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Taxi Times München - Juni 2015

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ELEKTROMOBILITÄT

ELEKTROMOBILITÄT ELEKTROMOBILITÄT WATT IHR VOLT 30 MILLIONEN FÜRS STROMERN Zuschüsse für E-Autos und Hunderte neue Ladepunkte. Die Stadt München investiert viel Geld in die Elektromobilität. Ladestation Blumenstraße. Typ-2-Stecker. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ursprünglich wollte das Plenum des Stadtrates das „Integrierte Handlungs programm zur Förderung der E-Mobilität in München“ (IHFM) am 6. Mai verabschieden. Aber weil noch einige Änderungsanträge zu bearbeiten waren, wurde der Beschluss bis nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe verschoben. Doch nach Überraschungen sah es nicht aus. Nach den Vorarbeiten von Umweltausschuss, Wirtschaftsausschuss und Kreisverwaltungsreferat gelten unter anderem diese Eckpunkte als ausgemacht: Für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge wird es Zuschüsse von der Stadt geben. Taxiunternehmer können mit 4000 Euro Förderung pro Wagen planen. Außerdem soll die öffentliche Ladeinfra struktur deutlich ausgebaut werden. Wer sich zu Hause eine Ladestation einrichten will, kann einen Teil der Kosten der Stadt in Rechnung stellen. Das Netz an öffentlichen Lademöglichkeiten für Elektroautos in der Stadt ist tatsächlich noch sehr ausbaufähig, dennoch gibt es schon jetzt mehr Tankmöglichkeiten, als viele denken. Allein die Münchner Stadtwerke betreiben zurzeit rund ein Dutzend Ladestationen, die man mit dem weitverbreiteten Stecker vom Typ 2 – auch „Mennekes-Stecker“ genannt – nutzen kann. Viele funktionieren außerdem mit Schuko steckern. Diese Ladestationen bieten zwei gewaltige Vorteile: Erstens stellen sie ausschließlich Strom zur Verfügung, der aus Wasserkraft gewonnen wird. Das heißt: Elektroautos, die hier aufgeladen werden, produzieren weder beim „Tanken“ noch während der Fahrt CO 2 . Zweitens bekommt man den SWM- Strom beinahe kostenlos. Lediglich für die benötigte Tankkarte werden einmalig 49 Euro fällig. Außerdem gibt es auf die ganze Stadt verteilt mehrere Dutzend weitere Möglichkeiten, sein Elektroauto aufzuladen, oft kostenlos, in manchen Fällen zu moderaten Preisen. Viele Ladesäulen findet man in öffentlichen Parkgaragen, auf den Parkplätzen von Großmärkten oder bei Autohäusern. Hier beispielhaft ein paar Adressen, die leicht zu erreichen sind und die jeder Taxifahrer kennt: Das Pschorr- Parkhaus am Altheimer Eck stellt auf dem Parkdeck U3 rund um die Uhr acht Lademöglichkeiten für Typ-2-Stecker zur Verfügung. Das Laden kostet, zusätzlich zur Parkgebühr, einen Euro pro Stunde. Die jeweils drei Schuko-Anschlüsse an den V-Märkten in der Balan straße (Tiefgarage) und im Euro-Industriepark (Parkplatz) sind zwischen 7 Uhr und 20 Uhr für Kunden umsonst. Das Nissan-Autohaus in der Zamdorfer Straße 90 bietet während der Öffnungszeiten eine kostenlose Schnell ladestation (!) für jedermann (also nicht nur für Nissan- Fahrer). Wenn die Säule nicht gerade besetzt ist, muss man sich nur am Empfang melden – und schon kann’s losgehen. Lademöglichkeiten während des Einkaufs oder des Essens gibt es auch, zum Beispiel bei den hagebaumärkten in der Lerchenauer Straße und der Hofmannstraße und bei fünf McDonald’s-Restaurants. »Um E-Mobilität zukunftsfähig zu machen, müssen wir die Rahmenbedingungen verbessern.« Oberbürgermeister Dieter Reiter Eine Lade säule – echt wahr – habe ich auch auf dem Parkplatz vom Laufhaus Vitalia im Euro­ Indus triepark gesehen. Nicht recherchiert habe ich, ob der Strom extra kostet oder im Preis inbegriffen ist. Es gibt also jetzt schon einige Möglichkeiten, die Tagesreichweite durch Zwischendrin-Laden zu erhöhen (mehr dazu im nebenstehenden Text), aber zusätzlich ist natürlich eine „Heimatsteckdose“ nötig, um den Fahrzeugakku jederzeit zuverlässig vollladen zu können. Dazu sollte man sich an den Elektromeister seines Vertrauens wenden. An den Kosten der Einrichtung beteiligt sich, wie gesagt, die Stadt. rb FOTOS: Mennekes, SWM FOTO: Frank-Achim Schmidt ELEKTRO-TAXI – SCHON BEREIT FÜR DEN ALLTAG? Taxler fahren nicht in die Arbeit. Fahren ist ihre Arbeit. Reicht eine Akkuladung für eine komplette Taxischicht? Taxi Times München-Redakteur Robert Biegert testete im vergangenen Jahr zehn Monate lang einen Nissan Leaf im Rahmen des Projekts „E-Plan München“. Das war auch für mich die spannendste Frage, als ich im Juni 2014 im Rahmen des Projekts „E-Plan München“ einen Nissan Leaf als Testfahrzeug übernommen habe. Zehn Monate lang habe ich das Elektroauto im regulären Taxibetrieb bewegt, allerdings im Wechsel mit meinem eigenen Wagen, einem Verbrenner. Und das ist schon ein Hinweis auf die Antwort: Nein, in der Regel reicht eine Akkuladung nicht für eine ganze Schicht, wenn man nicht gerade in einem Tesla unterwegs ist. Es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage, wie viele Kilometer weit man zum Beispiel mit den 24 Kilowattstunden kommt, die der Energiespeicher des Nissan fasst. Bei mir waren es im Alltagsstadtverkehr bei mildem, trockenem Wetter, das heißt: ohne Klimaanlage, 150 bis 160 Kilometer. Bei Kälte, starker Hitze oder Dauerregen hat die Klimaanlage so viel Energie gefressen, dass 90 bis 100 Kilometer das höchste der Gefühle waren. Ein anderer wichtiger Faktor ist die Geschwindigkeit: Auf der Autobahn schmilzt die Restreichweite wie Butter in der Sonne. Aber Akkureichweite bedeutet ja nicht automatisch Tagesreichweite. Entscheidend ist, wie effizient es dem Fahrer gelingt, die häufigen Standzeiten, die es in jeder Taxischicht gibt, zum Nachladen zu nutzen. Im Rahmen des Projekts war ich da eingeschränkt, weil ich aus methodischen Gründen nur fünf bestimmte Ladestationen benutzen durfte. Mit der stadtweiten Ladeinfrastruktur aber, die es jetzt schon gibt, und erst recht mit der, die in nächster Zeit neu entstehen wird, eröffnen sich viel bessere Perspektiven. An einer einfachen Ladestation lassen sich in einer Stunde etwa 30 zusätzliche Kilometer gewinnen, an den noch seltenen Schnellladestationen dauert es sogar nur eine halbe Stunde, den Akku wieder bis 80 Prozent zu füllen. Wenn ich zwei Wünsche frei hätte, ginge einer an die Industrie: Baut Akkus mit größerer Kapazität! Tesla hat bewiesen, dass es geht. Die Stadtpolitiker würde ich bitten: Errichtet und fördert eine flächendeckende Ladeinfrastruktur! Wenn beide Wünsche in Erfüllung gegangen sind, spricht nichts mehr gegen die Alltagstauglichkeit von Elektrotaxis. EIN GEDANKENEXPERIMENT Stellen wir uns mal vor, Elektromotoren wären schon seit Jahrzehnten der Standardantrieb für Autos und jetzt käme jemand auf die Idee, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren auszurüsten. Was wären die Gegenargumente? Zum Beispiel: Es ist doch eine dumme Idee, einen wertvollen und endlichen Rohstoff wie Erdöl mit großem Aufwand zu raffinieren und ihn dann in Motoren zu verbrennen, wenn dabei klimaschädliche und gesundheitsge fährdende Abgase entstehen. Der Wirkungs grad dieser neumodischen Verbrennungsmotoren ist nicht einmal halb so hoch wie der von Elektromotoren. Autos mit Verbrennungsmotoren bräuchten im Vergleich zu unseren wartungsarmen Elektroautos viele Teile und Stoffe, die Geld kosten und gewartet, beziehungsweise ausgetauscht werden müssen. Oder – um es in den Worten von Kaiser Wilhelm II. zu sagen: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ rb 22 TAXI JUNI / 2015 23

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