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bonalifestyle-Ausgabe 2 | 2018

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LIFESTYLE HEDI KATHARINA

LIFESTYLE HEDI KATHARINA ERNST «Flora & Corpora»vereint vergängliche Flora mit Skulpturen von Hedi K. Ernst. bona

Kunst schaffen Hedi Katharina Ernst und Karl-Heinz Ritter Hedi Katharina Ernst ist eine leidenschaftliche Frau und Kunstschaffende. Sie fand in den USA ihre Berufung – heute lebt und wirkt sie voller Tatendrang wieder in der Schweiz. INTERVIEW SIMONE LEITNER FOTOS TIM X. FISCHER bonaLifestyle Sie setzen sich als Kunstschaffende auch für Studierende ein, waren lange Professorin in den USA. Und als Gastprofessorin an einer Kunstakademie in Mumbai, Indien. Wie wurden Sie als Künstlerin, als Freigeist und als Frau dort aufgenommen? Hedi Katharina Ernst Bei den Studierenden sehr gut. Aber bei den Kollegen zu Beginn eher weniger gut. Die Zusammenarbeit mit den einheimischen Professoren gestaltete sich anfänglich ziemlich schwierig. Ich wollte mit den Studierenden Neues entdecken und den konventionellen kulturellen Rahmen hinterfragen. Das haben die Professoren zunächst abgelehnt. Ich war dort als Kollegin bestimmt eine Herausforderung. Die Sie aber gerne annahmen? Mit Sicherheit! Das sehe ich noch heute als Pflicht einer Professur: Neue Wege zu gehen, alte Strukturen aufzureissen oder diese zumindest zu hinterfragen. Vor allem in Indien war es wichtig, die Studierenden weg von den traditionellen Sujets zu bringen, ihnen Mut zu machen, sich internationale Kunst anzusehen. Ihnen den Zugang zu Büchern und Computern zu ermöglichen, um ihre eigene Kunst etwas aus den Angeln zu heben, ihre Traditionen mit modernem Zeitgeist neu zu erfahren. Wie lange war der Weg und wo hat er Sie und die Kunstschule in Indien hingeführt? Nach 10 Jahren Zusammenarbeit war dann auch den indischen Kollegen klar, dass mein Ansatz nicht darauf abzielte, die indischen Wurzeln westlich zu beeinflussen, sondern die Offenheit, die Selbstständigkeit und das Selbstvertrauen der Studierenden zu fördern. Natürlich auch mit offenen Augen für die internationale Kunstbewegung. War es Ihnen gelungen? Ja, das war mir gemeinsam mit den Studenten gelungen. Mit einer grossen Ausstellung in Mumbai und Rapperswil haben wir die zehn Jahre erfolgreich gefeiert und abgeschlossen. Nun konzentriere ich mich auf neue Aufgaben in Afrika und Burma. Also wieder eine fremde Kultur, wieder eine andere Religion. Ist es für Sie als Schweizerin nicht schwierig, unsere westliche Denkweise aussen vor zu lassen? Nein, die westliche Denkweise unreflektiert einzubringen, war nie mein Ziel, das wäre zu oberflächlich. In fremden Kulturen ergründe ich zunächst die Wurzeln, die Traditionen, die die nationale Kunst prägen. Und ich analysiere das Bildungssystem im jeweiligen Land. Wie wurden die jungen Künstlerinnen und Künstler während ihrer Ausbildungszeit beeinflusst und geschult? Es ging mir nie darum, westliche Massstäbe anzuwenden. Es geht vielmehr darum, die Vielfalt, die Moderne, die Zeitgeschichte und auch die aktuellen Themen und Emotionen in den Unterricht und die Kunstwerke einfliessen zu lassen. Sie haben Myanmar (Burma) erwähnt. Nun wird Kunst ja schnell sehr politisch interpretiert und zensiert – vor allem in totalitären Systemen. Haben Sie keine Angst? Nein, ich gehe immer sehr engagiert an die Arbeit und versuche, mich mit den Gegebenhei- bona LIFESTYLE 48 49