kehren Sie mit vielen wertvollen<br />

Erinnerungen zurück. Erinnerungen, die wirklich einzigartig<br />

sind <strong>und</strong> die es an keinem Laden an <strong>der</strong> Ecke zu kaufen gib.<br />

Lassen Sie die langen Brennweiten also direkt zu Hause <strong>und</strong><br />

stürzen Sie sich hinein in das Leben Ihres Urlaubslandes!


GESIChTER DER wElT<br />

Inspiriert sein<br />

Fantastische<br />

Reiseporträts<br />

© Zaw Zaw Tun<br />

Zaw Zaw<br />

Tun<br />

In einer Kultur in Myanmar<br />

sind rauchende <strong>und</strong> im<br />

Gesicht tätowierte Frauen<br />

keine Seltenheit.<br />

Bilddetails: Canon EOS<br />

5D Mark II bei 145 mm <strong>und</strong><br />

f2.8, 1/640 Sek., ISO 200<br />

RuSSEll<br />

ClaRKE<br />

„Diese Mädchen saßen<br />

außerhalb eines ladens<br />

in Kenia. Ich fühlte mit<br />

ihnen, kaufte ihnen etwas<br />

zu essen <strong>und</strong> fragte, ob ich<br />

ein Foto von ihnen machen<br />

dürfe.“<br />

Bilddetails: nikon D200<br />

mit 18–135-mm-Objektiv<br />

bei f4.2, ISO 200<br />

ROBERTO<br />

OjEDa<br />

„Ich lief durch Quito <strong>und</strong><br />

entdeckte diese indigene<br />

Frau an einer Bushaltestelle.<br />

Ich fühlte mich von <strong>der</strong><br />

Farbkombination ihrer<br />

Kleidung inspiriert.“<br />

Bilddetails: nikon D5000<br />

mit 70–300-mm-Objektiv<br />

bei 300 mm <strong>und</strong> f5.6,<br />

1/160 Sek., ISO 200<br />

© Roberto Ojeda<br />

© Russell Clarke<br />

BRETT FORD<br />

„Dieses Foto wurde in<br />

ambalavao, Madagaskar<br />

aufgenommen. Die<br />

Kin<strong>der</strong> fragten mich, ob ich<br />

Fotos von ihnen machen<br />

würde, also tat ich das.<br />

Ich wollte ihnen die Bil<strong>der</strong><br />

zeigen, doch sie liefen<br />

lachend davon.“<br />

Bilddetails: Canon EOS<br />

5D Mark II mit 70–200-mm-<br />

Objektiv bei 200 mm <strong>und</strong><br />

f5.6, 1/200 Sek., ISO 200<br />

© Brett Ford<br />

pORTRäTFOTOGRaFIE 89


TECHNIKEN<br />

DIE FASHION-FORMEL<br />

Ein Hauch von Exklusivität <strong>und</strong> Erotik machen aus<br />

klassischer <strong>Porträt</strong>fotografie etwas, das näher an <strong>der</strong><br />

High-End-Modefotografie liegt.<br />

Bilddetails: Canon EOS 1Ds Mark II mit einem<br />

70–200-mm-Objektiv bei 70 mm <strong>und</strong> f6.3,<br />

1/125 Sek., ISO 125<br />

© Yanick Déry<br />

Modefotog<br />

ra fie<br />

Wir werfen einen Blick auf die exklusive Welt <strong>der</strong><br />

High-End-Modefotografie <strong>und</strong> sprechen mit den<br />

Profis, für die das alles nur ein ganz normaler Job ist.<br />

Das Genre <strong>der</strong> High-End-Modefotografie<br />

lässt sich nur schwer definieren,<br />

was an sich gut zu <strong>der</strong> etwas<br />

<strong>und</strong>urchsichtigen Welt <strong>der</strong> Mode<br />

passt. Was genau unterscheidet aber<br />

normale Mode- <strong>und</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie? Für manche<br />

ist es eine Frage <strong>der</strong> Produktion <strong>und</strong> des Budgets:<br />

je höher es ist, desto besser. „Bei High-End-Modefotografie<br />

hat das Produkt in <strong>der</strong> Regel einen<br />

höheren Wert. Dementsprechend höher sind auch<br />

die Budgets, die Produktion, die Wertigkeit <strong>und</strong><br />

die Fähigkeiten des Teams. Die Fotos haben am<br />

Ende ein hohes Niveau“, erklärt Profi-Fotograf <strong>und</strong><br />

Regisseur Kevin Michael Reed. Für den Beauty- <strong>und</strong><br />

Lifestyle-Fotografen Yanick Déry geht es bei <strong>der</strong><br />

High-End Modefotografie um mehr, als nur Klei<strong>der</strong><br />

zu verkaufen. „Bei <strong>der</strong> Modefotografie fotografiert<br />

man Klamotten“, erklärt er. „<strong>Der</strong> große Unterschied<br />

zu High-End <strong>Fotografie</strong> ist ein künstlerischer Aspekt.<br />

Das eigentliche Ziel ist es, ein Gefühl zu vermitteln,<br />

<strong>und</strong> dafür müssen Sie mehr im Sinn haben, als nur<br />

Kleidung zu zeigen. Es ist eine echte Herausfor<strong>der</strong>ung,<br />

das zu vermitteln, was Sie fotografieren sollen,<br />

<strong>und</strong> obendrein noch Ihre Gefühle <strong>und</strong> Ihre Vision<br />

zu integrieren. Normale Modefotografie ist rein technisch,<br />

High-End-Modefotografie ist zudem emotional.“<br />

Ishmil Waterman stimmt zu. Er ist Mode- <strong>und</strong><br />

Beauty-Fotograf in Toronto. „Bei <strong>der</strong> High-End-Modefotografie<br />

geht es nicht nur um die Schöpfungen des<br />

Designers, es geht auch um die Kunst des Fotografen.<br />

Es geht um ein Gefühl, eine Stimmung. Die kann<br />

elitär sein, schrullig, lustig, o<strong>der</strong> exotisch – <strong>und</strong> alles<br />

extrem verzerrt. Man vermittelt eine Fantasievorstellung.“<br />

Begleiten Sie uns in die glamouröse Welt <strong>der</strong><br />

Fashion-Elite. Wir erklären Ihnen, worauf es bei <strong>der</strong><br />

High-End-Modefotografie wirklich ankommt.<br />

90 PORTRÄTFOTOGRAFIE


fashion-porträts<br />

Profiratschläge<br />

• <strong>Der</strong> Umgang mit Models<br />

• Wie man seinen Stil<br />

entwickelt<br />

• Studio-Shootings<br />

• Arbeit am Motiv<br />

porträtfotografie 91


TECHNIKEN<br />

GLITZERNDE MODE<br />

Mit diesem Foto, so Kevin Michael<br />

Reed, sollte <strong>der</strong> sehr kurze Blitz<br />

von Broncolor getestet werden, <strong>der</strong><br />

verschiedenen Optionen hat, unter<br />

an<strong>der</strong>em Blitzverzögerungen. Das<br />

Model wurde von allen Seiten mit<br />

lauwarmen Wasser bespritzt, da war<br />

es nicht leicht, stillzuhalten<br />

Bilddetails: Phaseone 645DF plus<br />

P40+ Digitalrückteil mit einem an<br />

80-mm-Objektiv bei f5.6,<br />

1/320 Sek, ISO 100<br />

© Kevin Michael Reed<br />

Zusammenarbeit zählt<br />

Natürlich ist Kreativität <strong>und</strong> eine künstlerische<br />

A<strong>der</strong> gefragt, aber Sie müssen auch in <strong>der</strong> Lage<br />

sein, auf die Anweisungen <strong>der</strong> K<strong>und</strong>en einzugehen.<br />

Es ist wichtig, dass Sie gut mit Leuten zusammen<br />

arbeiten können, denn das Team kann mitunter<br />

recht groß sein. Sollten Sie ein unabhängiger<br />

Mensch sein, <strong>der</strong> es bevorzugt, alleine zu arbeiten,<br />

dann passt vielleicht die <strong>Landschafts</strong>fotografie<br />

eher zu Ihnen als High-End-Modefotografie. Man<br />

muss auf Menschen eingehen können. „Das, was<br />

mir am meisten Spaß an <strong>der</strong> Arbeit macht sind die<br />

Leute“, sagt Kevin Michael Reed. „Die Modeindustrie<br />

besteht aus vielen verschiedenen talentierten,<br />

kreativen Menschen aus aller Welt, <strong>und</strong> alle haben<br />

sehr unterschiedliche Hintergründe. Wenn diese<br />

Menschen auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten,<br />

geschehen Wun<strong>der</strong>. Wie viele Leute am Set<br />

sind ist immer unterschiedlich. Aber bei einem<br />

typischen Shooting gibt es ein Model, einen Visagisten,<br />

einen Friseur, eine Stylistin, zwei o<strong>der</strong> drei<br />

Assistenten <strong>und</strong> einen Produktionsleiter. Darüber<br />

hinaus sind da natürlich auch die K<strong>und</strong>en, die<br />

Mitarbeiter <strong>der</strong> Werbeagentur <strong>und</strong> ihr Gefolge. Bei<br />

größeren Sets sieht man auch Requisiteure, Motivaufnahmeleiter,<br />

Nagelpfleger <strong>und</strong> <strong>der</strong>en Assistenten.<br />

Ich habe mal in New York ein Shooting<br />

für einen Katalog gemacht, bei dem insgesamt 35<br />

Leute am Set waren!“ Yanick Déry schlägt vor, als<br />

Fotograf solle man sich vorstellen, man sei <strong>der</strong><br />

„Regisseur“. „Wir sind diejenigen, die sagen, so<br />

ist es okay, wir machen das Foto“, sagt er. „Und<br />

wenn nicht alles perfekt ist, dann kann man das<br />

„Die K<strong>und</strong>en wählen Fotografen aufgr<strong>und</strong><br />

seines speziellen künstlerischen Stils aus.“<br />

92 PORTRäTFOTOGRaFIE<br />

Foto nicht machen. Wenn es Details zu verhandeln<br />

gibt, dann vor dem Shooting. Wenn Sie auf<br />

einem bestimmten Niveau arbeiten, dann kommen<br />

die K<strong>und</strong>en aufgr<strong>und</strong> Ihres speziellen künstlerischen<br />

Stils, wegen Ihres Know-hows <strong>und</strong> Ihrer<br />

Erfahrung auf Sie zu. Die K<strong>und</strong>en vertrauen Ihrem<br />

Urteilsvermögen <strong>und</strong> hören genau zu, was Sie zu<br />

sagen haben.“ Kevin Michael Reed sieht das En<strong>der</strong>gebnis<br />

immer als eine Teamleistung an. „Es ist<br />

alles eine Frage <strong>der</strong> Zusammenarbeit. <strong>Der</strong> Fotograf<br />

ist zwar <strong>der</strong> Kapitän am Set, aber er muss auch<br />

auf die Wünsche des K<strong>und</strong>en eingehen. Dazu<br />

tragen alle bei, die an <strong>der</strong> Produktion beteiligt<br />

sind. Man weiß ja nie, wo die nächste gute Idee<br />

herkommt.“ Ein High-End-Modefotograf kann die<br />

Vorgaben <strong>der</strong> K<strong>und</strong>en nicht erfüllen, wenn er nicht<br />

genau versteht, was <strong>der</strong> K<strong>und</strong>e eigentlich will.<br />

„Diesen Fehler machen viele Fotografen“, sagt<br />

Kevin Michael Reed. „Sie wollen einfach nur schöne<br />

Bil<strong>der</strong> machen. Aber ein Projekt ist nur dann<br />

gelungen, wenn es den Bedürfnissen des K<strong>und</strong>en


FASHION-PORTRÄTS<br />

Inspirierende<br />

Webseiten<br />

Wenn Ihnen die Bil<strong>der</strong> auf diesen Seiten<br />

gefallen, dann interessieren Sie sich sicher für<br />

die Webseiten, auf denen atemberaubende<br />

High-End-Modefotos zu sehen sind. Obwohl es<br />

auf lange Sicht wichtig ist, Ihren eigenen Stil zu<br />

finden, ist es auch nützlich, sich mit <strong>der</strong> Arbeit<br />

an<strong>der</strong>er Fotografen vertraut zu machen.<br />

www.chrisyphotography.com •<br />

www.zuzanabreznanikova.co.uk •<br />

www.ishmilwaterman.com •<br />

www.alexog<strong>und</strong>iran.com •<br />

www.yanick<strong>der</strong>y.com •<br />

www.kevinreed.com •<br />

DIE PRÄZISE POSE<br />

Die Posen, die das Model einnimmt,<br />

müssen perfekt zur Stimmung <strong>und</strong><br />

zum Stil des Fotos passen.<br />

entspricht. Sie brauchen uns, um effektiv mit ihrer<br />

Zielgruppe zu kommunizieren.“ Ishmil Waterman<br />

hat einen Tipp, wie man am Set für zufriedene<br />

K<strong>und</strong>en sorgt. „Die K<strong>und</strong>en wollen etwas sehen,<br />

was ihren Vorstellungen sehr nahekommt. Ich will<br />

so wenig wie möglich in <strong>der</strong> Nachbearbeitung<br />

machen, denn die meisten Menschen haben keine<br />

visuelle Vorstellungskraft. Man sollte die Bil<strong>der</strong> als<br />

RAW-Daten anfertigen, deswegen fotografiere ich<br />

immer in Einbindung an Capture One. Overlays<br />

<strong>und</strong> Farbkorrekturen werden automatisch geladen<br />

– ich mache sogar Ausdrucke für die K<strong>und</strong>en. Sie<br />

erwarten Input <strong>und</strong> Liebe zum Detail, also müssen<br />

Sie die Probleme finden, bevor <strong>der</strong> K<strong>und</strong>e es tut.“<br />

© Yanick Déry<br />

FOTOS MIT<br />

CHARISMA<br />

High-End-Modefotos haben<br />

etwas Verführerisches <strong>und</strong><br />

Mysteriöses. Die besten<br />

Fotografen wissen, wie man<br />

diesen Effekt hinkriegt.<br />

Bilddetails: CanonEOS1Ds<br />

Mark III mit einem<br />

50-mm-Objektiv bei f5, 1/160<br />

Sek., ISO 160<br />

Fragen an den<br />

Assistenten<br />

Ein Gespräch mit<br />

Tom Fewell, Assistent<br />

bei High-End-Shootings.<br />

Wie lange waren Sie Fotoassistent? Mit<br />

wem haben Sie gearbeitet?<br />

Zwei Jahre lang, hauptsächlich für den Fotografen<br />

Marcus Perkins. Aber ich habe auch bei<br />

Shootings für Marie Claire <strong>und</strong> Elle assistiert,<br />

mit den Fotografen Elin Hörnfeldt <strong>und</strong> Dan<br />

Smith.<br />

Was ist nötig, um als Assistent bei High-<br />

End-Shootings zu arbeiten? Was muss<br />

man alles können?<br />

Mir machen High-End-Modeshootings großen<br />

Spaß, aber oft verlangen Modefotografen, dass<br />

Ihre Assistenten die meiste Arbeit tun. Deshalb<br />

muss man eigentlich alles können, von Studiobeleuchtung<br />

bis hin zum Tee- <strong>und</strong> Kaffeekochen.<br />

Ich habe mal gehört, dass ein Assistent schon wissen sollte, was <strong>der</strong> Fotograf<br />

braucht, bevor <strong>der</strong> überhaupt danach fragt. Das war ein guter Tipp. <strong>Der</strong> Tag beginnt<br />

in <strong>der</strong> Regel mit dem Aufbau vor Ort. Dann begrüßt man die K<strong>und</strong>en. Beim Shooting<br />

muss <strong>der</strong> Assistent dem Fotografen zur Hand gehen. O<strong>der</strong> er prüft <strong>und</strong> redigiert die<br />

Aufnahmen auf einem Laptop. Wenn das Shooting vorbei ist, muss <strong>der</strong> Assistent<br />

noch alles einpacken <strong>und</strong> die Ausrüstung aufräumen.<br />

Viele Assistenten werden später selbst Fotografen. Wie geht das,<br />

wie wird aus einem Assistenten ein Fotograf?<br />

Als Fotoassistent, egal in welchem Bereich, lernt man sehr viel darüber, wie Profis<br />

arbeiten. Aber egal wie lange man assistiert, man muss auch immer eigene Fotos<br />

machen. Das ist sehr wichtig. Und weil Modefotografie so hart umkämpft ist, sollte<br />

man nicht nur die <strong>Fotografie</strong>, son<strong>der</strong>n auch die Mode lieben.<br />

Was für Ratschläge können Sie denjenigen geben, die Assistent bei Fashion-Shootings<br />

werden wollen? Worauf sollte man achten?<br />

Sie sollten sich fragen, mit wem Sie arbeiten wollen. Gehen Sie auf diejenigen Fotografen<br />

zu, <strong>der</strong>en Arbeit Sie inspiriert. Jeden Tag kommen Menschen auf Fotografen<br />

zu <strong>und</strong> bitten um Arbeit. Sie müssen sich von <strong>der</strong> Masse abheben. Ich habe<br />

statt E-Mails lieber Briefe geschrieben. Das ist persönlicher. Ich habe ihnen erklärt,<br />

warum ich für sie arbeiten wollte. Es klingt glamourös, aber bei <strong>der</strong> Modefotografie<br />

sind die Arbeitstage sehr lang <strong>und</strong> sie fangen früh an. Und man muss immer warten,<br />

bis die Models fertig sind.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 93


TECHNIKEN<br />

TESTAUFNAHMEN<br />

Models müssen bei einem<br />

Shooting oft unbequeme<br />

Stellungen einnehmen.<br />

Fotografen sollten darauf<br />

achten, diese so weit nur irgend<br />

möglich zu minimieren.<br />

Das richtige Model<br />

Wenn Sie Ihre Fotos fürs Portfolio machen,<br />

brauchen Sie zuallererst Models. Und falls Ihre<br />

Fre<strong>und</strong>e <strong>und</strong> Bekannten mal nicht einspringen können,<br />

ist es vielleicht keine schlechte Idee, bei einer<br />

Agentur anzufragen.<br />

• www.fotocommunity.de<br />

Dies ist eine <strong>der</strong> beliebtesten Seiten. Hier schauen viele<br />

Fotografen <strong>und</strong> Models als Erstes nach.<br />

• www.model-kartei.de <strong>und</strong> www.14model.de<br />

Diese Seiten sind ähnlich wie fotocommunity.de,<br />

werden aber nicht so stark frequentiert.<br />

„Wie die Models im Bild aussehen,<br />

das unterliegt allein <strong>der</strong><br />

Verantwortung des Fotografen.“<br />

94 PorTräTFoTogrAFIE


FASHION-PORTRÄTS<br />

So managt man Models<br />

© Alle Bil<strong>der</strong> oben von Kevin Michael Reed<br />

Eines <strong>der</strong> wichtigsten Elemente <strong>der</strong> High-End-<br />

Modefotografie ist die Fähigkeit des Fotografen, mit<br />

Models zu arbeiten. Das ist bei <strong>Porträt</strong>s schon sehr<br />

wichtig, aber im High-End-Bereich ist es unerlässlich.<br />

Denn hier muss man dem Model komplexe<br />

<strong>und</strong> spezifische Visualisierungen vermitteln. Wie<br />

auch ein Regisseur, <strong>der</strong> mit seinen Darstellern<br />

redet, so muss <strong>der</strong> Modefotograf sicherstellen,<br />

dass die Models die Zielsetzung verstanden haben.<br />

Idealerweise fängt <strong>der</strong> Fotograf damit an, dass<br />

er den Models das Konzept <strong>und</strong> das Feeling <strong>der</strong><br />

Aufnahmen vermittelt <strong>und</strong> ihnen dann die Freiheit<br />

lässt, diese auf ihre Weise zu interpretieren, so wie<br />

Schauspieler. „Ich denke, gute Models haben die<br />

Fähigkeit, die Vorgaben des Fotografen anzunehmen<br />

<strong>und</strong> darauf aufzubauen“, erklärt Kevin Michael<br />

Reed. „Ich gebe den Models absichtlich nicht zu<br />

viele Anweisungen, außer sie tun etwas, was ich<br />

sehr mag o<strong>der</strong> gar nicht mag. Ich gebe ihnen positives<br />

Feedback, weil es ihnen bei <strong>der</strong> Arbeit hilft,<br />

FLEXIBLE<br />

FASHION MAL 5<br />

High-End Fotografen müssen<br />

in <strong>der</strong> Lage sein, mit ihren<br />

Bil<strong>der</strong>n viele verschiedene<br />

Stimmungen auszudrücken,<br />

wie diese Fotos aus dem<br />

Portfolio von Profi-Fotograf<br />

Kevin Michael Reed zeigen.<br />

FASHION<br />

FREAK-OUT<br />

In vielen High-End-<br />

Fashion-Fotos wirkt das<br />

Model, als ob es kalt <strong>und</strong><br />

ungemütlich ist. Die Posen<br />

sollen das Bild ergänzen.<br />

Wenn das Umfeld subtil<br />

ist, können die Posen hart<br />

sein <strong>und</strong> <strong>der</strong> Stimmung <strong>der</strong><br />

Szene wi<strong>der</strong>sprechen. Das<br />

ist wichtig, denn vielleicht<br />

wollen Sie noch ein o<strong>der</strong> zwei<br />

Aufnahmen machen, solange<br />

das Model zur Verfügung<br />

steht. Es gibt nichts<br />

Schlimmeres, als wenn am<br />

Ende des Tages ein wichtiges<br />

Bild fehlt.<br />

Bilddetails: Canon EOS<br />

5D Mark III mit einem<br />

70–200-mm-Objektiv bei 115<br />

mm <strong>und</strong> f8,<br />

1/125 Sek., ISO 100<br />

aber im Gr<strong>und</strong>e vermittle<br />

ich eher eine allgemeine<br />

Vorstellung von dem,<br />

was ich suche, <strong>und</strong><br />

lasse sie selbst damit<br />

arbeiten.“ Wenn man<br />

sich als Fotograf einmal<br />

etabliert ist, kann man sich<br />

aussuchen, mit wem man am<br />

liebsten arbeitet. Mit genügend<br />

Erfahrung weiß man, wonach man<br />

Ausschau halten soll. „Ich caste am liebsten Models,<br />

die wissen, wie sie sich zu bewegen haben“,<br />

erklärt Reed. „Das kann ich in <strong>der</strong> Regel an ihrem<br />

Portfolio erkennen. Stehen sie steif da o<strong>der</strong> nehmen<br />

sie viele verschiedene Posen ein? Bei größeren<br />

Projekten haben wir beim Casting in <strong>der</strong> Regel eine<br />

Kamera <strong>und</strong> etwas Beleuchtung <strong>und</strong> ich mache so<br />

10 bis15 Fotos, um zu sehen, was das Model kann.“<br />

Neben <strong>der</strong> Beleuchtung sind die Models <strong>und</strong> ihre<br />

© Chris Yates<br />

Kevin Michael Reed<br />

Reed ist ein international renommierter<br />

Mode- <strong>und</strong> Beauty-Fotograf, <strong>der</strong> hauptsächlich<br />

in New York <strong>und</strong> Los Angeles<br />

arbeitet. Er hält regelmäßig Seminare bei<br />

Mode- <strong>und</strong> Foto-Events. 2011 gründete<br />

er Passion Of Photography Inc. mit<br />

dem Ziel, Fotografen auszubilden<br />

<strong>und</strong> zu motivieren.<br />

Posen am Tag des Shootings für den Fotografen<br />

sicherlich das Hauptaugenmerk.<br />

Für Make-up, Haare <strong>und</strong> Kleidung gibt es<br />

an<strong>der</strong>e Profis, aber wie die Models im Bild<br />

aussehen, das unterliegt allein <strong>der</strong> Verantwortung<br />

des Fotografen. Dessen Fähigkeit,<br />

aus den Models das Beste rauszuholen, ist<br />

absolut essenziell. „Die High-End-Modefotografie<br />

ist an sich sehr künstlerisch <strong>und</strong> lässt<br />

einem die Freiheit, auf kreative <strong>und</strong> fantasievolle<br />

Weise zu arbeiten,“ schwärmt Kevin Michael Reed.<br />

„Wenn man Fotos für einen Katalog macht, muss<br />

man alle Details <strong>der</strong> Klei<strong>der</strong> zeigen <strong>und</strong> das heißt,<br />

dass die Models meist gerade dastehen müssen.<br />

Bei High-End-Modefotos können Regeln gebrochen<br />

werden. Manchmal geht es mehr um eine<br />

Stimmung o<strong>der</strong> ein Gefühl. Man hat bei den Posen<br />

dann viel kreative Freiheit. Bei <strong>der</strong> High-End-Modefotografie<br />

sieht man oft auch verzerrte o<strong>der</strong> unnatürlichen<br />

Posen.“<br />

Power-Posen<br />

Wir befragten den Fotografen<br />

Chris Yates zu seinen Ratschlägen<br />

über Models <strong>und</strong> ihre Posen.<br />

Welche Tipps haben Sie für uns, um das Eis mit<br />

Models zu brechen <strong>und</strong> sicherzustellen, dass sie<br />

die erfor<strong>der</strong>lich Posen verstanden haben?<br />

In den ersten 5 bis 10 Minuten kann ich ein paar<br />

Testfotos mit dem Model machen. Unterteilen Sie die<br />

Posen in verschiedene Phasen <strong>und</strong> reden Sie dabei die<br />

ganze Zeit mit Ihrem Model. Das ist sehr nützlich <strong>und</strong><br />

hilft Ihnen auch, den Look zu definieren. Vergessen Sie<br />

nicht, dass ein Model nicht lange in allzu unbequemen<br />

Posen bleiben kann, also müssen Sie die Aufnahme<br />

vorher vielleicht ein paarmal proben.<br />

Haben Sie bei <strong>der</strong> High-End-<strong>Fotografie</strong> einen<br />

an<strong>der</strong>en Ansatz als bei an<strong>der</strong>en Arten von Fotos?<br />

Die Pose ist <strong>der</strong> wichtigste Aspekt <strong>der</strong> High-End-<strong>Fotografie</strong>. Sie sollte dynamisch <strong>und</strong><br />

ausdrucksvoll sein – nicht nur die Hände auf <strong>der</strong> Hüfte, mit einem gequälten Lächeln.<br />

Die Posen sollen das Bild ergänzen. Wenn das Umfeld subtil ist, können die Posen hart<br />

sein <strong>und</strong> <strong>der</strong> Stimmung <strong>der</strong> Szene wi<strong>der</strong>sprechen. Checken Sie dabei immer wie<strong>der</strong><br />

Bil<strong>der</strong>. Auch am Ende je<strong>der</strong> Sequenz, bevor Sie zur nächsten übergehen. Das ist<br />

wichtig, denn vielleicht wollen Sie noch ein o<strong>der</strong> zwei Aufnahmen machen, solange das<br />

Model zur Verfügung steht. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn am Ende des Tages,<br />

wenn alle heimgehen, ein wichtiges Bild fehlt.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 95


TECHNIKEN<br />

Privat<br />

Im Studio haben Ihre Models<br />

mehr Privatsphäre als an<br />

einer Location. Außerdem<br />

ist es durchaus möglich,<br />

dass Sie während eines<br />

Shootings außerhalb<br />

von völlig Fremden, die<br />

nicht zum Team gehören,<br />

unterbrochen werden.<br />

HINTER GESCHLOSSENEN TÜREN<br />

Ein Fotostudio ist ein privates, kontrollierbares Umfeld,<br />

in dem Sie sich um das Wetter keine Sorgen machen müssen.<br />

Ausstattung<br />

• ZUBEHÖR<br />

Bei <strong>Porträt</strong>aufnahmen je<strong>der</strong> Art<br />

gehört <strong>der</strong> Reflektor zum wesentlichen<br />

Zubehör. Kevin Michael<br />

Reed benutzt sogar Styroporplatten<br />

als behelfsmäßige Reflektoren.<br />

• MODIFIKATOREN<br />

Ein Beauty Dish ist einer <strong>der</strong> beliebtesten<br />

<strong>und</strong> am meisten verwendeten Modifikatoren<br />

in <strong>der</strong> High-End-<strong>Fotografie</strong>. <strong>Der</strong><br />

Effekt ist ähnlich wie bei einer Softbox,<br />

aber das Resultat ist ausgefallener.<br />

• FOLIEN<br />

Die Verwendung von Farbfolien<br />

ist Geschmackssache. Einige<br />

High-End-Modefotografen<br />

benutzen sie so gut wir gar<br />

nicht, an<strong>der</strong>e wie<strong>der</strong>um<br />

sehr oft.<br />

• OBJEKTIVE<br />

Bei <strong>der</strong> Wahl ihres Objektives richten<br />

sich High-End-Fotografen nach <strong>der</strong><br />

Brennweite <strong>und</strong> <strong>der</strong> Qualität. Ob es<br />

eine Zoomlinse ist o<strong>der</strong> eine feste<br />

Brennweite, ist nebensächlich. Große<br />

Öffnungen werden selten verwendet,<br />

denn man arbeitet viel mit Blitz.<br />

96 PORTRÄTFOTOGRAFIE<br />

Mode im Studio<br />

Eine <strong>der</strong> ersten Entscheidungen, die Sie als Fotograf<br />

treffen müssen, ist <strong>der</strong> Ort, an dem das Shooting<br />

stattfindet. „Die Vorbereitung ist wahrscheinlich<br />

das Wichtigste“, sagt Kevin Michael Reed. „Um das<br />

richtige Motiv zu finden, muss man verschiedene<br />

Plätze besichtigen.“ Vergessen Sie nie, dass das<br />

Motiv zum Look Ihres Shootings passen muss – <strong>und</strong><br />

nicht umgekehrt. Manche Shootings funktionieren<br />

vor Ort am besten, für an<strong>der</strong>e wie<strong>der</strong>um sollte man<br />

ins Studio gehen. Ein Studio bietet den Vorteil eines<br />

kontrollierten Umfelds. In <strong>der</strong> Regel haben Studios<br />

Gar<strong>der</strong>oben, Klimaanlage o<strong>der</strong> Heizung, ein Luxus,<br />

den Sie an an<strong>der</strong>en Orten nicht unbedingt haben<br />

– <strong>und</strong> im Freien gewiss nicht. Wenn Sie einen<br />

Studioraum mieten, dürfen Sie nicht vergessen,<br />

dass damit erhebliche Kosten verb<strong>und</strong>en sind, die<br />

Sie in Ihrem Budget <strong>und</strong> Ihrem Honorar für das<br />

Shooting mit einkalkulieren müssen. Dennoch<br />

beschreibt Kevin Michael Reed das Studio als die<br />

„kostengünstigere“ Option. Am besten recherchieren<br />

Sie gründlich, um sicherzustellen, dass <strong>der</strong> Raum<br />

auch den Anfor<strong>der</strong>ungen des Shootings – <strong>und</strong><br />

denen <strong>der</strong> K<strong>und</strong>en – gerecht wird. Wenn Sie Ihr<br />

eigenes Studio haben, sollten Sie alles, was Sie<br />

für das Shooting brauchen, stets bereithalten. Ihr<br />

Studio ist Ihre Visitenkarte, also müssen Sie auf so<br />

viele Details wie möglich achten, bevor Sie einen<br />

wichtigen K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> ein großes Team zu einem<br />

High-End-Fotoshooting einladen. Ein großer Vorteil<br />

von Studios <strong>und</strong> Ateliers ist, dass Sie sich keine<br />

Sorgen ums Wetter machen müssen <strong>und</strong> dass<br />

alle gr<strong>und</strong>legenden Einrichtungen frei verfügbar<br />

sind. Auch die Tatsache, dass ein Studio einen<br />

zentralen, sicheren <strong>und</strong> privaten Treffpunkt für das<br />

gesamte Team bietet, ist ein entscheiden<strong>der</strong> Vorteil.<br />

Kevin Michael Reed ist <strong>der</strong> Meinung, dass „bei<br />

Studioscheinwerfern die Sonne nie untergeht“. Man<br />

kann so lange wie nötig arbeiten. Doch Reed weist<br />

auch auf einen Nachteil hin, den die Leute bei <strong>der</strong><br />

Planung oft übersehen. „Nach einigen Tagen fühlt<br />

es sich etwas klaustrophobisch an“, erklärt er. Das<br />

sollten Sie nicht vergessen <strong>und</strong> dementsprechend<br />

sollten Sie bei Ihrer Vorbereitung mit einplanen,<br />

dass Sie die Zeit effizient nutzen <strong>und</strong> auch<br />

genügend Pausen machen, damit die Leute auch<br />

mal durchatmen können.<br />

„Manche Shootings funktionieren vor Ort,<br />

für an<strong>der</strong>e sollte man ins Studio gehen.“


FASHION-PORTRÄTS<br />

Die Vorteile eines<br />

Studio-Shootings<br />

Gar<strong>der</strong>oben<br />

Natürlich ziehen Models es vor,<br />

einen eigenen Raum zu haben,<br />

in dem sie sich umziehen können.<br />

Auch die Stylisten brauchen<br />

einen Ort, wo sie ihre Arbeit<br />

verrichten können.<br />

Viele Studios haben dafür<br />

vorgesehene Räume.<br />

01 KOSTENGÜNSTIG<br />

Es hängt natürlich von den Anfor<strong>der</strong>ungen<br />

des konkreten Projekts ab, aber<br />

bei Shootings in einem Studio o<strong>der</strong> Atelier<br />

kann man oftmals Kosten sparen, da<br />

mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen<br />

– <strong>und</strong> potenzielle Probleme von vorneherein<br />

gar nicht auftauchen.<br />

KEINE PROBLEME MIT<br />

02 DEM WETTER<br />

Im sicheren Studio muss man sich keine<br />

Sorgen um das Wetter mehr machen, <strong>und</strong><br />

ob es nach <strong>der</strong> Mittagspause regnen könnte.<br />

Man kann auch dann in Ruhe arbeiten,<br />

wenn es wie aus Eimern schüttet.<br />

03 KAFFEEPAUSEN<br />

Wenn das Team mal eine Pause<br />

braucht, um eine Tasse Kaffee zu trinken<br />

o<strong>der</strong> auf Toilette zu gehen, ist das im Studio<br />

sehr viel einfacher als am Motiv.<br />

04 SICHERHEIT<br />

Man muss sich um die Sicherheit<br />

seines Teams – <strong>und</strong> <strong>der</strong> Ausrüstung<br />

– bei Shootings im Studio viel weniger Sorgen<br />

machen. Türen können abgeschlossen<br />

<strong>und</strong> Fenster zugemacht werden.<br />

KLEINERES TEAM<br />

05 Auch das hängt wie<strong>der</strong> vom<br />

Projekt ab, aber im Studio werden oft<br />

weniger Leute benötigt, weil das Umfeld<br />

sicherer <strong>und</strong> kalkulierbarer ist.<br />

06 LICHT<br />

Im Studio reicht ein normaler<br />

Blitz, aber vor Ort an einer Location<br />

braucht man oft geson<strong>der</strong>te Beleuchtung<br />

mit zusätzlichen Batterien.<br />

TREFFPUNKT FÜRS<br />

07 TEAM<br />

Es ist für alle viel angenehmer, wenn das<br />

Team sich im Studio treffen soll, anstatt<br />

irgendwo draußen unter freiem Himmel.<br />

08 TEMPERATUR<br />

Die Scheinwerfer können<br />

ungemütlich heiß werden, aber wenn es<br />

im Studio eine Klimaanlage gibt, kann<br />

man das besser ertragen. Vor Ort ist den<br />

leicht bekleideten Models oft kalt, aber<br />

in einem beheizten Studio ist das kein<br />

Problem.<br />

© Ishmil Waterman<br />

HAAR UND<br />

MASKE<br />

Bei High-End-<br />

Shootings kümmern<br />

sich Experten um<br />

die Frisuren <strong>und</strong> das<br />

Make-up <strong>der</strong> Models.<br />

BLAUE FOLIE<br />

(UNTEN LINKS)<br />

ORANGEFARBIGE<br />

FOLIE<br />

(OBEN RECHTS)<br />

BEAUTY<br />

DISH<br />

MOTIV<br />

HINTERGRUND<br />

ARBEITEN MIT<br />

FOLIEN<br />

„Dieses Bild war ein Test,<br />

wir haben an dem Tag mit<br />

Folien experimentiert“,<br />

erklärt Ishmil Waterman.<br />

Mit Folien kann man<br />

einen ausgefallenen <strong>und</strong><br />

ungewöhnlichen Look<br />

erreichen, <strong>der</strong> für High-End-<br />

Fotos ideal ist.<br />

SIMPLER AUFBAU<br />

Ishmil hat eine blaue<br />

Folie über die linke<br />

Seite des Objektivs<br />

angebracht <strong>und</strong> eine<br />

Warmtonfolie oben rechts.<br />

Die Hauptlichtquelle ist ein<br />

Beauty Dish.<br />

PORTRÄTFOTOGRAFIE 97


TECHNIKEN<br />

Was man vor Ort<br />

– on location –<br />

bedenken sollte<br />

TOLLE HINTERGRÜNDE<br />

01 Vor Ort kann man sich schöner Hintergründe<br />

<strong>und</strong> traumhafter Gebäude bedienen, die man in<br />

einem Studio unmöglich aufbauen kann.<br />

INSPIRIERENDE ORTE<br />

02 Ein Fotostudio kann erdrückend sein. Die<br />

Suche nach inspirierenden Locations, an denen<br />

man das Shooting macht, kann für Ideen för<strong>der</strong>lich<br />

sein. Man kann dabei gut durchatmen.<br />

ZUSCHAUER UND<br />

03 PASSANTEN<br />

On location kann es immer passieren, dass Passanten<br />

stehen bleiben <strong>und</strong> zuschauen. Die Menschen<br />

sind von professionellen Mode-Fotoshootings<br />

fasziniert, insbeson<strong>der</strong>e wenn auch noch schöne<br />

Models dabei sind.<br />

04 AUSRÜSTUNG<br />

Sie müssen die Ausrüstung sicher an<br />

die Location <strong>und</strong> wie<strong>der</strong> zurückbringen. Zudem ist<br />

die Gefahr vorhanden, dass etwas beschädigt o<strong>der</strong><br />

gestohlen wird.<br />

05 GEBÜHREN<br />

Viele <strong>der</strong> beliebtesten Standorte verlangen<br />

eine Gebühr dafür, dass Sie, Ihre Models <strong>und</strong> Stylisten<br />

einen Tag lang Fotos machen dürfen. Das muss<br />

bei Ihrer Kalkulation berücksichtigt werden.<br />

06 ORGANISATION<br />

Beim Shooting vor Ort müssen Sie sicherstellen,<br />

dass alles sehr gut organisiert ist, insbeson<strong>der</strong>e<br />

wenn teure Gebühren anstehen. Falls das<br />

übersehen wird <strong>und</strong> die Fotos ruiniert sind, erstattet<br />

<strong>der</strong> K<strong>und</strong>e nichts zurück.<br />

VORSICHT MIT DEM WETTER<br />

07 „Man muss extrem flexibel bleiben“,so Chris<br />

Yates. „Man hat seinen Tag geplant, die Location gef<strong>und</strong>en,<br />

die Zeit festgelegt – <strong>und</strong> dann macht einem<br />

das Wetter einen Strich durch die Rechnung.“<br />

Auf den richtigen Ort kommt es an<br />

Viele High-End-Fotoshootings finden vor Ort<br />

– „on location“ – statt, sowohl innen als auch draußen,<br />

weil es schlicht <strong>und</strong> einfach nicht möglich ist,<br />

jedes Foto im Studio zu machen. Das Setting ist<br />

ein integraler Bestandteil. Dazu Chris Yates: „On<br />

Location zu arbeiten ist etwas ganz an<strong>der</strong>es als<br />

im Studio. Es stehen einem viel mehr Optionen<br />

offen. Aber bei <strong>der</strong> Planung gehört ebenfalls viel<br />

mehr dazu.“ Obwohl also Kulissen aufgr<strong>und</strong> ihres<br />

Settings erhebliche Vorteile mit sich bringen, kann<br />

bei Shootings vor Ort auch ein größeres Team<br />

notwendig sein. Es gibt vor dem Shooting viel zu<br />

arrangieren <strong>und</strong> zu organisieren. An vielen Plätzen<br />

ist eine Genehmigung erfor<strong>der</strong>lich – <strong>und</strong> seien Sie<br />

nicht überrascht, wenn die Gebühr nicht immer<br />

günstig ist. Zudem kann es sein, dass man kaum<br />

Privatsphäre hat. Auch muss man eventuell einen<br />

Wachdienst mit <strong>der</strong><br />

Sonnen<br />

aufgang <strong>und</strong><br />

-untergang<br />

Selbst wenn das Shooting nachts<br />

stattfindet, sind Sie immer noch an<br />

die Zeiten geb<strong>und</strong>en, an denen die<br />

Sonne auf- <strong>und</strong> untergeht. Wenn<br />

Sie im Winter arbeiten, hält das<br />

Tageslicht nicht lange an.<br />

Sicherheit beauftragen,<br />

wie<br />

Kevin Michael<br />

Reed sagt,<br />

meistens<br />

dann,<br />

wenn man<br />

an dicht<br />

besiedelten<br />

o<strong>der</strong> stark<br />

frequentierten<br />

Orten arbeitet. Vergessen Sie auch nicht, dass<br />

Ihre Models Toiletten <strong>und</strong> Gar<strong>der</strong>oben brauchen,<br />

immerhin müssen sie sich zwischen den Aufnahmen<br />

umziehen o<strong>der</strong> umstylen. Auch Transportkosten<br />

können schnell explodieren, denn häufig<br />

müssen eine Menge teurer <strong>und</strong> schwerer Geräte<br />

sicher zur Location gelangen. Dazu muss man oft<br />

Fahrzeuge <strong>und</strong> Fahrer mieten. Doch das größte<br />

Problem ist zweifelsohne das Wetter. Wenn ein<br />

unvorhergesehener Platzregen aufkommt, war die<br />

ganze Planung <strong>und</strong> Organisation umsonst. Dann<br />

muss man umdisponieren. Auch wenn sich das<br />

Wetter brav an die Vorhersagen hält, können die<br />

Außentemperaturen den Models <strong>und</strong> dem ganzen<br />

Team schwer zu schaffen machen. An warmen<br />

Tagen können die Hitze <strong>der</strong> Sonne <strong>und</strong> auch die<br />

Abstrahlungen <strong>der</strong> Scheinwerfer unangenehm<br />

werden <strong>und</strong> an kühlen Tagen kann es vorkommen,<br />

dass den Models in ihren modischen Klei<strong>der</strong>n<br />

schlicht <strong>und</strong> einfach zu kalt ist. Darüber hinaus<br />

müssen Sie immer die Uhr im Auge behalten, denn<br />

wenn die Sonne untergeht, ist das Shooting in <strong>der</strong><br />

Regel beendet. „Man ist wirklich von <strong>der</strong> Gnade<br />

<strong>der</strong> Natur abhängig“, sagt Kevin Michael Reed,<br />

aber er merkt auch an, dass es einen Vorteil gibt.<br />

Shootings vor Ort, insbeson<strong>der</strong>e Außenmotive,<br />

haben in <strong>der</strong> Regel eine geräumiger wirkende<br />

Atmosphäre. „Vor Ort hat man viel Platz <strong>und</strong><br />

kann sich auch mal zurückziehen.“<br />

„Das größte Problem bei einer On-Location-<br />

Produktion ist zweifelsohne das Wetter.“<br />

© Chris Yates<br />

REFLEKTOREN AM MOTIV<br />

<strong>Der</strong> Fotograf Chris Yates hat dieses eindrucksvolle<br />

<strong>und</strong> klassisch wirkende Bild (rechts) gemacht, mit einem<br />

Reflektoraufbau (unten) am Motiv.<br />

MÄNNLICHES MODEL<br />

WEIBLICHES MODEL<br />

REFLEKTOR<br />

REFLEKTORÜBUNG<br />

„Diese Aufnahme entstand an einem sonnigen Tag“, erklärt<br />

Chris Yates. „Mit dem Reflektor hatte das Model einen etwas<br />

sanfteren Lichteffekt.“ Bilddetails: Canon EOS 5D Mark III mit<br />

einem 70-200mm-Objektiv bei 110 mm <strong>und</strong> f8, 1/125 Sek, ISO 100<br />

Privatsphäre<br />

Sie müssen darauf achten,<br />

dass die Models einen Ort haben,<br />

an dem sie sich umziehen<br />

können, <strong>und</strong> dass die Stylisten<br />

einen geeigneten Arbeitsplatz<br />

haben. Im Notfall müssen Sie<br />

WoMos mieten.<br />

98 PORTRÄTFOTOGRAFIE


FashiOn-POrtrÄts<br />

Ein Kuss in Paris?<br />

„nein, das ist nicht Paris. Die<br />

Frage stellt je<strong>der</strong>“, sagt Kevin<br />

Michael reed. „Es ist Coney<br />

island in Brooklyn. außer <strong>der</strong><br />

sonne haben wir noch einen<br />

Beauty Dish für das Licht<br />

verwendet. Die Farbtöne<br />

wurden später abgestimmt.“<br />

Bilddetails: PhaseOne 645DF<br />

plus P40+ digital back mit<br />

einem 80-mm-Objektiv bei f8,<br />

1/400 sek., isO 50<br />

© Kevin Michael reed<br />

Besorgen<br />

Sie sich eine<br />

Versicherung<br />

Es ist unklug, ohne eine gültige<br />

Haftpflichtversicherung zu<br />

arbeiten. Auch die teure Ausrüstung<br />

sollte versichert sein.<br />

On Location kann vieles<br />

schiefgehen.<br />

POrtrÄtFOtOgraFiE 99


TECHNIKEN<br />

So kommt man in Mode<br />

AVEDON-EXPERIMENT<br />

„Das ist das einzige Foto von mir, von<br />

dem ich noch nicht die Nase voll habe“,<br />

erklärt Ishmil Waterman. „Es wurde<br />

direkt von Richard Avedon inspiriert.<br />

Ich erinnere mich nicht mehr genau an<br />

die Beleuchtung, aber die Mutationen<br />

entstanden in Photoshop.“<br />

© Ishmil Waterman<br />

Wie bei den meisten Bereichen <strong>der</strong><br />

<strong>Fotografie</strong> gibt es für High-End-Modefotografen<br />

mehr als nur einen Karrierepfad.<br />

Für Kevin Michael Reed war<br />

es ein „glücklicher Zufall“, dass er<br />

Fotograf wurde. „Ich war für eine<br />

Werbeagentur in New Haven tätig, wir<br />

arbeiteten an einem Projekt für einen<br />

K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> <strong>der</strong> Fotograf zeigte sich<br />

nicht. Und wir hatten einen strikten<br />

Abgabetermin. Ich hatte zufällig meine<br />

Kamera dabei. Es war kein riesiges<br />

Projekt, aber als ich meine Bil<strong>der</strong><br />

gedruckt vor mir sah, wurde meine<br />

Leidenschaft entfacht.“ Schließlich<br />

entschloss Kevin sich, am Fashion<br />

Institute of Technology in New York<br />

zu studieren. 2007 machte er sein eigenes<br />

Studio auf, ebenfalls in New York.<br />

Jungen Fotografen rät er, sich nicht<br />

zu sehr mit Ausrüstung zu verzetteln.<br />

„Gerade am Anfang sollte<br />

man sein Geld für sein Portfolio<br />

<strong>und</strong> fürs Marketing ausgeben<br />

– nicht für teures Spielzeug“,<br />

sagt er. „Ausrüstung kann<br />

man mieten, wenn man<br />

einen Job hat. Aber ohne<br />

ein gutes Portfolio kriegt<br />

man keinen Job. Also muss<br />

man sein Portfolio gut vermarkten.“<br />

Darüber hinaus<br />

rät er, so viel wie möglich<br />

zu fotografieren.„Machen<br />

Sie so viele Shootings wie<br />

möglich. Wenn Sie keinen<br />

Online-Portfolios<br />

Wenn Sie größere Bekanntheit als<br />

High-End-Modefotograf wollen, ist es unbedingt<br />

erfor<strong>der</strong>lich, auch online präsent zu sein.<br />

Hier sind einige <strong>der</strong> besten Webseiten, auf<br />

denen Sie Ihre Fotos zeigen können.<br />

www.flickr.com •<br />

www.photo.net •<br />

www.fotocommunity.de •<br />

Sie können auch Ihre eigene<br />

Webseite bauen. Die folgenden<br />

Seiten können Ihnen dabei helfen:.<br />

www.photoshelter.com •<br />

www.portfoliobox.net •<br />

www.smugmug.com •<br />

www.zenfolio.com •<br />

„Machen Sie so viele Shootings<br />

wie möglich. Wenn Sie keinen K<strong>und</strong>en haben,<br />

stellen Sie sich selbst Herausfor<strong>der</strong>ungen.“<br />

Ishmil Waterman<br />

Ishmil ist erst seit zwei Jahren<br />

Modefotograf, zuvor hat er sich auf<br />

Lifestylefotos <strong>und</strong> <strong>Porträt</strong>s spezialisiert.<br />

Für die Gründung seiner eigenen<br />

Produktionsfirma im Jahr 2013 hat er<br />

ein überzeugendes Portfolio<br />

zusammengestellt, das aus<br />

Mode-, Beauty- <strong>und</strong> Werbefotos<br />

besteht.<br />

100 PORTRÄTFOTOGRAFIE


FasHion-porträts<br />

High-end fashion photography<br />

Die KlassiKer<br />

auf diesem Bild sieht man die<br />

klassischen elemente <strong>der</strong> High-end.<br />

<strong>Fotografie</strong>. ein distanziertes Model,<br />

das die Kamera ignoriert <strong>und</strong> ein<br />

geschmackvoller schuss sexappeal.<br />

© Yanick Déry<br />

K<strong>und</strong>en haben, dann stellen Sie sich selber<br />

eine Herausfor<strong>der</strong>ung.“ Ishmil Waterman hält<br />

es für unerlässlich, sich auch über das Internet<br />

weiterzubilden. „Youtube <strong>und</strong> das Internet sind<br />

Ihre besten Fre<strong>und</strong>e. Dort erfahren Sie viel über<br />

neue Techniken, die Sie vielleicht interessieren.<br />

Wichtig ist, dass Sie stets hartnäckig bleiben <strong>und</strong><br />

es in <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> immer wie<strong>der</strong> von Neuem<br />

versuchen. Auch sollten Sie ständig dazulernen<br />

<strong>und</strong> Ihr Portfolio erweitern. Sie sollten bei sozialen<br />

Netzwerken aktiv sein <strong>und</strong> Ihre Fotos auch<br />

online vorweisen können.“ Ishmil Waterman<br />

rät, Fotos freizügig zu teilen, statt diese hinterm<br />

Berg zu halten. So erlangt man mehr Bekanntheit<br />

<strong>und</strong> gilt als offen <strong>und</strong> zugänglich. „Mein<br />

Wissen kann sich je<strong>der</strong> aneignen. Und wenn<br />

jemand meine Methoden verwendet, dann denkt<br />

er trotzdem nicht wie ich. Das Ergebnis wird<br />

immer an<strong>der</strong>s sein. Also teilen Sie am besten<br />

alles. Wenn man denkt, man sei <strong>der</strong> Einzige in<br />

<strong>der</strong> Welt, <strong>der</strong> weiß, wie etwas geht, <strong>und</strong> es mit<br />

niemandem teilen will, dann wirkt man nur<br />

unangenehm <strong>und</strong> arrogant.“<br />

Wie sind Sie zur High-End-<br />

Mode-<strong>Fotografie</strong> gekommen?<br />

In meinem dritten Studienjahr<br />

habe ich als Pressefotograf für<br />

zwei Lokalzeitungen gearbeitet,<br />

um Geld für die Studiengebühren<br />

<strong>der</strong> Fotokurse zu<br />

verdienen. Modefotografie war<br />

Teil des Curriculums <strong>und</strong> einer<br />

<strong>der</strong> Agenturen gefielen meine Bil<strong>der</strong> – <strong>und</strong> meine<br />

Preise. Also habe ich Portfolio-Bil<strong>der</strong> für ihre Models<br />

gemacht. Ich bekam tolles Feedback <strong>und</strong> fing an, für<br />

verschiedene Agenturen in Montreal zu arbeiten. Ein<br />

Jahr später bin ich nach Paris gegangen, um mich in<br />

<strong>der</strong> Modewelt umzusehen.<br />

<strong>Der</strong> Weg zur Mode<br />

Wir sprachen mit Yanick Déry über seinen Weg in<br />

die High-End-Modefotografie <strong>und</strong> seine Ratschläge<br />

für die junge Generation.<br />

Warum entscheidet sich ein K<strong>und</strong>e für einen<br />

bestimmten Fotografen für ein Shooting?<br />

<strong>Der</strong> K<strong>und</strong>e will einen bestimmten Fotografen, weil er<br />

dessen Vision <strong>und</strong> künstlerischen Stil schätzt.<br />

Welchen Ratschlag würden Sie jungen Fotografen<br />

geben, die in dem Bereich arbeiten wollen?<br />

Halten Sie es möglichst einfach. Und Sie sollten keine<br />

an<strong>der</strong>en Fotografen imitieren. Machen Sie jede Woche<br />

neue Fotos. Schauen Sie nicht in Modezeitschriften<br />

o<strong>der</strong> Kunstmagazine. Entwickeln Sie Geschichten, die<br />

aus zehn Bil<strong>der</strong>n o<strong>der</strong> noch mehr bestehen, zehn<br />

verschiedene Klei<strong>der</strong> <strong>und</strong> Situationen. Seien Sie bei<br />

dem, was Sie zeigen, wählerisch <strong>und</strong> beständig. Sie<br />

sollten auf Ihre Arbeit stolz sein, aber auch die<br />

Bodenhaftung nicht verlieren. Es sind ja nur Fotos.<br />

porträtFotograFie 101


TECHNIKEN<br />

Babys & Kin<strong>der</strong><br />

Die Schönheit eines Neugeborenen<br />

o<strong>der</strong> die Persönlichkeit eines Kindes<br />

auf einem Foto festzuhalten ist<br />

etwas, was sich alle wünschen.<br />

Wir interviewen einige Profis, <strong>und</strong><br />

erklären, wie auch Ihnen solche<br />

Aufnahmen gelingen.<br />

E<br />

s ist mehr als nur ein „normales“ Foto, wenn<br />

man die Zartheit eines Neugeborenen o<strong>der</strong> das<br />

freche Grinsen eines Kleinkindes mit <strong>der</strong><br />

Kamera einfängt. Da solche Bil<strong>der</strong> sehr persönlich<br />

sind, gehören sie wahrscheinlich zu den<br />

denkwürdigsten Erinnerungstücken <strong>der</strong> Eltern. Das ist <strong>der</strong><br />

Gr<strong>und</strong>, warum <strong>der</strong> Markt für die <strong>Porträt</strong>s Neugeborener <strong>und</strong><br />

Kleinkin<strong>der</strong> so schnell wächst. Doch nur wenigen Fotografen<br />

ist dabei Erfolg beschieden. Die Besten <strong>der</strong> Besten heben sich<br />

von Imitatoren dadurch ab, dass sie einen individuellen Stil<br />

entwickelt haben, <strong>der</strong> dann auch noch attraktiv ist. Carrie<br />

Sandoval aus San Diego <strong>und</strong> Brittany Woodall aus Atlanta<br />

kannten sich nur über das Internet, aber beide interessierten<br />

sich leidenschaftlich für Babys <strong>und</strong> <strong>Fotografie</strong>. Heute leiten<br />

sie zusammen das wohl coolste Studio für Babyfotografie in<br />

Amerika, Baby As Art. Ihren Erfolg verdanken Sie ihrem<br />

gefragten Look. Sie haben in ganz Südkalifornien dankbare<br />

K<strong>und</strong>en, auch in den von Fotografen heiß umkämpften Bal-<br />

102 PorTräTFoTograFIE


KIn<strong>der</strong> FOtOgraFIeren<br />

fotografieren<br />

lungsgebieten wie Orange County <strong>und</strong> Los Angeles. Allein<br />

dieses Jahr haben sie Flüge nach Hawaii, Colorado, Washington,<br />

New York, Tennessee <strong>und</strong> Montana gebucht, um<br />

vor Ort Babys zu fotografieren. Zu ihren zufriedenen K<strong>und</strong>en<br />

zählen bekannte Namen wie beispielsweise NASCAR-<br />

Rennfahrer Jeff Gordon <strong>und</strong> seine Familie. Ihre Bil<strong>der</strong> erinnern<br />

eher an Gemälde als an Fotos, mit diesem Stil wurden<br />

Carrie <strong>und</strong> Brittany schnell bekannt. Seit 2008 arbeiten sie<br />

in San Diego <strong>und</strong> K<strong>und</strong>en wie Kollegen bewun<strong>der</strong>n ihre<br />

Fähigkeit, fröhlich wirkende Baby in friedlichen Innen- <strong>und</strong><br />

Außenmotiven abzulichten. „Ich wollte schon frühzeitig in<br />

meiner Karriere meinen Stil mit einem Wort beschreiben.<br />

Und zwar ‚natürlich’“, erklärt Brittany. „Meine Fotos sollen<br />

die natürliche Schönheit eines Neugeborenen zeigen, ohne<br />

dass dabei an<strong>der</strong>e Elemente ablenken.“ Ihre Partnerin<br />

stimmt zu: „Britt <strong>und</strong> ich sind natürlich immer an neuen<br />

Posen <strong>und</strong> Requisiten für die Babys interessiert, aber es ist<br />

wichtig, dass das Baby dabei immer im Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> steht.<br />

Wir achten sehr auf die Bildkomposition. Wir bevorzugen<br />

eine geringe Tiefenschärfe <strong>und</strong> sorgen dafür, dass die Texturen<br />

nicht im Kontrast miteinan<strong>der</strong> stehen. Und noch etwas:<br />

Wir besorgen viele unserer Requisiten in Antiquitätenhandlungen<br />

o<strong>der</strong> auf Flohmärkten. Wir arbeiten oft mit Künstlern<br />

wie Holzschnitzern o<strong>der</strong> Strickern. Und wir bedienen uns bei<br />

Mutter Natur. Baumstümpfe <strong>und</strong> Äste sind zum Beispiel sehr<br />

schön.“ Da <strong>der</strong> Wettbewerb in diesem Mark stetig zunimmt,<br />

wissen die beiden nur zu gut, wie wichtig es ist, einen eigenen<br />

Stil zu erschaffen <strong>und</strong> diesen so zu formen, dass daraus<br />

ein greifbares Markenimage wird. „Lei<strong>der</strong> geht <strong>der</strong> Trend<br />

neuer Fotografen eher zum Kopieren, statt selbstständig zu<br />

denken. Unsere Fotos werden oft nachgeahmt, sodass es<br />

innerhalb <strong>der</strong> Babyfotografie weniger Vielfalt gibt“, so Brittany<br />

weiter. „Aber das beeinträchtigt unsere Kreativität nicht<br />

– ganz im Gegenteil, es spornt uns an. Wir überlegen uns<br />

immer neue, noch nie da gewesene Fotoideen. In letzter Zeit<br />

gehe ich auch öfter aus dem Studio heraus <strong>und</strong> suche mir<br />

Strahlende<br />

augen<br />

„ein Schwarz-Weiß-Foto von<br />

einem Jungen, entspannt<br />

<strong>und</strong> aufmerksam.“<br />

Bilddetails: nikon d3S mit<br />

einem 50-mm-Objektiv bei 50<br />

mm <strong>und</strong> f2.5, 1/320 Sek<strong>und</strong>en,<br />

ISO 500 1/320 Sek., ISO 500<br />

© Carrie Sandoval, Baby as art 2010<br />

POrträtFOtOgraFIe 103


TECHNIKEN<br />

„Die Qualität zeigt sich, wenn technische Komponenten<br />

wie Belichtungszeit <strong>und</strong> Weißabgleich gemeistert sind.“<br />

WIE EIN PFIRSICH<br />

„Das Mädchen hängt vom<br />

Ast eines Pfirsichbaums, <strong>der</strong><br />

später eingefügt wurde.“<br />

Bilddetails: Nikon D3S mit 50mm<br />

Objektiv bei 50mm <strong>und</strong> f2, 1/320<br />

Sek., ISO 160<br />

© Carrie Sandoval | Baby as Art 2010<br />

schöne Motive im Freien, um aus den Fotos von Neugeborenen<br />

etwas Beson<strong>der</strong>es zu machen. Babys mit den Wun<strong>der</strong>n<br />

<strong>der</strong> Natur zu kombinieren ist eine <strong>der</strong> reinsten <strong>und</strong> natürlichsten<br />

Kunstformen <strong>und</strong> ich finde es sehr inspirierend.“ Das<br />

Image einer sanften, üppigen <strong>und</strong> natürlichen <strong>Fotografie</strong>, das<br />

das Team genießt, hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.<br />

Darauf kann Baby As Art durchaus bauen, denn ihre Arbeit<br />

ist besser als die <strong>der</strong> meisten ihrer Kollegen <strong>und</strong> die feinen<br />

Unterschiede lassen sie aus <strong>der</strong> Menge „traditioneller“ Babyfotografen<br />

hervorstechen. Das Team ist eine zukunftsweisende<br />

Kraft in dieser Branche. „Die allererste Phase bei Neugeborenen<br />

ist etwas Beson<strong>der</strong>es“, meint Carrie. „Sie dauert nur ein<br />

paar Wochen <strong>und</strong> ich bin voller Bewun<strong>der</strong>ung für diese winzigen<br />

Wesen! Ich wusste von meiner allerersten Session an,<br />

dass ich mich darauf spezialisieren will. Ich liebe die kreative<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung die man hat, wenn die Person, die man porträtiert,<br />

90 Prozent <strong>der</strong> Zeit schläft!“ Die beiden sind für ihre<br />

natürlichen Fotos berühmt <strong>und</strong> sie haben Dutzende von<br />

Babys in <strong>der</strong> freien Natur fotografiert, von den Hügeln Hawaiis<br />

zum Glacier National Park in Montana. Trotzdem, <strong>und</strong> das<br />

gibt das Duo unumw<strong>und</strong>en zu, entstehen die meisten Fotos<br />

im Studio. „85 Prozent unserer Fotoshootings finden in meinem<br />

Studio bei Tageslicht statt“, erklärt Carrie. „Es ist ein<br />

kleines, bescheidenes Zimmer, das leicht zu heizen ist, perfektes<br />

Licht hat <strong>und</strong> uns problemlos Zugriff auf all unsere<br />

Decken <strong>und</strong> Requisiten ermöglicht. Die restlichen 15 Prozent<br />

entstehen beim K<strong>und</strong>en zu Hause. Es ist spannend, ihr<br />

Zuhause als Kulisse zu verwenden <strong>und</strong> mit dem Licht dort zu<br />

arbeiten, aber es macht viel mehr Arbeit! Wir überraschen<br />

viele K<strong>und</strong>en mit den Fleckchen, die wir zum <strong>Fotografie</strong>ren<br />

auswählen. Oft sind es winzige Ecken eines Raumes. Wir<br />

suchen immer nach natürlichem Licht. Idealerweise wollen<br />

wir ein Fenster, das vom Boden bis zur Decke reicht <strong>und</strong> das<br />

indirekt vom Sonnenlicht erhellt wird. Ich mag Fenster, die in<br />

einem 90°-Winkel zu einer Wand sind, so etwas können wir<br />

als Kulisse für ein Familienfoto verwenden. Wir sind dafür<br />

bekannt, dass wir ab <strong>und</strong> zu Möbel für ein Foto neu anordnen<br />

<strong>und</strong> Fliegengitter von den Fenstern entfernen, um ein<br />

wenig mehr Licht hereinzulassen. Niedrige Fenster o<strong>der</strong> Glastüren<br />

sind für uns die besten Fenster, weil wir dann das Baby<br />

für das Foto auf einem weichen Sitzkissen auf dem Boden<br />

platzieren können.“ Um die Zeit für das Setup zu minimieren,<br />

erklärt Brittany, dass das Team die Wohnung gerne am Tag<br />

vor dem Shooting inspiziert: „Manchmal bitten wir den K<strong>und</strong>en<br />

sogar, uns vor <strong>der</strong> Session Bil<strong>der</strong> von den hellsten Fleckchen<br />

im Haus zu schicken. Wenn das Licht nicht ausreicht,<br />

schlagen wir vor, das Shooting bei uns zu machen.“ Neben<br />

<strong>der</strong> Babyfotografie leiten die beiden Damen auch <strong>Fotografie</strong>-Workshops<br />

in einem schönen Strandhaus in ihrem Heimatstaat<br />

Kalifornien. Sie sind gerne bereit, ihr Wissen zu teilen:<br />

„Das Ziel beim <strong>Fotografie</strong>ren von Babys ist im Gr<strong>und</strong>e<br />

ganz einfach, nämlich das Bild mit <strong>der</strong> Kamera festzuhalten“,<br />

so Brittany. „Ich möchte die Fotos in <strong>der</strong> Nachbearbeitung<br />

nur so wenig wie möglich verän<strong>der</strong>n, daher muss alles vor<br />

<strong>der</strong> Kamera perfekt sein: die Beleuchtung, die Einstellungen,<br />

das Setup, wie das Baby liegt o<strong>der</strong> sitzt, <strong>der</strong> Weißabgleich –<br />

wir versuchen sogar, den Bildrahmen vorher festzulegen! Ich<br />

benutze sehr große Blendenöffnungen wie f1.4-1.6, dadurch<br />

104 PORTRäTFOTOgRAFIE


KINDER FOtOGRAFIEREN<br />

ALLEIN<br />

„Das Mädchen war drei Jahre alt. Ich<br />

wollte zeigen, das sie eigentlich nur<br />

allein gelassen werden wollte. Sie<br />

hat das perfekt geschafft.<br />

Bilddetails: Hasselblad H3DII 31 mit<br />

einem 80-mm-Objektiv bei 80 mm<br />

<strong>und</strong> f8, 1/125 Sek., ISO 100<br />

© Lisa Visser<br />

entsteht <strong>der</strong> weiche Look. Die meisten Fotografen finden es<br />

schwierig, die korrekte Beleuchtung für ein Neugeborenes<br />

richtig zu setzen. Das liegt daran, dass bei <strong>Porträt</strong>s die meisten<br />

Personen im Verhältnis zur Lichtquelle aufrecht sitzen<br />

o<strong>der</strong> stehen, anstatt horizontal im Licht zu liegen. Wir finden,<br />

die Beleuchtung hat einen enormen Einfluss auf den endgültigen<br />

Look.“ Carrie führt den Gedanken weiter: „Die Beleuchtung<br />

ist extrem wichtig. Bei unseren Workshops legen wir<br />

auf diesen Aspekt sehr viel Wert. Ich werde oft gefragt, ob ich<br />

die Bil<strong>der</strong> später in Schwarz-Weiß konvertiere <strong>und</strong> meine<br />

Antwort ist immer dieselbe. Es fängt alles mit einem ordentlich<br />

ausgeleuchteten Foto an <strong>und</strong> es endet mit einigen wenigen,<br />

sehr simplen Verän<strong>der</strong>ungen in Photoshop. Wir greifen<br />

auch gerne auf außergewöhnliche Requisiten <strong>und</strong> Bildkompositionen<br />

zurück. Ich liebe beson<strong>der</strong>s Nahaufnahmen mit meinem<br />

105-mm-2.8G-Micro-Objektiv. Viele unserer Lieblingsbil<strong>der</strong><br />

sind extreme Nahaufnahmen von den Lippen, Wimpern,<br />

Ohren, Zehen <strong>und</strong> Fingern. Daran sieht man immer, wie<br />

unfassbar jung <strong>und</strong> zart so ein Baby ist.“ Den Schwerpunkt<br />

legen sie meist auf die untere Bildhälfte. „Wenn man die<br />

untere Bildhälfte stärker betont, findet das Auge leichter<br />

Zugang zum Foto. So hat das Bild mehr Wirkung. An<strong>der</strong>s<br />

ausgedrückt: Die Augen müssen nicht erst das Bild nach dem<br />

eigentlichen Motiv absuchen“, erklärt Brittany. Was die Technik<br />

angeht, beschreibt Carrie ihren bevorzugten Ansatz: „Die<br />

Blende ist meist bei über 1/320 Sek<strong>und</strong>en, um Erschütterungen<br />

zu vermeiden. Lieber greife ich auf höhere ISOs zurück<br />

als auf eine langsamere Belichtungszeit, denn die D3S kommt<br />

mit hohen ISOs gut zurecht. Die Blende für ein Einzelmotiv<br />

ist in <strong>der</strong> Regel zwischen f1.4-f2.8, weil ich sanfte Schärfentiefe<br />

sehr mag. Bei Familienporträts mache ich die Blende<br />

etwas kleiner, etwa f3.2, damit je<strong>der</strong> scharf im Bild zu sehen<br />

ist. Ich halte die ISOs so niedrig wie möglich, was im Studio<br />

so zwischen 100–600 ist, aber in den Wohnungen unserer<br />

K<strong>und</strong>en greifen wir auch mal auf ISO 2000 zurück.“ Beide<br />

Frauen sind <strong>der</strong> Marke Nikon gegenüber loyal, Brittanys<br />

Favorit ist die D3 <strong>und</strong> Carrie hat sich sich für die neuere D3S<br />

entschieden. Gemeinsam besitzen die Frauen ein bescheidenes,<br />

aber gut sortiertes Arsenal an Ausrüstung: Nikon D700<br />

DSLR, Nikkor 50mm 1.4 G, Nikkor 105mm G 2.8 Mikro, ein<br />

© Jo Frances<br />

Mac Pro mit Cinema Display, Adobe Photoshop CS5, ein<br />

Weißrausch-Klanggerät, Raumheizung, zzgl. viele Requisiten<br />

wie Körbe, Kisten, Holzschalen, Sitzsäcke, Decken <strong>und</strong> Kissen<br />

etc. Carrie beschreibt einen typischen Arbeitstag: „Wir<br />

beginnen immer auf die gleiche Weise <strong>und</strong> fragen die Eltern,<br />

ob sie irgendwelche beson<strong>der</strong>en Wünsche haben. Denen versuchen<br />

wir natürlich nachzukommen, aber die meisten K<strong>und</strong>en<br />

geben uns freie Hand, das ist super. Kein Shooting ist wie<br />

das an<strong>der</strong>e. Wir würde es hassen, wenn wir uns langweilen!<br />

Wir beginnen in <strong>der</strong> Regel um 11 Uhr, wenn Eltern <strong>und</strong> Baby<br />

kommen. Wir entkleiden es <strong>und</strong> wickeln das Kind in eine<br />

weiche Decke. Die Mutter füttert das Baby <strong>und</strong> dann fotografieren<br />

wir das Kind etwa eine St<strong>und</strong>e lang im Sitzsack, in einfachen<br />

Kringelposen. Dann werden wir kreativer <strong>und</strong> probieren<br />

ein paar Requisiten o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e Posen aus. Wenn es sein<br />

muss, wird das Baby wie<strong>der</strong> gefüttert, dann machen wir Aufnahmen<br />

mit den Eltern. Nach dem Füttern ist die beste Zeit<br />

SCHWANGERES<br />

PAAR<br />

„Ein tolles Beispiel für die Dynamik<br />

zwischen Paaren: Er betete sie<br />

an! Man sieht, was sie aneinan<strong>der</strong><br />

lieben. Mit nur wenigen Requisiten<br />

wirkt die werdende Mutter noch<br />

viel schöner.“<br />

Bilddetails: Canon EOS 5D Mark<br />

II mit einem 24–70-mm Objektiv<br />

bei 58 mm <strong>und</strong> f7.1, 1/125 Sek.,<br />

ISO 125<br />

PORtRätFOtOGRAFIE 105


TECHNIKEN<br />

© Brittany Woodall | Baby as Art 2010<br />

„Das Beson<strong>der</strong>e bei meinen<br />

<strong>Porträt</strong>s ist, dass ich die Kin<strong>der</strong><br />

oft in ihrer Zartheit zeige.“<br />

106 PorTräTFoTogrAFIE


KINDER fOTOGRAfIEREN<br />

EXPERTENRATSCHLAG<br />

Brittany Woodall and Carrie Sandoval: Baby As Art<br />

Web: www.babyasart.com Email: workshop@babyasart.com<br />

Anfangs hat Carrie Sandoval (rechts) die<br />

<strong>Fotografie</strong> nie ernsthaft in Betracht gezogen.<br />

Doch das än<strong>der</strong>te sich, als sie 2003 Mutter<br />

wurde <strong>und</strong> eine DSLR kaufte. Nach <strong>der</strong><br />

Geburt ihres vierten Kindes spezialisierte sie<br />

sich auf Babys. Brittany Woodall (links) hingegen, die jetzt auch in San Diego lebt, war<br />

von Kindheit an von <strong>Fotografie</strong> begeistert. „Ich habe mit meinem kleinen Bru<strong>der</strong> geübt,<br />

den Haustieren <strong>und</strong> den Kin<strong>der</strong>n, auf die ich als Babysitterin aufgepasst habe. Ich habe<br />

Bücher über <strong>Fotografie</strong> aus <strong>der</strong> Bücherei ausgeliehen <strong>und</strong> im Laufe <strong>der</strong> Zeit fing ich an,<br />

die technischen Aspekte besser zu verstehen. Ich habe mir alles selbst beigebracht! Ich<br />

habe auch nie wirklich daran gedacht, die <strong>Fotografie</strong> irgendwann zu meinem Geschäft<br />

zu machen. Das kam einfach so. Die Familien <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>, für die ich als Babysitterin gearbeitet<br />

habe, haben die Fotos gepostet. So kam eins zum an<strong>der</strong>en <strong>und</strong> meine Karriere als<br />

Fotografin nahm ihren Anfang, als ich gerade mal 17 Jahre alt war.“ Heute sind die beiden<br />

jungen Frauen so gefragt, dass sie sich entschieden haben, nur noch eine o<strong>der</strong> zwei<br />

Foto-Sessions pro Woche zu machen. So bleiben sie auch weiterhin kreativ. Zusätzlich<br />

bieten sich noch Workshops an, wie man mit natürlichem Licht Babys fotografiert. Weitere<br />

Informationen finden Sie auf www.babyasart.com.<br />

1 Das Fotozimmer sollte warm sein<br />

Nicht vergessen, im Bauch <strong>der</strong> Mutter ist Babys immer schön warm. Verwenden Sie<br />

reichlich Requisiten, die auch warm halten – wie Kuscheldecken <strong>und</strong> Sitzsäcke.<br />

2 Sicherheit geht über alles<br />

Tun Sie nie etwas, wenn Sie sich nicht hun<strong>der</strong>tprozentig sicher sind, dass das Baby<br />

dadurch nicht gefährdet werden könnte. Bitten Sie um Hilfe. Es ist gut, wenn jemand die<br />

Decken hält, das Baby tätschelt <strong>und</strong> stets die Sicherheit im Blick hat.<br />

3 Üben Sie an Ihren Fre<strong>und</strong>en<br />

Mit den Babys Ihrer Fre<strong>und</strong>e <strong>und</strong> Fre<strong>und</strong>innen übt es sich leichte. Babys sind sehr<br />

sensibel, sie spüren, wenn Sie entspannt sind. Stressfrei üben macht sich bezahlt.<br />

4 Denken Sie kreativ<br />

Seien Sie originell, aber behalten Sie das Baby dabei immer im Blick. „Keep it simple!“<br />

5 Nehmen Sie an unserem Workshop teil<br />

In den letzten zwei Jahren haben wir mit Hun<strong>der</strong>ten von Fotografen aus aller Welt<br />

Workshops gemacht. Alle haben davon profitiert, die Kollegen haben danach viel<br />

bessere Bil<strong>der</strong> gemacht.<br />

für Fotos, damit das Baby nicht vom Duft <strong>der</strong> Mutter abgelenkt<br />

wird.“ Ein Shooting dauert etwa drei St<strong>und</strong>en. Brittany<br />

erklärt, dass sie dabei die ganze Zeit Fragen stellen, um Fehler<br />

zu vermeiden <strong>und</strong> möglichst viele gute Aufnahmen zu zu<br />

bekommen. „Ich frage mich immer: Fühlt sich das Baby<br />

wohl? Stimmt das Setup? Sind die Decken glatt, hält das Baby<br />

die Finger richtig, stimmt die Beleuchtung, stimmen die Einstellungen?<br />

Gibt es etwas, was ich verän<strong>der</strong>n sollte? Ist dieses<br />

Setup an<strong>der</strong>s als die vorherigen? Wie kann ich mehr Vielfalt<br />

in die Session einbringen? Auf die Bitte, den Lesern einen<br />

guten Ratschlag mit auf den Weg zu geben, betont Carrie die<br />

Bedeutung <strong>der</strong> richtigen Atmosphäre: „Das Baby sollte<br />

schläfrig sein. Das Zimmer sollte geheizt sein, so um die<br />

30°C. Sorgen Sie dafür, dass im Hintergr<strong>und</strong> ein leises Rauschen<br />

zu hören ist, gehen Sie sanft <strong>und</strong> zärtlich, aber auch<br />

bestimmt mit dem Baby um <strong>und</strong> am wichtigsten: Bleiben Sie<br />

geduldig.“ In Brittanys Ratschlag schwingt ihr Perfektionismus<br />

mit. „<strong>Der</strong> beste Rat, den ich geben kann, ist, es vor <strong>der</strong><br />

Kamera richtig zu machen“, schlägt sie vor. „Die Qualität<br />

zeigt sich erst dann, wenn Sie die technischen Komponenten<br />

wie die richtige Belichtungszeit <strong>und</strong> den Weißabgleich<br />

gemeistert haben. Gerade bei Neugeborenen ist die Belichtungszeit<br />

wichtig, weil sie meist einen etwas dunkleren <strong>und</strong><br />

rötlicheren Teint haben. Wenn das Bild unterbelichtet ist, tritt<br />

die rötliche Haut nur noch stärker hervor. Babyhaut hat verschiedene<br />

farbliche Untertöne, das macht den Weißabgleich<br />

sehr wichtig. Bei älteren Babys <strong>und</strong> Kin<strong>der</strong>n kann man gerne<br />

sattere Farben anstreben, aber bei Neugeborenen ist ein sanfter<br />

Look sehr wichtig. Vermeiden Sie zu große Farbkontraste.“<br />

Auch die britische Fotografin Lisa Visser weiß, wie wichtig<br />

ein eigener Stil ist, ein Stil, den die K<strong>und</strong>en ausschließlich ihr<br />

<strong>und</strong> ihrem Studio zuordnen. Im Gegensatz zu den fröhlichen<br />

<strong>und</strong> niedlichen Bil<strong>der</strong>n, die ihre amerikanischen Kollegen<br />

machen, ist Lisas Bil<strong>der</strong>welt eher düster, mitreißend <strong>und</strong><br />

emotional bedrohlich. „Ich würde meine Art <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

als klassisch, zum Nachdenken anregend <strong>und</strong> zeitlos<br />

beschreiben“, so die in Sussex lebende Fotografin. „Daher<br />

steht Lisa Visser in dem Ruf, künstlerisch anspruchsvolle<br />

Kin<strong>der</strong>porträts zu machen. Die schlichten Schwarz-Weiß-Fotos<br />

sind bei K<strong>und</strong>en sehr beliebt. „Viele <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>s, die ich<br />

mache, sind von Kin<strong>der</strong>n im Alter von zwei Jahren o<strong>der</strong> älter.<br />

Manche sind recht eindringlich. Ich will, dass jedes Kind auf<br />

schlichte Weise schön aussieht.“ Das war nicht immer so. Vor<br />

nur vier Jahren machte Lisa die gleichen spaßigen High-Key-<br />

Fotos wie ihre Zeitgenossen. „Ich habe eines Tages beschlossen,<br />

dass ich etwas an<strong>der</strong>es will“, erklärt sie. „Mir wurde klar,<br />

dass ich etwas tun wollte, was mir näherliegt, also mache<br />

ich jetzt Bil<strong>der</strong>, die sehr emotional sind. Ich denke, es ist sehr<br />

schwierig, an<strong>der</strong>s zu sein – <strong>und</strong> wenn man einmal einen Stil<br />

hat, werden viele Fotografen diesen zu imitieren versuchen.<br />

Man bleibt also nicht lange an<strong>der</strong>s. <strong>Der</strong> Unterschied bei meinen<br />

<strong>Porträt</strong>s ist, dass ich die Kin<strong>der</strong> verw<strong>und</strong>bar zeige <strong>und</strong><br />

nicht nur immer ihr Lächeln in den Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> rücke. Ich<br />

war mir nicht sicher, wie die Eltern darauf reagieren würden,<br />

aber diese Bil<strong>der</strong> verkaufen sich sehr gut.“ Im Gegensatz zu<br />

Baby As Art, wo <strong>der</strong> Schwerpunkt fast ausschließlich auf<br />

Neugeborenen liegt, arbeitet Lisa lieber mit Größeren. „Kin<strong>der</strong><br />

sind so unvorhersehbar, so entstehen die besten Fotos. Ich<br />

finde, meine besten Bil<strong>der</strong> sind von sehr jungen Kin<strong>der</strong>n. Sie<br />

sind so natürlich <strong>und</strong> es macht sehr viel Spaß, mit ihnen zu<br />

arbeiten, aber man muss sehr geduldig sein. Ich bin sehr gerne<br />

Kin<strong>der</strong>fotografin – jedes Kind ist an<strong>der</strong>s <strong>und</strong> ich möchte<br />

ihre Unschuld zeigen. Manchmal ist es sehr schwierig, aber<br />

ich bin immer wie<strong>der</strong> begeistert, wenn ich etwas Beson<strong>der</strong>es<br />

festhalten konnte.“ Lisa arbeitet seit 1988 als Fotografin. Sie<br />

hat viel Erfahrung mit schwierigen Situationen <strong>und</strong> Menschen:<br />

„Kin<strong>der</strong> sind so unterschiedlich – einige sind sehr<br />

schüchtern, an<strong>der</strong>e haben viel Selbstvertrauen <strong>und</strong> sitzen<br />

keine Minute still da. Mittlerweile weiß ich, was funktioniert<br />

<strong>und</strong> was nicht. Man muss einfühlsam sein, um zu wissen,<br />

wie man das Beste aus einem Kind herausholt, <strong>und</strong> vor<br />

DORNRÖSCHEN<br />

„Wir sehen nicht viele<br />

Neugeborene mit solchen<br />

Wimpern. Das Baby war bereits<br />

acht Monate alt <strong>und</strong> ist beim<br />

Shooting eingeschlafen. Es macht<br />

Spaß, ältere Babys so zu inszenieren<br />

wie Neugeborene, aber bei<br />

ihnen muss man sehr viel langsamer<br />

vorgehen.“<br />

Bilddetails: Nikon D3 mit einem<br />

60-mm-Objektiv bei 60 mm <strong>und</strong><br />

f3.5, 1/320 Sek., ISO 1000<br />

KLEINE<br />

SCHWESTER,<br />

GROSSE LIEBE<br />

„In meinem Studio, natürliches<br />

Licht <strong>und</strong> eine Kulisse aus<br />

Naturholz.“<br />

Bilddetails: Nikon D3S mit<br />

50-mm-Objektiv bei 50 mm <strong>und</strong><br />

f3.2, 1/320 Sek., ISO 320<br />

© Brittany Woodall | Baby as Art 2010<br />

PORTRäTfOTOGRAfIE 107


TECHNIKEN<br />

© lisa Visser<br />

VERWIRRUNG<br />

„Als ich diesem vierjährigen<br />

Jungen erklärt habe, was<br />

ich wollte, hat er mich<br />

so verwirrt angeschaut,<br />

dass ich das einfach<br />

fotografieren musste.“<br />

Bilddetails: Hasselblad<br />

503cw mit „Phase one<br />

P20“-Rückteil <strong>und</strong> 80-mmobjektiv<br />

bei 80 mm, f8,<br />

1/125 Sek., ISo 100<br />

TANZEN<br />

„Das Mädchen ist fünf. Ich<br />

konnte eine symmetrische Pose<br />

vorschlagen. Ein eindringliches<br />

Bild, das durch den Blickkontakt<br />

noch verstärkt wird.“<br />

Bilddetails: Hasselblad 503cw<br />

mit „Phase one P20“-Rückteil <strong>und</strong><br />

80-mm-objektiv bei 80 mm, f8,<br />

1/125 Sek., ISo 100<br />

allem braucht man Geduld. Man sollte von je<strong>der</strong> Art Verhalten<br />

unbeeindruckt bleiben <strong>und</strong> immer die Ruhe bewahren. Wenn<br />

Eltern mit einem 18 Monate alten Kind kommen, das dann<br />

einen Wutanfall kriegt, sollte man es am besten ablenken. Für<br />

jede Altersgruppe gibt es verschiedene Tricks, die ich benutze.<br />

Bei einer solchen Situation würde ich wahrscheinlich anfangen,<br />

Seifenblasen zu pusten <strong>und</strong> versuchen, sie mit meiner Nase zum<br />

Platzen zu bringen. Dann würde ich das Kind bitten, dasselbe<br />

zu tun. Dann dauert es meist nicht lange, bis die Tränen versiegen<br />

<strong>und</strong> das Lächeln wie<strong>der</strong> da ist. Bei einem schüchternen <strong>und</strong><br />

zurückgezogenen Kind neige ich dazu, mehr zu sprechen, meistens<br />

über ihre Lieblingsfernsehsendungen o<strong>der</strong> die Namen ihrer<br />

Fre<strong>und</strong>e. Einfach alles, was mir in den Sinn kommt.“<br />

Im fotografischen Arsenal des Hamilton Studio fanden wir<br />

einen reichen Schatz an Objektiven, darunter auch ein 80-mm<strong>und</strong><br />

ein 50-mm-Objektiv, ein Manfrotto-Stativ, Bowens Esprit<br />

250/500 Stativköpfe, eine 1,2 m große Wafer-Softbox, einen 15-<br />

cm-Reflektor mit engem Wabengitter, einen Triflektor, schwarze<br />

Molltonflaggen <strong>und</strong> eine Bowens-Windmaschine. Wenn es um<br />

die Kameras ihrer Wahl geht, zeigt sich Lisas teurer Geschmack:<br />

eine Hasselblad H3DII-31 <strong>und</strong> eine Hasselblad 503CW mit Phase<br />

One P20-Rückteil. „Bevor ich mit dem Shooting anfange, ist es<br />

wichtig, dass ich alles griffbereit haben. Bei einem typischen<br />

Shooting neige ich zu einer Verschlusszeit von 1/125 Sek<strong>und</strong>en<br />

<strong>und</strong> einer Blende zwischen f8 <strong>und</strong> f11“, verrät die Fotografin.<br />

Um ihren einfühlsamen Stil zu erreichen, setzt Lisa schwarze,<br />

dunkelgraue o<strong>der</strong> hellgraue Papierkulissen ein. Eine Ecke ihres<br />

Ateliers hat sie dunkelbraun angemalt <strong>und</strong> eine Wand hat eine<br />

interessante antik wirkende graue Tapete „Ich habe immer<br />

eine klare Vorstellung von dem, was ich erreichen möchte“,<br />

fährt sie fort. „Ich weiß nie, wie viel Zeit ich mit jedem<br />

Kind habe, bevor es zappelig wird, daher habe ich alle<br />

Requisiten, Kleidung, Spielzeug etc. immer griffbereit. Ich<br />

arbeite immer im Studio, ich wurde im Studio ausgebildet<br />

<strong>und</strong> hier habe ich die größte Kontrolle über das Licht.“<br />

Lisa geht mit einer Softbox nah an die Person heran <strong>und</strong><br />

setzt üblicherweise Lichtakzente im Haar. Um das Licht<br />

besser zu kontrollieren, arbeitet sie mit einem silbernen<br />

Reflektor. Wenn es weniger Licht sein soll, setzt sie<br />

schwarzen Mollton ein. „Ich will beim Ausleuchten immer<br />

Aufmerksamkeit auf das Gesicht <strong>und</strong> auf die Augen ziehen,<br />

weil ich immer auf Nahaufnahmen aus bin. Ich liebe<br />

eng gefasste Nahaufnahmen, meist im Querformat. Ich<br />

muss mich immer wie<strong>der</strong> daran erinnern, auch mal einen<br />

Schritt zurückzugehen.“ Wie bei je<strong>der</strong> Art von <strong>Porträt</strong>s,<br />

schlägt Lisa vor, die Person ein wenig kennenzulernen,<br />

bevor man zur Kamera greift. „Ich versuche vor <strong>der</strong> Arbeit<br />

immer, die Persönlichkeit des Kindes zu verstehen <strong>und</strong><br />

diejenigen Aufnahmen zu kriegen, die möglich sind“, sagte<br />

sie. „Ich habe immer eine ungefähre Vorstellung von<br />

dem, was ich erreichen möchte, aber es hängt alles vom<br />

Kind ab. Ich fange immer einfach an, mit Halbnahem aus<br />

verschiedenen Winkeln, also Kopf <strong>und</strong> Schultern. Obwohl<br />

ich ernsthafte Aufnahmen liebe, mache ich auch immer<br />

ein paar Fotos, wo gelächelt wird. Sobald ich weiß, dass<br />

ich das alles habe, probiere ich an<strong>der</strong>e Ideen aus. Wie<br />

Polly<br />

„Polly war damals 20 Monate<br />

alt, aber schon sehr erwachsen,<br />

sie wollte ihre Handtasche selbst<br />

halten!“<br />

Bilddetails: Hasselblad 503cw<br />

mit „Phase one P20“-Rückteil <strong>und</strong><br />

80-mm-objektiv bei 80 mm, f8,<br />

1/125 Sek., ISo 100<br />

108 PoRTRäTFoToGRAFIE


KINDeR fOtOGRafIeReN<br />

© Lisa Visser<br />

BaBy<br />

„Dieses Baby ist<br />

zehn Monate alt. Ich<br />

benutze gerne Hüte,<br />

weil sie das Gesicht<br />

gut einrahmen. Das<br />

hier ist eine klassische<br />

Nahaufnahme.<br />

Mindestens so eine<br />

versuche ich bei je<strong>der</strong><br />

Session zu kriegen.“<br />

Bilddetails:<br />

Hasselblad 503cw<br />

mit „Phase One P20“-<br />

Rückteil <strong>und</strong> 80-mm-<br />

Objektiv bei 80 mm,<br />

f8, 1/125 Sek<strong>und</strong>en,<br />

ISO 100 1/125 Sek.,<br />

ISO 100<br />

© Lisa Visser<br />

„Ich versuche, die Persönlichkeit des Kindes zu verstehen<br />

<strong>und</strong> die Aufnahmen zu kriegen, die möglich sind.“<br />

gesagt, es hängt alles vom Alter ab <strong>und</strong> davon, ob ich <strong>der</strong> Meinung<br />

bin, dass es mit diesem Kind funktioniert. Ich passe immer<br />

gut auf <strong>und</strong> wäge ab, wie sich das Kind verhält. Ich versuche,<br />

ein paar emotionale, direkte Kopfaufnahmen zu machen, wenn<br />

das Kind in die Kamera schaut. Und auch ein Dreiviertelprofil<br />

– beides sind Bil<strong>der</strong>, die sich immer gut verkaufen. Man muss lernen,<br />

sich an das Kind, mit dem man arbeitet, anzupassen <strong>und</strong><br />

immer gut hinzuschauen. Man sollte sich nicht so sehr auf seine<br />

eigenen Ideen fixieren, dann kann es nämlich passieren, dass<br />

eine gute Aufnahme flöten geht. Ich habe schon oft das Studio<br />

mit gewissen Ideen betreten <strong>und</strong> es hat dann einfach nicht<br />

geklappt. Aber dann sieht man einen bestimmten Blick, einen<br />

Ausdruck. O<strong>der</strong> einfach nur etwas, was Kin<strong>der</strong> mit ihren Händen<br />

tun. Und man muss bereit sein, den richtigen Moment einzufangen.“<br />

Obwohl für Lisa Stil, Ausrüstung, Konzentration <strong>und</strong><br />

kreatives Denken bei <strong>der</strong> Schaffung einzigartiger Aufnahmen<br />

eine Rolle spielen, birgt die digitale Nachbearbeitung für sie das<br />

meiste Potenzial. „Ich fotografiere alles als RAW-Datei. Sobald<br />

das Shooting vorbei ist – je nachdem welche Kamera ich verwendet<br />

habe –, importiere ich die Bil<strong>der</strong> entwe<strong>der</strong> in Capture One<br />

Pro o<strong>der</strong> Phocus. Ich gleiche dann die Farben aus <strong>und</strong> fange mit<br />

<strong>der</strong> Bearbeitung an. Dann stelle ich die Dichte ein <strong>und</strong> wandele<br />

in Photoshop das Bild in Schwarz-Weiß um. Ich bin ein Perfektionist<br />

<strong>und</strong> obwohl es länger dauert, konvertiere ich jedes Bild<br />

einzeln. Es ist mir einfach lieber, jede Datei separat zu behandeln<br />

<strong>und</strong> gegebenenfalls verschiedene Effekte auszuprobieren.<br />

Ich persönlich entsättige gerne das Bild <strong>und</strong> passe es in Tonwerten<br />

an. Dann habe ich ein sehr schönes Schwarz-Weiß-Foto. Ich<br />

füge auch manchmal einen Warmtonfilter hinzu, damit es einen<br />

schönen Gr<strong>und</strong>ton hat <strong>und</strong> manchmal eine strukturierte Schicht<br />

für den Hintergr<strong>und</strong>. Dann wird jedes Bild gr<strong>und</strong>legend gesäubert,<br />

ich will Flecken, Hautausschläge von Kin<strong>der</strong>krankheiten<br />

o<strong>der</strong> dunkle Schatten unter den Augen loswerden. Das mache<br />

EXPERTENRATSCHLAG<br />

Lisa Visser:<br />

Lisa Visser Fine Art at Hamilton Studios<br />

Web: www.lisavisserfineart.co.uk<br />

Email: lisavisser@mac.com<br />

Lisa Visser ist schon seit <strong>der</strong> Schulzeit von <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> begeistert. Sie<br />

ist die Inhaberin von Lisa Visser Fine Art at Hamilton Studios <strong>und</strong> ist seit<br />

1988 professionelle Fotografin. „Ich wollte <strong>Fotografie</strong> studieren, aber<br />

aus finanziellen Gründen musste ich mir einen Arbeitsplatz suchen. Ich bekam eine Stelle als<br />

Lehrling bei einer Fotokette in einem Kaufhaus. Das war für mich eine große Chance. Aber für wenig<br />

Geld massenhaft Fotos zu machen war nicht sehr kreativ. Trotzdem, dadurch habe ich solide<br />

Gr<strong>und</strong>lagen <strong>der</strong> <strong>Porträt</strong>fotografie lernen können. Und ich habe gelernt, wie ich an Gesichtsausdrücke<br />

komme, die sich verkaufen, <strong>und</strong> wie man zeitsparend mit Kin<strong>der</strong>n arbeitet.“ Nach sechs<br />

Jahren kündigte Lisa die Stelle, um selbst Kin<strong>der</strong> zu bekommen. Später kehrte sie zur<br />

Kin<strong>der</strong>fotografie zurück, diesmal als Fotografin bei den Hamilton Studios in East Grinstead in Sussex.<br />

„Hier erwachte meine Leidenschaft für <strong>Fotografie</strong> <strong>und</strong> meine Karriere ging los“, erklärt sie. „Ich<br />

konnte endlich die <strong>Porträt</strong>s machen, die ich wollte, <strong>und</strong> mit verschiedenen Stilmitteln<br />

experimentieren.“ Später übernahmen Lisa <strong>und</strong> ihr Mann, <strong>der</strong> ebenfalls Fotograf bei <strong>der</strong> Firma war,<br />

das Geschäft. Jetzt ist es eines <strong>der</strong> erfolgreichsten Fotostudios in England.<br />

© Lisa Visser<br />

1 Blickkontakt<br />

Den Augenkontakt herzustellen ist <strong>der</strong> Schlüssel für schöne Bil<strong>der</strong>.<br />

2 KISS<br />

Keep it simple! Einfaches, weiches Licht ist immer vorteilhaft.<br />

3 Geduld ist eine Tugend<br />

Haben Sie Geduld, Geduld <strong>und</strong> noch mal Geduld.<br />

4 Behalten Sie immer die Zielperson im Blick<br />

Sorgen Sie dafür, dass <strong>der</strong> Kamerawinkel schmeichelhaft ist.<br />

5 Gesichtsausdruck<br />

Ein guter Gesichtsausdruck ist das Wichtigste – tun Sie alles dafür.<br />

PORtRätfOtOGRafIe 109


TECHNIKEN<br />

© Jo Frances<br />

110 PorTräTFoTograFIE


ich mit dem Reparaturpinsel <strong>und</strong> dem Pinsel-Tool, damit wird<br />

auch <strong>der</strong> Teint ein wenig sanfter. Um bei <strong>der</strong> Nachbearbeitung<br />

Zeit zu sparen, gibt uns Lisa noch einen praktischen Ratschlag:<br />

„Achten Sie immer darauf, dass das Gesicht des Kindes sauber<br />

ist, beson<strong>der</strong>s die Nase. Bei Babys muss man immer mit Speicheltropfen<br />

rechnen! Wenn man gut aufpasst, muss man nicht<br />

st<strong>und</strong>enlang am Computer nachretouchieren.“ Im Gegensatz<br />

zu Lisa Visser etwas kühlerem Stil spezialisiert sich die neuseeländische<br />

Baby- <strong>und</strong> Kin<strong>der</strong>fotografin Jo Frances auf Fotos, die<br />

ein warmes, intimes Bild vermitteln. „Ich mag Fotos, die die<br />

Bindung von Menschen zueinan<strong>der</strong> zeigen. Ich bin dafür<br />

bekannt, dass ich die Leute dazu animiere, sich zu berühren.<br />

In meinen Gruppenfotos ordne ich die Menschen oft im Dreieck<br />

an <strong>und</strong> bitte sie, die Köpfe eng zusammenzuhalten, um ein<br />

Gefühl von Nähe zu vermitteln. Ich mache keine Aufnahmen,<br />

in denen die Menschen getrennt voneinan<strong>der</strong> stehen – außer es<br />

ist für einen bestimmten Zweck.“ Die Neuseelän<strong>der</strong>in ist für<br />

ihre herzerwärmenden Bil<strong>der</strong> junger <strong>und</strong> werden<strong>der</strong> Familien<br />

bekannt. „Sich um ein Kind zu kümmern ist so intim, dass es<br />

ein Privileg ist, das für jemanden festzuhalten. Ich fotografiere<br />

gerne Familien, weil ich eine starke Bindung <strong>und</strong> viel Mitgefühl<br />

für Menschen in dieser Phase ihres Lebens empfinde. Elternsein<br />

ist hart, es ist wichtig, sich täglich die schönen Seiten vor<br />

Augen zu halten, <strong>und</strong> das kann man mit tollen Fotos tun.“ Ein<br />

typisches Fotoshooting dauert knapp drei St<strong>und</strong>en <strong>und</strong> fängt<br />

mit einem Gespräch an. Die Eltern sollen sich entspannen <strong>und</strong><br />

sich darüber im Klaren sein, was sie sich von dem Shooting<br />

erhoffen. „Ich fange mit Familienfotos in drei o<strong>der</strong> vier verschiedenen<br />

Setups an. Dann ist meist kurz Pause, um das Baby<br />

zu füttern <strong>und</strong> die Windeln zu wechseln. Dann mache ich Einzelaufnahmen<br />

von jedem Elternteil mit dem Kind <strong>und</strong> dann<br />

von dem Kind allein, in <strong>der</strong> Regel sowohl als normales <strong>Porträt</strong><br />

als auch – etwas komplizierter – mit Requisiten.“ Interessant<br />

ist auch ihr Einsatz kunstvoller Materialien, mit denen sie<br />

eine Geschichte erzählt. „Momentan bin ich gerade in einer<br />

mädchenhaften Secondhand-Phase. Ich kaufe breite Röcke mit<br />

Rüschen <strong>und</strong> mache kleine Halsketten für meine Sessions mit<br />

kleinen Mädchen“, merkt sie an. „Ich liebe es, Requisiten zu<br />

kaufen o<strong>der</strong> zu basteln – sie inspirieren mich <strong>und</strong> meine Mitarbeiter<br />

<strong>und</strong> dadurch bleibt unsere Arbeit frisch <strong>und</strong> unverbraucht.<br />

Ich habe auch eine Menge K<strong>und</strong>en, die mehrmals<br />

gekommen sind, <strong>und</strong> ich will sicherstellen, dass ich ihnen<br />

etwas Neues bieten kann. Ich schaue mir die Fotos an, die ich<br />

bereits für sie gemacht habe, <strong>und</strong> dann kommen mir neue<br />

Ideen.“ Im Gegensatz zu den an<strong>der</strong>en Profis in diesem Artikel<br />

gesteht Jo, dass sie sich als Fotografin nicht son<strong>der</strong>lich für die<br />

Technik interessiert. Stattdessen liegen ihre Talente in ihrer fürsorglichen<br />

Persönlichkeit <strong>und</strong> ihrer Art, schnell <strong>und</strong> kreativ zu<br />

denken. „Ich interessiere mich überhaupt nicht für die Technik<br />

dahinter. Sie soll ihre Aufgabe erfüllen. Ich plane auch nicht<br />

viel, meistens denke ich mir nur: ‚Oh, dieses Requisit will ich<br />

mal ausprobieren.‘ Aber was ich gut kann, ist auf Menschen<br />

einzugehen, damit sich sie wohlfühlen. Wenn man ein gemütliches<br />

Umfeld geschaffen hat <strong>und</strong> sich auf den K<strong>und</strong>en einlässt,<br />

dann geht die Arbeit wie von selbst. Bei jungen Familien ist es<br />

wichtig, dass sie sich wie zu Hause fühlen. Mamas mit kleinen<br />

Babys sind sehr verletzlich <strong>und</strong> müssen betreut werden. Einfache<br />

Dinge, wie zu fragen, wie es ihnen geht, sind sehr wichtig,<br />

beson<strong>der</strong>s wenn sie dann unangenehme Posen einnehmen sollen.“<br />

Wie viele ihrer Kollegen fotografiert Jo im RAW-Format.<br />

Für ihre intimen Aufnahmen bevorzugt sie eine Canon EOS 5D<br />

Mark II mit einem 24-70mm-2.8-Objektiv. „Für meine Babys<br />

„Sich um ein Kind zu kümmern ist intim –<br />

es ist ein Privileg ist, das festzuhalten.“<br />

kINDER FOTOgRAFIEREN<br />

FRANZÖSISCHE<br />

LIEBE<br />

„Das ist meine Tochter, Tess,<br />

zweieinhalb Jahre alt. Vor zehn<br />

Jahren habe ich diesen Mantel für<br />

meine Nichte gekauft, als ich mit<br />

meinem Fre<strong>und</strong> auf Reisen war.<br />

<strong>Der</strong> Mantel blieb in <strong>der</strong> Familie <strong>und</strong><br />

ging dann an Tess, <strong>der</strong> er sehr gut<br />

gestanden hat. Er erinnert mich<br />

daran, wie ich mich in meinen<br />

Mann verliebt habe, wie sehr ich<br />

Tess’ Verschmitztheit liebe <strong>und</strong> wie<br />

wichtig mir meine Familie ist.“<br />

Bilddetails: CANON EOS 5D Mark<br />

II mit einen 24–70-mm-Objektiv<br />

bei 43 mm <strong>und</strong> f5.6, 1/125 Sek.,<br />

ISO 125<br />

ENgELSkINDER<br />

„Das war ein Test, wir hatten<br />

drei St<strong>und</strong>en Zeit dafür. Ich habe<br />

jeden Zwilling so lange gewiegt,<br />

bis er eingeschlafen ist, <strong>und</strong> beide<br />

dann vorsichtig positioniert. Das<br />

Originalfoto entstand vor Chiffon,<br />

<strong>und</strong> später haben wir Schafsfell<br />

eingefügt, um einen an<strong>der</strong>en Look<br />

zu erhalten. Die Mutter hat das<br />

Mädchen rechts als ‚Mutterhenne‘<br />

beschrieben, <strong>und</strong> die Position soll<br />

das wi<strong>der</strong>spiegeln.“<br />

Bilddetails: CANON EOS 5D Mark<br />

II mit einem 24–70-mm-Objektiv<br />

bei 45mm <strong>und</strong> f7.1, 1/125 Sek.,<br />

ISO 125<br />

© Jo Frances<br />

EXPERTENRATSCHLAG<br />

Jo Frances: Jo Frances Photography<br />

Web: www.jofrancesphotography.com<br />

Email: jo@ jofrancesphotography.com<br />

Eigentlich strebte Jo Frances eine Karriere als Psychologin an. Doch die<br />

Verlockung <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong> war zu stark. „Ich bin als Fotografin viel besser,<br />

als ich als Psychologin je hätte sein können.“ Jo Frances lebt in Wellington,<br />

Neuseeland, wo sie bereits seit einem Jahrzehnt erfolgreich als<br />

Fotografin arbeitet. Ein weiteres Studio gründete sie in Auckland. „Als ich<br />

in dem Geschäft angefangen habe, hat mein Mann mich finanziell unterstützt.<br />

Er hat mir geraten, meinen alten Job an den Nagel zu hängen <strong>und</strong><br />

meinem Traum zu folgen. Im ersten Jahr habe ich Verlust gemacht, im<br />

zweiten Jahr hat mein Kin<strong>der</strong>mädchen mehr verdient als ich, aber im<br />

dritten Jahr ging es los. Ich arbeitete sehr hart, um mir meinen K<strong>und</strong>enstamm<br />

aufzubauen. Ich wollte, dass meine K<strong>und</strong>en sich ernst genommen<br />

fühlen. Es war ein Vorteil, Mutter zu sein, weil ich gut auf Babys eingehen<br />

konnte. Anfangs haben mich die K<strong>und</strong>en nicht immer nett behandelt,<br />

beson<strong>der</strong>s nicht die älteren Männer. Sie wollten immer Gratis-Leistungen<br />

<strong>und</strong> ich habe nachgegeben. Allmählich begann ich an meine<br />

eigenen Fähigkeiten zu glauben, ich wurde selbstbewusster <strong>und</strong> da<br />

durch hatten sie mehr Respekt für mich. Heute sind die meisten unserer<br />

K<strong>und</strong>en ganz wun<strong>der</strong>bar <strong>und</strong> ein guter Ruf eilt uns voraus.”<br />

PORTRäTFOTOgRAFIE 111


TECHNIKEN<br />

VERLOREN<br />

„Das Mädchen ist acht<br />

Jahre alt. <strong>Der</strong> Schal<br />

umgibt ihr Gesicht <strong>und</strong><br />

wurde dann so beschnitten,<br />

dass er das Auge des<br />

Betrachters auf ihr Gesicht<br />

<strong>und</strong> ihre Augen lenkt.“<br />

Bilddetails: Hasselblad<br />

H3DII-31 mit einem 80-mm-<br />

Objektiv bei 80 mm <strong>und</strong> f8,<br />

1/125 Sek., ISO 100<br />

© Lisa Visser<br />

MUTTER UND<br />

TOCHTER<br />

„Das Foto zeigt eine wun<strong>der</strong>schöne<br />

Mutter mit ihrer Tochter. Mir<br />

gefällt, wie sich die Haut berührt.<br />

Wie Pfirsische <strong>und</strong> Sahne!“<br />

Bilddetails: Nikon D3S Mit einem<br />

50-mm-Objektiv bei 50 mm <strong>und</strong><br />

f2.8, 1/320 Sek., ISO 800 © Carrie<br />

Sandoval, Baby as Art 2010<br />

TIPPS:<br />

1 Gemütlichkeit<br />

Ist alles komfortabel?<br />

2 Verbindung<br />

Sieht man den Motiven Bindungen<br />

an – bleibt jemand außen vor?<br />

3 Alle Bereiche<br />

Was machen die Schultern,<br />

Hände <strong>und</strong> das Kinn?<br />

4 Licht<br />

Ist das Licht schmeichelhaft.<br />

Steht jemand im Schatten?<br />

5 Ausdruck<br />

Bringen Sie das Bild durch ein<br />

Lachen o<strong>der</strong> Lächeln zum Leben.<br />

Ein Spiezug ist dafür ideal.<br />

benutze ich auch ein 50-mm-1.4-Sigma-Objektiv“, erklärt sie.<br />

„Wir fotografieren mit einem Bowens-Kit, einer großen Softbox<br />

<strong>und</strong> einem weißen Schirm. Wir haben einen Goldreflektor,<br />

den wir oft benutzen, <strong>und</strong> ein Lichtband für Haarakzente.<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren mit Kin<strong>der</strong>n ist es wichtig, dass die Ausrüstung<br />

nicht im Weg ist. Man muss sich ganz auf das Kind<br />

konzentrieren. Bei kleinen Kin<strong>der</strong>n ist alles eine Frage des<br />

Timings. Man muss den Job so schnell wie möglich durchziehen.<br />

Ein Baby ist manchmal nur 20 Minuten lang guter<br />

Laune, aber wenn das Timing stimmt, kann ich in dieser Zeit<br />

alles hinkriegen. Ich habe auch ein ‚Kitzelstöckchen‘, eigentlich<br />

ein Staubwedel, mit dem ich die Kin<strong>der</strong> zum Lachen<br />

bringe. Ich lasse sie Wörter wie ‚Furz‘ sagen, um das Eis zu<br />

brechen.“ Anschließend widmet sich Jo <strong>der</strong> Nachbearbeitung.<br />

In <strong>der</strong> Regel geht es darum, das Bild zu beschneiden, es in<br />

Schwarz-Weiß zu konvertieren, die Belichtung zu justieren<br />

<strong>und</strong> die Farben zu korrigieren. Um Geld zu verdienen, verkauft<br />

Jo gerahmte <strong>und</strong> ungerahmte Fotos sowie Leinwände<br />

<strong>und</strong> Alben, aber sie ist keine beson<strong>der</strong>s aufdringliche Verkäuferin.<br />

„Wir sind zurückhaltend. Manchmal verlassen wir für<br />

zehn Minuten das Zimmer, damit die K<strong>und</strong>en unter sich ihre<br />

eigenen Entscheidungen treffen können. Uns ist es wichtig,<br />

dass sie wie<strong>der</strong>kommen <strong>und</strong> uns ihren Fre<strong>und</strong>en empfehlen.<br />

Deswegen legen wir auf Service großen Wert <strong>und</strong> haben es<br />

nicht so sehr auf das Geld abgesehen. Ich habe vier Mitarbeiter<br />

<strong>und</strong> ein wesentlicher Teil ihrer Ausbildung war, ihnen zu<br />

erklären, wie sie die K<strong>und</strong>en dazu bringen, sich wohlzufühlen.<br />

Wenn die Leute selbst entscheiden können <strong>und</strong> sie nicht<br />

das Gefühl haben, manipuliert zu werden, dann geben sie<br />

gerne auch mehr Geld für Fotos ihrer Liebsten aus. Es ist für<br />

unser Geschäft wichtig, dass man den Leuten einen Anreiz<br />

gibt, mehr zu zahlen. Wir bieten Extras an, die über den<br />

Gr<strong>und</strong>preis hinausgehen. Ein weiterer Aspekt unseres Erfolgs<br />

ist, dass die Preise von Anfang an klar sind. Nur 1 bis 2 Prozent<br />

unserer K<strong>und</strong>en kaufen am Ende gar nichts. Viele Fotografen<br />

wollen die Leute nur locken <strong>und</strong> hoffen dann, dass die<br />

Fotos den Rest erledigen. Ich habe schon von Kollegen gehört,<br />

bei denen nur 50 Prozent <strong>der</strong> K<strong>und</strong>en etwas kaufen. Das<br />

kann als Geschäftsmodell nur funktionieren, wenn man jede<br />

Woche sehr viele Leute abfotografiert <strong>und</strong> seine Angestellten<br />

nicht gut bezahlt, aber ich fände das frustrierend. Die bessere<br />

Strategie ist, sich auf ein Thema zu spezialisieren – in<br />

unserem Falle junge Familien –, statt von allem etwas zu<br />

machen. Unsere K<strong>und</strong>en haben das Gefühl, dass sie das Beste<br />

bekommen – <strong>und</strong> nicht irgendeinen wahllosen Fotografen.“<br />

Die Schönheit <strong>und</strong> Individualität von Kin<strong>der</strong>n festzuhalten ist<br />

eine Fertigkeit, die gelernt werden will. In diesem Artikel<br />

sind einige Profis zu Wort gekommen <strong>und</strong> hoffentlich haben<br />

Sie sich inspirieren lassen, unvergessliche Aufnahmen zu<br />

machen, die für immer geschätzt werden.<br />

Ausrüstung<br />

MAKRO-OBJEKTIV<br />

Empfohlen: Canon EF 100mm<br />

F2.8L Macro IS USM<br />

Preis: ca. € 450<br />

Web: www.canon.de<br />

Ein stabiles, leistungsstarkes<br />

Objektiv, das sich hervorragend<br />

für Nahaufnahmen von Details wie<br />

die Hände o<strong>der</strong> Augen eines Babys<br />

eignet. Das Objektiv ermöglicht<br />

es, Nahaufnahmen ohne Stativ zu<br />

machen.<br />

Mit diesem Equipment sind Sie bestens für Ihre Babyfotos gerüstet.<br />

SOFTWARE<br />

Empfohlen: Photoshop CS6<br />

Preis: ca. € 850<br />

Web: www.adobe.com<br />

Eine Software, die für ambitionierte<br />

Kin<strong>der</strong>fotografen unerlässlich<br />

ist. Sie können Bil<strong>der</strong> damit nach<br />

Belieben justieren <strong>und</strong> verän<strong>der</strong>n.<br />

COMPUTER UND<br />

BILDSCHIRM<br />

Empfohlen: Mac Pro <strong>und</strong> Cinema<br />

Display<br />

Preis: ca. € 4.000<br />

Web: www.apple.de/macpro<br />

Ein topmo<strong>der</strong>ner Computer <strong>und</strong><br />

Monitor werden Ihnen gute Dienste<br />

leisten.<br />

FESTBRENNWEITE<br />

Empfohlen: Nikkor 35 mm F1.4G<br />

Lens<br />

Preis: ca. € 1.600<br />

Web: www.nikon.de<br />

Ein Objektiv mit fester Brennweite<br />

ist für <strong>Porträt</strong>s ideal. Die großen<br />

Blendenöffnungen bieten sich für<br />

sanfte Tiefenschärfe an.<br />

SITZSACK<br />

Empfohlen: John Lewis trinidad<br />

Beanbag<br />

Preis: ca. € 30<br />

Web: www.johnlewis.com<br />

Ihre Bildkompositionen werden sehr<br />

viel besser werden, wenn Sie viele<br />

Sitzsäcke in verschiedenen<br />

Farben<br />

<strong>und</strong> mit verschiedenen<br />

Tex<br />

turen haben.<br />

Sie sehen gut<br />

aus <strong>und</strong> sind<br />

für schlafende<br />

Babys bequem.<br />

112 PORTRÄTFOTOGRAFIE


Kin<strong>Der</strong> FotograFieren<br />

Lassen Sie sich von diesen<br />

Inspiriert sein Babyfotos anregen<br />

© natalie johnson<br />

natalie<br />

johnson<br />

„Mit dem 35-mm-objektiv<br />

lassen sich gut <strong>Porträt</strong>s<br />

machen, beson<strong>der</strong>s mit<br />

Babys. Feste Brennweiten<br />

sind schnell, scharf <strong>und</strong><br />

weit offen. Das Baby war im<br />

schatten im Kin<strong>der</strong>wagen,<br />

damit das licht besser ist,<br />

<strong>und</strong> es hat seine Mutter frech<br />

angegrinst.“<br />

Bilddetails: nikon D40 mit<br />

einem 35-mm-objektiv bei<br />

35 mm <strong>und</strong> f4, 1/250 sek.,<br />

iso 400<br />

www.dphotographer.co.uk/<br />

user/natalie<br />

scott Mawson<br />

„Das Foto entstand<br />

bei indirektem licht<br />

abends am Fenster. Daher<br />

brauchte ich viel iso. Das<br />

Kind lag auf dem rücken,<br />

mit seinem „Mr. Beanteddy“<br />

<strong>und</strong> ich stand über<br />

ihm <strong>und</strong> habe es direkt<br />

fotografiert. ich wollte die<br />

augen hervorheben. <strong>Der</strong><br />

rest durfte ein klein wenig<br />

unscharf sein.<br />

Bilddetails: canon eos7D<br />

mit einem 100-mm-Macroobjektiv<br />

bei 100 mm <strong>und</strong><br />

f2.8, 1/20 sek., iso 2500<br />

www.dphotographer.co.uk/<br />

user/scottM<br />

© richard hampton<br />

richarD haMPton<br />

„Unser sohn fand es lustig, dass er voll sand war! ich habe ihn kurz<br />

angeschaut <strong>und</strong> beschlossen, die Farben des t-shirts hervorzuheben.“<br />

Bilddetails: sony a230, 18–55mm-objektiv bei 35 mm, f8, 1/160 sek., iso<br />

100, www.dphotographer.co.uk/user/richampton<br />

© scott Mawson<br />

<strong>Porträt</strong>FotograFie 113


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faszinierende Abbil<strong>der</strong> unserer schönen Welt. Wir wünschen Ihnen dabei viel<br />

Freude <strong>und</strong> Erfolg!


Inhalt<br />

10 Perfekte<br />

<strong>Landschafts</strong>bil<strong>der</strong><br />

Die wichtigsten Gr<strong>und</strong>lagen-Tipps für bessere <strong>Landschafts</strong>fotos<br />

GRUNDLAGEN<br />

FÜR EINSTEIGER<br />

10 Perfekte <strong>Landschafts</strong>bil<strong>der</strong><br />

Geben Sie Ihren <strong>Landschafts</strong>fotos den richtigen Kick.<br />

16 Die 20 besten Foto-Tipps<br />

So machen Sie preisverdächtige <strong>Landschafts</strong>fotos.<br />

18 Fehler bei <strong>Landschafts</strong>fotos<br />

Vermeiden Sie die häufigsten Bildkompositionsfehler.<br />

4 LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE<br />

FÜR EXPERTEN<br />

22 <strong>Der</strong> <strong>ultimative</strong> <strong>Guide</strong><br />

für den Einsatz von Filtern<br />

Die Verwendung von Filtern ist auch im<br />

digitalen Zeitalter nicht überflüssig.<br />

30 Sich an das Licht anpassen<br />

Reagieren Sie auf verän<strong>der</strong>te<br />

Bedingungen für die perfekte Belichtung.<br />

42 Arbeiten Sie mit <strong>der</strong><br />

hyperfokalen Distanz<br />

Schönere Ergebnisse dank <strong>Spezial</strong>techniken<br />

46 Beherrschen Sie HDR<br />

Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung<br />

schießen <strong>und</strong> erstellen Sie tolle HDR-Fotos.<br />

52 Atemberaubende Bil<strong>der</strong><br />

dank Histogramm-Einsatz<br />

Nutzen Sie die Histogramm-Funktion <strong>der</strong><br />

Kamera <strong>und</strong> in <strong>der</strong> Bildnachbearbeitung.<br />

18


© David Clapp<br />

CONTENTS<br />

70<br />

22<br />

38<br />

120<br />

104<br />

62<br />

94<br />

13<br />

© David Clapp<br />

TECHNIKEN<br />

58 Kreative Landschaften<br />

Entdecken Sie, was gute <strong>Landschafts</strong>fotos ausmacht.<br />

70 Großartige Welten –<br />

faszinierende Aufnahmen<br />

Machen Sie mehr aus Ihren <strong>Landschafts</strong>fotos.<br />

82 Low-Light-Landschaften<br />

Die besten Tipps für Aufnahmen im Dämmerlicht<br />

94 Die Beson<strong>der</strong>heiten von<br />

Küstenlandschaften<br />

Erfahren Sie mehr über die Geheimnisse<br />

perfekter Küstenpanoramen <strong>und</strong> Meeresfotos.<br />

102 Extreme Landschaften<br />

Profi-Tipps auch für die härtesten Bedingungen<br />

„Kapitel für Kapitel<br />

optimieren Sie Ihre<br />

<strong>Landschafts</strong>fotos.“<br />

LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE 5


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grunDLAgen<br />

Für Einsteiger<br />

Alles, was Sie für bessere <strong>Landschafts</strong>fotos wissen müssen.<br />

10 Perfekte <strong>Landschafts</strong>bil<strong>der</strong><br />

Geben Sie Ihren <strong>Landschafts</strong>fotos den richtigen Kick.<br />

16 Die 20 besten Foto-Tipps<br />

So machen Sie preisverdächtige <strong>Landschafts</strong>fotos.<br />

18 Fehler bei <strong>Landschafts</strong>fotos<br />

Vermeiden Sie die häufigsten Bildkompositionsfehler.<br />

8 LAnDSchAFTSFoTogrAFie


Gr<strong>und</strong>LaGEn<br />

„Mit diesen Einsteiger-<br />

Tipps gelingen Ihnen<br />

die besten <strong>Landschafts</strong>aufnahmen,<br />

die Sie je<br />

gemacht haben.“<br />

© Mark Bauer<br />

LandSchafTSfoToGrafIE 9


gr<strong>und</strong>lAgen<br />

Perfekte<br />

<strong>Landschafts</strong>aufnahmen<br />

Mit unseren Lektionen erstellen Sie bald<br />

inspirierende <strong>Landschafts</strong>aufnahmen.<br />

Landschaften än<strong>der</strong>n sich ständig:<br />

über den Tag hinweg, den Monat<br />

<strong>und</strong> das Jahr – trotzdem geben<br />

sie jedem die Chance, großartige<br />

<strong>und</strong> malerische <strong>Fotografie</strong>n<br />

aufzunehmen. Obwohl Landschaften zu den<br />

beliebtesten Motiven unter Fotografen gehören,<br />

stellen sie oft schwierigere Motive dar, als man<br />

glauben möchte. Denn bevor man losschießt, gibt<br />

es einige wichtige Dinge zu beachten.<br />

Die Art <strong>und</strong> Weise, wie Sie fotografieren <strong>und</strong><br />

Ihren Bildausschnitt komponieren, wird die<br />

Ergebnisse Ihrer <strong>Landschafts</strong>aufnahmen drastisch<br />

än<strong>der</strong>n. Mit durchdachten Kompositionen schaffen<br />

Sie es, von einfachen Schnappschüssen hin zu<br />

eindrucksvollen Ausblicken zu gelangen. Des<br />

Weiteren sind Landschaften unberechenbar <strong>und</strong><br />

können ihr Antlitz von einer Minute auf die an<strong>der</strong>e<br />

wechseln, darum sollten Sie auch lernen, wie Sie<br />

sich am besten vorbereiten, <strong>und</strong> wissen, was Ihre<br />

Kamera <strong>und</strong> Sie selbst leisten können.<br />

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre<br />

Erfolgsrate verbessern: mit Tipps zur richtigen<br />

Bildkomposition, den richtigen Einstellungen an<br />

<strong>der</strong> Kamera sowie <strong>der</strong> anschließenden Aufnahme<br />

<strong>und</strong> Nachbearbeitung.<br />

Ganz egal mit welcher Kamera Sie fotografieren:<br />

Sie können diese Tipps <strong>und</strong> Techniken an je<strong>der</strong><br />

Szene ausprobieren <strong>und</strong> bekommen so auf jeden<br />

Fall eine eindrucksvolle <strong>Landschafts</strong>aufnahme.<br />

„Wenn Sie die Komposition verän<strong>der</strong>n,<br />

werden Ihre Fotos an<strong>der</strong>s aussehen.“<br />

Auf den nächsten Seiten: Lektionen für <strong>Landschafts</strong>aufnahmen<br />

für jeden Fotografen <strong>und</strong> jede Art von Kamera<br />

Aufgenommen mit …<br />

Smartphone<br />

Vorteile:<br />

Oft haben Smartphones Foto-Einstellungen<br />

wie HDR o<strong>der</strong> fotospezifische Apps.<br />

4<br />

Aufgenommen mit …<br />

KompaKtKamera<br />

Vorteile:<br />

nachteile:<br />

nachteile:<br />

Durch das nicht auswechselbare Objektiv Das Objektiv kann nicht ausgetauscht<br />

7 <strong>und</strong> die niedrige Auflösung ist die Qualität 7 werden <strong>und</strong> es fehlen professionelle<br />

<strong>der</strong> Bil<strong>der</strong> nicht berauschend.<br />

manuelle Einstellungsoptionen.<br />

4<br />

Tolle kreative Einstellungsmöglichkeiten<br />

<strong>und</strong> meistens gute Qualität.<br />

Aufgenommen mit …<br />

SyStemKamera<br />

Vorteile:<br />

Tolle Qualität <strong>und</strong> hohe Auflösung, die<br />

sich auch für große Ausdrucke eignet.<br />

4<br />

nachteile:<br />

Für Anfänger manchmal ein wenig<br />

schwierig zu handhaben<br />

7<br />

Aufgenommen mit…<br />

dSlr<br />

Vorteile:<br />

Exzellente Bildqualität, austauschbare Objektive<br />

4 <strong>und</strong> viele manuelle Einstellungsoptionen für<br />

bessere Kontrolle <strong>und</strong> mehr Kreativität.<br />

nachteile:<br />

Kamera <strong>und</strong> Objektive sind sehr teuer <strong>und</strong><br />

schwer <strong>und</strong> oft schwierig zu benutzen.<br />

7<br />

10 lAndSCHAftSfotogrAfie


Perfekte LAndschAften<br />

LAndschAftsfotogrAfie 11


GRUNDLAGEN<br />

Nehmen Sie sich Zeit für die richtige Bildkomposition<br />

Lernen Sie, wie Sie Ihre Bil<strong>der</strong> während <strong>der</strong> Aufnahme richtig in Szene setzen <strong>und</strong> komponieren.<br />

Bildkomposition<br />

Bei <strong>der</strong> Bildkomposition handelt es sich um eine Gr<strong>und</strong>voraussetzung<br />

für gelungene Aufnahmen, denn <strong>der</strong> richtige Ausschnitt <strong>der</strong><br />

aufzunehmenden Szene kann einen Riesenunterschied machen.<br />

Versuchen Sie eine kreative Herangehensweise <strong>und</strong> wählen Sie<br />

neue Blickwinkel, aus denen Sie die Aufnahmen erstellen, um<br />

neue Perspektiven zu finden. Suchen Sie nach hineinführenden<br />

Linien o<strong>der</strong> Hinguckern wie Steinformationen, Gebäuden o<strong>der</strong><br />

Bäumen, um den Ausschnitt zu füllen. Sie können zudem auch<br />

Bildkompositionsregeln folgen. Da wäre zum Beispiel die Drittel-Regel,<br />

mit <strong>der</strong> man darauf achtet, dass <strong>der</strong> Horizont das obere<br />

Drittel einnimmt <strong>und</strong> die Aufnahme so harmonischer wirkt.<br />

„Denken Sie darüber<br />

nach, wie Sie an die<br />

Szene herangehen.“<br />

KNIEN SIE SICH FÜR<br />

EINEN INTERESSANTEN<br />

VORDERGRUND HIN<br />

Die zweite Aufnahme von <strong>der</strong> gleichen<br />

Szene wurde in <strong>der</strong> Hocke aufgenommen<br />

<strong>und</strong> bringt daher etwas<br />

Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> mit, <strong>der</strong> interessant wirkt<br />

<strong>und</strong> zudem ein Gefühl von Tiefe vermittelt.<br />

Das macht die Aufnahme sofort<br />

dynamischer.<br />

EINFACH NUR ZIELEN<br />

UND AUSLÖSEN ERGIBT<br />

LANGWEILIGE BILDER<br />

Diese Aufnahme wurde stehend<br />

erstellt <strong>und</strong> ihr fehlt ein interessantes<br />

Objekt o<strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong>, um den<br />

Betrachter hineinzuziehen. Viele neue<br />

Fotografen fangen mit dieser Art zu<br />

fotografieren an.<br />

GANZ UNTEN GIBT ES<br />

UNGEWÖHNLICHE UND<br />

KREATIVE BLICKWINKEL<br />

Die letzte Aufnahme wurde im<br />

Liegen erstellt <strong>und</strong> zeigt noch mehr<br />

Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong>, sodass <strong>der</strong> Hintergr<strong>und</strong><br />

fast aus dem Fokus rückt. Versuchen<br />

Sie, die Szene auch im Hochformat<br />

aufzunehmen, um noch mehr<br />

Resultate für Ihr <strong>Landschafts</strong>portfolio<br />

zu bekommen.<br />

Versuchen Sie,<br />

interessante Objekte<br />

im Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong><br />

einzufangen wie<br />

Blumen o<strong>der</strong><br />

Steinformationen.<br />

12 LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE<br />

THE LANDSCAPE PORTRAIT PHOTOGRAPHY BOOK


PErfEKtE LAndschAftEn<br />

Holen Sie alles aus den Kamera-Modi heraus<br />

Werden Sie kreativ mit Ihrer Kamera <strong>und</strong> experimentieren Sie mit unterschiedlichen Einstellungen.<br />

Einstellungen<br />

Aktuelle Kameramodelle – inklusive kompakte Systemkameras, Kompaktkameras<br />

<strong>und</strong> Smartphones – bieten inzwischen eine Reihe von cleveren<br />

Optionen an. Diese reichen von intelligenten Automatikeinstellungen<br />

zu experimentellen <strong>und</strong> fortgeschrittenen manuellen Modi. Einfach<br />

zu nutzende Auto- <strong>und</strong> Szenen-Modi eignen sich bestens für alle, die sich<br />

auf die Bildkomposition konzentrieren wollen, denn damit übernimmt<br />

die Kamera alle Belichtungsentscheidungen. Mit den vielfältigen Effekten<br />

wie HDR o<strong>der</strong> diversen Filtern kann man eindrucksvolle <strong>Landschafts</strong>aufnahmen<br />

erstellen. Manuelle Modi sind eher für fortgeschrittene Fotografen<br />

geeignet, da sie die komplette, kreative Kontrolle über die Kameraeinstellungen<br />

zulassen. Haben Sie keine Angst davor, mit Ihrer Kamera<br />

zu experimentieren, um herauszufinden, was sich für die aktuelle Szene<br />

<strong>und</strong> für Ihren eigenen Stil am besten eignet.<br />

„Haben Sie keine<br />

Angst davor, zu<br />

experimentieren.“<br />

Auto- <strong>und</strong><br />

Szenen-<br />

Modi<br />

Für alle, die die Kunst <strong>der</strong><br />

Bildkomposition noch<br />

üben, eignet sich <strong>der</strong> Auto-Modus,<br />

da er es erlaubt,<br />

dass man einfach<br />

nur zielt, den richten Ausschnitt<br />

findet <strong>und</strong> schießt.<br />

Währenddessen wählt die<br />

Kamera automatisch die<br />

richtigen Einstellungen für<br />

die Szene.<br />

Manuelle<br />

Einstellung<br />

Die manuellen Modi<br />

(meist P, A, S <strong>und</strong> M)<br />

sind komplexer einzusetzen,<br />

aber sehr beliebt bei<br />

geübten Fotografen. Sie<br />

geben einem Kontrolle<br />

über Einstellungen wie<br />

die Verschlusszeit <strong>und</strong><br />

die Blende. Versuchen<br />

Sie es mit einem hohen<br />

Blendenwert (f) für<br />

scharfe Aufnahmen.<br />

HDR <strong>und</strong><br />

kreative<br />

Filter<br />

HDR <strong>und</strong> kreative Filter<br />

sind in den meisten Kameras<br />

<strong>und</strong> Smartphones<br />

verfügbar, nicht<br />

aber in allen DSLRs.<br />

Filter, die über das Bild<br />

gelegt werden, eignen<br />

sich für kreativere Aufnahmen,<br />

während HDR<br />

sehr realitätsnahe<br />

Fotos erstellt.<br />

Die drei häufigsten Fehler bei<br />

<strong>Landschafts</strong>aufnahmen<br />

01 Zu wenig o<strong>der</strong> zu viel Himmel<br />

o<strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong>elemente<br />

Dieser Himmel ist wolkenlos <strong>und</strong> daher langweilig,<br />

warum also so viel davon aufnehmen? Stattdessen<br />

packt man besser mehr Landschaft in die Aufnahme.<br />

Kann es Ihre Kamera?<br />

4 DSLR<br />

4 Kompaktsystemkamera<br />

4 Kompaktkamera,<br />

7 Smartphone<br />

Kann es Ihre Kamera?<br />

4 DSLR<br />

4 Kompaktsystemkamera<br />

7 Kompaktkamera,<br />

7 Smartphone<br />

Kann es Ihre Kamera?<br />

7 DSLR<br />

4 Kompaktsystemkamera<br />

4 Kompaktkamera,<br />

4 Smartphone<br />

02 Ungera<strong>der</strong> Horizont<br />

Stellen Sie immer sicher, dass <strong>der</strong> Horizont gerade ist<br />

– nutzen Sie zur Not ein Stativ. Nichts lenkt mehr vom<br />

übrigen Bildinhalt ab als ein schiefer Horizont.<br />

03 Lichtreflexe<br />

Die Kamera ist in Richtung Sonne gerichtet, was hässliche<br />

Lichtreflexe erzeugt. Halten Sie die Kamera eher<br />

leicht nach unten geneigt, um das zu vermeiden.<br />

LAndschAftsfotogrAfIE 13


GRUNDLAGEN<br />

Mit natürlichem<br />

Licht arbeiten<br />

Eine Anleitung für Sonnenjäger<br />

<strong>Landschafts</strong>fotografen zielen darauf ab, nur mit<br />

natürlichem Licht zu arbeiten. Dafür warten sie<br />

auf das richtige Wetter, die richtige Tageszeit <strong>und</strong><br />

sogar auf die passende Jahreszeit. Wenn man<br />

<strong>Landschafts</strong>fotografen fragt, was ihnen am besten<br />

an ihrer Arbeit gefällt, werden viele begeistert vom<br />

Warten auf das richtige Licht erzählen.<br />

Aber welches Licht ist eigentlich das Beste? Eingefleischte<br />

<strong>Landschafts</strong>fotografen weisen hier oft<br />

auf die Goldene St<strong>und</strong>e um den Sonnenauf- o<strong>der</strong><br />

-untergang hin. Zu beiden Tageszeiten steht die<br />

Sonne sehr tief, nahe am Horizont. Mit den richtigen<br />

Wetterbedingungen ergibt das ein weiches <strong>und</strong><br />

warmes Licht.<br />

Wie lange diese mystische „St<strong>und</strong>e“ genau<br />

anhält, hängt von <strong>der</strong> Jahreszeit <strong>und</strong> dem geografischen<br />

Standort (in Relation zum Äquator zum<br />

Beispiel) ab. Die Dauer kann zwischen wenigen<br />

Minuten <strong>und</strong> mehreren St<strong>und</strong>en liegen.<br />

MORGEN-<br />

LANDSCHAFTEN<br />

Das Glühen <strong>der</strong> Farbe,<br />

die am Himmel glitzert,<br />

kurz bevor die Sonne über<br />

dem Horizont erscheint, fügt dem<br />

Bild Dramatik hinzu <strong>und</strong> erhellt die<br />

komplette Landschaft.<br />

Licht in <strong>der</strong> Landschaft<br />

Profi-<strong>Landschafts</strong>fotograf Mark Bauer erklärt uns, wie er mit Licht arbeitet, um seine<br />

wun<strong>der</strong>schönen <strong>Landschafts</strong>aufnahmen zu erstellen.<br />

Name: Mark Bauer<br />

Bio: Profi-<strong>Landschafts</strong>fotograf<br />

Mark aus Dorset,<br />

versteht <strong>und</strong> schätzt die Art,<br />

wie eine Szene mit dem<br />

richtigen Licht lebendig<br />

werden kann. Zusammen<br />

mit seinem Kollegen Ross<br />

Hoddinott gibt er <strong>Fotografie</strong>-Kurse<br />

(dawn2duskphotgraphy.<br />

co.uk) .<br />

Website: www.markbauerphotography.com<br />

Welchen Unterschied kann Beleuchtung in Fotos<br />

machen?<br />

Bei <strong>Landschafts</strong>aufnahmen kann Licht zum Erfolg o<strong>der</strong><br />

zur Katastrophe führen, da es ein wesentlicher Bestandteil<br />

<strong>der</strong> Bildkomposition ist, das wichtige Elemente hervorhebt,<br />

Texturen verdeutlicht o<strong>der</strong> Tiefe erzeugt. Einige<br />

Aufnahmen werden durch Licht von einem banalen Foto<br />

zu einem beson<strong>der</strong>en Bild.<br />

Was sind die Anzeichen eines guten Lichtes?<br />

Allgemein kann man sagen, dass tief stehendes, warmes<br />

Licht bevorzugt von <strong>Landschafts</strong>fotografen benutzt<br />

wird. Es offenbart Formen <strong>und</strong> Texturen in einer sehr<br />

vorteilhaften Art <strong>und</strong> Weise <strong>und</strong> Menschen reagieren<br />

generell sehr positiv auf warme Farbpaletten.<br />

Was sind die Anzeichen eines schlechten Lichtes?<br />

Auch wenn einige <strong>der</strong> Meinung sind, es gäbe kein<br />

schlechtes Licht, finde ich, dass flache, graue, langweilige<br />

Beleuchtung sehr uninspirierten wirkt. Die Landschaft<br />

sieht dann zweidimensional aus, wenn kein Licht hereinfällt,<br />

um Schatten zu werfen <strong>und</strong> Formen zu definieren.<br />

Ist es möglich, gute Aufnahmen zu bekommen,<br />

auch wenn das Licht nicht ideal ist?<br />

Ja, aber man muss viel härter dafür arbeiten. Es funk-<br />

tioniert nicht immer, aber wenn man kontrastreiche<br />

Fotos anpeilt, die in Schwarz-Weiß umgewandelt<br />

werden sollen, dann ist es möglich, echte Hingucker<br />

selbst bei schlechtem Wetter <strong>und</strong> flauem Licht zu<br />

erstellen. Ein beliebter Trick umfasst das Einsetzen von<br />

Neutralgraufiltern wie dem Lee Big Stopper. Mit denen<br />

kann man die Verschlusszeit künstlich verlängern <strong>und</strong><br />

so auch bei hohem Lichtniveau lange Belichtungszeiten<br />

generieren. Das funktioniert gut, wenn sich bewegende<br />

Elemente wie Wasser o<strong>der</strong> Wolken in <strong>der</strong> Bildkomposition<br />

befinden. Beson<strong>der</strong>s effektiv ist das für eine minimalistische<br />

Herangehensweise, bei <strong>der</strong> ein einziges,<br />

solides Objekt gegen sich bewegende Elemente hervorgehoben<br />

werden soll.<br />

© Mark Bauer<br />

DÄMMRIGES GLÜHEN<br />

Wenig Licht benötigt oft lange<br />

Belichtungszeiten, was zu ruhigen Himmeln <strong>und</strong><br />

Gewässern führt.<br />

Welche Art von Licht setzen Sie für Ihre eigenen<br />

Aufnahmen ein <strong>und</strong> wie wichtig ist die Tageszeit?<br />

Ich liebe das Licht vor dem Sonnaufgang <strong>und</strong> nach dem<br />

Sonnenuntergang. Die weichen Pastellfarben des ersten<br />

Lichts verleihen dem Bild Romantik <strong>und</strong> etwas Geheimnisvolles.<br />

Das Licht am Ende des Tages hingegen kann<br />

sehr dramatisch wirken. Die langen Belichtungszeiten,<br />

die bei dieser geringen Beleuchtung wichtig sind, fügen<br />

noch mehr Atmosphäre ein. Ich habe zudem auch eine<br />

Vorliebe für stürmisches, sich verän<strong>der</strong>ndes Licht.<br />

14 LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE


PErfEKTE LAnDSchAfTEn<br />

Mittagslandschaft<br />

Tagsüber ist das Licht oft<br />

langweilig im Vergleich zum<br />

warmen Licht, das man oft am Anfang<br />

o<strong>der</strong> Ende des Tages sieht. Im Winter<br />

kann es sein, dass das Licht mittags<br />

einigermaßen weich daherkommt.<br />

abendlandschaft<br />

Das Licht wird besser,<br />

je tiefer die Sonne sinkt,<br />

obwohl <strong>der</strong> Sonnenuntergang hinter<br />

<strong>der</strong> Kamera statt findet.<br />

„Es dreht<br />

sich alles<br />

darum, auf<br />

das richtige<br />

Wetter <strong>und</strong><br />

die richtige<br />

Zeit zu<br />

warten.“<br />

<strong>Der</strong> australische Inselstaat Tasmanien liegt zum<br />

Beispiel 42 Breitengerade südlich vom Äquator <strong>und</strong><br />

ist bei australischen <strong>Landschafts</strong>fotografen wegen<br />

seines spürbar weicheren Lichts beliebt. Bei Wilsons<br />

Promontory in Victoria (<strong>der</strong> südlichste Punkt<br />

Australiens) sind die goldenen St<strong>und</strong>en sehr lang.<br />

Wenn ein australischer Fotograf für Aufnahmen an<br />

die Jurassic Coast in Dorset, Großbritannien reist,<br />

wird er hier die Vorteile des 50.6-Breitengrades<br />

nördlich vom Äquator zu spüren bekommen, <strong>der</strong><br />

zu einem noch weicheren Licht <strong>und</strong> einer längeren<br />

goldenen St<strong>und</strong>e als in Tasmanien führt. Natürlich<br />

wirkt die goldene St<strong>und</strong>e in Dorset nur bei gutem<br />

Wetter. Wenn <strong>der</strong> Wetterbericht Wolken, Regen <strong>und</strong><br />

keinen Sonnenschein verspricht, wird es auch keine<br />

goldene St<strong>und</strong>e geben. Es kann auch vorkommen,<br />

dass man diese magische Zeit verpasst, selbst<br />

wenn <strong>der</strong> Himmel klar ist. Wolken, sofern es nicht<br />

zu viele o<strong>der</strong> sie zu dick sind, helfen, das Sonnenlicht<br />

zu verteilen, <strong>und</strong> fügen dem Himmel interessante<br />

Formen hinzu. Es ist wichtig, gut vorbereitet<br />

<strong>und</strong> früh dran zu sein, um das beste Licht im<br />

Sonnenaufgang einzufangen. Wenn Sie den Namen<br />

des Ortes, den Sie fotografieren wollen, zusammen<br />

mit dem Wort „Sonnenaufgang“ in Google eingeben,<br />

bekommen Sie eine genaue Zeitangabe. Im<br />

Winter kommt die Sonne gegen 8 Uhr raus. Gegen<br />

7 Uhr ist es dann noch dunkel <strong>und</strong> man merkt<br />

keine große Farbverän<strong>der</strong>ung bis ca. 7.30 Uhr. Es<br />

ist aber trotzdem wichtig, schon vor Ort bereit zu<br />

sein, denn die beste Zeit für schöne Farben beginnt<br />

gegen 7.45 Uhr <strong>und</strong> hält nur so lange an, bis die<br />

Sonne über dem Horizont erscheint.<br />

LAnDSchAfTSfoTogrAfIE 15


GRUNDLAGEN<br />

20 tolle Tipps für ...<br />

Landschaften<br />

Einige gr<strong>und</strong>legende Tipps <strong>und</strong> Techniken, um<br />

preisverdächtige <strong>Landschafts</strong>aufnahmen zu schießen<br />

Leitlinien<br />

Suchen Sie nach Leitlinien, die potenziell<br />

die Aufmerksamkeit des Betrachters<br />

in das Foto ziehen können. Sie<br />

können Ihre Bildkompositionen<br />

noch verbessern, indem Sie die<br />

Linienführung von <strong>der</strong> Ecke ausgehend<br />

o<strong>der</strong> direkt aus <strong>der</strong> Mitte heraus<br />

platzieren.<br />

In die Sonne fotografieren<br />

Benutzen Sie eine kleine Blendenöffnung,<br />

um Lichtmuster zu<br />

bekommen <strong>und</strong> Lichtreflexe zu<br />

verhin<strong>der</strong>n. Die Sonne wird den<br />

Belichtungsmesser dazu veranlassen<br />

unterzubelichten. Erstellen Sie eine<br />

Belichtungsreihe in unterschiedlichen<br />

Blendenstufen <strong>und</strong> fügen Sie die<br />

Bil<strong>der</strong> später zusammen.<br />

HDR<br />

Einige Landschaften eignen sich<br />

perfekt für HDR. Wenn man es hier<br />

übertreibt, sieht das Ergebnis aber<br />

oft ein wenig merkwürdig aus. Halten<br />

Sie sich also zurück <strong>und</strong> nutzen Sie<br />

eine Graukarte, um den Weißabgleich<br />

richtig hinzubekommen, wenn Sie die<br />

Bil<strong>der</strong> später bearbeiten.<br />

Panorama<br />

Panoramaaufnahmen machen sich<br />

beson<strong>der</strong>s gut, wenn im normalen<br />

Format zu viel Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> o<strong>der</strong><br />

Himmel zu sehen ist. Nehmen Sie<br />

entwe<strong>der</strong> eine ganze Serie von<br />

Fotos auf o<strong>der</strong> überlegen Sie bereits<br />

während <strong>der</strong> Aufnahme, wie das Bild<br />

aussehen könnte, wenn man es als<br />

Panorama zurechschneidet.<br />

Details suchen<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren dreht sich nicht<br />

immer alles um tolle Szenerien.<br />

Halten Sie Ausschau nach spannenden<br />

Details <strong>und</strong> experimentieren<br />

Sie mit Fokuspunkten <strong>und</strong><br />

Blendeeinstellungen.<br />

Lange Belichtungszeiten<br />

Nutzen Sie lange Verschlusszeiten<br />

für Bewegungsunschärfe. Wenn<br />

Sie ein bis zwei Sek<strong>und</strong>en belichten,<br />

bleiben Details erhalten.<br />

Bei längeren Belichtungszeiten<br />

wird das Ergebnis ein langweiliger<br />

Einheitsbrei. Nutzen Sie bei<br />

Tageslicht einen Neutraldichtefilter<br />

mit 6 o<strong>der</strong> 10 Blendenstufen.<br />

Farbtemperatur<br />

Diese Einstellungen können die Bildatmosphäre<br />

stark beeinflussen,<br />

entscheiden Sie vorher, was Sie<br />

mit <strong>der</strong> Aufnahme sagen wollen.<br />

Sie können zum Beispiel bei RAW-<br />

Dateien mit den Weißpunkten <strong>und</strong><br />

Farbtonwerten experimentieren.<br />

Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> einfügen<br />

Versuchen Sie, einen interessanten Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong><br />

in die Aufnahme zu integrieren, <strong>der</strong> das<br />

Auge des Betrachters in das Bild führt <strong>und</strong><br />

die dargestellten Objekte für eine stärkere<br />

Bildkomposition besser hervorhebt.<br />

16 LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE


20 TIPPS FÜR LANDSCHAFTEN<br />

Einen Pier finden<br />

Piers eignen sich hervorragend<br />

als Leitlinien in einem Bild.<br />

Experimentieren Sie ein wenig,<br />

indem Sie ihn erst mittig <strong>und</strong><br />

dann an <strong>der</strong> Seite in <strong>der</strong><br />

Bildkomposition platzieren.<br />

Grauverlauffilter nutzen<br />

Setzen Sie einen Grauverlauf<br />

filter ein, um das Licht, das vom<br />

Himmel kommt, gegen den Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong><br />

auszubalancieren. Filter<br />

mit harten Verläufen eignen<br />

sich am besten für deutliche<br />

Horizontlinien.<br />

Auf zur Küste<br />

Küstenaufnahmen können sich<br />

dank wechselhaftem Wetter dynamisch<br />

gestalten. Raue Wellen<br />

<strong>und</strong> große Wolken sind hier die<br />

Zutaten für bessere Fotos.<br />

Einen Fokuspunkt<br />

einbinden<br />

Indem man ein interessantes<br />

Objekt zum Fokuspunkt <strong>der</strong><br />

Aufnahme macht, wird diese<br />

viel eindrücklicher. Weite, offene<br />

Fel<strong>der</strong> eignen sich selten für<br />

aussagekräftige Fotos.<br />

Lange Brennweiten<br />

Setzen Sie ein Objektiv mit<br />

einer langen Brennweite ein, um<br />

Perspektiven zu stauchen <strong>und</strong><br />

Sichten zu verkürzen. Das kann<br />

dabei helfen, Muster in einer<br />

Szene deutlicher hervorzuheben.<br />

Winterküste<br />

Egal ob Sie Strände <strong>und</strong> Küsten im Zwielicht bevorzugen o<strong>der</strong><br />

hohe Wellen, achten Sie immer auf das Wetter <strong>und</strong> reagieren Sie<br />

entsprechend. Im Winter ist es ist einfacher, zu Hause zu bleiben,<br />

statt sich den Elementen zu stellen, aber die Ergebnisse können<br />

herausragend sein. Hohe Ausblickpunkte an <strong>der</strong> Küste in <strong>der</strong><br />

Nähe von Felswänden eignen sich hierfür beson<strong>der</strong>s gut.<br />

Nahaufnahmen von Eis <strong>und</strong> Schnee<br />

Es ist verlockend, immer wie<strong>der</strong> großartige <strong>Landschafts</strong>szenen zu fotografieren,<br />

aber Eisformationen <strong>und</strong> an<strong>der</strong>e Details können sich genauso<br />

lohnen – beson<strong>der</strong>s wenn <strong>der</strong> Himmel bewölkt ist. Dafür haben Sie am<br />

besten immer ein Makro-Objektiv <strong>und</strong> einige Zwischenringe dabei, um<br />

mit <strong>der</strong> Kamera ganz nah an das Motiv herangehen zu können.<br />

Das Equipment säubern<br />

Wenn man an <strong>der</strong> Küste fotografiert, gelangt<br />

Salzwasserdunst schnell in die Ritzen <strong>der</strong><br />

Ausstattung <strong>und</strong> kann zu Rost führen – beson<strong>der</strong>s<br />

wenn man dann wie<strong>der</strong> im warmen Zuhause<br />

ist. Nutzen Sie feuchtes Küchenpapier zur<br />

Reinigung <strong>und</strong> lassen Sie die Geräte trocknen.<br />

Regenschutz<br />

Lassen Sie sich von ein wenig Regen nicht abhalten!<br />

Schon eine dursichtige Plastktüte <strong>und</strong> ein<br />

Gummiband eignen sich ideal als Regenschutz.<br />

Schneiden Sie ein Loch für das Objektiv <strong>und</strong> eines<br />

für den Bildsucher aus. Befestigen Sie die Tüte am<br />

Objektiv mit dem Gummiband <strong>und</strong> darunter haben<br />

Sie dann vollen Zugriff auf die Knöpfe <strong>der</strong> Kamera.<br />

In Schwarz-Weiß<br />

umwandeln<br />

Wenn die Farben in einer<br />

Aufnahme nicht so spannend<br />

sind, versuchen Sie, diese in <strong>der</strong><br />

Nachbearbeitung in Schwarz-<br />

Weiß umzuwandeln. Das gibt<br />

Ihnen die volle Kontrolle über<br />

Tonwerte <strong>und</strong> Kontrast.<br />

Fester Boden<br />

Bei viel Wind kann es passieren,<br />

dass durch Vibrationen<br />

unscharfe Bil<strong>der</strong> entstehen.<br />

Sie können das vermeiden,<br />

indem Sie die Kamera vom<br />

Stativ nehmen <strong>und</strong> auf ein<br />

formbares, stabiles Kissen<br />

(Beanbag) setzen. Wenn Sie<br />

doch ein Stativ nutzen, fahren<br />

Sie dessen Beine nicht aus <strong>und</strong><br />

setzen Sie sich daneben auf<br />

den Boden.<br />

Die Kameratasche<br />

akklimatisieren<br />

Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre<br />

Kamera nicht von einer sehr<br />

warmen Umgebung in eine extrem<br />

kalte nehmen. Ansonsten<br />

kann es passieren, dass das<br />

Objektiv von innen beschlägt<br />

<strong>und</strong> damit unbrauchbar wird,<br />

bis es wie<strong>der</strong> wärmer ist.<br />

Darum empfiehlt es sich, die<br />

Autoheizung nicht zu hoch zu<br />

drehen, wenn Sie von zu Hause<br />

aus in die Kälte fahren.<br />

Seien Sie originell<br />

Aufnahmen, die Preise gewinnen,<br />

haben immer das gewisse<br />

Extra. Suchen Sie darum<br />

nach originellen Elementen<br />

o<strong>der</strong> abstrakten Mustern.<br />

LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE 17


GRUNDLAGEN<br />

Häufige Fehler bei<br />

Landschaften<br />

Finden Sie heraus, wie Sie Ihre Bil<strong>der</strong> verbessern<br />

können, in dem Sie weniger Fehler machen.<br />

POSITIONIERUNG<br />

Die Bildkomposition ist am wichtigsten.<br />

Ob ein Bild ein Erfolg wird o<strong>der</strong> nicht,<br />

hängt von <strong>der</strong> Position <strong>der</strong> Kamera ab.<br />

Kontrollieren Sie die Einrahmung des<br />

Motivs, verfeinern Sie die Komposition<br />

<strong>und</strong> drücken Sie im richtigen Moment ab.<br />

Bilddetails: Canon EOS-1Ds Mark III mit<br />

35–70-mm-Objektiv <strong>und</strong> f11, 1/40 Sek.<br />

David Clapp<br />

Website: www.<br />

davidclapp.co.uk<br />

Bio: David Clapp ist<br />

einer <strong>der</strong> führenden<br />

<strong>Landschafts</strong>-, Reise<strong>und</strong><br />

Architektur-Fotografen,<br />

<strong>der</strong> unter an<strong>der</strong>em<br />

für Getty Images<br />

tätig ist <strong>und</strong> für Light &<br />

Land, einem Anbieter<br />

von <strong>Landschafts</strong>fotografie-Workshops.<br />

Außerdem ist er ein<br />

unerschrockener Weltreisen<strong>der</strong><br />

<strong>und</strong> bekennen<strong>der</strong><br />

Objektiv-Süchtiger,<br />

<strong>der</strong> unkoventionelles<br />

Arbeiten liebt. Als<br />

gelernter Ausbil<strong>der</strong> gibt<br />

er zudem private Kurse.<br />

Über-Polarisation<br />

01<br />

Hierbei handelt es sich um ein gängiges Problem für<br />

Fotografen. Obwohl es sehr offensichtlich zu sein<br />

scheint, sofern man das Prinzip einmal verstanden hat,<br />

vergessen viele Fotografen, dass <strong>der</strong> Effekt beim Einsatz von<br />

Weitwinkelobjektiven zu stark werden kann. Wenn die oberen<br />

Ecken dunkel sind, werden weiche Blautöne in unschöne<br />

blaue Halbkreise verwandelt, beson<strong>der</strong>s wenn zusätzlich ein<br />

Verlaufsfilter eingesetzt wird.<br />

Wie Sie es vermeiden<br />

Am einfachsten umgeht man eine Über-Polarisation, indem<br />

man sich gut umschaut <strong>und</strong> dann den ungefähren Winkel<br />

festlegt, in dem die Kamera relativ zur Sonne aufgestellt wird.<br />

Polarisation entsteht am besten bei einem Winkel von 90 Grad<br />

zur Sonne. Erwarten Sie also extreme Polarisation, wenn die<br />

Bildkomposition in diese Richtung zeigt <strong>und</strong> ein Weitwinkelobjekt<br />

benutzt wird. Drehen Sie den Polarisator langsam, während<br />

Sie durch den Bildsucher schauen, <strong>und</strong> setzen Sie ihn dorthin,<br />

wo <strong>der</strong> Effekt schwächer wirkt. Erstellen Sie die Aufnahme <strong>und</strong><br />

untersuchen Sie diese auf dem LCD <strong>der</strong> Kamera sowohl als<br />

Vollbild als auch als Miniatur zur einfacheren Identifizierung.<br />

UNSCHÖNE FARBEN<br />

Die linke obere Ecke wirkt sich<br />

negativ auf die blaue Färbung aus, was<br />

die Aufnahme unausgeglichen erscheinen<br />

lässt – beson<strong>der</strong>s wenn man sie<br />

sich als Miniatur anschaut<br />

Bilddetails: Canon EOS-1Ds Mark III mit<br />

17–40-mm-Objektiv bei 20mm <strong>und</strong> f11,<br />

0,6 Sek., ISO 100<br />

© All images by David Clapp<br />

PERFEKTE<br />

MISCHUNG<br />

Durch sorgfältiges Verstellen des Polarisators<br />

wird <strong>der</strong> Effekt deutlich schwächer<br />

Bilddetails: Canon EOS-1Ds Mark III mit<br />

17–40-mm-Objektiv bei 20mm <strong>und</strong> f11,<br />

0,6 Sek., ISO 100<br />

18 LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE


Fehler vermeIDen<br />

ungleIchgewIcht<br />

Baum <strong>und</strong> stein sind nicht im<br />

gleichgewicht, da <strong>der</strong> Baum<br />

dominiert <strong>und</strong> daher in <strong>der</strong><br />

aufnahme zu groß wirkt.<br />

Bilddetails: canon eOs-1Ds<br />

mark III mit 35–70-mm-Objektiv<br />

bei 60mm <strong>und</strong> f11, 1/50<br />

sek., IsO 100<br />

PlatZ Zum<br />

atmen<br />

<strong>Der</strong> stein wird nicht vom Baum<br />

„erschlagen“ <strong>und</strong> zieht die<br />

aufmerksamkeit des<br />

Betrachters in das Bild.<br />

Bilddetails: canon<br />

eOs-1Ds mark III mit<br />

35–70-mm-Objektiv bei 35mm,<br />

f11, 1/50 sek<strong>und</strong>en, IsO 100<br />

vollgepackte Bildkompositionen<br />

03<br />

Eine ausgeglichene Bildkomposition ist schwer zu meistern.<br />

Auf den ersten Blick scheint die Beziehung zwischen<br />

den Elementen konstant gleich zu bleiben. Aber umso<br />

mehr man sich einem Objekt nähert, desto mehr än<strong>der</strong>t sich<br />

auch die Balance zusammen mit <strong>der</strong> emotionalen Auswirkung.<br />

Untersuchen Sie die Bildkomposition ausgiebig, indem Sie hineinzoomen<br />

<strong>und</strong> einen Schritt zurücktreten <strong>und</strong> herauszoomen<br />

<strong>und</strong> einen Schritt vorwärts machen, um Harmonie zu finden.<br />

wie sie es vermeiden<br />

Stecken Sie die Kamera nicht auf ein Stativ, sobald Sie ein Motiv<br />

haben. Nehmen Sie sie in die Hand <strong>und</strong> schauen Sie durch den<br />

Sucher, um Winkel <strong>und</strong> Höhe für die Aufnahme passend zu<br />

ermitteln. Legen Sie die Brennweite fest, indem Sie sich auf das<br />

Motiv zubewegen <strong>und</strong> herauszoomen o<strong>der</strong> wegbewegen <strong>und</strong><br />

hineinzoomen. Die Beziehung zwischen den Objekten wird sich<br />

spürbar än<strong>der</strong>n. Lassen Sie sich hier von Ihrer Intuition leiten.<br />

Danach können Sie die Kamera auf das Stativ packen.<br />

weniger ist mehr<br />

02<br />

Versuchen Sie, die Bildkomposition einfach zu halten, <strong>und</strong> denken<br />

Sie gut darüber nach, was funktioniert. Wenn die Komposition auch<br />

nur ein wenig danebenliegt, z. B. mit abgeschnittenen Elementen o<strong>der</strong> durch<br />

schlechte Positionierung, verringert sich <strong>der</strong> Effekt eines Fotos dramatisch.<br />

wie sie es vermeiden<br />

In <strong>der</strong> Aufnahme weiter unten ist es das letzte Haus, das sich gegen die<br />

Blickführung dreht <strong>und</strong> das Auge aus dem Bild ins Leere führt. <strong>Der</strong><br />

Autorück spiegel ganz unten links geht dadurch, dass er dunkler ist als alles<br />

an<strong>der</strong>e, komplett unter <strong>und</strong> kann genauso gut rausgeschnitten werden.<br />

Zerstückelter<br />

rahmen<br />

Das auto ist unwichtig, aber sobald<br />

man es entdeckt, ist es schwer zu<br />

ignorieren. Das schiefe haus am<br />

ende <strong>der</strong> reihe schadet komposition<br />

Bilddetails: canon eOs-1Ds markIII<br />

70–200-mm-Objektiv, 80mm <strong>und</strong><br />

f11, 1/60 sek., IsO 100<br />

mehr wIrkung<br />

Ohne das auto <strong>und</strong> das<br />

letzte haus im Bild ist die wirkung<br />

<strong>der</strong> aufnahme stärker <strong>und</strong> vermittelt<br />

ein abstraktes gefühl.<br />

Bilddetails: canon eOs-1Ds mark III<br />

mit 70–200-mm-Objektiv bei 80mm,<br />

f11, 1/60 sek., IsO 100<br />

„Auch kleinste Details<br />

können stören, nehmen<br />

Sie sich also Zeit!“<br />

lanDschaFtsFOtOgraFIe 19


FüR ExpERtEn<br />

Für Experten<br />

Verbessern Sie Ihre Fähigkeiten,<br />

um tolle <strong>Landschafts</strong>foros zu schießen.<br />

22 <strong>Der</strong> <strong>ultimative</strong> <strong>Guide</strong><br />

für den Einsatz von Filtern<br />

Die Verwendung von Filtern ist auch im digitalen<br />

Zeitalter nicht überflüssig.<br />

30 Sich an das Licht anpassen<br />

Reagieren Sie auf verän<strong>der</strong>te<br />

Bedingungen für die perfekte Belichtung.<br />

42 Arbeiten Sie mit <strong>der</strong><br />

hyperfokalen Distanz<br />

Schönere Ergebnisse dank <strong>Spezial</strong>techniken<br />

46 Beherrschen Sie HDR<br />

Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung schießen<br />

<strong>und</strong> erstellen Sie tolle HDR-Fotos.<br />

52 Atemberaubende Bil<strong>der</strong><br />

dank Histogramm-Einsatz<br />

Nutzen Sie die Histogramm-Funktion <strong>der</strong><br />

Kamera <strong>und</strong> in <strong>der</strong> Bildnachbearbeitung.<br />

20 LAnDScHAFtSFotoGRAFIE


FÜR EXPERTEN<br />

„Mit diesen Profi-<br />

Tipps gelingen<br />

Ihnen perfekte<br />

<strong>Landschafts</strong>aufnahmen.“<br />

© Simon Butterworth<br />

LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE 21


Für experteN<br />

SCHRITT-<br />

FÜR-SCHRITT-<br />

RATGEBER<br />

• So funktionieren Filter<br />

• <strong>Landschafts</strong>filter<br />

• Bewegte Aufnahmen<br />

• Lees „Big Stopper“<br />

Nachher<br />

Mit Filtern bewahren Sie<br />

mehr Details in<br />

markierten Flächen,<br />

die Sie kreativ<br />

bearbeiten können.<br />

22 LaNDSchaFtSFotograFie


Filter einSetzen<br />

Alles über Filter<br />

Wenn Sie glauben, in <strong>der</strong> digitalen Welt könnten Sie Filter<br />

vernachlässigen, irren Sie sich! Auf den folgenden Seiten werden<br />

wir Ihnen zeigen, was Sie mit Filtern alles erreichen können.<br />

Vorher<br />

Wenn Sie den Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong><br />

belichten, kann dabei leicht <strong>der</strong><br />

Himmel verwaschen wirken.<br />

Vielen Dank an SRB Photographic (www.srbfilm.co.uk) für die Lee-Filter, die in diesem Artikel verwendet wurden.<br />

Ebenso ein großes Dankeschön an Peter Sturt bei Lee Filters (www.leefilters.com) für den Big Stopper.<br />

Vor dem Aufkommen <strong>der</strong> digitalen<br />

<strong>Fotografie</strong> trug je<strong>der</strong> anständige Fotograf<br />

ein ganzes Arsenal von Filtern mit sich<br />

herum. Denn neben <strong>der</strong> Auswahl des<br />

Films konnte man eigentlich nicht viel tun, um<br />

die genauen Charakteristiken <strong>der</strong> Aufnahmen zu<br />

beeinflussen. Nur wenige Fotografen entwickelten<br />

ihre Schwarz-Weiß-Aufnahmen im eigenen Labor<br />

o<strong>der</strong> machten gar die Abzüge selbst, von <strong>der</strong> Entwicklung<br />

von Farbfotos ganz zu schweigen. Doch<br />

als Fotograf konnte man zumindest auf diverse Filter<br />

zurückgreifen, um die Aufnahme bei <strong>der</strong> Belichtung<br />

zu verän<strong>der</strong>n. Dazu zählten Polarisationsfilter,<br />

Warm- <strong>und</strong> Kalttonfilter, Farbverlaufsfilter, Grauverlaufsfilter,<br />

Neutralfilter (ND) <strong>und</strong> Rotverstärker.<br />

Filter waren wichtiges Zubehör <strong>und</strong> für viele<br />

Fotografen war das Sammeln von Filtern ein reines<br />

Vergnügen. Die richtige Verwendung war eine Kunst<br />

für sich, Filter galten als wertvoll.<br />

Heutzutage fotografieren die meisten von uns<br />

digital <strong>und</strong> bearbeiten die Bil<strong>der</strong> später mit Software<br />

wie Lightroom <strong>und</strong> Photoshop nach. Das führte<br />

dazu, dass viele <strong>der</strong> Filter von damals heutzutage<br />

auf Ebay erhältlich sind, oftmals für einen Bruchteil<br />

des ursprünglichen Kaufpreises. Farbtemperaturfilter,<br />

wie die Klassiker 81B- <strong>und</strong> 81C-Warmtonfilter werden<br />

einfach nicht mehr gebraucht, schließlich kann<br />

je<strong>der</strong> Fotograf die Weißabgleicheinstellungen in <strong>der</strong><br />

Kamera beliebig anpassen. Aufgr<strong>und</strong> von Tools wie<br />

Einstellungsebenen in Photoshop o<strong>der</strong><br />

<strong>der</strong> Möglichkeit, eine RAW-Daten-Konvertierungs-Software<br />

äußert exakt <strong>und</strong> präzise<br />

einzustellen, scheinen<br />

Filter wie manche Verlaufsfilter<br />

o<strong>der</strong> Rotverstärker<br />

mehr <strong>und</strong> mehr<br />

Vergangenheit zu<br />

sein. Denn die Effekte<br />

solcher Filter lassen<br />

sich schnell <strong>und</strong><br />

präzise mit <strong>der</strong> entsprechenden<br />

Software<br />

in <strong>der</strong> Nachbearbeitung<br />

erzeugen. Gehören Filter<br />

aber wirklich <strong>der</strong> Vergan-<br />

landScHaFtSFotograFie 23


Für experten<br />

genheit an? Sind sie Reliquien <strong>der</strong> <strong>Fotografie</strong>, die<br />

wir heutzutage we<strong>der</strong> brauchen noch wollen? Nicht<br />

ganz. Es gibt immer noch einige Filter, die für viele<br />

Fotografen äußerst nützlich, ja geradezu essenziell<br />

sind. Denn trotz <strong>der</strong> Möglichkeiten, die digitale<br />

Technik <strong>und</strong> mo<strong>der</strong>ne Software bieten, gibt es noch<br />

immer gewisse Effekte, die man in Photoshop nur<br />

schwer erzeugen kann – <strong>und</strong> die mit den richtigen<br />

Filtern geradezu ein Kin<strong>der</strong>spiel sind. Zu den<br />

wesentlichsten Filtern zählen sicherlich die UV-Filter.<br />

Denn wie <strong>der</strong> Name schon sagt, kann man mit <strong>der</strong>en<br />

Hilfe das ultraviolette Licht begrenzen, das auf den<br />

Film trifft, ansonsten kann ein Dunsteffekt verursacht<br />

werden. Mit digitalen Sensoren ist das nicht so<br />

problematisch, denn auf sie hat ultraviolettes Licht<br />

weitaus weniger Wirkung. Da also UV-Filter in <strong>der</strong><br />

Anschaffung relativ kostengünstig sind <strong>und</strong> die Ästhetik<br />

<strong>der</strong> Aufnahme nicht beeinträchtigen, werden<br />

sie noch immer als Schutzzubehör verwendet. Fotografen<br />

bringen den UV-Filter einfach am Objektiv an<br />

<strong>und</strong> lassen ihn dann dort, denn so lassen sich teure<br />

Schäden leicht vermeiden. Ein UV-Filter ist schneller<br />

<strong>und</strong> kostengünstiger zu ersetzen als ein Objektiv.<br />

Die meisten UV-Filter haben spezielle optische<br />

Beschichtungen, aber bei billigeren Filtern kann es<br />

mitunter zu Lichtreflexen im Objektiv kommen. Es<br />

kann auch zu Vignettierung kommen, falls weitere<br />

Filter o<strong>der</strong> Filterhalterungen angebracht werden,<br />

beson<strong>der</strong>s bei Weitwinkelobjektiven. In manchen<br />

Fällen kann dies sogar zu Qualitätsverlusten im Bild<br />

führen. Daher verzichten manche Fotografen auf<br />

einen schützenden UV-Filter <strong>und</strong> passen einfach gut<br />

auf, dass sie ihr Objektiv nicht beschädigen. Doch<br />

die Hersteller gehen bereits auf diese Bedenken<br />

„Es gibt noch immer gewisse Effekte, die man in<br />

Photoshop nur schwer erzeugen kann – <strong>und</strong> die mit<br />

den richtigen Filtern geradezu ein Kin<strong>der</strong>spiel sind.“<br />

ein. Es gibt mittlerweile vollkommen neutrale <strong>und</strong><br />

optisch getestete UV-Filter auf dem Markt, die ausschließlich<br />

zum Schutz des Objektives gedacht sind.<br />

Ein weiterer fest etablierter <strong>und</strong> sehr beliebter Filter<br />

ist <strong>der</strong> r<strong>und</strong>e Polarisationsfilter. Damit lassen sich<br />

das Blau im Himmel anreichern, Spiegelungen im<br />

Wasser vermeiden <strong>und</strong> Farbsättigung <strong>und</strong> Kontrast<br />

erhöhen. Man dreht den Filter einfach so lange, bis<br />

<strong>der</strong> gewünschte Effekt eintritt. Die Wirkung des<br />

Filters hängt vom Winkel des einfallenden Lichts<br />

ab. R<strong>und</strong>e Polarisationsfilter sind in verschiedenen<br />

Varianten erhältlich, man kann sie unter an<strong>der</strong>em<br />

direkt aufs Objektiv schrauben o<strong>der</strong> als Teil eines<br />

Filtersystems verwenden, in dem <strong>der</strong> Polarisationsfilter<br />

entwe<strong>der</strong> ganz hinten steckt o<strong>der</strong> in einem vom<br />

Hersteller vorgesehenen Filterhalter. Allerdings sollte<br />

man darauf achten, dass man bei Polarisationsfiltern<br />

bis zu zwei Blendenstufen einbüßt. Ein Foto, das<br />

also bei f8 mit 1/125-Sek<strong>und</strong>e belichtet wurde, wird<br />

entwe<strong>der</strong> zu einem Foto von 1/30-Sek<strong>und</strong>e bei f8<br />

o<strong>der</strong> 1/125 -Sek<strong>und</strong>e bei f4. Es wird auf jeden Fall<br />

entwe<strong>der</strong> die Verschlusszeit o<strong>der</strong> die Tiefenschärfe<br />

beeinträchtigt. Doch das kann auch von Vorteil sein,<br />

wenn man beispielsweise einen Wasserfall o<strong>der</strong> ein<br />

Danach<br />

Bei diesem Foto hat ein<br />

Grauverlaufsfilter einen<br />

großen Unterschied<br />

gemacht <strong>und</strong> das Bild<br />

musste später nicht mehr<br />

bearbeitet werden.<br />

24 LanDschaFtsFotoGraFie


Filter einsetzen<br />

FelsenböGen<br />

sehenswürdigkeiten am Meer sind<br />

<strong>der</strong> ideale Ort, um mit Filtern zu<br />

experimentieren <strong>und</strong> überflüssige<br />

bewegungen aus dem Foto zu filtern.<br />

Vorher<br />

Ohne Graustufenfilter ist<br />

<strong>der</strong> Himmel überbelichtet<br />

<strong>und</strong> büßt an Details ein.<br />

Wesentliche Filter für <strong>Landschafts</strong>fotos<br />

1.2-ND-Filter<br />

ND-Filter reduzieren die Lichtmenge, die<br />

den Sensor durch das Objektiv erreicht.<br />

Sie sind in verschiedenen Stärken<br />

erhältlich, mit zwei, drei <strong>und</strong> vier<br />

Blendenstufen (mit einer optischen<br />

Dichte von 0,6, 0,9 <strong>und</strong> 1,2)<br />

ND-<br />

ND-Grauverlaufsfilter<br />

Diese rechteckigen Filter sind den ND-Filtern<br />

recht ähnlich, aber sie haben eine Gradierung,<br />

sodass etwa die Hälfte des Filters völlig<br />

klar ist. So können Sie die neutrale Hälfte des<br />

Filters über eine Bildhälfte positionieren<br />

–in <strong>der</strong> Regel einen zu hellen Himmel<br />

– <strong>und</strong> so die Belichtung ausgleichen.<br />

Polfilter<br />

Ein Polarisationsfilter hat einen ähnlichen<br />

Effekt wie eine Sonnenbrille. Die Farben<br />

werden reicher <strong>und</strong> <strong>der</strong> Kontrast zwischen<br />

Himmel <strong>und</strong> Wolken verschärft. Auch Spiegelungen<br />

können damit reduziert o<strong>der</strong><br />

ganz vermieden werden. Sie funktionieren<br />

meist nur in bestimmten Winkeln <strong>und</strong> zu<br />

bestimmten Tageszeiten gut.<br />

<strong>Der</strong> Big Stopper<br />

Lees Big Stopper, ein Favorit unter den<br />

<strong>Landschafts</strong>fotografen, erweitert die Belichtungszeit<br />

um zehn Blendenstufen.<br />

Durch diesen Effekt können Sie bei fast allen<br />

Lichtverhältnissen sehr lange Belichtungszeiten<br />

erreichen, nur nicht wenn es allzu hell<br />

ist. Natürlich brauchen Sie ein stabiles Stativ<br />

<strong>und</strong> die richtige Landschaft!<br />

lanDscHaFtsFOtOGraFie 25


FÜR EXPERTEN<br />

Bächlein im Wald fotografiert. In solchen Fällen<br />

kann man mithilfe des Filters die Spiegelungen<br />

reduzieren, er dient dann als ein ND-Ersatz <strong>und</strong><br />

ermöglicht längere Verschlusszeiten, mit denen man<br />

das Fließen des Wassers besser einfangen kann.<br />

Obwohl ein Polarisationsfilter in <strong>der</strong> Handhabung<br />

kleine Herausfor<strong>der</strong>ungen mit sich bringt, lässt sich<br />

<strong>der</strong> Effekt, den er auf Farbe, Farbsättigung <strong>und</strong> Farbkontrast<br />

hat, nur schwer in Photoshop erzeugen.<br />

Zudem ist es fast unmöglich, diverse Spiegelungen<br />

loszuwerden. Daher haben die meisten <strong>Landschafts</strong>fotografen<br />

<strong>und</strong> Reisefotografen immer einen<br />

Polarisationsfilter im Gepäck. Grauverlaufsfilter<br />

waren bei Fotogra fen schon immer beliebt. Trotz<br />

<strong>der</strong> digitalen Revolution bleiben sie auch weiterhin<br />

ein gern gesehenes Hilfsmittel. ND-Filter sind sehr<br />

nützlich wenn man die Belichtung eines Fotos mit<br />

großem Kontrastbereich ausbalancieren möchte.<br />

Am nützlichsten ist diese Art von Filter, wie so oft,<br />

in <strong>der</strong> <strong>Landschafts</strong>fotografie. Das naheliegendste<br />

Beispiel ist, wenn <strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> relativ dunkel<br />

ist (was eine längere Belichtungszeit voraussetzt),<br />

aber <strong>der</strong> Himmel ziemlich hell ist (was wie<strong>der</strong>um<br />

eine kürzere Belichtungszeit notwendig macht).<br />

Ein Grauverlaufsfilter mit zwei o<strong>der</strong> drei Blendenstufen<br />

erlaubt es Ihnen, die Belichtungszeit auf den<br />

Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> passend einzustellen, ohne dabei den<br />

Himmel überzubelichten. Es gehen keine Details<br />

verloren. Natürlich kann man auch zwei separate<br />

Fotos machen <strong>und</strong> diese in <strong>der</strong> Nachbearbeitung<br />

zusammenfügen, aber das ist sehr viel<br />

zeitaufwendiger <strong>und</strong> kann in manchen Fällen<br />

ziemlich knifflig sein. Ein Grauverlaufsfilter<br />

bietet hier erhebliche Vorteile. Grauverlaufsfilter<br />

gibt es mit harten o<strong>der</strong> weichen „Übergangsrän<strong>der</strong>n“<br />

<strong>und</strong> man kann den jeweils<br />

für das Bild angemessensten wählen. Zur<br />

Benutzung eines Grauverlaufsfilters müssen<br />

Sie nur den Filter in die passende Filterhaltung<br />

schieben <strong>und</strong> ihn so positionieren, wie<br />

Sie ihn brauchen. Das geht am besten, wenn<br />

Sie die Kamera auf Live-Ansicht schalten o<strong>der</strong><br />

KIMMERIDGE BAY<br />

Die wilde Schönheit <strong>der</strong> Jurassic Coast<br />

in Dorset bietet sich für Aufnahmen mit Filtern<br />

geradezu an.<br />

„ND-Filter sind sehr nützlich wenn man<br />

die Belichtung eines Fotos mit großem<br />

Kontrastbereich ausbalancieren möchte.“<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

Filter Power<br />

Kontrollieren Sie den Dynamikbereich<br />

für gleichmäßige Aufnahmen.<br />

Schnell vorbeiziehende Wolken<br />

sind kein Problem mehr.<br />

Menschen, Vögel <strong>und</strong> Verkehr sind<br />

leicht aus Ihrem Foto zu entfernen.<br />

Wasserfälle, Brandungen <strong>und</strong> Flüsse<br />

werden zu glatten Oberflächen.<br />

Aufnahmen müssen in <strong>der</strong> Nachbearbeitung<br />

nur minimal verän<strong>der</strong>t<br />

werden.<br />

Vorher<br />

Ohne ND-Filter sieht <strong>der</strong> Wasserfall ganz<br />

gut aus, aber eine Belichtungszeit von 1/60<br />

Sek. bei f16 ist für das Wasser nicht gerade<br />

ideal. Das Bild wirkt etwas unschön.<br />

Nachher<br />

Ein 1.2-ND-Filter, <strong>der</strong> die<br />

Belichtungszeit um vier<br />

Blendenstufen erweitert, ergab<br />

eine Belichtungszeit von 1/4 Sek.<br />

bei f16. <strong>Der</strong> Wasserfall wirkt jetzt<br />

glatt <strong>und</strong> gleichmäßig.<br />

26 LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE


FILTER EINSETZEN<br />

Alles über Lees berühmten „Big Stopper“-Filter<br />

Das richtige Motiv. Um aus dem Big<br />

1 Stopper das Beste rauszuholen, brauchen<br />

Sie ein Motiv mit viel Bewegung. Bei<br />

rein statischen Aufnahmen erweitert <strong>der</strong><br />

Filter Ihre Belichtungszeit, aber Sie haben<br />

keinen richtigen Vorteil davon.<br />

Langzeitbelichtungsmodus. Benutzen<br />

2 Sie den Langzeitbelichtungsmodus<br />

Ihrer Kamera, bei einer Blendenöffnung<br />

von f11 o<strong>der</strong> noch weniger. Wir empfehlen<br />

einen Fernauslöser, damit Sie nicht die<br />

Belichtung mit dem Auslöser Ihrer Kamera<br />

beenden müssen. Denn dabei könnte das<br />

Bild verwackeln.<br />

Aufs Stativ kommt es an! Sorgen<br />

3 Sie dafür, dass Ihr Stativ so stabil<br />

wie nur möglich aufgebaut ist. Wenn Sie<br />

eine Wasserwaage haben, empfiehlt es<br />

sich, diese im Blitzschuh <strong>der</strong> Kamera zu<br />

platzieren <strong>und</strong> auf mögliche Bewegungen<br />

<strong>und</strong> Vibrationen während <strong>der</strong> Belichtung<br />

zu achten.<br />

Checken Sie die Aufnahme. Hier lohnt<br />

4 sich die Digitalkamera, denn Sie können<br />

Ihre Aufnahme umgehend überprüfen.<br />

Wun<strong>der</strong>n Sie sich nicht, wenn Ihr erster<br />

Versuch etwas zu dunkel geraten ist <strong>und</strong> Sie<br />

eine zweite Aufnahme mit einer noch längeren<br />

Belichtungszeit brauchen.<br />

Danach<br />

Mit Lees Big Stopper wurde<br />

die Belichtungszeit auf<br />

zweieinhalb Minuten erhöht.<br />

Die Farben sind viel besser<br />

erkennbar <strong>und</strong> das Meer im<br />

Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> ist makellos<br />

glatt.<br />

Vorher<br />

In diesem Küstenfoto sind die Wellen im<br />

Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong> unsauber. So etwas lenkt<br />

vom eigentlichen Foto ab. Doch Sie können<br />

das leicht mit einem ND-Filter mit zehn<br />

Beleuchtungsstufen wie Lees<br />

„Big Stopper“ korrigieren.<br />

LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE 27


FÜR EXPERTEN<br />

ND-Filter-Effekte So entfernen Sie Leute aus Ihrem Bild.<br />

Die richtige Stelle Suchen Sie sich die richtige Stelle<br />

1 aus. Achten Sie darauf, dass Sie niemandem im Weg<br />

sind, denn Sie wollen verhin<strong>der</strong>n, dass Leute direkt vor <strong>der</strong><br />

Kamera ins Bild laufen o<strong>der</strong> gar gegen das Stativ stoßen.<br />

Die Bildkomposition Bevor Sie den Big Stopper anbringen,<br />

müssen Sie den Bildausschnitt wählen <strong>und</strong> die<br />

2<br />

Schärfe justieren, denn danach werden Sie we<strong>der</strong> durch das<br />

LCD-Display noch den Sucher etwas sehen.<br />

<strong>Der</strong> Fernauslöser. Wählen Sie eine kleine Blendenöffnung<br />

(f11 o<strong>der</strong> kleiner) <strong>und</strong> schalten Sie den Lang-<br />

3<br />

zeitbelichtungsmodus ein. Ein Fernauslöser ist hier sehr zu<br />

empfehlen, damit Sie nicht Ihren Auslöser berühren müssen,<br />

um die Belichtung zu beenden.<br />

Danach<br />

Mit dem Big Stopper wird die Belichtungszeit erheblich verlängert.<br />

<strong>Der</strong> Sensor nimmt den Verkehr auf <strong>der</strong> Straße als eine kleine Unschärfe<br />

wahr. Und da die Menschen zu Fuß unterwegs waren <strong>und</strong> nicht statisch<br />

an einer Stelle standen, sind sie im fertigen Bild nicht zu sehen.<br />

Vorher<br />

Auf einer belebten Straße voller Menschen Fotos zu<br />

machen ist nicht so einfach. Die Leute lenken vom<br />

fertigen Bild ab <strong>und</strong> lassen Ihre Aufnahme<br />

wie einen Schnappschuss wirken.<br />

28 LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE


FILTER EINSETZEN<br />

OLD HARRY ROCKS<br />

Diese dramatischen Kreidefelsen im Meer<br />

sind das perfekte Motiv. Hier können Sie<br />

mit Filtern experimentieren, um ein<br />

dramatisches Foto zu machen.<br />

„Mit Filtern verbringen<br />

Sie mehr Zeit<br />

hinter <strong>der</strong> Kamera<br />

<strong>und</strong> sitzen weniger<br />

am Computer.“<br />

2<br />

3<br />

5 Expertentipps<br />

für Filter<br />

Halten Sie Ihre Filter so sauber<br />

1 wie nur möglich.<br />

Bewahren Sie Ihre empfindlichen<br />

Filter unterwegs vorsichtig auf.<br />

Kaufen Sie die hochwertigsten Filter,<br />

die Sie sich leisten können.<br />

Ein zehnstufiger ND-Filter kann<br />

4 teuer sein <strong>und</strong> ist nicht für alle<br />

ideal – probieren Sie ihn vor<br />

dem Kauf aus!<br />

Testen Sie Ihre Filter für<br />

5 bestmöglichen Fotos.<br />

die Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong> gedrückt halten. Diese<br />

Filter gibt es in verschiedenen Stärken, angefangen<br />

bei ND-Filtern mit nur einer Belichtungsstufe mit<br />

einer optischen Dichte von 0,3, bis hin zu zehn<br />

Belichtungsstufen, die eine optische Dichte von<br />

3,0 haben <strong>und</strong> sehr kreativ eingesetzt werden<br />

können. Beson<strong>der</strong>s bei Küstenmotiven sind diese<br />

Filter sehr beliebt, denn mit ihnen lassen sich das<br />

Meer <strong>und</strong> die Wolken erheblich glätten. Aber auch<br />

bei Architekturfotografie <strong>und</strong> Städtebil<strong>der</strong>n sind<br />

sie nützlich, denn man kann damit Menschen <strong>und</strong><br />

Straßenverkehr im Bild bei Belichtungszeiten von<br />

zwanzig Sek<strong>und</strong>en o<strong>der</strong> mehr erheblich reduzieren.<br />

Wenn jemand nicht länger irgendwo steht, nimmt<br />

<strong>der</strong> Sensor ihn nicht auf. Extreme ND-Filter, wie<br />

Lees Big Stopper mit zehn Beleuchtungsstufen, können<br />

einen Farbstich verursachen <strong>und</strong> den Weißabgleich<br />

<strong>der</strong> Kamera stören. Am besten probieren Sie<br />

aus, wie <strong>der</strong> Sensor Ihrer DSLR-Kamera reagiert,<br />

damit Sie den Weißabgleich anpassen können. Bei<br />

RAW-Aufnahmen ist das weniger problematisch, da<br />

Sie den Weißabgleich mit Ihrer Konvertierungssoftware<br />

verän<strong>der</strong>n können. <strong>Der</strong> Big Stopper (<strong>und</strong><br />

an<strong>der</strong>e zehnstufige ND-Filter) sind in erster Linie bei<br />

Fotos mit viel Bewegung zu empfehlen, ansonsten<br />

würden Sie nur gr<strong>und</strong>los Ihre Belichtungszeit erweitern.<br />

Mit Filtern verbringen Sie mehr Zeit hinter<br />

<strong>der</strong> Kamera <strong>und</strong> sitzen weniger am Computer, Sie<br />

müssen sich nicht so viel mit dem Nachbearbeiten<br />

<strong>der</strong> Bil<strong>der</strong> abplagen. Und die richtige Verwendung<br />

von Filtern spornt an, methodisch mit <strong>der</strong> Kamera<br />

zu arbeiten, was für viele ein Vergnügen ist.<br />

© Mark Bauer<br />

Filter-<br />

Tricks<br />

Wir sprechen mit Mark<br />

Bauer über Filter.<br />

Website: markbauerphotography.com<br />

Bio: Seit den 90ern interessiert sich Mark für <strong>Fotografie</strong>.<br />

Seither hat er sich den Ruf als einen <strong>der</strong> besten <strong>Landschafts</strong>fotografen<br />

in England erworben. Mark leitet die<br />

„Dawn 2 Dusk”-Training-Workshops zusammen mit seinem<br />

Kollegen Ross Hoddinott. Weitere Informationen<br />

finden Sie auf dawn2duskphotography.co.uk.<br />

Welche Filter haben Sie in Ihrer Fototasche?<br />

Ich habe ein Set mit harten Grauverlaufsfiltern, eines<br />

mit weichen Grauverlaufsfiltern, einen Polarisierungsfilter<br />

<strong>und</strong> solide NDs mit einer, zwei, drei, vier <strong>und</strong> zehn<br />

Blendenstufen – alle von Lee. Und ich habe einen r<strong>und</strong>en<br />

B+W-105mm-Polarisator.<br />

Wie unterscheidet sich Ihre jetzige Filtersammlung<br />

von damals, als es noch keine Digitalphotografie<br />

gab?<br />

Ich brauche keine Warmton- <strong>und</strong> Kalttonfilter mehr,<br />

weil ich die Farbtemperatur bei <strong>der</strong> RAW-Konvertierung<br />

anpasse. Ich benutze sehr viel mehr ND-Filter,<br />

weil meine Kamera auf ISO 100 eingestellt ist, also sehr<br />

viel schneller als die Filme, mit denen ich zuvor gearbeitet<br />

habe. Ich brauche daher mehr Belichtungszeit.<br />

Welche