Leitfaden für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe im Kreis Kleve

Caritas.Geldern
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Diese Broschüre ist ein Leitfaden für alle, die sich im Kreis Kleve für Flüchtlinge engagieren möchten mit wichtigen Adressen, Hintergrundinfos und praktischen Tipps.

LEITFADEN

FÜR EHRENAMTLICHE IN DER

FLÜCHTLINGSHILFE IM KREIS KLEVE

Caritasverband Geldern-Kevelaer e.V.


IMPRESSUM

Herausgeber:

Caritasverband Geldern-Kevelaer e.V.

Südwall 1-5

47608 Geldern

Tel: 02831/9395-0

info@caritas-geldern.de

www.caritas-geldern.de

Konzept/Texte:

Große Teile der Broschüre sind der Arbeitshilfe „Flüchtlinge

in Köln“ des Caritasverbandes für die Stadt Köln

wörtlich entnommen. Wir danken dem Caritasverband

für die Stadt Köln für die dazu erteilte Erlaubnis.

Überarbeitung:

Gerrit Hermans, Fachleitung Integration/Migration,

Caritasverband Geldern-Kevelaer e.V., Anne Radke,

Asylverfahrensberatung, Caritasverband Geldern-

Kevelaer e.V.

Redaktion:

Tobias Kleinebrahm, Öffentlichkeitsarbeit, Caritasverband

Geldern-Kevelaer e.V., Gerrit Hermans, Fachleitung

Integration/Migration, Caritasverband Geldern-

Kevelaer e.V.

Fotos:

Tobias Kleinebrahm

Gestaltung:

KOMPLIMENT, Ilka Janhsen

Druck:

flyeralarm GmbH, Würzburg

Stand:

1. Auflage, 2015

gefördert vom Asyl-, Migrations-

und Integrationsfonds (AMIF) der

Europäischen Union

02


VORWORT

VORWORT

gen, ihre Not wahrzunehmen und ihnen

bei uns menschenwürdige Lebensbedingungen

zu geben. Dabei zeigen viele

Menschen in unserer Region ein großes

Engagement. Auch Ihr Caritasverband

hat sich diese Problematik zu Herzen

genommen.

Liebe engagierte Bürgerinnen und Bürger!

Mit diesem Informationsheft zum Thema

Flüchlingsarbeit greift der Caritasverband

Geldern-Kevelaer e.V. ein zentrales

Problem dieser Tage auf. Mehr und

mehr Menschen kommen in dieser Zeit

als Flüchtlinge zu uns. Als Christen fühlen

wir uns verantwortlich, für sie zu sor-

Ich danke Ihnen sehr für Ihren Einsatz.

Sie tragen mit dazu bei, dass es nicht

nur bei guten Worten und Forderungen

bleibt, sondern Sie helfen mit, konkrete

Lösungen zu finden und Werke der

Nächstenliebe zu tun.

Gott segne Sie bei dieser wichtigen Aufgabe.

Herzlich danke ich Ihnen allen für

Ihr glaubwürdiges Zeugnis.

Ihr Weihbischof + Wilfried Theising

03


VORWORT

SEHR GEEHRTE DAMEN UND HERREN,

LIEBE FREIWILLIG ENGAGIERTE,

LIEBE INTERESSIERTE,

noch nie waren so viele Menschen auf

der Flucht wie heute. Weltweit haben

über 50 Millionen Menschen ihre Heimat

aufgrund von Krieg, Verfolgung, Gewalt,

Unterdrückung und anderen Notsituationen

verlassen. Auch bei uns in Deutschland

machen sich höhere Flüchtlingszahlen

bemerkbar. Im Jahr 2014 wurden

etwas mehr als 200.000 Asylanträge

in Deutschland gestellt. Doch obwohl

weiterhin mit einem Anstieg der Asylsuchenden

zu rechnen ist, wird Europa

tatsächlich nur von einem Bruchteil aller

Geflüchteten auf dieser Welt als sicherer

Zufluchtsort erreicht. Nicht wenige verlieren

auf den gefährlichen Fluchtrouten,

insbesondere auf dem Weg über das

Mittelmeer, ihr Leben.

Die mit der Migration unweigerlich verbundenen

Herausforderungen sollten

uns als Gesellschaft nicht abschrecken.

Ablehnung, Ressentiments und eine auf

Abwehr ausgerichtete Flüchtlingspolitik

können nicht helfen, Probleme zu bewältigen.

Wir sind angesichts unserer Lebenssituation

und unseres Wohlstands

in der Lage, die zu uns kommenden

Schutzsuchenden angemessen aufzunehmen

und ihnen eine neue Lebensperspektive

zu bieten. Dies zeigt nicht

zuletzt die große Unterstützungsbereitschaft

aus der Bevölkerung.

Wer alleine in einem fremden Land ankommt,

für den ist es schön, auf Menschen

zu treffen, die einem das Gefühl

geben, willkommen zu sein. Ehrenamtliche

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

sind hier unverzichtbare Brückenbauer

zwischen Neuankommenden und Aufnahmegesellschaft.

Sie bieten erste Orientierungshilfen,

Unterstützung in alltäglichen

Lebenssituationen und helfen, die

deutsche Sprache zu erlernen.

Die vorliegende Broschüre soll ehrenamtlichen

Helferinnen und Helfern und

an Flüchtlingsfragen Interessierten

04


VORWORT

grundlegende Informationen und Anregungen

geben. Sie soll Ideen liefern

und Tipps geben, welche Hilfen vor Ort

gebraucht und über Einzelne oder Gruppen

und Netzwerke ermöglicht werden

können. Dennoch können die nachstehend

aufgeführten Informationen keinen

Anspruch auf Vollständigkeit erheben. In

der Flüchtlingsarbeit gibt es immer wieder

Fragestellungen, die nicht einfach zu

klären sind. Wenden Sie sich bei Problemen

und Unsicherheiten, auch im Interesse

der Schutzsuchenden, immer an

fachkundige Beratungsstellen.

Andreas Becker

Vorstand

Caritasverband Geldern-Kevelaer e.V.

Sprechen Sie uns gern an, wenn wir Sie

neugierig gemacht haben oder bestärken

konnten, wenn Sie sich engagieren

und mittun möchten!

Wir wünschen Ihnen bei Ihrem ehrenamtlichen

Einsatz viel Freude, Erfahrungen,

Geduld und Kraft.

Herzlichen Dank und freundliche Grüße

Gerrit Hermans

Fachleitung Integration und Migration

Caritasverband Geldern-Kevelaer e.V.

05


INHALTSVERZEICHNIS

INHALTE DIESES RATGEBERS:

Impressum ................................................................................................................. 02

Vorworte ............................................................................................................... 03-05

Erste Orientierung zur Situation von Flüchtlingen

Flüchtlinge – wer ist gemeint? .............................................................................. 08-12

Flüchtlinge im Asylverfahren ................................................................................ 13-16

Zur Wohnsituation von Flüchtlingen im Kreis Kleve ............................................. 17-18

Spezielles Sozialrecht für Flüchtlinge:

Das Asylbewerberleistungsgesetz ....................................................................... 19-20

Spezielle gesundheitliche Belastungen:

Traumatisierte Flüchtlinge .................................................................................... 21-25

Der „Zugang“ zum Arbeitsmarkt .......................................................................... 26-28

Sprachförderung für Flüchtlinge ............................................................................... 29

Schule und Ausbildung für Kinder und jugendliche Flüchtlinge ......................... 30-31

Freizeitgestaltung für Flüchtlinge –

jederzeit sind Angebote willkommen! ................................................................. 32-33

Weitere Anregungen für Sie als Ehrenamtliche

Interkulturelle Kompetenz ist gefragt – aber was ist das? .................................... 34-35

Die Situation in Herkunftsländern – Wo gibt es Informationen? ........................... 36-38

„Stolpersteine“ im Rahmen des persönlichen Engagements ............................. 39-41

Flüchtlingshilfe im Kreis Kleve:

Beratungsstellen und Ansprechpartner/innen ...................................................... 42-46

Beratungsstellen und Ansprechpartner/innen ........................................................... 47

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FLÜCHTLINGE – WER IST GEMEINT?

FLÜCHTLINGE – WER IST GEMEINT?

Flüchtlinge: Das sind so viele Menschen,

die weltweit ihr Land verlassen haben

bzw. verlassen mussten oder innerhalb

ihres Landes als „Binnenflüchtlinge“ aus

ihren Wohnorten und Herkunftsgebieten

vertrieben worden sind. Vertriebene,

Kriegsflüchtlinge, Überlebende, Katastrophenopfer,

Schutzsuchende, politische

Flüchtlinge, Armutsflüchtlinge....

Allein für die sich in Deutschland aufhaltenden

Flüchtlinge haben wir diverse Begriffe,

die auch Hinweise auf ihren rechtlichen

Status geben. Wer ist gemeint?

Asylsuchende/Asylbewerber

sind Menschen, die durch verschiedene

Länder oder auf dem Luftweg nach

Deutschland geflohen sind und hier einen

Antrag auf Asyl gestellt haben. Sie

befinden sich noch im laufenden Asylverfahren,

d.h. es wurde noch keine endgültige

Entscheidung über ihren Antrag

gefällt. Für die Dauer des Asylverfahrens

erhalten sie als Ausweisdokument eine

Bescheinigung über die „Aufenthaltsgestattung“.

Asylberechtigte nach Artikel 16a Abs. 1

unseres Grundgesetzes

„Politisch verfolgte genießen Asylrecht“

(Art. 16a Abs.1 GG). Die Voraussetzung

für eine Anerkennung als Asylberechtigter

nach diesem Artikel sind die Verfolgung

im Heimatland in asylerheblicher

Weise durch staatliche Stellen, die unmittelbare

Flucht nach Deutschland und

die unmittelbare Asylantragstellung in

Deutschland. Dabei führt eine Einreise

über einen sicheren Drittstaat (z.B. EU-

Länder) zu einer Ablehnung der Asylberechtigung.

In der Praxis wird eine

Anerkennung nach dem Grundgesetz

mittlerweile nur noch sehr selten ausgesprochen,

da eine Einreise theoretisch

nur über den Luftweg möglich ist. Asylberechtigte

erhalten für 3 Jahre eine befristete

Aufenthaltserlaubnis nach § 25

Abs. 1 AufenthG.

Anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer

Flüchtlingskonvention (§ 3 AsylverfG)

Ein Ausländer kann nach der Genfer

Flüchtlingskonvention als Flüchtling anerkannt

werden, wenn er sich aus begründeter

Furcht vor Verfolgung wegen

seiner Rasse, Religion, Nationalität,

politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit

zu einer bestimmten sozialen

Gruppe außerhalb seines Landes befindet

(…). Als Verfolgung gilt u.a. die Anwendung

physischer oder psychischer

Gewalt, einschließlich sexueller Gewalt,

08


FLÜCHTLINGE – WER IST GEMEINT?

FLÜCHTLINGE

DAS SIND VERTRIEBENE, KRIEGSFLÜCHTLINGE,

ÜBERLEBENDE, KATASTROPHENOPFER,

SCHUTZSUCHENDE, POLITISCHE FLÜCHTLINGE,

UND VIELE MEHR...

09


FLÜCHTLINGE – WER IST GEMEINT?

diskriminierende gesetzliche, administrative

oder polizeiliche Maßnahmen oder

eine unverhältnismäßige Strafverfolgung

und Bestrafung (…).Eine Verfolgung

kann ausgehen von dem Staat, Parteien

oder Organisationen, die den Staat oder

wesentliche Teile des Staatsgebietes

beherrschen oder auch nichtstaatlichen

Akteuren. Sofern eine Rücküberstellung

unmöglich ist, führt die Einreise über ein

sicheres Drittland nicht zwangsläufig zu

einer Ablehnung. Anerkannte Flüchtlinge

erhalten für 3 Jahre eine Aufenthaltserlaubnis

nach § 25 Abs. 2 AufenthG.

Subsidiär Schutzberechtigte

(§ 4 AsylverfG)

Ein Ausländer ist subsidiär Schutzberechtigter,

wenn er stichhaltige Gründe

für die Annahme vorgebracht hat, dass

ihm in seinem Herkunftsland ein ernsthafter

Schaden droht. Als ernsthafter

Schaden gilt die Verhängung oder Vollstreckung

der Todesstrafe, Folter oder

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung

oder Bestrafung oder eine

ernsthafte individuelle Bedrohung des

Lebens oder der Unversehrtheit einer

Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt

10


FLÜCHTLINGE – WER IST GEMEINT?

im Rahmen eines internationalen oder

innerstaatlichen bewaffneten Konflikts.

Subsidiär Schutzberechtigte erhalten

ebenso eine Aufenthaltserlaubnis nach

§ 25 Abs. 2 AufenthG, jedoch mit weiteren

einschränkenden Auflagen.

werden, weil ihre Pässe nicht organisiert

werden können (z.B. weil für die zuständigen

Botschaften ihre Nationalität/Herkunft

unklar ist, oder weil die Betroffenen

ihrer Mitwirkung nicht ausreichend

nachkommen können).

Flüchtlinge mit Aufenthalt aus anderen

humanitären Gründen

sind Menschen, die darüber hinaus wegen

allgemeiner Gefahr für Leib und Leben

oder wegen spezieller persönlicher

Härtegründe nicht in ihr Herkunftsland

zurück geschickt oder abgeschoben

werden können, und die deshalb eine

Aufenthaltserlaubnis nach unterschiedlichen

Paragraphen des Aufenthaltsgesetzes

erhalten. Darunter fallen auch

Flüchtlinge aus Kriegsgebieten. Sie

verfügen in der Regel über ihren Nationalpass

oder ein deutsches Passersatz-

Dokument und eine befristete Aufenthaltserlaubnis.

Geduldete Flüchtlinge

sind grundsätzlich zur Ausreise verpflichtet.

Die Abschiebung kann kurzzeitig

aber auch über viele Jahre ausgesetzt

werden. Von Duldung können

solche Flüchtlinge betroffen sein, deren

Abschiebung aus individuellen gesundheitlichen

Gründen zurück gestellt wird,

oder die zunächst nicht abgeschoben

Kontingentflüchtlinge/

Resettlement-Flüchtlinge

sind Flüchtlinge, die im Rahmen internationaler

Vereinbarungen nach Deutschland

als „Kontingent“ (festgelegte Anzahl

und / oder weiter festgelegte Merkmale

von Flüchtlingen) übernommen und

hier entweder nur vorübergehend aufenthaltsberechtigt

sind oder dauerhaft

neuangesiedelt (Resettlement) werden.

Sie haben in der Regel einen ähnlichen

Status wie die Asylberechtigten oder anerkannten

Flüchtlinge.

Hinweis: Der ebenfalls in Deutschland

für Flüchtlinge verwendete Begriff „Asylanten“

ist rechtlich unscharf und ist erst

eingeführt worden, als es zunehmende

Ressentiments gegenüber Flüchtlingen

gab. Der Begriff ist deshalb diskriminierend,

und wir raten von seiner Verwendung

ab.

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FLÜCHTLINGE – WER IST GEMEINT?

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Die jeweilige Art des Aufenthaltsstatus

entscheidet oft sehr weit reichend

über weitere Rechte und Integrationsmöglichkeiten

von Flüchtlingen in

Deutschland.

Nicht immer sind die Gründe für die

Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis

oder einer Duldung „trennscharf“, so

dass es sich lohnen könnte, genauer

herauszufinden, ob nach Ausstellung

einer Duldung der Aufenthaltsstatus

unter bestimmten Bedingungen doch

verbessert werden könnte (langer

Aufenthalt, gute Integrationsperspektive,

Arbeitsaufnahme, Klärung der

Staatsangehörigkeit etc.).

12


FLÜCHTLINGE IM ASYLVERFAHREN

FLÜCHTLINGE IM ASYLVERFAHREN

Wer in Deutschland als Flüchtling „anerkannt“

oder Schutz erhalten möchte,

muss in der Regel einen „Asylantrag“

stellen. Der Asylantrag ist eine mündliche

oder schriftliche Äußerung, aus der

hervorgeht, dass der Flüchtling Schutz

vor politischer Verfolgung sucht. Der Antrag

soll unmittelbar nach Grenzübertritt

gestellt werden. Hierfür müssen sich die

Asylsuchenden entweder selbst an eine

Außenstelle des Bundesamtes für Migration

und Flüchtlinge (BAMF) wenden,

andernfalls werden sie z.B. von der Polizei

weiterverwiesen. Zunächst erfolgt

eine Registrierung durch die „Zentrale

Ausländerbehörde“ sowie die Unterbringung

in einer „Erstaufnahmeeinrichtung“.

In Nordrhein-Westfalen befinden

sich die Außenstellen des BAMF und

die Zentralen Ausländerbehörden u.a. in

Dortmund und Bielefeld.

Bei der Registrierung des Asylsuchenden

sind Fingerabdrücke, die Aufnahme

der Personalien und die Abgabe

von Pass und weiteren Dokumenten

zur Identifizierung obligatorisch. Sehr

wichtig: Es wird auch überprüft, ob der

Flüchtling möglicherweise bereits in einem

anderen europäischen Land registriert

wurde (Eurodac-Abfrage). Ebenso

wird eine ärztliche Untersuchung durchgeführt,

um Tuberkuloseerkrankungen

o.ä. auszuschließen.

Da die Kapazitäten der Erstaufnahmeeinrichtungen

sehr begrenzt sind, bringt

das Land NRW die Asylsuchenden ergänzend

in sogenannten „Zentralen

Unterbringungseinrichtungen“ unter,

wie z.B. in der Via Stenden/Kerken. Die

Aufenthaltsdauer beträgt hier in der Regel

14 Tage, maximal jedoch 3 Monate.

Danach bestimmt die Bezirksregierung

einen Wohnort in einer Kommune im

Rahmen eines festgelegten Zuweisungsverfahrens.

Die Wohnsitznahme

in der zugewiesenen Kommune ist mindestens

für die Dauer des Asylverfahrens

verpflichtend.

Während das Land, bzw. anschließend

die Kommunen sich um die Unterbringung

und Versorgung der Asylbewerber

kümmern, bleibt das Bundesamt

für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für

die Prüfung des Asylantrags zuständig.

Im Normalfall sollte die persönliche Antragstellung

und Anhörung unverzüglich

nach der Äußerung des Asylgesuchs erfolgen.

Wie das Asylverfahren tatsächlich

abläuft, hängt nicht zuletzt von der

13


FLÜCHTLINGE IM ASYLVERFAHREN

Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge

ab. Angesichts zum Teil hoher Zugangszahlen

kommt es häufi ger vor, dass ein

Asylantrag beim BAMF erst nach dem

Transfer in die Kommunen gestellt werden

kann. Doch selbst wenn ein Asylantrag

gestellt werden konnte, müssen

viele Asylsuchende oft mehrere Monate

auf einen Anhörungstermin warten.

Die Anhörung, bzw. das „Interview“, von

dem die Flüchtlinge meist sprechen, beinhaltet

Fragen zu den Personalien, den

Fluchtgründen und dem Fluchtweg. Im

Rahmen der Anhörung ist es sehr wichtig,

dass der Flüchtling möglichst umfassend

und detailliert alle Umstände erläutert,

weshalb er aus dem Herkunftsland

fl iehen musste, ggf. nicht in einem Drittland

bleiben konnte, und weshalb keine

Rückkehrmöglichkeit besteht. Auch ist

es hilfreich, Zeugen oder Beweismittel

zu benennen. Das Interview wird mit

Hilfe von Dolmetschenden durchgeführt

und protokolliert, der Antragsteller (oder

der von ihm beauftragte Rechtsanwalt)

erhält später eine Kopie des Interviews.

Es ist möglich, dass der Rechtsanwalt

oder eine andere Vertrauensperson bei

der Anhörung zugegen ist. Bezüglich

der Vertrauensperson entscheidet aber

letztendlich der anhörende Beamte. Auf

eine persönliche Anhörung wird nur bei

DIE ANHÖRUNG

DIE ANHÖRUNG, BZW.

DAS „INTERVIEW“, VON

DEM DIE FLÜCHTLINGE

MEIST SPRECHEN,

BEINHALTET FRAGEN ZU

DEN PERSONALIEN, DEN

FLUCHTGRÜNDEN UND

DEM FLUCHTWEG.

Personen unter 16 Jahren verzichtet.

Antragsteller aus Syrien oder Eritrea,

die eine hohe Anerkennungschance

besitzen, haben aktuell die Möglichkeit,

lediglich einen schriftlichen Kurzfragebogen

auszufüllen, um das Verfahren zu

beschleunigen.

Nach Registrierung des Asylantrags erhält

der Flüchtling dann seine „Aufent-

14


FLÜCHTLINGE IM ASYLVERFAHREN

haltsgestattung“ als vorübergehendes

Ausweisdokument.

Die Bearbeitungszeiten, innerhalb derer

eine Entscheidung im Asylverfahren getroffen

wird, sind schwankend. Mitunter

wird noch am gleichen Tag ein Bescheid

erteilt (meist negativ). Vielfach müssen

sich die Asylsuchenden aber auf Wartezeiten

von 3-6 Monaten einstellen, nicht

selten sogar 1 Jahr und länger.

Sofern das Verfahren positiv verlaufen

ist, enthält der Bescheid die Feststellung

einer „Anerkennung“ (z.B. weil

aufgrund politischer Überzeugungen

Verfolgungsmaßnahmen drohen oder

ein Abschiebungsverbot wegen der Gefahr

von Folter oder Todesstrafe oder einer

anderen erheblichen Gefährdung für

das Leben des Betroffenen ausgesprochen

wird). Wenn die Rechtskraft des

15


FLÜCHTLINGE IM ASYLVERFAHREN

Bescheides eingetreten ist, wendet sich

der Flüchtling in diesen Fällen wegen

Ausstellung der Aufenthaltserlaubnis

an seine zuständige Ausländerbehörde

(hier: Kreis Kleve). Wenn der Asylvortrag

aus diversen Gründen nicht überzeugt

hat oder bereits in einem anderen

europäischen Land ein Asylverfahren

eingeleitet wurde, wird der Asylantrag

abgelehnt. Hierfür gibt es mehrere Varianten:

Eine Ablehnung als „offensichtlich

unbegründet“, als „unbegründet“

oder als „unbeachtlich“. In jedem dieser

Fälle sollte umgehend eine Beratungsstelle

oder ein sachkundiger Rechtsanwalt

aufgesucht werden, um Fristen für

eine Klage und einen gegebenenfalls

erforderlichen „Antrag auf aufschiebende

Wirkung der Klage“ (Eilantrag) zu

wahren. Das Klageverfahren gegen die

Ablehnung des Asylantrages wird beim

zuständigen Verwaltungsgericht durchgeführt

(hier: VG Düsseldorf).

Das Asylverfahren kann unter Umständen

mehrere Jahre andauern, je nachdem

welche juristischen Schritte eingeleitet

werden und wie lange sich die

Bearbeitungszeiten beim BAMF und

den Gerichten erstrecken.

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Das Asylverfahren, schon die erste

Anhörung, ist für den Flüchtling von

entscheidender Bedeutung. Es ist

unbedingt ratsam, dass der Flüchtling

vor dem Anhörungstermin eine

Flüchtlingsberatungsstelle oder

einen auf Asylrecht spezialisierten

Rechtsanwalt aufsucht, um sich

vorher beraten und möglichst keine

wichtigen Details auszulassen. Da

die Interviews schon mal „zweigeteilt“

zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden

(erster Termin primär Fragen zum

Fluchtweg, zweiter Termin für weitere

Fragen zur Begründung des Asylantrags)

ist es möglich, dass Sie als Ehrenamtlicher

diesen Hinweis noch geben

können. Zum Asylverfahren gibt

es Informationsblätter in verschiedenen

Sprachen, die eine erste Orientierung

bieten (siehe www.asyl.net).

Sehr wichtig und ernst zu nehmen

sind auch alle Fristen, die genannt

werden. Der Flüchtling selbst muss

alle amtlichen Papiere im Rahmen des

Verfahrens schnell verstehen können,

um für termingerechte Erwiderungen,

Anträge und begründete Klagen sorgen

zu können. Die Zustellung der

Post muss sichergestellt sein.

16


WOHNSITUATION VON FLÜCHTLINGEN IM KREIS KLEVE

WOHNSITUATION VON FLÜCHTLINGEN

IM KREIS KLEVE

Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen

sind dazu verpflichtet, die ihnen nach

Berechnung des „Königsteiner Schlüssel“

zugewiesenen Flüchtlinge aufzunehmen

und mit Wohnraum zu versorgen.

Nach dem Asylverfahrensgesetz

sollen Asylbewerber und Geduldete

in der Regel in Gemeinschaftsunterkünften

untergebracht werden. Hierbei

sind sowohl das öffentliche Interesse

als auch Belange des Ausländers zu

berücksichtigen. Die Unterbringung erfolgt

letztendlich nach näherer Maßgabe

der Kommune. Die Anmietung von

Privatwohnungen ist demnach ebenso

erlaubt.

Im Kreis Kleve machen immer mehr

Kommunen davon Gebrauch, Flüchtlinge

auf kleinere, dezentrale Wohneinheiten

zu verteilen, bzw. privaten Wohnraum

anzumieten. Dennoch bestehen vieler-

17


WOHNSITUATION VON FLÜCHTLINGEN IM KREIS KLEVE

orts noch Gemeinschaftsunterkünfte

mit einer Belegungskapazität zwischen

50 und 100 Plätzen, in wenigen Fällen

auch mehr. Die Lage der Unterkünfte

(zentral oder am Ortsrand gelegen), der

bauliche Zustand und die Ausstattung

divergieren sehr stark. In vielen Einrichtungen

werden Küchen und Sanitärräume

von mehreren Personen gemeinsam

genutzt. Abgeschlossene Wohneinheiten

sind eher die Ausnahme. Für einen

Großteil der Flüchtlinge gilt, dass sie in

beengten räumlichen Verhältnissen le-

ben müssen und wenige Rückzugsmöglichkeiten

haben.

Besonders für traumatisierte Flüchtlinge

oder Menschen, die an anderen körperlichen

und/oder psychischen Erkrankungen

oder Behinderungen leiden,

stellt diese Form der Unterbringung eine

zusätzliche Belastung dar. Daher sollten

diese schutzbedürftigen Personen, aber

auch allein reisende Frauen und Familien

nach Möglichkeit in Privatwohnungen

untergebracht werden.

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Wie in Ihrer Kommune die Wohnraumversorgung

geregelt ist,

können Sie über die Kommunalverwaltung

oder die Flüchtlingsberatungsstelle

in Erfahrung

bringen.

Für ehrenamtliches Engagement

bietet die Wohnsituation der

Flüchtlinge einige Anknüpfungspunkte:

Hilfestellung bei der

Wohnungssuche ist sehr gefragt.

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DAS ASYLBEWERBERLEISTUNGSGESETZ

SPEZIELLES SOZIALRECHT FÜR FLÜCHTLINGE:

DAS ASYLBEWERBERLEISTUNGSGESETZ

Flüchtlinge, die einen Asylantrag gestellt

oder eine Duldung erhalten haben und

bedürftig sind, erhalten Sozialleistungen

nach dem „Asylbewerberleistungsgesetz“

(AsylbLG). Bei einer Unterbringung

in einer Erstaufnahmeeinrichtung

wird der notwendige Bedarf an Ernährung,

Unterkunft, Heizung, Kleidung,

Gesundheitspflege und Gebrauchsund

Verbrauchsgütern des Haushalts in

Form von Sachleistungen gedeckt. Zusätzlich

wird ein Taschengeld als Barbetrag

ausgezahlt. Sobald die Asylsuchenden

aber einer Kommune zugewiesen

worden sind, d.h. spätestens nach drei

Monaten, müssen vorrangig Geldleistungen

gewährt werden. Nur in begründeten

Einzelfällen dürfen Kommunen

eine Versorgung durch Sachleistungen

sicherstellen.

In der Vergangenheit mussten Asylbewerber

und Geduldete weitreichende

Leistungseinschränkungen hinnehmen.

Das Bundesverfassungsgericht hat in

seinem Urteil von 2012 jedoch festgestellt,

dass auch Asylbewerber unabhängig

von migrationspolitischen Erwägungen

einen Anspruch auf Leistungen zur

Sicherung des soziokulturellen Existenzminimums

haben, die eine Teilhabe am

gesellschaftlichen Leben ermöglichen.

Seit dem 01.März 2015 gelten folgende Regelsätze nach §3 AsylbLG:

Alleinstehende /

alleinerziehende

Erwachsene

Ehe- bzw.

Lebenspartner

Haushaltsangehörige

Erwachsene

Kinder von

Beginn 15.

bis Vollendung

18. Lebensjahr

Kinder von

Beginn 7. bis

Vollendung 14.

Lebensjahres

Kinder bis

zur Vollendung

des 6. Lebensjahres

GRUND-

LEISTUNGEN

216 €

194 €

174 €

198 €

157 €

133 €

BARBETRAG

143 €

129 €

113 €

85 €

92 €

84 €

GESAMT

359 €

323 €

287 €

283 €

249 €

217 €

19


DAS ASYLBEWERBERLEISTUNGSGESETZ

Die Regelsätze liegen unterhalb der Bedarfssätze

nach dem SGB II (Hartz-IV).

Zusätzlich werden bei einer Unterbringung

in einer Gemeinschaftsunterkunft

anteilige Stromkosten von den Leistungen

einbehalten.

Das Asylbewerberleistungsgesetz sieht

weitere Einschränkungen im Bereich

der gesundheitlichen Versorgung vor.

Leistungsbezieher nach dem AsylbLG

haben keinen Anspruch auf Mitgliedschaft

in einer Krankenkasse. Kostenträger

ist das Sozialamt, das über die

Übernahme von Gesundheitsleistungen

zu entscheiden hat und hierfür entsprechende

Krankenscheine ausstellt. In

der Regel werden nur die Kosten für die

Behandlung akuter Erkrankungen und

Schmerzzustände übernommen. Die

Kosten für die Behandlung von chronischen

Erkrankungen oder solchen, die

unter Umständen „aufschiebbar“ sind,

müssen gesondert beantragt werden.

Das ist vielfach ein langwieriger Prozess:

Einem Antrag auf Kostenübernahme

beim Sozialamt, abgesichert

durch ärztliche Atteste und Gutachten,

folgt die Einschaltung des zuständigen

Gesundheitsamtes zur Beurteilung der

„Notwendigkeit“. Besonders schwierig

sind die Versorgung mit Sehhilfen, Zahnersatz

und die Behandlung psychosomatischer

Erkrankungen.

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Es bleibt abzuwarten, ob der Gesetzgeber

Neuregelungen zur gesundheitlichen

Versorgung der Asylbewerber

einführen wird. Um Flüchtlingen

einen besseren Zugang zu Gesundheitsleistungen

zu ermöglichen und

Bürokratie in den Sozialämtern abzubauen,

sollen die Kommunen Gesundheitskarten

einführen dürfen.

Näheres ist bislang jedoch noch

nicht bestimmt. Nach 15 Monaten

des Aufenthalts erhalten Flüchtlinge

mit Duldung oder Aufenthaltsgestattung

Leistungen analog des SGB XII.

Sie bekommen dann höhere Geldbeträge

und außerdem eine Krankenversichertenkarte.

Flüchtlinge,

die anerkannt worden sind und eine

entsprechende Aufenthaltserlaubnis

besitzen, erhalten in der Regel ganz

normal Leistungen nach dem SGB

II und werden durch das Jobcenter

betreut. Trotzdem bestehen in vielen

Bereichen der Sozialgesetzgebung

noch Sonderregelungen für Flüchtlinge

und andere Ausländer. Inwieweit

z.B. Leistungen der Behindertenhilfe,

BaFöG oder auch die Ausstellung

eines Wohnberechtigungsscheins

beantragt werden können, klären Sie

am Besten mit den entsprechenden

Fachleuten vor Ort.

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SPEZIELLE GESUNDHEITLICHE BELASTUNGEN: TRAUMATISIERTE FLÜCHTLINGE

SPEZIELLE GESUNDHEITLICHE BELASTUNGEN:

TRAUMATISIERTE FLÜCHTLINGE

Flüchtlinge haben häufig seelische und

körperliche Wunden auf Grund von

Menschenrechtsverletzungen, Kriegserlebnissen,

Flucht- und Vertreibungserfahrungen

erlitten. Die Schätzung

ist, dass weltweit rund ein Drittel aller

Flüchtlinge an einer „post-traumatischen

Belastungsstörung“ (PTBS) leiden.

Unter einem „Trauma“ versteht man

die Verletzung der Seele durch ein

tragisches, erschütterndes, stark belastendes

Erlebnis, das außerhalb der

üblichen menschlichen Erfahrung liegt.

Kennzeichnend für eine traumatische Situation

ist das Erleben von Bedrohung,

Ausgeliefertsein, Entsetzen, Hilflosigkeit

sowie Todesangst. Durch ein Trauma

werden vier existentiell wichtige, psychische

Grundannahmen über das Selbst

und die Welt erschüttert:

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SPEZIELLE GESUNDHEITLICHE BELASTUNGEN: TRAUMATISIERTE FLÜCHTLINGE

• Der Glaube an die eigene persönliche

Unverletzbarkeit

• Die eigene Sichtweise über das

Selbst als etwas Positives

• Der Glaube an die Welt als einen

Ort, der sinnvoll und im Wesentlichen

geordnet funktioniert

• Das Vertrauen, dass die Menschen

im Grunde gut, verlässlich und

vorhersehbar sind

Die Symptome werden häufig erst sehr

spät erkannt und richtig zugeordnet.

Folgende Symptome können jedenfalls

Hinweise für psychische Beeinträchtigungen

und Erkrankungen sein:

• Ständige Gedanken und Rückerinnerungen

an das traumatische Erlebnis

• Rückblenden in das traumatische

Geschehen, „also ob es jetzt passiert“

• Massive Versuche, das traumatische

Erlebnis zu ignorieren, nicht darüber

zu reden oder daran zu denken

• Gefühle emotionaler Betäubung

• Andauernde Schlafstörungen

• Albträume, insbesondere vom

traumatischen Geschehen

• Grübelneigung / Grübelzwang

• Nervosität/ Reizbarkeit/ Neigung zu

aggressiven Verhaltensweisen

• Ängste

• Schreckhaftigkeit

• niedergedrückte Stimmung,

häufiges Weinen

• Gedächtnis- und Erinnerungsstörungen

• Konzentrationsstörungen,

Entscheidungsschwierigkeiten

• Interesse- und Lustlosigkeit

• Verändertes Selbsterleben, niedriges

Selbstwertgefühl

• Gefühle der Isolation

• Misstrauen

• Angst, verrückt zu sein oder verrückt

zu werden

• Schuld- und Schamgefühle

• Suizidgedanken, Gefühle von

Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit,

Sinnlosigkeit

• Vielfältige körperliche Beschwerden

(oft verbunden mit chronischen

Schmerzen)

Flüchtlinge, die unter diesen Symptomen

leiden, haben manchmal Schwierigkeiten,

sich neu zu orientieren, ihr

Leben aktiv zu bewältigen und Herausforderungen

durchzuhalten. Dies kann

sich auch in vielerlei Hinsicht auswirken.

Sie zweifeln z.B. an sich selbst oder ihren

Fähigkeiten und sind deshalb mutlos,

etwas Neues zu beginnen.

Manchmal fällt es dem Flüchtling nicht

leicht, um Hilfe nachzusuchen. Oder

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SPEZIELLE GESUNDHEITLICHE BELASTUNGEN: TRAUMATISIERTE FLÜCHTLINGE

RE-TRAUMATISIERUNG

DIE LANGJÄHRIGE LEBENSSITUATION ALS ASYL-

BEWERBER/IN ODER GEDULDETER FLÜCHTLING

IST STARK BELASTEND UND FÜHRT IN EINZELNEN

FÄLLEN ZU DEM GEFÜHL, WIEDER DER GLEICHEN

HILFLOSIGKEIT UND REPRESSION AUSGESETZT

ZU SEIN.

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SPEZIELLE GESUNDHEITLICHE BELASTUNGEN: TRAUMATISIERTE FLÜCHTLINGE

er/sie fordert massiv ein, dass Sie ihm

vielleicht vieles abnehmen, was er doch

teilweise selbst leisten kann. Einige

Flüchtlinge kontaktieren auf Grund ihres

Misstrauens und/oder ihrer Unsicherheit

gleich mehrere Berater (erhalten leider

auch oft unterschiedliche Auskünfte)

und wissen dann nicht mehr, woran sie

sich orientieren sollen.

Auch die langjährige Lebenssituation als

Asylbewerber/in oder geduldeter Flüchtling

ist stark belastend und führt in Einzelfällen

sogar zu „Re-Traumatisierungen“,

dem Gefühl, wieder der gleichen

Hilflosigkeit und Repression ausgesetzt

zu sein. Ängste eventuell doch in das

Heimatland zurück zu müssen, können

viel Energie blockieren und den Lebensmut

einschränken. Symptome treten gelegentlich

recht plötzlich auf, manchmal

verstärken sie sich langsam über einen

längeren Zeitraum. Die Symptomatik

kann in ihrer Ausdrucksform kulturell geprägt

sein. Kinder haben teilweise eine

andere Symptomatik als Erwachsene.

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Bei Flüchtlingen werden häufig

folgende Erkrankungen in unterschiedlicher

Schwere diagnostiziert:

• Posttraumatische

Belastungsstörungen

• Depressionen oder

Angststörungen

• Psychosomatische Beschwerden

Die Erfahrungen können auch Asylverfahren

sehr beeinflussen, wenn Betroffene

nicht in der Lage sind über die

schrecklichen Erlebnisse zu sprechen

oder nach den Erfahrungen im Heimatland

Ängste bestehen, mit einem Beamten

zu sprechen, und deshalb viele

wichtige Aspekte verschweigen. Oft wird

dann später eine psychologisch-fachliche

Begutachtung zur gesundheitlichen

Situation des Betroffenen erforderlich.

Einige Flüchtlinge leiden schon seit

Jahren an Beschwerden, die wegen

eingeschränkter Krankenhilfeleistungen,

sprachlichen Problemen, isolierter

Unterbringung häufig nicht einer ausreichenden

Behandlung zugeführt wurden.

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SPEZIELLE GESUNDHEITLICHE BELASTUNGEN: TRAUMATISIERTE FLÜCHTLINGE

Folter- und Kriegserfahrungen,

aber auch langjährige Unterdrückungen

und Diskriminierungen als

Gruppe sind hier besonders massiv

Auslöser.

In diesen Fällen braucht es oft fachlichen

Rat, um Betroffenen weiter zu

helfen. Es werden Psychologinnen

und Psychologen mit fundierten Zusatzausbildungen

gebraucht, die

in diesem Bereich besonders geschult

sind und Beratung, Therapie

und Begutachtung anbieten oder

vermitteln können. Gleichzeitig ist

Geduld gefragt. Hilfestellung bei

der Strukturierung von Tagesabläufen

und Orientierung in der neuen

Umgebung, Maßnahmen zur Entlastung

können hilfreich sein und

leichte Beschwerden auch deutlich

lindern.

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DER „ZUGANG“ ZUM ARBEITSMARKT

DER „ZUGANG“ ZUM ARBEITSMARKT

Flüchtlinge, die neu in das Bundesgebiet

eingereist und noch nicht im Besitz

einer Aufenthaltserlaubnis sind, haben

zunächst für drei Monate ein grundsätzliches

Arbeitsverbot. Nach dieser

Frist besteht für Asylsuchende und Geduldete

ein sogenannter nachrangiger

Arbeitsmarktzugang, der für fünfzehn

Monate ab Einreise gilt. Dies bedeutet,

dass für eine konkrete Tätigkeit bei

einem bestimmten Arbeitgeber – vor

Abschluss eines Arbeitsvertrags - eine

Beschäftigungserlaubnis bei der zuständigen

Ausländerbehörde beantragt

werden muss. Die Ausländerbehörde

prüft dann in Zusammenarbeit mit der

Bundesagentur für Arbeit, ob die Beschäftigungserlaubnis

im konkreten Einzelfall

erteilt wird.

In der Regel wird die Erteilung abgelehnt,

wenn die Bundesagentur für Arbeit

zum Ergebnis kommt, dass die

Arbeitsbedingungen nicht hinreichend

sind (z.B. zu geringe Entlohnung im

Vergleich zum ortsüblichen Lohnniveau

für vergleichbare Tätigkeiten) und/oder

für die konkrete Tätigkeit genügend so

genannte ‚bevorrechtigte‘ Personen zur

Verfügung stehen (Vorrangprüfung),

also Deutsche, EU-BürgerInnen oder

andere Personen mit einem besseren

Aufenthaltsstatus. Aus diesem Grund ist

es sehr schwierig, mit einem nachrangigen

Arbeitsmarktzugang eine Beschäftigungserlaubnis

zu erhalten. In einigen

Fällen bieten Helfertätigkeiten im Gartenbau

oder der Landwirtschaft eine Beschäftigungsmöglichkeit.

Die Beschäftigung

bei Zeit- und Leiharbeitsfirmen ist

grundsätzlich ausgeschlossen.

Ausnahmen von der Vorrangprüfung

gibt es bei Praktika, der schulischen

oder betrieblichen Berufsausbildung,

für Hochqualifizierte oder bei Ausübung

einer Tätigkeit, die eine anerkannte Berufsausbildung

voraussetzt. Die hierfür

erforderlichen Stellenvoraussetzungen

sind jedoch nicht immer leicht zu erbringen.

Vielfach stößt die Anerkennung von

Schul- und Berufsabschlüssen auf hohe

Hürden. Dennoch kann es sich lohnen,

mit Hilfe entsprechender Beratungsstellen

auf eine mögliche Berufsanerkennung

bzw. berufliche Weiterqualifizierung

hinzuwirken.

In jedem Fall muss eine Beschäftigungserlaubnis

durch die Ausländerbehörde

eingeholt werden. Dieser obliegt es

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DER „ZUGANG“ ZUM ARBEITSMARKT

VORRANGPRÜFUNG

MIT EINEM NACHRANGIGEN

ARBEITSMARKTZUGANG EINE

BESCHÄFTIGUNGSERLAUBNIS

ZU ERHALTEN, IST SEHR

SCHWIERIG. DEUTSCHE,

EU-BÜRGERINNEN ODER

ANDERE PERSONEN MIT EINEM

BESSEREN AUFENTHALTSSTATUS

WERDEN BEVORRECHTIGT.

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DER „ZUGANG“ ZUM ARBEITSMARKT

nämlich zu prüfen, ob ggf. andere aufenthaltsrechtliche

Gründe gegen die

Erteilung einer Arbeitserlaubnis sprechen.

Selbst nach 15 Monaten Aufenthalt

kann die Ausländerbehörde das

Beschäftigungsverbot bei Geduldeten,

z.B. wegen mangelnder Mitwirkung bei

der Passbeschaffung, aufrecht erhalten.

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Bei der Unterstützung nach einem

Arbeitsplatz/einer Ausbildungsstelle

oder bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen

und der Vorbereitung

auf Vorstellungsgespräche ist

Ihre Hilfe sehr gefragt.

Meistens lässt sich an der Formulierung

im Ausweisdokument erkennen,

ob eine Arbeitsmöglichkeit gegeben

ist. Auf politischer Ebene finden derzeit

verschiedene Diskussionen über

einen erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt

sowie über die Ausweitung

von Qualifizierungsangeboten

für Flüchtlinge statt. Nähere Anfragen

zu Beschäftigungsmöglichkeiten und

Antragsverfahren beantworten Ihnen

gerne auch die Beratungsstellen in

Ihrer Nähe.

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SPRACHFÖRDERUNG FÜR FLÜCHTLINGE

SPRACHFÖRDERUNG FÜR FLÜCHTLINGE

Flüchtlinge, die neu in das Bundesgebiet

eingereist sind und eine Aufenthaltsgestattung

im Rahmen des Asylverfahrens

oder eine Duldung besitzen, haben zunächst

keinen Zugang zu einer staatlich

geförderten Sprachförderung. Inwieweit

sich diese integrationshindernde Regelungen

alsbald ändern werden, bleibt

abzuwarten.

Da Flüchtlinge in der Regel kein Geld

zur Finanzierung privater Sprachkurse

haben, sind gerade in den ersten Monaten

Caritas und andere freie Träger sowie

Ehrenamtliche und Pfarrgemeinden

gefragt, kostenlose Angebote zum Erlernen

der deutschen Sprache sowie zur

Alphabetisierung zu organisieren und

anzubieten! Das ist sehr wichtig, damit

Flüchtlinge sich so rasch wie möglich in

ihrer neuen Umgebung zu Recht finden

können. Gerade zu Beginn ihres Aufenthaltes

in Deutschland sind sie meistens

hoch motiviert, die Sprache zu erlernen.

Der Bedarf an Sprachförderung ist überall

sehr hoch.

werden. Je nachdem, welcher Aufenthaltstitel

nach welcher Norm erteilt

wurde, gibt es entweder einen Teilnahmeanspruch

oder es liegt im Ermessen

des Jobcenters oder des BAMF trotz

fehlenden Anspruchs die Teilnahme zuzulassen.

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Die zuständigen Beratungsstellen

der Caritas, der Internationale Bund

oder die Volkshochschulen beraten

gerne über die Sprachfördermöglichkeiten

vor Ort.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie sich

zutrauen, im Einzelfall oder für eine

Gruppe Sprachunterricht zu erteilen.

Gerne Unterstützen wir Sie, wenn Sie

einen Sprachkurs organisieren wollen

oder eine Bildungspatenschaft

übernehmen wollen mit Rat und Tat!

Sobald sich der Aufenthalt durch Erteilung

einer Aufenthaltserlaubnis verfestigt

hat, kann die Zulassung zu einem

staatlichen Integrationskurs beantragt

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SCHULE UND AUSBILDUNG FÜR KINDER UND JUGENDLICHE FLÜCHTLINGE

SCHULE UND AUSBILDUNG FÜR KINDER

UND JUGENDLICHE FLÜCHTLINGE

Auch Flüchtlingskinder mit perspektivisch

unsicherem Aufenthaltsstatus

(Aufenthaltsgestattung, Duldung, ohne

Papiere) haben in Deutschland ein

Recht, in die Schule zu gehen. Wie für

alle anderen Kinder besteht in Nordrhein-Westfalen

Schulpflicht.

Kinder und Jugendliche bzw. junge heranwachsende

Flüchtlinge können und

sollen den schulischen Einstieg finden.

Die Schulpflicht besteht für Kinder im Alter

von 6 Jahren bis 16 Jahren. Dennoch

ist darauf zu achten, dass der Verpflichtung

auch Folge geleistet werden kann.

Auf Grund der hohen Informationsbedarfe

ist die Begleitung durch den schulischen

Alltag für die meisten Eltern und

Kinder in der Anfangsphase jederzeit

hilfreich und sinnvoll.

Der Übergang für jugendliche Flüchtlinge

von der Schule in den Beruf ist oft

sehr „holprig“, hier muss viel Motivationsarbeit

– gegenüber Jugendlichen

und Ausbildungsstätten - geleistet werden.

Es lohnt sich!

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

In den einzelnen Kommunen und

Schulen sind die Sprachförderangebote

für Kinder und Jugendliche

unterschiedlich geregelt. Es gibt z.T.

Seiteneinsteigerklassen, stundenweise

Deutsch-Förderunterricht oder

zusätzliche Angebote im Nachmittagsbereich.

Sicher sind die Unterstützungsbedarfe

weitaus höher.

Auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien

haben die Möglichkeit, sich beim

Offenen Ganztag anzumelden. Daneben

kann es hilfreich sein, sogenannte

Bildungspatenschaften

einzurichten. Wenn Sie Lust und Interesse

haben, Kinder und Jugendliche

bei der Sprachförderung zu

unterstützen, melden Sie sich bei

den Freiwilligenzentren in Kleve oder

Geldern oder sprechen Sie die Beratungsstellen

und Schulen vor Ort

direkt an.

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SCHULE UND AUSBILDUNG FÜR KINDER UND JUGENDLICHE FLÜCHTLINGE

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FREIZEITGESTALTUNG FÜR FLÜCHTLINGE

FREIZEITGESTALTUNG FÜR FLÜCHTLINGE –

JEDERZEIT SIND ANGEBOTE WILLKOMMEN!

Flüchtlingskinder haben in ihren oft sehr

engen Unterkünften fast keinen Raum

zum Spielen, wenig Raum für Bewegung.

Engagement und eine Angebotsstruktur

für zusätzliche und ergänzende

Spiel- und Sprachförderung für Kinder

und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien

können Abhilfe schaffen und das Einleben

in die hiesige Bildungsgesellschaft

und Umgebung weiter erleichtern.

Dabei gibt es so viele Möglichkeiten.

• die Kooperation mit einem

Sportverein in der Nähe

• Angebote der Hausaufgabenhilfe

• Spielkreise

• Kunstaktionen

• die Einladung in Jugendzentren

• die Teilnahme von Flüchtlingskindern

an Ausflügen, Ferien- und Freizeitaktivitäten

Die Eintrittspreise sind für Flüchtlingskinder

und ihre Familien teilweise ermäßigt

oder gar kostenlos, wenn ein Sozialleistungsbescheid

vorgelegt wird. Auch die

finanzielle Förderung von sportlichen

Aktivitäten, Nachhilfe oder Teilnahme

an Ferienmaßnahmen ist teilweise durch

das „Bildungs- und Teilhabepaket“ für

sozial benachteiligte Kinder über das

Sozialamt förderfähig. Natürlich müssen

auch hierfür wieder die erforderlichen

Anträge gestellt werden!

Aber auch erwachsene Flüchtlinge freuen

sich, wenn sie dem Alltag im Wohnheim

entkommen und sich an Aktivitäten

beteiligen können:

Frauen wie Männer haben beispielsweise

vielleicht Spaß an gemeinsamen

Handarbeiten, kreativen und handwerklichen

Tätigkeiten oder Gesprächen. Als

Neuankömmlinge entdecken sie auch

gerne mehr von der Umgebung und

den neuen Kulturen. Oft sind Flüchtlinge

hoch motiviert, ihre Sprachkenntnisse

in Gesprächskreisen, Sport- und Hobbygruppen

erweitern zu können oder

Arbeitsstätten in Deutschland kennen

zu lernen. Die Freude an sportlichem

und kulturellem Engagement wird gern

geteilt. Interkulturelle Begegnungen und

Kontaktaufnahme zu „Einheimischen“

sind dabei hilfreich.

Hinweis: Bei Ausflügen und Einladungen

zu Ferienfreizeiten ins Ausland ist im

Auge zu behalten, dass ggf. mit der Aus-

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FREIZEITGESTALTUNG FÜR FLÜCHTLINGE

länderbehörde wegen der Erlaubnis, sich

vorübergehend im Ausland aufzuhalten,

verhandelt werden muss. Im Einzelfall

ist – je nach Herkunft des Flüchtlings –

auch ein Visum für die Einreise in das

europäische Nachbarland erforderlich.

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Angebote zur Sprachförderung von

Erwachsenen und Kindern, Spielund

Freizeitgruppen in der Unterkunft

oder unmittelbarer Nähe sind hilfreich.

Aber auch das Kennenlernen des

Niederrheins, z.B. durch Organisation

von Ausflügen und Stadtbesuchen ist

für die betroffenen Flüchtlinge oft ein

„Highlight“. Ob Sie sich für die Unterstützung

eines einzelnen Menschen

oder einer Gruppe entscheiden: Sie

werden gebraucht. Es gibt viel zu tun.

Aber Sie müssen nichts allein machen.

Wir sorgen gern für Kooperationspartner

und –partnerinnen und

helfen auch bei der Beantragung erforderlicher

Mittel... Übrigens lassen

sich Flüchtlinge selbst auch gern zur

Organisation von Aktivitäten ansprechen

und einbeziehen.

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WEITERE ANREGUNGEN

WEITERE ANREGUNGEN

FÜR SIE ALS

EHRENAMTLICHE

Interkulturelle Kompetenz ist gefragt –

aber was ist das?

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Im Flüchtlingsbereich ist Kommunikationsfähigkeit

durch Mehrsprachigkeit,

gegebenenfalls auch nonverbal durch

„Einsatz von Händen und Füßen“ gefordert.

Es gibt aber noch mehr, was Ihre

Sprach- und Kommunikationsfähigkeit

mit Menschen unterschiedlichster Kulturen

und Religionen bereichern kann...

„Interkulturelle Kompetenz“ verstehen

wir als Fähigkeit, zwischen Menschen

unterschiedlicher Kulturen eine Beziehung

aufzubauen und Verständnis zu

ermöglichen, Menschen mit vielfältigen

Erfahrungen anzusprechen, zu erreichen

und einzubeziehen.

Keine Sorge, Sie müssen bei uns

keine Prüfung in „Interkultureller

Kompetenz“ ablegen! Wir alle lernen

im Alltag - im gemeinsamen

Umgang - mit- und voneinander.

Wenn Sie sich aber noch besser

vorbereiten oder näher mit dem

Thema befassen möchten: Der

Fachdienst für Integration und Migration

der Caritas bietet immer wieder

interkulturelle Trainings – auch

für Ehrenamtliche - an.

Interkulturelle Kompetenz ist mehr als

Sprache – es ist Wissen!

Wir alle kennen in unseren eigenen Bezügen

schon unterschiedliche kulturelle

Hintergründe, wie Unterschiede in den

Sprachformulierungen und Werten bei

Akademikern und Arbeitern, oder bei

Seniorinnen im Unterschied zu Jugendlichen.

• Wissen um eigene Werte

• Wissen um eigene Vorannahmen/

Vorurteile

• Wissen um unterschiedliche Werte

• Systemisches Wissen

• (Familien-)Geschichtliches Wissen

• Gesellschaftspolitisches Wissen

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WEITERE ANREGUNGEN

Interkulturelle Kompetenz verlangt auch

Haltung, zum Beispiel

• Respekt

• die Anerkennung von kultureller

Vielfalt als Normalität

• Gelassenheit

Persönlichkeit, bzw. persönliche Kompetenzen,

die den Zugang zu anderen

Menschen erleichtern:

• Einfühlungsvermögen

• Offenheit (Neugier)

• Fähigkeit zur Selbstreflexion,

Unsicherheit und Missverständnisse

auszuhalten

• Flexibilität in den Umgangsformen

und in der Ausdrucksfähigkeit

• Fähigkeit zur Abgrenzung

• Lernfähigkeit

• nicht zuletzt Humor

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WO GIBT ES WEITERE INFORMATIONEN?

DIE SITUATION IN HERKUNFTSLÄNDERN UND VOR ORT:

WO GIBT ES WEITERE INFORMATIONEN?

Im Umgang mit Flüchtlingen kann es

hilfreich sein, mehr über das Herkunftsland

zu erfahren.

Wie wird die politische und wirtschaftliche

Situation eingeschätzt? Gibt es Minderheitenrechte

oder werden Minderheiten

unterdrückt und verfolgt? Wie ist die

gesellschaftliche Position von religiösen,

sozialen und kulturellen Gruppierungen?

Das kann dazu beitragen, die Situation

des Flüchtlings besser zu verstehen.

Manche ehrenamtlichen Helferinnen

und Helfer recherchieren zudem gerne

selbst, um Asylanträge besser zu verstehen,

vielleicht aber sogar zu „untermauern“

und Anwälten hilfreiche Tipps

geben zu können.

Folgende Organisationen Links im Internet

können für Sie hilfreich sein:

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten

Nationen (UNHCR) informiert regelmäßig

über Flüchtlingsentwicklungen

weltweit und ist auch für die rechtliche

Situation von Flüchtlingen in vielen Ländern

zuständig und ansprechbar:

www.unhcr.de

Der Informationsverbund Asyl stellt auf

seiner Homepage eine Reihe von Informationen,

Arbeitshilfen, das Asylmagazin,

Länderberichte und auch das

Informationsblatt zur Anhörung in verschiedenen

Sprachen zur Verfügung:

www.asyl.net

Pro Asyl ist eine unabhängige Organisation,

die zur Flüchtlingssituation der EU

und in Deutschland informiert, regelmäßig

Kampagnen durchführt, und auch

Hintergrundinformationen zur Verfügung

stellt: www.pro-asyl.de

Der Flüchtlingsrat Nordrhein-Westfalen

e.V. ist ein offenes und unabhängiges

Netzwerk von Asylarbeitskreisen,

Flüchtlingsinitiativen und -räten, Selbstorganisationen

und Einzelpersonen. Er

engagiert sich für die Rechte von Flüchtlingen

und bietet auf seiner Homepage

und über seinen kostenlosen Newsletter

stets aktuelle Informationen, u.a. auch

zur Flüchtlingssituation in Nordrhein-

Westfalen: www.frnrw.de

Das Erzbistum Köln engagiert sich stark

für die Etablierung einer Willkommens-

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WO GIBT ES WEITERE INFORMATIONEN?

HINTERGRUNDWISSEN

EINE RECHERCHE ÜBER DAS

HERKUNFTSLAND KANN DAZU

BEITRAGEN, DIE SITUATION DES

FLÜCHTLINGS BESSER ZU

VERSTEHEN UND ASYLANTRÄGE

ZU UNTERMAUERN.

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WO GIBT ES WEITERE INFORMATIONEN?

kultur vor Ort. Auf einer eigens angelegten

Aktions-Homepage finden sich

zahlreiche Praxisbeispiele für eine erfolgreiche

Integration von Flüchtlingen

sowie wichtige Hintergrundinformationen:

www.aktion-neue-nachbarn.de

Amnesty International ist eine weltweit

agierende Menschenrechtsorganisation,

die regelmäßig Jahresberichte zur

Menschenrechtssituation in diversen

Ländern mit interessanten und hilfreichen

Hintergrundinformationen herausgibt:

www.amnesty.de

FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Sie können sich gern informieren,

und es gibt viel Material hierfür! Angesichts

von zahlreichen Neuentwicklungen

und Änderungen ist es

jedoch nicht immer leicht, den Überblick

zu behalten.

Bei Rückfragen und Unsicherheiten

stehen Ihnen die Beratungsstellen

vor Ort gerne als Ansprechpartner

zur Verfügung.

Caritas International – eine der vielen

Hilfsorganisationen – engagiert sich in

diversen Ländern und Flüchtlingslagern

und stellt teilweise auch Informationen

hierüber zur Verfügung:

www.caritas-international.de

Das Bundesamt für Migration und

Flüchtlinge informiert zur Flüchtlingssituation

in Deutschland und fördert auch

– mit Unterstützung aus EU-Fonds - einige

Projekte zur Unterstützung der rechtlichen

und sozialen Situation von Flüchtlingen

www.bamf.de

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„STOLPERSTEINE“ IM RAHMEN DES PERSÖNLICHEN ENGAGEMENTS

„STOLPERSTEINE“ IM RAHMEN DES

PERSÖNLICHEN ENGAGEMENTS

Flüchtlinge können Ihre Unterstützung

wirklich gebrauchen. Das ist sicher

deutlich geworden.

Haben Sie sich aber Gedanken darüber

gemacht, ob und warum Sie gerade

Flüchtlinge unterstützen möchten? Vorüberlegungen

zu Ihrer persönlichen Motivation,

zu Ihren Erwartungen, zu Ihren

zeitlichen Kapazitäten und Vorstellungen

in Hinblick auf die konkreten Aufgaben

sind hilfreich, um Enttäuschungen

und „Überlastungen“ vorzubeugen. Wir

stehen Ihnen auch dafür gern als AnsprechpartnerInnen

zur Verfügung.

Auch wenn Sie sich bereits engagieren,

und Sie statt Zufriedenheit eher Unbehagen

oder Verärgerung spüren, ist es

gut, der „Sache“ mal auf den Grund zu

gehen...

Eine der großen Herausforderungen

im ehrenamtlichen Engagement mit

Flüchtlingen sind sicher die „Sprachbarrieren“,

die aus unterschiedlichen

sprachlichen und schulischen Vorbildungen,

aber auch – wie im Kapitel „Interkulturelle

Kompetenz“ schon erwähnt

- aus unterschiedlichen Formen der

Kommunikation, manchmal auch aus

fehlendem Vertrauen, herrühren. Rechnen

Sie – schon allein deshalb - immer

damit, dass im Umgang mit Flüchtlingen

Geduld und Ausdauer gefragt sind. Es

ist auch sehr wahrscheinlich, dass Sie

Verhaltensweisen oder Gewohnheiten

antreffen, die Ihnen fremd sind oder als

„unangemessen“ erscheinen. Vielleicht

haben Sie schon ein klares Konzept vor

Augen, wie sich die Flüchtlinge hier integrieren

sollten und stellen fest, dass

ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Es

könnte sein, dass Ihre Ratschläge und

Hilfen nicht angenommen werden…

Dafür können viele Gründe verantwortlich

sein: Vielleicht ist der Zeitpunkt zu

früh, der Flüchtling hat andere Prioritäten.

Befindet er sich noch in einer

Schock- oder Trauerphase? Vielleicht

kommt er aus ganz anderen sozialen

Verhältnissen, fühlt sich überfordert

oder schämt sich gar, dass er Ihnen –

so empfindet er es vielleicht - nichts zurückgeben

kann.

Meistens empfiehlt es sich, nicht vorschnell

zu urteilen, sondern ein wenig

abzuwarten und eventuell zu einem

späteren Zeitpunkt auf das Thema oder

Anliegen zurückzukommen.

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„STOLPERSTEINE“ IM RAHMEN DES PERSÖNLICHEN ENGAGEMENTS

Gerade zu Beginn des Kontaktes ist

es ratsam, viel Zeit zum Kennenlernen

einzuplanen und Vertrauen aufzubauen.

Hören Sie zu und stellen Sie nur behutsam

Fragen (nicht „ausfragen“!) Für

die meisten Flüchtlinge sind die Signale,

dass jemand echtes Interesse zeigt

und sich zuwendet, zunächst vorrangig

– und oft auch neu. Sie benötigen

Zeit, um Ängste und Unsicherheiten

– oft auch angesichts schlechter Erfahrungen

– abzubauen. Es braucht auch

Zeit, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.

Verschlossenheit, Misstrauen,

zögerliche Reaktionen werden Ihnen

voraussichtlich, gerade im Kontakt mit

Verfolgten und Flüchtlingen mit schwer

traumatisierenden Erfahrungen, begegnen.

Es ist gut, wenn Sie diese Reaktionen

akzeptieren können und nicht als

persönliche Zurückweisung einordnen.

Sie haben schon gelesen, teilweise auch

in den Medien verfolgt, dass Sie im Kon-

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FÜR SIE WICHTIG ZU WISSEN:

Für den Aufbau von Beziehungen

braucht es oft auch Sympathie, um

gut miteinander umgehen zu können.

Es kann tatsächlich sein, dass

zwischen Ihnen und dem Flüchtling,

oder der Familie, um die Sie sich

zu kümmern vorgenommen haben,

einfach „die Chemie“ nicht stimmt.

Vielleicht passt der kulturelle Hintergrund

auch nicht… Dann überlegen

Sie lieber noch einmal – und

nehmen vielleicht in diesem Fall Abschied

und starten an anderer Stelle

neu!

takt mit Flüchtlingen mit vielschichtigen

Themen und existentiellen Nöten konfrontiert

werden können: Dramatische

Vorflucht- und Fluchterlebnisse, Verlust

von Familienangehörigen, psychische

und körperliche Erkrankungen, Armut,

Abschiebegefahr, ungünstige Wohnverhältnisse

und vieles mehr. Gerade,

wenn Flüchtlinge Vertrauen zu Ihnen

fassen, werden die Themen stärker auf

den Tisch kommen. Das kann auch bei

Ihnen zu Betroffenheit und Belastungen

führen - jedenfalls wäre das die ganz

normale Reaktion.

Die eigene „Psychohygiene“, der seelische

und vielleicht auch körperliche

Ausgleich ist also auch für Sie wichtig

und im Blick zu behalten. Scheuen Sie

sich nicht, sich mit Ansprechpartnerinnen

oder weiteren Ehrenamtlichen dazu

auszutauschen!

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BERATUNGSSTELLEN UND ANSPRECHPARTNER/INNEN


BERATUNGSSTELLEN UND ANSPRECHPARTNER/INNEN

FLÜCHTLINGSHILFE IM KREIS KLEVE

BERATUNGSSTELLEN UND ANSPRECHPARTNER/INNEN

Netzwerkkoordination

Flüchtlingshilfe Kreis Kleve

Gerrit Hermans

Caritasverband Geldern-Kevelaer e.V.

Südwall 52

47608 Geldern

Tel. 02831 / 9102-327

hermans@caritas-geldern.de

www.caritas-geldern.de

KLEVE

Caritasverband Kleve e.V.

Larissa Burschinski

Hoffmannallee 66a-68

47533 Kleve

Tel. 02821 / 7209-0

l.burschinski@caritas-kleve.de

Sprechstunde:

mittwochs 9.00-11.00 Uhr

und nach Vereinbarung

weitere Angebote: Deutschkurse

FlüchtlingsRat Kleve

Mechtild Bielenberg-Keller

Am Brücktor 2

47533 Kleve

Tel. 02821 / 13430

fluechtlingsrat-kleve@web.de

Haus der Begegnung –

Beth HaMifgash e.V.

Deutschkurse- und Freizeitangebote

www.hdb-kleve.de

BEDBURG-HAU

FlüchtlingsRat Kleve/

Ausländerinitiativkreis

Mechtild Bielenberg-Keller

Haus Nr. 9

Zur Mulde 7

47511 Bedburg-Hau

Sprechstunde:

mittwochs 18.00-20.00 Uhr

KALKAR

Caritasverband Kleve e.V.

Larissa Burschinski

Kirchplatz 3

47546 Kalkar

Tel. 02824 / 9615769

Sprechstunde:

dienstags 15.00-17.00 Uhr

donnerstags 9.00-11.00 Uhr

43


BERATUNGSSTELLEN UND ANSPRECHPARTNER/INNEN

REES

Fremde werden Freunde

(Flüchtlingsinitiative Rees)

Anne Wagner (Koordinatorin)

Geeststr. 10b

46459 Rees-Mehr

02857/9024177

weitere Angebote: Deutschkurse

Mobil: 0157 - 30 954 602

fwf.rees@gmail.com

www.willkommenskultur-niederrhein.de/

fremde-werden-freunde

Caritasverband Kleve e.V.

Kirchplatz 12

47459 Rees

Tel. 02851 / 7005

Sprechstunde:

dienstags 9.00-12.00 Uhr

donnerstags 9.00-12.00 Uhr

und nach Vereinbarung

GOCH

Arche Goch

Hilda Fielenbach

Arnold-Janssen-Str. 8

47574 Goch

Tel. 02823 / 9764434

Sprechstunde:

mittwochs 14.30-17.00 Uhr

Caritasverband Kleve e.V.

Caritas-Beratungsstelle Goch

Mühlenstr. 50-52

47574 Goch

Tel. 02823 / 928636-63

(nur während der Sprechstunde)

Sprechstunde:

mittwochs 9.00-11.00 Uhr

WEEZE

Weezer Wellenbrecher

Bahriye Altun (Integrationsbeauftragte)

Vittinghof-Schell-Park 2

47652 Weeze

Tel. 02837 / 7110

info@wellenbrecher-weeze.de

Caritas-Centrum Kevelaer-Weeze

Gudrun Blumenkemper

Marktstr.35

47623 Kevelaer

Tel. 02832 / 9259-324

blumenkemper@caritas-geldern.de

Sprechstunde:

dienstags 14.00-17.00 Uhr

donnerstags 10.00-12.00 Uhr

44


BERATUNGSSTELLEN UND ANSPRECHPARTNER/INNEN

KEVELAER

Caritas-Centrum Kevelaer/Weeze

Anne van Rennings/

Gudrun Blumenkemper

Marktstr.35

47623 Kevelaer

Tel. 02832 / 9259-300

anne.vanrennings@caritas-geldern.de

blumenkemper@caritas-geldern.de

Öffnungszeiten:

Mo.-Fr. 8.30-13.00 Uhr

Mo.-Do. 13.30-17 Uhr

mittwochvormittags: geschlossen

weitere Angebote: Deutschkurse

Öffnungszeiten:

Mo.-Do. 8.30-12.30 u. 13.00-17.00 Uhr

freitags 8.30-13.00 Uhr

mittwochvormittags: geschlossen

weitere Angebote: Deutschkurse

Internationaler Bund

Alfred Schmitz/Halis Biter

Glockengasse 18

47608 Geldern

Tel. 02831 / 1323908

alfred.schmitz@internationaler-bund.de

Angebote: Jugendmigrationsdienst

Integrations- und Sprachkurse

Runder Tisch Kevelaer

rtf-kevelaer@gmx.de

Deutschförderung, Einzelfallhilfe,

Sport- und Freizeitangebote

GELDERN

Caritas-Centrum Geldern

Gerrit Hermans/

Christiane Kemkes/

Hrowsith Kotters

Südwall 52

47608 Geldern

Tel. 02831 / 9102-300

hermans@caritas-geldern.de

STRAELEN

Caritas-Centrum Straelen-Wachtendonk

Bettina Urbanski

Marienstr. 61

47638 Straelen

Tel. 02834 / 9151-98

urbanski@caritas-geldern.de

Öffnungszeiten:

Mo.-Do. 8.30-12.30 u. 13.00-17.00 Uhr

freitags 8.30-13.00 Uhr

mittwochvormittags: geschlossen

weitere Angebote: Deutschkurse

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BERATUNGSSTELLEN UND ANSPRECHPARTNER/INNEN

Ökumenischer Arbeitskreis

Asyl Straelen

Robert Pauksztat

Mobil: 0175 633 35 98

info@asyl-straelen.de

www.asyl-straelen.jimdo.com

Angebote:

Deutschkurse/Café der Begegnung

Beratung: donnerstags, 15 – 17 Uhr

in den Räumen der ev. Kirche Straelen

Anmerkung:

Die vorliegende Kontaktliste erhebt

keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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