Investition für nachhaltige Getränkelogistik - PSI Logistics GmbH

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Investition für nachhaltige Getränkelogistik - PSI Logistics GmbH

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Informationslogistik

WMS steuert komplexe Abläufe im Lager und beim Umschlag von Mineralwasser

Investition für nachhaltige

Getränkelogistik

Mit einem neuen Standort- und Transportkonzept hat Danone, weltweit zweitgrößter Produzent von Mineral-

wasser, den Großteil seiner Transportlogistik von der Straße auf die Schiene verlagert. Seit Anfang des Jahres

trifft nun täglich ein Zug aus den Werken in den französischen Alpen und der Auvergne mit den Wassermar-

ken Evian und Volvic im Duisburger Logistikzentrum der Spedition Bohnen ein. Der Dienstleister hat dafür

eine komplexe Logistiklösung für die Getränkeindustrie realisiert inkl. automatischer Einkistungsanlage. Tech-

nologische Basis für die Steuerung aller Abläufe bildet das Warehouse Management System „PSIwms“.

Das neue Logistikzentrum, das die

Elmpter Spedition Reiner Bohnen

GmbH & Co. KG im Duisburger Binnenhafen

betreibt, ist nicht nur wirtschaftlich

und ökologisch bemerkenswert, sondern

inzwischen auch ausgezeichnet. Gemeinsam

mit Garbe Logistic als Projektentwickler

und dem Hauptkunden Danone

Waters hat das mittelständische Logistik-Unternehmen

Mitte Juli für das

Logistikprojekt den „NRW.Invest Award

2010“ erhalten. In der zum Jahreswechsel

in Betrieb gegangenen Logistik-Drehscheibe

wird jeden Tag ein 600 m langer

Güterzug mit Mineralwasserflaschen aus

den französischen Quellorten Volvic und

Evian entladen, konfektioniert und von

Duisburg aus an den Groß- und Einzelhandel

im Norden der Republik distribu-

iert. Insgesamt ergibt das eine Umschlagmenge

von rd. 400 000 Paletten jährlich.

Als informatorischer Backbone für alle

operativen Prozesse und die Verwaltung

des Lagers fungiert das Warehouse Management

System (WMS) „PSIwms“ der

PSI Logistics GmbH, Berlin, mit integriertem

Transport Control System (Staplerleitsystem)

und Yard Management.

Mit einem neuen Standort- und Transportkonzept

hat Danone den Großteil

seiner Transportlogistik von der Straße

auf die Schiene verlagert. Vom kommenden

Jahr an soll die Bahn bis zu 100 % der

Warentransporte zwischen Frankreich

und den beiden deutschen Lagerstandorten

Hockenheim und Duisburg übernehmen.

Lediglich für die Distribution zum

Kunden kommen Lkw zum Einsatz. „Mit

dem ökologisch optimierten Konzept

können die Emissionen, die bislang bei

Transport, Lagerung und Leerguthandling

für den deutschen Markt anfielen,

um 30 % reduziert werden“, erklärt Carsten

Stelter, Supply Chain Direktor Danone

Waters Deutschland. „Das entspricht

in Summe rd. 28 000 Lkw-Fahrten

pro Jahr.“

7 Mio. Euro hat die Spedition Bohnen in die

Ausstattung der Logistik-Immobilie investiert,

um aus dem 30 000 m² großen Hallen-

und Bürokomplex für Danone Waters

den logistischen Mittelpunkt zur Befüllung

und Lagerung von Evian- und

Volvic-Kästen sowie deren Verteilung in

Norddeutschland zu machen. Hier übernimmt

der mittelständische Logistik-

Bild 1 Die aus Frankreich

ankommenden Züge

werden mit Großstaplern

innerhalb weniger

Stunden unter dem

Vordach des Logistikzentrums

an einem 300 m

langen Gleiskörper entladen.

LOGISTIK FÜR UNTERNEHMEN 10/2010


Dienstleister für Danone das gesamte Warehousing

– von der Zugentladung über

die Kästenwäsche, die Kommissionierung

und Konfektionierung bis hin zur Lkw-

Beladung.

Dabei sind die intralogistischen Prozesse

weitgehend automatisiert. Zentrale

Komponenten dabei: eine automatisierte

Einkistungsanlage (Crating-Anlage) und

ein auf die Anforderungen in der Ge-

tränkeindustrie zugeschnittenes WMS.

PSIwms hat beste Referenzen und verfügte

bereits in seinem Systemstandard

über eine Vielzahl unserer Anforderungen.

Für den weiteren Zuschnitt, für künftige

Ergänzungen und Neuerungen sowie

unter dem Aspekt der Investitionssicherheit

boten uns das WMS und PSI Logistics

überdies optimale Bedingungen“, begründet

Volker Grzybowski, Mitglied der Bohnen-Geschäftsführung

und Projektleiter

die Entscheidung seitens des Logistik-Unternehmens.

So unterstützt die modular konzipierte

Warehouse Management Software bereits

im Standardumfang nahezu alle Lagerformen,

-strategien und -technologien und

bietet umfassende Funktionen, um die

Prozesse im Lager zu steuern, zu koordinieren

und abzubilden. Zudem lässt

sich die Logistik-IT komfortabel in vorhandene

Infrastrukturen integrieren.

Für Bohnen wurde das „PSIwms“ individuell

auf die komplexen Logistikprozesse

parametriert. Denn zwischen An-

kunft und Entladung der Züge und der

Beladung der Distributions-Lkw hat Bohnen

in Duisburg eine ausgeklügelte Logistik-Dienstleistungskette

installiert.

„Durch den hohen Standardisierungsgrad

und ein PSI-eigenes, automatisiertes

Testverfahren konnten wir die Software

trotz eines engen Zeitplans und der komplexen

Anlage in weniger als sechs Monaten

zwischen Auftragsvergabe und den

ersten Einlagerungen exakt auf die Anforderungen

bei Bohnen zuschneiden

und termingerecht übergeben“, erklärt

Thomas Lorenz, Projektleiter von PSI Logistics.

So sorgt PSIwms mit seinem integrierten

Transport Control System (Staplerleitsystem)

in der Intralogistik für eine

optimale Transportsteuerung bei der Auftragsbearbeitung.

Systemmodule für das

Yard- und Ressourcen-Management unterstützen

darüber hinaus die Disposition

sowie die Verkehrslenkung rund um

die 30 Lkw-Stellplätze am Logistikzentrum.

Zudem bietet das Yard Management

den Bohnen-Disponenten die erforderliche

Flexibilität bei den operativen

Logistikprozessen im Lager und auf dem

Hof. Zur Kommunikation mit überlagernden

Systemen ist zudem eine SAP-

Schnittstelle eingerichtet. „Neben der Lagersteuerung

waren das Transport Control

System und der Funktionsumfang

des Yard-Managements wesentliche Entscheidungskomponenten“,

erläutert

Informationslogistik 69

Bild 2 In der 2 000 m 2

großen Produktionshalle

werden die angelieferten

Paletten automatisch

depalettiert, die einzelnen

Sechserpacks von

der Folie befreit, die Flaschen

von Roboterarmen

gegriffen und in

die Leerkisten umgesetzt.

Bilder: PSI Logistics

Grzybowski. „Sie sichern das Fefo-Prinzip

im Lager und ermöglichen uns neben

der Anbindung der Crating-Anlage und

des Repacking eine durchgängige Chargenverfolgung

bei den internen Prozessen

und bis zum Empfänger. Durch die

SAP-Schnittstelle erzielten wir zudem Bestandsgleichheit

mit dem Danone-System,

sind für unseren Auftraggeber gewissermaßen

ein gläserner Betrieb.“

Für jeden Empfänger werden die Getränkelieferungen

im Logistikzentrum von Bohnen

nach Wunsch zusammengestellt.

Dazu werden die im SAP-System erfassten

Bestellungen an das WMS übergeben.

Das generiert daraus operative Prozesse

und entsprechende Aufträge – rd. 15 000

Aufträge mit 75 000 Auftragspositionen

pro Jahr. Zunächst erhalten die Stapler

vom Transport Control System, nach optimierten

Aspekten gesteuert, ihre Transportaufträge

für die Entladung der Eisenbahnwagons.

So werden die aus Frankreich

ankommenden Lieferungen innerhalb

weniger Stunden unter dem Vordach

des Logistikzentrums an einem 300 m

langen Gleiskörper entladen (Bild 1). Dabei

kommen Großstapler zum Einsatz,

die bis zwölf Paletten auf einmal transportieren

können. Die Paletten sind mit

foliengewickelten Gebinden in unterschiedlichen

Größen, z. B. sechs 1,5 Liter-PET-Flaschen

bestückt. So fasst eine

Palette bis 780 Flaschen.


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Informationslogistik

Nach Übergabe an den Wareneingang,

Abgleich mit den Avisdaten und Vereinnahmung

werden die Paletten auf die

Förderstrecke zur automatischen Einkistungsanlage

übergeben. Sie ist das Herzstück

des neuen Bohnen-Logistikzentrums

und umfasst insgesamt 2 000 m²

der Produktionshalle (Bild 2). In der Anlage

werden die angelieferten Paletten automatisch

depalettiert, die einzelnen

Sechserpacks von der Folie befreit, die

Flaschen von Roboterarmen gegriffen

und in zugeführte Leerkisten umgesetzt.

Die befüllten Getränkekisten werden abschließend

palettiert und die Paletten mit

Barcodes versehen. Bei diesen Prozessen

gleicht „PSIwms“ bereits die Avisdaten

und die Bestelldaten für die Produktionsaufträge

ab. Am Ende der Anlage übernehmen

Stapler die Paletten und lagern

sie – nach Vorgaben des WMS – zunächst

im Blocklager des Logistikzentrums ein.

Die erforderlichen Leerkisten werden

von den Distributions-Lkw im Bohnen-

Logistikzentrum angeliefert. Nach der

Mengenerfassung und Vereinnahmung

der Kisten erfolgt zunächst eine Leergutentnahme,

wobei das PET-Leergut entnommen

und in einer Pressanlage zu Bal-

len verarbeitet wird. Im Anschluss daran

durchlaufen die Kisten eine Waschanlage

und werden direkt im Anschluss in der

Crating-Anlage neu befüllt.

Für die Auftragsabwicklung stößt das WMS

die Auslagerung der bereits auftragsgefertigten

Paletten aus dem Blocklager an.

Danach erhalten die Flurförderzeuge

vom Staplerleitsystem die entsprechenden

Aufträge per Funk auf das Display,

kommissionieren die Getränkepaletten

und stellen sie im Warenausgangsbereich

zur Verladung bereit. „Durch Schnittstellen

zwischen Anlage und Software laufen

alle Prozesse über PSIwms“, erläutert

Grzybowski. „Das eingebundene Transport

Control System sorgt dabei für zuverlässige

Zuführung und Entsorgung

der Anlage.“ Und mehr noch: Gemeinsam

mit dem Yard Management unterstützt

die Staplersteuerung den hohen

Service-Level, den Bohnen mit Danone

für die Ent- und Beladung der Distributions-Lkw

vereinbart hat.

100 bis 110 Lkw stehen jeden Tag an

den Ladetoren des neuen Logistikzentrums

von Bohnen. Die Fahrer der an-

kommenden Lkw melden sich an und

werden in das Yard Management System

übernommen. Während die Zuordnung

auf die Ladetore erfolgt, optimieren das

WMS und das Staplerleitsystem die Versandbereitstellung

in der Halle des Logistikzentrums.

In kürzester Zeit sind die

Leergutkisten entladen und die Auflieger

wieder mit Vollgutkisten beladen.

„Das Warehouse Management System

ist auf ein weiteres Wachstum der Prozesse

bei Bohnen um jeweils 15 % in den

kommenden zehn Jahren ausgelegt.

Neue Geschäftsprozesse oder die optional

bereits angedachte Erweiterung des

Logistikzentrums sind in PSIwms mühelos

integrierbar“, erläutert PSI-Projektleiter

Lorenz. Auch die Option, die Identprozesse

in Duisburg künftig RFID-gestützt

zu realisieren, ist in der Software

bereits angelegt. „Für den RFID-Einsatz

laufen gegenwärtig erste Tests“, verrät

Grzybowski. „Wir sind froh, dass

PSIwms auch eine solch weitreichende

Prozessänderung mitträgt. Mit diesem

Warehouse Management System haben

wir eine gute, zukunftsfähige Lösung gefunden.“

R.B.

LOGISTIK FÜR UNTERNEHMEN 10/2010

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