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Das Sommerland - Pastoralverbund Esloher Land

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<strong>Das</strong> <strong>Sommerland</strong><br />

(nach Eyvind Skeie)<br />

Ich weiß nicht, wie ich Dir das erzählen soll. Denn es ist kein Märchen, und<br />

gleichzeitig ist es doch so etwas wie ein Märchen. Es steht nämlich so auch nicht in<br />

der Bibel. Und es ist niemals passiert, und doch passiert es immer wieder. Es<br />

handelt von jemand, den du gekannt hast, und doch handelt es von keinem, den du<br />

kennst.<br />

Direkt neben Dir gibt es ein Tal, das Du nicht sehen kannst. Du siehst es solange<br />

nicht, bis Du Dich selbst in diesem Tal befindest. Und wenn Du in diesem Tal bist,<br />

weißt Du erst, dass Du dort gewesen bist, wenn Du nicht mehr dort bist.<br />

Ich meine das „Dunkle Tal“. Manche nennen es auch den Tod, aber ich habe es<br />

immer nur das „Dunkle Tal“ genannt. Und zwar deshalb, weil man hindurchgehen<br />

muss. Und wenn Du hindurchgegangen bist, dann bist Du nicht mehr so, wie Dich<br />

Deine Mama, Dein Papa, Deine Brüder, Schwestern, Nachbarn und Freunde in<br />

Erinnerung haben. Du wirst nämlich anders im „Dunklen Tal“, und davon will ich Dir<br />

gerne ein wenig erzählen.<br />

<strong>Das</strong> „Dunkle Tal“ befindet sich die ganze Zeit direkt neben Dir, Du siehst es bloß<br />

nicht. Du siehst das „Dunkle Tal“ erst in dem Augenblick, in dem Du es betreten<br />

musst, und das ist, wenn Du stirbst. Und das ist ja ein bisschen schwierig zu<br />

erklären. - Aber wenn Menschen sterben, dann machen sie sozusagen „einen Schritt<br />

neben sich selbst“, und dann sind sie auf einmal im „Dunklen Tal“.<br />

Sie können nicht selber bestimmen, ob sie hineinwollen oder nicht, und keiner kann<br />

sie aus dem „Dunklen Tal“ zurückholen. Der Weg im „Dunklen Tal“ führt nur in eine<br />

Richtung. Du kannst Dich nicht mehr einfach umdrehen und umkehren, wenn Du<br />

erst einmal im „Dunklen Tal“ bist.<br />

Am Anfang ist das „Dunkle Tal“ einfach finster. Und es kann sein, dass die, die es<br />

durchwandern ein bisschen weinen, denn es kann wehtun, wenn man sich plötzlich<br />

neben sich selbst befindet, im Schatten des Tales. - Ich sage Schatten, weil das Tal<br />

nicht ganz finster ist. - Wäre es nämlich pechschwarz, dann wäre es ja unmöglich,<br />

sich darin zurechtzufinden. Aber es gibt ein Licht im „Dunklen Tal“. Und davon will<br />

ich Dir später noch erzählen.<br />

Die, die dort laufen, weinen also vielleicht ein bisschen, jedenfalls am Anfang.<br />

Aber wenn sie immer weiter hineinkommen, hören sie auf zu weinen. Ich glaube,<br />

dass sie sozusagen vergessen, dass sie „einen Schritt neben sich selbst gemacht“<br />

haben. Sie vergessen, was ihnen wehgetan hat. Sie merken bloß, dass der Weg<br />

plötzlich ein bisschen nach oben ansteigt. Und dann sehen sie immer mehr von dem<br />

Licht.<br />

Und jetzt will ich Dir vom Licht im „Dunklen Tal“ erzählen. - Aber ich kann nichts<br />

über das Licht sagen, ohne Dir von dem zu erzählen, der immer wartet. Ich nenne<br />

ihn einfach den „Der-Immer-Wartet“. - Klar, das ist ein etwas komischer Name.<br />

Aber ich bin ganz sicher, dass er selbst diesen Namen auch sehr gern hat. - Denn<br />

das ist es, was er tut: Er wartet immer.


Dort, wo das „Dunkle Tal“ aufhört, beginnt eine große Wiese. Diese Wiese nennt<br />

man, glaube ich, die Sommerwiese, weil dort immer Sommer ist. - Jetzt denken<br />

sicher einige, dass das langweilig ist, wenn auf der Sommerwiese immer Sommer<br />

ist. Denn es gibt ja Leute, die den Frühling oder den Winter oder den Herbst lieber<br />

haben als den Sommer. - Aber in dem <strong>Land</strong>, das am Ende des „Dunklen Tals“ liegt,<br />

ist eben vieles anders als hier bei uns. - Da kommen die Jahreszeiten nicht<br />

nacheinander, wie du und ich es gewohnt sind. - Nein, in diesem <strong>Land</strong> liegen die<br />

Jahreszeiten nebeneinander. Auf der einen Seite der Sommerwiese liegen die<br />

Frühlingsgärten, auf der anderen Seite befindet<br />

sich ein großer Park, der heißt Herbstfeld. Und dahinter kannst Du, wenn Du<br />

möchtest, direkt in den Winterwald gehen.<br />

Du verstehst also vielleicht, dass Du in diesem <strong>Land</strong> selber wählen kannst, wo Du<br />

am liebsten sein möchtest. Du kannst direkt von der Sommerwiese in den<br />

Winterwald gehen oder auch in die Frühlingsgärten. Und wenn Du Hunger hast,<br />

machst Du einfach einen kleinen Spaziergang zum Herbstfeld und pflückst Dir eine<br />

schöne Birne oder Apfelsine. - Und das alles kannst Du an einem einzigen Tag<br />

machen. Übrigens ist in diesem <strong>Land</strong> niemals Nacht, es ist dort immer Tag.<br />

<strong>Das</strong> „Dunkle Tal“ führt also direkt auf die Sommerwiese, Ich glaube, das muss so<br />

sein, weil es so gut tut, ins warme <strong>Sommerland</strong> zu kommen, wenn Du durch die<br />

„Schatten des Tales“ gegangen bist. Da fühlst Du Dich ganz schnell wieder mollig<br />

warm.<br />

Es gibt übrigens viele Leute, die legen sich erst einmal eine Weile hin und schlafen,<br />

wenn sie auf der Sommerwiese angekommen sind. - Sie lassen sich einfach ins Gras<br />

fallen, und selbst wenn sie direkt in der Sonne liegen, kriegen sie keinen<br />

Sonnenbrand. Es wird ihnen einfach warm, und sie träumen etwas Schönes.<br />

Aber nun darf ich natürlich nicht vergessen, mehr über den zu erzählen, der immer<br />

wartet. Er, der „Der-Immer-Wartet“ ist nämlich der Allerwichtigste. - ER ist der<br />

Wichtigste! Er steht immer am Ausgang des „Dunklen Tales“. Seine Augen<br />

schweifen suchend durch die Schatten, denn er wartet auf alle, die durch das Tal<br />

hindurch kommen sollen. Zusammen mit ihm stehen dort drei Engel da. - Die Engel<br />

- Dienstboten Gottes - die sollen IHM helfen und stehen bereit, um alles zu tun, was<br />

ER ihnen sagt.<br />

Der erste heißt der „Engel des Lichts“. - Wenn Du schon einmal an einem Meer<br />

warst, dann hast Du bestimmt schon einmal einen Leuchtturm gesehen. - Ohne<br />

Leuchtturm wissen nämlich die Schiffe nicht, wie sie fahren sollen, um sicher<br />

voranzukommen. Und der Engel des Lichts ist fast so etwas wie ein Leuchtturm.<br />

„Komm, ich höre jemanden“, sagt plötzlich der „Der-Immer-Wartet“ zu dem „Engel<br />

des Lichts“. Und dann stellt sich der „Engel des Lichts“ in den Ausgang des<br />

„Dunklen Tals“ und lässt seine Fackel weit in die Finsternis hineinleuchten.<br />

Und die durch das Tal kommen, die sehen das Licht. Und so wissen sie, wohin sie<br />

gehen sollen.


„Pst!“ sagt dann der „Der-Immer-Wartet“, - „ich höre die Schritte eines kleinen<br />

Kindes. Los, Engel des Lichts, strahl bitte viel heller! - Komm, leuchte noch wärmer<br />

und zeig dem Kind den Weg!“ - Und jedes Mal, wenn ein ganz kleines Kind<br />

ankommt, geht der „Engel des Lichts“ ganz in das „Dunkle Tal“ hinein. - Und das<br />

Licht ist so stark, dass die Schatten verschwinden. Und dann ist es taghell im<br />

„Dunklen Tal“.<br />

Und stell dir vor, das kleine Kind sieht das Licht und läuft ihm entgegen. Es läuft<br />

ihm entgegen. Und da lächelt der „Der-Immer-Wartet“. Er streckt dem Kind die<br />

Arme entgegen. - Aber, das kann das Kind noch nicht sehen, weil das Licht so sehr<br />

hell ist, und weil das Kind noch so tief im „Dunklen Tal“ ist.<br />

Und weißt Du, was dann geschieht? Dann ruft der „Der-Immer-Wartet“ den zweiten<br />

Engel herbei. <strong>Das</strong> ist der „Engel der Hoffnung“.<br />

Vielleicht weißt du nicht, was das ist, eine Hoffnung. - Ich will es dir gern erklären:<br />

„Hoffnung“ ist etwas, was dich fröhlich macht, damit du wieder Lust bekommst.<br />

Damit Du wieder Lust bekommst, im „Dunklen Tal“ weiterzugehen.<br />

Der „Der-Immer-Wartet“, der weiß, dass das kleine Kind von der langen Wanderung<br />

leicht müde wird. Und deshalb bittet er den „Engel der Hoffung“ zu kommen und<br />

auf seiner Flöte zu spielen. (Oder war es eine Mundharmonika. Ja, ich denke doch,<br />

es war wohl eine Mundharmonika, weil die Margarete liebte die Mundis so sehr.)<br />

Der „Engel der Hoffnung“ hat nämlich eine Flöte - äh, eine Mundharmonika. Und<br />

wenn der „Engel der Hoffnung“ darauf spielt, dann ist das so, als ob alle Singvögel<br />

der Welt in der Mundi wohnen. Und wenn er dann spielt, dann flattern sie mit<br />

seiner schönen Melodie weit hinaus. Sie fliegen ganz weit, bis hin zu dem Kind, das<br />

durchs das „Dunkle Tal“ wandert. - Und dann fängt das Kind an, sich zu erinnern.<br />

Es denkt an den Sommer und an die Vögel. Es denkt daran, wie es gespielt hat, wie<br />

es durchs Gras gesprungen und fröhlich gewesen ist. Und wie es zu Hause durch das<br />

Küchenfenster, die Vögel beobachtet hat und die Kinder aus dem Dorf, wenn sie im<br />

Garten draußen Schlitten gefahren sind.<br />

Nun habe ich ja vorhin schon gesagt, dass Du Dich im „Dunklen Tal“ nicht<br />

umdrehen und nicht rückwärts gehen kannst. Und weil Du nicht rückwärts gehen<br />

kannst, kannst Du auch nicht rückwärts denken. - <strong>Das</strong> hört sich sehr merkwürdig<br />

an, aber wenn Du nicht rückwärts denken kannst, dann musst Du vorwärts denken.<br />

Und genau das tut das Kind. - Wenn es die herrliche Mundharmonikamusik hört und<br />

das Licht sieht, dann denkt es vorwärts und dann spürt es: „Ich muss mich beeilen,<br />

damit ich dahin komme, wo die Musik herkommt. - Denn da gibt es einen Ort, wo<br />

ich mich freuen kann. Da ist der Sommer und die Freude." - Und so beginnt das Kind<br />

ganz schnell zu laufen. Und die Füße, die so müde waren, die kriegen wieder<br />

richtig neue Kraft.<br />

Aber wenn das Kind noch sehr klein ist, dann kann es sein, dass es nicht so weit<br />

laufen kann. Selbst wenn der „Engel des Lichts“ so hell wie möglich strahlt. Und<br />

selbst wenn der „Engel der Hoffnung“ so laut und schön auf der Mundharmonika<br />

spielt, wie er nur kann - es kann doch passieren, dass das Kind müde wird und nicht<br />

mehr laufen will. Und vielleicht setzt es sich dann hin, um auszuruhen. Vielleicht<br />

schläft es auch ein.


Und weißt Du, was dann geschieht? <strong>Das</strong> will ich Dir unbedingt erzählen: Dann geht<br />

der „Der-Immer-Wartet“ selbst in das „Dunkle Tal“ hinein. - ER ist der einzige; der<br />

fähig ist, den Weg zurückzugehen und die abzuholen, die da kommen. - Ja,<br />

manchmal geschieht es auch, dass da ganz kleine Kinder sterben, die noch gar<br />

nicht laufen gelernt haben. Und dann muss der „Der-Immer-Wartet“ durch das<br />

ganze Tal laufen, um sie zu holen. Und dann trägt er sie behutsam durch das<br />

„Dunkle Tal“ und legt sie vorsichtig ins Gras der Sommerwiese.<br />

Und weißt Du, was ER macht, während, ER durch das Dunkle Tal geht? - Er singt! -<br />

(Du, er singt besser als der Papa! - Echt, früher hat das Kind immer zu Hause am<br />

Tisch gesagt: „Papa sing!“) - Und jetzt singt der „Der-Immer-Wartet“ für das Kind.<br />

Und wenn die Kinder schlafen, dann singt ER Wiegenlieder, und wenn sie wach<br />

sind, dann singt ER fröhliche Lieder. Und die handeln von all dem, was es so auf<br />

der Sommerwiese, in den Frühlingsgärten, im Winterwald und auf dem Herbstfeld<br />

gibt. Und das Kind sieht, wie ER ihm entgegenkommt - aus der selben Richtung, aus<br />

der auch das Licht kommt.<br />

Und dann hat das Kind überhaupt keine Angst mehr. Es weint auch nicht mehr.<br />

Denn das Kind weiß, dass der „Der-aus-dem-Licht-kommt“. Gutes bringt. Und in<br />

dem Augenblick, wo der „Der-Immer-Wartet“ sich bückt und das Kind hochhebt, da<br />

lächelt ihn das Kind an. Ich glaube fast, das Kind erkennt ihn wieder, obwohl es ihn<br />

niemals vorher gesehen hat. <strong>Das</strong> ist so, als ob sich das Kind nun doch ganz tief<br />

zurückerinnert, wie es früher in die Arme genommen worden ist. Es denkt daran,<br />

dass da schon einmal jemand da war, vor langer, langer Zeit, der es lieb gehabt<br />

hat. <strong>Das</strong> Kind war schon einmal an einem Ort, wo es singen, Mundharmonika spielen<br />

und überhaupt ganz viel spielen konnte und ganz ruhig schlafen, wenn es müde<br />

war.<br />

Ich glaube, du verstehst jetzt genau, wo das war. - <strong>Das</strong> war zu Hause bei seinen<br />

Eltern, bei denen es gewohnt hat, bis es den Schritt zur Seite gemacht hat.<br />

Daheim - zu Hause bei dem Kind - da ist jetzt alles ganz, ganz traurig. Da weinen<br />

sie, und keiner kann sie trösten. Und deswegen muss ich Dir mehr erzählen, von<br />

dem „Der-Immer-Wartet“. Er nimmt das Kind ganz behutsam in die Arme und trägt<br />

es. Und dabei schläft das Kind ein, da bin ich ganz sicher. Es schläft und träumt<br />

davon, wie es ins Licht getragen und in die warme Sonne gelegt wird, auf die<br />

Sommerwiese. Und wenn es aufwacht, dann ist das alles wirklich so. Denn genau<br />

das ist ja passiert.<br />

Der „Der-Immer-Wartet“ sitzt neben dem Kind. Du kannst ihn auch genauso gut den<br />

„Der-Niemals-Schläft“ nennen, wie es im 121. Psalm heißt: „Er schläft und<br />

schlummert nicht.“ Denn ER schläft wirklich niemals. Er ist immer wach. Und das<br />

macht er, weil er auf alle wartet, die kommen. Darum steht er ja da, wo das<br />

„Dunkle Tal“ aufhört und die Sommerwiese anfängt. Aber wenn ein kleines Kind<br />

zum ersten Mal auf der Sommerwiese schläft, setzt er sich direkt neben das Kind<br />

und passt auf, obwohl es auf der Wiese gar nichts Gefährliches gibt.<br />

Wenn das Kind aufwacht, sieht er es an und lächelt. Er streichelt mit seinen<br />

Händen das Gesicht des Kindes, und seine Hände sind warm und leicht wie die<br />

Flügel eines Schmetterlings.


Und weißt Du, was dann passiert: Da sieht das Kind, dass der „Der-Immer-Wartet“<br />

weint. Ja, große Tränen tropfen aus seinen Augen. - <strong>Das</strong> Kind erinnert sich nicht<br />

mehr, warum man weint, denn auf der Sommerwiese gibt es keinen, der weint. Da<br />

gibt es nur Spiel und Gesang und Freude. Aber jetzt weint auch das Kind zusammen<br />

mit dem, der immer wartet. Es weint und weiß aber selber gar nicht mehr warum.<br />

Du und ich, wir wissen, warum das Kind weint. Es weint, weil es nicht mehr da ist,<br />

wo es früher immer war. Daheim bei Mama und Papa, Aber das weiß ja das Kind<br />

nicht mehr. Nur wir weinen, wenn ein anderer einen Schritt zur Seite gemacht hat<br />

und gestorben ist. Wer durch das „Dunkle Tal“ gegangen ist, hat alles Weinen und<br />

alle Schatten hinter sich gelassen.<br />

Aber der „Der-Immer-Wartet“ weiß noch, wie es früher war. Er kennt uns, auch<br />

wenn wir noch am anderen Ende des „Dunklen Tals“ wohnen. Darum weint er<br />

zusammen mit uns. Und er trocknet die Tränen des Kindes und macht, dass das<br />

Kind wieder lächelt.<br />

Jetzt ist es soweit, dass der dritte Engel kommt. - Der „Der-Immer-Wartet“ ruft<br />

diesen Engel niemals herbei. <strong>Das</strong> braucht er nicht, weil der Engel immer von selbst<br />

kommt, wenn der „Der-lmmer-Wartet“ weint. Und dann kommt der Engel und<br />

schmiegt sich ganz eng an den „Der-Immer-Wartet“, so nah, dass die Tränen auf<br />

den Engel niedertropfen. Er schmiegt sich so nah an ihn, dass der Engel ganz<br />

bestimmt hören kann, wie dem „Der-Immer-Wartet“, das Herz schlägt. - Dieser<br />

Engel heißt der „Engel des Trostes“.<br />

Der „Der-Immer-Wartet“ redet niemals mit dem „Engel des Trostes“. Aber sobald<br />

der „Engel des Trostes“ ganz nah bei ihm war und seine Tränen und seinen<br />

Herzschlag gespürt hat, geht der „Engel des Trostes“ wieder weiter. Er geht so<br />

sanft und so leise, dass Du ihn fast nicht hören kannst. Aber wenn er bei Dir war,<br />

hörst Du nach einer Weile auf zu weinen. Und vielleicht hörst Du dann eines Tages,<br />

dass der „Engel des Hoffnung“ für dich Mundharmonika spielt. Und eines Nachts<br />

siehst Du, dass der „Engel des Lichts“<br />

auch in dein „Dunkles Tal“ scheint.<br />

Nachdem der „Engel des Trostes“ dann gegangen ist - und ich glaube, du weißt<br />

jetzt, wo er hingeht - sitzt der „Der-Immer-Wartet“ noch ganz lange bei dem Kind.<br />

Und ich glaube, das Kind krabbelt dann in seinen Schoß. Und vielleicht schläft es<br />

noch ein bisschen und träumt noch ein wenig, bevor es dann ganz aufwacht.<br />

Und der „Der-Immer-Wartet“ sieht das Kind an. - „Du bist Margarete“, sagt er,<br />

wenn das Kind so heißt. - Und da erinnert sich das Kind an seinen Namen. - Es<br />

richtet sich auf und nimmt den „Der-Immer-Wartet“, bei der Hand. - „Und du bist<br />

Jesus“, sagt dann Margarete ganz laut. Und dann lässt sie seine Hand los und<br />

springt barfuss hinaus auf die Sommerwiese.

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