JAGD IM BLUT - Anton Fichtlmeier

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JAGD IM BLUT - Anton Fichtlmeier

02-2011 · EXPERTEN-TALK 15Anlagenprüfung geführt werden. Wenn nurein oder zwei so weit kommen, kann keinaussagekräftiges Bild über den Zuchtwertder Elterntiere gewonnen werden.Hofterheide: Entschuldigen Sie, aber wirZüchter wünschen immer, dass sich die gutenAnlagen der Elterntiere an ihre Welpenvererben. Was die reinen Anlagen betrifftbin ich allerdings der Meinung, dass ein begabterHundeführer auch einen weniger gutveranlagten Hund erfolgreich auf Prüfungenführen kann. Insofern sind für mich bestandeneJagdprüfungen nicht das wichtigsteKriterium für eine gute Zucht. Ich legeWert auf Führigkeit und diese Anlagenkann ich auch bei anderen Arbeiten mitdem Hund erkennen und bewerten.Fichtlmeier: Wenn ein Züchter in einemWelpen die Tendenz erkennt, dass er fürden Jagdbetrieb ungeeignet ist, kann ermeinetwegen auch an Privathalter abgebenwerden. Du kannst sehr früh erkennen, wasfür ein Tier das ist, ob er stark auf Beutegeht oder sich lieber im Hintergrund hält.Hofterheide: Die Leute wollen sich ihreHunde aber selbst aussuchen und nichtvom Züchter zugeteilt bekommen.Hollmichel: Bestimmte Anlagen sind angewölft*,wie zum Beispiel die Nasenleistungoder der Spurwille*, diese Fähigkeiten gehenfür die Arbeit in Wald und Feld verloren.In solchen Fällen plädiere ich für einegetrennte Zuchtlinie, damit ich mir als JägerHunde ganz gezielt aus einer jagdlichenZucht aussuchen kann.Schmidt-Körby: Der JGHV beobachtet aufmerksamdie Entwicklung, dass zunehmendJagdhunde als Familienhunde gehalten werden.Wir könnten uns vorstellen, dassJagdhundezuchtvereine mit vielen Nichtjägernin ihren Zuchtbüchern Familienhund-Liniengetrennt von jagdlichenZuchtlinien führen.Fichtlmeier: Den Hunden muss eine Einsatzmöglichkeitfür ihre Fähigkeiten gebotenwerden. Das Problem: Der Welpe wirdintensiv bespast, doch wenn er das welpenhafteverloren hat, verlieren viele Besitzerdas Interesse am Tier. Hunde zeigen daraufhinentweder das „Zwingersyndrom“, heißt,sie geben auf und sehen mit 1.5 Jahren wieHundegreise aus. Sie verlieren das Interesse„Retriever können auch vonNichtjägern gehalten werden.Die Möglichkeiten zur sinnvollenBeschäftigung sindfür unsere Multitalente vielfältig.Der Jagdschein alleinmacht noch keinen gutenHundeführer“.Veronika Hofterheidean ihrer Umwelt, verfallen in Lethargie. Anderezeigen Ersatzhandlungen, fangen anTüren zu zerkratzen oder suchen, wennman sie von der Leine lässt, nach einemAuslösereiz, verfolgen Spuren und kommenso irgendwann an Wild. Spätestens ab dannist das Jagen für den Hund selbstbelohnend.Halter brauchen ein Regelwerk, das erklärtwie man den Hund eng auf ein Ziel hinführt. Ansonsten bekommen Hund undHalter irgendwann Probleme.Schmidt-Körby: Das ist vorbehaltlos zu unterstützen.Wer einen Jagdhund besitzt,dem muss klar sein, dass der Hund leistungsbezogengefordert sein möchte.Fichtlmeier: Bei mir kann er Familienmitgliederfinden lernen; oder ein Spielzeugwird über den Boden geschleift und versteckt,so lernt er eine Spur zu verfolgen.Das sind Möglichkeiten den Hund auszulasten.Darüber verdient er sich sein Futter,und ich habe seine Aufmerksamkeit undbin interessant. Ich fördere dadurch dieKommunikation mit dem Hund. Sicher:das geht nicht mit jedem Jagdhund. Wennda einer hoch passioniert ist, habe ich einProblem. Aber ich würde sagen, dass man90 Prozent der geeigneten Jagdhunderassendamit auslasten kann. Die vermissen nichts!Stichwort: JagdtriebMITTLERWEILE HAT FAST JEDEHUNDESCHULE EIN „ANTIJAGDTRAINING FÜR IM PRO-GRAMM. HILFT DAS?Fichtlmeier: Das ist eher ein „Antilaufnichtwegtraining“bei dem Trainer vorgaukeln,dass man Hunde durch Umlenkenvom Jagen abhalten kann. Aber einem passioniertenJäger kann ich nicht sagen: dasignorieren wir, da lenken wir mit einemQuietscherl von der Hasenspur ab. Dasfunktioniert nicht.Alsen: Diese Halter erkennen wenigstensdas Problem und tun etwas gegen das unerwünschteJagen ihres Hundes. Andere lassenweiter laufen, ohne zu wissen, dass ihrHund ein Reh – auch wenn er es nicht bekommt– in extreme Lebensgefahr bringt.Der Grund: Die letzten Winter waren hart,für Wild eine echte Durststrecke. Um Kraftzu sparen, fahren Rehe in kalten Zeiten ihreKörperenergie auf ein Drittel herunter. JedeFlucht vorm Hund schwächt sie ungemein.Fichtlmeier: Wir müssen dem Hund paralleletwas bieten, das seinen Anlagen gerechtwird, gute Dummy- oder Nasenarbeit beispielsweise.Dazu brauchen solche Hundein der Erziehung einen klaren, engen Rahmenvon Welpenbeinen an. Jedes Jagenmuss konsequent abgestraft werden. DiesesVerbot muss ich deutlich kommunizieren!Und ihm im Gegenzug etwas bieten, dasihn beschäftigt und gerecht auslastet.Alsen: Manche Leute fordern in diesem Zusammenhangsogar eine Ausbildung zumJagdgebrauchshund für alle Rassen.Hofterheide: Davon halte ich nichts. Hunde,die nie zur Jagd geführt werden, solltennicht an kaltes Wild* herangebracht werden.Da gibt es genügend andere Möglichkeiteneinen Hund anders auszulasten.Fichtlmeier: Ich finde es problematischwenn man Menschen, nur weil sie einenJagdhund haben motiviert: mach doch eineJagdhund-Ausbildung mit deinem Hund!„Die meisten Hunde werdenheute als Frührentner alsArbeitslose geführt! Die braucheneine Einsatzmöglichkeitgemäß ihren Fähigkeiten,damit sie für den Familienalltagausgelastet sind.“Anton FichtlmeierDenn wenn diese Tiere in Kontakt mit Wildgebracht werden, wird es oft erst problematisch,weil der Hund hier in seinen Instinktenausgelöst wird. Deshalb können vieleHalter nach der Jagdhundeausbildung ihreHunde gar nicht mehr kontrollieren.Stichwort: Hunde abhärtenAUF DEM LAND SIEHT MANJAGDHUNDE, DIE GANZJÄHRIGIM ZWINGER GEHALTEN WER-DEN. SIND HUNDE FÜR JÄGERDOCH EHER SPORTGERÄT ALSTREUER FAMILIENPARTNER?Schmidt-Körby: Diese Beobachtung ist nurmit Einschränkungen zu bestätigen undwird in Jägerkreisen kritisiert. Für die meistenJäger ist der Jagdhund heute ein Jagdbegleiter,der selbstverständlich den sozialenFamilienanschluss braucht und bekommt.Trotzdem sollte jeder Jagdhund temporärim Zwinger gehalten werden, aber nichtausschließlich. Der Grund: Er muss besondersgesund, widerstandsfähig und imchen Anforderungen gewachsen ist.Hollmichel: Auch ein Jagdhund brauchtden regelmäßigen sozialen Kontakt, letztlichauch um die notwendige Bindung aufzubauen.Mein Jagdterrier ist überwiegend imHaus und dort ein verschmustes Familienmitglied.Aber sobald es nach draußen insRevier geht, interessiert ihn nur noch dieJagd. Damit er für die Arbeit ausreichendabgehärtet ist, kommt er am Nachmittag beijeder Witterung für ein paar Stunden in einenüberdachten Zwinger mit großzügigemFreiauslauf. Eine ausschließliche Zwingerhaltungkommt für mich nicht in Frage.Stichwort: üble MethodenUNTER JÄGERN WIRD BISWEI-LEN ZUR AUSBILDUNG UNTERZWANG MIT E-REIZGERÄTEN*ODER DEM APPORTIERTISCH*GERATEN. WOZU DIESE QUAL?Alsen: Das hat mit viel tradiertem Gedankengutzu tun. Einige Jäger sind relativ hilfloswas die Ausbildung ihres Hundes angeht.Und was machen viele Menschen,wenn sie hilflos sind? Dann hauen sie drauf.Andere aber geben sich wahnsinnig vielMühe und suchen nach dem besten Weg fürsich und ihren Hund. Es ist wohl eine Fragedes Glücks, an welchen Ausbilder man alsJungjäger mit seinem Hund gerät.Schmidt-Körby: Ich bin kein Freund vonE-Reizgeräten. Wenn ein Junghund in seinerEntwicklung einer unsachgemäßen Behandlungmit diesem Gerät unterzogenwurde, ist das auf einer Anlagenprüfung(siehe Kasten, Seite 000) zu erkennen. DerGehorsam überbrückt dann wichtige jagdlicheAnlagen, die es für die Zuchtwertschätzungzu erkennen und zu bewerten gilt. Unverzichtbaraber sind verantwortungsvolleingesetzte und auf größere Entfernung wirkendeAusbildungshilfen immer dann,wenn ein Jagdhund auf große Entfernungenbei selbstständiger Arbeit unerwünschteVerhaltensweisen zeigt, die dem Jagdbetriebnicht dienlich sind oder ihn gar gefährden.Fichtlmeier: Die Anwendung von Reizstromgeräteund Apportiertisch ist heuteHaarkleid robust sein, damit er den jagdli- *) Erklärung siehe Kasten Seite 000


02-2011 · EXPERTEN-TALK 17zum Glück fast vorbei. Ich würde keinenHund zwingen zu apportieren. Zwingen bedeutet,dass der Hund mir etwas bringt, umden Schmerz zu vermeiden. Das macht Probleme:Wenn ein Hund, der über diesenZwang abgesichert wurde, auf einen anderenHund trifft, der auch über Zwang abgesichertwurde, dann gibt es einen ernstenKonflikt. Beide wollen das Wild bringen,um den eigenen Schmerz zu vermeiden.Hofterheide: Wir Retrieverleute distanzierenuns ausdrücklich vom Gebrauch einesApportiertisches oder Reizstromgerätes. Füruns sind das unethische und tierschutzrelevanteMethoden, die in der Hundeausbildungnichts zu suchen haben.Alsen: Ich lehne diese Methoden ab, seheaber das Problem, dass jagdlich geführteHunde in erster Linie Arbeitshunde sind,auf die sich ein Jäger verlassen könnenmuss. Wenn ich den Hund zum Apportierenschicke und er gerade mal keine Lusthat, ist das auf dem Hundeplatz nichtschlimm, auf der Jagd aber fatal. Diese Zuverlässigkeitzu bekommen, ohne den Hundunter Strom zu setzen oder ihm Schmerzen„Werden Jagdhundassen vermehrtprivat von Nichtjägerngehalten, gehen wichtige Eigenschaftenfür die Arbeit inWald und Feld verloren. Inmeinem Beruf bin ich aufbrauchbare Jagdhunde, dieaus einer nachgewiesenenLeistungszucht stammen, angewiesen.“Gido Hollmichelzuzufügen, ist die mit Abstand größte Herausforderungin der Ausbildung. Leidersind manche Methoden sehr erfolgreich:Ich bin zum Beispiel neulich auf einerBrauchbarkeitsprüfung gewesen, auf der einDrahthaar-Vizsla total überzeugt hat. Ichhabe beim Besitzer nachgefragt, wie er dasgeschafft hat und die Antwort lautete: ,14Tage Apportiertisch, jeden Tag mehrfach.‘Grausam, aber ich kenne auch Leute, diehaben ihren Hund darauf gestellt und nurerreicht, dass das Tier fortan komplett dieZusammenarbeit verweigert hat.Stichwort: ModehundLABRADOR, WEIMARANERUND VISZLA, WAS MACHTJAGDHUNDE ZUM TREND?Alsen: Für die meisten sehen sie einfachschön aus. Über die speziellen Ansprüchedieser Rassen machen sich viele Menschendoch überhaupt keine Gedanken.Fichtlmeier: Rassen wie Labrador und Viszlasind beliebt, weil sie weicher sind. Mit denenkann ich auch mal die Kinder um denBlock schicken. Mit einem Deutsch DrahthaarRüden ist das schon ein bisschen problematischund mit einem Weimaraner Rüdenwird das sehr problematisch! DerGrund: 20 bis 30 Prozent der Weimaranergehen in den Aggressionsbereich. Innerhalbder Familie und innerhalb der Art. Aber esgibt auch bei Labradoren oder Viszlas Tiere,die ticken plötzlich aus oder sind aggressiv.Schmidt-Körby: Die Gefahr einerWesensschwäche besteht immer dann,wenn Jagdhunderassen in Mode kommen.Es gibt eine Reihe von Beispielen, beidenen Zuchtlinien unterschiedlicher Jagdhunderassenohne Leistungsmerkmale vorrangigauf „Schönheit“ gezüchtet wordensind. Die zeigen dann unerwünschte Wesensmerkmalewie eingeklemmte Ruten,Aggressivität und letztendlich auch denVerlust ihrer Jagdpassion. Sie werdenschlimmstenfalls zu Angstbeißern, verweigernsich einen dunklen Tunnel zu durchlaufen,erschrecken vor plötzlichen lautenGeräuschen oder fürchten sich vor Garagentoren.Diese Verhaltensmuster zeigeneindeutig, dass leistungsbezogene Rassestandardszüchterisch nicht eingehaltenwurden – und das geht zu Lasten der Rasse.Stichwort: VerantwortungWIE BRINGT MAN DIE ERWAR-TUNGEN VON NICHTJÄGERNMIT DEN FÄHIGKEITEN IHRERJAGDHUNDE IN EINKLANG?Schmidt-Körby:: Ich sage immer: „Zukunftbraucht Vergangenheit“. Deshalb lohnt sichstets ein Blick in die Zuchtgeschichte derverschiedenen Rassen. Die deutschen Jagdhunderassen,wie der Deutsch Kurzhaaroder Deutsche Jagdtrerrier waren bis vorwenigen Jahrzehnten Hunde, die ausschließlichin der Jagd eingesetzt wurdenund den Rest der Zeit im Zwinger lebtenoder auf Höfen frei umher liefen. Im Vergleichdazu halten in England Jäger ihreJagdhunde seit Jahrzehnten mit engem Familienanschluss.,weshalb sich gewisse Retrieverrassenbesser als Familienhund eignenals Deutsche Jagdhunderassen.Fichtlmeier: Ich habe als Jagdhundehalterdie Pflicht, einen engen Rahmen an denHund anzulegen, so dass er sich und andereweder gefährdet noch belästigt. Soll heißen:bevor mein Hund ein Kind, einen Joggeroder ein Reh verbellt, werde ich meinenHund stoppen. Das „Wie“ ist dabei ganzegal, da muss es auch mal eines hinten aufdie Pobacken geben. Und wer dazu nichtbereit ist, der darf keinen Hund führen.Schmidt-Körby: Ganz wichtig finde ich denWesenstest für Jagdgebrauchshunderassen,die als Familienhunde abgegeben werden.Meine Frau hat vor Jahren für den DeutschenRetriever Club (DRC) einen Wesenstestmitentwickelt. Den müssen Junghundeheutzutage bestehen, wenn sie nicht jagdlichgeführt werden sollen.Alsen: Wenn ich Jagdhundehaltung anständigmachen möchte, muss ich denHund irgendwie auslasten, egal ob er auseiner Leistungszucht stammt, jagdlich geführtwird oder nicht. Sonst liegt er mitseinen Anlagenbrach, das gibt oft Probleme.Hofterheide: Das gilt doch für jeden Hund:die wollen nicht nur durch die Gegend spazieren,sondern nach ihren rassespezifischenMerkmalen beschäftigt werden. Züchtermüssen hier Aufklärungsarbeit leisten! DenMenschen muss klar sein, dass Hunde, dienicht ihren Anlagen entsprechend beschäf-tigt werden, leider nicht protestieren. IhreLiebenswürdigkeit lässt sie ausharren undstill leiden. Daher entscheidet bei mir nichtder Jagdschein, sondern das Verantwortungsbewusstseindes Menschen, ob er einenWelpen von mir bekommt.Hollmichel: Alle Halter, egal ob Jäger oderPrivatmensch, sollten sich vor der Anschaffungeines Hundes informieren, wofür dieseRasse gezüchtet wurde. Und dann sollte jederin sich gehen und ehrlich fragen: kannich dem Bewegungsdrang und Arbeitswillendes Hundes mit meinem Zeitplan gerechtwerden und den Hund wirklich entsprechendseiner Anlagen halten und führen?WAS JÄGER-HUNDE LERNEN MÜSSENDie meisten Fähigkeiten bringen viele Jagdhunde von Natur aus mit, doch besonders die Feinarbeit wieApportieren oder Anpirschen muss dem Welpen in zweijähriger Ausbildungszeit beigebracht werdenGEHORSAM an Haar- und Federwild DerHund muss lernen, dass das Hetzen vonRehen und Hasen oder Einspringen bei Vögelnnur mit Erlaubnis erwünscht ist. Deshalbsteht ein Vorstehhund vor, wartet aufein Signal oder lässt sich auf den Haltpfiffhin zuverlässig stoppen.WESENSSTÄRKE. Ein guter Jagdhundsollte körperlich fit und schussfest sein, Arbeitsfreudeund Führigkeit aber auch Härtebeim Einsatz am Wild zeigen. Menschenund anderen Hunden gegenüber muss ersich sozial einordnen können, im Feld soll erRuhe und Konzentration ausstrahlen.BRINGTREUE. Der Jagdhund hat gelernt,dass er alles in Feld, Wald oder Wasser gefundeneWild apportieren, also es selbstständig,ohne Aufforderung zum Führerbringen kann. Er ist deshalb weder ein „Totengräber,“der erlegtes Wild vergräbt, nochfrisst er das Wild auf („Anschneider“).NACHSUCHE: Der Jagdhund muss an einermindestens sechs Meter langen „Schweißleine“eine Fährte über große Entfernungenim Wald und über Feld und oft nach vielenStunden bis zum kranken oder bereits verendetenWild verfolgen. Die Nachsuchenwerden verbindlich vom Gesetzgeber verlangt.Jeder für eine Nachsuche eingesetzteJagdhund muss „Spurlaut“ oder „Sichtlaut“zeigen und Wildschärfe besitzen.PIRSCH. Der Jäger pirscht sich an Wild heran,um es besser zu beobachten. Dabeibleibt der Hund zuverlässig unangeleint nebenihm, synchronisiert sein Verhalten, reagiertauf kleinste Handzeichen und weistden Menschen wiederum durch sein Verhaltenauf von ihm gewittertetes Wild hin.VERWEISEN. Ist ein verletztes oder totesWild zum Apportieren zu groß, muss derHund durch Verbellen oder das Bringen vonGegenständen („Bringselverweiser“) auf dasTier aufmerksam machen und den Jägerdann auf der Spur zurück zum Wild führen.APPORTIEREN. Der Hund nimmt erlegtesNiederwild auf und bringt es zum Hundeführer,ohne dass er es zu hart greift unddadurch beschädigt („Knautscher“)VORSTEHEN. Nachdem der Hund systematischeine Fläche abgesucht hat steht ervor, indem er einen Vorderlauf anhebt unddurch seine gespannte Körperhaltung unddas Zeigen mit der Nase in Richtung desWildes dem Jäger zeigt, wo der Hase läuft.VERHARREN. Der Hund muss so lange inder Vorstehposition warten, bis der Jägerdie nächste Anweisung gibt, auch wenn dasWild direkt vor ihm im Gras sitzt.HANDZEICHEN. Beim Suchen achtet hundauf Richtungszeichen des Jägers, beim Anpirschenhelfen sie, sich abzustimmen, aufEntfernung setzt oder legt der Hund sich.ARBEIT VOR DEM SCHUSS. Der Hundsoll selbständig nach dem Wild suchen. Hater eine Spur gefunden, soll er je nach Geländevorstehen und das Wild anzeigen.ARBEIT NACH DEM SCHUSS. Im Wasseroder im Gelände muss der Hund das WildInformationen Seite 128nachsuchen, apportieren oder verweisen.DREI PRÜFUNGEN. Im Idealfall werdenfür jagdliche Brauchbarkeit alle bestanden.• Für Welpen gibt es die 1. Verbandsjugendprüfung(VJP). Hier werden die Anlagender neuen Generation an Vorstehhunderassenüberprüft, z.B. Nasengebrauch,Suche, Spurverhalten, Führigkeit, Grundgehorsam,Schussfestigkeit und Spurlaut.• In der 2. Herbstzuchtprüfung (HZP) wirdgeprüft, wer mind. ein Jahr alt ist. Aufgabe:Ente bringen, Schleppen ablaufen und ausgelegtesWild zuverlässig zurück bringen.• Zuletzt die 3. Verbandsgebrauchsprüfung(VGP). Für „Nichtvorstehhunderassen“ gibtes rassespezifisch ähnliche Prüfungen.KOMMT VOR, WIRD ABER SELTENER:* APPORTIERTISCH Der Hund wird daraufmittels Lederriemen um Hüfte und Halsüber Haken an einem Gestänge über ihm fixiert.Danach bindet der Ausbilder einenNylon-Faden zwischen seine Zehen undzieht das Bein nach oben. Zeigt der HundSchmerz, wird ihm der Dummy ins Maul gehalten.Langfristig soll er lernen: „Nehme ichden Dummy, hört der Schmerz auf.“* E-REIZGERÄTE Der Hund trägt ein Halsband,das ihn über verschieden starke Stromintensitätenauf Distanz zum Verhaltensabbruchbringen soll. Die Verwendungvon Elektroreizgeräten bei der Hundeerziehungsind nach § 3 Nr. 11 Tierschutzgesetz(TierSchG) verboten.


18 EXPERTEN-TALK · 02-20117JAGDHUND-GRUPPENSTÖBERHUNDE,z.B. Dt. Wachtel, engl. Cocker Spaniel(Foto). Aufgabe: Im Wald soll erbellend Hase, Sau oder Fuchs verfolgen,nach dem Schuss sicher finden.SCHWEISSHUNDE,z.B. Hannoverscher- (Foto) undBayerischer Gebirgsschweißhund.Aufgabe:Suchspezialisten, die eineFährte aufnehmen und verfolgen.APPORTIERHUNDE,z.B. Labrador Retriever (Foto) oderGolden Retriever. Aufgabe: Findenund Apportieren von Wild (Flugwild),besonders aus dem Wasser.und ihre Aufgaben bei der JagdVORSTEHHUNDEz.B. Deutsch Drahthaar, KleinerMünsterländer, Magyar Vizsla,Weimaraner (Foto). Aufgabe: vielseitigvor und nach dem Schuss.MEUTEHUNDEz.B. Deutsche Bracke, Beagle (Foto).Aufgabe: In der Gruppe eine Fährtelaut bellend verfolgen und das Wilddem Jäger vor die Flinte treiben.LAIKIz.B. West-(Foto) oder OstsibirischerLaika. Aufgabe: verfolgen Fährtensicher aber, anders als die Stöberhunde,lautlos und führen Jäger zumERDHUNDE,z.B. Dt. Jagdterrier, Dackel (Foto).Aufgabe: Dachs oder Fuchs aus demBau treiben oder dort töten. Im Waldleisten sie Stöber- und Schweißarbeit.AUSGLEICHIST MACHBARSie haben einen Jagdhundoder leidenschaftlich jagendenHund und möchten ein entspanntesLeben an seiner Seiteführen? Diese Regeln undÜbungen helfen dabeiVerfolgungsverbot, ein Hundeleben lang!Dies gilt für alle Hunde, die nicht auf derJagd geführt werden. Es gilt vom ersten Tagim neuen Heim bis zum letzten Atemzugdes Hundes. Das ist anstrengend, denn wirmüssen jedes erfolgreiche Hetzen versuchenzu vermeiden. Der Grund: Ist der Jagdinstinkterst einmal ausgelöst, will der Hundden Kick, der durch das Hetzen entsteht,immer wieder erleben und verliert Draußenzunehmend das Interesse an uns. Deshalbgilt: solange der Hund noch nicht zuverlässiggehorcht, muss er in unübersichtlichenSituationen in Feld und Wald unbedingt ander Leine bleiben. Gleichzeitig wird jederVersuch, etwas Fliehendes zu verfolgen, vonuns resolut unterbrochen. Sicher ist sicher!Rahmen setzen. Fast alle Hunde brauchenklare Ansagen, was gut und richtig und wasfalsch und damit verboten ist. Hunde liebendiese zwei Möglichkeiten, denn sie bieteneine gute Orientierung und sorgen für festeBindung an uns als ihre Anführer.Alternativen bieten. Hunde mit Jagd imBlut brauchen einen Ausgleich, damit siefröhliche, zuverlässige Begleiter bleiben.Deshalb ist jenseits des Jagd-Tabus vieles erlaubt,was auch der Hund des Jägers darf.TRAININGS-TIPPS FÜR JAGDHUNDEDas Plus an Kommunikation. Wer dasKontaktverhalten fördern möchte, greift zurPfeife und trainiert mit ihr Signale, dieKommunikation und Kontrolle aus Entfernungermöglichen. Noch feiner wird derMensch-Hund Dialog über Handzeichen,mit denen wir den Hund in verschiedenenRichtungen zum Suchen schicken Ablegenkönnen – stärkt die Bindung auf Distanz.Gemeinsames Anpirschen. Verfeinert werdenkann dieses Kommunikationstrainingdurch Anpirschen an ein Objekt der Begierde,z.B. ein vorher geworfenes Dummy.Apportieren. Stöckchen und Ball fördernoft Stereotypien beim Hund, besser geeignetsind Apportierübungen – nicht nur für Retriever!Anfänger üben das reine Bringen,Fortgeschrittene können mehrere Dummysin verschiedene Richtungen werfen und denHund gezielt zu den Fallpunkten schicken.Der Hund muss sich hier genau merken,welcher Dummy wo gefallen ist. MancheHundevereine oder Hundeschulen bietenhierzu Apportier-Kurse an.Fährte legen. Wie überall fangen Sie kleinan und legen leichte, kurze Schleifspurendurch Wohnzimmer oder Garten, die derHund verfolgen muss, um das Lieblingsspielzeugzu finden. Später können Siedraußen mit einem geliebten Gegenstandeine schwierige Fährte legen, die der Hunddann durchs Unterholz verfolgt. Oder Sieschicken ein Familienmitglied voraus in denWald, das der Hund finden muss.Spuren suchen. Lassen sie auf der Wiesemal einen Handschuh fallen und gehen mitdem Hund weiter. Später muss er die Spurzurück verfolgen, bis er den Gegenstand gefundenhat – der Hund verbindet nicht mitHasenduft Erfolg und Befriedigung, sondernmit Dingen, die nach Ihnen riechen.

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