76 World of Mountain Biking Das 2011er ... - Specialized

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76 World of Mountain Biking Das 2011er ... - Specialized

Das 2011er-

stumpjumper

Fsr pro Carbon

5.299 ¤

Der Newcomer ist mit

modernster Technik

ausgestattet – wird er

gewinnen?

1995er-

s-Works Fsr

ca. 4.700 ¤

Das S-Works ist ein

Stück Retro-Himmel,

aber wie schneidet

es im Vergleich zum

heutigen FSR ab?

76 World of Mountain Biking


Vorne und hinten 140 Millimeter

Fe derweg, hydraulische Scheiben

bremsen, 2 x 10-Antrieb,

Carbon-Rahmen und ein Gewicht

von knapp über 12 Kilogramm: Das

2011er-Specialized Stumpjumper FSR

Pro Carbon ist ein schönes Beispiel

für ein Trail-Bike auf dem neuesten

Stand der Technik. Es gibt wenige

Situationen auf dem Trail, in denen das

Stumpy sich nicht wohlfühlt. Sein relativ

geringes Gewicht macht es zu einem

anständigen Kletterer, und mit seiner

„mitdenkenden“ Federung, dem steifen

Fahrwerk, der entspannten Geometrie

specialized vs. specialized

ZurÜCk

In DIe

ZukunFt

Kann das 1995er-Specialized S-Works FSR mit dem

heutigen Stumpjumper FSR mithalten ?

und den fetten Bremsen nimmt es –

außer den gröbsten Abfahrten – alles

sicher in Angriff.

Im Stumpjumper FSR steckt jede Menge

Technik. Die Specialized-S140-Gabel

hat ein konisches Gabelschaftrohr, das

sowohl steif als auch leicht ist, plus

eine Absenkfunktion, um das Cockpit

bei steileren Anstiegen zu senken. Der

„Brain“-Dämpfer mit Trägheitsventil

entscheidet selbst, wann die Federung

blockieren soll und wann sie aktiv sein

muss – eine Eigenschaft, mit der nicht

jeder zurechtkommt. Man kann sie aber

so einstellen, dass sie jedem Anspruch

text mike Davis Fotos seb rogers

gerecht werden sollte. Der Carbon-

Rahmen hat glatte und fließende

Übergänge, ist steif, robust und

gleichzeitig ultraleicht. Die Alu-Teile

sind geschmiedet oder hydrogeformt

und haben organische Linien und eine

sorgfältige Formgebung.

StolzeS erbe

Diese ganze Technologie hat sich

natürlich nicht über Nacht entwickelt.

Das aktuelle Stumpjumper FSR kann

auf 17 Jahre Entwicklungsgeschichte

zurückblicken und stammt in direkter

Linie vom 1994er-Modell ab, welches

World of Mountain Biking 77


DamaLs

Was passierte 1995 sonst noch so ?

78 World of Mountain Biking

Oben: Das neue

Specialized FSR,

Reifen an Reifen mit

seinem Gegenstück

aus der alten Schule

Das aktuelle

Pro Carbon hat

wesentlich mehr

Federweg als das

1995er-S-Works.

Was Fahrräder angeht, so gab es 1995 noch keine V-Bremsen,

und an Scheibenbremsen dachte noch kaum jemand. Ein 2,1-Zoll-

Reifen galt als fett, und die Leute diskutierten über die Vorzüge

von Achtfach-Kassetten. Federgabeln gab es schon länger, aber da

waren noch Elastomere drin, und 80 Millimeter Federweg war das

Höchste der Gefühle.

Wer damals nicht auf dem Bike gesessen hat, sei mit einigen

Fakten aus der wirklichen Welt an das Jahr 1995 erinnert: Helmut

Kohl war immer noch Bundeskanzler, der neueste Schrei in der

Unterhaltungselektronik war die DVD, obwohl man in Europa erst

1998 einen Player kaufen konnte. Microsoft brachte mit großem

Getöse sein erstes Windows-95-Betriebssystem auf den Markt

und das World Wide Web steckte noch in den Kinderschuhen,

– die ersten Internet-Werbebanner tauchten 1994 auf, die

Gesamtzahl der Websites betrug ein paar Tausend – verglichen

mit mehr als 200 Millionen heute. Nicht sehr viele Sites aus dem

Jahr 1995 haben bis heute überlebt, aber eBay hat die Zeiten

überdauert. Und obwohl James Camerons „Terminator 2 – Tag der

Abrechnung“ 1991 in die Kinos kam, spielte der Science Fiction-

Film im Jahr 1995 ...

das erste Bike mit diesem Namen

auf dem Markt war. Aber wie sah das

Original aus? Wie schneidet die damals

hochmoderne Technik im Vergleich mit

der heutigen ab? Dank der wachsenden

Zahl von Enthusiasten, die alte Mountainbikes

sammeln, restaurieren oder

wieder aufbauen, können wir uns ein

Bild von der Evolution von Bikes wie

dem FSR machen.

Tim Burden ist ein solcher Retro-Fan

und Sammler – und stolzer Besitzer

eines makellosen 1995er-S-Works

FSR. Dieses Rad war 1995 das Top-

Produkt, und der Rahmen ist gegenüber

dem Debüt-Modell unverändert.

Die S-Works-Version gab es nur als

Rahmen, wobei der Hauptrahmen aus

„Prestige“-Rohren mit Alu-Hinterbau –

alles gerade Linien ohne geschwungene

Formen – mit einer Specialized/

RockShox-Judy-FSX-Gabel gepaart

wurde. Specialized bot einen „Hot

Rod“-Anbausatz mit einer Reihe von

hochwertigen Teilen an. Diesen hat Tim

mit seinem Aufbau mehr oder weniger

nachgeahmt.

An Tims Bike wurde die Hardware

verbaut, die Mitte der 90er-Jahre das

Nonplusultra war: Tracker-Naben

von White Industries, Avid-Tri-Align-

Bremsen mit Ultimate-Hebeln,

Shimanos XTR der ersten Generation,

Gripshift-X-Rays, ein Flite-Sattel,

Specialized-X21-Felgen und -Reifen,

Carbon-Gabel, Titan-Speichen und so

weiter. Das war das Zeug, das 1995 in

gut sortierten Fahrradläden in verschlossen

Glasvitrinen stand.

Es wird viel über die ständig steigenden

Preise von Bikes geredet, aber sündhaft

teure Bikes sind durchaus keine neue

Erfindung. Um ein Rad wie das FSR von

Tim zusammenzubauen, musste man

1995 umgerechnet rund 4.700 Euro

ausgeben. Unter Berücksichtigung der

Inflation wären das heute rund 7.000

Euro, was teurer ist als das S-Works FSR

als gegenwärtig bestes Pferd im Stall.

Clever einkaufen

Das war natürlich damals. Heute

kann man, obwohl die Retro-Sachen

durchaus begehrt sind, Schnäppchen

machen und sich ein Bike wie

das von Tim für rund 1.000 Euro

zusammenkaufen. Tim hat den Rahmen

für 190 Euro geschossen – man darf

nicht vergessen, dass man seinerzeit

zwei Tausender dafür hinblättern

musste. Selbst für Raritäten wie die

Judy-FSX-Gabel aus Carbon zahlt man

höchstens eine dreistellige Summe.

Neben dem Rahmen und der Gabel

waren die teuersten Teile an Tims Bike

der Satz Titan-Speichen.

Ja, es ist alles altes Zeug, aber es gibt

immer noch jede Menge kaum gebrauchtes

oder neues Material aus alten

Lagerbeständen, das noch viel Leben

in sich hat. In den letzten zwei Jahren

sind die Preise für neue Bikes kräftig

gestiegen. Ein modernes Fully für

1.200 Euro hat zwar mehr Federweg,

mehr Gänge und Scheibenbremsen, ist

aber wesentlich schwerer als das FSR

mit seinen 11,9 Kilogramm. Etwas

überraschend – und zu Tims Freude –

brachte das 2011er-FSR Pro ein halbes

Pfund mehr auf die Waage als sein

Vorfahr.

Von dem einen Bike abzusteigen und

sich auf das andere draufzusetzen, ist

ein leicht verwirrendes Erlebnis. Im

Ruhezustand ist das 2011er-Pro im

Tretlagerbereich etwas höher, aber

mit dem doppelten Federweg kommt

die doppelte Nachgiebigkeit. Sobald


Der tester sagt

Nach fast allen objektiven

Maßstäben schlägt das

2011er-FSR Pro das 1995er-

Modell. Bei fast dem gleichen

Gewicht hat es doppelt so viel

Federweg, ohne an Effizienz einzubüßen. Es

ist wesentlich steifer, hat viel bessere Bremsen

und ein benutzerfreundlicheres Fahrverhalten.

Aber das S-Works hat eine gewinnende und

elegante Einfachheit, und es leistet immer

noch sehr gute Dienste – man stößt nur früher

an die Grenze, wo es ein bisschen haarig

wird. Mike

„auf das pro Carbon mit

140 mm Federweg ist

auch auf schwierigstem

terrain Verlass.“

man im Sattel sitzt, sind die Bikes

hinten ungefähr auf gleicher Höhe.

Vorne verhält sich die Sache anders:

Durch den zusätzlichen Federweg

der Gabel und die Höhe des Lenkers

beziehungsweise des Vorbaus sitzt

der Lenker an dem modernen Bike gut

zwölf Zentimeter höher. Damit ist er

beim Fahren ungefähr gleich hoch wie

der Sattel – statt deutlich tiefer. Und das

trotz des gekröpften Lenkers an dem

90er-Jahre-Bike – was seinerzeit für

den Alltagsfahrer eine ziemlich gewagte

Ausstattung war. Das S-Works FSR

gab es als Rahmen-Gabel-Kit, an den

man anbauen konnte, was man wollte.

Der Stumpjumper FSR von der Stange

hatte einen flachen Lenker, der für eine

aggressive Sitzposition sorgte.

Selbst mit dem (für 1995) hochmodernen

Lenker ist das S-Works lang und

Rechts: Carbon -

R ahmen und Kurbeln

mit Pressfit-Lagern –

typisch 2011

Die Kettenstrebe mit

Horst-Link ist unverkennbar.

auF eInen bLICk

2011 stumpjumper Fsr

pro Carbon

preIs 5.299 ¤

oberrohrLänge 617 mm

sItZrohrLänge 483 mm

LenkWInkeL 68,5 °

sItZWInkeL 74,5 °

tretLagerhöhe 335 mm

kettenstrebenLänge

420 mm

raDstanD 1.147 mm

grössen S, M, L (getestet),

XL

geWICht 12,1 kg

rahmen FACT Carbon, M5

Aluminium

gabeL Specialized Future

Shock S140TA, 140 mm

Federweg

DämpFer Specialized, Fox

Brain

LauFräDer Roval Control

Trail EL

reIFen S-Works Purgatory

2,2 Zoll (vorn), Specialized The

Caption 2,0 Zoll (hinten)

kurbeLn

Sram X0 Carbon 26/39

sChaLtung Sram X0

Schalthebel, Umwerfer,

Schaltwerk, Shimano M771

11-36 Kassette

bremsen Sram X0 R SL

sonstIge teILe BG Henge

Sattel, Thomson-Sattelstütze,

Specialized-Lenker und -Vorbau

kontakt

www.specialized.com

„Mit neuester Technologie

ausgerüstet, scheut das FSR Pro

vor fast keiner Herausforderung

zurück.“

World of Mountain Biking 79


tief. Die Cockpit-Längen der beiden

Bikes sind in der Tat sehr ähnlich, aber

sie kommen auf ganz anderen Wegen

dorthin: Das Oberrohr des FSR Pro ist

mehr als fünf Zentimeter länger als

das des S-Works, aber das ältere Bike

hat einen typischen Mitte-90er-Jahre-

Vorbau mit großzügiger Länge. Der

Titan-Vorbau des S-Works ist zweimal

so lang wie der des 2011er-Bikes. Das

S-Works stammt aus einer Zeit, wo

Helme mit Visier noch nicht in Mode

waren – mit Visier muss man den

Hals ziemlich recken, um zu sehen,

wo man hinfährt. Das relativ kurze

Oberrohr, der lange Vorbau und der

niedrige Lenker sorgen für eine gute

Belastung des Vorderrads, was heißt,

dass Spurhaltung und eine gleichmäßige

Gewichtsverteilung beim Klettern selten

ein Problem sind.

80 World of Mountain Biking

„tims bike ist eine

Wunschliste der

mitte der 90er-jahre

verfügbaren hardware.“

Wenn man es gewohnt ist, ein moder -

nes Trail-Bike zu fahren, ist das Kur -

venverhalten – nun ja – ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Das 2011er-Pro

hat eine entspannte Geometrie und

eine relativ aufrechte Fahrposition.

Es profitiert davon, dass der Fahrer in

den Kurven bewusst das Gewicht nach

vorne verlagert, während die steilen

Winkel des 95er-FSR und sein niedri-

ges Cockpit diese Arbeit schon weitgehend

übernommen haben. Der

lange Vorbau sorgt dafür, dass der

Lenker sich in einem ungewohnten

Bogen bewegt, sodass die Einfahrt in

die ersten Kurven eine abenteuerliche

Übung ist – man weiß nicht genau, was

als Nächstes passieren wird. Anfangs

tendiert man zum Übersteuern, bis

man das Gefühl hat, gut durch die Kur-

ve zu kommen.

auF eInen bLICk

1995 s-Works Fsr

preIs rund 4.700 ¤ wie

getestet

oberrohrLänge 564 mm

sItZrohrLänge 483 mm

LenkWInkeL 71 °

sItZWInkeL 73 °

tretLagerhöhe 312 mm

kettenstrebenLänge

429 mm

raDstanD 1.067 mm

grössen 16, 5, 18, 19

(getestet), 20, 21,5 Zoll

geWICht 11,9 kg

rahmen „Tange Prestige“-

Rahmen, Alu-Hinterbau,

75 mm Federweg

gabeL Specialized/RockShox

Judy FSX, 63 mm Federweg

DämpFer Fox ALPS4

LauFräDer White Industries-

Naben, Specialized X21-Felgen

reIFen S-Works Team Master,

Team Control

kurbeLn

Shimano XTR

sChaLtung Sram Gripshift

X-Ray Schalthebel, Shimano

XTR vorn, Dura-Ace-Schaltwerk

bremsen Avid Ultimate-

Hebel, Tri-Align-Cantileverbremsen

sonstIge teILe S-Works

Ti-Vorbau, X-Lite XC-Lenker,

Flite-Sattel, USE Ti-Sattelstütze

kontakt

www.specialized.com

Die Judy-FSX-Gabel mit ihren

Carbon-Tauchrohren gab es

nur von Specialized.

Keine fetten Reifen – das

S-Works ist schlank und

elegant.

Der Fox-ALPS-Dämpfer

bietet hinten 75 Millimeter

Federweg.

„Aggressive Fahrposition, aber

von eleganter Einfachheit,

beeindruckend leicht und immer

noch toll zu fahren“

fahrkönnen

Wenn man den Dreh einmal raus hat,

hat das Bike tatsächlich auf schmalen

und kurvenreichen Trails die Nase vorn,

obwohl das Problem mit der Sicht ein

bisschen stört. Tims Bike litt auch etwas

unter seinem ziemlich ausgeleierten

Hinterbau, was den zehn Jahre alten

Dämpferbuchsen zu verdanken war. Das

lässt sich leicht beheben, aber an der

Verwindung im Hauptrahmen ist nichts

zu ändern. Das stört nicht besonders,

aber schwerere oder kräftigere Fahrer

finden ihn vielleicht zu nachgiebig.

Dagegen fühlt sich das 2011er-Bike mit

seinem voluminösen Carbon-Rahmen

bocksteif an.

Wo die Geometrie der alten Schule und

die Fahrposition nicht so gut funktionie-

ren, ist in den Abfahrten. Der gewaltige

Höhenunterschied be ziehungsweise

Mit der Sitzposition

auf dem S-Works

erfordert das

Abfahren ein

bisschen Übung.


2 1 – 2 4 J U L I 1 1

F A C H H A N D E L 2 1 – 2 2 J U L I | P U B L I K U M 2 3 – 2 4 J U L I

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Der besItZer sagt

Für mich stellt dieses Bike einen

Meilenstein in der Mountainbike-

Geschichte dar. Alle vollgefederten

Bikes davor und sogar noch

manche danach waren meiner

Meinung nach nur Prototypen. Aber bei diesem

Bike stimmte einfach alles. Der von Horst

Leitner entwickelte Hinterbau ist die Grundlage

für alle erfolgreichen Federungssysteme, die es

seitdem gegeben hat, und wird heute noch

verwendet. Die Bilder in diesem Artikel sind

von seiner Jungfernfahrt als komplettes Bike

– es dauerte drei Jahre, die Teile zusammenzusuchen

und zu montieren. Wenn man so

etwas macht, will man es richtig machen, und

da fast alle Teile seit Langem vom Markt

verschwunden sind, braucht man beim

Sammeln viel Geduld. Tim

heLm

Selbst für heutige Maßstäbe

ist der Specialized-Sub 6-

Helm beeindruckend leicht.

Aber er hat keine harte

Schale, eine begrenzte

Kopfabdeckung und kein

Visier. Während der Fahrt

trägt Tim aber einen Giro

Hammerhead.

CameLbak

Ein Rucksack? Mit Wasser drin?

Was für ein Irrsinn! Wenn man

Mitte der 90er einen Camelbak

hatte, galt man als „Early

Adopter“, also frühzeitiger

Anwender, und musste sich viele

Fragen gefallen lassen.

bremsen

Die V-Bremsen von Shimano

wurden 1996 eingeführt, womit

1995 als Höhepunkt der

Cantilever-Entwicklung gelten

kann. Die „Avid Tri-Align“-Cantis

mit Ultimate-Hebel ließen

sich leicht einstellen und boten

eine ordentliche Bremsleistung.

82 World of Mountain Biking

Oben: Obwohl es

schon viele Jahre

auf dem Buckel hat,

leistet das S-Works

auf dem Trail immer

noch gute Dienste.

rahmenmaterIaL

Specialized hatte sogar schon Mitte der

90er eine Weile mit Carbon-Fasern und

Metallmatrix-Verbundwerkstoffen

gearbeitet, aber beim ersten FSR ging die

Firma mit einem „Prestige“-

Stahlrahmen und einem Alu-Heck auf

Nummer sicher. Der erste Prototyp

entstand aus einem ungefederten

Stumpy, dem der Hinterbau abgesägt

und Drehpunkte angeschraubt wurden.

der tiefe Lenker machen es schwer,

auf wirklich abschüssigen Strecken

das Gewicht nach hinten zu verlagern.

Und die Bremsen erfordern, obwohl

sie perfekt funktionieren, eine

vorausschauende Fahrweise – man

muss früher bremsen und kräftiger

an den Hebeln ziehen als üblich.

Wenn man auf dem Pro Carbon an

eine Stufe kommt, nimmt man die

Geschwindigkeit raus, geht weit hinter

den Sattel, schiebt den Lenker nach

1995 Vs 20 1

bekLeIDung

An Lycra führte Mitte der

90er kein Weg vorbei,

und ausgesprochene MTB-

Bekleidung war Mangelware.

Sogar die meisten Downhiller

trugen noch die eng anliegenden

Sachen. Kurzfingerhandschuhe

waren normal, außer es war

sehr kalt.

gabeL

Specialized ist einer der wenigen

Hersteller, der seine Gabeln

selbst produziert. Die Judy FSX

(hier mit 63 Millimeter Federweg)

war eine Elastomer/

Öl-RockShox-Gabel

mit Tauchbeinen aus

Carbon.

trInkruCksaCk

Trinkrucksäcke sind bequem

und praktisch, sodass man auch

ohne Ösen für Flaschenhalter

am Rahmen auskommen kann.

bremsen

Avid-Bremsen tauchen auch

am 2011er-Bike auf. Es sind

hydraulische Scheibenbremsen

statt Cantilever-Bremsen, aber

der Name Tri-Align lebt im

leichten Bremssattel weiter.

rahmen-materIaL

Stahl fristet ein Nischendasein – die

große Mehrheit der MTBs ist aus

Aluminium, und bei den hochwertigen

Bikes setzt sich Carbon immer mehr

durch. Wie das ältere Bike hat dieses

2011er-FSR ein Heck aus Aluminium.

vorne, und man hat es fast schon

geschafft. Beim S-Works muss man

ein bisschen mehr machen und mehr

Fahrkönnen an den Tag legen.

Aber das soll nicht heißen, dass man

damit den Berg nicht runterkommt.

Immerhin hat der Engländer Jason

McRoy 1994 auf einem dieser Bikes

die nationale Downhill-Meisterschaft

gewonnen, wenn auch mit einem

kürzeren Vorbau und einem Lenker, der

von einer Junioren-Motocrossmaschine

stammte. Hilfreich war auch, dass das

FSR mit seiner Federung Mitte der 90er

in der ersten Liga war. Abgesehen von

Exoten wie dem Turner Burner gab es

nicht viel. Das ähnliche GT LTS war

gerade erst auf den Markt gekommen,

und während das Intense M1 im

Downhill für Aufsehen sorgte, musste

das Unternehmen sich den Trail-Markt

erst noch erschließen.

Man sollte nicht vergessen, dass das

S-Works FSR vor der Explosion von

Nischen und Genres, die wir heute

kennen, auf die Welt kam. Es gab

nur sehr wenige spezielle DH-Bikes,

und alles andere war einfach ein

Mountainbike“. Heute haben wir die

Wahl zwischen CrossCountry, Race,

Marathon, Enduro, AllMountain,

Freeride, Trail, DH und Kreuzungen

aus diesen. Aber mittendrin sind Bikes

wie das Stumpjumper FSR und seine

Konkurrenz – irgendwo in der Mitte

heLm

Insektengitter, Inmold-Technik

für besseren Schutz, Sonne und

Regen abweisendes Visier, tief

heruntergezogener Nacken für

zusätzliche Sicherheit und leicht

einstellbare Riemchen – Helme

haben es weit gebracht.

bekLeIDung

Bei so vielen Looks wie

Einsatzbereichen steht der

Mountainbiker 2011 vor dem

Problem, dass er nicht weiß,

welche der vielen

Schlabberhosen und -hemden

er anziehen soll. Handschuhe

mit langen Fingern werden das

ganze Jahr über getragen.

gabeL

Die Specialized-Gabel der

jüngsten Generation bietet

S140-Luftfederung, einstellbare

Öldämpfung und 140 Millimeter

Federweg (mit Absenkfunktion

für steile Anstiege) – aber keine

Steckachs-Nabe.


aller Spezies, was Federweg, Geometrie,

Gewicht und Stabilität angeht, und in

der Lage, es mit allem aufzunehmen

– außer mit Extremsituationen. In

vielerlei Hinsicht erleben wir eine

Renaissance des Allrounders, in den

zahlreiche Innovationen eingeflossen

sind – ultraleichtes CrossCountry-

Material und vom Downhill inspirierte

Geometrie. Damit schließen sich die

Kreise, und wir sind wieder bei Bikes,

die von allem etwas können.

Wenn man das 1995er-FSR heute

fährt, ist es nicht überraschend, dass

es die Tester damals so beeindruckte.

Es gab damals sehr wenige Cross-

Country-Fullys – und noch viel weniger,

die so gut ausgestattet waren wie das

FSR. Man sieht die Ähnlichkeiten beim

Federungssystem zwischen dem alten

FSR und dem neuen: Das Federbein ist

wesentlich länger und in den Rahmen

gewandert, außerdem ist es mit einem

„mitdenkenden“ Trägheitsventil ausge-

stattet. Aber Horst Leitners Originalkonstruktion

mit vier Gelenken ist

immer noch up to date. Vor allem leistet

dieses 16 Jahre alte Bike beeindruckend

gute Dienste. Ja, die Fahrposition ist

grenzwertig. Nein, die Bremsen funktio-

nieren gar nicht so gut. Ja, selbst mit

neuen Dämpferbuchsen ist es ein bisschen

zu weich. Aber wenn man Lenker

und Vorbau erneuert, Scheibenbremsen

und eine moderne Gabel mit kurzem

Federweg einbaut, ist es seiner Aufgabe

auf den meisten Trails gewachsen.

Natürlich wird das Pro Carbon mit

140 Millimeter auch gröberes Terrain

gelassen in Angriff nehmen, und all

das Material und die Federungstechnik

sorgen dafür, dass man mit dem modernen

Bike auf weniger anspruchsvollen

Trails wenig Energie verschenkt. Es

spricht jedoch einiges für die knapp

gefederte, tiefergelegte und straff

gefederte Charakteristik des Oldtimers.

Was wirklich interessant wäre, wäre

ein Bike mit dem Aufbau und dem

Federweg des 1995er-FSR, aber

mit der Technik aus dem Jahr 2011

– aber vielleicht kommt so etwas ja

irgendwann einmal auf den Markt ...

Oben: Mit moderner

Technik ausgestattet,

geht das Pro Carbon

selbstbewusster in

die Abfahrten.

Der konstrukteur sagt

Specialized-Konstrukteur

Brandon Sloan über alte

und neue FSR-Modelle

Was war die konzeption

beim bau des

original-Fsr?

Das grundlegende Prinzip des damaligen FSR

war dasselbe wie beim heutigen FSR. Das Ziel

war, die Federung unabhängig von den Brems-

und Pedalkräften zu machen – keine auto -

matische Blockierung oder „Anti Squat“ wie bei

einigen heute gängigen Bauweisen, sondern

einfach schöner freier Federweg, egal, wie das

Terrain beschaffen ist oder was der Fahrer

macht. Es wurde über die Jahre verfeinert und

überarbeitet – ein bisschen wie ein Porsche 911.

Woher kam das system mit den vier

gelenken?

Das hat Horst Leitner [AMP Research]

erfunden. Es hatte genau das, was wir damals

suchten – Unabhängigkeit.

In welchem maße – wenn überhaupt – ist

das aktuelle stumpjumper Fsr für andere

Zwecke gedacht als das original?

Damals hatten wir noch keine solche Segmentierung

des Markts wie heute, aber ich glaube,

das FSR war damals nicht allzu weit vom

heutigen Stumpjumper FSR entfernt. Wir

nennen es XC Trail, eine Mischung aus Klettereffizienz

und Downhill-Tauglichkeit, eine leichte

Bauweise, die aber ziemlich hart im Nehmen ist,

und eine Federung, die auf Effizienz getunt ist,

aber zur Stelle ist, wenn es ruppig wird. Es ist

so ziemlich das einzige Rad, das mit jeder

Situation zurechtkommt. Das galt damals

(natürlich mit anderen Standards) und gilt auch

heute noch.

Warum hatte das erste Fsr einen Chro -

moly-rahmen und einen alu-hinterbau?

Die Leute von der alten Schule hier sagen, dass

der Chromoly-Rahmen sich nur einfacher

verarbeiten ließ. Wir hatten viel Erfahrung mit

diesem Material. Schließlich sind wir mit dem

Rahmen auf Alu umgestiegen, aber für den

Anfang war Stahl besser.

World of Mountain Biking 83

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