Teil 2 (PDF/2.8MB) - Fontana Passugg

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Teil 2 (PDF/2.8MB) - Fontana Passugg

8 Jahre – 120 Augenblicke Chronik 2. Teil 1997– 2004 Genossenschaft Fontana Passugg Bildungsstätte für Gehörlose, Schwerhörige und Ertaubte


Standen in der ersten Chronik Schaufeln, Pinsel, Mörtel und Nähmaschinen im Mittelpunkt, so beginnt mit der Eröffnung der Bildungsstätte im Frühling 1997 ein neues Kapitel: Das Kapitel der Menschen, die ein Haus besuchen, beleben, bewirtschaften, prägen, nutzen, pflegen, beseelen. Der Ort, wo die Kultur der Gehörlosen, Schwerhörigen und Ertaubten endlich einmal im Mittelpunkt und nicht am Rande steht, ist bezugsbereit. Alles kann neu gestaltet, erfunden und aufgebaut werden. Zögerlich und vorsichtig kommen die Menschen. Es entstehen Kurse und Anlässe, einige begeistern und werden zum jährlich wiederkehrenden Ritual, andere verschwinden wieder mangels Nachfrage. Erstaunlicherweise sind es sehr viele Hörende, die fasziniert von Ort und Konzept immer wieder kommen. Auch Gruppen von geistig und körperlich Behinderten fühlen sich wohl in diesem Haus, wo ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. In einem unterscheidet sich dieser zweite Teil der Chronik von der ersten in keiner Weise: Jeder Tag, jeder Monat, jedes Projekt birgt Überraschungen – alles ist neu, vieles beglückend und motivierend, anderes enttäuschend, unverständlich, zermürbend. Wer geglaubt hat, die Bildungsstätte werde über Nacht zum florierenden Unternehmen, zum gefragten Bildungsanbieter, zum ausgelasteten Haus, zum rentablen Unternehmen, hat sich getäuscht. Die Realität ist ungleich viel spannender und offener. Sie muss gestaltet, diskutiert, erarbeitet, finanziert und erkämpft werden. Dass die Arche Noah auch nach der Eröffnung über Wasser bleibt, ist unzähligen grosszügigen Menschen zu verdanken. Wir haben 120 Augenblicke aus 8 Jahren herausgepickt und freuen uns, Ihnen mit diesem Tagebuch ein kleines Dankeschön zu überreichen. Genossenschaft Fontana Passugg Genossenschaft und Bildungsstätte Fontana in Passugg 1997–2004 3


1997 4 12. April, 11 Uhr: 200 bunte Luftballone steigen über Passugg in den Himmel An diesem Wochenende wird die Bildungsstätte für Gehörlose, Schwerhörige und Ertaubte nach 4-jähriger Bauzeit feierlich eröffnet. Ein grosser Augenblick! Am Freitag, dem «Tag der Offiziellen», sind 100 Gäste anwesend. Am Tag danach feiern rund 300 Mitglieder, Freunde und Gönner mit, am Sonntag freuen sich nochmals 75 Besucherinnen und Besucher an der neuen Bildungsstätte. Das Fernsehen DRS und 3 weitere Fernsehstationen, 3 Radiosender und 17 Zeitungen berichten über den Anlass. 12. April, 11.30 Uhr: Die Skulptur von Edy Werlen wird enthüllt Fortan steht sie vor dem Haus und gehört wie ein Mahnmal zur Bildungsstätte: die elegante Steinplastik des gehörlosen Künstlers Edy Werlen aus Widnau. Die Kugel sprengt vier Steinquader weg und befreit sich. Sie ermuntert die Hörbehinderten, es genauso zu tun. Mutig sollen sie sich gegen Erziehungs- und Lebensbedingungen wehren, die man ihnen von der Gesellschaft aufsetzt, ohne sie zu fragen.


2. Mai: Der Beschluss unter Traktandum 5 freut alle Edy Wullschleger, bisher nächtelang für die Genossenschaft aktiv, wird von der Genossenschaft zu 100% angestellt und kann ab 1. Juli seine ganze Energie für die Öffentlichkeitsarbeit und Mittelbeschaffung einsetzen. Ein mutiger Schritt beiderseits, denn Edy Wullschleger verlässt eine sichere Stelle bei der Post in Chur und die Genossenschaft tanzt im Hörbehindertenwesen einmal mehr aus der Reihe. 6. Juni, 18.30 Uhr: Der Vorstand trifft sich mit einer Grafikerin Die prämierten Vorschläge aus dem Wettbewerb für einen neuen Schriftzug sollen nun professionell ausgearbeitet werden und das Erscheinungsbild von Bildungsstätte und Genossenschaft bestimmen. Die Grafikerin Lorena Valentini setzt die gestalterischen Ideen der Hörbehinderten sorgfältig um. Ab 1998 sind die Briefschaften mit dem alten Logo aufgebraucht und die neuen, vierfarbigen kommen zum Einsatz. Auch die erste Internetseite wird in dieser Zeit aufgeschaltet. 14. Juni, 11.30 Uhr: An der Generalversammlung werden Pullover verteilt Alle Frondienstmitwirkenden, die bereits mehr als 100 Stunden gearbeitet haben, erhalten eine Urkunde und als Geschenk einen grünen Pullover, bedruckt mit dem Signet der Genossenschaft und der Skulptur von Edy Werlen. 30. Juni, 19 Uhr: Motivierende Gäste kommen zu Besuch Der grosszügige Spender und Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Graubünden, Dr. iur. Hans Rudolf Bener, begrüsst seine Mitglieder zu einer Hausbesichtigung mit anschliessender Jahresversammlung und einem Imbiss. 5


6 Wider Erwarten – ein harziger Start… Wer nach der Eröffnung mit einer grossen Nachfrage gerechnet hat, wird enttäuscht. Die Gäste strömen keineswegs in Scharen in die Bildungsstätte, im Gegenteil: Die Belegung bleibt das ganze Jahr über sehr schwach. Mit allen Mitteln versuchen die Verantwortlichen, für das zweite Betriebsjahr 1998 Gästegruppen für Bildung, Ferien und Sport zu gewinnen. Auch Hörende werden herzlich willkommen geheissen. 20. September, 9 bis 17 Uhr: Die Türen stehen weit offen... Alle sind willkommen an diesem Tag der offenen Tür, um einen Blick hinter die renovierte Fassade der Bildungsstätte zu werfen. 250 Personen nehmen die Einladung an und lassen sich interessiert zeigen, was die Bildungsstätte Hörbehinderten und Hörenden anzubieten hat. 31. Dezember: In jedem Zimmer blinkt im Notfall ein orangefarbenes Licht In der Silvesterwoche werden die visuellen Feueralarmlampen im ganzen Haus installiert. Wenn im kommenden Frühling noch die visuellen Klingeln in allen Räumen montiert sind, ist die behindertengerechte Einrichtung der Bildungsstätte vorläufig abgeschlossen. Das Haus ist nun rollstuhlgängig, sicher und für zahlreiche Behindertengruppen angenehmer eingerichtet als konventionelle Gruppenunterkünfte. Viele Organisationen in der Schweiz und im nahen Ausland nehmen dies mit Freude und Interesse zur Kenntnis. Graue Wolken... und dann wieder sonnige Zeiten Unüberwindliche Differenzen mit dem Betriebsleiterpaar führen nach langen Verhandlungen zur Kündigung. Die harten Auseinandersetzungen machen dem Vorstand und allen Beteiligten klar, dass die Bildungsstätte ein Unternehmen ist wie jedes andere und von unangenehmen Situationen nicht verschont bleibt.


Nach dem Motto «gleiche Angebote auch für Gehörlose und Hörbehinderte» beginnt die Suche nach geeigneten Bildungskursen und Freizeitangeboten. Sehr attraktive und auch spezielle Kurse wie «Selber Bier brauen», ein Fotoworkshop oder eine Wanderwoche locken die ersten Neugierigen nach Passugg. Die beliebte und inzwischen traditionelle Ferienwoche für Hörbehinderte mit Agnes Isenschmid, damals zusammen mit Gigi Ménard, wird in diesem Sommer aus der Taufe gehoben. 7


1998 8 5. Januar, 7.30 Uhr: Der neue Betriebs- 1. April, 8 Uhr: Aufwind in der Küche Die leiter schliesst die Türe auf Seit den Anfängen ist er für die Genossenschaft aktiv: Viktor Buser aus Küttigen. Er übernimmt neu die Leitung der Bildungsstätte. Mit intensiver Weiterbildung arbeitet er sich in die neue Aufgabe ein. Am 26. Januar beginnt er eine berufsbegleitende Ausbildung für «Betriebsmanagement», die er ein Jahr später mit dem Diplom abschliesst. Köchin Jolanda Fürst übernimmt das Zepter in der Küche. Die sympathische junge Frau aus Winterthur ist gehörlos und packt die neue Aufgabe mit Elan. Auch bei allen weiteren Anstellungen wird versucht, Menschen mit Hörbehinderung zu berücksichtigen und mit gezielter Weiterbildung so zu fördern, dass sie im Arbeitsmarkt bessere Chancen haben. 21. Mai: Der erste Specksteinkurs wird ein Erfolg Unter der Leitung von Edy Werlen und Heidi Stähelin kommen aufmerksame Kursteilnehmer/innen erstmals mit dem Material Speckstein in Kontakt. Die Begeisterung ist so gross, dass der Kurs später noch zweimal durchgeführt werden kann. 23. Juni, 21 Uhr: Gewählt ist einstimmig – der neue Bildungsbeauftrage Der 30jährige, gehörlose Andreas Janner aus Horgen, dipl. soziokultureller Animator HFS, wird ab November 1998 seine Stelle als neuer Bildungsbeauftragter antreten und im Auftrag der Genossenschaft und des Schweizerischen Gehörlosenbundes ein massgeschneidertes Bildungsangebot zusammenstellen.


12. Juli, spät abends: Blasen an den Händen und zum Umfallen müde Die Baufirma Spaltenstein und die Bank UBS führen in Passugg ein gemeinsames Lehrlingslager durch. Rund 120 Auszubildende aus dem Baugewerbe und kaufmännische Lehrlinge verbringen vom 12. Juli bis zum 1. August in zwei Gruppen je eine Woche mit harter Frondienstarbeit. Die Jugendlichen erreichen viel: Sie reparieren zahlreiche Natursteinmauern an Gebäuden und im Gelände, führen Betonarbeiten aus, ersetzen faule Holzbalken, sanieren das alte Wasserreservoir und erstellen Sickerleitungen für verschiedene Gebäude. Missverständnisse und erschwerte Beziehungen Der Betriebsleiterwechsel trübt die Beziehung zu den Schwerhörigen, deren Lehrerinnen und Verbänden. Sie fühlen sich durch die neue Leitung durch einen gehörlosen Betriebsleiter nicht mehr motiviert, nach Passugg zu kommen. 16. Oktober: Der Saft läuft Rund um die Bildungsstätte stehen alte Obstbäume, die während dem Umbau und den Eröffnungsaktivitäten kaum Beachtung erhielten. Doch jetzt im Herbst machen sie sich mit reicher Ernte bemerkbar. Erstmals wird aus dem Obst der Bildungsstätte Süssmost gepresst. 17. Oktober, 8 Uhr: Der FC Bonaduz Senioren Gentlemen betritt das Feld An diesem Herbsttag – und nachher regelmässig – spenden die sportlichen Fussballer viel Energie und Muskelkraft für die Bildungsstätte. Sie leisten vor allem einen wichtigen Beitrag beim Ausbau der Nebengebäude, die später als Schulungs- und Mehrzweckräume zur Verfügung stehen. 5. November, 7.30 Uhr: Eine lange Vorstellungsrunde beginnt Ausgeschrieben war die Stelle einer Sekretärin für den Betriebsleiter – gemeldet haben sich 45 Interessierte! 12 von ihnen sind eingeladen zum Bewerbungsgespräch. Ein langer Tag für Viktor Buser! Die Wahl fällt auf die hörende Silvia Baitieri aus Valbella, die bald zur unentbehrlichen und rundum geschätzten Mitarbeiterin wird. Dezember: Andreas Janner gibt sein neues Bildungsprogramm heraus Nach vorsichtigen Versuchen mit eigenen Bildungsangeboten in den Jahren 97 und 98 kann es jetzt so richtig losgehen mit dem Ziel und Zweck der Bildungsstätte: Gehörlosen, Schwerhörigen und Ertaubten steht für das kommende Jahr ein massgeschneidertes, abwechslungsreiches Bildungsangebot zur Verfügung. 9


Eine kleine Broschüre mit verschiedenen Kursangeboten sowie ein Aufruf, Wünsche und Anregungen mitzuteilen, tragen dazu bei, die Bildungsbedürfnisse der Hörbehinderten aufzuspüren und Interesse zu wecken. Gedächtnistraining, Internet-, Theater- und Pantomime-Workshops gehören zu den Highlights dieses Jahres.


15. Januar, 18 Uhr: Edy Wullschleger kann mit Stolz die Zahlen präsentieren Das Spendentotal übersteigt das Vorjahresresultat um 100'000 Franken. Immer grösser wird der Kreis jener Privatpersonen, Firmen, Stiftungen, Gemeinden und Kirchgemeinden, Frauenvereinen und Institutionen, welche die Bildungsstätte überzeugt mit kleinen und grossen Beträgen unterstützen. Oft steckt eine ergreifende Geschichte hinter dem Betrag: ein Geburtstag, ein letzter Wille, eine Kollekte, ein Firmenjubiläum, ein Verzicht auf ein Honorar oder Dienstaltersgeschenk, ein Beitrag anstelle von Kundengeschenken, ein Bazar, eine Beerdigung. Jede Solidaritätsbezeugung hilft und bestärkt jene, die sich mit voller Kraft für Passugg einsetzen. 1. Februar: Das Team wird erweitert und verändert sich Die ertaubte Gisela Riegert aus Masein, Agronomin und Mutter von drei Kindern, tritt ins Passugger Team ein. Sie hilft im wachsenden Betriebshaushalt, vertritt später den Betriebsleiter während seinen Ferien und wird zur gefragten Ansprechpartnerin für Schwerhörige und Er- taubte. Dank einem Cochlear-Implantat kann sie ihr Hörvermögen teilweise zurückgewinnen. Von der bisherigen Köchin Jolanda Fürst geht die Küchenhoheit an Curdin Brunett und später an Räto Camenisch über. 27. Februar, 14 Uhr: Lebhafte Begegnungen «in a very nice house» Das American Ski Team verbringt eine Woche in der Bildungsstätte. Die gehörlosen Skisportler mit ihren Trainern und Betreuern bereiten sich auf die Winterweltspiele der Gehörlosen in Davos vor. Das Haus ist voll bis auf das letzte Bett. Es wird englisch gesprochen und ASL (American Sign Language) 1999 gebärdet. Am Tag trainiert das Team auf der Lenzerheide, die Abende werden genutzt für die Auswertung und für die Vorbereitungen auf den grossen Auftritt in Davos. 14. März, 12 Uhr: Ein Geburtagskuchen mit 90 Kerzen Die Patin der Bildungsstätte, Gotte Käthe Racine, feiert ihren 90. Geburtstag mit 18 Gästen im Hotel Stern in Chur. Als ehemalige Gehörlosenlehrerin und grosse Gönnerin des Projekts wird sie von allen Seiten beglückwünscht. 11


12 15. Mai, 14 Uhr: Es darf gerätselt und gekämpft werden Das erste Fontanafest lockt Gäste und Besucher aus der Umgebung und der ganzen Schweiz an. Grilliertes, Kuchen und Kaffee laden zum gemütlichen Plaudern und Verweilen ein. Ein Wettbewerb und eine Tombola sorgen dafür, dass viele Gäste reich beladen nach Hause gehen und die Kasse ausgeglichen abschliesst. Das Fontanafest soll nun alljährlich Anlass sein, dass sich Freunde, Neugierige und Mitwirkende treffen, zusammen essen, trinken und Ideen austauschen. Für die folgenden Jahre wird das Fontanafest auf den Nachmittag der Generalversammlung der Genossenschaft gelegt. 19. Juni, 10.30 Uhr: Die Genossenschaft wählt neue Vorstandsmitglieder Der Vorstand, der an seinen monatlichen Sitzungen jeweils wichtige Entscheidungen fällt, wird neu zusammengesetzt: Ernst Casty (hörend) tritt nach vielen Jahren Mitarbeit auf das Jahr 2000 zurück, René Rothmund (hörend) und Hans-Martin Keller (gehörlos) stellen ihr Amt im Jahr 2001 zur Verfügung. Neu dazu kommen 1999 Renate Matthews und im Jahr 2000 Hans Willi als Vertreter der Schwerhörigen. 2001 treten Klaus Notter und Hans Günther Radecke ein. 6. Juli, 9 Uhr: Der Lindner rollt bergauf Dank grosszügigen Beiträgen von Sponsoren kann der neue Transporter Unitrac Lindner der Genossenschaft feierlich übergeben werden. Auch die Presse ist anwesend. Später soll das Fahrzeug mit einem Schneepflug ausgerüstet werden. Wohl der beste Freund und Pfleger des Universalhelfers ist Johann-Josef Diezemann. Fast jede freie Stunde verbringt der Gehörlose in Passugg mit Transport- und Schneeräumungsarbeiten. Es wird weiter gebaut Das hübsche Nebengebäude direkt beim Haupthaus war einst der Wohnort der Familie Brüesch. Hier wurde Dorothea geboren, jene Frau, die den Hörbehinderten die ganze Liegenschaft vererbt und geschenkt hatte. Jetzt soll das Gebäude noch fertig ausgebaut werden und dem Betriebsleiter als Wohnung dienen. Es entstehen im untersten Stock ein zusätzliches Gästezimmer mit Dusche, im Mittelgeschoss Wohnzimmer und Küche, im Dachstock Schlafzimmer und Badezimmer. Die Einweihung findet am 3. Juni 2000 statt, bezugsbereit ist das Haus schon zum Millennium. 25. Juli: Jugend-Sportlager für gehörlose und schwerhörige Abenteurer In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gehörlosensportverband verbringen 20 hörbehinderte Jugendliche eine Woche im Bündnerland mit den verschiedensten Sportarten wie Inline-Skating, Mountainbiking, Canyoning, Klettern, Schwimmen und haben viel Spass dabei. 13. August, 16.30 Uhr: Prominenz zu Besuch Nationalrätin Brigitta M. Gadient aus Chur kommt zu einer Besichtigung und lässt sich über die Bedürfnisse von direkt Betroffenen informieren. Sie hatte schon zu ihrer Studienzeit Kontakt mit einem gehörlosen Mitstudenten und zeigt grosses Interesse an der Bildungsstätte. Wenige Wochen später, am 29. September, ist auch der Bündner Regierungsrat Claudio Lardi in Passugg zu Gast.


20. August, 18 Uhr: Am Churer Stadtfest erstmals aktiv dabei Die Zunft zur Rebleuten von Chur fragt in Passugg an, ob die Genossenschaft bereit wäre, gemeinsam am Churer Stadtfest ein Strassenrestaurant zu führen: Ausgerechnet Gehörlose und Schwerhörige in diesem Festtrubel? Es klappt. Mit 20 Leuten ist die Genossenschaft beim Auf- und Abbau, in der Küche, an der Bar und im Service aktiv. Noch viele Jahre, auch mit der Zunft zu den Schneidern als drittem Partner, ist die Genossenschaft jedes Jahr auf dem Pfisterplatz dabei. Besonderes Aufsehen erregt Lilly Kahler mit ihrer Gebärdensprachübersetzung der Musik. Aus dem Reinerlös geht jeweils eine stattliche Summe an die «Passugger». 28. August, 8 Uhr: Der Bagger fährt auf Auch nach der Eröffnung werden unzählige Frondienststunden geleistet. Neben den unermüdlichen Helferinnen und Helfern meldet sich der Lions Club Lenzerheide- Valbella alljährlich für einen Einsatz. Dank Fachleuten aus der Baubranche und den zur Verfügung gestellten Maschinen und Geräten kann die Gruppe anspruchsvolle Projekte anpacken und ausführen. Die Genossenschaft spart dadurch sehr viel Geld. Jeweils am Abend des ermüdenden Arbeitstages kommen auch die Familien der Handwerker zum gemeinsamen Nachtessen nach Passugg: Ein fröhliches Fest, das für alles entschädigt. 3. Oktober: Waschküche wird zu Dunkelkammer und Fotolabor Hobbyfotografen und -fotografinnen lernen im Foto- und Laborkurs für Schwarzweissfotografie ihre Filme selbst zu entwickeln und Abzüge zu machen. Dieser einwöchige Kurs wird in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Gehörlose Zürich organisiert und von Dieter Spörri und Salvatore Cicala geleitet. Die Nachfrage steigt... Die vielen Werbeanstrengungen, die gute Küche, die kompetente Betriebsleitung und das motivierte Team, aber auch die aktive Mund-zu- Mund-Propaganda helfen: Bis Ende des Jahres ist das Ziel von 1878 Übernachtungen erreicht. Der Betrieb ist auf dem steinigen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit ein schönes Stück weitergekommen. 30. Oktober, 17 Uhr: Die Älplibahn bringt hungrige Gäste zum Nachtessen An diesem herrlichen Herbsttag gönnt sich der Vorstand mit Ausschussmitgliedern, Angehörigen und Freunden einen Ausflug in die Bündner Herrschaft. Nach einem Spaziergang von Malans nach Jenins und zurück hievt die Älplibahn die Festgesellschaft hoch hinauf zur Bergstation. Auch hier oben ging es einst genau wie in Passugg darum, ein aussichtsloses Projekt auf die Beine zu stellen. Die Bahn konnte gerettet werden, die Bildungsstätte wurde gebaut. Erstaunlich, was Gleichgesinnte zu leisten imstande sind. 31. Dezember: Ein Viva auf Passugg! 63 Gäste feiern in Passugg das Millennium mit einem Feuerwerk, das den Übergang von 1999 zu 2000 symbolisiert. Ein grossartiges Fest! Auch das Geburtshaus muss als Massenlager erstmals Gäste aufnehmen. 13


Neue Arbeitsplätze für Hörbehinderte: Die Bildungsstätte beschäftigt Gehörlose, Schwerhörige und Ertaubte. Manche von ihnen steigen aus anderen Berufen aus und in Passugg ein. Lernen und Umdenken ist an der Tagesordnung, die Bildungsstätte bietet das ideale Umfeld dazu.


18. Februar, 9 Uhr: Die erste Strategietagung ist eröffnet Trotz häufigen Vorstandssitzungen fehlt immer die Zeit, um Ideen und Visionen zu formulieren und eingehend über Probleme zu reden. Der Vorstand einigt sich, unter kundigem Coaching zwei Tage lang in Klausur zu gehen. Eine Umfrage bei 110 Freunden und Gästen von Passugg ist eine gute Gesprächsgrundlage: Die Ergebnisse zeigen, was man bemängelt, schätzt und wo Verbesserungsmöglichkeiten realisiert werden können. Die Strategietagung wühlt vieles auf und führt leider auf verschiedenen Ebenen zu Krisen. Sie soll trotzdem jedes Jahr durchgeführt werden. 9. April, 18 Uhr: Persönlichkeitsbildung und Kommunikation Im Bildungsseminar, organisiert vom Schweizerischen Gehörlosenbund in der Bildungsstätte, beschäftigen sich die Gehörlosen mit Fragen zu ihrer Identität, zu Selbstvertrauen, Solidarität, Kommunikationskompetenz und vielem mehr. Nach einer Woche intensiver Auseinandersetzung gehen sie gestärkt und um eine Erfahrung reicher nach Hause. 10. April, 9 Uhr: Schulbesuch aus Chur Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Wirtschaftsmittelschule absolviert in der Bildungsstätte während einer Woche ein abwechslungsreiches Praktikum: Vorträge, Kurse, Mitarbeit im Haus und Umgebungsarbeiten stehen auf dem Programm. Da gleichzeitig das Bildungsseminar des Schweizerischen Gehörlosenbundes stattfindet, kann der Kontakt mit den Gehörlosen sofort geübt werden. Zum Abschluss überraschen die Schüler/ innen ihre Gäste mit einem selbst gekochten Mittagessen. 18. April, 16 Uhr: Kaffeeduft im Alpenblick Die tolerante und fürsorgliche Nachbarin der Bildungsstätte, Schwester Leni Thurnheer, feiert ihren 90. Geburtstag. Eine Delegation der Genossenschaft ist in der ehemaligen Pension Alpenblick zu Kaffee und Kuchen eingeladen. 9. Juni, 11 Uhr: Spenden und sehen, was daraus geworden ist Vertreter der Silva- Casa-Stiftung, die den Umbau des Geburtshauses grosszügig mitfinanziert hat, besuchen die Bildungsstätte und freuen sich an den Fortschritten. 2000 15


16 17. Juni, 10.30 Uhr: Paten für einheimische Pflanzen gesucht Das Fontanafest des Jahres 2000 bittet die 250 Besucherinnen und Besucher um einen grünen Beitrag. Ein Pflanzenkatalog mit genauen Preisangaben wird verteilt und alle kön- ler Spiele zieht die neue Wiese grosse und nen sich mit einer kleineren oder grösse- kleine Kinder jeden Alters an. Ein langes ren Pflanzenspende an der Begrünung Netz verhindert, dass die neuen Bälle stän- des Geländes beteiligen. 131 Spenden oder 13'000 Franken für Kräuter, Sträucher und sogar Bäume kommen zusammen. Die Hosang’sche Stiftung Plankis verpflichtet sich, die aufwändigen Umgebungsarbeiten mit einer Gruppe geistig behinderter Menschen zu übernehmen. Zünftig ersetzen Pferde und Schafe den Motormäher, die Tiere sorgen mit ihren Eskapaden aber auch für viel Aufregung in Passugg. dig talwärts entfliehen. 4. August: Eine knallgelbe Rutschbahn wird geliefert und montiert Endlich ist er fertig gebaut, der lang ersehnte Kinderspielplatz. Mit einer extralangen Rutschbahn, Basketballkorb, Hängematte, Kletterturm, Volleyballfeld und einer Kiste vol- 6. August: Heidi-Geschichte in Gebärdensprache In einer Ferienkurswoche des Schweizerischen Gehörlosenbundes treffen sich rund 10 Familien mit gehörlosen oder schwerhörigen Mitgliedern und ihren Kindern und tauschen sich zum Thema «Kommunikation in der Familie» aus. Auch kleinere Ausflüge und ein Fronarbeitstag stehen auf dem Programm der abwechslungsreichen Woche, und natürlich Geschichten und Spiele für die Kinder. 7. September, 12 Uhr: Die Golfbälle fliegen Ein Golflehrer, eine Gebärdensprachdolmetscherin und eine Gruppe Hörbehinderter – was braucht es mehr? Bei strahlendem Wetter findet in der Golfanlage Domat/ Ems der erste Golfkurs für Hörbehinderte statt. Ein Teil der Kurskosten wird grosszügigerweise vom Golfclub übernommen. Den Teilnehmenden scheint die Sache enorm Spass zu machen. 13. September, 11 Uhr: Einmal mehr Grund zum Jubeln Zum Anlass des 125- Jahre-Jubliäums der Winterthur-Versicherungen überreicht Direktor Gian Monsch der Genossenschaft einen grosszügigen Check.


16. September: Amors Pfeile wandern mit Eine Gruppe Wanderer, Gehörlose aus Berlin, verbringen in der Bildungsstätte ihren Sporturlaub. Viktor Buser begleitet die Gruppe auf den Wanderungen und lernt dabei seine spätere Partnerin Christine Karpowitsch kennen. 24. September: Computer und Wellness locken die älteren Gehörlosen Im Rahmen der Bildungsferien «50 plus» organisiert der Schweizerische Gehörlosenbund eine Woche für Gehörlose ab 50 Jahren in Passugg. Finanziell unterstützt wird der Kurs von der Genossenschaft. So kann sich daraus ein jährlich wiederkehrendes Angebot entwickeln, das immer mehr Interessenten anlockt. 21. Oktober, 17 Uhr: Die Hochzeitsglocken läuten Das kleine Glöcklein unter dem Dachgiebel der Bildungsstätte kommt endlich in einer wichtigen Sache zum Einsatz: Matilda Monn und Beat Wenger, beide hörend, geben sich in der Bildungsstätte das Jawort. Im Dachgeschoss gestaltet die Seelsorgerin Gisula Tscharner aus Feldis eine aussergewöhnliche Trauung, anschliessend geniesst die Festgesellschaft das Hochzeitsessen im Arvensaal. 27. Oktober, 8 Uhr: Acht Gärtner der Stadt Chur treten an Eine ganz spezielle Frondienstgruppe kommt nach Passugg zum Einsatz: die Stadtgärtnerei mit ihren Fachleuten. Im Rahmen ihrer Weiterbildung bauen die Gärtner oberhalb der Bildungsstätte am Waldrand ein Schulzimmer im Freien. Im Kreis mit 10 Metern Radius entsteht aus grossen Steinquadern ein Amphitheater, das fortan für Schulungen, Theater und stille Momente genutzt werden kann. Später wird das Schulzimmer ergänzt durch einen Sandsteinbogen von der Gehörlosenschule Zürich. 13. November, 7 Uhr: Es riecht nach Teer und Asphalt Die Zufahrtstrasse über die schmale Brücke und dann steil hinauf durch das kurze Waldstück ist zwar romantisch, im Winter aber auch sehr gefährlich. Unten tobt die Rabiosa durch die Schlucht und bei Glatteis könnte schnell einmal ein Unfall passieren. Der Vorstand beschliesst, ein erstes Wegstück zu asphaltieren und für den Winter Schneeräumungsgeräte anzuschaffen. Ein Baustein mehr Die kleine Spensa, das höchstgelegene Gebäude der Häusergruppe auf dem Riedwiesli, erhält kurz vor dem Einsturz erste Hilfe. Das morsche Holz wird abgetragen und durch einen neuen Holzaufbau mit einer Lärchenholzfassade ersetzt. Später soll das schmucke Gebäude einmal für Freizeit und Wellness eingerichtet werden. 1. Dezember: «Götti» Siegrist wird 100 Jahre alt Der hochbetagte Freund, in früheren Jahren Bündner Flugpionier und Militärpilot, feiert mit einer grossen Zahl von Verwandten, Freunden und Bekannten seinen runden Geburtstag. Als krönender Abschluss des Festes wird eine freiwillige Sammlung zu Gunsten der Bildungsstätte durchgeführt. Herzlichen Dank! 17


Lange musste die Gestaltung der Umgebung warten, doch im Jahr 2000 packt der Gartenfachmann Felix Urech, Vizepräsident der Genossenschaft, die Aufgabe mit Fachleuten und Maschinen an. Aus verschiedenen Erdbewegungen formt sich langsam eine harmonische Geländegestaltung. Wasserläufe mit Pflanzenbeeten und ein grosses Gartenschachbrett entstehen. Das spezielle Mikroklima rund um die Bildungsstätte verlangt eine sorgfältige Planung bei der Bepflanzung.


Mehr Arbeit, mehr Fachleute Die bisherigen Ausschüsse BISS (Bildungsausschuss), BESS (Betriebsausschuss) und BASS (Bauausschuss) werden um zwei neue Arbeitsgruppen erweitert: MISS ist fortan zuständig für Mittelbeschaffung und Öffentlichkeitsarbeit, FISS für alle finanziellen Belange. Die Ausschüsse tagen an 3-4 Sitzungen pro Jahr und legen dem Vorstand für die Genehmigung neuer Projekte detaillierte Entscheidungsgrundlagen vor. Jeder Ausschuss wird geleitet von einem Vorstandsmitglied. Ein anspruchsvolles Vorhaben: Der Stallumbau Im langgezogenen grossen Stallgebäude am unteren Waldrand sind zurzeit Geräte und Fahrzeuge eingestellt. Eigentlich schade, denn die Bildungsstätte bräuchte dringend einen weiteren Gemeinschaftsraum. Der Arvensaal, der auch zum Essen genutzt wird, kann jeweils nur von einer Gruppe belegt werden. Dadurch sind Doppelbelegungen kaum möglich und oft bleiben viele Zimmer leer. Leider liegt das Gebäude in der Landwirtschaftszone und lässt sich nicht umnutzen. Die Abklärungen mit Gemeinde und Kanton werden in Gang gebracht. Der Jurist Dr. Urs Zinsli und der Architekt Ernst Casty setzen sich für das langfristige Projekt ein. 6. Mai, 11 Uhr: Der Spazierweg Chur- Araschgen wird eingeweiht Auch die Bildungsstätte beteiligt sich an der feierlichen Einweihung des neuen Spazierweges, der von Chur St. Hilarien bis zum Araschgerrank führt und einen herrlichen Blick über die Stadt ermöglicht. Viktor Buser ist mit einem Stand am Weg anwesend und erklärt den Spaziergängern Sinn und Zweck der Bildungsstätte. Viele interessieren sich für die Kommunikationswelt der Hörbehinderten. Mitte Mai: Die erste Hauszeitung wird verpackt und verschickt Geplant sind 4 bis 8 Seiten, aber es werden 12, später sogar 16: Die Hauszeitung soll in Zukunft zweimal jährlich über alle Neuigkeiten der Bildungsstätte berichten. Die Gestaltung von Rolf Zimmermann und die lebendigen Artikel von vielen Autorinnen und Autoren kommen gut an. Verschiedene Inserenten erklären sich spontan bereit, das neue Projekt zu unterstützen. 2001 20. Juni, 9 Uhr: Ein geschenkter Arbeitstag trifft in Passugg ein Unermüdlich melden sich jene, die mit Muskelkraft und Ideen einen Beitrag leisten wollen. So zum Beispiel der Bündner Gehörlosenverein, der immer wieder zum Frondienst antritt. Mit einem einmaligen Geschenk überrascht die Firma Tecan aus Männedorf die Bildungsstätte: 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schenken der Bildungsstätte einen Arbeitstag. Sogar der Buschauffeur, der die Gruppe zu ihrem anstrengenden Einsatz fährt, packt beim Holzspalten an. 19


20 2. Juli, 11.30 Uhr: Die Hörbehinderten stossen auf ihre Ferienwoche an In der Ferienwoche mit Agnes Isenschmid lassen sich die Gäste auf alle Arten verwöhnen, körperlich in der Morgengymnastik, seelisch in der Sternstunde, sozial im Beisammensein und kulinarisch dank der guten Küche. Grund genug, dass die Teilnehmenden jedes Jahr wieder kommen. 11. August: Musik erfüllt Fontana Für ein ganz anderes Stimmungsbild sorgt die Kammermusikwoche der Gruppe Medici aus Basel. Sie erfüllt Haus und die Umgebung mit Musik und lässt verschiedene Instrumente erklingen. Im Gedicht im Gästebuch steht treffend: FONTANA – er- quickend die Hülle für Körper und Geist. Diese Gruppe wird das Haus Fontana noch einige Male besuchen. 22. Oktober, 10 Uhr: Aus der Druckerei treffen die ersten Weihnachtskarten ein Eine zweite Neuerung soll die traditionelle Weihnachtsspendenaktion beleben: Zwei grosszügige Weihnachtskarten mit blühenden Christrosen werden gedruckt und mit Couverts an alle verschickt, die Pas–sugg bisher unterstützten. Das Dankeschön kommt gut an, es gibt viele Nachbestellungen. Schon im November sind die 12'000 Karten ausverkauft und müssen nachgedruckt werden. Die Spenden übersteigen trotz der Mehrkosten für den Kartendruck die bisherigen Spendenresultate. 27. Oktober, 15.30 Uhr: Startschuss für den Churer «Pumpilauf» Samuel Wullschleger und Patrick Stebler gehen für die Bildungsstätte ins Rennen. Sie schaffen in 20 Minuten nicht weniger als 4'800 Meter und räumen das Spendenkonto zu Gunsten der «Passugger» kräftig ab. Ein toller Anlass, bei dem Personen aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik für gemeinnützige Institutionen laufen. 30. Oktober: Andreas Janner beendet das dreijährige Bildungsprojekt Mit einer erfolgreichen, aussagekräftigen Bilanz für die Zukunft verabschiedet sich Andreas Janner. Der Vorstand entscheidet, das Bildungsangebot in Passugg aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnis–sen – weiter zu führen. Andreas Janner tritt beim Schweizerischen Gehörlosenbund Deutsch- schweiz in Zürich eine neue Stelle an, bleibt aber Passugg als Leiter des Bildungsausschusses und später auch als Vorstandsmitglied treu. 4. November, 19 Uhr: der erste Curlingstein schiebt sich ins Haus Ausgestattet mit Besen und allerhand guten Ratschlägen trifft sich der Vorstand zum ersten Weihnachtscurling in Flims. Das Spiel auf dem Eis macht so viel Spass, dass daraus für die nächsten Jahre eine Tradition wird. Das Weihnachtsessen muss in Zukunft mit harter Arbeit auf dem Eis verdient werden. 26. November, 10 Uhr: Der Schnee darf kommen! Am Transporter Unitrac Lindner wird der Schneepflug montiert. Leider kommt er in diesem ersten Winter kaum zum Einsatz, dafür bewährt er sich umso mehr in den nachfolgenden Jahren.


Immer mehr und sehr zufriedene Gäste aus nah und fern finden den Weg nach Passugg. Dem ganzen Betriebsteam unter der Leitung von Viktor Buser ist es zu verdanken, dass es in diesem Jahr zu Rekordbelegungen kommt. Die Aufbauarbeit und das unermüdliche Engagement von allen Seiten hat sich gelohnt. 21


2002 22 3. Januar, 8 Uhr: Neuer Impuls für das Bildungsprojekt Für Gisela Riegert, bisher im Betrieb tätig, beginnt eine spannende neue Aufgabe: Sie führt das zweite Bildungsprojekt mit einer 30%-Stelle weiter. Nach kurzer Einarbeitungszeit wird schon bald wieder ein attraktives, wenn auch viel kleineres Bildungsprogramm angeboten. 1. Februar, 10 Uhr: Die Küchenhoheit wechselt erneut Ab Februar 2002 übernimmt Kurt von Arb die kulinarische Leitung und löst somit Räto Camenisch in der Küche ab. Er verwöhnt die Gäste mit seiner originellen, naturnahen Küche. 7. Februar, 10.30 Uhr: Der Kaufvertrag für das Haus Hof Brugg ist unterzeichnet Das kleine Häuschen an der Auffahrt zur Bildungsstätte neben den Passugger Heilquellen AG wird der Genossenschaft zu einem sehr tiefen Preis zum Kauf angeboten. Verschiedene Abklärungen zeigen, dass die Anschaffung langfristig wichtig ist. Nach einer kurzen Umbauphase be–zieht eine Gruppe von Schülern der Hotelfachschule die Zimmer. So können die Kosten gedeckt werden und das Haus steht als Reserve zur Verfügung. 21. März, 20 Uhr: Der Film läuft An der Vorstandssitzung in Zürich präsentieren Christa Notter und Stanko Pavlica ihren Videofilm, den sie im Auftrag der Genossenschaft über die Bildungsstätte gedreht haben. Der Film, der bewusst ohne Ton gedreht wird, dauert rund 12 Minuten und steht nach Beendigung der Schnittarbei–ten allen Interessierten auf Video oder DVD zur Verfügung. 25. April, 12 Uhr: Gegessen wird in zwei Schichten Mit 97 Mitgliedern besucht der Bündner Senioren- und Rentnerverband die Bildungsstätte und gönnt sich ein feines Mittagessen. Das Betriebsteam meistert diese Herausforderung mit Bravur und erhält viele Komplimente. Auch die Spendenkasse bleibt am Abend mit einem gefüllten Bäuchlein zurück.


14. Juni, 15 Uhr: Der neue Bildungsausschuss tagt Mit Agnes Isenschmid kommt eine sehr erfahrene Audioagogin ins Team. Sie hat Passugg bereits vorher ideell und materiell unterstützt und kennt die Belange der Hörbehinderten sehr gut. Im BISS vertritt Hans Willi die Schwerhörigen und Ertaubten, während Andreas Janner wie bisher die Seite der Gehörlosen mit seinem reichen Erfahrungsschatz vertritt. Ergänzt wird der Ausschuss durch Rolf Zimmermann, Präsident der Genossenschaft, sowie durch die Bildungsbeauftragte Gisela Riegert und durch den Betriebsleiter Viktor Buser. 15. Juni, 16 Uhr: Das umgebaute Chalet kann eingeweiht werden An der Generalversammlung ist es schon fast Tradition, dass ein weiterer Baustein der Bildungsstätte zur Nutzung übergeben wird. Diesmal ist es das Chalet oberhalb der Terrasse der Bildungsstätte. Der Kellerraum wird weiterhin als Bar für die bereits traditionellen Feste in Passugg genutzt, der erste Stock mit seinem schmucken Balkon steht als Werkraum und im Winter für Tischtennis zur Verfügung. Eine weitere Attraktion steht auf dem Programm der Generalversammlung: Alle ehemaligen Vorstandsmitglieder erhalten als Dank für ihren Einsatz eine Miniatur der Skulptur von Edy Werlen. Die Bildungsstätte kann auf treue Patinnen und Paten zählen Grosszügige Menschen, die oft aus Bescheidenheit auf je- den Wirbel verzichten möchten, unterstützen Passugg regelmässig mit grosszügigen Beträgen oder überlassen der Bildungsstätte einen Teil ihres Vermögens. Dank dieser Wunder können immer wieder bedeutende Meilensteine in der Entwicklung erreicht werden. 1. Juli, 17.30 Uhr: Erste Sitzung des Jubiläums-OKs Das zehnjährige Jubiläum der Genossenschaft Fontana Passugg soll im Jahre 2003 gebührend, aber in bescheidenem Rahmen gefeiert werden. Es wird unter das Motto «10 Jahre bergauf» gestellt. Eine Arbeitsgruppe einigt sich auf 10 verschiedene Anlässe und beginnt mit den Vorbereitungen. 3. August: Auf den Spuren der Indianer Das beliebte Kinderlager des Schweizerischen Gehörlosenbundes SGB findet wieder in Passugg statt. Das diesjährige Thema: «Auf den Spuren der Indianer». Hörende, gehörlose und schwerhörige Kinder geniessen herrlich wilde Tage in Passugg. Höhepunkt ist die Aufrichtung des geschnitzten und bunt bemalten Totempfahls. Das Defizit wird grosszügigerweise von einer Versicherungsgesellschaft übernommen. 14. September, 17 Uhr: Die Küchenschürzen werden umgebunden Im Keller des ehemaligen Fläscher Bades treffen sich Vorstandsmitglieder und die Mitwirkenden des Betriebs mit ihren Familien zu einem aussergewöhnlichen Herbstfest. Das Los entscheidet, wer mit wem nach welchem Rezept kochen oder Aperitif, Buffet und Grilladen vorbereiten muss. Nach getaner Arbeit geniessen alle den herrlichen Herbstabend. 23


24 11. Oktober: «Rede mit Händ und Füess» Ein spannendes neues Angebot im zweiten Bildungsprojekt ist das LBG-Wochenende (lautsprachlich begleitendes Gebärden) mit der Audioagogin Monika Jeger. Es findet sofort regen Anklang. 14 Teilnehmende üben sich im Gebärden und wenden das Gelernte gleich in der Kommunikation mit den gehörlosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bildungsstätte an. Probleme im Betriebsteam Im Betriebsteam brechen aus verschiedenen Gründen Konflikte auf. Der Betriebsleiter und die Mitarbeitenden sind aus eigener Kraft nicht in der Lage, zur alten Kollegialität zurück zu finden. Die erfahrene Fachfrau Verena Gamper übernimmt das Coaching und betreut die Gruppe ein Jahr lang. 16. November, 15 Uhr: Höchste Gefahr! In letzter Minute gelingt es den Mitarbeitenden des Betriebs, die Brücke über die tosende Rabiosaschlucht zu überqueren, dann scheint der Himmel die Schleusen zu öffnen. Der Betriebsleiter, Felix Urech und sein Sohn kämpfen bis in die Morgenstunden mit den Wasserfluten. Doch Passugg hat einmal mehr Glück: Während andernorts riesige Schlammlawinen schwere Schäden verursachen, kommt die Bildungsstätte glimpflich davon. Die Telefonleitung bleibt eine Woche lang unterbrochen. Alle sechs angebotenen Kurse erfolgreich durchgeführt Nach der Übergabe der Bildungsarbeit von Andreas Janner an Gisela Riegert wird im Jahr 2002 lediglich ein «Notprogramm» herausgegeben. Überraschend kommen aber alle sechs ausgeschriebenen Kurse zustande und können mit Erfolg durchgeführt werden. Für das Jahr 2003 ist wieder ein umfangreicheres und vielseitigeres Kursprogramm im Druck. 29. November, Dämmerung: Die Lichter am Weihnachtsmarkt in Chur leuchten Die Genossenschaft nutzt die wunderschöne Vorweihnachtsstimmung in Chur, um an einem eigenen Stand Weihnachtskarten und Weihnachtsguetzli zu verkaufen, aber auch um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Der Stand wird von der gehörlosen Dekorateurin Anja Meier geschmückt. Viele Marktbummler interessieren sich für die Bildungsstätte, Gebärdensprachkurse und das Bildungsangebot. Auch diese Neuerung bringt so viel Positives, dass sie im kommenden Jahr fortgeführt wird. Neuer Rekord zum Jahresende Mit 3'187 Übernachtungen ist ein neuer Jahresrekord erreicht. Die Bildungsstätte kann erstmals eine Bettenauslastung von 30% ausweisen. Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr geht ein grosser Gästewunsch in Erfüllung: Ab sofort stehen 6 neue Ansichtskarten kostenlos zur Verfügung.


Eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Schwerhörigen bahnt sich an. Nach langen Jahren der Zurückhaltung auf beiden Seiten können endlich neue Kontakte mit Schwerhörigenorganisationen geknüpft werden. Die alten Vorwürfe scheinen zwar noch nicht vergessen zu sein, aber dank vernünftig denkenden Menschen kommen gute Gespräche und Ideen zusammen. Das Bildungsprogramm und die Einrichtung der Bildungsstätte sollen von jetzt an vermehrt auch den Bedürfnissen der Schwerhörigen angepasst werden. 25


2003 26 23. Januar, 17.30 Uhr: Ein Höhepunkt für Konfirmanden Eine Konfirmandenklasse aus Chur mit Pfarrerin Frau Cornelia Camichel besucht die Bildungsstätte. Zwei jugendliche Gehörlose reisen extra von Zürich an und erzählen aus ihrem Leben als Gehörlose und wie sie die Herausforderungen des Lebens meistern. So still ist es selten in einem Konfirmandenunterricht, ein eindrückliches Erlebnis für alle. 14. Februar, 19 Uhr: Die Tomatencrèmesuppe ist serviert Mit einem festlichen Nachtessen feiert der Vorstand mit den Gründerinnen und Gründern den 10. Geburtstag der Genossenschaft Fontana Passugg. Die intensive Arbeit hat sich gelohnt: Nach 10 Jahren harter Arbeit ist aus dem baufälligen Pensionsgebäude ein kleines, entwicklungsfähiges Unternehmen herangewachsen. Viele Träume wurden erfüllt, manche Erwartungen mussten korrigiert werden, aber alle sind sich einig: es ist gut, dass es die Bildungsstätte gibt. 15. Februar, 18 Uhr: Ein Aufsehen erregender Auftakt Der Andrang im Stadttheater Chur ist zwar alles andere als gross, aber dennoch wird der Abend für viele unvergesslich. Dank einer eigens für das Konzert installierten Ringleitung und der engagierten Gebärdensprachdolmetscherin Ursina Bärtsch-Senn ist es auch den Hörbehinderten möglich, das Konzert mit zu erleben. Die bekannte Pianistin Veronica Jochum-von Moltke begeistert mit ihrem Programm «von Bach bis Bauhaus und danach» und erhält langen Applaus. Bei diesem Anlass wird auch der neue Kurzfilm über Passugg erstmals offiziell gezeigt. 1. März: «24 hours surrounded by English was great!» First English Retreat – sechs Gehörlose und Schwerhörige nehmen am ersten rundum englisch angehauchten Wochenende teil: englisch sprechen, englische Spiele am Abend, englisches Essen und englische Kultur prägen die zwei Tage. Auch die beiden Leiterinnen Karin Arquisch und Siv Fosshaug sind sehr zufrieden mit diesem ersten Versuch: «It was fun to teach in Passugg, thanks to the cook for the wonderful food.» Und die Teilnehmenden? «To fresh up is always a good thing.» 8. März: Rhythmus und Perkussion Hö- –ren oder spüren oder beides – je nach Hörstatus erleben die 10 Teilnehmenden das Trommelwochenende mit Reto Jäger verschieden. Die Mischung aus hörenden und hörbehinderten Menschen jeglichen Alters gibt einen faszinierenden Hintergrund und vereint alle Stimmen zu einem Ensemble mit durchdringender, tragen-


der Kraft. Die Trommeln und anderen Rhythmusinstrumente werden am eigenen Körper erfahren. Für manch Hörbehinderten oder Ertaubten ist Trommeln eine Fortsetzung der musikalischen Vergangenheit – auf eine neu entdeckte Art. 28. April, 7.30 Uhr: Jenny tritt zu ihrem ersten Schultag in Chur an Seit dem 15. April sind sie da, die Partnerin des Betriebsleiters Christine Karpowitsch und ihre beiden Kinder. Christine arbeitet zukünftig als Leiterin der Hauswirtschaft, Jenny geht in Chur zur Schule und die 5jährige Lisa besucht vom August an den Kindergarten in Araschgen. 24. Mai: Die Delegierten des Gehörlosenbundes Deutschschweiz treffen ein Nach ihrer Delegiertenversammlung im Grossratssaal in Chur mit anschliessender Verleihung des KUBI-Preises treffen 47 Delegierte zum Abendprogramm mit Imbiss in der Bildungsstätte ein. Viele sind erstmals in Passugg und nutzen die Gelegenheit, das Gemeinschaftswerk zu bewundern. 13. Juni: Nicht nur Unterstützung, sondern auch lebhaftes Interesse Diesmal sind es Vertreter der Max Bircher-Stiftung, die sich vor Ort mit der Bildungsstätte und ihren Bedürfnissen auseinandersetzen. Seit 1997 haben auch Stiftungsratsmitglieder der Grütli-Stiftung, der Frieda-Locher- Hofmann-Stiftung, der Dr. Jean-Stieger- Stiftung, der Zett-Meyer-Jubiläumsstiftung und der Pfirsichblüten-Stiftung das Werk der Hörbehinderten besichtigt. 13. Juni, 11 Uhr: Rolf Zimmermann begrüsst 51 Gäste und die Presse Bei strahlendem Wetter präsentiert sich die 10jährige Bildungsstätte in bestem Licht. Zahlreiche Gäste, darunter auch der Stadtpräsident von Chur, sind anwesend. Nach verschiedenen Kurzreferaten von Hörbehinderten und Gästen geniessen alle den Aperitif und das anschliessende Mittagessen. Einer der Höhepunkte: Der Lionsclub International Schweiz/Liechtenstein schenkt der Genossenschaft zum Geburtstag 10'000 Franken. 14. Juni, 18 Uhr: Get together Nach der Jubiläums-Generalversammlung am Vormittag und dem Fontanafest am Nachmittag findet erstmals auch das Quartierfest Araschgen in und um die Bildungsstätte statt. Das Quartier freut sich, dem wachsenden Dorfteil «Riedwiesli» näher zu kommen. Leider muss das Feuerwerk wegen Brandgefahr abgesagt werden – und wohl gerade deshalb feuert Petrus am Abend einige Regengüsse ab. 28. Juni, 20 Uhr: Die sechste Deaf Disco ist eröffnet Auch dieses Fest ist nach dem sechsten Durchgang bereits fest in allen Kalendern eingetragen. Obwohl die Partyzelte diesmal wegen dem launischen Wetter auf- und abgebaut werden müssen, bis es endlich nicht mehr regnet, ist die Stimmung bis morgens um 4 Uhr grossartig. Im Keller und im Obergeschoss des Chalets trifft man sich an der Gebärdenbar. 100 Gäste machen mit, 50 davon übernachten in der Bildungsstätte und im Haus Hof Brugg. 27


28 14. August, 9 Uhr: Mitarbeiterschulung zur neuen Internetseite Im Auftrag der Genossenschaft hat der gehörlose Internetspezialist Gregor Maier aus St. Gallen eine neue Internetseite gestaltet. Aufgeschaltet ist sie bereits seit einigen Wochen, jetzt geht es um die Verwaltung und Pflege der Homepage. Denn «www.bildungsstaette.ch» soll in Zukunft aktuell, aussagekräftig und überzeugend über Passugg informieren und berichten. 29. August, 11 Uhr: Thomas Schmidhauser besucht die Bildungsstätte Der neue Geschäftsführer von pro audito schweiz, Thomas Schmidhauser, ist nach einer Hausbesichtigung und einem währschaften Mittagessen sehr beeindruckt von Haus und Umgebung genauso wie von dem einmaligen Werk, das in Selbsthilfe gewachsen ist. Der Grundstock für eine neue, aktive Zusammenarbeit wird gelegt. 15. September, 10.15 Uhr: Besuch aus Chur Der Regierungsrat Martin Schmid und Andrea M. Ferroni, Vorsteher des Bündner Sozialamtes, besuchen die Bildungsstätte und informieren sich über die Entwicklungen. 11. Oktober: Frondienstmitwirkende auf dem Parpaner Rothorn Eingeladen zu dieser letzten Jubiläumsaktivität sind all jene, die zur stattlichen Zahl von mehr als 35’000 Frondienststunden in Passugg beigetragen haben. Nach dem Mittagessen auf dem Gipfel erreichen die letzten tapferen Wanderer die Bildungsstätte um 18 Uhr. Ein Aperitif und ein feines Nachtessen entschädigen für all die Mühe – die Stimmung ist grossartig. 25. Oktober, 15 Uhr: Eine Bündner Winzerin empfängt Weinfans aus Passugg Aus welchen Trauben wird ein Completer gemacht? Und zu welchen Speisen passt ein Freisamer? Mit solch genüsslichen Fragen setzen sich die 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Jubiläumskurses «Bündner Weine – Bündner Küche» mit Renate Matthews während zwei Kurstagen auseinander. Bei strahlendem Herbstwetter ist denn auch der Besuch in Jenins ein Erlebnis für alle Sinne. 1. November: Eine gelungene Premiere für die Schwerhörigen Zum 10-jährigen Jubiläum sind Familien und Interessierte zu einem «Tag der Schwerhörigen» in die Bildungsstätte eingeladen. Nach dem offerierten Mittagessen wählen die rund 45 Gäste jeden Alters ihr Programm selber: Räbaliechtli schnitzen oder Jassmeisterschaft, Hausführung und Besichtigung der Liegenschaften. Dazu Beatrice Loeffler: «Wir danken dem ganzen Team herzlich für diesen unvergesslichen Tag mit wunderbaren Gesprächen und Diskussionen. Beeindruckend war für uns, Menschen zu begegnen, die sich mit der Schwerhörigkeit auseinandersetzen und nach Lösungen suchen wollen. Wir freuen uns auf weitere konstruktive Gespräche!»


November: Aus für das Passugger Schachturnier Nach sechs erfolgreich durchgeführten Schachturnieren in Passugg mit speziellen Preisen wie Bündner Alpkäse und Bündner Nusstorte nimmt diese Ära leider ein Ende. Zu viele Schachveranstaltungen verteilt in der Schweiz führen zu einem Überangebot. 8. November, 10.15 Uhr: Für die Swiss Marketing Trophy nominiert! Unter sieben Mitbewerbern der Kategorie Nonprofit-Organisationen sind es zwei, die es bis in den Final in Fribourg geschafft haben: Die Bildungsstätte mit ihrem Projekt «10 Jahre bergauf» und das Postmuseum in Bern. Bei der Preisverleihung im Januar landet die Genossenschaft dann auf dem ehrenvollen zweiten Platz. 19. Dezember, 9 Uhr: Die Pension Alpenblick eröffnet neue Perspektiven Im Alter von 93 Jahren stirbt die Nachbarin der Bildungsstätte, Schwester Leni (Magdalena Thurnheer). Als erste wird die Genossenschaft angefragt, ob ein Kaufinteresse besteht. Da die Bildungsstätte in vielen Bereichen aus allen Nähten platzt und mehr Räume benötigt, steht die Antwort nach kurzer Diskussion fest: Ja. Das Haus mit den 12 Zimmern und dem wunderschön altmodischen Teesalon gehört ab heute zur Bildungsstätte. 29


30 Das Jubiläumsmotto «10 Jahre bergauf» erzählt vom Weg, den wir gegangen sind, manchmal bedrückt von Sorgen, aber auch immer wieder beschwingt und optimistisch. Das Jubiläum lässt uns innehalten und zurückblicken auf ein Projekt, in dem die verschiedenen Kulturen der Gehörlosen, Schwerhörigen, Ertaubten und der Hörenden versuchen, einen gemeinsamen Weg zu finden und Brücken zu schlagen.


1. Februar: Einschneidende Veränderungen im Betriebsteam Das Jahr 2004 wird ein unruhiges Jahr für das Betriebsleiter-Paar. Bereits seit letztem Frühling arbeitet Christine Karpowitsch als neue Hauswirtschaftsleiterin in der Bildungsstätte. Die langjährige Mitarbeiterin Gisela Riegert scheidet jetzt aus dem Betriebsteam aus und übernimmt andere Aufgaben für die Genossenschaft – unter anderem die Redaktion und Gestaltung der Fontanazeitung. Auch den Koch Kurt von Arb treffen die betrieblichen Veränderungen und er scheidet aus dem Team aus. Das ganze Jahr ist geprägt von Wechseln und Arbeiten mit Aushilfen. 9. März, 9.30 Uhr: Valentin Kessler testet die neue Ringleitung Nach kritischen Rückmeldungen von Schwerhörigen und CI-Träger/innen zur vorhandenen Ringleitung und Raumakustik erarbeitet Valentin Kessler aus Masein ein neues Beschallungskonzept für die Innenräume, Terrasse, Bar und Chalet. Das Projekt soll in Etappen realisiert werden. Jeder Kursraum wird mit einer Schlaufe und einem eingemessenen Verstärker ausgestattet. So kann die international vorgeschriebene Norm erfüllt und eine hohe Qualität der Ringleitung garantiert werden. 1. Mai, 9 Uhr: Die Bündner Gehörlosen zeigen Ausdauer Regelmässig tritt der Bündner Gehörlosenverein zum Frondienst an, dieses Mal wieder zusammen mit dem Gehörlosen Club Zürich. Die alten Möbel der Pension Alpenblick werden aufgefrischt und die Zimmer damit gemütlich eingerichtet. Auch die Umgebung des Alpenblicks und des Stalles wird herausgeputzt. 21. Mai, 15 Uhr: Die Hochzeitsglocken läuten abermals in Passugg Nach der Trauung in Churwalden treffen Viktor Buser und seine Frau Christine mit Kindern in der Bildungsstätte ein, wo eine grosse Gästeschar sie bereits erwartet. Bei einem Aperitif stossen Vorstandsmitglieder der Genossenschaft und Freunde auf das Glück der jungen Familie an. Der lang gehegte Wunsch des Vorstandes nach einem Betriebsleiterehepaar ist in Erfüllung gegangen. 2004 31


32 12. Juni, 9.30 Uhr: Die 11. Generalversammlung wird eröffnet Wieder stehen Veränderungen an: Renate Matthews, inspirierendes Mitglied des Vorstandes und hochgeschätzte Texterin, legt eine verdiente Pause ein. Zu ihrer Nachfolgerin wird Verena Gamper aus Winterthur gewählt und herzlich willkommen geheissen. Auch für Hans Willi, der aus beruflichen Gründen im selben Jahr aus dem Vorstand austritt, muss Ersatz gefunden werden. Generell wird eine «Verjüngung» des Vorstands als wünschbar erachtet und angestrebt. 12. Juni, 12.30 Uhr: Das Spiel mit dem Feuer Am Nachmittag wartet das traditionelle Fontanafest mit einer besonderen Attraktion auf: Raku-Keramikschalen- Brennen für die Festbesucher/innen. Stefan Jakob bewahrt dabei trotz Hitze einen kühlen Kopf. Und ab 14 Uhr werden nicht mehr gebrauchte Möbel aus der ehemaligen Pension Alpenblick zum Verkauf angeboten. Der Erlös von Fr. 14'000 wird für die hörbehindertengerechte Ausstattung des Saales im Haus Alpenblick verwendet. 28. Juni, 10 Uhr: Internationaler Kulturaustausch und Sozialeinsatz Eine Woche lang leistet eine international gemischte Gruppe von jungen Erwachsenen einen Freiwilligeneinsatz der besonderen Art. Vermittelt werden sie vom Verein «Work- camp Switzerland». Die sechs jungen Leute aus Griechenland, Korea, den USA und der Schweiz helfen bei der Montage der neuen Baumstamm-Leitplanken und bei verschiedenen Arbeiten in und um das Haus Alpenblick. Dank allseitiger Zufriedenheit wird es auch im nächsten Jahr einen solchen Einsatz geben. 2. August, 11 Uhr: Ein neues Experiment: Familienkurs für Hörbehinderte Alle Generationen sind im Verständigungstraining für Familien vereint: die jung gebliebene Grossmutter, hörbehinderte Mütter, hörende Partner, eine jugendliche Familienhelferin, und insgesamt 15 hörende Kinder aller Altersstufen. Bei diesem neuen Projekt unter der Leitung der Audioago- gin Monika Jeger soll die ganze Familie in die «Rehabilitationsmassnahmen» für Hörbehinderte mit einbezogen werden und vom Erfahrungsaustausch profitieren. 9. August, 11.30 Uhr: Raku – eine japanische Keramikkunst Stefan Jakob, Leiter des Ateliers Keramik & Animation in Zürich, führt die 7 Teilnehmenden der Rakuwoche in die Kunst des Töpferns und Brennens mit einfachen Mitteln ein. Raku bedeutet auf japanisch: «Freude an der Musse». Ein schönes Motto für eine Kurswoche in den Bündner Bergen. Stefan Jakob gelingt es auf wunderbare Weise, die beiden hörbehinderten Kursteilnehmenden in die Gruppe zu integrieren.


11. September, 14 Uhr: Der Filmemacher und Fotograf Phil Dänzer lädt zum Fotokurs ein Der schwerhörige Kursleiter behandelt das faszinierende Thema «Schärfe und Unschärfe als fotografische Gestaltungsmittel». Dem Anliegen, dass Menschen mit unterschiedlichen Hörbehinderungen dem Kurs gut folgen können, schenkt er besondere Aufmerksamkeit. Die Infrastruktur der Bildungsstätte und die gut vorbereiteten Gebärdensprachdolmetscherinnen Ursina Bärtsch-Senn und Karin Arquisch tragen wesentlich zur Erreichung dieses Zieles bei. Passugg erweist sich einmal mehr als ein wertvoller Ort der Weiterbildung für hörbehinderte Menschen. Dazu Kursteilnehmer Norbert Wittasek aus Wien: «Alles ist absolut optimal – wenn wir es nicht erlebt hätten, müsste man es erfinden!» 3. November, 9 Uhr: Neue Weihnachtskarten werden verpackt Zwei zauberhafte Winterstimmungen am Caumasee und in der Rabiosaschlucht prägen die neuen Weihnachtskarten. Es sind Fotosujets, die Phil Dänzer in der nahen Umgebung der Bildungsstätte aufgespürt hat. Und es sind Stimmungen, die hörbehinderte Menschen mit den Augen erleben. November: Im Haus Alpenblick erwacht neues Leben Eine neu gebildete Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten des Hauses. Vorläufig wird es daher nur sanft renoviert, so dass die Räume für Schulung und bei Engpässen im Haupthaus nutzbar sind. Verschiedene Frondienstgruppen treten wieder zum Einsatz an und unterstützen die Räumungs- und Umbauarbeiten im Haus Alpenblick. Wenn das Gesamtkonzept einmal feststeht, wird das wiederum heissen: Ein neues Abenteuer, ein neues Kapitel der Genossenschaft Fontana Passugg beginnt. Und auch für die Chronik heisst das: Fortsetzung folgt. 33


Dieses Jahr geht im Bildungsbereich als eines der besten in die Bücher ein. Dass Teilnehmer/innen mit ganz unterschiedlichem Hörstatus diesen Kursen folgen können, ist zur speziellen Stärke der Passugger Bildungsstätte geworden. Auch thematisch ganz neue Kurse wie «Archive, die Inseln unserer Erinnerungen» finden Anklang und die Leiterin Silke Redolfi dankt für das wunderbare Geschenk, das wir ihr in der Begegnung mit gehörlosen Menschen gemacht haben. Lichtblicke gibt es immer wieder.


Ende 2004 zählt die Genossenschaft 392 Mitglieder, das Genossenschaftskapital beträgt 385'500 Franken und die Frondiensteinsätze haben 35'500 Stunden überschritten. Der Vorstand Rolf Zimmermann, Uerikon (seit 1993) Felix Urech, Chur (seit 1993) Frieda Hauser, Zürich (1993 bis 1996) Jürg Zinsli, Chur (1993 bis 1998) Ernst Casty, Chur (1993 bis 1999) Alfredo Isliker, Adliswil (1993 bis 1996) Edy Wullschleger, Chur (1993 bis 1999) Viktor Buser, Küttigen (1996) René Rothmund, Chur (1996 bis 2000) Irma Götz, Zürich (1997) Andreas Janner, Horgen (1997 bis 1998, seit 2002) Hans Martin Keller, Schaffhausen (1998 bis 2000) Renate Matthews, Birmensdorf (seit 1998) Hans Willi, Kesswil (2000 bis 2004) Klaus Notter, Villnachern (seit 2001) Hans-Günther Radecke, Chur (seit 2001) Verena Gamper, Winterthur (seit 2004) Dank Wir danken unseren Mitgliedern, Spendern und Gönnern ganz herzlich für ihre grosszügige Unterstützung, ohne die wir diesen 2. Teil der Chronik nicht hätten verwirklichen können. Die Vorbereitungsarbeiten zu dieser Chronik leisteten Renate Matthews und Gisela Riegert (Text und Bildauswahl). Helen James (Sonja Studer Grafik, Zürich) besorgte die graphische Gestaltung. Gedruckt wurde das kleine Werk bei Alex Huber, druckwerkstatt, zuben. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt! Passugg, im Dezember 2004 35


Genossenschaft Fontana Passugg, Postfach, CH-7001 Chur info@bildungsstätte.ch www.bildungsstätte.ch

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