WELTKUNST Sonderausgabe: Liechtensteins Museumswunder

liechtenstein.marketing

Als Beilage zur ZEIT ist unter dem Titel "Liechtensteins Museumswunder" eine Sonderausgabe der WELTKUNST publiziert worden. Lassen Sie sich vom vielfältigen kulturellen Angebot Liechtensteins inspirieren und stöbern Sie online in der Broschüre.

Eine Sonderveröffentlichung des ZEIT Kunstverlags

Sommer 2015 Seit 1930

Von Fabergé bis Beckmann: Liechtensteins Museumswunder

Hilti Art Foundation Ein Neubau in Vaduz präsentiert Meisterwerke der Moderne und Gegenwart

Schatzkammer Vom Fürstentum bis ins Weltall Kulturland Vielstimmiges Konzert


Das Fürstentum

im Herzen Europas

Eingebettet zwischen der Schweiz und

Österreich liegt das sechstkleinste Land der Welt:

das Fürstentum Liechtenstein. 160 km 2 klein,

aber unglaublich gross in seiner Vielfalt.

Liechtenstein ist wie ein Buch. Wer anfängt darin

zu lesen, hält bis zum letzten Wort den Atem an.

Denn Liechtenstein ist traditionell und modern,

überschaubar und weltoffen, sportlich und

sinnlich. Liechtenstein verströmt Atmosphäre.

Am besten überzeugen Sie sich selbst davon.

Wir freuen uns auf Sie.

Stuttgart

270 km

Fürstentum

Liechtenstein

Deutschland

München

240 km

Bodensee

Basel

190 km

Zürich

110 km

Österreich

Innsbruck

170 km

Bern

230 km

Schweiz

Italien

Mailand

250 km

Alle Informationen über Liechtenstein

www.liechtenstein.li

Liechtenstein Marketing

T +423 239 63 63

info@liechtenstein.li


EDITORIAL

TITELBILD: Hilti Art Foundation/2015, ProLitteris, Zürich/VG Bild-Kunst, Bonn 2015; Bilder diese Seite: Wolfgang Stahr; Sven Beham/Liechtensteinisches Landesmuseum

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

Max Beckmann hat eine Hand in der Hosentasche,

in der anderen hält er eine Kristallkugel.

Sein verschatteter Blick verliert sich im Raum.

Was bringt die Zukunft?

Das prophetische Bild aus dem Jahr 1936 ist

eines der Hauptwerke der Hilti Art Foundation,

die jetzt in einem privat finanzierten Neubau

mitten in Vaduz als Teil des Kunstmuseums

Liechtenstein eröffnet hat. Michael Hilti, dessen

Vater Martin Hilti in Liechtenstein den internationalen

Konzern gegründet hat, und seine Familie

haben in den vergangenen Jahren eine

grandiose Sammlung mit Malerei und Plastik

vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart

zusammengetragen, darunter Gauguin,

Picasso, Giacometti, Manzoni bis hin zu Keith

Sonnier. Schon das Kunstmuseum lohnt also

die Reise nach Liechtenstein – egal wo Sie wohnen!

Mit dem Auto ist man von München aus in

zweieinhalb Stunden in Vaduz, von Mailand

sind es etwas mehr als drei, und von Zürich aus

dauert die Fahrt vorbei an malerischen Seen

und Bergen nur rund eine Stunde.

Das Fürstentum Liechtenstein hat in diesem

Frühjahr außerdem noch eine weitere

Kunstattraktion hinzugewonnen: Direkt gegenüber

dem Kunstmuseum wurde im sogenannten

Engländerbau die Schatzkammer eingeweiht,

mit kostbaren Leihgaben, Altmeistergemälden

und historischen Waffen aus der fürstlichen

Sammlung und Beständen des Landesmuseums,

die von Koloman Mosers Jugendstilentwurf für

die erste eigene Briefmarke des Landes bis zu

Gesteinsbrocken reichen, die von der ersten

Mondlandung stammen. Unter den Preziosen

ist die berühmte Ostereier-Sammlung Goop:

Das hier abgebildete kleine Ei aus emailliertem

Gold schuf Fabergés St. Petersburger Konkurrent

Alexander Tillander um 1900. Mit Druck

auf den blauen Saphirknopf lässt sich der Duftbehälter

öffnen.

Wie vielseitig engagiert das kleine Land im

Bereich der Künste ist, weiß die Kulturstiftung

Liechtenstein (S. 11), deren Aktivitäten wir in

dieser Sonder publikation der weltkunst betrachtet

haben – das Kunstmagazin der ZEIT erscheint

vierzehnmal im Jahr.

Auf nach Liechtenstein!

Ihre Lisa Zeitz

Chefredakteurin WELTKUNST


Die Würfel

sind gefallen

Von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart:

Mit der Hilti Art Foundation erhält das

Kunstmuseum Liechtenstein bedeutenden Zuwachs

VON LISA ZEITZ


KUNSTMUSEUM LIECHTENSTEIN | HILTI ART FOUNDATION

Bild linke Seite: Barbara Bühler/Hilti Art Foundation; Bilder rechts: Hilti Art Foundation/2015, ProLitteris, Zürich/VG Bild-Kunst, Bonn 2015; Fondation Giacometti/ADAGP/VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Wer das Städtle entlangkommt,

die Kulturmeile von Vaduz, der

hat seit Kurzem einen prominenten

Schriftzug vor Augen:

Hilti Art Foundation. Ein hoher weißer Kubus

im Zentrum der Stadt ist der neue Blickfang,

gleich neben dem breiten schwarzen

Kubus des im Jahr 2000 eingeweihten Kunstmuseums

Liechtenstein, des staatlichen Museums

für moderne und zeitgenössische

Kunst. Die polierten Betonbauten sind unterirdisch

verbunden: Ende Mai hat die Erweiterung

des Kunstmuseums eröffnet.

Die 410 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche

– 1800 Quadratmeter waren

es zuvor – sind ein großartiger Zuwachs, zudem

hat der Neubau nun ein Atelier für Kunstvermittlung.

Schwerpunkte im Bereich von

Arte povera, konkreter und minimalistischer

Kunst der Fünfziger- bis Siebzigerjahre und

Joseph Beuys, die Werkgruppen von Marcel

Duchamp, Absalon, Matt Mullican, Jochen

Gerz, Rosemarie Trockel und Rita McBride

werden seit 2006 durch prozessorientierte

Skulptur und Malerei aus der Sammlung von

Rolf Ricke ergänzt, die das Museum gemeinsam

mit dem Kunstmuseum St. Gallen und

dem MMK Frankfurt erwerben konnte.

Was nun mittels eines Rahmenvertrags

mit der privaten Hilti Art Foundation an

Dauerleihgaben hinzukommt, ist wirklich

atemberaubend – darunter bedeutende Werke

von Gauguin, Picasso, Kirchner, Klee und

Beckmann. Die Schnittstellen ergänzen sich

prächtig, ob es nun die »Zürcher Konkreten«

sind, Arbeiten der Zero-Künstler oder Werke

von Imi Knoebel. Rund 200 museale Werke

umfasst die Sammlung Hilti, davon sind derzeit

fünfzig im neuen Flügel des Museums

ausgestellt. »Die Hilti Art Foundation katapultiert

uns auf eine andere Ebene«, sagt

Museumsdirektor Friedemann Malsch, »Das

kommt nicht nur dem Museum zugute, davon

profitiert das ganze Land Liechtenstein.«

Nicht nur das Land kann sich freuen: »Das

Kunstmuseum übernimmt ohnehin einen

Pablo Picassos »Femme dans un fauteuil«

(1932) und Alberto Giacomettis »Buste

d’homme« (1964/65) sind ab jetzt im Kunstmuseums

Liechtenstein zu sehen: im neuen

Flügel der Hilti Art Foundation (li. Seite)

Teil der Grundversorgung in Sachen Kunst

für den Kanton St. Gallen, gleichzeitig strahlen

wir nach Vorarlberg aus. Der Radius geht

jedoch noch viel weiter über die Grenzen hinaus.«

Die Basler Architekten Morger + Dettli

haben mit sehr gradlinigen Konturen großzügige,

harte Perspektiven geschaffen, innen

und außen. Die polierten Oberflächen mildern

die Härte durch ihre lebendige Musterung,

die an italienische Terrazzoböden erinnert.

Souverän platzierte Glasflächen

lassen viel Licht in jene Räume, die nicht als

Ausstellungsräume dienen. Finanziert wurde

das neue Gebäude von der Hilti Art Foundation

und einem Uhren- und Schmuckge­


»Die Beziehungen zu den

Künstlern haben mir

eine weitere Dimension

im Leben geöffnet.«

schäft, das schon seit vielen Jahren an dieser

Stelle seinen Sitz hat und nun ebenfalls in

den Neubau eingezogen ist.

Die beiden Kuben wirken sehr großstädtisch,

ja, man kann sagen, großstädtischer

als sämtliche anderen Gebäude des

kleinen Ortes Vaduz. Zwischen den Blöcken

ist eine Art Piazza entstanden, auf der sich

abends bei schönem Wetter Hunderte von

Menschen versammeln – »auch ohne Veranstaltungen«,

weiß Friedemann Malsch aus

eigener Anschaung. Von hier aus hat man

auch einen guten Blick auf das mittelalterliche

Fürstenschloss, das direkt darüber am

steilen Hang in rund 200 Meter Luftlinie

Entfernung prangt. Größer könnte der Kontrast

zwischen der trutzigen Märchenburg

hoch oben und den minimalistischen Linien

der Gegenwart mitten in der Hauptstadt

nicht sein.

Der gemeinsame Eingang zum Kunstmuseum

und seinem neuen Flügel führt

durch den schwarzen Kubus, es genügt ein

Michael Hilti, Sohn des Firmengründers

Martin Hilti, engagiert sich schon lange für

das Kunstmuseum. August Mackes Ölbild

»Badende Mädchen« (1913) aus seiner Privatsammlung

zählt neben Kirchner, Léger

und Mondrian zu den vielen hochkarätigen

Leihgaben der klassischen Moderne

6

Ticket für beide Teile. Zur Hilti Art Foundation

geht es erst einmal treppab. Hier, unterhalb

der Piazza, warten die ersten künstlerischen

Paukenschläge auf den Besucher,

Malerei und Plastik aus der Zeit von 1910 bis

1970, versammelt unter dem Titel »Der

Mensch als Individuum«: Skulpturen von

Wilhelm Lehmbruck und Willem de Kooning,

Umberto Boccionis fantastisch aufgelöste,

schreitende Bronzefigur »Einzigartige

Formen der Kontinuität im Raum« von 1913,

ein Inbegriff des Futurismus. Nicht weit davon

Max Beckmanns prophetisches »Selbstbildnis

mit Glaskugel« aus dem Jahr 1936 und

Pablo Picassos »Femme dans un fauteuil«

von 1932: Die Dame, die da mit offenen Augen

nackt im Sessel träumt, ist die junge Marie-Thérèse

Walter, die noch ein Teenager

war, als der Künstler sich in sie verliebte. Später

wurde sie die Mutter seiner Tochter Maya.

Man sieht es Michael Hilti an, dass sich

die Bemühungen der letzten Jahre gelohnt

haben. Der Sohn des Firmengründers war


KUNSTMUSEUM LIECHTENSTEIN | HILTI ART FOUNDATION

Bilder links: Anne Morgenstern; Hilti Art Foundation; Bilder rechts: Hilti Art Foundation/2015, ProLitteris, Zürich/VG Bild-Kunst, Bonn 2015; Stefan Altenburger/Kunstmuseum Liechtenstein

lange CEO des internationalen Hilti-Konzerns,

der für seine Bohrmaschinen bekannt

ist, und steht jetzt unter anderem dem Trust

vor, der die Sammlung verwaltet. Seit dem

Dreißigjährigen Krieg ist seine Familie in

Liechtenstein ansässig. Hier, im unweiten

Schaan, hat die Firma ihren Hauptsitz, mit

1700 Mitarbeitern in Liechtenstein, 22 000

weltweit. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei

4,4 Milliarden Euro. Die Sammelaktivitäten

der Familie waren bis zum Jahr 2005, als hier

eine erste Ausstellung stattfand, ein wohlgehütetes

Geheimnis. Seitdem wächst die

Sammlung kräftig weiter und jetzt öffnet sie

sich permanent. Der Neubau ist auf lange

Sicht ein fester Hafen. Erst letztes Jahr ist das

Selbstporträt von Max Beckmann hinzugekommen,

das einen zweistelligen Millionenbetrag

gekostet haben muss.

Zufrieden lässt Michael Hilti den Blick

über die steilen Perspektiven des blitzweißen

Treppenhauses gleiten, das sich vom Untergeschoss

des Neubaus bis unter das Dach zieht

und einen hohen, luftigen, lichtdurchfluteten

Raum bildet. Bei den Kunstkäufen seiner

Familie, sagt er, sei es immer »unser Ziel,

Werke zu sammeln, die eine gewisse Harmonie

und Ausgeglichenheit ausstrahlen.« Es

geht ihm um Inspiration, aber auch einfach

um »Freude beim Betrachten.« Diese Freude

teilt er nun mit den Besuchern aus aller Welt.

Im ersten Obergeschoss sind die Wände

in einem kühlen Grüngrau gehalten, vor

dem die Werke des Kubismus, Expressionismus

und Surrealismus besonders gut zur

Geltung kommen. In diesem Raum wird unter

dem Thema »Experiment und Existenz«

die Zeit von 1880 bis 1945 abgedeckt, mit Seurat,

Kirchner, Klee, Magritte, daneben einer

der existenzialistischen Gipsplastiken von Alberto

Giacometti und einem Gemälde aus

den Jahren 1946/47 von Wols, »Flamme«, das

aussieht, als hätte ein junger Künstler es gerade

eben erst gemalt. Ein Beispiel für diese

positive Ausstrahlung, die Werke haben können,

ist das kleine Bild der »Badenden Mädchen«,

das August Macke 1913 malte und das

bis vor kurzem noch bei Michael Hilti zu

Hause hing. Ihre Körper fangen das Licht ein,

während sie sich in paradiesischer Idylle unter

Bäumen am Ufer unterhalten.

Die meisten Werke sind repräsentativ

für die jeweiligen Künstler, aber dabei überraschend:

der herrliche Franz Marc zum Beispiel

– er zeigt keine Kühe, keine Pferde und

keine Rehe, sondern zwei gefleckte Schweine,

die sich wohlig aneinander anschmiegen

und harmonisch in die hügelige Landschaft

eingebettet sind. Paul Klees »Clown« vor rotem

Grund, mit dem er in die Welt des Zirkus

eintaucht, entstand 1929, als der Künstler

als Lehrer am Bauhaus arbeitete. Im Katalog

Intensive Seherfahrungen: »Diagonale Progression

Schwarz-Weiss« (um 1970) von

Günter Fruhtrunk, den man von seinem Aldi-Tüten-Design

kennt. Unten: Das Kunstmuseum

zeigt bis zum 23.8. »Schön, euch

zu sehen! 160 Werke aus der Sammlung«

u.a. mit Steven Parrino und Otto Freundlich

charakterisiert Uwe Wieczorek, Kurator der

Hilti Art Foundation, das Wesen der Sammlung

sehr passend: »Sie weist, aus dem Bedürfnis

nach dem Schönen und Ästhetischen,

das zwar alles Hässliche ausschließt,

doch im Schönen auch das Abgründige zulässt,

ein hohes Maß an sinnlicher Qualität

auf, vor allem in der Malerei.«

Im Obergeschoss sind schließlich unter

den Begriffen »Immanenz und Transzendenz«

Werke von 1950 bis zur Gegenwart ausgestellt,

die oftmals direkte Bezüge zur bestehenden

Sammlung des Kunstmuseums

haben: Gemälde und Objekte von Josef Albers

über Yves Klein und die Zero-Künstler,

bis Günter Fruhtrunk und Imi Knoebel.

Gottfried Honeggers sogenanntes Tableau-

Relief aus dem Jahr 1979 leuchtet monochrom

sonnengelb. Er hat unzählige Kartonquadrate

zusammengefügt und mit Farbe

vereint, aber es sind die kleinen Unregelmäßigkeiten,

die das Auge bei der Betrachtung

beschäftigen und das strenge Raster beleben.

Viele der Künstler kennt oder kannte Michael

Hilti persönlich: Mit dem Iren Sean Scully,

den er gerade erst wieder in Venedig im Vorfeld

der Biennale getroffen hat, und dem

Schweizer Honegger verbindet ihn eine langjähre

Freundschaft, er kannte Max Bill und

Gotthard Graubner. Was hat er in den Ateliers

gelernt? Die Beziehungen zu den Künstlern

haben ihm, sagt er und lässt den Blick in

die Ferne schweifen, »eine weitere Dimension

im Leben« eröffnet. ×

Kunstmuseum Liechtenstein, Hilti Art Foundation,

Städtle 32, Vaduz, Di–So 10–17 Uhr, Do 10–20

Uhr, Mo geschlossen. Der Ausstellungskatalog erscheint

im Hatje Cantz Verlag

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SCHATZKAMMER

Liechtensteins Schätze

Es funkelt und glitzert: Ein Besuch in der neu eingerichteten Schatzkammer wird

zu einer Reise durch ein halbes Jahrtausend Sammelgeschichte und

führt vom Fürstentum den Rhein entlang durch ganz Europa – bis ins Weltall

VON LISA ZEITZ

Bilder: LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna/Inv.-Nr. SK 1440; LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna/Inv.-Nr. SI 98; Sven Beham/Liechtensteinisches Landesmuseum

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SCHATZKAMMER

Bilder: Sven Beham/Liechtensteinisches Landesmuseum; LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna/Inv.-Nr. WA 4141; Sven Beham/Liechtensteinisches Landesmuseum

M

it dem Einwurf eines Jetons,

den man sich zuvor im Landesmuseum

nebenan geholt

hat, öffnet sich eine Sicherheitsschleuse.

Die Spannung steigt. Eine Tür

schließt sich, erst dann geht die nächste auf,

und man steht in einem lang gestreckten

schwarzen Raum, der sich vollkommen in

der Dunkelheit verliert: Nur die kostbaren

Exponate sind angestrahlt. Es funkelt und

schimmert, wie man es sich in einer Schatzkammer

eben vorstellt. Dabei befinden wir

uns hier nicht in einer Burg oder einem

Schloss, sondern im Erdgeschoss des sogenannten

Engländerbaus, einem der frühen

Gebäude der Moderne mitten in Vaduz. Im

ersten Obergeschoss ist das berühmte Liechtensteinische

Postmuseum beheimatet, im

zweiten der Kunstraum der Kulturstiftung

für regionale zeitgenössische Künstler.

Zuerst fällt der Blick auf eine prächtige

Krone, die hier in einer Vitrine glitzert: Der

originale Herzogshut, den Fürst

Karl I. Anfang des 17. Jahrhunderts

mit über hundert Diamanten,

sechzehn Rubinen

und einundzwanzig Perlen bei

einem Frankfurter Juwelier in Auftrag gab,

ist allerdings verschwunden. 1781 heißt es in

einer Inventarliste lakonisch, die Krone sei

»abgängig«. Im Jahr 1978 ließen das Land

und die Gemeinden anlässlich des 40. Regierungsjubiläums

von Fürst Franz Josef II. eine

Replik herstellen, die jetzt einen Eindruck

des kunstvollen Machtsymbols und seiner

magischen Aura vermittelt. Es handelt sich,

wie bei weiteren Kostbarkeiten auch, um

eine Leihgabe des Fürstenhauses.

Dem Kunsthistoriker wird das Herz

beim Anblick eines barocken Elfenbeinreliefs

von Ignaz Elhafen höher hüpfen, das in

feinem Detailreichtum die Auffindung des

Mosesknaben darstellt, oder der kleinen Silberstatuette

des »Orpheus mit der Harfe«

aus den Jahren 1613/15. Auch die Altmeistergemälde

an den Wänden

stammen aus dem Fürstenhaus,

etwa das amüsante »Affengelage«

von David Teniers

dem Jüngeren, daneben bäuerliche

Genreszenen von

Adriaen von Ostade und ein

Blumenstillleben von Franz

Werner Tamm, gemalt in

Wien 1715.

Schon Fürst Karl Eusebius

gab seinen Nachkommen den Rat,

Ruhm als Bauherr und Sammler zu

suchen, nicht als Kriegsheld, doch im

Die Rheinfälle bei Schaffhausen (g. o.) malte

der Romantiker Johann Ludwig Bleuler.

Der barocke Hirschfänger darunter gehört

zur Waffensammlung der Fürsten. Koloman

Moser vergaß bei seinem Briefmarkenentwurf

das »e« von Liechtenstein. Li. Seite: der

immerwährende Kalender (kurz nach 1587)

und »Orpheus mit der Harfe (1613/15) aus

der fürstlichen Sammlung, das »Apfelblüten-

Ei« von Fabergé aus der Sammlung Goop

Lauf der Jahrhunderte durchziehen unweigerlich

immer wieder militärische Ereignisse

und Karrieren die Geschichte der Familie,

meist im Dienst der Habsburger. Die außergewöhnliche

Sammlung an Waffen und Rüstungen

beinhaltet etwa einen Teil der Rosenblatt-Garnitur

Kaiser Maximilians II.: eine

metallene Faust, die sogenannte Hentze, mit

feiner schwarz geätzter Dekoration und vergoldeten

Nieten – sie ist 1571 in Landshut von

Meister Franz Grosschedel gefertigt worden.

Zwei Radschlosspistolen mit detailreichen

Elfenbeineinlagen sehen aus, als ob sie nicht

zum tatsächlichen Schießen, sondern gleich

für die Kunstkammer in Auftrag gegeben

wurden, und drei wertvolle spanische Jagdflinten,

Geschenke von Kaiser Joseph II., zeugen

davon, dass die Jagd ein Privileg der

Herrscher war. Darunter ist eine Steinschlossflinte

von Joaquin de Zelaia, einem

der spanischen Meister, der im 18. Jahrhundert

zu den begehrtesten Adressen für

Schusswaffen zählten.

Das kleine Land Liechtenstein kann

sich aber nicht nur mit den Sammlungen des

Fürstenhauses und der Hilti Art Foundation

schmücken. Zu den großen liechtensteinischen

Privatsammlern zählte Adulf Peter

Goop (1921–2011), der sein Heimatland kurz

vor seinem Tod reich beschenkte. Eine seiner

Leidenschaften galt Ostereiern, und es gibt

9


SCHATZKAMMER

Das »Affengelage« von David Teniers dem

Jüngeren (li.) verdeutlicht den Sammlergeschmack

der Fürsten, die rechte Hentze

war Teil der Rosenblatt-Garnitur von Kaiser

Maximilian II., während die Liechtensteinischen

Briefmarken neben den österreichischen

Selbstbewusstsein demonstrieren

wohl kaum eine internationalere Kollektion.

Die üppig bestückten Vitrinen der Schatzkammer

bieten dennoch nur eine kleine Auswahl

aus den rund 4000 Eiern. Als Höhepunkt

ist das sogenannte Apfelblüten-Ei von

Fabergé zu bewundern, das mit emaillierten

Blütenblättern, Diamanten und roségoldenen

Zweigen verziert ist, die auf hauchdünn

geschnittene dunkelgrüne Jade appliziert

sind. Das 14 Zentimeter breite Kleinod hatte

der russische Großindustrielle Alexander

Fernandowitsch Kelch im Jahr 1901 als Geschenk

für seine Frau bei Carl Fabergé und

seinem Werkmeister Michael Perchin in

St. Petersburg in Auftrag gegeben. Die Liebe

zu ihr muss groß gewesen sein, denn Kelch

bestellte noch sechs weitere Eier für sie – und

trat damit wohl direkt mit der Familie des

Zaren in Konkurrenz.

Die Sammlung Goop beinhaltet auch

viele Eier, die einst in großer Zahl zu den

Osterfesten am russischen Zarenhof verschenkt

wurden. So ist zum Beispiel überliefert,

dass Katharina II. im Jahr 1793 nicht weniger

als 373 Porzellaneier erhielt, aber es gab

auch Ostereier aus Kristallglas, Email oder

Edelstein, Holz und Papiermaché. Auch drei

Hühnereier, die Ende des 20. Jahrhunderts

sehr gekonnt von Liechtensteiner Fürstinnen

persönlich bemalt wurden, sind jetzt in der

Schatzkammer ausgestellt.

Neben den Ostereiern vermachte der

Sammler Adulf Peter Goop dem Land auch

eine Folge von 77 Gouachen des Romantikers

Johann Ludwig Bleuler (1792–850). Sie

umfassen ein Großprojekt, denn Bleuler hatte

es sich zur Aufgabe gemacht, den Rhein

von seiner Quelle bis zur Mündung in Bildern

festzuhalten. Seinen Wohnsitz und die

Werkstatt, in der Stecher und Koloristen die

Werke vervielfältigten, hatte er direkt an den

Rheinfällen von Schaffhausen. In gewisser

Weise verbindet die Bilderreise – von den Al-

Für die Liechtensteiner sind

ihre Briefmarken auf wenigen

Quadratzentimetern

symbolisierte Unabhängigkeit.

penschluchten zum Bodensee und nach

Köln bis zur Nordsee – das am Rhein gelegene

Liechtenstein mit dem Rest von Europa.

Für die Souveränität des Landes spielt

das Thema Post eine besondere Rolle. »Für

die Liechtensteiner sind ihre Briefmarken

nicht nur filigrane Kunstwerke, sondern auf

wenigen Quadratzentimetern symbolisierte

Unabhängigkeit«, sagt Rainer Vollkommer,

der nicht nur Direktor der Schatzkammer

ist, sondern auch des Landesmuseums

und des Postmuseums. Der Jugenstilkünstler

Koloman Moser

entwarf 1912 die erste Zwei-Heller-

Marke mit dem Bildnis des Fürsten Johann

II. Sein großer Originalentwurf

mit dem noch fehlerhaften Schriftzug »Lichtenstein«

ist hier neben den (korrigierten)

ausgeführten Briefmarken ausgestellt.

Das jüngste Kapitel der Schatzkammer

zielt ins Weltall – hätten Sie gedacht, dass die

Apolloraketen mit Technologie aus Liechtenstein

an den Start gingen? Die Firma Balzers

war in den Sechzigerjahren führend in den

Bereichen Beschichtung und Vakuumtechnik

– so kommt es, dass jetzt fünf Brocken

Mondgestein hier aufbewahrt werden. Vier

davon sammelten Neil Armstrong und Buzz

Aldrin 1969 bei der ersten Mondlandung ein

– sie wurden vom damaligen US-Präsidenten

Richard Nixon als Geschenke an Liechtenstein

überreicht. Von allen Objekten der

Schatzkammer sind sie vielleicht nicht die

kostbarsten, aber gewiss die kuriosesten. ×

Schatzkammer Liechtenstein, Städtle 37, geöffnet

täglich 10–17 Uhr außer 24., 25., 31.12. u. 1.1.

Bilder: LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna/Inv.-Nr. GE 556; Sven Beham/Liechtensteinisches Landesmuseum; LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna/Inv.-Nr. WA 4310

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KULTURLAND LIECHTENSTEIN

Große Kunst im

kleinen Staat

Alles andere als provinziell: Die Kulturlandschaft des Fürstentums Liechtenstein

ist erstaunlich vielfältig, welthaltig und grenzenlos

VON JAN BRANDT

Bild: Liechtenstein Marketing

Das Fürstenschloss ist immer noch

Wohnsitz der Familie Liechtenstein

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KULTURLAND LIECHTENSTEIN

Liechtenstein ist ein

reiches Land. Das ist

ein Klischee. Wer an

Liechtenstein denkt,

denkt an Steueroase, Fürstentum,

Alpenidyll, schneebedeckte

Berge, dichte Wälder, klares

Wasser. Dass der sechstkleinste

Staat der Welt aber auch über

einen großen kulturellen Reichtum

verfügt, wissen wohl nur

die wenigsten – am ehesten diejenigen,

die schon einmal dort

gewesen sind, in den kleinen

Orten im Rheintal zwischen

Österreich und der Schweiz.

Burgen und Schlösser, Kirchen

und eine Kathedrale, Banken

und Bauernhöfe, das palastartige

Regierungsgebäude und

der minimalistische ockerfarbene

Klinkerbau des Landtags vereinen

Mittelalter und Moderne,

das Alte und das Neue, von

Rückständigkeit keine Spur.

Von den rund 37 000 Einwohnern

sind etwa 3000 kulturell

engagiert, in Vereinen und

Verbänden, als Dirigenten und

Sänger, Komponisten und Musiker,

Choreografen und Tänzer,

Laiendarsteller und Schauspieler,

Künstler und Schriftsteller.

Da ist der Fürstlich Liechtensteinische

Sängerbund, der Blasmusikverband,

der Gitarrenzirkel

Ligita, der Handharmonikaclub

und ein Jodelclub, aber auch

das große Sinfonieorchester

oder die internationale Musikakademie.

Insgesamt gibt es 35 Chöre,

40 Bands, eine Musikschule mit

2600 Schülern, mehr als ein

Dutzend Museen, zwei Orchester,

zwei Musical-, Theater- und

Operettenbühnen und regelmäßige

Literaturabende und Literaturtage.

Kaum ein Tag im

Jahr, an dem nicht in einer Gemeinde

eine Veranstaltung

stattfindet. Dieser Sommer zum

Beispiel wartet mit Musikfestivals,

Filmfesten und spektakulären

Premieren und Ausstellungseröffnungen

auf. Das ist

ein kultureller Output, den

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erst nach dem Zweiten Weltkrieg,

und die Wurzeln dieser

Entwicklung liegen nicht etwa

im Finanzwesen, sondern in der

Industrie und im Gewerbe mit

heute mehr als 40 Prozent der

der rund 37 000 Arbeitsplätze

des Landes – ein im Vergleich

zu den umliegenden Staaten

ungemein hoher Anteil. Der

wirtschaftliche Wohlstand

erlaubte es den Menschen, Zeit

in künstlerische Arbeit zu investieren,

Kunst anzukaufen und

Kulturinstitutionen zu schaffen.

Bis in die Fünfzigerjahre hinein

habe es hauptsächlich Chöre

und Kapellen gegeben. Und das

ist die eigentliche Leistung:

dass sich Liechtenstein der Welt

und der Gegenwart geöffnet

hat, ohne die eigene Tradition

aufzugeben. Das Lokale trifft

hier auf das Globale, und beides

beeinflusst und bestärkt sich

gegenseitig.

Winfried Huppmann, Präsident

der Kulturstiftung, ein

gelernter Physiker aus Österreich,

der seit 28 Jahren in

Liechtenstein lebt, erzählt, um

das zu verdeutlichen, vom Projektchor

des Chorseminars, der

aus 90 Amateursängern besteht

und mit fünf hauptberuflichen

Solisten in diesem Jahr Joseph

Haydns »Schöpfung« aufgeführt

hat. Mit dem Sinfonieorchester

Liechtenstein und unter der Leitung

des aus den USA stamdeutsche

Kleinstädte nicht vorweisen

können.

Elisabeth Stöckler, Geschäftsleiterin

der Kulturstiftung

Liechtenstein, stammt aus

Österreich. Sie erinnert daran,

dass man den Kleinstaat vor

nicht allzu langer Zeit nicht

gerade mit Wohlstand in Verbindung

gebracht habe. Noch

bis vor hundert Jahren seien die

Familien so arm gewesen, sagt

sie, dass einige ihre Kinder in

den Sommermonaten ins Ausland

geschickt hätten, wo sie

gegen Kost und Logis in der

Landwirtschaft arbeiteten und

nach ihrer Rückkehr als sogenannte

»Schwabenkinder« in

die Geschichte des Landes eingingen.

Der Aufschwung kam

1

2

3

Bilder diese Seite: battleROYAL GmbH; Liechtenstein Marketing; Archiv Atelier Spinieu; Bilder rechts: Niels Volmar; Paul Trummer; Sven Beham; Brigitt Risch


4

5 6

7


1 Die Liechtensteinerin Susana

Beiro verbindet Tanz und Kunst:

auf Tour mit dem französischen

Team Groupe F und Battleroyal

2 Den Landtag in Vaduz erbaute

Hansjörg Göritz 2008 mit der

Idee »eines Steindachhauses als

zeitlose Urform«

3 Ferdinand Nigg, ein Textilkünstler

der frühen Moderne mit

Vorliebe zu biblischen Themen,

wird ab 11. September im

Kunstmuseum vorgestellt

4 Die Operettenbühnen in

Balzers und Vaduz zeigen

jährlich Produktionen mit

einheimischen und internationalen

Künstlern und Laien

5 Ligita: Die Liechtensteiner

Gitarrentage zählen zu den

wichtigsten europäischen Events

für Gitarre. Sie finden wieder vom

4. bis 11. Juli statt

6 Transformator – ein Projekt im

Kunstraum von Martin Walch,

Starsky und Alien Productions

7 Das »junge THEATER

liechtenstein« begeistert auch

die Jüngsten für die darstellende

Kunst

menden und in Liechtenstein

wohnhaften Dirigenten wurden

die Aufführungen in Österreich

und Liechtenstein ein großer

Erfolg. »Das ist unsere Strategie«,

sagt Huppmann. »Wir fördern

sehr das Zusammenspiel

von Laien und Profis.«

Bis vor acht Jahren lag die

Kulturförderung noch in Händen

der Regierung, jetzt sind es

parteiunabhängige Experten,

die das Budget verteilen. Dabei

geht es auch darum, das typisch

Kleinstädtische, die allzu engen

persönlichen Verflechtungen zu

überwinden. »Das Gegenseitigkennen«,

sagt Elisabeth Stöckler,

»hat Vorteile wie kurze

Wege, aber es birgt auch die

Gefahr der schnellen Einflussnahme

oder der Verpflichtung.«

Entscheidend bei der Auswahl

sind die Qualität und der Liechtenstein-Bezug.

Das zeigt sich in

dem zur Kulturstiftung gehörenden

Kunstraum Engländerbau,

wo seit 2002 Jahr für Jahr

zeitgenössische Künstler, vor

allem aus der Region, ihre Werke

ausstellen. Er ist weder Museum

noch Galerie, vielmehr ein

Spielraum der Freiheit.

Auf der Landkarte muss

man das gerade einmal 160 Quadratkilometer

umfassende Land

mit der Lupe suchen, aber

sobald man einmal dort ist,

meint man, die Welt sei hier zu

Haus. Der Kultur Liechtensteins

haftet nichts Provinzielles

an, im Gegenteil: Sie kann sich

mit der internationalen Konkurrenz

messen.

Ende März wurde unterhalb

des Schlosses die Schatzkammer

eingeweiht, die einen

Bogen von fürstlichen Preziosen

und kostbaren Ostereiern

bis zu Mondgestein spannt, das

als Dank für den liechtensteinischen

Technikbeitrag zur

bemannten Mondfahrt – durch

die Balzers AG – nach der Mission

der Apollo 11 nach Vaduz

kam. Gegenüber liegt das

Kunstmuseum, das den moder-

13


1

nen Schatz des Landes enthält:

internationale Kunst – klaustrophobische

Installationen des

israelischen Künstlers Absalon,

Schachteln von Marcel

Duchamp, Skulpturen von Wilhelm

Lehmbruck, Videos von

William Kentridge, Filzanzüge

von Joseph Beuys und (ab dem

11. September) Stickbilder des

Liechtensteiner Textilkünstlers

Ferdinand Nigg: Nachdem er in

den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts

an den Kunstgewerbeschulen

in Magdeburg und

Köln Paramentik unterrichtet

hatte, schuf er, weitgehend im


1 Wo der Rhein noch jung ist:

Liechtensteins Bergwelt lädt im

Sommer zum Wandern, im

Winter zum Skifahren ein

2 Comics, Film und Fernsehen

inspirieren die Liechtensteinische

Künstlerin Anna Hilti,

Jahrgang 1980

2

Verborgenen, ein eigenständiges

farbenprächtiges und detailreiches

Werk aus Wolle mit vornehmlich

herrschaftlichen und

biblischen Motiven.

Am 23. Mai wurde der

Erweiterungsbau des Kunstmuseums

mit der Hilti Art Foundation

eröffnet, die bedeutende

Werke von der klassischen

Moderne bis zur Gegenwart

präsentiert (S. 4).

Während Städte wie Berlin

mit bunt bemalten Bären werben,

sind bis zum 11. November

im Rahmen des internationalen

Skulpturenparks »Bad

RagARTz,« der größten Skulpturenausstellung

Europas, allein

in der Vaduzer Fußgängerzone

41 individuelle Originale zu

sehen, von abstrakten bis zu

figurativen Objekten.

Wer in Liechtenstein künstlerisch

aktiv ist, stößt schnell an

Grenzen, und so ist das Land

eine Art Modell für die Sehnsucht

nach einem anderen

Leben jenseits der Berge.

»Künstlern ist es wichtig, rauszugehen«,

sagt Elisabeth Stöckler.

»Es geht ihnen um Erfahrungen,

den Austausch und die

Vernetzung mit der internationalen

Kunstszene.« Exemplarisch

zeigt sich das anhand

zweier Ausstellungen in Kooperation

mit weiteren europäischen

Kleinstaaten wie Island,

Luxemburg oder Montenegro,

zum einen »Wo das Gras grüner

ist« im Kunstmuseum (3. Juli

bis 22. November), zum anderen

»The Silver Lining« im

Palazzo Trevisan degli Ulivi auf

der Biennale in Venedig (24.

Oktober bis 1. November). Zum

ersten Mal wird Liechtenstein

dort vertreten sein. Der Biennale-Kurator

Okwui Enwezor

zitierte in seiner Eröffnungsrede

Walter Benjamins Essay Ȇber

den Begriff der Geschichte«, in

dem Benjamin die Geschichte

der Menschheit als eine »Kette

von Begebenheiten« fasst, die

rückblickend wie eine einzige

Katastrophe erscheinen. Dieser

düsteren Sicht wollen die jungen

Künstler etwas Positives

entgegensetzen: den feinen, silbernen

Stoff ihrer Welterfahrung,

das Glück, ausgeschwärmt

und mit Entdeckungen zurückgekehrt

zu sein und ihre

Heimat bereichert zu haben.

Bilder: Liechtenstein Marketing; Anna Hilti

14


EMPFEHLUNGEN

Fünf Fragen an ...

Aurelia Frick

Bild: Martin Walser

Gibt es eine liechtensteinische Kultur?

Und wie beschreiben Sie diese?

Die liechtensteinische Kultur

hat ihren Ursprung im Brauchtum.

Diese alten Traditionen werden auch

heute noch mit großer Liebe gepflegt.

Über die Jahrzehnte hat sich

das Kulturangebot enorm entwickelt.

Es zeichnet sich durch eine

große Vielfalt aus.

Sie sind nicht nur Kultur- und

Außenministerin, sondern auch

zweifache Mutter. Wie bringen

Sie Ihren Kindern das Thema Kultur

näher?

In Liechtenstein haben wir die

Qual der Wahl: Viele unserer Kulturinstitutionen

haben ein tolles Kinderprogramm

– von Kindertheater

über Konzerte für die Kleinen bis

hin zur Kulturvermittlung in den

Museen. Es ist wichtig, dass Kinder

schon früh an die Kultur herangeführt

werden.

Was muss ein Besucher in Liechtenstein

unbedingt gesehen oder erlebt

haben?

Wenn ich Gäste habe, gehört

ein Besuch der neuen Museumsmeile

Vaduz zum Pflichtprogramm.

Allerdings haben auch die anderen

Aurelia Frick ist als Kultur- und

Außenministerin des Fürstentums

Liechtenstein oft auf Reisen –

umso mehr weiß sie die Vorteile

ihres Landes zu schätzen

Gemeinden wunderbare Museen.

Wer sich gerade am 15. August in

Liechtenstein aufhält, darf sich auf

ein großes Volksfest mit Feuerwerk

freuen.

Wo genießen Sie Ihre Heimat?

Die liechtensteinische Natur

und Bergwelt ist für mich der Ort,

wo ich Kraft tanke. Und wenn ich

nach einem Skitag oder nach einer

Wanderung in einem Bergrestaurant

einen Teller »Käsknöpfle« bekomme,

bin ich glücklich.

Wenn man Liechtenstein besucht

und ein Souvenir zum Weiterschenken

mitnehmen möchte, was

würden Sie empfehlen? Was ist für

Sie typisch liechtensteinisch?

Es gibt einen kreativen Laden

im Zentrum von Vaduz, der ganz

spezielle Souvenirs mit Liechtensteinbezug

verkauft. Vom Holzbrett

in Landesform bis hin zur Filztasche

mit Fürstenkrone, ich finde dort immer

etwas Schönes, das ich gerne

verschenke (www.hoi-laden.li). Sie

können aber auch immer ein Buch

aus oder über Liechtenstein, eine

gute Flasche Wein aus Liechtenstein,

oder etwas anderes Belebendes

mitbringen, die Auswahl ist groß.

Das Magazin WELTKUNST

Möchten Sie mehr wissen aus der Welt

der Kunst von ihren Anfängen bis heute?

Dann legen wir Ihnen unser Monatsmagazin

WELTKUNST ans Herz. Die

neue Ausgabe, die sich mit John F. Kennedy

als Sammler beschäftigt, sowie

unser Sonderheft zur Berliner Kunstszene

können Sie bestellen unter:

WELTKUNST Leserservice,

20080 Hamburg

www.weltkunst.de/abo

kundenservice@weltkunst.de

+49 (0)40 55 55 78 68

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IMPRESSUM

Herausgeber

Liechtenstein Marketing

Redaktion

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Anzeigenleiter

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Herstellung

Jan Menssen

Druck

Frank Druck GmbH

& Co. KG, Preetz


Der Wirtschaftsstandort

Stabil und schuldenfrei

AAA-Wirtschaftsstandort

Nur wenige Staaten sind schuldenfrei. Liechtenstein

ist einer davon. Politische Kontinuität,

solide Finanzpolitik und grosse Kapitalkraft der

öffentlichen Hand überzeugen – auch die Analysten

von Standard & Poor’s, die das Fürstentum

2015 erneut mit dem AAA-Rating auszeichneten.

Darum konzentrieren sich Unternehmer in

Liechtenstein auf das Wesentliche: ihre Firma.

Breit diversifiziert

Ein unerwartet starker Industriestandort

Liechtenstein ist bekannt für seinen spezialisierten,

international stark vernetzten und stabilen

Finanzplatz. Der hohe Industrialisierungsgrad

des Fürstentums darf mit Stolz betont werden.

38 % der Bruttowertschöpfung und über 39 %

der Arbeitsplätze entfallen auf Industrie und

warenproduzierendes Gewerbe.

Gut vernetzt

Inmitten von zwei Wirtschaftsräumen

Liechtenstein ist international sehr gut vernetzt.

Die Zollunion mit der Schweiz und die Mitgliedschaft

im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR)

bieten beste Voraussetzungen für ansässige

Exportunternehmen. Als EFTA-Mitglied profitiert

das Fürstentum zudem von einem der

grössten Netzwerke an abgeschlossenen Freihandelsabkommen.

Alles zum Wirtschaftsstandort Liechtenstein

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T +423 239 63 63

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