94 95 max baumann an dreas heddergott ju lia - Wüstenrot Stiftung

wstg.de

94 95 max baumann an dreas heddergott ju lia - Wüstenrot Stiftung

10 JAHRE

DOKUMENTARFOTOGRAFIE

FÖRDERPREISE DER

WÜSTENROT STIFTUNG

94/95 MAX BAUMANN AN

DREAS HEDDERGOTT JU

LIA SÖRGEL THOMAS WOL

F 97/98 STEFAN EIKERM

ANN MATTHIAS KOCH CH

RISTIAN VON STEFFELIN

ALBRECHT TÜBKE 99 /00

FRANK BREUER NICOLA

MEITZNER MARKUS MIL

DE KALLE SINGER 01/02

ESPEN EICHHÖFER CHRI

ZEIT

RAUM

BILD

STOPH HOLZAPFEL ANDR

EAS THEIN ANKE TILLMA

NN 03/04 CHRIS DURH

AM SIBYLLE FENDT ULR

ICH GEBERT WOLFGANG

MÜLLER 10 JAHRE

DOKUMENTARFOTOGRAFIE

FÖRDERPREISE DER

WÜSTENROT STIFTUNG


ZEIT

RAUM

BILD

10 JAHRE

DOKUMENTARFOTOGRAFIE

FÖRDERPREISE

DER WÜSTENROT STIFTUNG


VORWORT // Seit 1994 vergibt die Wüstenrot Stiftung in enger Zusammenarbeit

mit der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang,

Essen, »Dokumentarfotografie Förderpreise« an junge Fotografinnen und

Fotografen. Die Tatsache, dass der Dokumentarfotografie sowohl im angewandten

Bereich als auch im Kontext der Kunst zunehmend weniger

Chancen für Langzeitprojekte gegeben wird, gab den Ausschlag für die

Konzeption der Preise der Wüstenrot Stiftung als langfristige Förderung.

Alle zwei Jahre werden vier gleichwertige Förderpreise an Absolvent/ innen

deutscher Hochschulen oder Akademien, die einen Abschluss in dokumentarischer

Fotografie abgelegt haben, vergeben. Grundlage der

Preisvergabe, die durch eine jeweils wechselnde und mit internationalen

Fachleuten besetzte Jury erfolgt, ist die Abschlussarbeit und die Beschreibung

des projektierten Vorhabens, das mit dem Preisgeld verwirklicht

werden soll. Nach Ablauf eines Jahres werden die Ergebnisse gesichtet

und im Rahmen einer Wanderausstellung mit Begleitkatalog der

Öffentlichkeit vorgestellt. So können die Stipendiaten nicht nur eine umfangreiche

Arbeit entwickeln, sondern ergänzen auch ihre Laufbahn durch

einige Ausstellungsstationen an namhaften Institutionen.

Inzwischen haben zwanzig Preisträger/innen mit der Förderung ein unabhängiges

Projekt realisieren können. Der Preis wurde 1994 an Andreas

Heddergott, Thomas Wolf, Max Baumann und Julia Sörgel verliehen.

1997 wurden Christian von Steffelin, Albrecht Tübke, Stefan Eickermann

und Matthias Koch, 1999 Frank Breuer, Markus Milde, Kalle Singer und

Nicola Meitzner ausgezeichnet. 2001 erhielten Espen Eichhöfer, Christoph

Holzapfel, Andreas Thein und AnkeTillmann und 2003 Chris Durham,

Sibylle Fendt, Ulrich Gebert und Wolfgang Müller den Preis. 1996 wurden

die ersten mit Hilfe des Dokumentarfotografie Förderpreises der Wüstenrot

Stiftung entstandenen Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert – nach

zehn Jahren ist nun die Zeit für eine Rückschau gekommen.

Verfolgt man den Werdegang der bisherigen Stipendiaten, so zeigt sich interessanterweise

eine Kontinuität der Arbeitspositionen, extreme Abweichungen

finden sich nicht. Einige der bisherigen Stipendiat/innen, die

ihr dokumentarisches Interesse an der Traditionslinie der Berichterstattung

definierten, haben einen Weg gefunden, ihre Fotografien entweder

im journalistischen Bildmarkt zu publizieren oder arbeiten wie z. B. Wolfgang

Müller mit dem Ziel, ein zweites Buch zu publizieren. Von anderen

Preisträger/innen wiederum kann man berichten, dass sie entweder eine

Galerie gefunden oder aber andere Ausstellungsmöglichkeiten erhalten

haben. Nur eine Stipendiatin hat sich wegen eines weiteren Studiums

vorerst von der intensiven fotografischen Praxis zurückgezogen. Die

Ergebnisse der Projekte zeigen auch, dass dokumentarische Fotografie

sich nicht eindeutig in bestimmten Präsentationsmedien verorten lässt:


Die Arbeiten erscheinen als Buch, in Ausstellungen – ferner dort nicht allein

als Wandbild, sondern auch als Diaprojektion oder Videoinstallation –

und weiterhin in Form der Berichterstattung. Die Wüstenrot Stiftung beschreibt

die Erwartungen an das Dokumentarische sehr offen als »eine

Auseinandersetzung mit realen Lebenswelten«. Dies mag im Zusammenhang

mit der heutigen digitalen Praxis vordergründig überholt erscheinen

– aber technische Vorgaben werden für die Bewerbung nicht gemacht,

digital erstellte Bilder sind nicht ausgeschlossen.

Die Ausstellung der bis 2004 entstandenen Projekte wird an zwei renommierten

Orten gezeigt: Im Kulturforum Potsdamer Platz ausgerichtet vom

Museum für Fotografie in Berlin und im Fotomuseum des Münchner

Stadtmuseums. Den beiden gastgebenden Museumsleitern, Dr. Ludger

Derenthal und Dr. Ulrich Pohlmann, sei an dieser Stelle herzlich für die

hervorragende Zusammenarbeit gedankt. Großer Dank gebührt auch

Katrin Kohle, für die gelungene Vorbereitung und organisatorische Unterstützung

der Retrospektive.

Der vorliegende Katalog bietet eine komprimierte Übersicht über die entstandenen

Arbeiten der Preisträger der Jahrgänge 1994/1995 bis 2003/

2004 und dokumentiert damit auch die Entwicklung der jüngeren deutschen

Dokumentarfotografie in der zurückliegenden Dekade. Der anregende

Essay von Arno Gisinger diskutiert die Dokumentarfotografie als

Phänomen der Authentizitätssuche ihrer Rezipienten im Gegenüber zu

Methoden ihrer Produzenten, das Dokumentarische als Haltung aufzufassen

– dafür danken wir herzlich. Für die gelungene grafische Gestaltung

des Katalogs gilt unser Dank Sabine an Huef.

Wir wünschen der Ausstellung viele Besucher und der jungen Dokumentarfotografie

neue begeisterte Anhänger.

Ute Eskildsen

Fotografische Sammlung

im Museum Folkwang

Friedrich Pfäfflin

Wüstenrot Stiftung


ARNO GISINGER

DIE MÖGLICHKEIT DER WIRKLICHKEIT // Im Januar 1840 veröffentlicht

der amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe einen bemerkenswerten

Essay über die Erfindung der Daguerreotypie, in dem er postuliert:

»The instrument itself must undoubtedly be regarded as the most

important, and perhaps the most extraordinary triumph of modern science.«

1 Es mag auf den ersten Blick überraschen, dass der exzentrische

Autor fantastischer Kurzgeschichten und sprachkünstlerischer Poesie

wenige Monate nach der Bekanntgabe des neuen bildgebenden Verfahrens

ein solch weitsichtiges Urteil über die kommende Medienrevolution

formulieren kann. Anders als der Naturwissenschafter Dominique

François Arago oder der Romancier und Literaturkritiker Jules Janin, die

1839 ihrerseits mit hymnischen Kommentaren zur Daguerreotypie hervorgetreten

sind, ist Poe der Poet über jeden Zweifel erhaben, Anhänger

eines naiven Wissenschaftspositivismus oder gar Propagandist des französischen

Bühnenmalers und Erfinders Louis-Jacques-Mandé Daguerre

zu sein. Und genau dies macht seine Thesen so außergewöhnlich.

1 Edgar Allan Poe, The Daguerreotype, in: Alexander's

Weekly Messenger, 15. Januar 1840, zitiert nach

Jane M. Rabb (Hg.), Litterature and photography.

Interactions 1840 – 1990. A critical anthology, University

of New Mexico Press, Albuquerque 1995, S. 4.

2 Ebenda, S. 5.

Trotz seines ausgeprägten Hanges zum Übernatürlichen verfügt Edgar

Allan Poe über ein feines Sensorium für die wissenschaftlichen Errungenschaften

seiner Zeit. Wie viele seiner Zeitgenossen vergleicht er die

Wirkung der Daguerreotypie zunächst mit der Exaktheit eines Spiegelbildes,

erkennt aber deren fundamental neue Ontologie im Vergleich

zur Zeichnung oder zu einem gemalten Bild. Nicht zufällig führt er den

Beweis für das spezifische Nahverhältnis zwischen Abbild und

Abgebildetem im fotogenischen Prozess über die Oberflächenuntersuchung

mittels eines Mikroskops: »If we examine a work of ordinary art,

by means of a powerful microscope, all traces of resemblance to nature

will disappear – but the closest scrutiny of the photogenic drawing discloses

only a more absolute truth, a more perfect identity of aspect with

the thing represented. The variations of shade, and the gradations of both

linear and aerial perspective are those of truth itself in the supremeness

of its perfection.« 2

Entscheidend für das hohe Maß an Wahrheitsgehalt in der Fotografie sind

nach Poe demnach bildspezifische Eigenschaften wie Lichtverlauf,

atmosphärische Perspektive, Zentralperspektive und zunächst nicht die

Gebrauchsweisen des neuen Prozesses. Auf diesen optisch-chemisch

begründeten Ansatz werden sich im 20. Jahrhundert nahezu alle Theorien

der Fotografie beziehen, die nach dem Noema, dem Wesen des

Mediums fragen. Um es semiologisch auszudrücken: Bis hin zum Alltagsgebrauch

der Amateurfotografie scheint das eigentliche Spezifikum

des fotografischen Abbildes in seiner Indexikalität zu liegen. In der Regel

macht sich die so genannte Dokumentarfotografie diese besondere

Referentialität zunutze, um soziale Wirklichkeiten zu beschreiben und


ihre inneren Zusammenhänge sichtbar zu machen. Auch auf der Rezipientenseite

besteht in Bezug auf die berichtende Fotografie eine hohe

Erwartungshaltung: von keinem anderen fotografischen Genre wird mehr

Authentizität eingefordert. Wie könnte sie sonst verbindliche Aussagen

über die Welt vermitteln und verlässliche visuelle Dokumente für die

Zukunft produzieren? Doch worauf beruht dieses quasi naturgegebene

Abhängigkeitsverhältnis und das stille Einvernehmen zwischen Bildproduzenten

und Bildrezipienten auf dem Gebiet des Dokumentarischen?

Wird hier nicht genuin Kulturelles mit rein Apparativem verwechselt? Um

diese Frage beantworten zu können, ist es ratsam, einen Blick auf die

Ursprünge des Mediums zu werfen.

3 Wolfgang Kemp, Einleitung zur Theorie der Fotografie

I, 1839 – 1912, Schirmer/Mosel 1980, S. 13.

Traditionell wird der Ursprungsmythos der Fotografie mit dem Begriff des

Realismus in Malerei und Literatur, dem Phänomen der präzisen Wiedergabe

eines scheinbar beliebigen, minutiös erfassten Wirklichkeitsausschnittes,

in Zusammenhang gebracht. Der Kunsthistoriker Wolfgang

Kemp interpretiert die Erfindungsgeschichte des neuen mechanischchemisch

produzierenden Mediums kulturell als »Ergebnis einer breiten

Bewegung gleichgerichteter Energien in Weltanschauung, Kunst, Wissenschaft

und Ökonomie« 3 . Die Geburt der Fotografie stellt zweifellos eine

kulturgeschichtliche Zäsur dar. Ihre technische Erfindung erscheint

retrospektiv wie die endgültige Umsetzung des alten Menschheitstraums,

die Natur wirklichkeitsgetreu abzubilden und zu fixieren, oder präziser

formuliert, sie sich selbst reproduzieren zu lassen. Für Nicéphore Niépce,

den Erfinderkollegen Daguerres und eigentlichen Vater der Fotografie,

geht es im Kern darum, die flüchtigen Bilder der Camera obscura festzuhalten.

Die geistesgeschichtlichen Wurzeln und intellektuellen Ausformungen

dieser Sehnsucht reichen weit in die Antike zurück - von Platons

Höhlengleichnis bis Ovids Narziss-Mythos. Die Fotografie ist also längst

erdacht, als sie erfunden wird. Dieser Umstand legt die Vermutung nahe,

dass die frühesten Berichte über das neue Medium in einer Art self-fulfilling

prophecy jenes Interpretationsmodell begründet haben, in dem sich

die indexikalische Natur des fotografischen Bildes mit der aufkommenden

Stilform des Realismus zu einer untrennbaren Einheit verbindet.

In dieser Situation beweist Edgar Allan Poe wissenschaftsphilosophische

Weitsicht. Im Gegensatz zu anderen, fotografisch weit kundigeren

Autoren prophezeit er dem Medium jenen Erfolg, den er selbst nicht mehr

erleben sollte, ohne die Fotografie auf ihren reinen Abbildcharakter zu

reduzieren: »It is a theorem almost demonstrated, that the consequences

of any new scientific invention will, at the present day exceed, by

very much, the wildest expectations of the most imaginative.« Mit anderen

Worten und frei nach Robert Musils poetologischem Prinzip: Was die

Gebrauchsweisen der Fotografie anlangt, denkt Poe als Literat neben


1 Anonym, Frauenporträt, Daguerreotypie, 1850er,

10,3 x 8,4 cm (Fotografische Sammlung, Museum

Folkwang, Essen)

ARNO GISINGER


2 August Sander, Blinder Bergmann Düren, 1930,

23,1 x 17,3 cm (Fotografische Sammlung, Museum

Folkwang, Essen/Copyright: Photograph. Samml./SK

Stiftung Kultur – A. Sander Archiv, Köln, VG Bild–Kunst,

Bonn 2005)

3 Dan Graham, aus der Serie Homes for America,

1966 – 74 (portfolio printed by Griffelkunst, Hamburg

1989), 50 x 56 cm (Fotografische Sammlung,

Museum Folkwang, Essen/Copyright: Dan Graham)


dem Wirklichkeitssinn immer auch den Möglichkeitssinn mit. Neben der

Welt der Tatsachen gibt es auch jene der Vorstellungen. Erst der Figur des

modernen Fotokünstlers wird es gelingen, die Deckungsgleichheit von

Realismus als Abbildungseigenschaft und Realismus als Stilform wieder

aufzubrechen. Walker Evans Diktum vom documentary style, das an die

Stelle des fotografischen Dokuments den Dokumentarstil setzt, verweist

auf eben dieses Dilemma. Seit Walker Evans ist das Dokumentarische

mehr eine Angelegenheit der künstlerischen Haltung und der Gebrauchsweisen

denn eine Frage der Technik. Was zuvor als rein apparativ bedingt

galt, wird bei ihm zu einer Frage der Haltung. 4

4 Vgl. dazu Olivier Lugon, Le »style documentaire«

d’August Sander à Walker Evans 1920 – 1945, Macula,

Paris 2001.

ARNO GISINGER

Betrachtet man die internationalen Entwicklungen in der Dokumentarfotografie,

und im speziellen die Preisträger der Wüstenrot Stiftung, so

wird deutlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die zeitgenössische

Fotografie diese Position der Moderne internalisiert hat. Die Einschätzung,

die Ute Eskildsen bereits im ersten Katalog der »Dokumentarfotografie

Förderpreise 1994/95« formulierte, nämlich »daß insgesamt jene

Arbeiten besonders überzeugten, die am deutlichsten eine persönliche

Haltung zum Gegenstand formulierten«, hat sich bestätigt. Die Dokumentarfotografie

ist mehr denn je eine Frage des Standpunktes und der

Weltsicht, selbst und gerade in jenen Arbeiten, die mit dem Dokumentarstil

operieren. Das vergangene Jahrzehnt war geprägt durch den tiefgreifendsten

technischen Umbruch seit der Erfindung der Fotografie. Die

endgültige Durchsetzung des Digitalen und der damit einhergehende

Kollaps der analogen fotografischen Bildproduktion hat dem dokumentarischen

Ansatz jedoch nichts anhaben können. Im Gegenteil: Nach einigen

heilsamen Debatten um die vermeintliche Authentizität des analogen

Bildes scheint heute mehr denn je klar zu sein, dass das fotografische

Paradigma gegenüber technischen Revolutionen vergleichsweise resistent

ist. So wie im übrigen das Aussterben der Daguerreotypie nicht das

Ende der Fotografie bedeutete.

Sieht man das Dokumentarische im Fotografischen weniger aus einer

technischen als vielmehr aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive, so

stellt sich aber auch und gerade die Frage der Rezeption. Kein Bild ohne

Betrachter, keine Botschaft ohne Rezipient. Folgerichtig setzt sich die

Suche nach dem Wahrheitsgehalt in der Wahrnehmung des Rezipienten

fort. Im folgenden inneren Monolog formuliert der Privatgelehrte Franz-

Josef Murau seine Kritik an der Erfindung der Fotografie und seine skeptische

Haltung gegenüber der natürlichen Darstellung in der Fotografie:

»Der Erfinder der fotografischen Kunst ist der Erfinder der menschenfeindlichsten

aller Künste. Ihm verdanken wir die endgültige Verzerrung

der Natur und des in ihr existierenden Menschen zu ihrer und seiner perversen

Fratze. Ich habe noch auf keiner Fotografie einen natürlichen und


das heißt, einen wahren und wirklichen Menschen gesehen, wie ich noch

auf keiner Fotografie eine wahre und wirkliche Natur gesehen habe. Die

Fotografie ist das größte Unglück des 20. Jahrhunderts.« 5

Von Edgar Allan Poes »absolute truth« sind wir unvermittelt im anderen

Extrem gelandet: das Wahre und das Wirkliche als fundamentaler Widerspruch

zur Fotografie? Der hier spricht, man erkennt ihn am Stilmittel der

Übertreibung, ist Thomas Bernhards Hauptfigur in seinem programmatischen

Roman »Auslöschung. Ein Zerfall« aus dem Jahr 1988. Ein Telegramm,

das Franz-Josef Murau über den Unfalltod seiner Eltern und seines

Bruders informiert sowie drei banale Familienfotografien genügen,

um eine Tirade von fast 700 Seiten über ein, wie könnte es bei Thomas

Bernhard anders sein, verhasstes Familiengeflecht in der engen österreichischen

Provinz auszulösen. Es ist kein Zufall, dass der Schriftsteller

den erzählerischen Kunstgriff der Fotografiebetrachtung als Auslöser für

den Bewusstseinsstrom der Erinnerung wählt. Er schreibt dem Medium

damit literarisch jene Eigenschaft zu, die vor ihm viele Autoren fasziniert

hat: die Fähigkeit der Fotografie, Wirklichkeit auf eine ganz spezifische

Art und Weise festzuhalten. Thomas Bernhard weiß genau, wie sehr wir

geneigt sind, den einfachsten Schnappschüssen aufgrund ihrer indexikalischen

Eigenschaft Authentizität zuzuschreiben, wie gerne wir sie für

wirklichkeitsbezeugende Abbilder der Realität halten. Er weiß aber ebenso

genau, wie sehr fotografische Produkte mediale Konstrukte sind. Und

er stellt die Idee vom wirklichkeitsgetreuen Abbild durch das Mittel der

negativen Übertreibungskunst sozusagen vom Kopf auf die Füße.

5 Thomas Bernhard, Auslöschung. Ein Zerfall.

Suhrkamp TBS, Frankfurt am Main 1988, S. 29f.

6 Ebenda, S. 30.

Fotografien sind für Franz-Josef Murau zwar Erinnerungsspeicher, aber

ihre wirkliche Bedeutung gewinnen sie nicht durch ihre Abbildfunktion,

sondern durch die subjektive Interpretation und Deutung im Prozess der

Betrachtung: »Bei der Betrachtung von Fotografien hat es mich immer

wie bei nichts sonst geekelt. Aber, sagte ich mir jetzt, so verzerrt die

Eltern und mein Bruder auf diesen einzigen von mir gemachten Fotografien

mit dem meinem Bruder gehörenden Fotoapparat sind, sie zeigen, je

länger ich sie betrachte, hinter der Perversität und der Verzerrung doch

die Wahrheit und die Wirklichkeit dieser sozusagen Abfotografierten, weil

ich mich nicht um die Fotos kümmere und die darauf Dargestellten nicht,

wie sie das Foto in seiner gemeinen Verzerrung und Perversität zeigt, sehe,

sondern wie ich sie sehe.« 6 Selbst wenn Franz-Josef Murau jede innere

Anteilnahme am Dargestellten verweigert und damit die appellative Funktion

der Fotografie grundsätzlich in Frage stellt, so wird in diesem Zitat

eines klar: der Bezug zur Wirklichkeit in der Fotografie entsteht letztlich

im Kopf Betrachters. Und wenn wir von der Dokumentarfotografie Haltung

einfordern, so ist damit im Grunde unsere eigene Position gefordert.


DIE PREISTRÄGER


EXPONATE //

»aufgehoben«, 1995

12 Farbfotografien, in drei Gruppen und

einem Einzelbild, Ilfochrome, gerahmt

MAX BAUMANN


1961 in Meißen geboren // 1994 Abschluss in Fotografie an der Hochschule

für Grafik und Buchkunst in Leipzig // 1994 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 1994 – 1996 Aufbaustudium Fotografie,

Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig // lebt in

Schortewitz und Berlin

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 2002 »East«,

Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig / »Erinnerungslandschaft«,

Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus // 2003 »Verwachsen«,

Akademie der Künste in Berlin // 2004 »Soziale Kreaturen«, Sprengel

Museum Hannover // 2005 »Freiraum/ Berlin«, Berlinische Galerie

EXPOSÉ // Fotografie verdankt sich dem Stillstand – Dornröschenschlaf

ohne sichtbaren Fortgang. Erst der Betrachter erweckt das im Bild festgehaltene

in seiner Gegenwart. Max Baumanns Motivsuche an vertrauten

und mit der Zeit aus den Augen verlorenen Gegenden seines Lebenslaufes

ging fehl. Die zurückgelassenen Orte sind beräumt, ihr Zusammenhang ist

gestört, sie taugen nicht mehr. Wiedersehen und Erinnern an anderer

Stelle, Bilder dort.

1994 / 1995


EXPONATE //

»Vom Aostatal über den großen

St. Bernhard ins Wallis und den kleinen

St. Bernhard nach Frankreich«, 1995

19 Fotografien, Bromsilber

ANDREAS HEDDERGOTT


1967 in München geboren // 1994 Abschluss an der Staatlichen Fachakademie

für Fotodesign in München // 1994 Dokumentarfotografie Förderpreis

der Wüstenrot Stiftung // freier Fotograf in München

AUFTRAGSPRODUKTIONEN // Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen

und Magazinen, u. a. Süddeutsche Zeitung

EXPOSÉ // Aus blankem Fels sind sie gemeißelt oder aus schweren

Steinplatten zusammengefügt – schmale, steile Wege. Jahrhundertealte

Verbindungen zwischen Dörfern, Städten und fernen Ländern. Die Arbeit

von Andreas Heddergott trotzt diese Monumente vergangener Zeiten

ihrer unaufhaltsam voranschreitenden Vergänglichkeit ab. Der bewusste

Verzicht auf Farbe bringt den Moment des »Todes« zum Ausdruck, in

dem die Zeit »stillgelegt« worden ist.

1994 / 1995


EXPONATE //

»Rasborka, deutsche Aussiedler

aus Kasachstan«, 1995

19 Farbfotografien, c-prints

JULIA SÖRGEL


1970 in München geboren // 1990 Studienaufenthalt in New York //

1990 – 1991 Assistentin von Herlinde Koelbl, Fotografin in München //

1991 – 1994 Studium Staatliche Fachakademie für Fotodesign, München //

1994 Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 1996 Arbeiten

für Zeitschriften und Magazine (u. a. Jetzt, SZ Magazin, Allegra, Cosmopolitan,

Marie-Claire, Petra, Spiegel, Spiegel Reporter, Die Woche, Vogue

Business, GQ) // 1997 Stipendium der GTZ in Kaliningrad // 1999 Gabriel

Grüner Stipendium des Zeitspiegel // 2002 Leitung eines Workshops am

Lasalle College, Singapore / Geburt einer Tochter // 2003 Teilnahme »biennale

de photographie«, Bamako (Mali) // lebt in Berlin

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1994 »Berlin

Tagebuch«, Staatliche Fachakademie für Fotodesign in München / »Ansichten«,

Lenbachhaus in München // 1995 »Heimatlos«, Berufsbildungszentrum

München // 1996 »Deutsche aus Odessa und dem Schwarzmeergebiet«,

Augsburger Rathaus // 1997 »contemporary german photography«,

Galerie neugerriemschneider in Berlin, Galerie Wittenbrink in München,

Reckermann in Köln / »ja kulturnaja«, Museum für Moderne Kunst in Kaliningrad

// 1998 »Tierbilder«, Gruner und Jahr Verlag, Hamburg // 2000

»Russische Interieurs«, Photography Now in Berlin / »Kinder des 20. Jahrhunderts«,

Mittelrhein Museum in Koblenz, Jesuitenkirche Aschaffenburg /

»Die Welt als Ganzes«, Photographische Sammlung in Köln // 2002 »Reporter

ohne Grenzen«, Berlin // 2003 »biennale de photographie«, Bamako,

Mali

EXPOSÉ // »Rasborka« (Kraftprobe) dokumentiert, wie deutschstämmige

Aussiedler aus Kasachstan in Deutschland zurecht kommen. Die Bilder

stellen die alte und neue Heimat der Aussiedler gegenüber. Julia Sörgel

versuchte zu ergründen, welcher der beiden Orte ihre Heimat darstellt, ob

Heimat orts- oder menschengebunden ist. Sie fand das Vertraute im

Fremden und das Fremde im Vertrauten.

1994 / 1995


EXPONATE //

»Salz«, 1995

14 Fotografien, Bromsilber

THOMAS WOLF


1967 in Weimar geboren // 1993 Abschluss in Fotografie an der Hochschule

für Grafik und Buchkunst in Leipzig // 1994 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 1996 Arbeitsstipendium der Stiftung

Kulturfonds Berlin // lebt in Gotha

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 2002 »East«,

Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig // 2005 »industrie/poesie«,

Kubus, Leipzig

Zahlreiche Auftragsarbeiten im Bereich der Denkmalpflege.

EXPOSÉ // Die Architekturfotografien von Thomas Wolf zeigen Relikte des

Kali- und Salzbergbaus im Eichfeld, in denen der Mensch seine Spuren hinterlassen

hat, ohne dabei selbst auf den Bildern sichtbar zu werden.

Ein Rundgang durch das Werk gerät zur Spurensuche, Erinnerung wird zur

scheinbar wichtigsten Instanz fotografischer Arbeit. Die Bilder zeigen eine

untergegangene Welt, denn die Fläche ist inzwischen beräumt und für

klägliche Neuansiedlungen vorbereitet. Als Zeugnis für das, was war, versteht

Thomas Wolf seine Fotografien, die aus einer »gesicherten Distan

die Möglichkeit geben, Vergangenes zu bewerten. Dass die Realität nur

gebrochen durch die Subjektivität der Aufnahmen, durch deren Ausschnitthaftigkeit

und technischen Bedingungen aufscheint, ist evident und ermutigt

den Betrachter, eine eigene Sichtweise zu entwickeln.

1994 / 1995


EXPONATE //

»Heimat – ein Epilog«, 1998

80 Farbfotografien, Dia-direkt

Digitalprints, 10 Paneele à 8 Fotografien

STEFAN EIKERMANN


1973 in Berlin geboren // 1996 Abschluss in Fotografie an der Hochschule

für Grafik und Buchkunst in Leipzig // 1997 Dokumentarfotografie Förderpreis

der Wüstenrot Stiftung // 1997 – 2000 Meisterschüler bei Prof. Timm

Rautert // 1998 Preisträger, Kunst am Bau »Oberstufenzentrum Uckermark«

// 2003 Stipendiat der Land Brandenburg Lotto GmbH // 2004 Ehm

Welk Literaturpreis (Auszeichnung) // freier Fotograf in Grimme

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 2000 »Erinnerungen

an Brosinski«, HGB Leipzig // 2001 Ausstellungsbeteiligung

Stadtsparkasse Magdeburg // 2004 »o. T.«, Potsdam / »widerstehn«,

Potsdam Lotto GmbH

EXPOSÉ // Stefan Eikermanns kleinformatige Fotografien sind zu einem

18 Meter langen Band aneinandergereiht, sie folgen einem literarischen

Text. Es ist die Erzählung eines Mannes, der sich aus Anlass des Todes

einer Kollegin an diese erinnert und an die Momente der versäumten

Annäherung. Der Mann hat sich in seinem Umfeld eingerichtet ohne heimisch

zu werden. Der Tod der Kollegin verändert nun auch den Ort. Die

Aufnahmen Eikermanns illustrieren diesen Text nicht im geläufigen Sinne,

sondern reflektieren das Thema Heimat auf eigene Art.

1997 / 1998


EXPONATE //

ohne Serientitel, 1998

20 Farbfotografien, c-prints

MATTHIAS KOCH


1961 in Bremen geboren // 1989 Abschluss in Freier Kunst an der Fachhochschule

Hannover // 1995 Meisterschüler bei Prof. Bernd Becher //

1997 Akademiebrief der Kunstakademie Düsseldorf / Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 1998 – 2000 Dozent für Fotografie

an der Fachhochschule Hannover // 2001 Stipendium der Stiftung

Kunst und Kultur Nordrhein-Westfalen // lebt in Düsseldorf

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 2002 »Zwischen

Konstrukt und Wirklichkeit«, Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen

// 2003 »Beaufort 2003«, Museum für moderne Kunst in Oostende //

2004 Galerie Esther Woerdehoff in Paris

EXPOSÉ // Durch die Gegenüberstellung der beiden Genres Portrait und

Stadtlandschaft versucht Matthias Koch, der Wahrnehmung von Dokumentarfotografien

einen ungewöhnlichen Betrachtungsrahmen zu geben

und die vom Betrachter assoziierte Verknüpfung zum eigentlichen Bild

werden zu lassen. Mit dem vergleichenden Aspekt dieser Zuordnung soll

der Standpunkt des Betrachters in Relation zum Aufnahmegegenstand

gesetzt werden.

1997 / 1998


EXPONATE //

»Palast der Republik«, 1996 – 1998

40 Farbfotografien, c-prints

CHRISTIAN VON STEFFELIN


1963 in Karlsruhe geboren // 1997 Abschluss Visuelle Kommunikation /

Fotodesign an der Fachhochschule Hamburg // 1997 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung //2005 Fotosommer Stuttgart,

1. Preis im Kodak-Wettbewerb // lebt in Berlin

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 2000 »Berlin,

nichts wie es war«, EXPO Hannover, verschiedene Goethe-Institute //

2000 – 2001 »Berlin on the move«, Goethe-Institute Singapur, Bangkok,

Hongkong, Manila, Seoul // 2002 »in Szene gesetzt«, ZKM Karlsruhe, Städtische

Galerie Erlangen, Kunsthalle Kaufbeuren // 2002 – 2003 »Fiktion

Berlin«, Galerie kritiku in Prag, Kunst - u. Medienzentrum Berlin Adlershof

(KMZA) // 2004 »in and beyond the wall«, York Quay Gallery, Toronto /

»Ostrava – periferie nebo co?«, Galeria Mlejn, Ostrava // 2004 – 2005

»Berlin – Zwischenzeit«, Goethe-Institut Nancy, Bourdeaux, Strassburg,

Lyon (Kunstfestival »resonance«) // 2005 »Ostrava – Industriestadt im

Wandel«, Tschechisches Zentrum Berlin / »Bühne Berlin«, Fotosommer

Stuttgart

EXPOSÉ // Christian von Steffelin dokumentiert die Entwicklung Berlins

seit 1993 mit seiner Kamera. Das Projekt »Palast der Republik« rückt ein

Gebäude in den Blickpunkt, das an historisch bedeutsamer Stelle, am

traditionellen geografischen Zentrum der Macht als »Haus des Volkes«,

als Herzstück der DDR errichtet wurde. 1990 wegen Asbestverseuchung

geschlossen, gehört der Palast der Republik heute zu den untergehenden

Orten im sich stetig wandelnden Berlin.

1997 / 1998


EXPONATE //

»Jugend«, 1998

20 Farbfotografien, c-prints

ALBRECHT TÜBKE


1971 geboren in Leipzig // 1997 Diplom (mit Auszeichnung) in Künstlerischer

Fotografie, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig / Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 1998 Meisterschüler-Stipendium

des Freistaates Sachsen // 2000 Meisterschüler (MA),

Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig / Master of Visual Arts and

Design, Guildhall University of London / Stipendium der Hasselblad Foundation,

Göteborg, Schweden / DAAD Stipendium für London // 2002 Europa-Stipendium,

CNA mosaique programme, Luxembourg / Arbeitsstipendium

des Berliner Senats // lebt in Dambeck

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1999 »Hanging

Out«, ROCKET-Gallery in London / »Place-Space-Identity«, PREUSSAG

in Hannover / »Jugend«, Dogenhaus Gallerie in Leipzig // 2000 »Identities«,

Galerie Rodolphe Janssen in Brüssel / »In Gallery Mode«, Business

and Design Center, London // 2001 »printemps de septembre« in Toulouse

/ »Dahliendorf«, Linc Real Art in San Francisco / »Palermo«, Goethe-

Institut Palermo / »Relation(s)«, Villa Kobe in Halle // 2002 »Stepping In

and Out«, Victoria & Albert Museum in London / »Tribe«, Rena Bransten

Gallery in San Francisco, Galerie Mai 36 in Zürich, Galerie Nouvelles

Images in Den Haag / »Citizens«, Dogenhaus Galerie in Leipzig // 2003

»Un autre regard«, Bamako / »Porträts«, Kunstbank Berlin // 2003 – 2004

»Yet Untitled«, Kunstverein Wolfsburg, Galerie Nouvelles Images in Den

Haag, Kunsthalle Nürnberg // 2004 »National Collection«, Victoria & Albert

Museum in London // 2005 »Portaits and Spaces«, Galeria Distrito Cu4tro

in Madrid

EXPOSÉ // Die Portraits sind im Raum Leipzig entstanden. Albrecht Tübke

hat die portraitierten Menschen nicht als Vertreter und Vertreterinnen

der verschiedenen politischen Strömungen gesehen. Wichtig war für ihn

die Persönlichkeit des Einzelnen.

1997 / 1998


EXPONATE //

»Hallen und Logos«, 1995 – 2001

23 Farbfotografien, c-prints auf Diasec

FRANK BREUER


1963 in Rheinbach geboren // 1996 Meisterschüler bei Prof. Bernd Becher

// 1998 Akademiebrief der Kunstakademie Düsseldorf //1999 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 2002 Förderstipendium

der Kunststiftung NRW, Düsseldorf // 2003/2004 Gastdozent

an der Havard University, Department of Visual and Environment Studies,

Cambridge, MA // lebt in Köln

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1999 »Fünfzehn

Denkmäler: Panzer und Kanonen«, rampe 003, Volksbühne in Berlin

// 2000 »Hallen«, Galerie Ulrich Fiedler in Köln / »Négotiations«, Centre

Régional d‘Art Contemporain in Sète // 2001 Feigen Contemporary in

New York / »Trade – Wege und Werte im Welthandel heute«, Fotomuseum

Winterthur u. a. // 2002 »In Szene gesetzt – Architektur in der Fotografie

der Gegenwart«, ZKM in Karlsruhe // 2003 »Warehouses and Logos«,

The Photographers‘ Gallery in London / »Playing with the Scale«, CGAC in

Santiago de Compostela / »Containers«, Rocket Gallery in London //

2004 »Modern Photographs from the Collection Lila Acheson«, Metropolitan

Museum of Art in New York / »Rencontres de la Photographie 2004«

in Arles // 2005 »Slow Down«, Galerie Pilar Parra&Romero in Madrid /

Goethe-Institut in Peking / Musée de la Publicité, Paris

EXPOSÉ // Frank Breuer siedelt sein Projekt im Spannungsfeld zwischen

Monumentalität, deren modellhafter Abbildung und dem Zeichen sowie

seinem topografischen Umfeld an. Die Waren-Logos begegnen uns ohne

eindeutig definierte Größe. Diese formale Qualität eignet auch dem Medium

Fotografie. Die Abbildung der Logos im unüblichen Rezeptionszusammenhang

der Landschaft führt beim Betrachter zu Irritationen. Auch bei

der Arbeit mit industriellen Systembauten lässt sich eine Spannung

zwischen imaginierter und relativer Größe aufbauen. Durch die Art der

Platzierung im Bildraum und den Wegfall der Maßstäblichkeit erscheinen

die Bauten in ihrem topografischen Umfeld als fremde und deplatzierte

Objekte.

1999 / 2000


EXPONATE //

»in operation«, 2002 – 2003

87 s/w Fotografien als Diainstallation

NICOLA MEITZNER


1969 in Amberg geboren // 1990 – 1992 Ausbildung zur Fotografin in

einem Werbe- und Modestudio in Freiburg i. Br. // 1993 – 1999 Studium

der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei

Prof. Joachim Brohm // 1998 Auszeichnung im Rahmen des Reinhard-Wolf-

Preises // 1999 Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot Stiftung

/ Anerkennung im Rahmen des Aenne-Biermann-Preises // 2005 Kunststipendium

des Goethe-Instituts in Sydney // lebt in Berlin und Zürich

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1996 Stadtgalerie

Bern, Schweiz // 2000 »Neue Fotografie in Berlin«, Photography Now

Berlin // 2002 Danger Museum in London // 2005 – 2006 »art connexions«

in Kuala Lumpur, Sydney, Melbourne, Jakarta und Berlin

EXPOSÉ // Die Fotografien entstanden im Stadtstaat Singapur, der mit

staatlicher Regulierung nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das Zusammenleben

seiner Bewohner regeln möchte. Der Wille zur Kontrolle produziert

artifizielle Räume. Die künstliche Inszenierung ganzer Lebenswelten

soll ein Verlassen Singapurs überflüssig machen. Staatliche Fürsorge wird

in vielen Bereichen sichtbar, und es entsteht der Eindruck, alles sei strikten

Normen unterworfen. Jedoch gibt es wie bei jedem Versuch der allumfassenden

Planung Bereiche, die sich dem Zugriff entziehen und die durch

spontane Nutzungsspuren gekennzeichnet sind. Die Bilder der Arbeit

»in operation« suchen die fragile Grenze zwischen der Individualität des

Einzelnen, dem kreativen Potenzial der Gesellschaft und dem staatlich

verordneten Lebensentwurf. Der Bereich zwischen Lebendigkeit und Chaos,

zwischen Kontrolle und gesellschaftlicher Regel weist dabei als Thema

weit über die Grenzen Singapurs hinaus.

1999 / 2000


EXPONATE //

»Neuland. Ein zeitgenössisches Portrait

der Niederlande«, 2000 – 2001

20 Farbfotografien, c-prints,

im Rahmen, Ahorn

MARKUS MILDE


1972 in Stuttgart geboren // 1993 – 1999 Studium Kommunikationsdesign

an der GH Essen // 1998 Auszeichnung der Stiftung Buchkunst – Börsenverein

des deutschen Buchhandels, Frankfurt/Main // Diplom Kommunikationsdesign,

Schwerpunkt Fotografie an der Universität GH Essen /

1. Preis beim Foto- und Journalistenwettbewerb »Menschen im Strukturwandel«

der RAG Essen // 1999 Dokumentarfotografie Förderpreis der

Wüstenrot Stiftung // 2002 Bronze-Auszeichnung des Deutschen Designer

Club (DDC) // seit 2005 Mitglied der Fotografenagentur VISUM, Hamburg //

lebt in Essen

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1999 Teilnahme

an der Ausstellung zum »Reinhart-Wolf-Preis 1999«

AUFTRAGSPRODUKTIONEN // Zahlreiche Veröffentlichungen in deutschen

Magazinen, u. a. in ADAC Reisemagazin, Frankfurter Rundschau Magazin,

Mare // Fotografische Umsetzung zahlreicher Imagebroschüren und

Unternehmensdarstellungen

EXPOSÉ // Mit der Arbeit »Neuland. Ein zeitgenössisches Portrait der

Niederlande« stellt Markus Milde seine Sicht auf die Niederlande dar. Er arbeitet

nicht mit dem schnellen Wiedererkennen bekannter Wahrzeichen

oder vertrauter Motive dieses Landes, sondern thematisiert ambivalente

Räume, losgelöst von vorgefertigten Klischees. Das gewählte Großbildformat

verstärkt den Effekt der Ruhe und Zeitlosigkeit der Momentaufnahmen

dieses Landes.

1999 / 2000


EXPONATE //

»Santos«, Bolivien und Honduras,

1998 – 2000

36 s/w- und Farbfotografien,

c-prints auf Diasec

KALLE SINGER


1973 in San Pedro/Honduras geboren // 1998 Abschluss an der Staatlichen

Fachakademie für Fotodesign in München // 1999 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // lebt in München

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1997 »Orphan«,

Goethe-Institut München // 1999 »Bolivianische Kindheiten«, Ausstellungsraum

Balanstraße in München / »Schriftstellerportraits«, Literaturhaus

München

AUFTRAGSPRODUKTIONEN // u. a. für SZ Magazin, ZEIT Leben, Lufthansa

Magazin, Chrismon+, Merian, Amica, Max, SternNEON, Allegra, Brigitte,

Focus Magazin, GQ, VW Magazin, Seitenblicke, Tomorrow, Maxi, Blond,

1/4NACH5, Private, Tillmanns, Ogilvy& Mather, Heye, Mutabor Design,

Jung v. Matt, Rempen & Partner, Wunderman, For Sale

EXPOSÉ // Die Arbeit Kalle Singers versteht sich als Zustandsbeschreibung

von Alltäglichem innerhalb zweier Entwicklungsländer Lateinamerikas.

Diese Länder befinden sich aus unterschiedlichsten Gründen

immer wieder aufs Neue in einem Prozess des Wiederaufbaus, der

Neuorientierung und des Neuanfangs und bilden so einen sich ständig

verändernden gesellschaftlichen und kulturellen Schmelztiegel.

1999 / 2000


EXPONATE //

»Das Pfeifen im Walde«, 2001 – 2002,

12 x je 72,5 x 60 cm, c-prints,

Diasec auf Aluminium

ESPEN EICHHÖFER


1966 in Nes/Norwegen geboren // 1991 – 1993 Studium der Skandinavistik

in Bonn // 1993 – 2000 Studium Kommunikationsdesign, Schwerpunkt

Fotografie an der Universität Gesamthochschule Essen // 2001 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // lebt in Berlin

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 2003 »Das

Nest«, Spielhaus Morrison Galerie in Berlin // 2004 »Landschaft«, Kunstköln

04 / »Das Fragile im Portrait«, Büro für Fotos in Köln // 2004/2005

Körber-Foto-Award, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg //

2005 »Alles über meine Eltern«, Spielhaus Morrison Galerie in Berlin

EXPOSÉ // Es entsteht eine Pause in der Unterhaltung.

Ich sitze mit Kjell am Tisch in seinem Haus mitten im Wald.

Nach einiger Zeit – unmöglich zu sagen wie lange die Pause gedauert hat

– vernehme ich von meinem Gegenüber einen Satz. »Det er sikkert.«

Nichts weiter.

Er sagt ihn nachdenklich, so als sei er nicht ganz sicher.

Der Satz bedeutet: Das ist sicher.

Irgendetwas scheint ziemlich sicher zu sein. Was es ist, kann oder will ich

nicht fragen.

Ich wüsste es gern, belasse es aber bei der Interpretation, dass es eine

Floskel ist.

Ich habe in ähnlichen Situationen häufiger diesen Kommentar gehört. Es

könnte sein, dass das Unbehagen über die Redepause ganz bei mir liegt.

Für Kjell scheint es völlig normal zu sein, lange zu schweigen und ab und

zu »das ist sicher« zu sagen.

2001 / 2002


EXPONATE //

»transition«, 2002, 5 Videoprojektionen,

DVD-PAL, synchron geloopt

CHRISTOPH HOLZAPFEL


1969 in Kassel geboren // 1991 – 1994 Studium Grafik-Design an der

Hochschule für Künste in Bremen // 1994 – 2001 Studium der Fotografie

an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Prof. Timm Rautert in

Leipzig // 2000 Auszeichnung mit dem Layoutpreis der Fotojournalistenvereinigung

Free Lens (zusammen mit Gundula Friese) // 2001 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 2002 »Marion Ermer

Preis« der HGB Leipzig // lebt in Berlin

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1997 »Geste

und Artistik«, zusammen mit Timm Rautert im Rahmen des Kolloquiums

»Geste und Gewissen im Design«, Design-Zentrum NRW, Essen / Dauerausstellung

im öffentlichen Raum des Verwaltungsgebäudes der Sparkassen-Versicherung

Sachsen, Dresden // 1999 Dauerausstellung Ruhr-Lippe-

Wohnungsbau- und Landesentwicklungsgesellschaft NRW in Dortmund //

2001 »manual«, HGB Leipzig // 2002 »kkw – Das Kunstkraftwerk und

sein Umfeld«, Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus / »Milchprodukte

– produits laitiers«, Orangerie du Parc de la Tête d´Or in Lyon,

Frankreich

EXPOSÉ // In »transition« erweitert sich das Feld meiner Untersuchung

von prozessualen Erscheinungen. Zur Beobachtung von Arbeitsprozessen

kommt die Beobachtung urbaner Welt.

Der Ort: Berlin, der ehemalige Mauerstreifen entlang der Bernauer Straße

zwischen Brunnenstraße und Ruppiner Straße. Ein Gebiet, das Schauplatz

historischer Ereignisse der jüngsten Geschichte war – zum Beispiel entstand

hier im August 1961 das zur zeitgeschichtlichen Ikone gewordene

Bild des über den Stacheldraht springenden DDR-Grenzsoldaten. Jetzt ein

Ort des Nichts, der Gleichförmigkeit, der Leere, der Ruhe.

Ein Ort im Übergang, ein stillstehender Ort.

Ein Standbild.

Der Ort ist da.

Es passiert etwas und anschließend ist wieder das Nichts da.

2001 / 2002


EXPONATE //

»Fremdenzimmer«, Deutschland 2002

1/2002, 122 x 122 cm

1/2003, 163 x 187 cm

c-prints, Diasec auf Reynobond aufgezogen

ANDREAS THEIN


1969 in Kassel geboren // 1990/91 Studium an der Hochschule bildender

Künste in Kassel // 1991/92 Studium am Lette-Verein in Berlin, Schwerpunkt

Fotografie // 1993 – 2001 Studium an der Universität Gesamthochschule

Essen, Kommunikationsdesign, Schwerpunkt Fotografie //

2001 Diplom bei Prof. Bernhard Prinz und Volker Heinze / Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // lebt in Düsseldorf

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1999 »Gesundheit«,

Kunsthaus Essen / Gruppenausstellung junger Fotokünstler in

der Galerie der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig //

2001 »Eigenheim I« Ausstellungsraum ›Botschaft‹ (altes Capitol) in

Düsseldorf / »Eigenheim II« Dauerausstellung im Arbeitsamt Halle/

Saale // 2002 »Zimmer«, Galerie PLAN D in Düsseldorf // 2003 »57. Bergischer

Kunstpreis«, Museum Baden in Solingen // 2003 – 2004 »Eigenheim«,

Galerie Michael Cosar in Düsseldorf, Galerie 0047 in Amsterdam,

Galeria Thomas Cohn, Sao Paulo (Brasil) // 2004 »Fremdenzimmer«,

Galerie Michael Cosar, Düsseldorf // 2005 »Eigenheim« und »Fremdenzimmer«,

Zephyr in Mannheim

EXPOSÉ // Die Räume, die wir im Laufe eines Lebens durchstreifen, sind

in ihrer Art und Vielfalt unendlich. Gemeinsam ist ihnen, dass sie gleichzeitig

schützen und beschränken. Raum lässt sich nicht ohne Grenzen

denken. Welcher Art jene Grenzziehungen sind, hängt von unserer Sicht

und Interpretation ab. Die Arbeit »Fremdenzimmer« untersucht die

Symbolik inszenierter Räume. Es geht dabei um Ansichten und

Arrangements, die auf subtile Weise ihren Nutzen, ihr Verhaftetsein in der

Zeit und letztlich Weltanschauungen offenbaren. Räume werden auf flächige

Ansichten reduziert und damit zum Exempel zweidimensionaler

Lesbarkeit. Die Arbeiten nutzen vorgefundene Öffnungen, die die spätere

Fotografie einrahmen, und den Blick in eine Art Guckkastenbühne freigeben.

2001 / 2002


EXPONATE //

»Mein Friseur zwischen Brennschere

und Brisk«, Hamburg 2001 – 2002,

18 x je 30 x 45 cm, 18 x je 45 x 30 cm,

c-prints

ANKE TILLMANN


1973 geboren in Hamburg // 1990 – 1993 Ausbildung zur Schauwerbegestalterin

//1993/94 Fachabitur an der Fachoberschule, Fachbereich

Gestaltung, Fachrichtung Grafik // 1995 – 1999 Studium an der Fachhochschule

Hamburg, Fachbereich Gestaltung, Richtung Illustration bei

Prof. R. Stoye // 1997 1. Preis des Coloplast Fotowettbewerbs zum Thema

»Vertraute Welt mit fremdem Blick« / Fotostylistin bei H. Franck in

Hamburg // 2000 Geburt der Tochter Paula Lene Rosa // 2001 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 2002 – 2005 Studium

an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg,

Fachbereich Sozialpädagogik // lebt in Hamburg

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1997 Galerie

Con Razón in Hamburg

EXPOSÉ // Seinen Friseur sucht sich der Kunde nach persönlicher Empfehlung

oder nach eigenem Geschmack. Ebenso den Hausarzt oder

ähnliche Vertraute. Diesen bleibt man dann auch ewig treu. Der Friseur

meines Vertrauens, der auch mich in seine Stammwelt aufgenommen hat,

»umtüddelt« mich und »klönt« mit mir. Hier vereint sich Haar- und Sozialpflege.

In dieser engen Bindung spielt es keine Rolle, dass die Ladengestaltung

mittlerweile oft antiquiert ist, so arbeitet man im Bereich Mode

und darf trotzdem noch von gestern sein.

Die Salons die ich aufnahm, wirkten auf mich, als wäre die Zeit stehen

geblieben. Sie sind wie Relikte aus einer verblassenden Epoche. Die Suche

nach dem, was bald verloren gehen wird, lag mir am Herzen, deshalb

möchte ich diesen Geist im Bilde konservieren, der einigen von uns noch

bekannt, der jüngeren Generation wahrscheinlich fremd bleiben wird.

2001 / 2002


EXPONATE //

»Die Narbe Deutschlands«, 2004

12 Farbfotografien,

je 78 x 100 cm, c-prints,

Diasec Face kaschiert

CHRIS DURHAM


1964 in London, England geboren // 1994 – 2002 Studium an der

Kunstakademie Düsseldorf, Photographie-Klasse bei Prof. Bernd Becher

und Prof. Thomas Ruff // 2002 Meisterschüler bei Prof. Thomas Ruff / Auslandsstipendium

Paris, Deutsches Forum für Kunstgeschichte, Paris //

2003 Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // lebt in

Düsseldorf

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1997 Artoll-

Labor 97, Bedburg-Hau // 1998 SK Stiftung Kultur Sonderschau, Art

Cologne in Köln // 1999 »Landschaftsbilder junger Fotografen«, Düsseldorf

/ »Gehen als Erinnern«, Münster // 2000 »Durchreise«, Künstlerhaus

Bethanien in Berlin // 2000 »Umgebungen – Natur in der Fotografie«,

Cloppenburg // 2002 »Airport Art«, Airport Gallery in Frankfurt // 2004

»La Place des Victoires«, Goethe-Institut in Paris // 2004 »City Crossings«,

Max-Planck-Institut in Köln

EXPOSÉ // »Wir möchten nicht ein Leben lang dankbar sein müssen!«

Bis zur Wiedervereinigung war die ehemalige deutsch-deutsche Grenze

eine bedeutsame historische Linie.

Nach den Jahren des Heilens und Zusammenwachsens ist diese Narbe in

der Landschaft weniger spürbar als in Gesprächen mit den Bewohnern

des Grenzhinterlandes.

2003 / 2004


EXPONATE //

»Lena Engel – Vom Hinfallen und

wieder Aufstehen«, 2003 – 2005

19 Farbfotografien, je 26,5 x 26,5 cm

1 Farbforografie, 26,5 x 36 cm, c-prints

SIBYLLE FENDT


1974 in Karlsruhe geboren // 1993 – 1995 Studium der Kunstgeschichte,

Soziologie und Philosophie an der Universität Karlsruhe // 1996 – 2002

Fotografiestudium an der FH Bielefeld // 1998 Stadtfotografin in Gera, Stipendium

des Museum für Angewandte Kunst in Gera // 1999 2. Preis beim

Europäischen Architekturfotografie-Preis der db // 2002 Kodak-Nachwuchs-Förderpreis

// 2003 Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot

Stiftung / Teilnehmerin der 10. Joop-Swart-Masterclass // 2004 Auszeichnung

beim Otto-Steinert-Preis // seit 2004 Gaststudentin am Städel

in Frankfurt am Main, bei Prof. Wolfgang Tillmans // lebt in Berlin

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1998 Museum

für Angewandte Kunst in Gera // 2000 »Architektur im 20. Jahrhundert,

Deutschland«, Deutsches Architekturmuseum in Frankfurt a. M. // 2003

»V. Rencontre de la Photographie«, Bamako, Mali // 2004 »Wirklich wahr!

Realitätsversprechen von Fotografien«, Ruhrlandmuseum Essen

AUFTRAGSPRODUKTIONEN // Veröffentlichungen in verschiedenen

Magazinen, u. a. alert, babel, brand eins, Brigitte, de:bug, fluter, Gesund

Leben, jetzt.de, neon, Psychologie heute, Spex, Süddeutsche Zeitung –

Magazin

EXPOSÉ // Lena Engel – Vom Hinfallen und wieder Aufstehen

Von der Sehnsucht nach einer Liebe wie eine Straße ohne Abzweigung.

Von der Sehnsucht nach einem Leben wie die Tiere im Wald.

Fressen, schlafen und auf den Nachwuchs aufpassen.

Von der Sehnsucht, endlich anzufangen zu leben.

Von der Sehnsucht, eine Wahl zu haben.

Von der Sehnsucht, seinen Körper und sich selbst zu lieben.

Von der Sehnsucht nach der wahren Schönheit.

Von der Sehnsucht nach Stille.

Von der Sehnsucht nach der Phantasie, in der wir alles sein können.

Von der Sehnsucht nach Einzigartigkeit.

Von der Sehnsucht, einem Engel zu begegnen.

2003 / 2004


EXPONATE //

»Sie und wir«, 2004/2005

21 Farbfotografien, je 15 x 18 cm,

c-prints gerahmt

ULRICH GEBERT


1976 geboren in München // 1998 – 2003 Studium an der Hochschule für

Grafik und Buchkunst Leipzig, Klasse Prof. Timm Rautert // 2001 – 2002

Studienaufenthalt an der Glasgow School of Art // 2003 – 2005 Meisterschülerstudium

bei Prof. Timm Rautert, HGB Leipzig // 2003 Dokumentarfotografie

Förderpreis der Wüstenrot Stiftung // 2004 Jahrestipendium

des DAAD für Studienaufenthalt in London // seit 2004 Masterstudiengang

am Royal College of Art, London // lebt in Leipzig

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 2001 »Methoden«,

HO Galerie in Berlin / »Baltic Contemporary Art Biennial«, Nationalmuseum

in Sczcecin, Polen // 2002 »The King's In«, Newberry Gallery,

Glasgow // 2003 »Case Studies«, Galerie der HGB Leipzig / »Silver & Gold«,

Galerie 20.21 in Essen, Städtische Galerie Wolfsburg, Festspielhaus

Hellerau in Dresden / »Kalte Herzen«, Kunstbunker Tumulka in München /

»Fritz, Karl und Ilse«, Kunstverein Jena / »Good News for People Who

Love Bad News«, Galerie Eigen + Art in Leipzig / »Mittendrin – Werke im

Dialog«, Kunstsammlungen Chemnitz // 2005 »Streiflichter«, Städtische

Museen Zwickau

EXPOSÉ // Mit den Terrorangriffen auf das World Trade Center in New York

hat weltweit ein Paradigmenwechsel eingesetzt, der das postmoderne

Toleranzgebot negiert und Theorien der Inklusion des Anderen für gescheitert

erklärt. Was folgte, waren Versuche soziale und politische Kontrolle

zu gewinnen. Die Serie »Sie und wir« rekurriert auf die zeitgenössischen

Debatten um asymmetrische Kriege und kombiniert Fotografien der Ausbildung

von Spezialeinsatzkommandos mit Bildern ihrer Übungsgelände,

denen eines gemein ist: das Fehlen eines Opponenten. Die kulissenartige

Architektur verharrt im stilistischen Allgemeinplatz, der den Ort des zukünftigen

Einsatzes imaginiert. Dem Spektakel des Abgebildeten wird

durch das miniaturhaft unspektakuläre Bildformat die Verschlossenheit

einer eigenen Welt zugewiesen. Wer hier für wen agiert und vor allem

gegen wen, bleibt unbeantwortet.

2003 / 2004


EXPONATE //

»faces.SIBIR«, 2004

18 Farbfotografien, je 40 x 27 cm

9 Farbfotografien, je 38 x 30 cm, c-prints

WOLFGANG MÜLLER


1958 in Regensburg geboren // 1977 – 1982 Studium der Germanistik in

Frankfurt a. M. // 1986 – 1992 Arbeit als Werkzeugmacher // 1997 – 2002

Fotografiestudium bei Prof. Arno Fischer und Prof. Cindy Gates an der

Fachhochschule Dortmund // 2000 »Focus 2000«, Internationaler studentischer

Wettbewerb / 2. Preis Aenne-Biermann-Preis // 2002 Anerkennungspreis

»UNICEF – Bild des Jahres 2002« // 2003 2. Platz 15. BFF-

Förderpreis // 2003 Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot

Stiftung // seit Herbst 2004 Mitglied der Agentur der Fotografen

»Ostkreuz« // lebt in Berlin

EINZEL- UND GRUPPENAUSSTELLUNGEN IN AUSWAHL // 1999 »Sanya,

10 Jahre, Zuhälter, Odessa«, Lichtbildprojektion, Rencontres d’Arles /

»Bitume«, Internationales Festival zeitgenössischer Fotografie, Brüssel //

1999 – 2001 »Odessa obdachlos«, Zukunft, Heim für behinderte Kinder

in Odessa u. a. // 2003 »Karat. Himmel über St. Petersburg«,

Dominikanerkloster in Frankfurt / »Omaggio a Giacomelli«, Sala dei Santi

Filippo e Giacomo in Brescia / »Linien«, Galerie Gisèle Linder, Kunstmesse

Basel / »Zeitgenössische Deutsche Fotografie«, Galerie NoMI, St. Petersburg

// 2003 – 2004 »Images against war«, Galerie Lichtblick in Köln,

L’Usine / Galerie in Brüssel, Photoamericas in Portland, Rencontres

d’Arles, Noorderlicht in Groningen, Fotofest Houston u. a. // 2004 »Karat.

Sky over St. Petersburg«, Tom Blau Gallery in London, Galleria Grazia Neri

in Mailand u. a. / »Wirklich wahr! Realitätsversprechen von Fotografien«,

Ruhrlandmuseum Essen

EXPOSÉ // Die Porträtserie »faces.SIBIR« ist auf einer Reise durch das

südliche Sibirien entstanden. Abseits uns bekannter Fernsehbilder beund

entgegnen beim Betrachten der Bilder vertraut/ fremde Gesichter unseren

Blicken. Wir treffen auf Schülerinnen, Studentinnen, Models, junge

Mütter, Arbeitslose, Prostituierte, Punkmusiker und Drogenuserinnen.

Trotz großer kultureller und geografischer Entfernung begegnen wir dabei

einem Kosmos der Jugend, dessen Regeln auch uns nicht gänzlich unbekannt

sind.

2003 / 2004


JURYMITGLIEDER

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 1994/1995

Georg Adlbert, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg

Christian Borchert, Fotograf, Berlin

Prof. Ute Eskildsen, Fotografische Sammlung im Museum Folkwang, Essen

Karsten de Riese, Fotograf, München

Hans-Eberhard Hess, Fotograf und Journalist, München

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 1997/1998

Georg Adlbert, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg

Prof. Ute Eskildsen, Fotografische Sammlung im Museum Folkwang, Essen

Prof. Jorma Puranen, University of Art and Design, Helsinki

Thomas Struth, Fotograf, Düsseldorf

Roberta Valtorta, Dozentin und Kritikerin, Mailand

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 1999/2000

Els Barents, Marseille House, Amsterdam

Prof. Ute Eskildsen, Fotografische Sammlung im Museum Folkwang, Essen

Candida Höfer, Fotografin, Köln

Roland Kamzelak, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg

Prof. Tuija Lindström, Universität Göteborg

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 2001/2002

Rineke Dijkstra, Fotografin, Amsterdam

Prof. Ute Eskildsen, Fotografische Sammlung im Museum Folkwang, Essen

Dr. Martin Gasser, Schweizerische Stiftung für Fotografie, Zürich

Dr. Kristina Hasenpflug, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg

Dr. Ulrich Pohlmann, Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum, München

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 2003/2004

Prof. Ute Eskildsen, Fotografische Sammlung im Museum Folkwang, Essen

Dr. Kristina Hasenpflug, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg

Prof. Jörg Sasse, Künstler, Universität Duisburg-Essen

Dr. Kerstin Stremmel, Kunsthistorikerin, Köln

Hripsimé Visser, Kuratorin, Stedelijk Museum, Amsterdam


AUSSTELLUNGEN

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 1994/1995

Kunstverein Ludwigsburg / Städtische Kunstsammlung Chemnitz /

Kunstraum München / Kunstverein Lingen / Frankfurter Kunstverein /

VHS-Photogalerie in Stuttgart / Rathausgalerie München / Museum für

Angewandte Kunst Köln / Kulturforum Potsdamer Platz Berlin / Fotomuseum

im Münchner Stadtmuseum

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 1997/1998

Kunstverein Ludwigsburg / Schloss Morsbroich in Leverkusen /

Rathausgalerie München / Photography Now in Berlin / Museum für Photographie

in Braunschweig / Fotomuseum Hirsmüller in Emmendingen /

Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel / Museum für Angewandte Kunst in

Köln / Kulturforum Potsdamer Platz Berlin / Fotomuseum im Münchner

Stadtmuseum

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 1999/2000

Folkwang Museum Essen / Kunstverein Ludwigsburg / Fotomuseum Hirsmüller

in Emmendingen / Museum für Photographie in Braunschweig /

Museum für Angewandte Kunst in Köln / Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel

/ Kulturforum Potsdamer Platz Berlin / Fotomuseum im Münchner

Stadtmuseum

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 2001/2002

Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig / Kunstverein

Ludwigsburg / Museum für Photographie in Braunschweig / Fotomuseum

Hirsmüller in Emmendingen / Museum Folkwang Essen / Kunst-Köln 05 /

Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel / Kulturforum Potsdamer Platz

Berlin / Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum

DOKUMENTARFOTOGRAFIE FÖRDERPREISE 2003/2004

Kulturforum Potsdamer Platz Berlin / Museum für Photographie in Braunschweig

/ Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum / Stadtgalerie im

Elbeforum Brunsbüttel / Kunstverein Hof / Fotomuseum Hirsmüller in

Emmendingen / Historisches Museum Frankfurt a. M.


Konzeption:

Kristina Hasenpflug

Organisation der Ausstellung:

Kathrin Kohle

Katalogredaktion:

Kristina Hasenpflug

Gestaltung:

www.kommunikation-i.de

Gesamtherstellung:

Niessen Druckerei GmbH, Essen

Copyright:

Wüstenrot Stiftung, 2005