DRACHEN - Dragon-class.ch

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SPORTS

DRACHEN

Von

PRINZEN

und

DRACHEN

DIE GESCHICHTE DIESES

DREIMANN-KIELBOOTES

DIE MASSE DES ERFOLGS

Länge über alles

8,9 m

Breite

1,95 m

Tiefgang

1,20 m

Gewicht

1.700 kg (mit Mast)

Großsegel

16 qm

Genua

11,7 qm

Spinnaker

23,6 qm

intdragon.org, drachenklasse.de

LIEST SICH WIE EIN

MÄRCHEN. TATSÄCHLICH

VON DETLEF JENS

HAT DIE KLASSE EINE

FAST MÄRCHENHAFTE

UND MITTLERWEILE

80-JÄHRIGE GESCHICHTE

34 SEGEL JOURNAL MAI | JUNI 2009

MAI | JUNI 2009

SEGEL JOURNAL 35


SPORTS

DRACHEN

E

s war einmal ein Yachtkonstrukteur,

der hielt

eigentlich gar nichts von

Einheitsklassen. Dennoch

entwarf er, fast aus

einem Zufall heraus, die

erste offizielle Einheits-

Kielbootklasse der Welt,

die »Königsklasse«

obendrein und den »Bugatti

zur See«; kurz: den

Drachen. Ihr Konstrukteur,

der Norweger Johan

Anker, war ein Fan

der eleganten Meter-

Yachten; kostspieligen

Konstruktionsklassen, in denen sich Konstrukteure

und Werften austoben und verwirklichen

konnten. Ein Jahr vor der merkwürdigen

Geburt des Drachen hatte er noch die

Olympischen Segelregatten von 1928 in den

Niederlanden gewonnen, auf der 6-m-R-

Yacht Norna mit Kronprinz Olav als Crewmitglied.

Nicht ahnend, dass sein anfangs

eher ungeliebtes Kind auch einmal eine olympische

Klasse sein würde; und eben eine »Königsklasse«

obendrein, in dem auffällig viele

blaublütige Segler an den Start gingen und es

immer noch tun.

Dabei sollte der Drachen ursprünglich

das ganze Gegenteil dessen werden, nämlich

ein preiswertes Jugendboot für die Sprösslinge

reicher Yachtsegler. Johan Anker (1871 bis

1940) kam aus einer wohlhabenden Familie

aus Halden, Südnorwegen. Er war charmant

und eloquent und hatte stets die besten Verbindungen

zu den Mitgliedern der königlichen

Familie, zu Reedern, Politikern und Industriellen.

Das ist der Klasse bis heute erhalten

geblieben. In Hamburg-Blankenese

scherzten junge Segler in den Achtzigerjahren,

die Rangliste des Drachen würde nach

der Einkommenssteuererklärung ihrer Eigner

erstellt. So war das natürlich nicht, aber

der Drachen ist eben alles andere als ein Jugendboot.

Zurück zu den Anfängen. Bei einem

Lunch mit den einflussreichsten Wirtschaftskapitänen

seiner Zeit malte Anker die ersten

Skizzen des späteren Drachen auf eine Papierservierte.

Beim Kaffee beklagten die

Männer, die allesamt 6-, 8- oder 12-m-R

Yachten segelten, dass es kein kleines und sicheres

Kielboot gäbe, das ihre Söhne auch

ohne sie segeln könnten. Es müsste vor allem sehr sicher sein, damit

sich die Mütter nicht zu viele Sorgen machten. Anker warf

einige Linien auf besagte Servierte: »Ist es das, was ihr meint«

Der Königlich Göteborger Segelclub hatte im gleichen Jahr, 1928,

einen Designwettbewerb ausgelobt, in dem ein erschwingliches

Einheitsklassen-Kielboot gesucht wurde, ganz im Sinne der Zeit

– die Weltwirtschaft war damals alles andere als prosperierend.

Ankers Entwurf jedenfalls gewann. Und das, obwohl er sich ja

nicht viel aus Einheitsklassen machte – sie würden die Entwicklung

im Design der Segelyachten eher behindern, so seine Überzeugung.

Dabei hat sich sogar der Drachen selbst im Laufe der

Jahre immer weiter entwickelt.

Ein sicheres Boot für die Jungs

Ursprünglich war der Drachen schwer und eher untertakelt, eben

ein »sicheres Boot für die Jungs«. Der Mast stand rund 40 Zentimeter

weiter achtern als heute. So hatte das Boot bei viel Brise eine

stark ausgeprägte Luvgierigkeit, in einer schweren Bö schoss es

einfach in den Wind. Die Segelfläche von Groß und Fock betrug

zusammen 20 Quadratmeter (heute sind es, am Wind mit Groß

und Genua, 27,7 qm, hinzu kommt ein Spinnaker von 23,6 qm).

Zunächst segelte das Boot denn auch unter der Bezeichnung

»20er«. In den Dreißigerjahren erlebte die Klasse eine stürmische

Entwicklung, denn die meisten Boote wurden schon damals zum

Regattasegeln genutzt. Die Bauvorschriften waren eher locker abgefasst,

auf der Suche nach immer besseren, schnelleren Schiffen

entwickelten sich die Boote rasch weiter. Die Kabine wurde verkleinert,

die Kojen und Pötte und Pfannen flogen von Bord, stattdessen

wurden die Trimm-Möglichkeiten verbessert. Am Ende

der 30er Jahre hatten die aktuellen Drachen kaum noch etwas mit

den früheren Booten gemeinsam. 1946 wurden dann noch einmal

entscheidende Änderungen eingeführt und die Klassenvorschriften

enger gefasst. Der Mast wanderte nach vorne, die Segelfläche

wurde vergrößert. Im gleichen Jahr, sechs Jahre nach Johan Ankers

Tod, reiste Peder Lunde, einer der besten Drachensegler Norwegens,

nach London und verschaffte der Klasse nicht nur die internationale

Anerkennung durch den Weltseglerverband IYRU

(heute ISAF), sondern sogar den Status als Olympische Klasse.

In diese olympischen Zeiten des Drachen fällt eine fast explosionsartige

Verbreitung der Klasse, vor allem global. Und es wurde

kräftig weiter modernisiert: 1953 kamen Winschen an Bord, Ende

der Fünfziger synthetische Segeltuche, Ende der Sechziger Aluminium-Masten.

Als der beste »Drachenbauer« galt viele Jahre lang

der Däne Børge Børresen, Bootsbauer aus Vejle. Als Konstantin,

der damalige Kronprinz von Griechenland, die Olympiade 1960

in einem Børresen-Drachen gewann und die Boote der Silberund

Bronzemedaillengewinner ebenfalls von dieser Werft kamen,

musste Børresen seine Kapazitäten erhöhen: Die gesamte griechische

Königsfamilie bestellte je einen Drachen in Dänemark, Prinz

Juan Carlos von Spanien orderte einen und der griechische Reeder

Niarchos gab gleich drei in Auftrag.

Der Ruf als »Königsklasse« festigte sich, die Preise stiegen. Vor

allem, weil der Drachen noch bis 1973 ausschließlich aus Holz ge-

INTERNATIONALE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT DER

DRACHENKLASSE 2009 MIT CHILDHOOD GOLF & RACE

Die IDM der Drachen findet vom 13. bis 18. Juli im Rahmen des Hanseatic Lloyd

Dragon Grand Prix in Strande (Kieler Bucht) statt. Sie wird zusätzlich zum

CHILDHOOD Golf & Race ausgesegelt. Der Dragon Grand Prix ist eine von weltweit

nur drei Wettfahrtserien mit der »Grade 1«-Auszeichnung der Internationalen

Dragon Association (IDA).

Bereits zum fünften Mal wird am Donnerstag, 16. Juli das CHILDHOOD Golf & Race

durchgeführt. Diese kombinierte Golf- und Segelveranstaltung findet zu Gunsten

der von Königin Silvia von Schweden gegründeten Stiftung statt. Die CHILDHOOD

Foundation feiert in diesem Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum.

Als besonderes Highlight kommt das 5-Sterne plus Kreuzfahrtschiff MS

EUROPA in die Strander Bucht und wird im Mittelpunkt des CHILDHOOD Race

den 400 Gästen an Bord als Tribüne dienen.

Der Dragon Grand Prix erfreut sich einer verstärkten internationalen Beteiligung

der Regattateilnehmer. Auch das Interesse der Sponsoren ist ungebrochen.

Neben dem Titelsponsor Hanseatic Lloyd beteiligen sich viele Firmen, um aus

sozialer Verantwortung die CHILDHOOD Foundation und damit die benachteiligten

Kinder dieser Welt zu unterstützen.

Das BARTELS_SE Hochleistungs-Reffsystem. An Bord der SPIRIT54 Classicyacht in 2007 JAMES BOND ‘CASINO ROYALE’

Segeln.Rollfock.

BARTELS.

Kaum eine Klasse

verbreitet sich weltweit so

explosionsartig wie der

Drachen. Kein Wunder, ist

der Segelspaß auf dem

Boot doch garantiert

baut wurde. 1972 fand vor Kiel der letzte

Olympia-Auftritt der Klasse statt, das Leben

nach Olympia wurde vor allem, wieder einmal,

durch Børge Børresen ermöglicht – indem

er 1973 den ersten Kunststoff-Drachen

baute und die Klasse damit endgültig in die

Neuzeit hinüber führte.

Allerdings, um das Plastikboot gegen die

Holzdrachen segeln zu lassen, mussten Gewicht

und vor allem Gewichtsverteilung

möglichst exakt denen der Holzboote entsprechen.

Das herauszufinden war damals,

Computer-Aided-Design gab es ja noch

nicht, eine langwierige Angelegenheit: Børresen

nahm einen Holzdrachen auseinander,

wog jedes einzelne Teil und kalkulierte auf

dieser Basis die Laminatstärken der GFK-

Version.

Operettenkapitän und Seeteufel

Ganz unerwartet wuchs die Klasse auch nach

Olympia kräftig weiter. Die aktuelle Bauweise

36 SEGEL JOURNAL MAI | JUNI 2009

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DRACHEN

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Dieser Drachen tut

auch Gutes: Das

Rennen unterstützt

benachteiligte Kids

war ein Grund, die Legenden und Geschichten,

die sich um dieses Boot ranken, sicher

ein anderer. Schon immer segelten auch

schillernde Figuren und schräge Vögel Drachen.

Wie zum Beispiel der »Operettenkapitän«

und selbst ernannte Seeteufel Felix Graf

von Luckner, der 1938 mit seinem Drachen

namens Woge vor Hankö, Norwegen, auftauchte.

Er segelte immer in deutscher Marineuniform,

bei ihm an Bord soll eiserne Disziplin

geherrscht haben. 1948 gab der »Island

Sailing Club« zu Cowes einen Drachen bei

Camper & Nicholsons in Auftrag, als Geburtstagsgeschenk

für Prinz Philip, den Herzog

von Edinburgh und Vater von Charles.

Philip segelte das Boot Bluebottle nicht

5. CHILDHOOD GOLF & RACE

2004 war es noch eher Zufall, dass die

Hanseatic Lloyd Unternehmensgruppe

Titelsponsor des 75-jährigen Jubiläums

der Drachenklasse wurde. 278 Drachen

aus aller Welt kamen nach St. Tropez um

dieses Jubiläum zu feiern. Harro Kniffka,

Unternehmensgründer der Hanseatic

Lloyd-Gruppe und Drachensegler, lernte

hier Königin Silvia von Schweden kennen

und erfuhr von ihrer Schirmherrschaft

über die World CHILDHOOD Foundation.

Bei diesem Treffen entstand die Vision,

mit der Gemeinschaft der Drachensegler

soziale Verantwortung zu übernehmen

und zu Gunsten der World CHILDHOOD

Foundation Kindern in Not zu helfen.

Das CHILDHOOD Race ist eine besondere

Regatta. Jedes Boot hat einen Gast an

Bord, um den voraus segelnden Fuchs

zu fangen. Störungen durch Zuschauerschiffe

sowie ein besonderer Kurs bieten

Spaß und Spannung vor den Augen der

Zuschauer.

Auch 2009 werden wieder bekannte

Persönlichkeiten anwesend sein. Letztes

Jahr konnte man den Schauspieler Till

Demtröder, Bundesligatrainer Felix

Magath, Musicaldarsteller Anton

»Tarzan« Zetterholm und Nobelpreisträger

Prof. Dr. Olav Hohmeyer im Drachen

segeln sehen.

Hll-dragon.de, childhood.org

oft, aber wenn, dann meist in Gesellschaft des Schriftstellers und

Yachtkonstrukteurs Uffa Fox aus Cowes. Ganz selten war auch der

kleine Charly mit an Bord. Aktivere Regattasegler im Drachen

sind heute Prinz Henrik von Dänemark und sein Sohn, Kronprinz

Frederik, die in ihren jeweilgen Booten oft gegeneinander antreten.

Wer einmal in den Drachen steigt, bleibt meist dabei. »In diese

Klasse muss man hineinwachsen«, sagt Andreas Haubold, Yachthändler

aus Berlin: »Mir ist das, glaube ich, mittlerweile gelungen!«

Er ist seit runden 30 Jahren dabei. Noch engagierter war der

Franzose Yves Theze. 1949 kaufte er seinen ersten Drachen, den

letzten bestellte er 2003, als er 82 Jahre alt war, telefonisch bei

Paul-Richard Høj-Jensen von der Werft »Petticrows«. Doch anders

als der Franzose kam Haubold aus einer anderen Klasse zum

Drachen: Einst segelte er FD, dann lernte er seine Frau Martina

kennen und suchte ein Boot, das sie gemeinsam segeln konnten.

»Schön sollte es auch noch sein, was bleibt denn da noch« Gefallen

hat ihm auch, dass in dieser Klasse Jung und Alt gegeneinander

segeln. »Und der Drachen ist so eine Art Auffanglager für alle

älteren Segler, die einmal in anderen Klassen erfolgreich waren –

die Konkurrenz auf Regatten ist daher überdurchschnittlich stark.

Es kommen immer wieder gute Segler in den Drachen, auch Profis

wie Jesper Bank oder Jens Christensen, und die meisten bleiben

dann auch dabei.«

Wie segelt sich der Drachen Er sei, so Haubold, dank vieler

Modernisierungen und Änderungen über die Jahre insgesamt lebendiger

geworden. Es gibt einen Mastkontroller, Trimmleinen

auf und unter dem Aufbau – wenn man in einen aktuellen Renn-

Drachen schaut, sieht man vor allem ein Gewirr von Leinen und

Blöcken. Der Cockpitboden liegt jetzt höher, mittlerweile segeln

die Drachen auch mit einer elektrischen Bilgepumpe und Digitalkompass.

Fast alles, was es an modernem Spielzeug für Rennsegler

gibt, kann man auf dem Drachen einsetzen. Dabei sind auch ältere

Schiffe konkurrenzfähig, jedenfalls auf Binnengewässern. Nur in

harter, kurzer Welle seien die neuen Schiffe im Vorteil, weil die

Rümpfe insgesamt steifer sind.

Mistweib und Liebhaberin

Jesper Bank, der mehrere Drachen-Meisterschaften gewann (Nordischer

Meister 1989, WM 1993, Dänische Meisterschaft 1996)

äußerte sich einst ganz drastisch über das Boot: »Bei schwerem

Wetter und kurzer See ist sie ein altes, mürrisches Mistweib und

dann ist es schwer, sie anzutreiben. Wenn das aber gelingt, ist sie

die beste Liebhaberin der Welt!« Und weiter: »Um der Atmosphäre

und der Menschen willen ist man immer gerne dabei. Drachensegeln

ist eine einzigartige Kombination aus sympathischer und

anregender Geselligkeit und einem anspruchsvollen Boot!«

Da kann man schon mal die Tatsache verschmerzen, dass Drachensegeln

nicht gerade billig ist. Der Einstiegspreis liegt so um

die 80.000 Euro, wenn man sich ein neues Schiff mitsamt Trailer,

Segel und Zubehör kauft. Allerdings braucht man dazu auch noch

ein passendes Zugfahrzeug, um die insgesamt fast 2,5 Tonnen Anhängerlast

auch über die Straße schleppen zu können. Dafür hält

sich der Wertverlust bei den Schiffen in annehmbaren Grenzen –

ganz im Gegensatz zu vielen anderen Regattabooten. Und weil der

Drachen noch immer nicht gestorben ist, segelt er weiter. Lebendig

wie eh und je…


FOTOS: ARCHIV HANSEATIC LLOYD AG (4)

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38 SEGEL JOURNAL MAI | JUNI 2009

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