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KRISEN & KATASTROPHENSchließungen - Kürzungen -sechsstelliges HaushaltsdefizitBericht zur kritischenLage der BielefelderSoziologieDie gescheiterte ApokalypseEine Anleitung zumVorhersagen desWeltuntergangs und zumÜberstehen des Irrtums"Katastrophen sind immersoziale Katastrophen"Interview mit Daniel F. Lorenzvon der Katastrophenforschungsstelleder FU Berlin


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irreführend. Es bleibt zu hoffen, dassso eine Situation nicht wieder eintritt.Zweifel bleiben allerdings: dieSituation verschärft sich dadurch,dass die bisherige Koordinationsstelleab 2013 eingespart wird.DGS-Kongress"Vielfalt & Zusammenhalt"Alle (zwei) Jahre wieder: Der Kongressder Deutschen Gesellschaft fürSoziologie (DGS) fand im Oktober inBochum und Dortmund statt. Die 36.Auflage des Kongresses stand unterdem Motto „Vielfalt und Zusammenhalt“.Vom 1. bis zum 5. Oktober diskutiertendie über 2000Soziologinnen und Soziologen dieGesellschaft und ihre vielfältigen Facetten.Ein Erfahrungsbericht vonBielefelder Studierenden findet ihrauf den Seiten 28 & 29.AuszeichnungAuf dem DGS-Kongress wurde derlange in Bielefeld lehrende ProfessorDr. Franz-Xaver Kaufmann für seinherausragendes wissenschaftlichesLebenswerk ausgezeichnet. Kaufmann,der von 1969 bis 1997 Professoran unserer Fakultät war, hatdiese mitbegründet und durch seinWirken geprägt.CHE-RankingWissenschaftliche Evaluation Ja- CHE-Ranking NeinSeit diesem Semester beteiligt sichauch unsere Fakultät an dem Moratoriumdes CHE-Rankings. Das bedeutet,dass die Teilnahme an demRanking solange ausgesetzt wird, bisdas Centrum für Hochschulentwicklung(CHE) seine Methodik sinnvollüberarbeitet hat. Diese Maßnahmehatte die Deutsche Gesellschaft fürSoziologie (DGS) allen soziologischenuniversitären Einrichtungen empfohlen.Die diesbezüglichen Stellungnahmender DGS und des CHEfinden sich auf deren jeweiligen Homepages.Doch worum geht es? Das Rankingwird schon länger für seine mangelhafteMethodik kritisiert. Die Aussagensehr weniger Studierender undLehrender werden verallgemeinertund von insgesamt mindestens 18Indikatoren werden in der Printversionnur 5 bis 6 angezeigt. Auch dieOperationalisierung der Indikatorenist bisweilen fragwürdig. Die Publikationsleistungund –qualität einer Fakultätwird beispielsweise quantitativdurch Anzahl der Publikationen undderen Gewichtung nach Seitenlängeermittelt; die Art der Publikation istvöllig unerheblich. In der Darstellungträgt das Ampelsystem zusätzlich zurVereinfachung bei. So verschleiert esdie Dürftigkeit der Datenbasis, sowiedie methodischen Mängel und führtin die Irre. Grün signalisiert super gutund exzellent; rot bis 2011 letztesLoch, geht da nicht hin. Auf den letztenKritikpunkt hatte das CHE 'innovativ'reagiert: es werden nicht mehrdie Ampelfarben Grün, Gelb, Rot verwandt,sondern Grün, Gelb, Blau. Obdas aber etwas an der Signalwirkungändert?Aus diesen Gründen soll das beiSchülerinnen, Schülern und Studierendensowie deren Eltern, allseitsbeliebte Ranking des CHEs - bis Besserungin Sicht ist - boykottiert werden.Die DGS hat das geschickt - undim Prinzip ganz im Einklang mit derFunktionsweise des Rankings - eingefädelt:Auf deren Website ist einsehbar,welche Unis und Fakultätensich schon am Moratorium des CHE-Rankings beteiligen. Auf diese Weisesteigt der Druck auf die noch verbliebenensich mit dem Thema eingehendzu beschäftigen und Stellungdazu zu beziehen.Sophia Cramer & Lukas DaubnerLESERMEINUNGENVielen Dank für die positiven Rückmeldungen zur letzten Ausgabe! Besonders gefreut haben wir uns überIhre und Eure zahlreichen Kommentare zum Namenskonzept-Artikel und dem Poster mit unserem „Alternativvorschlag“(einige gedruckte Ausgaben gibt es immer noch in den Fachschaften und im Praktikumsbüro).Überrascht waren wir über einen Leserbrief aus den Niederlanden, der zudem sehr interessant ist,da er einen klugen Hinweis in Bezug auf den Umgang mit Namenskonzepten enthält: Man kann sie einfachignorieren! (Mehr zum Bielefelder Namenskonzept gibt es auch auf unserem Blog: sozusagenblog.wordpress.com)Wir freuen uns immer über kritische und positive Rückmeldungen bezüglich der Artikel in der sozusagen– ob als Mail oder per Post – und drucken diese (bei Genehmigung) zukünftig in dieser Kategorie ab.Hallo Herr Grothe-Hammer,letzte Woche waren wir auf ‚Forschungsferien‘ in der Studiermaschine von Bielefeld. Jedes Jahr machen wir das zweimalum in aller Ruhe schreiben zu können. In der Kantine haben wir ein Exemplar von sozusagen mitgenommen –wirklich ein sehr tolles und interessantes Magazin! Mit vielem Vergnügen haben wir Ihren Beitrag Teuer, peinlich, undurchdachtüber das Namenskonzept für den Campus Bielefeld gelesen. Interessanterweise hat sich auch auf unsererUniversitätscampus (Universität Twente in Enschede) so eine Debatte gegeben mit neuen Gebäudenamen zur Folge(Siehe:http://www.utwente.nl/download/plattegrond.pdf). Fast zehn Jahre nach der Namensänderung benutzen vieleLeute noch immer die alten Namen der Gebäude… In jedem Fall haben wir uns sehr gefreut auf Ihre Analyse und dabeiauch einige neue tolle Wörter gelernt, wie ‚verschaukeln‘ und ‚Gerüchteküche‘.Viele Grüsse aus den Niederlanden,Peter Timmerman & Gert-Jan Hospers7


KRISENGESCHÜTTELTETWAS ANDERSBericht zur Lage der Bielefelder SoziologieIn den letzten Monaten häuftensich die negativen Nachrichten,die die Fakultät für Soziologiebetreffen. Das Institut für Wissenschafts-und Technikforschung(IWT) wird vom Rektoratgeschlossen, der Haushalt desInstituts für Weltgesellschaft(IW) um 50% vom Dekanat gekürzt.Das sind nur zwei prägnanteBeispiele einer Entwicklung,an deren Ende die Fakultät deutlichan inhaltlicher Vielfalt eingebüßthaben könnte. DieserBeitrag versucht, die wichtigstenEntwicklungen zusammenzufassenund dabei sowohl die Rolleder Fakultät, als auch die desRektorats zu berücksichtigen.Seit einigen Semestern hat die Fakultätmit einem strukturellen Haushaltsdefizitim hohen sechsstelligenBereich zu kämpfen. Das schränktihren Handlungsspielraum stark ein.Neue Mitarbeiter/innenstellen, diebeispielsweise in Bereichen wie SoziologischeTheorien, Methoden oderMediensoziologie helfen könnten,den hohen Studierendenansturmdurch ein größeres Lehrangebot zubewältigen, können nicht eingerichtetwerden. Im Gegenteil ist die Neubesetzungvon frei werdendenStellen jeweils für ein Semester gesperrt,um so Kosten einzusparen.Wo immer möglich werden Kürzungenvorgenommen, so zum Beispielam Topf der Forschungsfördergelderder Forschungskommission, am Institutfür Weltgesellschaft oder ander Stelle für Internationalisierung.Stand hier bisher eine 50% Stelle füreine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/inzur Verfügung, wird es künftigSeit einigen Semestern hat dieFakultät mit einemstrukturellen Haushaltsdefizitim hohen sechsstelligenBereich zu kämpfen.nur noch eine Hilfskraftstelle geben.Durch die Emeritierung Jörg Bergmannsist die Professur für qualitativeMethoden frei geworden. Ehemalsals W3-Stelle ausgewiesen, wird sienun nur noch als W2-Professur besetzt.Die allgemeine Stellenpolitikder Fakultät vor allem zur Gewährleistungder Lehre folgt dem allgemeinenTrend, befristete Verträge(teilweise nur für ein Jahr) mit einemhohen Lehrdeputat von bis zu 13 Semesterwochenstunden(SWS) anzubieten,in denen Forschung nichtmehr vorgesehen ist. Das ist deutlichgünstiger als beispielsweise eine Mitarbeiterstellean einem Lehrstuhl miteinem Deputat von vier SWS. Durchgroße Drittmittelprojekte, d.h. mit Finanzierungz.B. durch die DeutscheForschungsgesellschaft (DFG), wiedem Sonderforschungsbereich „VonHeterogenitäten zu Ungleichheiten“nehmen hingegen die Projektstellenohne Lehrverpflichtung zu. Die Fakultätleistet zusätzlich einen Beitragzum SFB durch die Bereitstellung vonSachmitteln und Personal, der nichtvollständig durch die Mittel der DFGgedeckt ist und so einen Teil zumoben genannten Haushaltsdefizitbeiträgt. Eine potentielle Verschlechterungder Haushaltssituation kannaus den bevorstehenden doppeltenAbiturjahrgängen resultieren. Die Fakultätwird zum Wintersemester2013/14 deutlich mehr Studierendeaufnehmen müssen. Ob die von derLandesregierung NRW zusätzlich bereitgestelltenMittel für kompensierendeStellen ausreichen werden, istnoch nicht abzusehen.Doch nicht nur das strukturelleHaushaltsdefizit schränkt den Handlungsspielraumder Fakultät ein. Hinzukommen Uneinigkeiten zwischenihren Mitgliedern. Zum Beispiel gabes immer Stimmen, die die Relevanzdes in Deutschland einmaligen Institutsfür Weltgesellschaft bezweifelten.Dass dessen Mittel nun um 50%gekürzt wurden, ist eine Folge davon.Ein anderes Beispiel sind Bestrebungenvon Mitgliedern des SFBs, diesenals zentrale wissenschaftlicheEinrichtung zu etablieren und damitdem Zugriff der Fakultät zu entziehen.Eindrucksvoll zeigten sich dieseUneinigkeiten auch an den Auseinandersetzungenzur Neubesetzungder Professur für Wissenschaftssoziologie(ehemals prominent besetztvon Peter Weingart). Zwei Berufungskommissionenfür eine W3-Professurscheiterten, da im ersten Fall dasRektorat die vorgeschlagenen KandidatInnennicht akzeptierte und mansich im zweiten Fall nicht auf eine/nKandidat/in einigen konnte. In einerdritten Berufungskommission, diesmalnur für eine Juniorprofessur,konnte sich die Fakultät noch immernicht auf eine Berufungsliste einigen.Das nahm das Rektorat im letztenQuartal des Jahres 2012 zum Anlass,nicht nur die für die Fakultätehemals wichtige Professur zu streichen,sondern das IWT, an dem dieProfessur angesiedelt war, gleichganz zu schließen. Die daran angeschlossenenProfessuren Hochschulforschungund Technikfolgenabschätzungbleiben mit künftigneuer Denomination erhalten. Allesonstigen Stellen für wissenschaftlicheund nicht-wissenschaftlicheStellen laufen aber, teilweise mit Wirkungzu diesem Jahresbeginn, ausoder sind mit einem Sperrvermerkbelegt, d.h. sie können mit Auslaufender Verträge nicht neu besetzt werden.Die Streichung der Professur fürWissenschaftssoziologie und dieSchließung des IWTs erzeugt denEindruck, dass die Fakultät die Unterstützungdes Rektorats verliert. 1Das war in der Zeit der Vorbereitungder Anträge im Rahmen der zweitenEhemals als W3-Stelleausgewiesen, wird sie nun nurnoch als W2-Professur besetzt.8


DIE NOTEN AN DEUTSCHENUNIVERSITÄTEN WERDENIMMER BESSERDie Kolumne von Rainald MantheDer Wissenschaftsrat bemängeltin einer neuen Studie, dass deutscheHochschulen zu viele guteNoten vergeben. Unternehmenkönnten die Leistungen von Absolventennicht mehr objektivvergleichen. Doch das Problemliegt woanders.Berlin. Das alte Lamento: Es verändertsich etwas, und das ist nichtgut. Die Noten an deutschen Hochschulen,hat der Wissenschaftsratherausgefunden, sind in den letztenJahren immer besser geworden. Vorallem im oberen Notenspektrum werdenzu viele Noten vergeben. Eine„Aufweichung der Bewertungsstandards“und eine „schleichende Noteninflation“werden konstatiert.Auch bemerkt der Wissenschaftsrat,scheinbar von sich selbst überrascht,unterschiedliche Traditionen der Notenvergabein den verschiedenenFachkulturen. Als wäre es völlig neu,dass Juristen seltener sehr gute Notenvergeben als Erziehungswissenschaftler.Dadurch seien die Notenfür Arbeitgeber nicht mehr vergleichbar,die Notenvergabe in Deutschlandnicht mehr objektiv.Wie der Wissenschaftsrat daraufkommt, dass Noten jemals objektivund vergleichbar waren, ist nichtklar. Warum sich dieser Zustand derVergleichbarkeit und Objektivität(sic!) geändert haben soll, weil dieNoten insgesamt besser gewordensind, ist allerdings völlig unverständlich.Unternehmen können sichebenso daran orientieren, dass heuteAbsolventen eine 1,7 haben, dievor zehn Jahren eine 2,0 hatten. 1 EineVerschiebung nach oben ist nureine Verschiebung – keine Inflation.Bezeichnend ist auch, dass einFaktor gar nicht in Betracht gezogenwird: Dass sich die Ausbildungsbedingungenan den Universitäten soverbessert haben könnten, dass esden Studierenden möglich wird, besserabzuschneiden. Das wundertumso mehr, als der Wissenschaftsratvor allem die unterschiedliche Notenvergabean verschiedenen Hochschulenim selben Fach bemängelt.Mit so etwas rechnet man – zu Recht– nicht (mehr). Das Abendland istschon beinahe untergegangen, esbleibt nur noch der Appell an die öffentlicheMoral.Die wahren Probleme liegen woanders– und zwar bei den Studierenden:Nur sehr gute Notenermöglichen oft den Übergang in dengewünschten Masterstudiengang.Durch das frühe Erlernen der Selbstausbeutungbereits im Bachelorstudiengang– früher begann mandamit erst mit dem Eintritt ins Arbeitsleben– wird um jede Nachkommastellefür die Abschlussnotegekämpft. Dies beginnt bereits imersten Semester, welches keineswegszur Orientierung dient: Studierendesind sich sehr bewusstdarüber, dass sie sich in jeder Veranstaltung,jeder Klausur und jederHausarbeit bewähren müssen, umweiter studieren zu können. Dadurchentstehen Konkurrenzsituationen,die es so bis vor ein paar Jahrennoch nicht gab: Die Studierendenhelfen sich kaum noch gegenseitig.Das kann man als Marginalie verbuchen– oder fragen: Zu was für einerGesellschaft werden wir dadurch?­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­[1] Liest man die vielen Artikel in Wirtschaftsblätternzur Frage, was Unternehmen an Absolventeninteressiert, so wird unisono daraufverwiesen, dass dies sowieso nicht Noten seien,sondern „soft skills“, Auslandserfahrung,Engagement und sonstige Dinge, die die Bewerbervon anderen abheben.Aaron Murphy "a51media" / sxc.huRainald Manthe ist der Berlinkorrespondentder sozusagen. Er hat Soziologiestudiert und schreibt für diesozusagen über die ewige Wiederkehrdes Unterganges des Abendlandes.11


MODELL SPRACHSCHULEDie Effekte der neuen Mode der Kompetenzorientierung an denHochschulenEin Gastbeitrag von Stefan KühlKompetenzorientierung ist dasneue Schlagwort an den Universitätenund Fachhochschulen. Bildungsplanerplädieren dafür, dassman sich bei der Gestaltung von Studiengängenzuerst darüber Gedankenmachen sollte, welcheKompetenzen während eines Studiumserworben werden sollen underst dann daraus ableiten sollte, welcheInhalte Studierenden vermitteltwerden müssen. Bei Akkreditierungenvon Studiengängen wird inzwischengefordert, dass nicht nur fürjeden einzelnen Studiengang, sondernfür jedes einzelne Modul detailliertbeschrieben werden soll, welcheKompetenzen dort erworben werdensollten.Wie bei allen wohlklingendenSchlagworten – man denke nur anInnovationsfähigkeit oder Flexibilitätsorientierung– werden auch beidem Schlagwort Kompetenzorientierungkritische Anfragen entmutigt,weil es sich bei all diesen Begriffenum allgemein geteilte Werte handelt.Man kann sich schließlich als Professorschlecht für eine Inkompetenzorientierungan den Hochschulenaussprechen. Und es ließe sich auchschwerlich begründen, weswegen esein Misserfolg sein soll, wenn Studierendeam Ende ihres Studiums Kompetenzenerworben haben. DasProblem liegt also nicht so sehr imWort Kompetenz, sondern vielmehran dem Bildungsideal, das zurzeitmit dem Begriff der Kompetenzorientierungverkauft wird. 1Das Problem liegt also nichtso sehr im Wort Kompetenz,sondern vielmehr an demBildungsideal, das zurzeitmit dem Begriff derKompetenzorientierungverkauft wird.Die Vision einer KompetenzkaskadeDie Idee des unter dem Begriff derKompetenzorientierung propagiertenBildungsideals ist, dass man sichgrundlegend darüber Gedanken machensolle, welche Kompetenzen inwelcher Lernphase eines Lebens erworbenwerden sollen. Mit viel Pathoswird ein grundlegenderParadigmenwechsel von einer Inputzueiner Outputorientierung verkündet.Statt sich wie bisher primär Gedankendarüber zu machen, welcheInhalte Studierende lernen, welcheTheorien und Methoden sie kennenoder welche schriftlichen und mündlichenPräsentationsformen sie nutzensollen, müsse man definieren,welche Fach-, Sozial- und SelbstkompetenzenStudierende am Ende zubeherrschen haben. 2 Dabei gibt eskeinen Masterplan zur Umsetzungdieses Paradigmenwechsels, sondernmehrere Initiativen von Bildungspolitikernund Bildungsplanerngreifen - manchmal eher zufällig -ineinander.Im Rahmen der internationalenHarmonisierung der Bildungsabschlüssehat die europäische Kommissioneinen sogenanntenEuropäischen Qualifikationsrahmenentwickeln lassen, in dem von derVorschule bis zur Promotion definiertwird, welche Kompetenzen man sichauf jeder Qualifikationsstufe anzueignenhat. Während es auf der Niveaustufeeins um Kompetenzen zur„Erfüllung einfacher Anforderungen“geht, soll es auf der Niveaustufe fünfum Kompetenzen zur „Erfüllung einfacherAnforderungen in einem überschaubarenund stabil strukturiertenLern- und Arbeitsbereich“ gehen. AufNiveaustufe sechs – dem Bachelorniveau– geht es dann um „Kompetenzenzur Planung, Bearbeitung undAuswertung von umfassenden Aufgaben-und Problemsteuerungen“ inTeilbereichen eines wissenschaftlichenFaches, während auf der Niveaustufesieben – dem Masterniveau– diese Kompetenzen für ein wissenschaftlichesFach oder für ein Berufsfelderlernt werden. 3Dieser Europäische Qualifikationsrahmenwird von den beteiligten Ländernseit einigen Jahren in NationaleQualifikationsrahmen heruntergebrochen.Natürlich schreibt man auchhier, wie schon beim EuropäischenQualifikationsrahmen, wieder gernedas Adjektiv, das die regionalenGrenzen des Qualifikationsrahmensbezeichnet, mit einem Großbuchstaben,um den Konzepten eine entsprechendeBedeutung zu geben.Die Vorstellung ist, dass durch diesenationalen Qualifikationsrahmen –oder besser Nationalen Qualifikationsrahmen- die abstrakten Kompetenzbestimmungen,auf die man sichauf europäischer Ebene geeinigt hat,mit konkreten nationalen Bildungsabschlüssenverknüpft werden. Dasdeutsche Abitur – so die Vorstellung -soll dann beispielsweise der europäischenNiveaustufe fünf zugeordnetwerden, und den Abiturienten solldamit europaweit ermöglicht werden,Studien oder Ausbildungen auf derNiveaustufe sechs zu beginnen.Es reicht für die Gestaltung einesStudiengangs jedoch nicht aus, wennbeispielsweise allgemein für einenBachelor definiert wird, dass Studierendeüber „breites und integriertesWissen“ verfügen, ein „sehr breitesSpektrum an Konzepten zur Bearbeitungkomplexer Probleme“ beherrschen,in „ExpertenteamsMan kann vergleichen, wieunterschiedlich erfolgreichHochschulen in Spanien,Großbritannien undDeutschland dabei sind,Studierende auf eineeinheitlich definierteNiveaustufe zu heben.12


verantwortlich arbeiten können“„Gruppen oder Organisationen verantwortlichleiten“ und „Ziele fürLern- und Arbeitsprozesse definieren,reflektieren und bewerten“ können.4 Die allgemeinenFormulierungen müssen – so dieVorstellung der Bildungsplaner – mittelfristigfür jedes einzelne Studienfachverbindlich spezifiziert werden.Die dann von den Fachverbändendefinierten Standards für einen Bachelorund Master sollen als Orientierungspunktfür die Gestaltung derjeweiligen Studiengänge an den einzelnenHochschulen dienen. 5Damit aber nicht genug. Aus denBeschreibungen der Kompetenzenfür jeden einzelnen Studiengang sollendann die Kompetenzen abgeleitetwerden, die die Studierenden injedem einzelnen Modul erlangen.Statt die Studierenden mit den vonden Lehrenden häufig beliebig gewähltenInhalten von Seminaren zufüttern, komme es darauf an, für jedesModul vorab genaue Lernziele –„learning outcomes“ – zu definierenund die Seminare, Übungen und Vorlesungen,aber auch die Selbstlernphasensystematisch auf diese Zieleauszurichten. So sollen sich dannbeispielsweise die in dreißig unterschiedlichenModulen erworbenenverschiedenen Kompetenzen zu denvorher definierten Gesamtkompetenzeneines Bachelorabschlusses addieren.An dieser Kompetenzkaskade wirdan verschiedenen Stellen gearbeitet,sie stellt noch eine abstrakte Visionder Bildungsplaner dar. 6 An der Definitionvon hochschulübergreifendenKompetenzprofilen beispielsweisefür ein Bachelorstudium der Biologie,der Soziologie oder der Romanistikwird bisher lediglich in Pilotprojektengearbeitet. Die an den Universitätenund Fachhochschulen angefertigtenKompetenzbeschreibungen für Einzelmoduleeines Studiengangs ergebenin ihrer Summe nicht unbedingtLetztlich werden Lernende wieTrivialmaschinen behandelt,die - wenn man dierichtigen Inputs eingibt -die gewünschten(Kompetenz-)resultate liefern.genau die Kompetenzen, die in einemdeutschen Qualifikationsrahmenfür einen Studiengangvorgesehen sind. Aber es besteht dieHoffnung, dass sich die verschiedenenInitiativen zur Kompetenzorientierungin einer stringenten Formaufeinander beziehen lassen.Sprachschulen als Leitbild dermodernen HochschuleAls Vorbild für eine solche Kompetenzkaskadescheint das Modell derKompetenzvermittlung an Sprachschulenzu dienen. 7 Für Sprachschulen– oder besser fürSprachvermittlung allgemein – istunter Federführung des Europaratesin den letzten Jahrzehnten ein umfassenderReferenzrahmen erarbeitetworden. In diesemReferenzrahmen wird versucht, nebenKriterien für die linguistischeKompetenz – also dem Wissen überGrammatik, Aussprache und Orthographie– auch eindeutige Kriterienfür soziolinguistische Kompetenzenbezüglich der Sprachverwendungund für pragmatische Kompetenzenbezüglich des Einsatzes der Sprachein der Praxis zu definieren. Auf dieserBasis werden dann verschiedene Niveaustufenfestgelegt, die markieren,ob jemand über eine elementare,selbstständige oder kompetenteSprachverwendung verfügt. Die Niveaustufenwerden im Rahmen des Referenzrahmensin weitereUnterstufen zerlegt, die Anforderungenauf jeder Stufe genau definiertund dann für jede Sprache bis aufdie Anzahl der zu beherrschendenVokabeln spezifiziert.Durch diesen Referenzrahmen soll- so die Vorstellung von Bildungsplanern- eine zeitliche und inhaltlicheSynchronisierung von Bildungsprozessenerreicht werden. 8 Wenn manin einem Spanischkurs an seinerdeutschen Sprachschule die Fähigkeiterworben hat, zum Beispielmündlich einfache Beschreibungenvon Menschen, Lebens- und Arbeitsbedingungenoder Alltagsroutinenanzufertigen und damit die Anforderungenfür die Niveaustufe A1 undA2 des Europäischen Referenzrahmenserfüllt, soll man danach einBlockseminar an einer spanischenSprachschule erfüllen können, indem man in den Niveaustufen B1und B2 lernt, Sachverhalte klar undsystematisch zu beschreiben, umdann für den Erwerb der NiveaustufeC1 und C2 seine Studien an einerSprachschule in Argentinien fortzusetzen.Die Standardisierung bietet eineVielzahl von Vergleichsmöglichkeiten.Man kann evaluieren, ob Sprachschülerin einer Sprachschule aufMalta genau das Gleiche Lernen wiein einer Realschule in Deutschland.Man kann vergleichen, wie unterschiedlicherfolgreich Hochschulen inSpanien, Großbritannien undDeutschland dabei sind, Studierendeauf eine einheitlich definierte Niveaustufezu heben. Man kann nachforschen,wie hoch jeweils derfinanzielle Aufwand an den Unis inBonn, Oxford und Madrid ist, um ihreStudierenden von der Niveaustufesechs auf die Niveaustufe sieben zubringen. Durch die Produktion einheitlicherKompetenzkriterien werdendann nicht nur neue Vergleichs-,sondern auch bisher noch nicht genutzteRationalisierungsmöglichkeitengeschaffen.Das Technologiedefizit der ErziehungIn dem „Modell Sprachschule“ wirddie Erziehung von Studierendenletztlich wie eine Technologie behandelt,die zur Erreichung vorher definierterZiele – der Kompetenzen –eingesetzt wird. Genauso wie bei derProduktion eines Automobils definiertwird, was der Pkw am Endekann, soll auch für Studierende überein vorher genau zu erarbeitendesKompetenzprofil festgelegt werden,wie die Studierenden am Ende aussehensollen. Und ähnlich wie bei derFertigung und Montage eines Fahrzeugeswird davon ausgegangen,dass es auch in der Erziehung Technikengibt, mit denen Personendurch kalkulierbare Prozesse in einvorher definiertes Bildungsproduktumgeformt werden können. 9 Letztlichwerden Lernende wie Trivialmaschinenbehandelt, die - wenn mandie richtigen Inputs eingibt - die ge-Es gibt keine Möglichkeitenfestzustellen, wie viel Zeitvonnöten ist, um beiStudierenden eine vorherdefinierte Kompetenzzu produzieren.13


[3] Die Zitate stammen aus dem DQR (2011:7ff.), in denen vielfach die Formulierungendes EQR übernommen wurden.[4]So die Formulierung im „Deutschen Qualifikationsrahmenfür lebenslanges Lernen“(DQR 2011: 12).[5] Siehe zu solchen Vorstellungen zum Beispieldie Präsentation des Generalsekretärsder Rektorenkonferenz der Fachhochschulender Schweiz, Sidler 2007.[6] Eine Vision, die aber in der Bildungsplanungschon viele Umsetzungsversuche gesehenhat. Siehe nur dazu den Versuch in denUSA, eine Competency-Based Teacher Education(CBTE) zu entwickeln (dazu ausführlichHilbert 1982 und überblicksartig Hilbert1987).[7] Welchen Einfluss die Arbeiten am „GemeinsamenEuropäischen Referenzrahmenfür Sprachen“ auf die Gestaltung des „EuropäischenQualifikationsrahmens“ gehabt haben,ist meines Wissens noch nichtuntersucht worden. Siehe aber die Darstellungdes Referenzrahmens in der Expertise für dasBMBF zur „Entwicklung nationaler Bildungsstandards“(Klieme et al. 2007).[8] Siehe dazu Höhne 2010: 870.[9] Siehe zur Bestimmung von TechnologienLuhmann/Schorr 1979: 119 und Luhmann1982: 14.[10] Ich paraphrasiere hier im Hinblick aufden Kompetenzdiskurs Luhmann (2002: 157),der davon schreibt, dass „weder die Individuennoch das Interaktionssystem des Unterrichts... Trivialmaschinen [sind], die, wennman den richtigen Input eingibt, die gewünschtenResultate liefern.“[11] Das Konzept geht auf Dreeben (1970) zurück.Eine ausführliche Darstellung des Technologiedefizitsfindet sich beiLuhmann/Schorr 1982.[12] So der Deutsche Hochschulverband in einerStellungnahme zum Deutschen Qualifikationsrahmen(Grigat 2010: 252).über den Autor:Dr. Stefan Kühl ist Professor für Organisationssoziologiean der UniversitätBielefeld. Während seiner Studienzeitan der Universität Bielefeld war erAsta-Pressesprecher, Mitbegründerder Vorläuferzeitung der sozusagen„Agilprop“ und studentisches Mitgliedim Senat der Universität.Der Bierkonsum ist in der Krise!Der Verbrauch sank von 117,8 Liternpro Kopf 2003 auf 107,2 Literin 2011 und damit um fast 9%. 1Außerdem sank die Anzahl derBrauereien von ca. 12.000 um1900 auf nur noch ca. 1.500heute. Aber nicht nur Brauereienwerden weniger, auch die Anzahl derProfessuren für Soziologie nimmt ab.Dieses Jahr waren es 47 weniger alsim Vorjahr. Im Kontrast dazu stehendem Gerücht nach 400 neue Professurenim Bereich Wirtschaftswissenschaften.Wenn das stimmt,muss man sich fragen: Wo soll dasnur hinführen?! 2 Neben Bier und soziologischenLehrkapazitäten wirdauch Wasser verbraucht. Dieser Verbrauchverteilt sich allerdings nichtzeitlich oder zwischen unterschiedlichenDisziplinen, sondern geographischsehr unterschiedlich: DerWasserverbrauch in Indien liegt bei25 Litern pro Tag und Kopf, inDeutschland bei 129 Litern. Weitvorne liegt Dubai mit ganzen 500(!) Litern. 3Aber nicht nur Wasser, Bier undSoziologie sind wichtig, auch Nahrungsmittelsind ein existenziellerBestandteil des menschlichen Lebensund zudem stark von Krisenbeeinflusst. Folgt man der Welthungerhilfe,ist die Zahl derjenigen, diedurch sie im Jahr2010 versorgt werden mussten,sehr hoch. Mit einem Etat von 3,82Milliarden Dollar unterstützte dieWelthungerhilfe ca. 99 MillionenMenschen. Darunter 82,9Millionen Frauen, 23,2 MillionenKinder bei Schulspeisungen,15,1 Millionen Binnenvertriebeneund 2,6 Millionen Flüchtlingein 75 Ländern. 4 Dem gegenüber lagdas Kreditvolumen der EFSF (EuropeanFinancial Stability Facility) bei780 Milliarden Euro und war damitgut 200-mal so hoch. 5Gut, dass es da den internationalenTag zur Katastrophenvorbeugunggibt – immer der 2.Mittwoch im Oktober!6 Dieser Tag müsste in Deutschlandeigentlich prominent gefeiertwerden. Sind die Deutschen doch fürihre Sehnsucht nach Sicherheit bekannt.Nirgendwo sonst sind so vieleMenschen Helfer bei Rettungskräften:Etwa 1,8 Millionen Menschensind ehrenamtlich bei derfreiwilligen Feuerwehr, dem RotenKreuz, dem Technischem Hilfswerk,dem Arbeiter-Samariter-Bund, derBerg- und Wasserwacht und vielenanderen Organisationen aktiv. 7Bei so viel Unterstützung ist eswichtig, dass alles seine Ordnunghat. Die Normen DIN 13050 undDIN 14011 legen fest, wann eineKatastrophe eingetroffen ist undwann nicht: Das Oderhochwasser1997 mit 0 Toten in Deutschlandwar demnach eine, das ICE-Unglückvon Eschede 1998 dagegen keine –dort starben 101 Menschen. 8 Hierwird deutlich, die Verwendung vonZahlen selbst ist krisenhaft. Wo sieSicherheit und Ordnung vermittelnsollen, bergen sie auf den zweitenBlick zweifelhafte Vergleichsmomente.Die rational wirkende Ordnung derZahlenwelt verliert sich bei nähererBetrachtung im Relativen.­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­[1] Informationszentrum für Landwirtschaft:http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Verbraucher/Bierkonsum-ruecklaeufig_article1335873610.html[2] Anderea Maurer auf dem DGS Kongress[3] Weltwassertag:http://weltwassertag.com/wieviel-wasserbraucht-der-mensch.html[4] World Food Program:http://de.wfp.org/%C3%BCber-wfp/zahlenund-fakten[5] EFSF:http://www.efsf.europa.eu/attachments/faq_en.pdf[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_-Gedenk-_und_Aktionstagen[7] Krisenvorrat - Sicherheit in der Krise:http://www.krisenvorrat.de/verhalten-im-katastrophenfall.html[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe#Katastrophenmanagement15


von Magdalena AueIllustration vonTobias ConradiIm Heft verteilt findet ihr diesesMal mehrere Illustrationenvon Tobias Conradi zumThema "Moderne Weltuntergangsvorstellungen".16


DIE GESCHEITERTEAPOKALYPSE.Wie man den Weltuntergang vorhersagt und den Irrtum übersteht –eine Anleitung.„Ich habe mich vertan…“ (Helge Schneider)Weltuntergangsprophezeiungen scheitern bislang mithundertprozentiger Wahrscheinlichkeit, zuletzt istes am 21. Dezember 2012 mal wieder nichts gewesen.Solche offensichtlichen Irrtümer ändern jedoch nichtsdaran, dass immer wieder aufs Neue Versuche unternommenwerden, Apokalypsen vorauszusagen. Schautman in die „Chronik der (verpassten) Weltuntergänge“ 1 ,staunt man über die reiche Tradition gescheiterter Untergangsprophezeiungen:Ganze 119 Fälle werden dort dokumentiertund die Liste ist längst nicht vollständig.Zudem sind dort lediglich konkrete Prophezeiungen mitDatum berücksichtigt (mindestens mit Jahreszahl). Alleinder Reformator Martin Luther soll drei Mal den Weltuntergangangekündigt haben und die Zeugen Jehovas sindals Institution in der Disziplin „Irren bei Weltuntergangsterminen“rekordverdächtig.Da drängt sich die erste grundlegende Frage auf, dieman klären muss, wenn man sich den praktischenGrundlagen der Apokalypsenpropheterie zuwendenmöchte: Wie kann man nach einer über zweitausend Jahrelangen Chronik von Irrtümern in Sachen Weltuntergangimmer noch Menschen vom baldigen Endeüberzeugen?Die banalste Antwort vorweg: Viele Menschen wollenIllustration von Tobias Conradiganz einfach an das Ende der Welt glauben, besondersdann, wenn man ihnen verspricht, dass hinterher allesbesser wird (sofern sie denn zu den „Auserwählten“ zählen).Wissenschaftler sprechen von der Faszination derApokalypse, denn diese „verspricht nicht eine bloße Verbesserungder Verhältnisse, sondern eine radikale Verwandlungder Wirklichkeit. Sie verspricht Erlösung durchVernichtung der alten, unvollkommenen und verdorbenenWelt“ (Vondung 2008: 177). Aber eine bloße Faszinationist natürlich nur der Anfang. Solche apokalyptischen Prophezeiungenordnen auch die Welt und helfen, sie zudeuten, und zwar auf ihre ganz eigene Art und Weise: als„religiöse Krisenrethorik“ (vgl. Nagel et al. 2008). Siesprechen vom Anfang und natürlich insbesondere vomEnde, teilen die Welt in Gut und Böse und stellen gut etablierteMöglichkeiten dar, Krisen und Katastrophen Sinnzu geben. Selbst im vermeintlich säkularen Deutschlandkann man ungenutztes Potenzial vermuten: Apocalypsesells! Der Weltuntergangsfilm „2012“ von Roland Emmerichspielte weltweit in nur vier Tagen sein Budget wiederein und Bücher mit entsprechenden apokalyptischenThemen verkaufen sich ebenfalls bestens.Wie gründet man einen Weltuntergangskult?Doch die Apokalypse fasziniert die Menschen nicht nurals fiktiver Stoff. Es gibt religiöse und esoterische Gruppen,die wirklich an das nahe Ende der Welt glauben undimmer wieder vergeblich versuchen, dieses Ende vorherzusagen.Was überrascht: Nicht wenige dieser religiösenGruppen sind nach dem Scheitern ihrer Prophezeiungen– trotz aller Enttäuschung – sogar noch aktiver und überzeugtervon ihrem Glauben als vorher (für einen Überblickvgl. Dawson 1999). Wie funktioniert das? Wie lässtsich eine Apokalypse vorhersagen, ohne dass man beiNichteintreten als Prophet hinterher ans Kreuz genageltwird und die Gruppe sofort auseinanderbricht?Die Frage stellt sich insbesondere dann, wenn mankonkret plant, Prophet oder Prophetin zu werden und eineeigene kleine Weltuntergangsgruppe zu gründen.Warum man das tun sollte? Es lohnt sich! Folgt man einemleidenschaftlichen Plädoyer in der ZEIT – „Werdensie Guru!“ – sind „erstklassige Berufsaussichten“ zu erwarten(Straßmann 1998). Religiöse Gruppen sind zudem„minimalistische Organisationen“ – das heißt, sielassen sich ohne großes Startkapital gründen und auchin Krisenzeiten erhalten, da sie hervorragend auf dieRessourcen ihrer Mitglieder zurückgreifen können (vgl.Anderson 2008). Aber so einfach ist das natürlich nicht;es gibt einiges zu berücksichtigen. Es ist im Falle einesentsprechenden Vorhabens daher empfehlenswert, denHinweisen auf den nächsten Seiten zu folgen.17


Das Fundament: Die WeltuntergangsgeschichteErfolgreiche Propheten sind in der Regel gute Geschichtenerzähler.Man braucht eine Geschichte, dieüber die kommende Apokalypse informiert, überzeugendist und sich nicht ohne weiteres widerlegen lässt. Kernelementeiner solchen Geschichte ist die düstere Gegenwartsdiagnose:Die Welt ist schlecht und alle Zeichenstehen auf Untergang. Dabei darf man nicht vergessen,seine Anhänger mit zahlreichen Deutungsmustern zu versorgen,mittels derer in möglichst vielen Ereignissen „eindeutige“Zeichen für die Endzeit erkannt werden können.Das ist nicht so schwer: Katastrophen und andereschlimme Ereignisse gibt es genug in der Welt und dassder Mensch schlecht ist, wissen wir doch ohnehin alle.Die Realität bietet eine hervorragende Plausibilisierungsgrundlagefür Dystopien und Weltuntergangsphantasien.Optimal ist es natürlich, wenn es in der unmittelbaren Erfahrungsweltder Anhänger Katastrophen gab, die zu verarbeitensind, denn wie bereits erwähnt, könnenapokalyptische Erzählungen auch als Sinngeber bei Krisenund Katastrophen dienen.Dies, verpackt in dogmatischer Form, mit einer klarengut/böse Differenz und einer apokalyptischen Ästhetik(Vondung 2008: 187), bildet die ideologische Grundlagefür eine solche Gruppe. Anregungen gibt es zahlreiche inder reichhaltigen apokalyptischen Literaturtradition, sodassman gar nicht erst die Bibel aufschlagen muss. EinBlick in das alte Buch lohnt jedoch sehr, denn vertrauteMuster ziehen immer. Falls man Evangelikale oder dieZeugen Jehovas jedoch nicht unter seinen Anhängern sehenmöchte, sollte man das mit der Bibel und diesemGott da eher bleiben lassen und sich stattdessen einenneuen Gott, eine fetzige Außerirdischen-Story oder etwasanderes ausdenken. Literarisches Talent ist dabei vonVorteil: Der Scientology-Gründer L. Ron Hubbard warauch fleißiger Romanautor und kann als ausdrücklichesVorbild dienen.Vorsichtige und phantasielose Untergangsprophetenbegnügen sich mit der Ankündigung eines „großen Ereignisses“und verzichten z.B. auf die konkrete Ausarbeitungdes da Kommenden. Besser ist hingegen ein „Wechselspielvon vagen und eindeutigen Aussagen“ (Krech 2008:223, vgl. auch Dawson 1999: 73). Einerseits muss mankonkret genug werden, um Spannung zu erzeugen undum Aufmerksamkeit der Anhänger zu fokussieren (konkreteUntergangstermine sind hier sehr effektiv). Andererseitsmuss man vage genug sein, um sich später ausder Affäre ziehen zu können und um dem Entstehen gravierenderkognitiver Dissonanzen vorzubeugen. Eine Herausforderung,die Geschick verlangt. Aber sie gelingt, wieman sieht, immer wieder.Schließlich spielen bei der Weltuntergansgeschichteauch die Quellen eine wichtige Rolle, aus der man seineProphezeiungen zieht. Ob es Eingebung ist, die Erscheinungeines göttlichen Boten, Signale aus dem Weltall, dieDeutung einer alten Schrift, automatisches Schreiben:Die Deutungshoheit über diese Quellen ist entscheidend!Wer sich diese streitig machen lässt, gefährdet seine Autorität.Martin Luther, gemalt von Lucas Cranach, dem Älteren, gemeinfrei; Bearbeitung von Alexander Engemann)Die richtigen Mitglieder rekrutierenDie Rekrutierung der richtigen Anhänger ist eine ebensozentrale Aufgabe wie das Erfinden einer knackigenWeltuntergangsgeschichte. Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnisist unabdingbar, sonst wird es unterden neuen Anhängern schnell langweilig. Und ein unverkrampfterUmgang mit Sexualität kann zudem ein zusätzlicherMitgliedschaftsanreiz sein.Personen mit eigener Familie, gutem Job und vielenFreunden in erreichbarer Nähe sind die damit verbundenenMühen meist nicht wert, es sei denn, man hat einbegnadetes Charisma und Erfahrungen als Handyverkäufer,dann erreicht man ohnehin alles. Unabhängig von derZielgruppe, die man ansprechen will, sind daher sozialAusgegrenzte empfehlenswert oder neu in die Stadt Gezogene.Also: Solche die aus welchen Gründen auch immerin kein stabiles soziales Netzwerk eingebunden sind,sich fremd fühlen und/oder diskriminiert werden. Dashat viele Vorteile. Einerseits sind die Verwandten undFreunde, die einem die Anhänger streitig machen, dannein kleineres Problem. Andererseits sind Weltuntergangsgeschichtenfür solche Menschen oft besonders plausibelund das Versprechen der Erlösung amWeltuntergangstermin zusätzlich attraktiv. Bedenken18


sollte man jedoch immer, dass man es mit diesen Typenauch über einen längeren Zeitraum aushalten muss. WG-Erfahrungen können ein hilfreiches Mitgliedskriteriumsein.Isolation, Hohe Beitrittskosten und bindende HandlungenWo wir schon beim Punkt WG-Erfahrung sind: Nützlichist die Isolation der Mitglieder einer solchen Gruppe.Kontakte zu Nicht-Mitgliedern sollten unterbunden werdenoder nur unter Aufsicht/in Gemeinschaft stattfinden.Das verstärkt den Graben zwischen der Gruppe und derAußenwelt und kommt den eventuellen Kontrollabsichtengelegen. Prima, wenn auch mit etwas Aufwand verbunden,klappt das im Kontext von Weltuntergängen mitselbstgebauten Bunkern. Doch auch abgelegene Häusereignen sich, um die Sekte nicht nur ideologisch von derAußenwelt abzuschotten, sondern auch räumlich. Mobiltelefonesind natürlich tabu – Technik ist ein Werk desTeufels – ebenso wie Fernsehen, Internet und Radio. Allenfallsfindet sich letzteres im Gemach des Propheten,sodass dieser Nachrichten aus der Außenwelt erfindenbzw. selektiv weitergeben kann, was äußerst praktischist. Auf diese Weise kann man sogar eine Zeit lang denUntergang der Zivilisation vorgaukeln.Um Trittbrettfahrer auszusieben und eine Unterwanderungseiner Sekte durch wissbegierige Soziologen zu vermeiden,sollte man zudem einige Vorkehrungen treffen.Effektiv sind hohe Beitritts-Kosten und kostspielige Initialisierungsriten.Gleichzeitig helfen solche Mechanismen,eine starke Gemeinschaft mit hohen Kollektivgütern aufzubauenund Mitglieder zu binden (Iannaccone 1994).Wer viel investiert, gibt seinen Glauben auch nicht soschnell auf. Am besten bringt man seine Anhänger undAnhängerinnen zu radikalen, besonders endgültigenHandlungen im Namen des Glaubens. Ein Beispiel guterPraxis ist der UFO-Kult um die Amerikanerin Dorothy Martin(vgl. dazu Festinger 1956): Sie brachte ihre Anhängerdazu, ihren Besitz, ihr bisheriges Privatleben sowie ihreJobs aufzugeben und man zog sich in der Überzeugungzurück, trotz befürchteter Sintflut, rechtzeitig von einemUFO gerettet zu werden. Zwar hat das die Unterwanderungdurch Feldforscher nicht verhindert, doch führtendiese endgültigen Handlungen zu einer hohen Bindungder Anhänger an die Gruppe und zu Enttäuschungsresistenz.Womit wir beim nächsten Thema wären.Die Krise der nicht erfüllten Prophezeiung – wieman sich darauf vorbereitet und damit umgehtEin entscheidender Punkt wurde bisher nur angedeutet:Was tun, wenn die Welt – Überraschung! – doch nichtuntergeht? Wie mit der Krise umgehen, die nun eintritt?Die schlechte Nachricht: Es ist damit zu rechnen, dass inder nächsten Zeit einige die Gruppe enttäuscht verlassenwerden. Die gute Nachricht: Viele Gruppen überstehentrotz allem gescheiterte Prophezeiungen für eine beachtlicheZeit, meistens bleibt mindestens ein harter Kernübrig, der sich enttäuschungsresistent erweist. So kommtDawson in einer Metastudie zu dem Ergebnis, dass vondreizehn untersuchten Gruppen ganze zwölf mindestensfür eine Zeit lang weiterbestanden und fünf davon sogar„ziemlich gut“ darin waren, den Glauben trotz gescheiterterProphezeiung zu wahren (Dawson 1999).Die interessanteste konkrete Umgangsweise von Gruppenmit der Enttäuschung ist die, dass die Anhänger zumissionieren beginnen bzw. diese Tätigkeiten intensivieren.Dies gilt in der Psychologie als Kompensationsstra-Ausschnitt aus: Albrecht Dürer, Die Offenbarung des Johannes: 4. Die vier apokalyptischen Reiter, gemeinfrei.19


STREET ART ALS KRISE DERVERWALTETEN STADTWer die Unterführung des Bielefelder Bahnhofs inRichtung Boulevard verlässt, kann an einer grauenBetonwand ein buntes Graffiti entdecken. Jedoch nichtauf der Wand selbst, sondern auf einem Foto, das als Teileines Hinweisschildes an jener angebracht ist. „Dasbraucht kein Mensch“, steht dort im „Deutsche-Bahn-Rot“ und darunter eine Aufforderung, Sprayer_innen anzuzeigen.Natürlich ist es vor allem die Bahn, die dieGraffiti hier nicht braucht – oder vielmehr nicht will, stellensie doch einen Eingriff in ihre „Corporate Identity“dar. Tatsächlich ist es das, was Street Art ausmacht, wasdas Empörende an ihr ist: Die Anmaßung einer Mitgestaltungin einem Bereich, in dem das Recht der Gestaltungmonopolisiert und der Eingriff somit illegal ist. So fasseich auch in diesem Artikel unter dem Begriff „Street Art“in grober Vereinfachung all die verschiedenartigen Stileund Methoden von Graffiti über „Tags“ (schnelle Schriftzüge,die einer Unterschrift ähneln) und „Cut Outs“ (ausgeschnitteneBilder, die an Wände geklebt werden) biszum „Guerilla Gardening“ (nicht autorisiertes Bepflanzenöffentlicher Räume) zusammen und verstehe daruntervor allem einen unerlaubten gestalterischen Eingriff inden öffentlichen Raum. Von diesem Blickwinkel aus kanndie Betrachtung von „Street Art“ einen Ausgangspunktbilden für eine Soziologie der postfordistischen 1 städtischenLebenswelt. Dabei kann es nicht um die üblicheFrage gehen, ob „Street Art“ das „Art“ in ihrem Namenverdient oder vielmehr bloße Schmiererei ist. Genausowenig fruchtbar erscheint es, in die kryptischen Buchstabenfolgendes Graffitis eine politische Aussage oder gareine Forderung hineinzuinterpretieren. Vielmehr möchteich den Regelbruch oder die Grenzüberschreitung, die„Street Art“ stets darstellt, dazu nutzen, mich an ebendiese Grenzen heranzutasten, die das städtische Lebenbestimmen. Damit orientiere ich mich grob an einer MethodeFoucaults, die er wie folgt beschreibt: „Eine Kulturnach ihren Grenzerfahrungen zu fragen, heißt sie in denGrenzen der Geschichte nach einer Zerrissenheit zu befragen,die gleichsam die eigentliche Entstehung ihrerGeschichte ist.“ (Foucault 2005: 10). Ähnlich wie Garfinkelgeht Foucault also davon aus, dass soziale Strukturenin den Momenten ihrer Krisen klarer hervortreten. DieStrukturen der verwalteten Stadt, um die es hier gehenwird, sind jedoch so vielfältig, dass sie jeweils nur kurzangeschnitten werden können. So will dieser Artikel aucheher zum Weiterdenken anregen, als eine spezielle Interpretationsweisevon Street Art zu untermauern.Physische Räume wie Zimmer, Häuser, Plätze sind immerauch soziale Räume, die nicht nur funktionale Einheitensondern auch Kommunikationsmedien sind. Alssolche sind sie gewissermaßen eine bildhauerische Gesamtdarstellungder gesellschaftlichen Machtverhältnisse.Egal ob sie in Form der Repräsentativbauten derModerne aus in Stahl und Beton gegossener Einschüchterungbesteht oder die Dominanz der Macht in derScheinharmonisierung der Postmoderne mit spielerischenElementen „verhübscht“ und „bedeckmäntelt“wird: Die Architektur der Stadt repräsentiert vor allem die(monumentalen) Entscheidungen der Mächtigen und dieIrrelevanz der Massen (Vgl. Blissett/Brünzels 2001). Sowerden die Stadtbewohner_innen immer wieder auf ihreRolle im ökonomischen System verwiesen, die aus Produzierenund Konsumieren, nicht aus Mitgestalten oder-bestimmen besteht. Baudrillard sieht darin den Kernpunktder städtischen Hegemonie und schreibt: „Der Unterschiedzwischen Sendern und Empfängern, zwischenProduzenten und Konsumenten von Zeichen muß totalbleiben, denn in ihm liegt heute die wirkliche Form dergesellschaftlichen Herrschaft.“ (Baudrillard 1978: 23).Daraus destilliert er den Begriff der „Semiokratie“, derHerrschaft der Zeichen, als zentralen Mechanismus vonHerrschaft in der Postmoderne. „Street Art“ wird vonBaudrillard als Krise dieser Herrschaft interpretiert. Tatsächlichavanciert sie sogar zu einem zentralen Momentin seiner politischen Theorie, in der „nur das [p]olitischArne Kramer­Sunderbrink / sozusagen22


wirklich von Belang ist […], was heute diese Semiokratie,diese neue Form des Wertgesetzes attackiert.“ (ebd.).Gerade die kryptische Aneinanderreihung von Buchstabender Graffiti oder mehr noch der Tags seien als „leereSignifikante“ dazu geeignet, die „Semiokratie“ der verwaltetenStadt in eine Krise zu stürzen.Neben dem diskursiven Aspekt der architektonischenHegemonie, die jedem Raum die Perspektive der Mächtigenaufzwingt (Vgl. Zukin 1993: 16), hat die verwalteteStadt jedoch auch unmittelbarere praktische Auswirkungen:So ist das Verschwinden frei nutzbarer öffentlicherRäume bereits ein stadtsoziologischer Allgemeinplatz geworden.Private Sicherheitsdienste kontrollieren nichtmehr nur Verkaufsräume, sondern auch die angrenzendenStraßen, spezielle „Behinderungsmöblierung“, dieHinsetzen oder -legen unmöglich macht, setzt die Normdes Laufens und Kaufens durch. Jeder Raum ist verwaltetund kontrolliert und wird von allen Elementen bereinigt,die nicht zu seiner Funktionalität als Zelle desökonomischen Systems gehört (dazu z.B. Davis 1992).Durch diese Privatisierung und Funktionalisierung öffentlicherRäume wird deren Aneignung durch die Subjekte,deren Lebenswelt sie bilden, unmöglich gemacht.Genau diese Aneignung der (menschengemachten) gegenständlichenUmwelt ist jedoch für die Kritische Psychologienach Leontjew die Grundlage derSubjektwerdung. Da sich in der menschengemachtenUmwelt die gesellschaftlichen Verhältnisse spiegeln, wirddurch ihre Aneignung gesellschaftliches Erleben möglich(Leontjew 1973). Spätere Untersuchungen legen nahe,dass eine zentrale Voraussetzung für die Aneignung derUmwelt deren prinzipielle Umnutzbarkeit ist. Diese Umnutzbarkeitwird jedoch in den Städten des Postfordismusdurch menschliche und architektonische„Raumwärter_innen“ gezielt verhindert (Vgl. Deinet,2011: 41 ff.): „Herumlungern“ 2 ist in den Bahnhöfen derAktiengesellschaft Deutsche Bahn genauso verboten, wiedas Besprühen der Wände. Die Krise, die der verwaltetenStadt durch „Street Art“ zugefügt wird, offenbart alsoMachtstrukturen, die Ausdruck eines Kampfes um dieAneignung der städtischen Umwelt sind. Dabei könnenjedoch mit dem Begriff des Kampfes nicht wie üblich bewussthandelnde Akteur_innen verbunden werden, dader gesamte Prozess der Aneignung üblicherweise unbewusstabläuft.Dieter Baacke (1984) stellte sich die Aneignung derLebenswelt noch als größer werdende Kreise um die eigeneWohnung vor. Die öffentlichen und privaten Institutionen,die das Leben von Stadtmenschen prägen, sindjedoch weder um die eigene Wohnung herum angeordnetnoch lassen sie eine Aneignung zu: das Krankenhaus, indem der Stadtmensch geboren wird, die Schule, in der ererzogen wird, die Universität, in der er studiert, die Fabrik,in der er arbeitet, das Pflegeheim, in dem er stirbt;sie alle bestimmen sein Leben und doch hat er meistkeinen Einfluss auf sie. Diese Tatsache spiegelt sich inihrer Gestaltung wieder: Wenn das Kind am Morgen indie Schule kommt, wurde der Baum, der noch gestern imHof stand, gefällt, ohne dass es gefragt oder auch nurüber den Grund informiert wurde. Die alte Frau wird in ihremRollstuhl aus dem Zimmer im Pflegeheim geschoben,in dem sie jeden Tag verbringt, damit es einenneuen Anstrich bekommt, in einer Farbe die sie nichtausgesucht hat.Unter dem Eindruck der völlig verwalteten und funktionalisiertenpostfordistischen Stadt, wurde das Kreis-Modelldurch das sogenannte Inselmodell ersetzt. Diesesgeht davon aus, dass die städtische Lebenswelt jenseitsder eigenen Wohnung nicht mehr zusammenhängendangeeignet werden kann, sondern sich aus vereinzeltenInseln zusammensetzt, mit denen jeweils spezifischeFunktionen verbunden sind (Deinet 2011: 48). Aber auchdieses Modell unterstellt die (Eigentums-)Wohnung alsHeimat und Prototyp der angeeigneten Lebenswelt undhinkt damit hinter der Realität der Mietwohnungen her,die die räumliche Fremdbestimmung bis ins Schlafzimmerfortsetzt, an dem schon die kleinsten Veränderungenuntersagt sind oder zumindest der Genehmigung bedürfen.Selbst der eigene Körper kann als völlig angeeigneterRaum in Frage gestellt werden, zeichnet sich derPostfordismus doch gerade durch die Produktion einesProduktes aus: Dem des pseudoindividuellen„Lifestyles“, der von der Form der Schuhe bis zur Formder Nase alles unter seiner Kontrolle hat. „Was wir in derÖffentlichkeit spazieren tragen, sind immer weniger individuelleund immer mehr virtuelle Körper, die nicht mehruns, sondern Nike und Adidas gehören.“ (Waldvogel2006: 64).Insgesamt erscheinen deshalb die Dualismen von angeeignetervs. fremdbestimmter Lebenswelt, Macht vs.Arne Kramer­Sunderbrink / sozusagen23


Bericht aus dem ZettelkastenKRISEN UND KATASTROPHEN– KEIN THEMA FÜRNIKLAS LUHMANN?Von Johannes SchmidtIn der letzten Ausgabe (SoSe 2012) berichteten wir ausführlich über Niklas Luhmanns Zettelkasten, derseit einiger Zeit an unserer Fakultät ist und nun endlich erschlossen werden kann. Nun gibt es bereitserste Ergebnisse. Der Zettelkastenexperte Johannes Schmidt hat den Zettelkasten unter anderem nachden Themen „Krisen und Katastrophen“ befragt und die Ergebnisse für die Sozusagen zusammengefasstund kommentiert. Soviel vorweg: Krisen und Katastrophen sind bislang offenbar so etwas wie „Baustellen“in Luhmanns Systemtheorie. Die Entwicklung eines systemtheoretischen Verständnisses dieser Konzepteist somit sicher ein mögliches Thema für die eine oder andere Abschlussarbeit, immerhin dieAnsätze für ein solches Projekt findet man verstreut im Zettelkasten.Wenn man den Zettelkasten NiklasLuhmanns zu den Themen„Krise“ und „Katastrophe“ befragtund zu diesem Zweck die 1250 bzw.3200 Stichworte umfassendeSchlagwortregister der beidenSammlungen konsultiert, so ergibtsich ein eher ernüchternder Befund.Den Begriff „Krise“ kennen die Registernicht – was hinsichtlich derfrühen, eher philosophisch orientiertenSammlung (ca. 1950-1963)schon überrascht, da hier die Husserl-Bezügemit dem Konzept der Lebenswelt,das in dessenKrisis-Aufsatz entwickelt worden ist,unübersehbar sind. In der zweiten,neueren und genuin soziologischenSammlung (ca. 1963-1996) werdenfür „Krisentheorie“ immerhin vierSystemstellen benannt, von denenallerdings nur eine überhaupt einennennenswerten Umfang erreicht.Diese 43 Zettel umfassende Abteilung„532/14 Krisentheorie“ befindetsich im Kontext des ca. 2000Zettel umfassenden Themenblocks„532 Soziale Ordnung / SozialesSystem“, der sich primär mit der Organisationbeschäftigt und den Luhmanngrößtenteils bereits bis Mitteder 1960er Jahre erstellt habendürfte. Entsprechend wird Krise hierprimär als ein Strukturänderungsproblemin Organisationen verstanden,auch wenn der Begriff zunächst andas allgemeine System/Umwelt-Modell,wie es für den damaligen Entwicklungsstandder LuhmannschenTheorie charakteristisch war, angepasstwird:[Zettel 532/14 / nl-zkII-10-523_14]„KrisentheorieKrisen sind heikle Situationen inSystem/Umwelt-Beziehungen, dieden Bestand des Systems in Fragestellen.Die Krisenlehre ist, weil sie einenExtremfall behandelt, für Strukturfragenin besonderem Sinneaufschlussreich. Sie ergibt sich inihrer Problemdarstellung und inihren Bezugsbegriffen aus der allgemeinenSystem/Umwelt-Theorie.“Daran anschließende weiterführendesozialtheoretische Überlegungenfinden sich aber nicht,abgesehen von einigen wenigen Verweisenauf andere Stellen im Kasten,so darauf, dass die Krise in einemengen Zusammenhang mit der Theoriestruktureller Änderungen gesehenwerden müsse. Dabei wird auf dieAbteilung „21/8 Struktur/Funktion“verwiesen, in der es auch einige Zettelzu Strukturänderung gibt, die hierzunächst primär als Strukturanpassungverstanden wird, wobei Luhmannzwischen Strukturänderungdurch Entscheidung und durch Vergessenunterscheidet (21/8o14i). Eineweitere Verweisstelle führt zumBlock „21/10 Funktionalismus/Stabilität“:Stabilität versteht Luhmannals die Reproduzierbarkeit von Problemlösungendurch entsprechendeSystemstrukturen (21/10e). Instabilitätals „Unsicherheit des Anschlusswertesvon Ereignissen“ (21/10h5)wird zwar in ihrer Funktionalität anerkannt,aber sofort wieder auf Stabilitätbezogen: „Instabilitäteneröffnen weiterreichende Kausalchancen,weil nahezu alles herangezogenwerden kann, um Stabilität zuerreichen“ (21/10h2). Die Frage, inwieweitSysteme spezialisierte Strukturenausarbeiten, um mitInstabilitäten umzugehen, wird abernicht weiter vertieft.Die weiteren Überlegungen im o.g.Block 532/14 bewegen sich dannprimär im organisationssoziologischenKontext. Krisen als „nicht-routinemäßigeinplanbare Änderungen“(542/14a) werden dabei der organisationalenRoutine gegenübergestelltund in enger Anlehnung anMichel Crozier primär in ihrer Funktionalitätgesehen als ein „unentbehrlichesund dahersystemwichtiges Anpassungsverhalten…, in dem für kurze Zeit eine ArtAusnahmerecht gilt“ (532/14b): Anpassungdurch Abweichung also. MitBlick auf einen modaltheoretischenBegriff der Bedingungen der Möglichkeitbetont Luhmann, dass eineentsprechende Krisentheorie zu-25


nächst die Bedingungen der Substituierbarkeitzu klären hätte und notiert:„Eine Krise könnte dann(jeweils im Bezug auf ein bestimmtesSystem) definiert werden als Übergangzu ungewöhnlichen Bedingungender Substituierbarkeit“(532/14j).Ein gesellschaftstheoretischer Zugriff,wie er für die Krisentheorie derneueren Soziologie eigentlich üblichist, wird in diesem Abschnitt allenfallsangedeutet. So findet man dieBemerkung, dass die Krisenanfälligkeitder Gesellschaft sich durch ihrefunktionale Ausdifferenzierung erhöhe(532/14p1) und Krisen für dasGesellschaftssystem als Zuspitzungenverstanden werden können, „dieauf eine Änderung der Form von Systemdifferenzierunghinauslaufen“(532/14r). Beide Bemerkungen stehenaber deutlich isoliert und werdenauch nicht durch entsprechendeVerweise mit anderen Bereichen derSammlung verbunden, wie generellder gesamte Block eher Forschungsfragenformuliert, die nicht wiederaufgenommen werden.Für „Katastrophe“ weisen die Registerje eine Fundstelle in der frühenund eine in der späteren Sammlungaus. In der frühen Sammlung beschäftigtsich der nur sechs Zettelumfassende Abschnitt 22,4 unterdem Titel „ Ausnahmesituationen –insbes. Katastrophen (disaster)“ imKontext sinntheoretischer Überlegungenmit der Frage nach der Bedeutungvon „Führung imEntscheidungsprozess“ mit dem Thema:Ein Bedürfnis nach Führung imSinne einer „raschen Kommunikationfester Erwartungen“ ergebe sichinsbesondere in Ausnahmesituationen,wofür die Katastrophe paradigmatischsteht:[Zettel 22,4a / nl-zkI-2-22,4a]„Die Katastrophe wird nicht alsbeziehungsloses Ereignis, als isolierterEinbruch in die sonst geordneteWelt hingenommen,26sondern sie wird mit dem Normalitätshintergrundverbunden. Dasgeschieht insb. durch Erklärungen,Zurechnung zu bestimmtenUrsachen, evtl. Feststellung desSchuldigen.[…]Die Einheit der Welt aufrechtzuerhalten,ist offenbar ein zwingendesBedürfnis; sie duldet keinegänzlich aus dem Rahmen fallendenAusnahmen.Völlig isolierte Ausnahmen wärenim Übrigen gar nicht sinnhaftidentifizierbar, da alle Identifikationdurch den Horizont typischerOrdnung bedingt ist. […]“Wie schon beim Krisenverständnisdominiert dann auch hier wieder einePerspektive, die Ordnung in denVordergrund stellt, das Modell abernicht weiter ausarbeitet:[Zettel 22,4c / nl-zkI-22,4c]„Bezeichnend für die Ausnahmesituationinsb. der Katastrophe istdie Verletzung, der am normalenorientierten Erwartungen […], dadurchverursacht ein Schreckenund das anschliessende Bedürfnis,die entsprechenden Erwartungennachzuholen, dieSituation nachträglich zu ordnen.“Die zu „Katastrophe“ im Schlagwortregisterder zweiten Sammlunggenannte Systemstelle knüpft andiese vorläufigen Überlegungen inder ersten Sammlung nicht an. Manfindet die wenigen Zettel unter derNummer 7/94 in der Abteilung 7, dieim Unterschied zu den übrigen zehnGroßabteilungen der zweiten SammlungLuhmanns nicht einem größerenthematischen Zusammenhanggewidmet ist (wie etwa Funktion oderErwartung), der dann innerhalb diesesBlockes eine umfangreiche unddiversifizierende, teilweise vom ursprünglichenThema weit wegführendeAusarbeitung erfährt (s.sozusagen SoSe 2012). Vielmehrstellt dieser Block eher so etwas wieeine Restetruhe dar, in denen sicheine Ansammlung von über 100 diversenThemen befindet (so stehtder Abschnitt zu „Katastrophe“ zwischen„Unbewußtes“ und „Feminismus“),die häufig nur mit wenigenNotizen bedacht werden und die inauffälliger Weise kaum mit der übrigenZettelsammlung durch Verweiseverbunden sind. Dies gilt auch für dieZettel zum Katastrophenbegriff. Eshandelt sich um eine kleine Abteilungmit nur sieben Zetteln. Letztlichbietet die Abteilung nicht mehr alseine erste Begriffsannäherung:[Zettel 7/94 / nl-zkII-15-7_94]„KatastropheDer Begriff muss von den Prämissender mathematischenTheorie abgelöst, er kann jedenfallsunabhängig von ihnen formuliertwerden.Zusammenhang mit dem Begriffder Entropie.Katastrophe ist eine Alternative,ein anderer schnellerer Weg zurEntropie.Katastrophe: eine zu schnelleHerstellung von Gleichheit“Diese vom üblichen Begriffsverständnisdifferierende und insofernluhmanntypisch abstraktere Begriffsfassungwird aber nicht weiterverfolgt,sondern nur noch durch dieAndeutung einer gesellschaftstheoretischenInterpretation ergänzt, dieletztlich zum o.g. Krisenverständniszurückführt: „Evolutionäre Veränderungendes Differenzierungsprinzipsals Katastrophen“ (7/94b), eine Lesart,die allerdings wieder zum mathematischenVerständnis vonKatastrophe als sprunghafter Systemveränderungzurückzuführenscheint und die man in gleicher Kürzedann auch in „Die Gesellschaftder Gesellschaft“ (1997, 655, 677)wiederfindet. In der entsprechendenAbteilung zur Evolutionstheorie in derzweiten Sammlung, die immerhin andie tausend Zettel umfasst, wird –soweit man das beim jetzigen Standder Exploration des Kastens sagenkann – der Begriff aber nicht wiederaufgegriffen. Zwar gibt es einen Verweisauf die Zettel zu den EvolutionsmechanismenVariation, Selektionund Stabilisierung, als einen eigenenVariationsmechanismus im Sinne ei-


Vom 01. bis 05. Oktober 2012tagte der alle zwei Jahre stattfindendeKongress der Deutschen Gesellschaftfür Soziologie (DGS) 1 ,diesmal an der Ruhr-Universität Bochumund der TU Dortmund. Derauch als Soziologentag firmierendeKongress bietet Soziolog*innen dieMöglichkeit, aktuelle Forschung zupräsentieren, Ideen auszutesten,Feedback zu erhalten, sich im Feldzu positionieren und zu netzwerken.Aber auch die Geschichte der Soziologieerfährt durch das zeitlich undräumlich verdichtete Zusammentreffenhäufig fachgeschichtliche Schübe.Es stellt einen Raum dar, in demsich die Geister nicht nur treffen,sondern auch scheiden – man denkeetwa an den Positivismusstreit zwischender kritischen Theorie unddem kritischen Rationalismus in den1960er Jahren. Die Aufgeregtheit,die DGS-Kongresse mithin ereilenkann, hat durchaus Tradition. Diegroße Dichte an kollegialem Publikumträgt häufiger zu disziplinhistorischbedeutsamen Zäsuren oderNeuerungen bei.Diesmal fand der Kongress unterdem Thema „Vielfalt und Zusammenhalt“statt, was uns dazu veranlassthat, nicht nur einen allgemeinenBlick auf den Kongress zu werfen,sondern auch auf Zusammenhaltund Vielfalt in unseren eigenen Reihenzu achten. Außerdem stellt sichdie Frage, wie auch Studierende vonder Vielfalt und dem Zusammenhaltauf einem Soziologentag profitierenkönnen.2836. KONGRESS DERDEUTSCHEN GESELLSCHAFTFÜR SOZIOLOGIEEin KongressberichtIn einem neueren sozusagen-Beitragschrieb Thomas Hoebel sinngemäßdie Themen für potentielleHausarbeiten lägen quasi auf derStraße. Nicht dort, aber etwa in derTram vom Bochumer Hauptbahnhofzur Universität hätte man ganz leichtein paar Themen finden können, etwa:„Soziologische Selbstbeschreibung.Eine Bahnfahrt unterSoziolog*innen“ oder im Foyer desAudimax der Ruhr-Universität: „EineSoziologie des Caterings. Soziolog*innenals free-raidendeMundräuber“. Wir überspitzen HoebelsBeitrag hier ein wenig, abertatsächlich gewinnt man auf diesenNebenschauplätzen des Kongressesmanchmal soziologisch wertvollereEinsichten als bei so manchem Vortragund lernt die eigene Zunft voneiner ganz anderen, vielleicht auchschrulligeren, Seite kennen als imVorlesungssaal. Neben einem Sammelsuriuman Vorträgen und Podiumsdiskussionenbot der Kongresszudem eine fantastische Informationsbörsefür viele Studierende: hierkonnte man sich über andere Unis,andere Fachbereiche, zukünftige Arbeitgeber*innenoder auch potentielleDoktormütter oder -väterunterrichten. Auf dem Kongress könnendarüber hinaus ein soziologischerHabitus eingeübt, ersteNetzwerke gesponnen und vielleichtsogar mit eigenen Vorträgen in Nachwuchsforendebütiert werden.Als organisatorisch problematischstellte sich dann leider die großeVielfalt an parallel stattfindendenVeranstaltungen heraus, von denenman gerne mehrere gleichzeitig besuchthätte. Obwohl nur eine Auswahlan Forschungsgebieten derSoziologie präsent war, konnte mansich ohne zugespitzte Präferenzsetzungauf dem riesigen Campusgeländeschon sehr freshmeneskvorkommen. Wenigstens dauerte eseine Weile, bis wir uns in den monströsenGebäudekomplexen zurechtfanden.Orientieren konnte man sichan Veranstaltungen der Kommiliton*innenbzw. Kolleg*innen, an deneigenen Forschungsinteressen oderman ließ einfach den Zufall entscheiden.Von den Veranstalter*innenherausstechend platziert und deshalbviel gesehen waren Keynote-Speaker, die zumindest etwas internationalesFlair auf den Kongressbrachten.Bedauerlich ist, dass einige Vortragendewie Hartmut Rosa, aber auchRichard Sennett, Thomas Schwinn,Theresa Wobbe und andere demKongress fern blieben. Gerade nachdem Schlagabtausch zwischen Rosaund Armin Nassehi in der WochenzeitungDIE ZEIT haben nicht wenigemit besonderer Spannung auf Begegnungendieser Art gewartet. Entsprechendhäufig waren dann auchdie Kommentare zu den großenMöglichkeiten und Gefahren eineröffentlichen Soziologie zu hören.Feuilletonistisches Engagement inLeitmedien kennt das Fach vor allemaus vergangenen Zeiten: Etwa dieschillernde Luhmann-Habermas-Debatteder 1970er Jahre oder AdornosRadiobeiträge. Nachdem Soziolog*innenin den 1980er Jahren weitestgehendaus der öffentlichenWahrnehmung verschwanden, liebäugeltdie aktuelle Generation nunwieder verstärkt mit den Massenmedien.Ohne Frage besitzen diese öffentlichenAuseinandersetzungeneinen großen Unterhaltungswert undnötigen Autor*innen, ihre Beiträgeprägnant und verständlich zu präsentieren.Das Stelldichein mit denMassenmedien trägt ferner zur Legenden-und Institutionenbildung sowiedem allgemeinengesellschaftlichen Interesse an unsererDisziplin bei. Jedoch wird dieSoziologie heute als eine themenpluralistischeund multiparadigmatischeWissenschaft von ihren Vertreter*innenwahrgenommen – gerade hierinliegt ihre besondere Qualität und ihrMotor für Innovationen und manchmalauch temporärer gegenseitigerBlockierung. Renate Mayntz etwawarnte vor der simplifizierenden und


DGS-Kongress 2012: Das diesjährige Thema lautete Vielfalt und Zusammenhaltpolarisierenden Funktionslogik derMassenmedien, die den elaboriertenAuseinandersetzungen innerhalb derWissenschaft nicht ausreichend gerechtwerden kann und unterstrichdamit die große Ambivalenz dieserprofessionspolitischen Entwicklung,die u.U. auch der Vielfalt der Soziologieabträglich sein könnte. Geradeunter dem Sparzwang der Universitäten,dem Nutzlosigkeitsvorwurf andie Soziologie und dem Druck bzw.Drang von Nachwuchswissenschaftler*innen,sich zum Zweck der Professurbesteigungzu profilieren,scheint es attraktiv, sich öffentlichkeitswirksamzu platzieren. Zurückgelassenwird man mit der Frage, obman den genannten Nachteilendurch eine reflektierte öffentlicheSoziologie – auch in Zeiten des Internets– tatsächlich entgehen kann.Als ein Highlight des Kongressesstellte sich die z.T. an den Soziologentagin Jena anschließende Veranstaltungzur Verbindung vonUngleichheit, Differenzierung undKulturtheorie dar. Wohl kaum einPlenum des Kongresses war so gutbesucht wie der triadische Zusammenschlussder Sektionen Wissenssoziologie,Soziologische Theorie undKulturtheorie. Ein beständiger EinundAusfluss von Publikumsströmendrängelte sich nach jedem Vortragerneut aus dem und in den Saal. Dabeiwurde ein spannendes Angebotan Erklärungsansätzen geliefert, diedie drei Gebiete miteinander zu verbindenversuchten – aus Bielefeldwar hier Anna Amelina vertreten. Eswird sich zeigen, ob und wie dasgroße Interesse in weitere Theorieangeboteund entsprechende Studienübersetzt wird. Uns scheint jedenfalls,dass sich das Feld an konkurrierendenAnsätzen erst noch weitersortieren bzw. klare Positionierungensich noch stärker herauskristallisierenmüssen.Die schönsten Momente erlebteman aber vielleicht an Orten, an denenman sie gar nicht gesucht hätte.Dass an Einführungs- und Abschlussveranstaltungennur ein kleinerBruchteil der Teilnehmer*innen erscheint,ist nichts Außergewöhnliches.Dabei werden gerade dort dieritualisierten Zugehörigkeitsgefühleerzeugt, die die Disziplin am sichtbarstenzusammenhalten: In der Anspracheals Gruppe durchVertreter*innen aus der Politik, imGedenken an kürzlich verstorbeneSoziolog*innen, usw. Die Mitgliederversammlungder DGS war hingegengut besucht. Hier konnten sich Studierendeunabhängig vom Status zuprominenten Soziolog*innen gesellen,mit denen man sich vielleicht geradein der Pause zuvor noch eineZigarette geteilt hatte. Gemeinsamapplaudierte man der Vergabe vonDGS-Preisen, die sehr auffällig angender-relevanten Themen ausgerichtetwar. Fast rührend wirkte danndas empörte Raunen auf den Zuschauerrängen,ausgelöst durch dieZahl der Professurverluste und -zugewinnein Relation zu „unseren Lieblingsfeinden“(Andrea Maurer 2 ):Während die Soziologie im letztenJahr 47 Professuren verlor, gewannendie Wirtschaftswissenschaften400 neue dazu. Identitäten formensich jedoch nicht nur über Skandalisierungund Abgrenzung von anderenDisziplinen, sondern auch durch dieDiskussion um ordnungsherstellendeEmpfehlungen an die Disziplinvertreter*innen.Integrativ wirkte da dieBesprechung professionsstrategischerund konfliktbehafteter Themenwie dem verhältnismäßig geringenFrauenanteil in der DGS und demVorstand, die Förderung öffentlicherSoziologie durch die DGS, aber auchdie nachdrückliche Ermunterungdurch die Vorsitzende Martina Löw,Fördergelder zu beantragen, die füreine Weiterentwicklung SoziologischerTheorie notwendig sind. Es wärefreilich vermessen, an dieserStelle über die Vielfalt und den Zusammenhaltder Soziologie insgesamtein Urteil zu fällen. Aber wirmochten uns dem Soziologie-groupismgerne gefällig fügen, bei so vielStatusindifferenz und Kritikfähigkeiteiner Disziplin, die sich nicht in unendlicherSelbstbeweihräucherungsuhlt, aber sich auch nicht geradeselbst zerfleischt – zumindest beider Mitgliederversammlung am Mittwochabendim Raum HZO 50 derRuhr-Uni. 3Anja Jahnel und Jana Schäfer­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­[1] Die DGS versammelt einen Großteil allerakademisch tätigen Soziolog*innen unter ihremDach.[2] Zitat aus einem separaten Vortrag.[3] Wir bedanken uns ganz herzlich bei dersozusagen-Redaktion für die hilfreichen Kommentare.29mit freundlicher Genehmigung vom Büro des Soziologiekongresses 2012, Ruhr­Universität Bochum


WIRTSCHAFTSKRISE,KRISENKONSTRUKTIONODER KRIEGAktuelle Forschungsprojekte zu Krisen und Katastrophenan der Fakultät für SoziologieDie Redaktion der sozusagen hatin einer Umfrage die Lehrendender Fakultät dazu befragt, inwiefernKrisen und Katastrophen inihren Forschungsprojekten anzutreffensind. Hierbei ging es wenigerdarum, die alltäglichenKrisen des Forschungsalltageszu ermitteln, als vielmehr einenEinblick darin zu erhalten, in welcherForm das Thema unseresHeftes in der aktuellen Forschungunserer Fakultät vertretenist. In den spannendenZusendungen, die wir euch hierpräsentieren, spiegelt sich sowohldie Aktualität als auch dieVielfältigkeit beider Themen wider.So findet sich in der Religionsforschungdes CIRRuS (Center for InterdisciplinaryResearch on Religionand Society) in zwei von HeinrichSchäfer geleiteten religionssoziologischenForschungsprojekten dieAuseinandersetzung mit der Rollevon Religion in gesellschaftlichenKrisenzeiten. Es handelt sich um eineFeldforschung in Bosnien-Herzegowina,in der die Rolle vonreligiösen Akteuren der abrahamitischenReligionen im Friedensprozessuntersucht wird. Hierbei wird folgenderForschungsfrage nachgegangen:„In welcher Wechselwirkung stehendie öffentliche Glaubwürdigkeit religiöserFriedensstifter, ihre habituellenund biographischen Dispositionenund der religiöse Organisiertheitsgradihrer Initiativen und Allianzen?“Im Fokus stehen religiöse Gruppen,die vor allem im interreligiösen Dialogengagiert sind und die – unterBerücksichtigung ihres Grades derOrganisiertheit – sowohl auf ihreFremd- als auch auf ihre Selbstzuschreibunghin untersucht werden.Das zweite Projekt „Religiöse Identitätspolitikender Pfingstbewegung“setzt sich mit der Pfingstbewegung inLateinamerika, speziell in Guatemalaund Nicaragua, auseinander. Diesechristliche Bewegung nimmt unterBedingungen wie starker sozialer Ungleichheit,schwachen Regierungen,Gewalt und Unsicherheit nicht nurreligiösen, sondern auch politischenEinfluss und spielt eine zentrale Rollebei der Transformation dieser beidenFelder. Dabei sind unteranderem die Hervorhebung des„Heiligen Geistes“, apokalyptischeGlaubensinhalte, aber auch dastransnationale Netzwerk der Pfingstbewegung,Faktoren, die diese Entwicklungunterstützen. In beidenLändern ist die Pfingstbewegung einwichtiger Faktor sozialen Wandelsund politischer Prozesse. Im Vergleichresultieren hieraus allerdingsunterschiedliche Entwicklungen. 1Dass auch die Finanzwelt einigeszur Thematik der Krise zu bieten hat,ist dem Zeitungsleser und „Fernsehschaulustigen“in den letzten Jahrensicher aufgefallen. Dass dementsprechendauch eine soziologischeRezeption dieses Themenkomplexesnicht ausbleibt, scheint hier nur logisch.So beschäftigt sich zum BeispielKonstanze Senge mit den„kognitiven Krisen“ von Finanzmark-Krise durch zunehmende Komplexität?: Konstanze Senge untersucht "kognitive Krisen" von Finanzmarktakteurenterramara / pixelio.de30


takteuren. Diese entstehen durch diezunehmende Komplexität der Finanzmärkte,aufgrund derer eineevaluativ kognitive Entscheidungsfindungmitunter nicht möglich ist. Finanzmarktakteuresehen sichhierdurch der Notwendigkeit ausgesetzt,Entscheidungen aufgrund andererPrämissen, wie zum Beispielauf der Basis von Gefühlen, zu fällen.Da dies nicht dem normativenSelbstverständnis der Finanzweltentspricht, erleben die Akteure derartigeEntscheidungssituationen alsKrisensituationen.Doch gibt es überhaupt eine realeWirtschaftskrise oder hängt ihreExistenz von der Konstruktionsleistungdeutungsmächtiger Akteure wieMedien und Wissenschaft ab? KristofferKlammer beschäftigt sichim Rahmen seines Promotionsprojekteszwar nicht mit dieser, aber miteiner ganz ähnlichen Frage. Er untersuchtWirtschaftskrisen als diskursivhervorgebrachte Formen gesellschaftlicherSelbstbeschreibung undfragt, wie, durch wen und mit welchensprachlichen Mitteln diese konstruiertwerden. Sichtbar wird nebenden konstruierenden Mechanismendie Art und Weise, wie ein bestimmtesVerständnis von Wirtschaftskrisezur Legitimation politischer Maßnahmenverwendet wird. Wenig überraschend,mag der eine oder andere -die aktuellen Diskurse vor Augen -denken. Kristoffer Klammer aber untersuchtdie Konstruktion vergangenerKrisen wie dieWeltwirtschaftskrise ab 1929, die„Wachstumsdelle“ 1966/67 und diekleine Weltwirtschaftskrise in den1970iger Jahren und entdeckt dabeiwiederkehrende „Krisen-Muster“.Ob Sozialhilfe- und Rentensystemeeine Lösung oder doch eher ein Auslöservon finanziellen Krisen sind, istdem jeweiligen Parteibuch des Lesersüberlassen. Dass diese Systemeaber nicht überall nach denselbenPrämissen funktionieren, ist Teil weitererinteressanter Forschung. ImForschungsprojekt FLOOR (Financialassistance, land policy, and globalsocial rights) forscht Moritz vonGliszczynski aktuell zu diskursivenBegründungsmustern von „socialcash transfers“, einer Form von Sozialhilfe-und Rentensystemen im globalenSüden. Begründet wird derenNotwendigkeit durch eine zunehmendeAnfälligkeit bzw. „vulnerability“,also Verwundbarkeit gegenüber Krisenund Katastrophen als elementarerBestandteil von Armut.Dementsprechend gelten sogenannte„vulnerable groups“ als Zielgruppevon den Konzepten der Grundsicherung.Dies unterscheidet sich insbesonderevon der klassischenBegründung für Sozialhilfe, welchesich auf „needs“, also Bedürfnissebezieht. 2Sicherheit ist natürlich nicht nur imglobalen Süden ein wichtiges Thema.Auch in unseren Breitengraden stelltsich immer öfter die Frage, was dennnun eigentlich sicherheitsrelevantsei. Dem widmet sich Andreas Vasilachein seiner Forschung zu Sicherheitstheorieund -politik. Ein Aspektbesteht hierbei in Tendenzen zurAusweitung der Sicherheitspolitik inTheorie und Praxis. Ein Beispiel bildetdas Konzept der „Human Security“,das auf das Individuum abzieltund den Bereich der Sicherheitspolitik,entgegen ihrer klassischen SachundThemenbereiche, deutlich erweitert.Es lässt sich dabei eine gegenständliche,sektorielle und territorialeEntgrenzung der Sicherheitspolitikfeststellen. Solche Versicherheitlichungstendenzenbergen Risiken,die sich vor allem in der Normalisierungvon Krisen – alles kann plötzlicheine Frage der Sicherheit sein –aber auch in der Herausbildungrechtlich prekärer Räume zeigen, indenen rechtliche und gesellschaftlicheNormen brüchig oder gar abgeschafftwerden. 3Selbstverständlich gibt es an unsererFakultät auch Forschung zu derwohl prominentesten Form der gesellschaftlichenKrise: dem Krieg.Was geschieht eigentlich mit einerGesellschaft, die sich im Kriegszustandbefindet? Volker Kruse beschäftigtsich in seinen Forschungenmit kriegsbedingten Vergesellschaftungsprozessenwie etwa jenen, diedurch die zwei Weltkriege in der erstenHälfte des zwanzigsten Jahrhundertsinduziert wurden. Dabeiverfolgt er die These, dass großeKriege oder ihre Antizipation gesellschaftlicheTransformationen auslösen,deren Ergebnis dieKriegsgesellschaft ist. Diese kannbeispielsweise durch eine hierarchischeStruktur, zentrale Steuerungund eine despotische Spitze geprägtsein. Die Kriegsgesellschaft ist dannanalytisch ein Gesellschaftstypus,vergleichbar mit dem Kapitalismusbei Marx oder mit der funktionalenDifferenzierung bei Luhmann. Mitder theoretischen Ausarbeitung diesesGesellschaftstypus verfolgt VolkerKruse das Ziel, für verschiedeneEinzelforschungen zu gesellschaftlichenEntwicklungen unter Kriegsbedingungeneinen gemeinsamentheoretischen und idealtypischenBezugsrahmen bereitzustellen.Einen etwas anderen Ansatz zurAnalyse von Gesellschaft und Kriegverfolgt Barbara Kuchler. Sie behandeltein ihrer Dissertation dieFrage nach der Rolle von Krieg inverschiedenen Gesellschaftsstrukturen.Genauer werden die Gesellschaftsstrukturennach ihrenDifferenzierungsformen (segmentär,stratifikatorisch oder funktional differenziert)unterschieden, um zu untersuchen,in welchen Teilen derGesellschaft (Schichten und Funktionssysteme)Krieg aktiv betriebenwird und welche Konsequenzen darausfür die passiven Schichten oderTeilsysteme entstehen. Als einSchutzmechanismus kann die "GenferKonvention zum Schutz von Zivilistenin Kriegszeiten" interpretiertwerden. Sie hat die Aufgabe, die„passiven“ Gesellschaftsteile nachMöglichkeit vor den Auswirkungendes Krieges zu schützen.Dass Kriege und Konflikte einemassive Störung für eine Gesellschaftdarstellen, ist nachvollziehbar.Wie mit diesen und anderen Störungenaber umgegangen wird, steht aufeinem anderen Blatt bzw. in der balderscheinenden Habilitation von HendrikVollmer. In dieser untersucht erdie Entstehung, Weitergabe und Folgenvon Störungen. Er fragt danach,wie in Situationen, Organisationenoder am Beispiel von Kriegen in größerensozialen Zusammenhängen,Störungen verarbeitet werden undwelche Folgen wiederum daraus resultieren.Durch Thematisierung undKategorisierung als Unfälle, Anschlägeoder Naturkatastrophen werdenStörungen normalisiert. Durch dieStörungserfahrung entwickeln sichaber auch bei Teilnehmern Aufmerksamkeiten,Erwartungen und Verhaltensstrategien,die nicht ohneweiteres anschlussfähig an die Normalisierungsind. Ein Beispiel sindheimkehrende Soldaten, die sich inihrer alten Umgebung nicht mehr zurechtfinden.Insgesamt entwickelt er31


die These, dass sich eine Tendenzzur Verlagerung von Aufmerksamkeitenvon universalistischen, normativenund kognitiven Orientierungenauf Positionen, Status und Zugehörigkeitenanderer Teilnehmer zeigt.Dieser Effekt trägt zum Erhalt sozialerOrdnung bei, wenn auch in veränderterForm. Auf gesellschaftlicherEbene führt dies etwa zur Zentralisierungvon Netzwerken nach gewalttätigenKonflikten. Ein Effekt, dersich beispielsweise in der Entstehungvon Nationalstaaten zeigt. 4Doch es müssen nicht immer dieglobalen Krisen oder gesamtgesellschaftlichenUmbrüche sein, wennes gilt, spannende Fragestellungenzu Krisen und Katastrophen in derBielefelder Forschung zu finden.Tomke König hat sich in ihrer Habilitationsschriftbeispielsweise mit einerganz alltäglichen (und damitvermutlich auf den ersten Blick unscheinbareren)Krise auseinandergesetzt.Sie untersuchte diegeschlechtliche Arbeitsteilung in Familienund kommt in ihrer Studie„Familie heißt Arbeit teilen. Transformationender symbolischen Geschlechterordnung“zu dem Schluss,dass es gegenwärtig eine Krise derReproduktionsarbeit gibt. Diese Krisezeichnet sich dadurch aus, dassnicht mehr klar ist, wer sich wann,wie und mit wessen Hilfe von allenFormen der Arbeit erholen soll. Vorallem in familialen Konstellationen,in denen Frauen nicht mehr bereitsind, die Haus- und Fürsorgearbeitalleine zu erledigen und deshalbauch die Männer doppelt belastetsind, ist eine zentrale Funktion derHausarbeit nicht mehr gewährleistet:die Wiederherstellung der Arbeitskraft.5Arbeit und deren Tücken ist auchBestandteil der Forschung vonBastian Bredenkötter und KarlMusiol. Sie haben in einem Lehrforschungsprojektvor dem Hintergrundsteigender Risiken einer zunehmendentgrenzten und unsicher werdendenArbeitswelt die ambivalenteFunktionsweise eines Vertriebsmodellsin der Versicherungs- brancheuntersucht. Sie wurde unter dem Titel„‚Schalten Sie um auf Erfolg!‘ -Paradoxe Versprechen von Arbeitund Anerkennung im Versicherungs-Strukturvertrieb“ als Buch veröffentlicht.Das untersuchte Geschäftsmodellverspricht einen sicheren Weg zuKrise der Reproduktionsarbeit: "Familie heißt Arbeit teilen."finanziellem Reichtum, persönlicherSelbst- verwirklichung und Anerkennung.Tatsächlich handelt es sich beiden Versprechen jedoch vor allemum Mythen. Schon rechnerisch erzielennur wenige Mitglieder ein ausreichendhohes Einkommen. Mancheverschulden sich sogar. Darüber hinauskommt es oft auch zu persönlichenKrisen, wie beispielsweise zurBeeinträchtigung persönlicher Beziehungen.Die Vertriebsorganisationlöst also neue Krisen aus, die sie eigentlichzu lösen verspricht. 6Auswirkungen von persönlichenKrisen, wenn auch etwas andererArt, sind der Forschungsgegenstandvon Ulrike E. Schröder. Sie analysiertin ihrer gerade erschienen Arbeit"Veränderung von Deutungsmusternund Schemata der Erfahrung:Depressive Patienten in der Interaktionklinischer Psychotherapie"Gespräche mit Patienten in einer Krise,die diese zum Teil selbst als zeitweisekatastrophal beschreiben. Inder Therapie lernen die Patientenneue Fähigkeiten, mit denen sie ihreProbleme angehen und die Krise bewältigenkönnen. Die Autorin gehtdavon aus, dass sich soziale Deutungsmusterwandeln, wenn sichDenkschemata und damit das Verhaltenvieler einzelner Individuenneu formieren. Da therapeutischePraktiken auf Veränderung zielen,wird die Therapie zu einer Art "natürlichemLabor" für die Untersuchung.Die Studie gibt einen Einblick in dieWissenskultur der Psychiatrie unduntersucht mittels Ethnomethodologieund Konversationsanalyse sowieeinigen linguistischen Mitteln, unterwelchen Bedingungen Deutungsschemataund Verhaltensweisen modifiziertwerden können. 7Sophia Cramer &Finn-Rasmus Bull­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­[1] Für weitere Informationen siehe zum erstgenanntenProjekt: http://www.uni-bielefeld.de/theologie/forschung/religionsforschung/forschung/schaefer/konflikt/projekt_ethos.htmlund zum zweiten: http://www.uni-bielefeld.de/theologie/forschung/religionsforschung/forschung/schaefer/pfingstbewegung/identitaet_guatemala.html.[2] Für weitere Informationen siehehttp://www.floorgroup.raumplanung.tu-dortmund.de/joomla/index.php/research-topics/sct.[3] Vasilache, Andreas 2011: Human Securitization:State Theory, Governmentality, and theAmbivalence of Security in Europe. In: Schuck,Christoph (Hrsg.): Security in a Changing GlobalEnvironment: Challenging the Human SecurityApproach. Baden-Baden: Nomos,S.123-152.[4] Die Habilitation wird voraussichtlich imApril 2013 erscheinen: Vollmer, Hendrik (i.E.):The Sociology of Disruption, Disaster and SocialChange: Punctuated Cooperation. CambridgeUniversity Press.[5] König, Tomke 2012: Familie heißt Arbeitteilen: Transformationen der symbolischenGeschlechterordnung. Konstanz: UVK.[6] Bredenkötter, Bastian/Musiol, Karl 2012."Schalten Sie um auf Erfolg!": Paradoxe Versprechenvon Arbeit und Anerkennung im Versicherungs-Strukturvertrieb.Berlin: EditionSigma.[7] Schröder, Ulrike 2012: Veränderung vonDeutungsmustern und Schemata der Erfahrung:Depressive Patienten in der Interaktionklinischer Psychotherapie. Wiesbaden: VSVerlag.Alan Cleaver/ flickr / CC BY 2.032


"WENN MAN ÜBER KATASTROPHENNACHDENKT, DANN SIND DASIMMER SOZIALE KATASTROPHEN."Ein Interview mit Daniel F. Lorenzvon der Katastrophenforschungsstelle an der FU BerlinBeim Thema Katastrophen liegt der Gedanke an Feuerwehr und THW nicht fern. Aber auch in denSozialwissenschaften hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Diskussion um die Wahrnehmung und denUmgang mit Katastrophen entwickelt. Dieser Diskurs unterscheidet sich stark von den sehr technischenund verwaltungsnahen Katastrophenbegriffen und –verständnissen. In Deutschland führend ist hierbeidie Katastrophenforschungsstelle an der FU Berlin (KFS). Ihr Anspruch besteht darin, den gesamten„Katastrophenzyklus“, also die Entstehungs-, Verlaufs- und Bewältigungsbedingungen von Katastrophen,zu untersuchen. Dabei ist der Blick aber nicht nur auf den deutschen Raum gerichtet, auch dieWahrnehmung von und das Verhalten bei Katastrophen sowie die Gefahrenabwehr in anderen Kulturenwerden erforscht. Die Katastrophenforschung erweist sich als gutes Beispiel dafür, dass elaboriertesoziologische Theorien und deren Einsatz in der Praxis sich nicht widersprechen.Die sozusagen hatte die Gelegenheit, mit Daniel F. Lorenz von der KFS über Katastrophensoziologie,spannende Forschungsprojekte und die vielfältigen Bezüge zu anderen Disziplinen zu sprechen.sozusagen: Herr Lorenz, was sinddie zentralen Leistungen der Katastrophenforschungsstelle?Daniel Lorenz: Zunächst kann mansagen, dass die KFS in der Katastrophenforschungwichtige sozialwissenschaftlicheImpulse gesetzt hat.Man muss dazu vielleicht ein bisschenausholen: Wenn man sich überlegt,was Katastrophenforschungüber Jahre hinweg in Deutschlandwar, fand diese v.a. in den Fahrwassernvom Zivilschutz und Zivilschutzforschungstatt. Das war oft einesehr technische Angelegenheit, dahat man Bunker und ähnliches zumSchutz der Bevölkerung im Verteidigungsfallgebaut und nebenbei auchVorsorge für den Katastrophenfallgetroffen. Man hat sich aber langeZeit nicht die Frage gestellt, was fürdie Gesellschaft Katastrophe bedeutet.Die Frage nach dem wirklichenVerhalten von Menschen währendKatastrophen wurde lange nicht gestellt.Die sozialwissenschaftlicheKatastrophenforschung hat dieseForschungsfragen im deutschenRaum aufgebracht und hat hier auchbahnbrechende Forschung geleistet.Damit hat sie Deutschland auch iminternationalen Diskurs anschlussfähiggemacht. Die Amerikaner warenda eigentlich immer weiter, da gab esschon andere Forschungsstellen, diesozialwissenschaftliche Katastrophenforschungschon länger betriebenhaben.»Wir glauben aber schon, dassSozialwissenschaftler in derKatastrophenforschung eineganz bedeutende Rollespielen.«Welche Definition von Katastrophewird von der KFS ins Feld geführt?Gibt es eine allgemeine Definitionoder gibt es verschiedene Definitionenje nach Art von Katastrophen?Daniel Lorenz: Das ist eine schwierigeFrage. In der Forschungslandschaftgibt es verschiedeneDefinitionen. Lars Clausen [Professorfür Soziologie in Kiel, Gründer derKFS, lehrte auch in Bielefeld; Anm. d.R.], der auch Gründungsvater der Katastrophenforschungsstellewar, hatmal – ganz soziologisch – Katastropheals radikalen, rapiden und magisiertensozialen Wandelbeschrieben. Als eine besondereForm des sozialen Wandels, der besonderstiefgreifend und besondersschnell stattfindet und auch bestimmteErklärungsmodi und Kausalitätsvorstellungeninfrage stellt. Dasist eine Definition, die in der Katastrophenforschungwichtig ist. Es istweniger eine enge Definition, mit derman empirisch arbeiten kann, sonderneine, die eher darauf abzielt,ein umfassendes Verständnis vonKatastrophe zu entwickeln. NämlichKatastrophe als radikalen Einschnittin die gesellschaftliche Alltäglichkeit,die aber trotzdem in gesellschaftlichenProzessen ihren Ursprung hatund etwas, was dementsprechendeine ganz andere gesellschaftlicheReorganisationen notwendig macht,wenn sich Gesellschaften in denGrundfesten ändern.Es geht also weniger um ein alltäglichesKatastrophenverständnis,sondern um allgemeinere Prozesse?Genau. Katastrophen lassen sichnur verstehen, wenn man die gesellschaftlichePraxis betrachtet. Eskommt darauf an, wie sehr sich soetwas in den Alltag integriert, wennes beispielsweise periodische Hochwassergibt und die Leute sich daranangepasst haben, wird es irgendwannschwierig, von Katastrophe zusprechen, weil der Einschnitt ins Lebender Menschen nicht mehr sostark ist. Gleichwohl wird über solcheEreignisse häufig medial als Katastropheberichtet. Dann stellt sichdie Frage: Wie ist das für die Betroffenenselbst? Ist das aus deren Warteeine Katastrophe? Andersherumgibt es aber auch den Fall, dass be-33


stimmte Ereignisse eine Katastrophefür Menschen darstellen, sich abernicht in die mediale Narrative fügenund entsprechend nicht berichtetwerden. Beim Hurricane Sandy wurdefast ausnahmslos über die USAund v.a. New York berichtet, die Auswirkungenin Haiti, das ohnehin dieletzten Jahre schwer getroffen wurde,waren kaum Thema. Die jahrhundertelangeMarginalisierung findethier ihre mediale Fortsetzung. Das,was also Katastrophe gesellschaftlichbedeutet, ist nur im Rekurs aufallgemeinere Prozesse zu verstehen.Katastrophendefinitionen vonSchutzbehörden sind demnach nichtrelevant für die Forschung?Doch schon, aber weniger als leitendeDefinitionen, sondern mehr inder Form von gesellschaftlichen Mechanismen,die dann greifen. InDeutschland ist das so: Wenn derHauptverwaltungsbeamte sagt, dielokalen Kräfte sind überfordert, wirbrauchen eine übergeordnete Strukturund Kräfte von außen, dann istdas verwaltungsrechtlich eine Katastropheund es gibt Katastrophenalarm.Das ist eine sehr technischeund formale Anweisung. Für uns istdann interessant, welche Mechanismentreten da ein und wie wird dieKatastrophe von der Behördenseitekonzeptualisiert und behandelt. Füruns als Forscher ist es wichtig, daauch anders drauf zu blicken und dieDifferenz zu anderen Definitionen zusehen. Wenn ein Beamter „Katastrophe“sagt, dann heißt das nochnicht, dass das eine Katastrophe fürden Betroffenen ist. Und umgekehrt:Was die Betroffenen als Katastropheerleben, muss für Behörden nochlange keine sein.Würden Sie sagen, dass die Forschung,die Sie betreiben in letzterKonsequenz auch für Behörden relevantist?Wir machen schon eine recht praxisnaheForschung. Es gibt andereBereiche, die sind deutlich praxisferner.Wir arbeiten viel im Praxisbereichund versuchen auch Leute ausder Praxis in die Forschung – etwadurch Workshops – zu integrieren.Auf der anderen Seite wissen wiraber auch, dass die Übersetzung vonForschungsergebnissen in die Praxisimmer schwierig ist. Die Praxis hateine Eigenlogik, die nicht so schnell34von Forschungsseite geändert werdenkann.Ist es denn ein Anspruch den Sieverfolgen, dass ihre Erkenntnisse inder Praxis übernommen werden odergeht es primär um den wissenschaftlichenDiskurs?Es geht uns schon um den wissenschaftlichenDiskurs und wissenschaftlicheErkenntnisse. Abernatürlich hat unsere Arbeit auchpraktische Konsequenzen. Es kommtvor, dass aus einer informierten Forschungsperspektiveauch Veränderungsvorschlägeentwickelt werden.So weist beispielsweise die Forschungschon länger darauf hin,dass Warnungen nur dann den gewünschtenEffekt haben, wenn siean den konkreten Lebensrealitätender Betroffenen orientiert sind. Sosind für unterschiedliche Kontexte –vielleicht das Dorf in Bayern undNeukölln in Berlin – mitunter ganzandere Warnbotschaften erforderlich.Das ist eine Erkenntnis, dieauch in der Praxis angekommen ist.So wird im BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutzund Katastrophenhilfe)mittlerweile überpersonalisierte Warnungen nachgedacht.»Panik ist ein relativseltenes Phänomen.«Bei unseren Recherchen sind wirnur auf die KFS in Berlin gestoßen,die institutionell verfasste Katastrophenforschungbetreibt. Die Forschungsstellein Kiel wurde Anfangdes Jahres geschlossen. Gibt es außerIhrem Institut auch noch andereInstitute oder Lehrstühle, die zu diesemThema forschen?In dieser sehr spezifisch sozialwissenschaftlichenRichtung sind wir,glaube ich, schon einzigartig. Wir habenden Hintergrund der Kieler KFS,deren Arbeit wir hier fortsetzen. Dortsind wir auch zum größten Teil sozialisiertworden.... sie sind also die direkte Fortsetzungvon der Forschungsstelle inKiel?Genau, wir sind die direkte Fortsetzung.Die Forschung in Kiel wurdenicht mehr weiter geführt. Wir habenProjekte aus Kiel mitgenommen,welche dort gestartet waren und inBerlin jetzt weiterlaufen. Hier gab esmehr Interesse dafür als in Kiel. DieSchwerpunktsetzung in Kiel hat sichverändert. In Kiel lief eine Landesstellezur Leitung der KFS aus, diefür die Anbindung der Projekte notwendigwar und es gab einen altenStrukturbeschluss von 1999, an demdie Universitätsleitung nicht rührenwollte. Dementsprechend musste dieForschung dann dort enden. Nebenanderen Universitäten interessiertesich dann die FU für die KFS. Hierfand man, dass Katastrophenforschungeine sehr wichtige Forschungist und man wollte diese fortsetzen.Wir sind verwundert darüber, dasses, trotz der – zumindest gefühlten –zunehmenden Relevanz des Themas,denkt man z.B. an diverse Folgendes Klimawandels, eine sogeringe Institutionalisierung in derKatastrophenforschung existiert.Selbst die KFS musste umziehen.Es gibt natürlich auch andere Forschungseinrichtungenin Deutschland.Die haben dann aber keinsozialwissenschaftliches Verständnisvon Katastrophe, sondern eine zumBeispiel naturwissenschaftliche, ingenieurswissenschaftlicheoder geographischeAusrichtung. DasProblem ist, dass zu wenig in die Katastrophenforschunginvestiert wird.Wenn dann was passiert, werden dieEreignisse zu Einzelfällen erklärt. EineAuseinandersetzung mit denstrukturellen Bedingungsgründenfindet zu wenig statt.Nachdem Sie jetzt einiges Allgemeineszur Katastrophenforschunggesagt haben, kommen wir nun etwaskonkreter zu Ihrer Arbeit: WelcheThemen stehen momentan bei IhrerForschung im Mittelpunkt?Es gibt im Moment drei Projekte,die parallel laufen. Das erste heißt"Alpine Naturgefahren im Klimawandel".Da geht es darum, wie in dreiverschiedenen Regionen in den Alpendie Wahrnehmung von Naturgefahren,vor dem Hintergrund desKlimawandels, sich verändert undwelche Deutungsmuster bei verschiedenenAkteuren – vor allemwirtschaftlichen – vorherrschen undwelche Handlungspraktiken sich darausergeben, aber auch etwas unvermitteltparallel laufen. Da geht es um


Fragen wie: Wie geht eigentlich eineForstverwaltung mit einem solchenProblem um?Dann sind wir noch mit dem Teilprojekt"RisikoRaum" im Verbund „Sicherheiten,Wahrnehmungen,Lagebilder, Bedingungen und Erwartungen– Ein Monitoring zum ThemaSicherheit in Deutschland“, beteiligt.Hier geht es um die Wahrnehmungvon Sicherheit und vor allem Unsicherheitdurch Laien und Experten.Wie nehmen diese jeweils Sicherheitoder Gefahr im öffentlichen Raumwahr, welche Unterschiede und Gemeinsamkeitenlassen sich finden?In Hamburg und Kiel begehen wir dafürzusammen mit Personen der Gefahrenabwehr,also Polizei,Feuerwehr, Amt für Katastrophenschutzund der Sozialen Arbeit undauch „normalen“ Leuten aus der Bevölkerung,bestimmte Stadtteile undlassen uns von ihnen sagen, was eigentlichihre Gefahren- und Sicherheitswahrnehmungensind.Da schauen wir, wie Gefahren verräumlichtwerden, was für Gemeinsamkeitenund vor allemUnterschiede in der Wahrnehmungbestehen. Was bedeutet das für z.B.Kommunikationsprozesse? In einemanderen Teil des Projektes schauenwir dann genauer anhand soziodemographischerDaten, wie sich eigentlichdie Verletzlichkeit gegenüberKatastrophen auf Stadtteilebene verteilt.Was sagt da die bestehendeForschung vor dem Hintergrund bestimmtersoziodemographischer Daten?Wie lässt sich ein solcher Blick„von oben“ mit den Praxisperspektivender Leute vermitteln, die direktdie Begehungen mitmachen?Bei dem dritten Projekt geht es umExtremsituationen oder Extremverhaltenim schienengebundenen öffentlichenNahverkehr. Wie verhaltensich Leute eigentlich wenn sie feststellen,dass eine Extremsituationvorliegt und welche Verhaltensmustertreten da eigentlich auf?... zum Beispiel, wenn die Klimaanlagein einem ICE ausfällt?Zum Beispiel so etwas. Oder auchwenn Feuer ausbricht. Da gibt esdann schnell etwa die Vorstellungvon Panik etc. Wobei die Forschunggezeigt hat, dass Panik ein relativseltenes Phänomen ist, das nur unterbestimmten Bedingungen auftritt.Da geht es dann konkret darum zuschauen, welche anderen VerhaltensweisenMenschen in Extremsituationenan den Tag legen und wiesich diese dann einordnen lassen.Die KFS arbeitet – der Selbstbeschreibungnach – interdisziplinär.Können Sie erläutern, welche Disziplinenan den genannten Projektenbeteiligt sind?Ja, was die Forschungsdisziplinenangeht, arbeiten wir immer wiedermit verschiedensten Disziplinen zusammen.Beim Klimawandelprojektsind Umwelthistoriker, die WSL [EidgenössischeForschungsanstalt fürWald, Schnee und Landschaft; u.a.für die offizielle Lawinenwarnung inder Schweiz zuständig. Anm. d. R.],Politologen, Ethnologen und ein Philosophbeteiligt. Bei dem Projekt, woes um Sicherheit und Wahrnehmunggeht, sind Kriminologen, Philosophen,Innovationsforscher und Medienwissenschaftlerbeteiligt. Beidem Bahn-Projekt wirken zudemauch verschiedene Firmen (Softwareentwicklerund Zugausstatter) ausBerlin mit. Eigentlich kann man sagen,arbeiten wir inter- und transdisziplinär,etwa mitTechnologieentwicklern oder Praktikernaus dem Katastrophenschutz.»Die Natur kenntkeine Katastrophen.«Interdisziplinarität wird bei Ihnendemnach ernst genommen und istnicht nur Teil der Selbstbeschreibung?Ja, genau. Dafür ist das Forschungsfelddann auch zu speziell.Da kommt man – außer wenn es umTheoriebildung geht – ganz alleineauch nicht weiter. Wir glauben aberschon, dass Sozialwissenschaftler daeine bedeutende Rolle spielen, abermanchmal auch eine noch größereRolle spielen sollten. Man merkt damanchmal, welche vielleicht etwasschräge Vorstellung bei anderen Disziplinenoder auch in der Praxis vorherrscht,was Sozialwissenschaftlereigentlich leisten können. Wenn eszum Beispiel um Warnungen geht,dann sagt die technische Seite, wirentwickeln eine Technik für eineWarnung und ihr (die Sozialwissenschaftler)müsst uns dann am Endenur noch sagen, wie sich das dannkonkret vermitteln lässt. Oftmals wärees besser, wenn die Sozialwissenschaftenviel früher eingebundenwerden würden.Gibt es denn soziologische Theorien,die in der Erforschung von Katastrophenbesonders leistungsfähigsind? Oder ist das je nach Projektunterschiedlich?Man muss natürlich projektbezogenschauen, was passt. Es gibt aberTheorien die sehr eng mit einer soziologischenKatastrophenforschungstraditionzusammenhängen.Zum Beispiel das FAKKEL-Modell vonLars Clausen, das war für uns alsStadienmodell katastrophischenWandels immer sehr wichtig, da esdie Katastrophe in der funktionalenDifferenzierung von Gesellschaft angelegtsieht. Allerdings ist das aufgrunddes umfassendenErklärungsanspruchs in der empirischenAnwendung schwieriger – aberes gibt hier auch Anwendungsfälle.Es gibt aber auch gerade jüngere Ansätzezur Beschreibung von Vulnerabilität[Verletzbarkeit,Verwundbarkeit] oder auch Resilienz[Widerstandsfähigkeit], die vielfachmit einem erweiterten Kapitalbegriffarbeiten. Diese erweisen sich alssehr bedeutsam für die Erforschungvon Katastrophen, da sie zeigen können,wie Anfälligkeit, aber auch Bewältigungskapazitätensozialproduziert, aber auch begrenzt werden.Aber natürlich spielen auchganz klassische soziologische Theorieneine Rolle. Die Feld- und Habitustheorievon Bourdieu zumBeispiel. Gerade hier wollen wir gerneForschung noch intensivieren,weil wir glauben, dass da vor allemder soziologische Diskurs der Katastrophenforschungangereichert werdenkann.Welche Vorteile der Soziologie gegenüberanderen Disziplinen sehenSie?Wenn man über Katastrophennachdenkt, dann sind das immer sozialeKatastrophen. So etwas wie Naturkatastrophenist erst malbegrifflich ein Problem, weil Katastropheerst dann anfängt, wenn sozialeStrukturen betroffen sind undnachhaltig beschädigt werden. DieNatur kennt keine Katastrophen.Dementsprechend ist Katastrophen-35


forschung aus unserer Sicht schonimmer sozialwissenschaftlich, wennnicht soziologisch. Diese Sicht musseigentlich immer da sein, sonst lassensich Katastrophen in ihrer gesellschaftlichenBedeutung überhauptnicht fassen. Wenn die Hydrologeneinfach Pegelstände messen, dannerfassen sie sicherlich nicht das, wasKatastrophe gesellschaftlich bedeutet.Es geht also gar nicht ohne Sozialwissenschaften.Vielleicht abschließend noch, wasraten Sie Studierenden in Anbetrachtder Interdisziplinarität und der Vielfaltdie in diesem Gebiet herrscht,wenn sie in die Richtung Katastrophenforschungarbeiten wollen?»Das Übersetzen von Theoriein die Praxis ist schon einentscheidender Punkt.«Vor allem die Offenheit für die konkreteNutzung von Theorien in derPraxis an konkreten Phänomenen.Das Übersetzen von Theorie in diePraxis ist schon ein entscheidenderPunkt. Gerade dann, wenn manTheorien auf die Praxis anwendet, ergebensich neue Erkenntnisse überdie zugrundeliegenden Strukturenund ablaufenden Prozesse. Hier,denke ich, könnte noch viel soziologischeTheorie für die Katastrophenforschungnutzbar gemacht werden.Herr Lorenz, vielen Dank für dasGespräch!Die Fragen stellte Lukas DaubnerDaniel F. Lorenz hat Philosophie,Soziologie und Politikwissenschaftstudiert und rutschte währendseines Studiums in Kiel indie Katastrophensoziologie. Zurzeitarbeitet er im Projekt "Risikoraum".Hier führt er dieBegehungen in Hamburg durchund untersucht die Risiko- undSicherheitswahrnehmungen derverschiedenen Akteure.Illustration von Tobias Conradi36


DIE EUROKRISE UND DIEKATEGORISIERUNGENDES SOZIALENEin Gastbeitrag von Barbara KuchlerWas kann man als Soziologe zur Eurokrise sagen?Man hat natürlich ebenso wenig Lösungen wie alleanderen. Aber zumindest kann man die um die Eurokrisegeführten Debatten besser verstehen, wenn man die inder Soziologie gebräuchlichen basalen Kategorisierungendes Sozialen anlegt und die unterschiedlichen Kommentarezur Eurokrise daraufhin befragt, welche dieser Kategorisierungensie verwenden. Es gibt im Wesentlichendrei Möglichkeiten, d.h. drei Unterscheidungen, mit denender basale Schnitt durch die soziale Welt gelegt werdenkann, in der die Eurokrise stattfindet. Man kann zumeinen unterschiedliche Nationalstaaten sehen, etwaDeutschland vs. Griechenland, die in unterschiedlicherWeise betroffen sind. Oder man kann unterschiedlicheKlassen oder Schichten sehen: Oben vs. Unten, Reich vs.Arm, die um die Lastenverteilung streiten. Oder mankann unterschiedliche Funktionsbereiche sehen, insbesondereWirtschaft vs. Politik, zwischen denen komplexeWechselwirkungen vor sich gehen. Natürlich sind alle dieseUnterscheidungen und alle diese sozialen Einheitenan der Eurokrise beteiligt, aber welche man davon zuerstsieht, hängt davon ab, welche Wahrnehmungsbrille (oderwelche Gesellschaftstheorie) man aufhat. Dass es in derKrise unterschiedliche Handlungsoptionen gibt, ist aufden ersten Blick offensichtlich und wird täglich diskutiert;dass es aber, davorliegend, auch unterschiedliche Wahrnehmungsoptionengibt und man je nachdem, welchebasale Unterscheidung man anlegt, unterschiedlicheAspekte der Krise in den Blick bekommt, muss man sicherst klarmachen.Erste Perspektive: UngleichheitEine erste Möglichkeit ist, das Geschehen anhand derAchse Oben/Unten, d.h. im Rahmen der Frage nach sozialerUngleichheit zu betrachten. Von dieser Perspektivestellt man fest , dass die bisherigen Maßnahmen zur Eurorettungeine deutliche Umverteilung von Unten nachOben bedeuten: Am meisten leiden die Bezieher kleinerEinkommen und Renten, während die Kapitalanlagendes vermögenden Bevölkerungsteils gerettet werden, unddas Geld der Steuerzahler wird Banken und anderen Einrichtungenin den Rachen geworfen. Diese können schonin wenigen Jahren wieder Milliardenprofite machen, ohnesich ihrerseits um das Wohl der kleinen Leute zu kümmern.Privatisierung von Gewinnen, Sozialisierung vonVerlusten – das ist das Prinzip, das zugrundeliegt unddas mit massiven sozialen Schieflagen einhergeht. „Wirzahlen nicht für Eure Krise“ lautet entsprechend eine Parole,die bei den Protesten gegen die Sparmaßnahmen inhart betroffenen Ländern ausgegeben wird; das dominierendeGefühl ist, dass „die da oben“ – in Bankvorständen,Ministerien und Politikerriegen – „uns“ normalenLeuten ein Problem eingebrockt haben, für das „wir“nichts können und das „wir“ jetzt auslöffeln müssen.Dass Menschen, die durch die Eurokrise in echte Existenznötegeraten sind, so denken, ist nachvollziehbar.Diese Beobachtungsweise trifft aber im Wesentlichennur die Folgen der Krise, nicht ihre Ursachen und Triebkräfte.Was diese Frage anbelangt, gelangt man mit derBeobachtung entlang der Achse sozialer Ungleichheitschnell an Grenzen. Nur sehr hartgesottene Marxistenund Kapitalismuskritiker würden so weit gehen zu behaupten,dass die Eurokrise eine intentionale Maßnahmeder oberen Klassen war, um ihre Vermögenslage relativzu den unteren zu verbessern – obwohl dies doch unzweifelhafteine Folge davon ist. Schon eher vertretenlässt sich das Argument, dass das allgemeine Prinzip derPrivatisierung von Gewinnen und Sozialisierung von Verlustenbewusst installiert und aufrechterhalten wird, hierin Gestalt der Sankrosanktheit von Banken, die um des„Systems“ – also um aller – willen nicht pleitegehen dürfen,womit aber gleichzeitig auch die Kapitalanlagen derVermögenden und die Jobs der Banker und Finanzjongleureerhalten werden. Manche Marxisten vermutenschon seit längerem, dass etwa die Empfehlung der kapitalgedecktenAltersvorsorge für die breite Bevölkerungund generell die Diffusion von Kapitalanlagen in untereSchichten hinein ein perfider Trick „des Kapitals“ ist, umder Durchschnittsbevölkerung ein Interesse an der Stabilitätdes Finanzsystems zu geben und Angriffe auf diesesSystem zu erschweren. Wenn das so wäre, wäre die Eurokriseein extremer und extrem erfolgreicher Fall davon– aber diese Annahme setzt sehr hohes Vertrauen in dieWeitsicht und umwegige Klugheit „der Kapitalisten“ voraus.Zweite Perspektive: Funktionale DifferenzierungWer von so viel Vertrauen überfordert ist, kann es versuchsweiseeinmal mit der zweiten Perspektive probieren:der Perspektive funktionaler Differenzierung. In derEurokrise stehen offensichtlich vor allem zwei Funktionssystemegegeneinander, nämlich Wirtschaft und Politik.Man denke nur an die Diskussion um den Einsatz von„Bazookas“, wie unbegrenzten Staatsanleihenkäufendurch die EZB oder Erteilung einer Banklizenz für denESM: Die Front, an der die Bazooka eingesetzt wird, istdie Front Politik vs. Wirtschaft, und der leitende Eindruckist: Die Politik – d.h. die Staaten – muss zusammenhalten,um der Wirtschaft – d.h. den Finanzmärkten – zu37


zeigen, dass es keinen Sinn hat, gegen den Euro oder aufStaatsbankrotte zu spekulieren.Aber auch tiefergehend kann die Problematik derStaatsverschuldung insgesamt nur verstanden werden,wenn man Politik und Wirtschaft als je eigenständige, einereigenen Logik folgende Bereiche sieht, die dann aberkomplexe Interdependenzen miteinander ausbilden. DieMöglichkeit extrem hoher Staatsverschuldung entstehtdadurch, dass Staaten als politische Einheiten, nämlichweil sie über das Gewaltmonopol und die Steuererhebungskompetenzverfügen, auch besonders qualifizierteWirtschaftsteilnehmer sind, nämlich besonders kreditwürdigeSchuldner. Sie können sich als Staaten, gestütztauf ihre politische Qualität, nahezu unbegrenzt Geld leihenund sie können sich darin von politischen Dynamiken– Stichworte: Demokratie und Wählerbeglückung –treiben lassen. Damit werden sie aber abhängig von denStrukturgesetzen der Finanzmärkte als wirtschaftlicherEinrichtungen, insbesondere von der Problematik desVertrauens und der Möglichkeit des plötzlichen Vertrauensverlustes.Ein – warum auch immer einsetzender –Vertrauensrückgang unter Anlegern wirkt selbstverstärkendund wird zur „self-fulfilling prophecy“, auch ohnegrundlegende Änderung der Fundamentaldaten: Wenn alleglauben, dass Griechenland seine Schulden nichtmehr wird bedienen können, dann steigen die Risikoaufschlägeauf griechische Staatsanleihen und Griechenlandkann seine Schulden tatsächlich nicht mehrstemmen. Staaten sind damit der „Irrationalität“ der Finanzmärkteausgeliefert, oder besser gesagt: Der typischenbegrenzten Rationalität des Sozialen, in der eskeine Berechenbarkeit, Objektivität und festen Urteilsgrundlagengibt, sondern viel zirkuläre, erwartungsabhängigeoder auch zufallsabhängige Dynamiken.Mit der Perspektive auf Funktionssysteme kann manauch den Problemaspekt besser verstehen, der oben, inder Perspektive sozialer Ungleichheit, unklar gebliebenwar. Es geht bei der Staaten- und Bankenrettung durchausnicht nur um die Kapitalanlagen der Reichen, auchdie Ersparnisse, Versicherungen, Altersversorgungen,Bausparverträge usw. der breiten Bevölkerung „hängen“mit drin. Aus der Funktionssystem-Perspektive ist das eineinfacher Fall von Inklusion, d.h. von Teilnahme tendenziellaller Menschen an tendenziell allen Funktionsbereichen.Genauso wie in der modernen Gesellschaft alleMenschen in die Schule gehen, alle Menschen das Wahlrechtbesitzen und alle Menschen heiraten dürfen, genausosind wir alle zunächst in die Konsumseite derWirtschaft inkludiert und mittlerweile – soweit wir über irgendeineArt von Vermögen oder auch über Schuldenverfügen – auch in die Finanzseite der Wirtschaft. Dahintersteckt keine perfide Absicht irgendwelcher Kapitalisten,sondern die allgemeine Dynamik, dass wichtigeStrukturen der Gesellschaft zunehmend für alle Menschenzugänglich werden.Dritte Perspektive: NationalstaatenAls dritte Perspektive kommt die Differenz unterschiedlicherNationalstaaten in Betracht. Obwohl die „Containertheorie“des Sozialen (Ulrich Beck), die sich Sozialesals vorrangig in den Grenzen eines Nationalstaats denktund „die Gesellschaft“ jeweils an den Grenzen eines Nationalstaatsenden sieht, in der Soziologie mittlerweileweitgehend überwunden ist, ist die Differenz von Nationalstaatennatürlich trotzdem eine wichtige Dimensiondes Sozialen, jedenfalls bei einem europäischen Problem.Die Mitglieder verschiedener europäischer Staatensind offensichtlich sehr unterschiedlich von der Krise betroffen:Während die Griechen bereits bei den letztjährigenWahlen mehrheitlich in einem Zustand angekommenwaren, in dem ihnen das Argument einleuchtete, dass es„schlimmer sowieso nicht mehr werden kann“ (auchwenn das vermutlich nicht realitätsgerecht ist), erfahrendie Deutschen von der Krise immer noch überwiegendaus der Zeitung oder durch sehr indirekte und fast paradoxe,anti-zyklische Rückwirkungen. Zu beobachten sindzum Beispiel steigende Immobilienpreise, weil Südeuropäerbei der Suche nach sicheren Anlageformen auf denKauf von Wohnungen in München oder Berlin verfallen.Ein Großteil der Debatte zur Eurokrise findet denn auchin terms von nationalen Kategorien statt, was schon deshalbunausweichlich ist, weil die politischen HandlungsundEntscheidungsmöglichkeiten nationalstaatlich segmentiertsind. Schaffen es „die Griechen“, ihren Haushaltzu sanieren, oder sind sie hoffnungslos korrupt, desSteuerzahlens entwöhnt und zu solider Haushaltspolitikunfähig? Sind „die Deutschen“ bereit, noch mehr Haftungsrisikozu übernehmen, oder sollten sie lieber ihreeigene Wirtschaftsleistung und solide Haushaltspolitikanderen Völkern anempfehlen? Aber haben nicht dieDeutschen ihre wirtschaftlichen Erfolge teilweise aufKosten anderer europäischer Länder erzielt, indem siegnadenlose neoliberale Niedriglohn- und Standortpolitikbetrieben haben? usw. usf. Nationale Interessen, Partikularismen,Vorbehalte, Ressentiments, und umgekehrtauch die Einforderung europäischer Solidarität, werdenartikuliert. Die Eurokrise schiebt die Völker Europas wegendes unablässigen Handlungs- und Entscheidungsdrucksenger zusammen, und damit auch weiter in ihrewechselseitigen Konflikt- und Unausstehlichkeitszonenhinein, als praktisch alle Phasen europäischer Einigungdavor.Interessanterweise wird die nationalstaatliche Perspektiveaber nicht nur von Kommentatoren benutzt, denenihr nationales Eigeninteresse am Herzen liegt,sondern auch und gerade von nicht-national und anti-nationalDenkenden. So beobachtet der erklärte EuropäerJürgen Habermas die Urteilspraxis des Bundesverfassungsgerichtszu Euro-Fragen, etwa zum Parlamentsvorbehaltbei der Ausweitung der Haftungssumme des ESMmit der nationalstaatlichen Brille, weil ihm hier Kritikwürdigesin die Augen sticht. Das Verfassungsgericht sollenicht die Position eines Oberkontrolleurs Europas beanspruchen;es vertrete tendenziell eine „nationale Perspektive“und eine „abschirmend-souveränitätsversessene“Argumentation, und es sei unklar, „ob dasGericht den Nationalstaat um der Demokratie willen odernicht doch eher die Demokratie um des Nationalstaatswillen verteidige“. 1 Ähnliche Kritik kann man leicht auchgegenüber der Deutschen Bundesbank formulieren: Dassdiese sich so penetrant gegen expansive Staatsanleihenkäufedurch die EZB zur Wehr setze, kann man als national-engstirnigePolitik bezeichnen, die die dringendbenötigte Entlastung klammer Staaten zugunsten desnur in Deutschland so verabsolutierten Ziels der Geldwertstabilitäthinten anstellt.38


Mein AutoAndreas PögeStudium/aktuelle Stelle:1994–1997: Diplomstudiengang Mathematik/Informatik in Münster1997–2002: Magisterstudiengang Soziologie, Neuere undNeueste Geschichte, Politologie an der WWU Münster2007: Promotion an der Universität TrierAktuell: Akademischer Rat auf Zeit im AB „Methoden“Forschungs- und Interessenschwerpunkte:Methoden der empirischen SozialfoschungLängsschnittforschungWerteforschungKriminalsoziologieAls Kind wollte ich sein wie... Colt SieversMeine Lieblingsband... The FacesIm Kino habe ich zuletzt gesehen... Der gestiefelte Kater 3DWas ich gut kann... organisierenMich nerven Studierende, wenn sie... mich nervenAn Soziologie besonders interessant ist... StatistikDiese Person bewundere ich: Keith RichardsIch nehme mir gerne Zeit für(´s)... FußballtrainingIn Bielefeld muss man unbedingt… einmal am Sonnabend auf die KönigsbrüggekommenAus meiner Studienzeit erinnere ich mich am Liebsten an… Repetitorien auf KorsikaAm meisten bin ich stolz auf... meine KinderDas sollte es öfters geben: indisches Hähnchencurry in der Mensa42


poesiealbumAm Forschen gefällt mir… die Freiheit das zu erforschen, was einen interessiertIm Lehren gefällt mir… Menschen etwas Neues beizubringenMeine Empfehlung an Erstsemester ist… nehmt Euch unbedingt die Zeit, die Ihrbraucht!Der bedeutendste Soziologe ist… keine Ahnung, gibt ja doch einige…Soziologie ist… spannendMeine erste Liebe war... unerwidertMein Lieblingszitat… hab‘ keinsIch stoße an meine Grenzen, wenn... ich soziologische Theorien erklären mussEine erste Erfahrung mit der Arbeitswelt: 6:30 Uhr Schichtbeginn in derMaschinenbaufirmaEs macht mich wütend, dass… manche Menschen unehrlich sindEine gute Tat, an die ich mich gerne zurückerinnere… hmm, gute Frage… ich werdenachher mal eine begehen.Ich finde es ungerecht, dass… die Mittelbauverhältnisse an der Uni so sind, wiesie sindStudierendenproteste sind… häufig leider unnützRevolution ist… mir mit zunehmendem Alter unwichtigerIch würde niemals... vom 10-Meter-Turm springenIch kann nicht so gut... geduldig sein***************Die Fragen stellte: Johanna Springhorn43


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