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Typomag-Paris-von-Beatrice-Dommenz.pdf

Semesterprojekt Typomag von Beatrice Dommenz: Das Typomag mit dem Thema 'Paris' feiert seine erste und einzige Auflage. Paris beginnt im Kopf, so heißt es im Typomag. Auf 60 Seiten dreht sich alles um das typografische Bild von Paris, seine Künstler und Musik. Außerdem übernehmen Paris' Gegenstück, die quirrlige Küstenstadt Marseille, die berühmten Plakate von Toulouse Lautrec, dreidimensionale Typografie sowie der Schriftenmeister Adrian Frutiger und weitere Typomanen, die sich in unseren Städten herumtreiben, tragende Rollen.

Semesterprojekt Typomag von Beatrice Dommenz: Das Typomag mit dem Thema 'Paris' feiert seine erste und einzige Auflage. Paris beginnt im Kopf, so heißt es im Typomag. Auf 60 Seiten dreht sich alles um das typografische Bild von Paris, seine Künstler und Musik. Außerdem übernehmen Paris' Gegenstück, die quirrlige Küstenstadt Marseille, die berühmten Plakate von Toulouse Lautrec, dreidimensionale Typografie sowie der Schriftenmeister Adrian Frutiger und weitere Typomanen, die sich in unseren Städten herumtreiben, tragende Rollen.

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1<br />

PARIS BEGINNT IM KOPF<br />

Schriftklischees und die Kunst zu leben<br />

PARIS UND SEIN HAESSLICHES ENTLEIN<br />

Marseille entdeckt sich selbst<br />

STEFAN SAGMEISTER<br />

Die Stones, Lou Reed und Mona Lisa<br />

N°1 // November 2013 // Magazin für Typografie // 4,95 ¤


03<br />

PARIS PARIS PARIS<br />

Schriftklischees oder die <strong>Paris</strong>welle<br />

Noch bevor ich überhaupt in <strong>Paris</strong> gewesen bin, hatte ich schon das<br />

Gefühl, die Stadt zu kennen. Es ist wie mit der Queen - dank dank<br />

der Medien weiß man immer, was sie macht. Manchmal habe ich das<br />

Gefühl, die Queen schon ewig zu kennen. Bei <strong>Paris</strong> ist es ähnlich:<br />

romantische Gassen, Straßencafés, Akkordeonmusik. Kunst, elegante<br />

Mode, verschnörkelte Metallbetten und der Eiffelturm über allem.<br />

Die Stadt der Liebe, Modemetropole, Kunsthalle Europas, Heimat der<br />

Revolution und der Freigeister − alles Sinnbilder für <strong>Paris</strong>.<br />

Dazu gehört auch eine der Stadt eigene Typografie.<br />

Dieses Magazin jedenfalls kommt fast ganz ohne den Eiffelturm aus<br />

und zeigt Typografie, die auf der <strong>Paris</strong>welle mitschwimmt oder gut<br />

auf ihr schwimmen könnte. Außerdem erzählt es Geschichten über<br />

Typografen wie Adrian Frutiger, die unsere Städte − in Frutigers Fall<br />

ist es <strong>Paris</strong> − entscheidend mitgestaltet haben.<br />

Und dass der Louvre nicht nur die Mona Lisa, sondern auch Schriftkunst<br />

<strong>von</strong> Stefan Sagmeister zu seinem Repertoire zählt. Platten werden<br />

zu Verkaufsschlagern, weil die Gestaltung des Covers die (<strong>Paris</strong>-)<br />

Bilder im Kopf nutzt.<br />

In dieser Ausgabe trägt das TYPOmâg einen Akzent wie ein Barett<br />

und fragt sich: erzeugt die Stadt ihre typischen Schriftbilder selbst<br />

oder prägt die kollektive Vorstellung <strong>von</strong> <strong>Paris</strong> auch ihre Schriften?<br />

Macht sich <strong>Paris</strong> für die Kopfbilder seiner Besucher zurecht? Oder<br />

zeigt es einfach sein wahres Ich? Könnte man jeden anderen Ort mit<br />

den gleichen Attributen versehen und hält man ihn dann für <strong>Paris</strong>?<br />

Marseille bekommt als kleine Schwester und Gegenstück der französischen<br />

Kapitale einen Sonderplatz. So auch Henri de Toulouse-<br />

Lautrec mit seinen einzigartigen Plakaten, die ihrerzeit ungeliebte<br />

Ecken der Stadt ins Licht gerückt haben und heute das romantische<br />

<strong>Paris</strong> verkörpern.<br />

Viel Spaß beim Mitschwimmen und à bientôt!<br />

<strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong> // Herausgeberin


04<br />

TABLE {f} DES MATIÈRES<br />

PARIS BEGINNT<br />

IM KOPF<br />

Die Kunst zu leben 6-13<br />

HENRI de TOULOUSE-<br />

LAUTREC<br />

Der kleine Mann<br />

und der Stein 14-19<br />

AM ANFANG<br />

WAR DIE SCHRIFT<br />

Typografie in der Werbung<br />

20-23<br />

STEFAN SAGMEISTER<br />

Die Stones, Lou Reed<br />

und Mona Lisa 24-27


TYPEN IN STEREO<br />

Ebon Heath 28-29<br />

PARIS UND<br />

SEIN HAESSLICHES<br />

ENTLEIN<br />

Marseille 30-41<br />

DIE TYPOMANEN<br />

SIND IN DER STADT<br />

Frutiger, Spiekermann<br />

und Co. 46-53<br />

TYPORAMA<br />

Typografie treibt<br />

wilde Blüten 42-45<br />

PLATTENCOVER<br />

Hörprobe mit<br />

den Augen 54-57


06<br />

PARIS BEGINNT<br />

IM KOPF Die Kunst zu Leben


07<br />

und der Metro, dem U-Bahn-System der Stadt, sollte zu den Höhepunkten<br />

der Weltausstellung <strong>von</strong> 1900 in <strong>Paris</strong> auch eine typografische<br />

Sensation zählen − die Originalmatrizen <strong>von</strong> Claude Garamonds<br />

gleichnamigen Schriftklassiker aus dem 16. Jahrhundert.<br />

Wie sich 27 Jahre später herausstellte, handelte es sich bei den Matrizen<br />

jedoch um Nachbildungen des Sedaner Schriftgießers Jean Jannon.<br />

Dieser hatte das Werk Claude Garamond aufgegriffen. Garamonds<br />

Schrift ‚Garamond‘ war so progressiv, dass sie die nachfolgende Zeit<br />

nachhaltig prägte. So, dass weit bis ins 17. Jahrhundert immer mehr<br />

ähnliche Antiqua- und Kursiv-Schriften erschienen. Ein Teil der heute<br />

noch genutzten ‚Garamond‘-Schriften sind aufgrund der Verwechslung<br />

zur Weltausstellung sowohl nach dem Vorbild der Schrift <strong>von</strong> Jean<br />

Jannon wie auch denen Garamonds entstanden. So fasst die Font heute<br />

mehrere Schriften zusammen, die ähnlichen Typs sind und nur schwer<br />

vom Original zu unterscheiden. Eine weitere Schriftart, die <strong>von</strong> <strong>Paris</strong><br />

aus ihren Einzug in die Setzkästen der Welt gefeiert hat, ist die 1937<br />

auf der Weltausstellung vorgestellte ‚Peignot ‚des <strong>Paris</strong>er Grafikers und<br />

Plakatmalers A.M. Cassandre. Die bekannteste Schrift Cassandres<br />

(der mit richtigem Namen Mouron hieß) wurde ein großer Erfolg.<br />

Fast könnte man glauben, <strong>Paris</strong> wird <strong>von</strong> einer Werbeagentur betrieben. Die Marketingfachleute achten<br />

genau darauf, dass der Eiffeltum <strong>von</strong> jedem erhöhten Punkt der Stadt zu sehen ist, dass aus den offenen<br />

Türen der Boulangerien der Duft <strong>von</strong> frisch gebackenen Kuchen auf die Straßen weht, kleine Läden wie<br />

Filmkulissen beleuchtet werden und die Sonne am Abend in zartem Violettrosa über den beschornsteinten<br />

Dächern der Stadt untergeht. Als Statisten wurden zurückhaltend lächelnde Damen mit Schal und<br />

elegante Herren mit gekonnt zerwühlten Haaren und Zigarette im Mundwinkel engagiert, die durch die<br />

Boulevards flanieren. An schummerigen Hausecken stehen sich mit Küsschen begrüßende Studenten, die<br />

nur so glänzen vor modischer Unabhängigkeit. So sieht‘s aus in <strong>Paris</strong>. Aber warum?<br />

Und außerdem: schafft die Stadt der Liebe ihre Schriftbider selbst oder sorgt die kollektive Vorstellung<br />

<strong>von</strong> <strong>Paris</strong> für die eigenartig einheitlichen Schriftbilder der Stadt? Vielleicht hat das alles erst so richtig mit<br />

den Weltausstellungen angefangen, die allein neun Mal in <strong>Paris</strong> ausgerichtet wurden. Auf dieser Schau der<br />

Fortschrittlichkeit wurden heute so alltägliche Dinge wie die Espressomaschine (1855) oder den Eisschrank<br />

(1878) zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben Brillantine, dem Vorläufer des Haargels,<br />

Tout le monde<br />

aime<br />

Garamond


08<br />

Konsequent durchzieht das gleiche typografische Thema<br />

die Stadt: elegante Schriften und große Lettern auf farbigem Hintergrund.


09<br />

SAVOIR ECRIRE<br />

Die Kunst zu Schreiben<br />

Der Eindruck der Einheitlichkeit im Auftreten <strong>von</strong> Schriften überall<br />

in <strong>Paris</strong> bestätigt die Vermutung, dass die Selbstdarstellung der Stadt<br />

<strong>von</strong> einer Hand geplant und einem Großteil der Akteure − Geschäften,<br />

Cafés und Restaurants − beflissen umgesetzt wurde.<br />

Das Stadtbild <strong>von</strong> <strong>Paris</strong> ist Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich aufwendig<br />

umgestaltet worden. Die Ursache für dieses Großprojekt war<br />

Platzmangel: zu viele Menschen wohnten auf zu wenig Raum. Große<br />

Mietshäuser wurden geschaffen und die Hauptstadt erhielt ein neues<br />

Gesicht. Nach den Plänen des Stadtplaners Georges-Eugène Haussmann<br />

wurden zahlreiche Straßen zu Boulevards verbreitert, die als<br />

Sichtachsen zwischen Monumenten dienten. Dafür wurden tausende<br />

kleine Häuser abgerissen, zum Beispiel rings um die Kathedrale Notre Dame auf der Île de la Cité. Die neuen,<br />

größeren Gebäude wurden in einem Stil-Gemisch mit überwiegend neo-klassizistischen, barocken und<br />

Renaissance-Elementen errichtet. Die herrschaftliche Wirkung wurde durch die Verwendung <strong>von</strong> Renaissance<br />

Antiqua Schriften, die der Capitalis Quadrata ähneln, unterstützt. Die Einheitlichkeit der <strong>Paris</strong>er<br />

Straßenzüge, die mit der fast industriellen Aufwertung ihr heutiges Aussehen erhielten, verliert also ein<br />

bisschen ihrer Romantik.<br />

Das Ergebnis dieser Stadterneuerung greift jedoch auf eine lange Tradition der Typografie in <strong>Paris</strong> zurück.<br />

Denn die französische Hauptstadt zählte mit der Sorbonne schon Ende des 16. Jahrhunderts zu einem der<br />

wichtigsten typografischen Zentren Europas. Durch die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts<br />

wandelte sich die Welt des Wissens rasant. Aufklärung, Humanismus, Liberalisierung und Typografie<br />

sind demnach eng miteinander verwoben. Anteil an diesem Fortschritt haben unter anderem der <strong>Paris</strong>er<br />

Typograf Antoine Augereau und sein Schüler Claude Garamond, die um 1530 die Französische Renaissance<br />

Antiqua entwickelten. Mit dem harmonischen Schriftbild und einer sehr guten Lesbarkeit wurde die<br />

Antiqua-Schrift speziell für den Druck geschaffen.


11<br />

TAPISSERIE<br />

ATELIER<br />

LIBERTÉ<br />

Großbuchstaben, Serifen und starke Kontraste in den Strichstärken<br />

der Buchstaben sind das Geheimnis der <strong>Paris</strong>er Schriftbilder.<br />

Egal ob es die Inschrift der staatlichen Rechtsfakultät oder Geschäftsund<br />

Werbeschilder für Papeteriegeschäfte oder Möbelwerkstätten sind,<br />

es herrscht konsequente typografische Einheitlichkeit. Restaurants,<br />

Feinkostläden und Cafés scheinen außerdem auf Schreibschriften zu<br />

setzen, um die <strong>Paris</strong>-Atmosphäre zu wahren.<br />

Werbetreibende, Filmemacher, Parfumhersteller oder Modehäuser nutzen<br />

diese Eigenschaften für ihre eigene Typografie, um das <strong>Paris</strong>-Bild<br />

im Kopf zu erzeugen. Mit Erfolg.<br />

Text: <strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong> // Leipzig


12<br />

Mitschwimmer<br />

Zwei Typografen, haben ihre Antwort auf TYPOmags Fragen gestalterisch umgesetzt.<br />

Der eine in Form eines Stadtplanes, der andere mit einer Schrift, die genau das <strong>Paris</strong>-Bild im Kopf aufgreift.<br />

MARK ANDREW WEBBER<br />

<strong>Paris</strong> in Linol<br />

Viel durch <strong>Paris</strong> gelaufen ist der britische Grafik-Designer Mark Andrew<br />

Webber aus Reading. Das typografische Bild, das sich ihm bot,<br />

hat ihn zu einem einzigartigen Projekt inspiriert: eine Stadtkarte aus<br />

Schriften auf einer riesigen Linolplatte. Webber greift verschiedene<br />

Fonts auf, die ihm in <strong>Paris</strong> begegnet sind und die er mit <strong>Paris</strong> verbindet.<br />

Alles in reiner Handarbeit.


13<br />

MOSHIK NADAV<br />

The ultimate Typeface for Fashion & Luxury<br />

„The ultimate Typeface for Fashion and Luxury“ wollte der israelische<br />

Grafiker Moshik Nadav erschaffen. Gelungen ist ihm eine Schrift, die<br />

Luxus, Sexappeal und noble Eleganz verkörpert. Die ‚<strong>Paris</strong> Pro‘ ist<br />

die Erweiterung seiner Schrift ‚<strong>Paris</strong>‘ mit nunmehr 13 Schnitten und<br />

einer vergrößerten Glyphenpalette.<br />

Text: <strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong> // Leipzig


15<br />

HENRI de TOULOUSE-LAUTREC<br />

Der kleine Mann und der Stein<br />

Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec-Monfa. Er, der 1,52 kleine Mann, 1864 in einer angesehenen<br />

Aristokratenfamilie geboren, sah es gelassen: das Hässliche, das Verpönte, das <strong>von</strong> der Gesellschaft Verstoßene.<br />

Mehr noch, er fühlte sich da<strong>von</strong> magisch angezogen, denn das war für ihn das wahre Leben. Und dies<br />

spiegelt sich in Lautrecs Schaffen immer und immer wieder. Die meiste Zeit seines erwachsenen Lebens<br />

verbrachte Lautrec auf dem <strong>Paris</strong>er Montmartre, dem Vergnügungsviertel des Fin de Siècle schlechthin.<br />

Lautrec liebte es, die am Montmartre gelegenen Café-Concerts, Cabarets, Bars und Cafés aufzusuchen.<br />

Hier konnte er das bunte Treiben der vergnügungssüchtigen <strong>Paris</strong>er verfolgen und mit dem Stift festhalten.<br />

Farben übereinander zu drucken. Diese revolutionäre Technik nutzte<br />

auch Lautrec. Mit rund 350 farbigen und schwarzweißen Lithographien<br />

wurde der Steindruck zu seinem wichtigsten Medium. Nicht nur<br />

im Stil, sondern auch in der Auffassung unterschied sich Lautrec <strong>von</strong><br />

seinen Vorgängern. Seine Lithographien gestaltete er ohne kommentierende<br />

Bildlegenden – zu dieser Zeit vollkommen unüblich, den Sinn<br />

ersah man aus den Bildern selbst. Die Vorbereitung einer Lithografie<br />

erfoderte bei Lautrec oft einen ungewöhnlich großen Aufwand.<br />

Er erprobte ein Sujet in mehreren Techniken der Kunst, bis hin zum<br />

Ölgemälde, bevor es zum Drucken ging. Andererseits kam es auch vor,<br />

dass er spontan und ohne Korrektur auf den Stein zeichnete und sich<br />

nur auf sein fantastisches visuelles Gedächtnis verließ.<br />

In Bordellen war Lautrec ebenfalls Stammgast. Teilweise logierte er in den Freudenhäusern wochenlang<br />

und fühlte sich dort wie zuhause. Er beobachtete die Prostituierten bei ihren täglichen Routinetätigkeiten:<br />

beim Waschen, Anziehen, Kartenspielen, bei gelangweiltem Warten auf Kunden. Das alles brachte er auf<br />

Papier, so wie er es sah, ohne zu verschönern, ohne zu erotisieren. Er brach Tabus mit seinem Sinn für Außenseiter<br />

und Minderheiten der Gesellschaft, für die Straße, den Tanz und das Chancon. Lautrec predigte<br />

keine Moral, weil er allgemeinverbindliche Maßstäbe ablehnte. So auch in der Kunst: „Ich habe versucht,<br />

wahr zu sein und nicht traumhaft zu verfälschen.“<br />

Seinen Bekanntheitsgrad in <strong>Paris</strong> verdankte Lautrec vor allem der Druckgrafik. 1891 wurde er über<br />

Nacht berühmt: Sein Plakat für das Moulin Rouge, das in der gesamten Stadt angeschlagen war, wurde<br />

<strong>von</strong> Sammlern und Bewunderern direkt <strong>von</strong> den Hauswänden gerissen. Alois Senefelder hatte den Steindruck<br />

1796 in München erfunden. Er hatte herausgefunden, dass man mit fetthaltiger Kreide auf porösem<br />

Kalkstein zeichnen, die freigebliebenen Flächen anschließend mit Wasser anfeuchten und schließlich das<br />

Ganze mit fetthaltiger Druckfarbe überwälzen kann. Die Druckfarbe wird <strong>von</strong> den gewässerten Stellen<br />

nicht angenommen. So wird beim Abdruck auf Papier nur das mit fetter Kreide Gezeichnete wiedergegeben.<br />

Die <strong>von</strong> Jules Chéret in die Lithografie eingeführte Spritztechnik ermöglichte es, sich mischende


16<br />

LITHOGRAFIE So geht‘s:<br />

Toulouse-Lautrec geht neue Wege<br />

Lautrec begnügte sich nicht mit der linearen Darstellungsweise, sondern<br />

verwendete alle Möglichkeiten der Lithographie. Durch die<br />

Spritztechnik bewirkte er gemusterte Grundierungen und Schattierungen.<br />

Der Lithopgraphenkreide verlangte er alle möglichen Strichformen<br />

und Schaffuren ab. Nachdem er die Abzüge <strong>von</strong> seinen Steinen<br />

gezogen hatte, ging er manchmal noch mit Aquarellfarbe darüber oder<br />

bestreute die Oberfläche mit Goldstaub, verwendete Zahnbürsten als<br />

Spritzinstrumente. Bei der Farblithografie brachte er es schließlich zu<br />

einem äußerst kunstvollen Umgang mit Ton und Faktur, der einen<br />

Gipfel neuerer Druckkunst erreichte. Die technischen Fragen der Lithographie<br />

nahm Lautrec ernst, er bemühte sich stets um Verfeinerungen<br />

und Verbesserungen.<br />

Für seine Lithographien suchte er nur die besten Papiere aus, testete<br />

geduldig Farbkombinationen und Grundierungen und überwachte<br />

den gesamten Druckvorgang. Um Fälschungen zu erschweren, vernichtete<br />

er die Drucksteine nach Gebrauch und versah die einzelnen<br />

Abzüge mit einem winzigen, nur ihm bekannten Zeichen.


17<br />

Die Kunst der Lithographie nutzte Lautrec für seine Plakate.<br />

Sein erstes Plakat war – wie könnte es anders sein – ein Auftrag<br />

für das berühmte <strong>Paris</strong>er Varieté ‚Moulin Rouge‘.<br />

Dieses erste Plakat sollte der glanzvolle Auftakt für 31 Werke jener<br />

Gattung sein, die Lautrec deutlich <strong>von</strong> der Konkurrenz abhoben. Dieser<br />

Ruhm stellt bis heute seine Bedeutung als genialer Maler in den<br />

Schatten. Mit seinen Plakaten verhalf Lautrec den damaligen Berühmtheiten<br />

zu noch mehr Ruhm und holte verborgene Talente ans<br />

Tageslicht – er machte Werbung für Schauspieler, Tänzer und Sänger.<br />

So zeigte das Plakat für das ‚Moulin Rouge‘ in erster Linie seine Stars,<br />

nämlich die Tänzerin ‚La Goulue‘ und den Schlangenmann Valentine.<br />

Auf diesem Plakat sind die Zuschauer als eine schwarze Masse<br />

mit einer Kontur aus Zylindern und Hüten mit Federn dargestellt. Im<br />

Vordergrund tanzt ‚La Goulue‘ in einem weißen Rock. Ihre goldene<br />

Haapracht sticht aus der dunklen Zuschauermasse heraus, das Licht<br />

ist ganz auf sie gerichtet.<br />

Unten rechts in der Ecke erscheint Valentine, in Grau gehalten, in<br />

seiner typischen Pose. Sein biegsamer Körper sieht aus, als sei er aus<br />

Gummi, die Augen sind halbgeschlossen, Arme und Hände in Bewegung,<br />

als würden die langen Finger den Takt der Musik schlagen.<br />

Links fliegt der gelbe Rock einer Tänzerin in die Luft.<br />

Lautrecs Geheimnis lag in der völlig neuen Behandlung des Gegenstands.<br />

Ungewöhnliche Kompositionen und ein starker Einfluss der<br />

japanischen Kunst prägten seine Plakate. In seinem ersten Plakat für<br />

das ‚Moulin Rouge‘ dominierte die japanische Ausdrucksweise, sich<br />

auf wenige Flächen sowie auf Konturen zu beschränken.


18<br />

Plakatpionier: Lautrec machte den Weg frei für zukünftige Entwicklungen<br />

in Sachen Plakatgestaltung und Werbung.<br />

Mit der japanischen Kunst kam Lautec durch seinen Freund Vincent<br />

van Gogh in Berührung, welcher Farbholzschnitte aus Japan besaß.<br />

Lautrec sammelte japanische Kunst und Gegenstände, er verkleidete<br />

sich gern in Kimonos und liebte japanische Mal- und Zeichenuntensilien.<br />

Formal übernahm Lautrec oftmals die Schattenlosigkeit, die hellen<br />

Farben, die ungewöhnlichen Bildausschnitte und Kompositionsmittel<br />

japanischer Holzschnitte.<br />

Nicht zuletzt ist Lautrecs Monogramm, mit dem er seine<br />

Bilder versah, japanisch inspiriert. Bei seinen Plakaten<br />

ging Lautrec oft den Weg <strong>von</strong> lockeren Skizzen über<br />

Entwürfe zum vereinfachten, systematisierten Endstadium.<br />

Seine Liebe für skizzenhaftes Ausführen und die gewagten Themen<br />

brachten ihm aber nicht nur Bewunderung, sondern erregten bei<br />

vielen Zeitgenossen größten Anstoß. Ebenso anrüchig fand man seine<br />

Arbeit mit Fotografien, welche er als Gedächtnisstütze und Hilfe bei<br />

der Komposition verwendete. Lautrec sah es gelassen. Er hatte einen<br />

Stamm-Fotografen, der für ihn die nötigen Fotografien anfertigte.<br />

Obwohl das Leben <strong>von</strong> Toulouse-Lautrec mit 37 Jahren ein kurzes war,<br />

hinterlässt der Maler und Grafiker ein bedeutendes künstlerisches Erbe.<br />

Lautrec erschuf als erster das Plakat so, wie wir es heute kennen,<br />

mit seinen spezifischen Eigenschaften wie der Konturhaftigkeit der<br />

Formen, dem Grotesken, den ungewöhnlichen Bildausschnitten, der<br />

Silhouettenhaftigkeit und der Verwendung auffallender Farbflecken.<br />

Text: Olga Kleim // Berlin


20<br />

AM ANFANG<br />

WAR DIE<br />

SCHRIFT<br />

Typografie in der Werbung


21<br />

Als die Werbung noch in den Kinderschuhen<br />

steckte, gab es keinen Dieter Bohlen,<br />

der mit Zahnpastalächeln ein Produkt anpries.<br />

Angefangen hat alles mit der Schrift.<br />

Die Menschen konnten sich immer mehr leisten; Produkte sollten sich aus der Masse des<br />

Angebots abheben. So fing es an, dass die Produkte auf Werbetafeln und Schildern vorgestellt<br />

wurden. Zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert, in der Epoche des Jugendstils,<br />

wurde Werbung das erste Mal in Form <strong>von</strong> Postern und Plakaten betrieben. Ziel war es,<br />

Kunst im Alltag erleben zu lassen und die Werbeaussage zu veranschaulichen. Diese Art<br />

der Produktdarstellung sollte ein zentraler Teil des alltäglichen Lebens werden - gefallen,<br />

im Kopf bleiben und gleichzeitig dem Anbieter eines Produktes nutzen.<br />

Nach und nach richtete sich die Werbung an bestimmte soziale Schichten. Die sogenannte<br />

Zielgruppenwerbung ist heute aus der Gestaltung nicht mehr weg zu denken. Werbung<br />

mit Typografie lädt den Betrachter auf ein Spiel ein. Sie führt über den reinen Leseprozess<br />

hinaus und unterhält uns.


22<br />

Im Fernsehen, in Zeitschriften, am Straßenrand oder im Internet - überall werden wir mit<br />

Werbung konfrontiert. In einer Zeit, in der Konsum ganz groß geschrieben wird, ist das<br />

keine Überraschung. Die Aufgabe eines Gestalters ist es nunmehr, gezielt zu werben und<br />

Werbung zu hinterfragen.<br />

Es ist bestimmt jedem schon passiert. Der Fernseher läuft, eine Werbepause wird ausgestrahlt.<br />

Da ist etwas, das du wirklich brauchst, als wäre es für dich gemacht. Was es<br />

genau ist, erfährst du erst am Ende des Spots. Ist das der Fall, hat die Werbung genau das<br />

erreicht, was sie will. Sie wird uns in unserer Kaufentscheidung beeinflussen. Zu diesem<br />

Zeitpunkt hat der Grafiker in der Gestaltung alles richtig gemacht. Allerdings entscheidet<br />

der Betrachter selbst was gute oder schlechte Werbung ist. Zahlreiche Werbeplakate<br />

und -anzeigen bestehen aus Typografie. Aufgrund dieser Vielzahl ist es die Aufgabe eines<br />

Gestalters, etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Ein<br />

echter Blickfang ist das Plakat für die Fährverbindung Ostende-Dover<br />

<strong>von</strong> Lucien De Roeck. Die Typo-Bild-Komposition<br />

ist äußerst gelungen und zeigt, dass nichts Zufall ist.<br />

Kampagne <strong>von</strong> N°5 <strong>von</strong> Chanel // 2009<br />

©Dominique Issermann<br />

Lucien DeRoeck // ©Typopage 2010<br />

Typografie in der Werbung kann auf zwei verschiedene Arten<br />

dargestellt werden. Zum einen unterstützt sie Wort und<br />

Schrift, zum anderen kann die Bildidee aus reiner Typografie<br />

bestehen. In diesem Fall kommt die schon seit langem<br />

bekannte Erkenntnis zum tragen, dass unser Auge Bekanntes<br />

sofort wiedererkennt oder ergänzt. So erkennt unser Auge<br />

zum Beispiel eine Figur, die nur aus Schrift besteht und<br />

ergänzt die fehlenden Konturen.<br />

Wird die Typografie zur Unterstützung der Bildidee genutzt,<br />

ist es wichtig, dass die Schrift zum Bild und zur restlichen<br />

Gestaltung passt. Die Gestaltung der Schrift darf nicht als störend empfunden<br />

werden. Mit der Aktivierung der Aufmerksamkeit beginnt ein Prozess, der für die Werbung<br />

enorm wichtig ist. Ohne diesen Prozess entsteht kein Interesse für das Produkt und<br />

man wird es nicht kaufen.


23<br />

Mit dem sogenannten AIDA-Modell wird gezeigt, welche Phasen der Kunde durchlaufen sollte,<br />

die anschließend zur Kaufentscheidung führen. Die vier Phasen können sich überschneiden<br />

und sind als gleichwertig anzusehen. Das ‚A‘ steht für ‚Attention‘ und bedeutet im Deutschen<br />

Aufmerksamkeit. Das Erringen der Aufmerksamkeit ist eine der schwersten Aufgaben.<br />

Das ‚I‘ steht für ‚Interest‘. In dieser Phase muss die gewonnene Aufmerksamkeit<br />

ausgebaut werden und der potentielle Käufer sollte sich für das<br />

Produkt interessieren. Nach dem Interesse ist es wichtig, den Betrachter<br />

zu überzeugen. Er muss Gründe erkennen, warum er das Produkt kaufen<br />

soll. Die Aktion sorgt für das Auslösen der Kaufhandlung. Werner<br />

Gaede spricht im Studienheft ‚Typografie II.‘ <strong>von</strong> Andreas Ken Lanig<br />

<strong>von</strong> einem gezielten Bruch der Norm, um Aufmerksamkeit zu erzielen.<br />

Der Betrachter wird mit unerwarteten Bildern, Wörtern oder Sätzen<br />

konfrontiert. Ungewohntes wird zwar etwas länger verarbeitet, dafür<br />

macht es mehr Spaß und bleibt im Gedächtnis, wie man beim Plakat<br />

<strong>von</strong> Roman Terpitz für die Kunsthochschule Kassel gut erkennen kann.<br />

Gelungene Werbung ist oft humorvoll gestaltet. Sie erzählt oder zeigt eine<br />

Geschichte, die witzig und unterhaltsam ist. Spaß tut der Zielgruppe<br />

gut. Die Botschaft führt zu einem positiven Gefühl und bleibt so länger<br />

in Erinnerung. Außerdem kann die Aufmerksamkeit durch individuelle<br />

Werbung aktiviert werden.<br />

Kunsthochschule Kassel //<br />

Roman Terpitz //<br />

©Typopage 2010<br />

----><br />

Gerade in der Typografie sind häufig Werbekampagnen zu finden, die<br />

den Betrachter persönlich ansprechen. Ein aktuelles Beispiel liefert uns<br />

Coca Cola. Mit ihren individuell bedruckten Flaschen verzichtet Coca<br />

Cola auf das wohl wichtigste Wiedererkennungsmerkmal: den eigenen<br />

Schriftzug. Diese umfangreiche Kampagne zeigt, dass sich der Fokus des<br />

Marketing immer mehr in Richtung Interaktion mit dem Verbraucher<br />

entwickelt. Spätestens wenn man versucht, den Vordruck mit ausgefallenen<br />

Namen, wie zum Beispiel ‚Pepsi‘, zu füllen und Coca Cola dies<br />

verweigert, kann es schon als kleiner Sieg des Marketing gefeiert werden.<br />

Denn die Leute beschäftigen sich mit der Marke und reden darüber.<br />

Text: Melina Horn // Melsungen<br />

Coca Cola Kampagne 2013<br />

©Melina Horn


24<br />

STEFAN<br />

SAGMEISTER<br />

Die Stones,<br />

Lou Reed und<br />

Mona Lisa<br />

Stefan Sagmeister ist „ein Rasiermesser schwingender,<br />

graziös brutaler, immer überraschender Meister der<br />

Kommunikation... der Johnny Depp der Designwelt“,<br />

beschrieb die Chefkuratorin des New Yorker MoMA<br />

einmal den österreichischen Designer.<br />

„Wäre Stefan ein Film, er hätte fünf Sterne“, sagte einst<br />

der jüngst verstorbene US-amerikanische Musiker Lou<br />

Reed, für den Sagmeister eines seiner bekanntesten Albumcover<br />

entworfen hat: Auf ein Porträt des Musikers<br />

notierte Sagmeister handschriftlich Textzeilen aus dessen<br />

Album ‚Set the Twilight Reeling‘. Grundlage war<br />

das Lied ‚Trade‘, in dem es darum geht, dass man sich<br />

ändert bzw. verändert.<br />

Sagmeister mag Dinge, die anders scheinen als sie sind.<br />

die sich verändern, wenn man etwas mit ihnen macht<br />

− eine wichtige Arbeitsgrundlage für den gebürtigen<br />

Österreicher. Ein Mitläufer war Sagmeister noch nie,<br />

mit aller Kraft und mit großer Leidenschaft für gutes<br />

Design arbeitet er gegen die Bevormundung durch<br />

Konvention. Lebensweisheiten bringt er mit Obst und<br />

Gemüse in Form und in seinen eigenen Körper ritzt er<br />

sich Texte, so dass schon das Hinschauen wehtut. Dennoch<br />

sieht er sich nicht als Künstler. „Kunst darf einfach<br />

nur sein. Meine Sachen müssen funktionieren.“,<br />

meint er in einem Interview mit dem uMag. 1<br />

Inzwischen ist Sagmeister weit entfernt da<strong>von</strong>, Werbung<br />

zu machen. Nach seiner Anstellung bei Leo Burnett<br />

in Hongkong, beschloss er, keine Inhalte mehr<br />

umzusetzen, mit denen er nichts anfangen kann. So<br />

nimmt er nur Aufträge an, die ihm Spaß machen und<br />

mit denen er sich identifizieren kann. “Ich lerne <strong>von</strong><br />

den Schlauen, über Dumme ärgere ich mich. Deshalb<br />

arbeite ich nur mit Kunden, die intelligenter sind als<br />

ich.“, sagt Sagmeister in einem Interview für art-magazine.de.<br />

2<br />

Aufgewachsen ist Stefan Sagmeister in Bregenz in Österreich.<br />

Sein Studium begann er in Wien und führt es<br />

mit einem Stipendium am Pratt Institut in New York<br />

fort. Dort lässt er sich vom geschäftigen Leben der<br />

Großstadt anstecken und ist fasziniert <strong>von</strong> Architektur<br />

und Design. Beflügelt <strong>von</strong> seinen Arbeiten beginnt er<br />

damals ein Redesign des Guggenheim Museums, das<br />

allerdings abgelehnt wurde. Heute lacht er darüber und<br />

kann die damalige Entscheidung durchaus verstehen.<br />

Nachdem er zwei Jahre in Hongkong gearbeitet hat,<br />

zieht es ihn zurück nach New York, wo er seine eigene<br />

Agentur Sagmeister Inc. gründet. Anfang 2000, rund<br />

sechs Jahre nach der Gründung überkam Sagmeister<br />

das erste Mal die Sehnsucht, New York hinter sich zu<br />

lassen. In dieser Zeit war er so erfolgreich wie nie zuvor.


25<br />

1996 hatte er für die Rolling Stones das Cover zu ihrem<br />

Album ‚Bridges to Babylon‘ entworfen, eine der erfolgreichsten<br />

Platten der Band. Für das Cover erhielt der<br />

ehrgeizige Gestalter verschiedene internationale Designpreise.<br />

Und doch, erinnert sich Sagmeister, war er<br />

unzufrieden. 3 „Meine Entwürfe ähnelten sich immer<br />

mehr, und sie waren mittelmäßig geworden. Ich hatte<br />

keinen Spaß mehr an meiner Arbeit, die bis dahin für<br />

mich immer eine Berufung gewesen war.“, beschreibt<br />

er in seinem Buch ‚Things I‘ve learned in my life so far‘.<br />

„Jammern is blöd“<br />

Nach einer Auszeit <strong>von</strong> einem Jahr war Sagmeister<br />

nicht nur im kreativen Sinne inspiriert war, sondern<br />

auch im persönlichen. Ganz im Sinne einer seiner neu<br />

entdeckten Lebensweisheiten, „Jammern ist blöd. Tu<br />

was, oder vergiss die Sache“, begann er zu handeln.<br />

An Pitches und öffentlichen Ausschreibungen nimmt<br />

er nicht mehr teil − wer sich für Sagmeister und sein<br />

Team entscheidet, tut dies sofort. Er unterbreitet Kunden<br />

nicht mehr diverse Vorschläge, sondern zeigt nur<br />

den einen Entwurf, den er für den besten hält. 4<br />

Sagmeister:<br />

Another Show<br />

about Promotion<br />

and Advertising<br />

Material<br />

Mit der Ausstellung ‚Stefan Sagmeister: Eine weitere<br />

Ausstellung über Werbung und kommerzielles Material‘<br />

im Musée des Arts Décoratifs in <strong>Paris</strong> hingen <strong>von</strong><br />

Oktober 2011 bis Februar 2012 Sagmeisters Werke unter<br />

einem Dach mit der Mona Lisa und der Madonna<br />

<strong>von</strong> van Eyck. Sagmeisters CD-Cover, Hochzeitseinladungen,<br />

Bücher, Plakate und Objekte zeigen die spielerische<br />

Art des Kosmopoliten, mit der Werbung für ein<br />

Produkt, eine Idee oder eine Person umzugehen. Viel<br />

Aufmerksamkeit kam dem <strong>von</strong> ihm gestalteten Buch<br />

‚OUBEY MINDKISS‘ zu, dafür heimste er gleich drei<br />

internationale Designpreise ein.<br />

Stefan Sagmeister gestaltet mit seinen Arbeiten stets<br />

gegen die Einheitlichkeit des guten Geschmacks, der<br />

die ganze moderne Welt wie einen iPod aussehen lässt,<br />

schreibt er ebenfalls in seinem Buch.<br />

„Es gibt deswegen auch keinen Sagmeister-Look, sondern<br />

eine Sagmeister-Haltung, und sie ist ebenso konservativ<br />

wie zeitgemäß.“ Für ihn ist jede Gestaltungsaufgabe<br />

ein Einzelfall. „Was mich am Grafikdesign<br />

reizt, ist die Reproduzierbarkeit. Etwas zu entwerfen,<br />

was dann drei, vier Millionen Mal gedruckt wird, <strong>von</strong><br />

Brasilien bis Schweden erhältlich ist und tatsächlich in<br />

den Händen und Haushalten der Menschen landet, ist<br />

mir eine sehr angenehme Vorstellung.“ 5<br />

Text: Raphaela Russ // Reutlingen


26<br />

Buch ‚Things I‘ve learned in my life so far‘ mit 15 verschiedenen Einbänden //<br />

Verlag Hermann Schmidt, Mainz<br />

Things I have<br />

learned in my<br />

life so far<br />

Ausstellung ‚The Happy Shows‘ // Institute of Contemporary Art, Philadelphia //<br />

Fotos: Aaron Igler, Greenhouse Media


27<br />

Bridges to Babylon //<br />

Albumcover der Rolling Stones // 1997<br />

„Kunst darf einfach<br />

nur sein. Meine<br />

Sachen müssen<br />

funktionieren.“<br />

Plakat ‚Sagmeister Inc.‘<br />

Adobe Contest, 2003


28<br />

typen in stereo<br />

Ebon Heath<br />

Der New Yorker Ebon Heath ist ein Poet unter den Typografen<br />

oder ein Typograf unter den Poeten.<br />

Heath hat neben einem großen gedanklichen Fassungsvermögen<br />

für Schrift eine Begabung für filigrane Bastelarbeiten. Mit Papier<br />

und Schere zaubert der Brooklyner eindrucksvolle Schriftbilder,<br />

die sich im Raum ausbreiten, unmittelbar erfahrbar und zum Anfassen<br />

sind. Buchstaben sind für den New Yorker nicht nur flach,<br />

sondern mehrdimensional. Genauso vielseitig ist Heath. In seinem<br />

Projekt ‚Stereotype‘ komponiert er typographische Mobile, die sich<br />

in den Raum hinein drehen. Zusammen mit der Designerin Mona<br />

Ibrahim aus Dubai kreierte er feinen Schmuck aus reiner Poesie.<br />

Für das Ballett ‚Stereo.type: a typographical ballet‘ inszeniert<br />

Ebon Heath Tänzer als wirbelnde Buchstaben-Mobile. Und für den<br />

Keramikspezialisten Villeroy & Boch gestaltete Heath im Projekt<br />

‚Second Glance‘ haptische und grafische Dekore für Waschbecken.


29<br />

Grafikdesign erschließt seit einigen Jahren die dritte<br />

Dimension und setzt zunehmend auf räumliche Gestaltung.<br />

Als Folge der Digitalisierung des Designs geht der Trend zu<br />

plastischen Schriften und raumfüllenden Installationen. Die<br />

einen toben sich digital aus und andere treibt es, häufig aus Ablehnung,<br />

aus dem virtuellen Raum zurück ins dreidimensionale<br />

Leben. Zwischen den beiden Polen ‚Schrift im realen Raum‘ und<br />

‚Schrift im virtuellen Raum‘ dreht sich die Welt der mehrdimensionalen<br />

Typografie. Buchstaben und Schriften zerfließen in<br />

Texturen, Landschaften, Portraits, in Objekte und Ornamente.<br />

Text: Sefanie Schuchert // Grenzach-Wyhlen


30<br />

paris und sein<br />

haessliches entlein Marseille


31<br />

Was ist der Unterschied zwischen <strong>Paris</strong> und Marseille?<br />

Victor Hugo antwortete auf diese Frage mit der Feststellung,<br />

dass Marseille keine Architektur besäße. Dem größten<br />

französischen Romancier des 19. Jahrhunderts war die<br />

alte Capitale an der Seine zeitlebens näher als die Metropole<br />

am Mittelmeer, die zwar historisch betrachtet älter, doch<br />

aus seiner Sicht geschichtsloser war. Marseille wurde dank<br />

seiner günstigen Lage etwa 620 vor Christus als Hafenstadt<br />

<strong>von</strong> den Griechen gegründet. Die Île de la Cité hingegen,<br />

ein schmales Fleckchen Erde im Flussbett der Seine, ist die<br />

Keimzelle <strong>von</strong> <strong>Paris</strong>. Im dritten Jahrhundert vor Christus<br />

siedelten sich Kelten auf ihr an, die als Zöllner an der Kreuzung<br />

(croisée) zwischen einer Nord-Süd-Straße und dem<br />

Fluss in West-Ost-Richtung ihren Unterhalt verdienten.<br />

Jahrtausende später trennen die beiden größten Städte<br />

Frankreichs Welten. <strong>Paris</strong> ist die uneingeschränkte Königin<br />

des Landes. Von hier aus wird regiert, angewiesen und<br />

befohlen. Banken, Geschäftszentralen, Museen, Theater,<br />

die reichen Auslagen der Modegeschäfte und nicht zuletzt<br />

protzige Regierungsbauten prägen das Bild einer mächtigen<br />

und reichen Stadt. Marseille hingegen gehört zum Armenhaus<br />

<strong>von</strong> Frankreich. In wenigen Städten ist das Durchschnittseinkommen<br />

geringer, ist die Arbeitslosigkeit höher.<br />

Traurige Berühmtheit erlangt Marseille regelmäßig durch<br />

die brutalen Verbrechen, die auf ihren Straßen passieren.<br />

Große Teile Marseilles sind seit Jahrzehnten in der Hand<br />

rivalisierender Mafia-Clans. Wie riesige Kraken haben sie<br />

sich die Straßen der Stadt<br />

untertan gemacht. Allmählich<br />

versucht Marseille sich<br />

aus dem Sumpf <strong>von</strong> Verbrechen,<br />

Perspektivlosigkeit<br />

und Armut zu befreien.<br />

Ein Katalysator dieses Aufschwungs,<br />

der zwar zaghaft<br />

ist aber immer mehr sichtbar wird, ist das Europäische-<br />

Kulturhauptstadt-Jahr. Mit Mitteln aus Brüssel und <strong>Paris</strong><br />

wird Marseille nun herausgeputzt. Das Musée des Civilisations<br />

de l’Europe et de la Méditerranée, kurz MuCEM,<br />

im Gelände des alten Hafens ist der sichtbarste Ausdruck<br />

dieses Willens der Erneuerung.


32<br />

Massilia hat sich schick gemacht<br />

Archiktekt Rudy Ricciotti, ein Kind des Mittelmeeres, hat seiner Heimat einen Quader <strong>von</strong> graziler Schönheit<br />

geschenkt. Dass der Bau am Ende um viele Millionen Euro teurer wurde, als zunächst gedacht - geschenkt.<br />

Das MuCEM ist eines der ersten Museen in Frankreich, für das <strong>Paris</strong> auf Kunstschätze verzichten muss. Was<br />

Jahrhunderte lang in den Archiven des Louvre und anderer Sammlungen der Hauptstadt weggeschlossen<br />

und in den Kellern verstaut worden war, soll und kann nun in Marseille leuchten. Nichts weniger als die Geschichte<br />

des Mittelmeeres wollen die Marseiller in ihrem lichtdurchfluteten Neubau erzählen. Wohl wissend,<br />

dass es das Meer ist, das ihr größter Schatz ist.


33<br />

Über das Meer kommen seit Jahrzehnten Flüchtlinge und Abenteurer<br />

in Marseille an und suchen ihr Glück in der Stadt. Legale und Illegale<br />

hoffen auf das große Los. Das erste, was die Neuankömmlinge <strong>von</strong> ihrer<br />

neuen Heimat sehen, ist die Kirche ‚Notre-Dame de la Garde‘. Seit etwas<br />

mehr als 150 Jahren thront sie hoch über der Stadt. Die Heilige Maria<br />

mit ihrem Kind im Arm grüßt golden vom Berg herab. Architektonisch<br />

wertvoll ist das Gotteshaus nicht. Doch bietet es einen unvergleichlichen<br />

Blick. Man kann sich vorstellen, dass für die gerade vom Schiff Gekommenen<br />

einer der ersten Wege in der neuen Stadt die Stufen hinauf zur<br />

Mutter Gottes führt. Von oben können sie sich selbst ihrer Ziele erneut<br />

vergewissern und werden belohnt mit einem majestätischen Blick herab<br />

auf Marseille. Die, die den steilen Aufstieg auf sich nehmen, sehen<br />

eine Stadt, deren schnurgerade Straßen sich in Richtung Meer ergießen,<br />

deren Häusermeer im Schein der Mittelmeersonne steinern glänzt und<br />

zum blauen Wasser hin etwas grüner wird.<br />

Die Kalkfelsen der ‚Calanques‘-Inseln begrenzen Marseille im Osten.<br />

Das Hinterland ist gebirgig und findet seine höchste Erhebung im 710<br />

m hohen ‚Croix de Garlaban‘. Im Nordwesten grenzt die Stadt an die<br />

Chaîne de l’Estaque, einer Bergkette, die den ‚Étang de Berre‘, ein großer<br />

Salzsee, vom Meer abtrennt. Dazwischen liegen, abgesehen <strong>von</strong><br />

neuer, markanter Architektur wie dem ‚Stade Vélodrome‘ des Fußballclub<br />

Olympique, die etwas schäbig wirkenden, mehrgeschossigen<br />

Plattenbauten unzähliger Arbeiterunterkünfte. Die Fassaden bröckeln,<br />

verschmutzt sind Eingänge und Fenster, die hölzernen Sonnenblenden<br />

brauchen neue Farbe und auch die obligatorischen Balkone mit ihren<br />

stählernen Balustraden wirken meist halsbrecherisch marode. Doch<br />

Marseille wirkt nicht abweisend – ganz im Gegenteil.<br />

$ noch ein Stück


34<br />

% Voilà,<br />

unser<br />

Aussichtspunkt.<br />

Diese Stadt ist für<br />

dich,<br />

nimm sie dir.<br />

kleine<br />

Katze


36<br />

Graffitis machen graue Wände lebendig<br />

Eine Kunst-Avangarde bemächtigt<br />

sich, oft ungefragt und ohne<br />

auf Legalität zu achten, der Häuser<br />

und Plätze <strong>von</strong> Marseille. Die<br />

Sprayer hinterlassen ihre persönlichen<br />

Zeichen – dies ist meine<br />

Stadt, scheinen sie sagen zu wollen.<br />

Ob als klein hingeworfenes<br />

Erkennungswort oder farbenfrohes,<br />

hauswandfüllendes Gemälde<br />

− eine selbstbewusste Bildsprache<br />

hat sich in Marseille entwickelt. Es<br />

macht Spaß, durch das Altstadtviertel<br />

Panier zu laufen, mal durch<br />

enge Gassen voller Geschäfte und<br />

Cafés, mal durch menschenleere<br />

Straßen, in denen träge die<br />

Wäsche an den <strong>von</strong> Fenster zu<br />

Fenster gespannten Leinen hängt.<br />

Es ist wie die Suche nach geheimen<br />

Botschaften, überall sind Wände,<br />

Türen und Treppenaufgänge beklebt,<br />

besprüht und bemalt. In<br />

den Straßen <strong>von</strong> <strong>Paris</strong> springt das<br />

einheitliche Schriftbild ins Auge,<br />

aber die Subkultur hat keinen bleibenden<br />

Eindruck hinterlassen.<br />

Nicht wie in Marseille.<br />

Denn hier, in der Verkehrung der<br />

Wirklichkeit, wirkt nicht das große<br />

<strong>Paris</strong> federführend, sondern<br />

Marseille ist es, das bunt, extrovertiert<br />

und auf eine etwas trotzige<br />

Art aufregend erscheint. Die<br />

Geschichte wird zeigen, wem die<br />

Zukunft gehört. Der Metropole<br />

am Meer oder der Kapitale im<br />

Herzen der Grande Nation.<br />

Text: Daniel Bagehorn // Chemnitz


38<br />

Marseille ist ein bunter<br />

Kosmos aus schriftlichen<br />

Botschaften: manche konservieren<br />

die alte Zeit, andere<br />

regeln das Miteinander und<br />

einige setzen ihrem Schreiber<br />

ein Denkmal in den Straßen<br />

seiner Stadt.


40<br />

Der Himmel über dem Norden der Stadt ist blau, doch hier<br />

liegen die Problemviertel <strong>von</strong> Marseille: eine schwache Wirtschaft,<br />

die hohe Arbeitslosigkeit, Drogen und sich bekriegende Banden.


41<br />

Die Armee hat in Marseille nichts zu suchen<br />

Angesichts der Gewaltserie in Marseille hat sich die sozialistische Politikerin<br />

Segolène Royal am Dienstag in einem Interview für eine Entsendung<br />

der Armee in die Hafenstadt ausgesprochen - was nach einer<br />

aktuellen Umfrage auch 57 Prozent der Franzosen befürworten.<br />

Doch Soldaten können die Probleme dort nicht lösen, empört sich der<br />

Soziologe François Dubet im linksliberalen Wochenmagazin Le Nouvel<br />

Observateur: „Dass es in Marseille Kriminalitätsprobleme gibt, ist<br />

klar und unbestreitbar. Die sind aus einer Veränderung des Marseiller<br />

Milieus entstanden: Früher gab es ein paar große Gangster, heute sind<br />

es viele untereinander zerstrittene Kleinkriminelle. Es gibt keine wirtschaftlichen<br />

Perspektiven, dafür hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe<br />

Nachfrage nach Drogen. Und der Polizei wächst die Arbeit über den<br />

Kopf. Will man diese schwerwiegenden und dauerhaften Probleme in<br />

den Griff bekommen, muss man am Arbeitsmarkt ansetzen, bei den<br />

örtlichen Polizeikontrollen, bei der Wirtschaftsförderung, bei einer Polizeireform<br />

etc. Aber man darf nicht auf die Armee setzen. Die hat dort<br />

nichts zu suchen.“<br />

Text: Le Nouvel Observateur // Frankreich // 12. September 2013 // www.eurotopics.net


42<br />

Typografie treibt wilde Blüten


43<br />

Wann ist Schrift experimentell?<br />

Die Berliner Grafidesign-Studentin Isabell Hanke setzte sich mit dem Begriff<br />

der Experimentellen Typografie auseinander und kommt zu dem Schluss,<br />

dass Typografie echt sein muss, wenn sie uns in ihrer reinen Form begegnet.<br />

Zunächst gilt es einmal zu klären, was<br />

Regeln. Die Dadaisten wollen Denkpro-<br />

Zeit ein Durchbruch war. Somit prägt viel<br />

möglicher Formen, um zu einer sichtba-<br />

denn nun eigentlich als „experimentell“<br />

zesse anregen, Individualismus schaffen<br />

Bewegung und Kontrastreichtum die Bil-<br />

ren Interpretation des Wortes zu kom-<br />

gilt. Etwas Unkonventionelles, Spontanes,<br />

und das Innere nach Außen kehren, was<br />

der des Dadaismus.<br />

men. Besonders in den Vordergrund tritt<br />

Regelloses, Rebellisches, Echtes, Grenzenloses,<br />

Kraftvolles und Veränderndes steckt<br />

dahinter. Doch wie genau definiert sich<br />

wiederum einen sehr expressionistischen<br />

Charakter trägt. Durch Hohn, Spott und<br />

Überspitzung der damals aktuellen Kunst<br />

Handschriftliche Experimente<br />

im Zeichensaal<br />

eine Emotionalität, die in die Werke <strong>von</strong><br />

Andersch‘ Studenten geflossen zu sein<br />

scheint. Die Arbeiten kontrastieren in sich<br />

nun „experimentelle Typografie“?<br />

zeigen sie Widersprüche innerhalb des<br />

sehr stark, dennoch bildet jedes eine aus-<br />

Gesellschaftssystems auf. Dabei helfen<br />

Ich möchte spezifisch auf der Arbeit <strong>von</strong><br />

geglichene Einheit.<br />

Regeln sind da, um sie zu brechen<br />

den Dadaisten neue, experimentelle Ausdrucksformen<br />

und Stilmixe. Sie erkun-<br />

Martin Andersch eingehen, der zu Lebzeiten<br />

Professor an der Fachhochschule<br />

Emotion und Ehrlichkeit<br />

Von jener solchen war zuerst 1945 die Re-<br />

deten neue Gestaltungstechniken, wobei<br />

Hamburg gewesen ist. Mit der Aufforde-<br />

de, als eine Bewegung, die klassische Ent-<br />

die Collage in den Vordergrund tritt. Sie<br />

rung zur Fantasie gab er seinen Schülern<br />

An diesem Beispiel bildet die experimen-<br />

würfe komplett in Frage stellt, eine Los-<br />

erfährt ihr Comeback in den 70er Jahren<br />

zunächst Tusche, Rohrfeder und Packpa-<br />

telle Typografie für mich einen Kreis aus<br />

lösung <strong>von</strong> mechanischen Regeln. Dies<br />

in den Metropolen New York und London.<br />

pier in die Hand, um das „Heranzeich-<br />

Gefühl und Ehrlichkeit. Sie entsteht wie<br />

impliziert vor allem die traditionelle Buch-<br />

Bekannte Vertreter des Dadaismus sind<br />

nen“ an eine Schrift zu lehren. Das hand-<br />

zufällig, wie etwas „aus der Hand geschüt-<br />

typografie. Künstler − nicht Typografen −<br />

Kurt Schwitters, der nicht in den Kreis<br />

schriftliche Experimentieren diente der<br />

telt“. Die Energie des Künstlers überträgt<br />

präsentierten eigene Entwürfe und gingen<br />

der Dadaisten aufgenommen wurde und<br />

Feinstellung der Hand auf die Benutzung<br />

sich auf das Papier und scheint greifbar zu<br />

damit weg <strong>von</strong> der Norm. Das Verlangen<br />

dennoch unter dem Synonym MERZ den<br />

des Schreibwerkzeugs. Doch offenbar fiel<br />

sein. Solche Typografie ist liebevoll und<br />

nach lesbaren Druckschriften sollte aufge-<br />

Dadaismus nachhaltig prägte, Theo van<br />

es den Studenten schwer, sich <strong>von</strong> erlern-<br />

intensiv, nicht so starr wie digitalisierte<br />

brochen werden. Diese kleine Revolution<br />

Doesburg und Raoul Hausmann.<br />

ten<br />

Buchstabenfor-<br />

Schrift, die durch ei-<br />

prägt nun besonders den Dadaismus.<br />

Die Künstler entwarfen collageartige Wer-<br />

men loszulösen. Im-<br />

nen Tastendruck ent-<br />

Die Bewegung wurde 1916 <strong>von</strong> Hugo Ball,<br />

ke und brachten verschiedene Schriftarten<br />

mer<br />

wiederkehrende<br />

steht. Doch vor allem<br />

Emmy Hennings, Richard Huelsenbeck,<br />

und -größen zusammen. Das expressio-<br />

Details und Schwün-<br />

ist sie individuell und<br />

Marcel Janko, Tristan Tzara sowie Hans<br />

nistische Bild wirkt zunächst nur wie ein<br />

ge waren auffällig in<br />

bleibt in Erinnerung.<br />

Arp in Zürich als Ablehnung konventio-<br />

„Ausprobieren“. Bei genauerer Betrach-<br />

den Arbeiten. Nach<br />

Weil Schönheit nicht<br />

neller Kunst gegründet. Der Dadaismus<br />

tung jedoch wird eine Sinnhaftigkeit und<br />

der Untersuchung des<br />

vergessen wird.<br />

grenzt sich <strong>von</strong> bürgerlichen Idealen ab<br />

Ausgeglichenheit erkennbar, die sehr har-<br />

Wort- oder Begriffs-<br />

und zerstört erlernte, gefestigte Formen<br />

monische Elemente aufzeigt. Texte werden<br />

inhaltes folgten eine<br />

und Normen. Es geht um Provokation,<br />

vollkommen neu angeordnet und teilweise<br />

phonetische<br />

Analy-<br />

das Durchbrechen und Überschreiten <strong>von</strong><br />

auf den Kopf gestellt, was in der damaligen<br />

se sowie die Auswahl<br />

Text: Isabell Hanke // Berlin<br />

Zeichnung: ‚Angst‘ // Martin Andersch


44<br />

Philippe Apeloig, eine Ausstellung<br />

Ein großartiges Stück Experimentelle Typografie<br />

ist vom 21. November 2013 bis 30. März 2014<br />

im <strong>Paris</strong>er Museum ‚Les Arts Decoratifs‘ zu sehen.<br />

Die Ausstellung ‚Typorama‘ umfasst<br />

rund 150 Arbeiten des französischen<br />

Typografen und Designers<br />

Philippe Apeloig. Besonders<br />

beleuchtet wird der Prozess der<br />

Entstehung dieser Arbeiten. Ein<br />

Schatz der Inspiration.<br />

Plakate, Logotypen, Worte und<br />

Lettern aus dem gut 30 Jahre<br />

umfassenden Werk Apeloigs<br />

− unter anderem gestaltete<br />

er für das Musée d‘Orsay, den<br />

Louvre, die Luxusmarke Hermés<br />

oder die Kunstgalerie Gagosian<br />

− zieren bis Ende März<br />

2014 die Räume des Museums.<br />

Gleichzeitig erscheinen seine<br />

Arbeiten im gleichnamigen,<br />

400-Seiten starken Buch<br />

‚Typorama‘.<br />

Text: <strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong> // Leipzig<br />

Street Scene // Châtelet, Théâtre Musical de <strong>Paris</strong> //<br />

Seidensiebdruck // Typo: Champion, Akkurat // 2013<br />

Yves Saint Laurent // Petit Palais, <strong>Paris</strong> //<br />

Seidensiebdruck // Typo: Avenir // 2010


Plakat Bateaux <strong>von</strong> Bateaux sur l’eau, Rivières et canaux //<br />

Seidensiebdruck // Typo: The Foundry Sans // 2003<br />

45


46<br />

DIE TYPOMANEN<br />

SIND IN DER STADT<br />

Sie<br />

gestalten Straßenschilder, Fahrpläne<br />

oder Leitsysteme. Sie sind in unseren Schulen,<br />

Behörden und Bahnhöfen. Sie sind überall.


47<br />

<strong>Paris</strong><br />

Adrian Frutiger<br />

„Ich bin in der Seidenfadenstraße geboren. Ich habe über meinem Leben<br />

einen Seidenfaden gespannt und im richtigen Moment wurde ich an<br />

den richtigen Platz gestellt und konnte mein Bestes geben.“, hört man<br />

Adrian Frutigers Stimme sagen, während die Kamera über den Schreibtisch<br />

des Gestalters schwenkt. Der Film ‚Adrian Frutiger - Ein Leben‘ <strong>von</strong><br />

Sebastian Rohner ist ein eindrucksvoller Abriss über das Leben und Werk<br />

eines großen Gestalters.<br />

In Rohners Film sagt der im Ber-<br />

Nach einer Lehre zum Schrift-<br />

ner Oberland heimische Grafiker,<br />

setzer studierte Frutiger an der<br />

als Kind hätte er da<strong>von</strong> geträumt,<br />

Kunstgewerbeschule in Zürich<br />

Architekt oder Bildhauer zu wer-<br />

Schriftgestaltung. Nach seinen ei-<br />

Adrian Frutiger ist überall:<br />

Schildern in der U-Bahn. Im Buch-<br />

den. Sein Lebensweg jedoch hät-<br />

genen Vorstellungen, denn einen<br />

Am <strong>Paris</strong>er Flughafen Charles de<br />

laden schmücken auffällig oft die<br />

te sich wie ein seidener Faden in<br />

Studiengang zum ‚Schriftentwer-<br />

Gaulle weisen die serifen-losen<br />

Lettern der Univers die Titelseiten<br />

Richtung Setzkasten, Stift und Pa-<br />

fer‘ gab es noch nicht.<br />

Buchstaben seiner Schrift Frutiger<br />

<strong>von</strong> Magazinen, Büchern sowie<br />

pier gesponnen. Mit diesen Werk-<br />

Er bekam einen eigenen Stunden-<br />

dem Reisenden den Weg.<br />

Poster und CD-Cover. Kauft man<br />

zeugen wurde er zum Gestalter<br />

plan und erlernte das Natur- und<br />

An den Zugstationen in Richtung<br />

sich dann ein Magazin, wird<br />

zahlreicher Schriften, die uns heu-<br />

Schriftzeichnen, Kalligrafie sowie<br />

Stadtzentrum begegnet ihm die<br />

mit der Frutiger auf den Euro-<br />

te überall in der Welt begegnen -<br />

Techniken des Buchdrucks und<br />

Handschrift des schweizerischen<br />

banknoten bezahlt.<br />

in der Schweiz, in Deutschland,<br />

des Holzschnitts.<br />

Grafikers ebenso, wie auf den<br />

Frankreich oder Indien.


48<br />

Die universelle Schrift<br />

1957 trat Frutigers Schrift Univers als eine der ersten neuen Schriften<br />

für den Fotosatz ihren Siegeszug an, der bis heute anhält.<br />

Neu waren die vielen verschiedenen Schnitte, die eine differenzierte<br />

Gestaltung ermöglichten. Mit der Univers gelang erstmals eine Schrift,<br />

deren verschiedene Schnitte zusammenpassten, wie aus einem Guss.<br />

„Vor Univers“, so Adrian Frutiger in einem Interview mit dem schweizerischen<br />

Nachrichtenportal swissinfo, „hatten die diversen Schrifttypen<br />

keine Gemeinsamkeiten. Man hatte zwar schon enge Buchstaben<br />

und weite, aber jeder hatte ein anderes Geschlecht, möchte ich fast sagen.“<br />

Adrian Frutiger spricht im Film <strong>von</strong> Sebastian Rohner <strong>von</strong> der<br />

eigenen Ästhetik einzelner Buchstaben. Er vergleicht die gute Gestaltung<br />

einer Schrift mit der Erschaffung eines Gemäldes - ein schlecht<br />

gemaltes Bild könnten das menschliche Auge ebenso stören, wie eine<br />

schlecht gestaltete Schrift. „Das Skelett <strong>von</strong> Buchstaben ist wie die<br />

Knochen eines menschlichen Körpers. Was der Schriftgestalter tun<br />

kann, ist eine Befreiung dieses Körpers.“, so Frutiger.<br />

Minuskeln und Versalien haben die gleiche Oberlänge.<br />

Waagerechte Anstriche.<br />

i-Punkt ist dicker als der Schaft der Buchstaben.<br />

Abgeschrägte Oberlänge.<br />

Leichte Biegung des Endstrichs (deutlich beim kleinen a).<br />

Verhältnismäßig kurze Unterlängen. Beim kleinen g wird<br />

die Orientierung an der Grundlinie optisch ausgeglichen.<br />

Die Bäuche beim großen B sind beinahe gleich hoch.<br />

Sanft geschwungenes Bein, wobei der Kurvenverlauf<br />

am Buchstabenabschluss nie die Senkrechte erreicht.


49<br />

Maßstab Adrian Frutiger<br />

Frutigers Schriften sind in ihrer<br />

Charles de Gaulle in <strong>Paris</strong>. Die<br />

Hinweisschilder der <strong>Paris</strong>er U-<br />

Gestaltung perfekt ihrem Zweck<br />

Schrift für den Flughafen sollte<br />

Bahn die Handschrift des fleißi-<br />

angepasst, so dass sie maßge-<br />

„so klar sein, wie ein Pfeil“, denn<br />

gen Schweizers.<br />

bend und in vielen Bereichen zum<br />

schließlich befanden sich die Be-<br />

Standard geworden sind.<br />

nutzer nicht in ihrer gewohnten<br />

Die Avenir<br />

Leseruhe, sondern sollten schnell<br />

Aus dem eigenen Bedürfnis, eine<br />

Die Univers<br />

und einfach ihren Weg finden. So<br />

lesbare Schrift für Kleingedruck-<br />

50 Jahre lang lebte Frutiger in<br />

entstanden die Roissy und deren<br />

tes zu schaffen, gestaltete Fru-<br />

<strong>Paris</strong>. Als junger Mann fasste er<br />

Erweiterung, die Frutiger. Die-<br />

tiger 1980 die Avenir. Heute ist<br />

„Die Typografie ist ein<br />

brauchbares Werkzeug, um dem<br />

dort als Schriftgestalter bei Deberny<br />

& Peignot Fuß. Das Unternehmen<br />

kaufte 1957 in den USA<br />

die Lizenz für die Herstellung<br />

se wurde für spätere Leitsysteme<br />

an Flughäfen zum Standard und<br />

wird auch <strong>von</strong> der Deutschen<br />

Bahn verwendet. Weil es „die am<br />

sie die meistgenutzte Schrift für<br />

kleingedruckten Satz und begegnet<br />

uns auf Fahrplänen, Hinweistexten<br />

oder Beipackzetteln<br />

Geist Nahrung zuzuführen.<br />

Ohne gebremst zu werden.“<br />

<strong>von</strong> Fotosatzgeräten in Europa.<br />

Als einer der Pioniere der Schriftgestaltung<br />

für den Foto- oder<br />

Lichtsatz modifizierte Frutiger<br />

wenigsten verschnörkelte Schrift<br />

ist, die es überhaupt gibt. Die<br />

ist so klar, wie die Form eines<br />

Fisches.“, sagt Frutiger stolz in<br />

„Wenn sie gut angewendet sind,<br />

und der Lesbarkeit dienen, dann<br />

ist es eine Freude für mich.“, sagt<br />

bei Deberny & Peignot bestehen-<br />

Rohners Film.<br />

der Meister am Ende <strong>von</strong> Rohners<br />

de Schriften und erschuf zahllose<br />

neue, die in der neuen Technik<br />

verarbeitet werden konnten. In-<br />

Die Métro<br />

In den Anfangszeiten der <strong>Paris</strong>er<br />

Filmes schlicht über seine Werke.<br />

„Was die Schrift angeht, habe ich<br />

wirklich voll ausgeschöpft, was<br />

ternational bekannt wurde Fruti-<br />

U-Bahn wurden die einzelnen<br />

ich zu sagen habe.“, so schließt<br />

ger schließlich mit der Entwick-<br />

Linien <strong>von</strong> verschiedenen Unter-<br />

Adrian Frutiger in Rohners Film.<br />

lung der serifenlosen Schriftfa-<br />

nehmen betrieben, so hatte jede<br />

Einige Projekte hätte der heute<br />

milie Univers.<br />

Station ein eigenes typografi-<br />

85-jährige dennoch, diese aller-<br />

Die Frutiger<br />

1972 gestaltete Frutiger Zusam-<br />

sches Aussehen. Dies blieb so, bis<br />

1973 Adrian Frutiger den Auftrag<br />

erhielt, das Schriftbild der Pari-<br />

dings in Buchform. Er wäre noch<br />

nicht bereit, sich hinzusetzen,<br />

Musik zu hören ein Buch zu lesen<br />

men mit Architekten, Philoso-<br />

ser Metro zu vereinheitlichen.<br />

oder ein wenig TV zu sehen. Wir<br />

phen, Farb- und Musikspezialis-<br />

Mit der an die Univers angelehn-<br />

freuen uns, Herr Frutiger.<br />

ten die Typografie des Flughafens<br />

ten Font Métro tragen nun die<br />

Text: <strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong> // Leipzig<br />

Die Zitate <strong>von</strong> Adrian Frutiger stammen aus dem Film ‚Adrian Frutiger - Ein Leben‘ <strong>von</strong> Sebastian Rohner


50<br />

„Typomanie ist nicht heilbar,<br />

aber zum Glück auch nicht tödlich.“<br />

Berlin<br />

Erik Spiekermann<br />

Googelt man Erik Spiekermann findet man nicht weniger als 210.00 Einträge<br />

über den Typografen, Kommunikationsdesigner, Globetrotter und<br />

Unternehmer, der zu den bedeutendsten Gestaltern unserer Zeit gehört<br />

und sein Leben gänzlich der Schrift gewidmet hat.<br />

Spiekermann eine Karriere als<br />

Drucker hinter sich. Begonnen<br />

hatte alles in seiner frühen Jugend,<br />

als ihm ein Nachbar eine<br />

kleine, alte Druckpresse schenkte.<br />

Mit dieser sammelte er erste<br />

Druckerfahrungen. Als Schuljunge<br />

betrieb er dann eine eigene<br />

kleine Druckwerkstatt. Diese<br />

Leidenschaft führte sich während<br />

seines Studiums fort − und finanzierte<br />

dieses nebenbei.<br />

Fast sein gesamtes Leben dreht<br />

Jungunternehmer<br />

sich um die Typografie und trotz-<br />

Wer ist dieser Mann, der sein Le-<br />

dem ist Erik Spiekermann nie<br />

ben der Typografie gewidmet hat,<br />

müde geworden, seine Meinung<br />

der das kleine a als „menschlich“<br />

zum Thema Schrift oder Gestaltung<br />

zu sagen.<br />

empfindet und über sich sagt, ein<br />

fast „libidinöses Verhältnis zu<br />

Erik Spiekermann Poster Film //<br />

www.pinterest.com<br />

Wie beispielsweise aus aktuellem<br />

Buchstaben“ zu haben?<br />

Während seiner Zeit in London<br />

Anlass zum Erscheinen der An-<br />

Geboren wurde Erik Spieker-<br />

arbeitete Spiekermann neben<br />

droid-Oberfläche iOS7. Spieker-<br />

mann im Jahre 1947 in Stadtha-<br />

seinem Lehrauftrag auch als Be-<br />

manns meint, die hier verwen-<br />

gen, einer Zwanzigtausend- Ein-<br />

rater für Designunternehmen.<br />

dete Schrift könne keinem Men-<br />

wohner-Stadt nahe Hannover.<br />

Spiekermann fertigte seine ers-<br />

Erik Spiekermann hat vor allem<br />

Corporate Design der Stadt Berlin,<br />

schen zugemutet werden. iOS7<br />

Das Studium der Kunstgeschich-<br />

ten eigenen Schriftentwürfe. Eine<br />

das Gesicht Berlins mitgestaltet:<br />

das Logo der Berliner Philharmo-<br />

sehe zwar aus rein visuellen Ge-<br />

te in Berlin brach er ab, als er-<br />

Schrift aus dieser frühen Zeit ist<br />

Von ihm stammt der einheitliche<br />

niker sowie die gelb-orangefar-<br />

sichtspunkten durchaus gut aus,<br />

zusammen mit seiner Frau nach<br />

beispielsweise die LoType, die er<br />

Auftritt der örtlichen Verkehrs-<br />

benen Wagons der Beriner S- und<br />

jedoch werde die Hauptfunktion<br />

England ging, um am Londoner<br />

für die Berthold AG entwarf.<br />

betriebe seit der Wende, in Form<br />

U-Bahn oder die Schilder Bushal-<br />

verfehlt − Informationen schnell<br />

‚College of Printing‘ einen Lehr-<br />

Diesen ersten Entwürfen sollten<br />

<strong>von</strong> Schrift und Leitsystem.<br />

testellen gestaltet.<br />

zu transportieren. Die verwende-<br />

auftrag anzunehmen.<br />

später noch viele weitere folgen,<br />

Außerdem hat Spiekermann das<br />

te Schrift sei viel zu dünn und eng<br />

Zu dieser Zeit hatte ihn die Ty-<br />

denn Spiekermann beschritt wei-<br />

gestaltet. Für Spiekermann schon<br />

pomanie schon lange infiziert,<br />

ter konsequent den Weg eines<br />

fast eine Art Verbrechen.<br />

denn schon als Student hatte<br />

<strong>von</strong> der Schrift Besessenen.


51<br />

Die ITC Officina<br />

Vier Jahre später ent-<br />

Erfolg heißt MetaDesign<br />

Spiekermanns Wirken kommt zu<br />

Das Schriftkaufhaus schlechthin<br />

1989 gründete er zusammen mit<br />

wickelte er zusammen<br />

einem Großteil Berlin zugute, wo<br />

seiner Frau und Neville Brody<br />

mit Just van Rossum<br />

er auch mehrere Designagentu-<br />

das erste Versandhaus für Com-<br />

die ITC Officina. Es ge-<br />

ren aufgebaut hat. Die MetaDe-<br />

puterschriften. Fontshop ist heu-<br />

lang Spiekermann, diese<br />

sign-Agentur ist eine der größten<br />

te das größte, herstellerunabhän-<br />

mit den Eigenschaften<br />

und einflussreichsten Agenturen<br />

gige Versandhaus für Schriften<br />

einer<br />

Schreibmaschi-<br />

in Deutschland und gehört zu<br />

und setzt neue Maßstäbe.<br />

nenschrift ausgestatte-<br />

den Pioniere in Sachen Corpo-<br />

ten Font in die digita-<br />

rate Design.<br />

Erik Spiekermann ist heute 66<br />

le Welt zu übertragen.<br />

Die Liste der Kunden ist impo-<br />

und kann auf große Leistungen<br />

Noch heute greifen gro-<br />

sant: die Deutsche Bundesre-<br />

zurückblicken, denn er hat die<br />

ße Unternehmen auf<br />

gierung, Die Automobilherstel-<br />

Typografie, die Agenturwelt in<br />

die ITC Officina als<br />

ler Volkswagen und Audi, da<br />

Deutschland sowie das Erschei-<br />

Hausschrift zurück, wie<br />

Pharmaunternehmen Boehringer<br />

nungsbild unserer Städte ent-<br />

unter anderem Ama-<br />

Ingelheim, der Flughafen Düssel-<br />

scheidend mitgeprägt. Und wie<br />

zon, The Economist, die<br />

dorf oder der Wissenschaftsver-<br />

heißt es so schön: mit 66 Jahren<br />

Messe Düsseldorf, die<br />

lag Springer stehen darauf.<br />

fängt das Leben erst an!<br />

Deutsche<br />

Sporthochschule<br />

Köln, die Hoch-<br />

Text: Friederike Trunzer // Hamburg<br />

schule für Technik und<br />

Zu progressiv: die FF Meta<br />

Spiekermann entwickelte darauf-<br />

Wissenschaft Berlin oder auch<br />

Zu Spiekermanns bekanntesten<br />

hin die PT55. Doch sein Entwurf<br />

wallstreet:online.<br />

Schriften zählen unter anderem<br />

war den Verantwortlichen zu<br />

die FF Meta, die ITC Officina<br />

fortschrittlich und die Post blieb<br />

Spiekermann im Alltag<br />

oder die FF Info. Den Grundstein<br />

bei ihrer alten Hautschrift. 1990<br />

Die Arbeiten eines Erik Spieker-<br />

für diese heute nicht mehr aus<br />

veröffentlichte Spiekermann die<br />

mann sind aus unserem Alltag<br />

unserem Alltag wegzudenkenden<br />

PT55 unter dem neuen Namen<br />

nicht mehr wegzudenken. So be-<br />

Schriften legte er 1985. In die-<br />

FF Meta in seinem Schriftkauf-<br />

gegnet er uns beim Shoppen auf<br />

sem Jahr erhielt er <strong>von</strong> der Deut-<br />

haus fontshop. 2011 schließlich<br />

amazon.de, auf einer Reise mit<br />

schen Bundespost den Auftrag,<br />

erhielt die Schrift eine angemes-<br />

der Deutschen Bahn, in der Zei-<br />

eine neue Hausschrift zu entwi-<br />

sene Würdigung: sie wurde in<br />

tung oder er leitet uns sicher zu<br />

ckeln, da die bisher verwendete<br />

die Dauerausstellung des MoMA,<br />

unserem Flugzeug.<br />

Helvetica vielen Anforderun-<br />

‚The Museum of Modern Art‘, in<br />

gen nicht mehr gewachsen sei.<br />

New York aufgenommen.<br />

Plan der Berliner U-Bahn //<br />

Erik Spiekermann // 1989<br />

©www.tubemapcentral.com


52<br />

Leitsysteme: Sicher, intuitiv, schön<br />

Es ist eine große Kunst, Orientierungssysteme zu erschaffen, die funktionieren und dann auch noch unsere<br />

ästhetische Empfindsamkeit nicht stören. Sechs Gestalter und ihre erfolgreichen Eingriffe in unsere öffentliche Umwelt.<br />

Max Buchertz<br />

Das erste bekannte Leitsystem im öffentlichen Raum war<br />

das in den 1920er Jahren entwickelte Farbleitsystem <strong>von</strong><br />

Max Burchertz im Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen.<br />

Dieses vom Bauhaus beeinflusste System führte mit großen<br />

Farbflächen in Primärfarben durch das Gebäude.<br />

Otl Aicher<br />

Das einflussreichste Werk des Grafikers, Autors und<br />

Piktogramme <strong>von</strong> Otl Aicher //<br />

Olympische Sommerspiele 1972 //<br />

©www.designtagebuch.de<br />

Schriftentwicklers Otl Aicher<br />

sind die hauptsächlich aus Piktogrammen<br />

bestehende Signaletik<br />

der Olympischen Sommerspiele<br />

<strong>von</strong> 1972 in München. Die Zeichen,<br />

die einfach und verständlich<br />

alle olympischen Sportarten<br />

darstellen, werden größtenteils<br />

noch heute genauso verwendet.<br />

Erik Spiekermann<br />

1996 starben bei einem Großbrand im Flughafen Düsseldorf<br />

17 Menschen. Nicht zuletzt waren unklare Beschilderungen<br />

und fehlende Hinweise auf Fluchtwege daran<br />

schuld. Für den neugestalteten Flughafen entwickelte<br />

Spiekermann ein Leitsystem, das durch eine hohe Verständlichkeit<br />

Sicherheit garantieren soll.<br />

Dejan Pavlovic<br />

Seit 2009 entwickelt der Grafikdesigner und Medienberater<br />

aus Rüsselsheim ein Farbleitsystem für deutsche Schulen.<br />

Neben der Orientierungshilfe für Schüler, Lehrer,<br />

Eltern und Schulfremde soll dieses System im Not- und<br />

Katastrophenfall, wie bei einem Brand oder Amoklauf,<br />

Rettungskräften eine einfache und schnelle Orientierung<br />

ermöglichen, damit der konkrete Einsatzort innerhalb der<br />

Schule schnellstmöglich erreicht werden kann.<br />

Andreas Uebele<br />

Ein wichtiger deutscher Vertreter ist der Grafiker Andreas<br />

Uebele. Er lebt in Stuttgart und leitet dort sein Büro<br />

für Visuelle Kommunikation.<br />

Schwerpunkte sind die Gestaltung<br />

<strong>von</strong> Visueller Identität<br />

und Orientierungssystemen.<br />

Zu den bekanntesten Projekten<br />

gehören das Orientierungssystem<br />

für den Campus Caprivistraße<br />

der Fachhochschule<br />

Osnabrück (2004), bei dem die<br />

Informationen an der Decke<br />

angebracht sind, sowie das Orientierungssystem für die<br />

Neue Messe Stuttgart (2007). 2009 hat Uebeles Agentur<br />

nach erfolgreicher Teilnahme an einem Wettbewerb das<br />

Corporate Design des Deutschen Bundestages gestaltet.<br />

Paul Mijksenaar<br />

Der niederländische Grafiker Paul Mijksenaar entwickelte<br />

Leitsysteme für den Amsterdamer Flughafen Schiphol<br />

und den John F. Kennedy International Airport in New<br />

York. Seine Arbeiten gelten als Musterbeispiele für moderne,<br />

funktionale Leitsysteme.<br />

Leitsystem im International Airport John F. Kennedy // Paul Mijksenaar<br />

www.wikimedia.org<br />

Orientierungssystem in der Universität der angewandten Künste in Osnabrück //<br />

Andreas Uebele // Foto: Andreas Körner


53<br />

In 5 Schritten zum Orientierungsystem<br />

Wie geht man als Gestalter an die Entwicklung eines Orientierungssystems heran?<br />

TYPOmag skizziert fünf Etappen, in denen der ehrgeizige Grafikdesigner zu seinem Ziel kommt.<br />

1 2 3 4 5<br />

Analyse<br />

• welche Abteilungen gilt es<br />

zu gliedern?<br />

• wie viele Bereiche gilt es<br />

zu gliedern?<br />

• welche Struktur ist sinnvoll?<br />

• Verteilung der Frequenzen<br />

Konzept<br />

• Verortung der Schilder<br />

• Hierarchie der<br />

Informationen<br />

• Farbcodierung<br />

• Schriftsatz (Zielgruppe)<br />

• Pfeile und Piktogramme<br />

Entwurf<br />

• erste Gestaltungsentwürfe<br />

• Absprache mit dem Kunden<br />

• weitere Ausarbeitung<br />

• Prioritäten: Klarheit und<br />

Übersichtlichkeit<br />

• alles neu durchdenken<br />

Recherche<br />

• Auftraggeber und Zweck des<br />

Orientierungssystems<br />

• Ausgangslage, Gebäudecharakter<br />

und -struktur<br />

• Vorhandene<br />

Orientierungssysteme<br />

• Was macht die Konkurrenz?<br />

• Grundrissplan<br />

• Barrierefreiheit<br />

• Klare Kommunikation<br />

zwischen Orientierungssystem<br />

und Betrachter<br />

• Nutzung der Signaletik<br />

(Schrift, Piktogramme,<br />

Pfeile, Farben)<br />

Ausarbeitung<br />

• Schilder müssen im<br />

Dunkeln erkennbar sein<br />

• nur die wichtigsten Informationen,<br />

denn schnelles<br />

Handeln soll möglich sein<br />

• Alles Wichtige muss im<br />

Sichtfeld (40°) hängen<br />

• Beschilderung am<br />

Ankunftsort (Bestätigung)<br />

• Oberstes Ziel: unbewusste<br />

Wahrnehmung der Schilder<br />

• Keine Werbeschilder<br />

zwischen Hinweisschildern!<br />

Text: Monique Schonauer // Ebersbach an der Fils<br />

Orientierungsdesign nennt man die Gestaltung <strong>von</strong><br />

Leitsystemen. Sie verbindet Elemente aus Architektur, Grafik- und<br />

Produktdesign, Psychologie, Sinneswahrnehmung sowie kulturelle<br />

Prägungen zu einem komplexen System.


55<br />

PLATTENCOVER<br />

Hörprobe mit den Augen<br />

Die Verbindung <strong>von</strong> Schrift und Sound<br />

Die Verbindung <strong>von</strong> Schrift und Sound kann man besonders gut in<br />

der Geschichte der Platten-Cover erkennen. Geprägt <strong>von</strong> den jeweils<br />

aktuellen typografischen Trends wurden Platten-Cover entsprechend<br />

der den unterschiedlichen Musikstile gestaltet. In den 60er Jahren<br />

füllten bunte Pop Art-Cover die Schaufenster der Plattenläden. Pop<br />

Art schlug durch die Platten-Cover eine Brücke <strong>von</strong> der Kunst in den<br />

Alltag. In der Rock und Pop-Musik war die Gestaltung oft psychodelisch,<br />

die Illustrationen wirkten halluzinativ verzerrt. Bisherige Gestaltungsregeln<br />

sollten in Frage gestellt und so etwas Neues geschaffen<br />

werden. Mitte der siebziger Jahre drückte sich der Freiheitsgedanke<br />

der Punk-Bands durch eine chaotische, anarchistische Typografie aus.<br />

Das Cover harmoniert im besten Fall auch mit der Musikrichtung.<br />

‚Der Spatz <strong>von</strong> <strong>Paris</strong>‘ wurde Edith<br />

Piaf genannt. Das Image der Grande<br />

Dame des französischen Chanson<br />

wurde durch die Gestaltung<br />

ihrer Plattencover und Plakate<br />

mustergültig unterstützt. Die Typografie<br />

recht schlicht und in das<br />

<strong>Paris</strong>er Schriftbild passend:<br />

weiche Schreibschriften oder<br />

schlichte Versalien, die an die<br />

Theaterwelt erinnern. Und dann<br />

eine Darstellung der Piaf: etwas<br />

entrückt, kontrastreich im Scheinwerferlicht<br />

stehend, ausdrucksstark<br />

in ihren Gesten, ganz Augen<br />

und Mund.<br />

At the <strong>Paris</strong> Olympia // Edith Piaf


56<br />

<strong>Paris</strong> auf dem Cover<br />

Hier ist eine kleine Sammlung <strong>von</strong> Platten zu sehen, die sich mit der Marke <strong>Paris</strong> verkauft.<br />

Einige Beispiele möchten durch Text- und Bildgestaltung das bekannte <strong>Paris</strong>bild im Kopf<br />

auslösen: mit stimmungsvollen Farben, Erinnerungen an das Theater sowie an <strong>Paris</strong>er<br />

Chansoniers wie Gainsbourg und die Plakatgestaltung <strong>von</strong> Toulouse-Lautrec.


57<br />

Hauptsache Gefühl<br />

Emotionen in Musik und Schrift<br />

Musik und Schrift haben ihre emotionale Wirkung gemein und sind<br />

so bereits stark miteinander verbunden. Ein melodisches Musikstück<br />

kann ebenso Emotionen hervorrufen, wie ein geschriebenes Wort.<br />

Musiker hören beim Komponieren oft erst die Melodie bevor sie die<br />

Texte dazu schreiben, um sich <strong>von</strong> Klang und Stimmung des Stückes<br />

inspirieren zu lassen. Die Künstler möchten diese Stimmung auch auf<br />

ihren Plakaten und Platten-Covern wiedergeben. So ist die Wahl der<br />

richtigen Schriftart, -größe und des gesamten Gestaltungsstiles entscheidend<br />

für ein gelungenes Cover.<br />

Kleinformatkunst und Schriftklischees<br />

Trotz der kleinen Fläche <strong>von</strong> nur 12 x 12 cm, ist die Schrift ein entscheidendes<br />

gestalterisches Element auf einem CD-Cover, denn bestimmte<br />

Text-Formen werden wie ein Bild wahrgenommen.<br />

Verschiedene Schriftarten und -stile sind so verknüpft mit bestimmten<br />

Eigenschaften, dass sie verschiedene Musikrichtungen wiederspiegeln<br />

können. Denn Zeichen und Symbole sind erlernt oder haben<br />

ihre Bedeutung durch allseits bekannte Konventionen erlangt. Es geht<br />

nicht unbedingt um die Lesbarkeit, die emotionale Wirkung wiegt bei<br />

einem CD- oder Plattencover viel gewichtiger. Abhängig ist dies vom<br />

Genre der Musik, dem Thema und Inhalt des zu gestaltenden Textes.<br />

Der Gestalter muss häufig das Kommunikationsziel − die Gesamtwirkung<br />

des Covers auf den Betrachter − vor die Lesbarkeit der Schrift<br />

stellen. Gewisse ästhetische Normen, wie die Symmetriebalance und<br />

aktuelle Trends spielen jedoch eine große Rolle, zu experimentell darf<br />

es auch nicht sein. Ein Platten-Cover muss klar kommunizieren, denn<br />

es soll auf einen Blick gefallen und dem Betrachter eine visuelle Hörprobe<br />

geben. Ist die Gestaltung überzeugend, nimmt man auch eine<br />

unbekannte Platte her und lässt schließlich die richtige Hörprobe die<br />

Entscheidung zum Kauf besiegeln.<br />

Text: Zarah Djazayeri // Berlin


58<br />

Finissage<br />

Impressum<br />

TYPOmag<br />

Ausgabe N°1 // 16.11.2013<br />

Herausgeber<br />

<strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong><br />

Uhlandstraße 23<br />

04177 Leipzig<br />

3. Semester Grafikdesign<br />

Diploma Hochschule<br />

Dozent: Andreas Ken Lanig<br />

Titelbild // Rückseite<br />

<strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong><br />

Illustrationen<br />

<strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong> // S. 2-3, 7, 8-9,<br />

32-33, 35, 42, 48, 54-55, 56, 57<br />

Autoren<br />

<strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong>, Olga Kleim<br />

Melina Horn, Raphala Russ<br />

Stefanie Schuchert, Daniel Bagehorn<br />

Le Nouvel Observateur, Isabell Hanke<br />

Friederike Truntzer, Zarah Djazayeri,<br />

Monique Schonauer<br />

Quellen<br />

S.6-11 (05.11.2013)<br />

S. 6-11 Fotos: <strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong>,<br />

S. 7 Peignot: www.100besteschriften.de/bilder/049/peignot-<br />

2c_web.jpg<br />

S. 12-13 (21.07.2013)<br />

S. 12 : http://markandrewwebber.com/?portfolio=paris-linocutprint-,<br />

S.13 : http://www.moshik.net/<br />

S. 14-19 (20.08.2013)<br />

S.14: http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/318D198a.jpg,<br />

S. 15: http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/318D187a.jpg, S. 16 :<br />

http://www.wochenblatt.de/nachrichten/schwandorf/regionales/<br />

Alte-Technik-<strong>von</strong>-zeitlosem-kuenstlerischen-Wert;art1170,161372<br />

S. 17: http://www.google.de/imgres?imgurl=http://upload.<br />

wikimedia.org/wikipedia/commons/1/17/Lautrec_moulin_<br />

rouge,_la_goulue_%28poster%29_1891.jpg&imgrefurl=http://<br />

commons.wikimedia.org/wiki/File:Lautrec_moulin_rouge,_la_<br />

goulue_%28poster%29_1891.jpg&h=1155&w=738&sz=160&tbnid=L<br />

eCcXVd1MSzW5M:&tbnh=91&tbnw=58&zoom=1&usg=__rw5o_Ptk<br />

vY2y8FJW8Yq94UOGIEQ=&docid=GBhrqEGQOb4KnM&sa=X&ei=IqUS<br />

Uo_dAsjHtQbxlIHQCw&ved=0CDMQ9QEwAA&dur=414<br />

S. 18 : http://glasstire.com/wp-content/uploads/2013/08/Guibert-<br />

Henri-de-Toulouse-Lautrec.jpg, S. 19: http://images.zeno.org/<br />

Kunstwerke/I/big/318D069a.jpg<br />

S. 20-23 (17.08.2013)<br />

S. 20 http://blogs.lt.vt.edu/gracemez/files/2013/05/Death_by_Typography_by_GCORE.jpg<br />

// S. 21 www.henkel.at<br />

S. 23 Plakate für Pivot ©www.adsoftheworld.com<br />

S.24-27 (05.08.2013, 04.11.2013)<br />

S. 24 http://www.wikipaintings.org/en/search/mona%20<br />

lisa/1#supersized-search-225189 // S. 25-27 www.sagmeisterwalsh.<br />

com,<br />

Textquellen S. 24-25:<br />

1 Interview mit Stefan Sagmeister. www.art-magazine.de,<br />

Kathrin Leist<br />

2 Vgl. http://www.brandeins.de/archiv/2010/vergessen-lernen/<br />

pausenzeichen.html, Patricia Döhle, 2010<br />

3 Stefan Sagmeister, Things I‘ve learned in my life so far, Verlag<br />

Hermann Schmidt, Mainz<br />

4 Vgl. http://www.brandeins.de/archiv/2010/vergessen-lernen/<br />

pausenzeichen.html, Patricia Döhle, 2010<br />

5 http://www.welt.de/lifestyle/article5272981/Er-ist-der-<br />

Philosoph-unter-den-Designern.html, Axel Springer AG 2013,<br />

Adriano Sack<br />

6 http://www.artschoolvets.com/features-design/interviewstefan-sagmeister/#page-4,<br />

Art School Vets<br />

S. 28-29 (01.11.2013)<br />

Fotos: www.listeningwithmyeyes.com // S. 29 COMPLEX Cover<br />

©strictlypaper.com<br />

S. 30-41<br />

Fotos: <strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong> // Daniel Bagehorn<br />

S. 42-49 (04.11.2013)<br />

S. 42: Dada http://paperstreetsupplies.com/wp-content/uploads/<br />

RaoulHausmann_001.jpg, 08.11.2013<br />

S. 43 : Zeichnung ‚Angst‘ // Martin Andersch (unbekannte Quelle)<br />

S. 44-45: http://www.page-online.de//media/galerien/Galerie_zum_Artikel/00_2013/09_2013/TY_130927_Philippe_Apeloig/TY_130927_Philippe_Apeloig_SAUT-HERMES.jpg<br />

// http://<br />

www.page-online.de//media/galerien/Galerie_zum_Artikel/00_2013/09_2013/TY_130927_Philippe_Apeloig/content_<br />

size_TY_130927_Philippe_Apeloig_YVES_SAINT_LAURENT.jpg //<br />

http://www.page-online.de//media/galerien/Galerie_zum_Artikel/00_2013/09_2013/TY_130927_Philippe_Apeloig/TY_130927_Philippe_Apeloig_STREET_SCENE.jpg<br />

// http://www.page-online.<br />

de//media/galerien/Galerie_zum_Artikel/00_2013/09_2013/<br />

TY_130927_Philippe_Apeloig/TY_130927_Philippe_Apeloig_BA-<br />

TEAU_SUR_LEAU.jpg<br />

S. 46-47<br />

Fotos: <strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong><br />

S. 47: http://grantcoombs.files.wordpress.com/2013/01/2012-07-<br />

24_adrianfrutiger_henkgianotten.jpg, 29.10.2013<br />

S. 50-51 (02.10.2013)<br />

S. 50: http://www.designmadeinhamburg.net/_data/erik-spiekermann-1.jpg<br />

// http://www.berlin.de/<br />

s. 51: Metrokarte http://www.tubemapcentral.com/circles/Spiekermann.jpg<br />

S. 51 http://www.typografie.info/3/uploads/2ffdfa31100efb7ee53<br />

9b52629124542.jpg<br />

S. 52-53 (31.10.2013)<br />

S. 52: Otl Aicher http://www.designtagebuch.de/wp-content/<br />

uploads/mediathek//1972-otl-aicher-piktogramme.png // Andreas<br />

Uebele// http://www.designboom.com/design/andreas-uebeleinterview)<br />

// Paul Mijksenaar http://www.rnw.nl/data/files/<br />

imagecache/rnw_slideshow/images/image/article/2012/02/jfk_terminal4_2_0.jpg<br />

S. 53: http://www.skh-arnsdorf.sachsen.de/fileadmin/user_upload/arnsdorf/<strong>pdf</strong>/Lageplan-SKH_Stand_10-2010.jpg<br />

S. 54-57 (07.11.2013)<br />

S.55: Edith Piaf: userserve-ak.last.fm/serve/300x300/56785953.jpg<br />

S. 56: Götz Alsmann: www.contentcounts.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/11/00-goetz_alsmann-in_paris-front.jpg<br />

// Peter Alexander: www.secondhandlps.de/pix_dlps/alexander_<br />

peter_wiener_in_paris.jpg // Chris Howland: www.filmsalexxl.de/<br />

ebay/images2012/chrishowl-1339238673-14940.jpg<br />

// David Bowie: rateyourmusic.com/release/unauth/david_bowie/<br />

paris_bye_ta_ta___live_in_paris_1970<br />

// Billy Eckstine: www.secondhandlps.de/pix_easylps/eckstine_billy_in_paris.jpg<br />

// Edith Piaf: userserve-ak.last.fm/serve/300x300/56785953.jpg<br />

// Christopher cross: s3.amazonaws.com/NRNArt/Christopher-Cross-<br />

-A-Night-In-<strong>Paris</strong>.jpg<br />

// Chris brown: fc05.deviantart.net/fs70/f/2012/200/b/2/<br />

chris_brown_nggas_in_paris_album_cover_new_by_zerjer97-<br />

d57wh3b.jpg<br />

// Count Basie: www.jazz.com/assets/2007/12/21/albumcoverCount-<br />

Basie-AprilIn<strong>Paris</strong>.jpg?1198221720<br />

// Dizzy Gillespie: img1.bdbphotos.com/images/orig/0/<br />

o/0opy25vslmzpyp5p.jpg?skj2io4l<br />

// Earl Grant: www.secondhandlps.de/pix_instrlps/grant_earl_<br />

paris.jpg<br />

// Oasis: www.whosdatedwho.com/tpx_62732/oasis/albumcovers_2<br />

// Diddy – Dirty Money: upload.wikimedia.org/wikipedia/en/1/1c/<br />

Last_Train_To_<strong>Paris</strong>_Album_Cover_Diddy.jpg<br />

// Jimmy Hendrix: http://eil.com/images/main/Jimi+Hendrix+-<br />

+Live+At+L%27Olympia+<strong>Paris</strong>+1968+-+CD+ALBUM-307244.jpg<br />

// Jackie <strong>Paris</strong>: http://img.maniadb.com/images/<br />

album/287/287244_1_f.jpg<br />

// Serge Gainsbourg: https://encrypted-tbn1.gstatic.com/ima<br />

ges?q=tbn:ANd9GcRvSqd6QWo3jUZVoHlsGrOM-cU_pbVKDsZI-<br />

CmKndVSAWUPfVBXyg<br />

// Jane Morgan: www.solidviper.com/coverart/large/211391l.jpg<br />

// The Pogues: https://s3.amazonaws.com/NRNArt/Pogues--In-<br />

<strong>Paris</strong>-30th-Anniversary-Concert-At-The-Olympia.jpg<br />

// Radiohead: http://rymimg.com/lk/f/l/41037f264f5a0abfe89e3add<br />

ab8fa579/1896361.jpg<br />

// Supertramp: http://userserve-ak.last.fm/serve/500/85837115/<br />

<strong>Paris</strong>%2Bdisc%2B2%2B89.jpg<br />

// Riff Cohen: http://fanart.tv/thumb.php?src=/fanart/music/<br />

bf0669ad-1088-47da-a538-7f7e3255bf69/albumcover/a-paris-<br />

517e2dc01a92b.jpg&w=280<br />

// Freaks: https://s3.amazonaws.com/NRNArt/The-Hawk-In-<strong>Paris</strong>-<br />

-Freaks-album-cover.jpg<br />

// Caterina Valente: www.secondhandlps.de/pix_dlps/valente_caterina_pariser_chic<br />

// Eddie Barclaye: http://theredvelvetshoe.typepad.com/.a/6a00df3<br />

521db9688330147e058ce21970b-450wi<br />

// bud powell: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/1/1f/<br />

Bud_Powell_in_<strong>Paris</strong>_%28album_cover%29.jpg<br />

// bob sinclair: http://thenewfaceoftalk.com/wp-content/uploads/2013/07/Bob-Sinclar-<strong>Paris</strong>-by-Night-album-cover-04-2013.<br />

jpg<br />

// Andrew Ryan: https://divulgerecords.com/files/product_images/132/Waiting_for_<strong>Paris</strong>_-_album_cover.jpg<br />

S. 57: Ladyhawke: http://ecx.images-amazon.com/images/<br />

I/51XlKiAwcKL.jpg // Patty Smith: http://www.inspiredm.com/wpcontent/uploads/2011/02/music-covers-typography-09.jpg<br />

S.58-59<br />

Kurt Weidemann: http://www.amazon.de/dp/3937982191,<br />

21.06.2013<br />

Eszett: http://www.typografie.info/3/page/artikel.htm/_/wissen/<br />

grosses-eszett-anwendungsbeispiele, 07.08.2013<br />

Alle weiteren: <strong>Beatrice</strong> <strong>Dommenz</strong>


59<br />

N°2<br />

nach draussen<br />

Die nächste Ausgabe des TYPOmag sucht sich Aufständler, Rausgeher und Weitermacher, die nie müde werden,<br />

für ihre Sache zu kämpfen. Unseren Lesern wird es warm ums Herz werden, wenn sie Kurt Weidemanns Stimme in seinen<br />

Büchern forthören. Sie werden eine Portion Kampfgeist abbekommen, wenn sie sehen, wie es um das ß im Kampf um<br />

seine eigene Versalie steht. Die Helvetica, die nie Untergehende, wird ein Beispiel für Treue und Funktion abgeben.<br />

Und wenn Yoko Ono dann erst die Wände weiß malt und sich mit großen Brillenaugen in den rebellischen Teil<br />

unseres Hirns singt, dann werden alle munter, die <strong>von</strong> der Winterkälte ganz schläfrig sind. Es wird ein Fest.<br />

HIER KOMMT KURT<br />

Kurt Weidemann und<br />

sein Vermächtnis<br />

LONDON<br />

UND DER REGEN<br />

Museumsbesuch bei Regen<br />

DAS ß UND SEIN<br />

KAMPF UM DIE<br />

EIGENE VERSALIE<br />

Das ß ist beliebt wie nie


HENRI de TOULOUSE-LAUTREC<br />

Der kleine Mann und der Stein<br />

TYPORAMA<br />

Typografie treibt wilde Blüten<br />

DIE TYPOMANEN SIND IN DER STADT<br />

Frutiger, Spiekermann und Co.<br />

N°1 // November 2013 // Magazin für Typografie // 4,95 ¤

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