magie des augenblicks_final_auszug_korr

magiedesaugenblicks

Magie des

Augenblicks

A RT H U R U N D H E DY H A H N L O S E R- B Ü H L E R

M E I ST E RWE R K E

AU S D E R SA M M L U N G

VAN GOGH

CÉZANNE

BONNARD

VALLOTTON

MATISSE


Band 9 der Schriften für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale),

herausgegeben von Christian Philipsen


Magie des

Augenblicks

A RT H U R U N D H E DY H A H N L O S E R- B Ü H L E R

M E I ST E RWE R K E

AU S D E R SA M M L U N G

VAN GOGH, CÉZANNE, BONNARD, VALLOTTON, MATISSE

Herausgegeben von Christian Philipsen

in Verbindung mit Angelika Affentranger-Kirchrath und Thomas Bauer-Friedrich

MICHAEL IMHOF VERLAG


SCHIRMHERRSCHAFT

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der

Schweizerischen Botschafterin in der Bundesrepublik Deutschland, Christine Schraner Burgener,

und des Kultusministers des Landes Sachsen-Anhalt, Stephan Dorgerloh.

LEIHGEBER

Wir danken der Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Winterthur, sowie allen privaten Leihgebern,

die nicht namentlich genannt werden möchten, für das generöse Zur-Verfügung-Stellen

von Werken aus der ehemaligen Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler sowie

den Sammlungskontext ergänzenden Werken.

DANK

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Unterstützung von

Sponsoren und Partner

deutsche städte medien

SACHSEN-ANHALT

sowie die Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e.V.


Inhaltsverzeichnis

7

Grußwort • C H R I S T I N E S C H R A N E R B U R G E N E R

8

Grußwort • S T E P H A N D O R G E R LO H

9

Grußwort • B E AT D E N Z L E R

11

Zum Geleit • T H O M A S B A U E R - F R I E D R I C H

15

Die Magie des Augenblicks. Meisterwerke aus der Sammlung

Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler • A N G E L I K A A F F E N T R A N G E R - K I R C H R AT H

25

Hedy Hahnloser-Bühler, die Kunstschriftstellerin • R U D O L F KO E L L A

33

Katalog: Gemälde

77

Die Künstlergruppe der Nabis und die

Zeitschrift Revue blanche • A N G E L I K A A F F E N T R A N G E R - K I R C H R AT H

87

Katalog: Arbeiten auf Papier und Bronzen

129

Wie die Franzosen nach Halle kamen. Ausstellungen französischer Kunst

in Halle (Saale) zwischen 1901 und 1961 • S U S A N N A KÖ L L E R

139

Eine „révolution véritable“. Meisterwerke der Art Nouveau und Art Déco aus der Sammlung

Kunsthandwerk des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) • U L F D R ÄG E R

147

158

159

160

Kurzbiografien und Werke der in der Ausstellung vertretenen Künstler

Publikationen zur Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler

Bildnachweis

Impressum


Grußwort

Die Schweiz ist reich an kunstsinnigen Sammlern und Mäzenen,

aber was das Ehepaar Hedy und Arthur Hahnloser-Bühler

Anfang des 20. Jahrhunderts in der kleinen, aufstrebenden Industriestadt

Winterthur zustande gebracht hat, ist auch für

mein Land einmalig. Mit unbändigem Gestaltungswillen haben

die ausgebildete Kunsthandwerkerin und der Augenarzt ihr

Heim zu einem eindrücklichen Ort für Arbeiten des Postimpressionismus

gemacht. 1898 bezog das junge Paar die Villa Flora,

eine klassizistische Residenz aus dem 19. Jahrhundert, die

einst dem Großvater von Hedy Hahnloser, einem Spinnereibesitzer,

gehörte. Als 1907 die Praxis von Arthur Hahnloser ausgelagert

wird, ist noch mehr Platz für die „Neue Moderne“. Der

Salon wird umgebaut und ein Ausstellungsraum entsteht, in

dem Gäste empfangen werden. Jede freie Wand musste der

Kunst weichen, selbst über der Badewanne hingen zwei Gemälde

von Jacqueline Marval, denen die hohe Luftfeuchtigkeit offenbar

nichts anhaben konnte. Das Sammlerehepaar teilte

nicht nur die Sammelleidenschaft für französischen Postimpressionismus,

Symbolismus und Fauvismus, sondern auch

tiefe Freundschaften zu den gemeinsam bewunderten Künstlerinnen

und Künstlern, zu denen auch namenhafte Schweizer

Maler wie Cuno Amiet, Giovanni Giacometti und Félix Vallotton

gehörten. Nach dem Tod von Arthur Hahnloser 1936 widmete

sich Hedy Hahnloser als aktives Mitglied des Kunstvereins bis

zu ihrem eigenen Tod 1952 der Kunst. Ihre Tochter Lisa Jäggli-

Hahnloser führte die Tradition des offenen Hauses fort und

empfing Kunstinteressierte in den Privaträumen der Villa Flora,

die erst 1995 zu einem privaten Museum wurde. Die Schließung

2014 wurde zur Chance für das europäische Publikum.

Die Sammlung aus der Winterthurer Tösstalstraße ging daraufhin

auf Tour. Bereits über 300.000 Besucherinnen und Besucher

lockte sie in die Hamburger Kunsthalle und das Pariser

Musée Marmottan Monet. Bevor sie bei ihrem letzten Halt

2017 in Stuttgart gezeigt wird, wünsche ich allen Gästen des

Kunstmuseums Moritzburg in Halle (Saale) als dritter Station

bis September 2016 magische Augenblicke in der Begegnung

mit dieser unvergleichlichen Sammlung.

• C H R I S T I N E S C H R A N E R B U R G E N E R

Schweizerische Botschafterin

in der Bundesrepublik Deutschland

7


Grußwort

„Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet“,

schrieb einst der schottische Philosoph, Ökonom

und Historiker David Hume. So will ich Sie herzlich zu einer einmaligen

Betrachtung der Schönheit in die Moritzburg einladen.

Einmalig, weil mit der Ausstellung Magie des Augenblicks selten

zu sehende Meisterwerke von Vincent van Gogh, Paul Cézanne

und Henri Matisse im Kunstmuseum Moritzburg Halle

(Saale) zu sehen sind. Dazu zählen auch andere weniger bekannte,

dennoch international bedeutende Künstler, die zur

Sammlung des Ehepaares Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler

aus Winterthur gehören.

Für das Museum und alle Kunstfreunde in Sachsen-Anhalt wird

mit dieser Schau sicherlich auch ein Traum Wirklichkeit. Erstmals

ist eine Ausstellung zur Kunst des französischen Postimpressionismus,

Symbolismus und Fauvismus in diesem Umfang

in Mitteldeutschland zu sehen, und wir schätzen uns mehr als

glücklich, dass die Wahl des Ausstellungsortes auch auf Halle

gefallen ist. Das Kunstmuseum Moritzburg reiht sich damit ein

in eine Gruppe international bekannter Kunstmuseen wie der

Hamburger Kunsthalle, dem Musée Marmottan Monet, Paris

und der Staatsgalerie Stuttgart, wo die Sammlung – in jeweils

veränderter Auswahl und Zusammenstellung – ebenfalls gezeigt

wird. Damit ist die Moritzburg das einzige Museum in Ostdeutschland,

in dem die Ausstellung zu sehen ist. Hier zeigt sich

nicht nur die Wertschätzung, die das Kunstmuseum des Landes

über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus genießt. Es ist vor

allem auch eine große Ehre und Freude für das Land, diese hochkarätige

Sammlung aus der Schweiz zeigen zu dürfen.

Das Kunstmuseum Moritzburg kann mit dieser Ausstellung

auch auf seine eigene umfangreiche und lange Sammlungstradition

von über 100 Jahren verweisen und an seinen reichhaltigen

Sammlungsbestand anknüpfen. Begleitend zur Kollektion

von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler werden eine Auswahl

von seit langem nicht präsentierten Arbeiten der kunsthandwerklichen

Sammlung aus der Zeit zwischen 1880 und 1930

und die Gemälde der Brücke-Künstler aus der Sammlung Hermann

Gerlinger in einer aufeinander abgestimmten Zusammenstellung

gezeigt.

Mit der Präsentation von Werken der „anderen Moderne“

schließt das Kunstmuseum Moritzburg zugleich eine Lücke im

mitteldeutschen Raum: Ausstellungen zur Moderne beschränkten

sich in der Vergangenheit hauptsächlich auf Werke der

klassischen Moderne ab 1910, insbesondere Werke des Expressionismus

und der sich daraus entwickelnden Positionen.

Die „andere Moderne“, Kunst der Jahrhundertwende um 1900,

wird erst seit kurzem wiederentdeckt und wurde in Mitteldeutschland

bisher wenig beachtet. Mit der Magie des Augenblicks

zeigt sich das Kunstmuseum Moritzburg am Puls der Zeit

und beweist einmal mehr, dass es die aktuellen Entwicklungen

im internationalen Ausstellungsgeschehen wie auch in der

kunsthistorischen Forschung aufzunehmen weiß. Zugleich profiliert

sich das Land Sachsen-Anhalt mit dieser einmaligen Ausstellung,

vor allem auch im Kontext der Bauhaus-Jubiläen 2016

und 2019, weiterhin als Land der Moderne.

So wünsche ich der Ausstellung viele interessierte Besucher

und allen Kunstfreunden zahlreiche Augenblicke voller Magie.

• S T E P H A N D O R G E R LO H

Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt

8


Grußwort

Nach Hamburg und Paris führt unsere Sammlungstournee nun

nach Halle (Saale). Es ist uns eine große Freude und Ehre, als

Gast des Kunstmuseums Moritzburg Werke aus der Sammlung

Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler in den neuen Bundesländern

vorstellen zu dürfen. Wir legen in dieser Präsentation einen

besonderen Fokus auf die Arbeiten auf Papier von den Nabis-Künstlern,

die einen wichtigen Teil der Sammlung bilden

und noch nie umfassend gezeigt wurden. Obwohl Halle, in der

Nähe von Leipzig und Berlin gelegen, zu einer besonders interessanten

Kulturregion Europas gehört, ist die französische

Kunst der Jahrhundertwende um 1900 hier noch zu entdecken.

Die Künstler des Postimpressionismus und Fauvismus, die in

der Winterthurer Sammlung besonders repräsentativ vertreten

sind, werden in Halle (Saale) also ein besonders interessiertes

Publikum treffen. Sie sind die unmittelbaren Vorläufer der deutschen

Expressionisten, die wiederum dank der in Halle (Saale)

beständig gezeigten Sammlung von Professor Hermann und

Hertha Gerlinger bestens bekannt und vertreten sind.

Die Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler zeugt von einer

Zeit, in der sich unternehmerisches Denken und eine große

Affinität zur Kunst ideal ergänzten. Der hohe Kunstverstand

des Sammlerehepaares spiegelt sich in einer wunderbaren und

äußerst qualitätvollen Werkauswahl. Die Sammlung umfasst

wesentliche Bestände von Pierre Bonnard, Félix Vallotton und

Édouard Vuillard, die der Künstlergruppe der Nabis angehörten.

Zum Kreis der Fauves zählten die miteinander befreundeten

Henri Matisse, Albert Marquet und Henri Manguin; auch von ihnen

gelangten wichtige Werke in die Winterthurer Sammlung.

Schließlich bildet das unvergleichliche Gemälde Der Sämann

von Vincent van Gogh einen einzigartigen Höhepunkt in der

Sammlung wie auch in der Ausstellung.

Genießen Sie daher in Halle (Saale) die Magie des Augenblicks

und lassen Sie sich durch die Werke der Sammlung in der Ausstellung,

im Katalog und im Film von Nathalie David inspirieren.

Das Gastrecht in Halle (Saale) wissen wir sehr zu schätzen und

danken dafür herzlich.

• D R . B E AT D E N Z L E R

Präsident der Hahnloser/Jaeggli Stiftung

9


Zum Geleit

Sternstunden eines Museums sind es, wenn es gelingt, ein

Ausstellungsprojekt sondergleichen erfolgreich zu realisieren.

Die Ausstellung Magie des Augenblicks bedeutet ohne Zweifel

eine solche Sternstunde in der Geschichte des Kunstmuseums

Moritzburg Halle (Saale). Zum ersten Mal werden in Mitteldeutschland

in repräsentativer Zahl und außergewöhnlicher

Qualität Werke der französischen Postimpressionisten vorgestellt,

Werke von Vincent van Gogh und Paul Cézanne über Arbeiten

von Pierre Bonnard, Félix Vallotton und Édouard Vuillard

bis hin zu Albert Marquet und Henri Matisse. Damit sind jene

französischen Künstler mit außergewöhnlichen Arbeiten zu erleben,

die der nächsten Generation in Deutschland Inspiration

und Ermutigung gleichermaßen waren. So prägten beispielsweise

das Erlebnis der dynamischen Malweise eines van Gogh

oder der faszinierenden Bildsprache Félix Vallottons ebenso

wie der Befreiung der Farbe in den Gemälden Henri Matisses

die jungen deutschen Brücke-Expressionisten grundlegend

während ihrer frühen Jahre in Mitteldeutschland. Dank der einmaligen

Sammlung Hermann Gerlinger sind diese Künstler dauerhaft

mit repräsentativen Werken im Kunstmuseum Moritzburg

Halle (Saale) präsent.

Werke dieser sogenannten „klassischen Moderne“ werden von

einer stetig wachsenden Besucherzahl in Museen weltweit fasziniert

betrachtet, wohingegen die Arbeiten ihrer unmittelbaren

Vorläufer bzw. Zeitgenossen nicht zum allgemeinen Kanon des

deutschen Publikums gehören und immer wieder neu entdeckt

werden müssen – dies vor allem in den neuen Bundesländern, in

denen aufgrund der deutschen Geschichte und Kulturpolitik im

20. Jahrhundert die Kunst der ersten Jahrhunderthälfte lange Zeit

nur in beschränkter Zahl und Qualität erfahrbar war. Daher erfüllt

es mich mit Stolz und außerordentlicher Freude, die einzigartige

Kollektion von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler in Halle (Saale)

vorstellen zu können. Mit ihrer Konzentration auf die Künstler der

Nabis-Gruppe bietet sie die einmalige Gelegenheit, in einem

repräsentativen Querschnitt erstmals in Mitteldeutschland auch

die „andere Moderne“ zu studieren. Unter diesem Titel werden

in Europa seit einiger Zeit die unmittelbaren Vorläufer der Expressionisten

neu entdeckt. Etwas Verzaubertes, etwas Magisches,

etwas Moment- und Augenblickhaftes ist den Sujets der Nabis-

Künstler eigen, was den Titel der Ausstellung motivierte. Kompositionen

ganz im Sinne Rainer Maria Rilkes sind es – Kompositionen

„wie ein Feierkleid über die sinnenden Dinge“.

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) zählte zwischen

1904, dem Jahr seiner Ansiedlung in der halleschen Moritzburg,

der im Dreißigjährigen Krieg größtenteils zerstörten Residenz

der Magdeburger Erzbischöfe, und 1937 zu den bedeutenden

deutschen Museen, die sich für die seinerzeit zeitgenössische

Kunst engagierten, sie sammelten, ausstellten und gegen zahlreiche

Angriffe verteidigten. Ähnlich ihren Kollegen Friedrich

Schreiber-Weigand in Chemnitz und Hildebrand Gurlitt in Zwickau

wurden Max Sauerlandt und Alois Schardt in Halle (Saale) nicht

müde, die moderne Kunst zu etablieren und sich beim Publikum

um ihr Verstehen zu bemühen. 1904 bis 1933/37 – diese das

Kunstmuseum Moritzburg prägenden Jahre – waren auch die

Jahre, in denen sich die Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler

im schweizerischen Winterthur konstituierte. Während

jedoch in den dunkelsten Jahren deutscher Geschichte die

öffentliche Museumssammlung in Halle (Saale) 1937 durch die

Nationalsozialisten nahezu vollständig als „entartet“ beschlagnahmt

und damit zerstört wurde und unwiederbringlich verloren

ging, blieb die private Hahnloser-Sammlung in der Schweiz

glücklicherweise bis heute nahezu geschlossen erhalten und

konnte 1941 – mitten in der Hochphase des Zweiten Weltkrieges

– sogar einen bedeutenden Zuwachs verzeichnen. Damals

war es der Familie gelungen, einen gewichtigen Teil der nicht

minder bedeutenden Kunstsammlung von Emil Hahnloser, dem

1940 an einem Herzinfarkt in New York verstorbenen jüngeren

Bruder von Arthur Hahnloser, aus dem von Deutschland besetzten

Frankreich in die Schweiz zu überführen, darunter Werke,

die bis heute das Renommee der Sammlung Hahnloser-Bühler

11


egründen, wie Vincent van Goghs Semeur, das wunderbare

Selbstporträt Paul Cézannes oder Pierre Bonnards Le thé. Noch

kurz vor seinem Tod schrieb Emil Hahnloser an seinen Neffen

Hans Robert Hahnloser, Arthurs und Hedys Sohn, weitblickend:

„Eigentlich ist es tragikomisch und grotesk, wie nun alle Kunstsammler

und Museumsdirektoren herumjagen müssen[,] um

ihre Kunstwerke in Sicherheit zu bringen vor einem Amok laufenden

Anstreicher. […] Wenn man die Zürcher Bilder [der

Sammlung Emil Hahnlosers – Anm. des Verf.] nicht auch in die

Innerschweiz verbringen kann, so bin ich schließlich mit Unterbringung

im bombensicheren Keller einverstanden[,] obschon

ich mit Dir darin einig gehe, dass sie im Falle [des] Eindringens

des Feindes in Zürich als entartete Kunst beschlagnahmt werden

dürften. Denn als entartete Kunst ist doch noch diejenige

zu bezeichnen, die einen internationalen Markt hat, somit zu

Devisen gemacht werden kann.“ Zum Glück blieb dieses Schicksal

der in der freien Schweiz verbliebenen Sammlung – anders

als den einstmals im Kunstmuseum Moritzburg zusammengetragenen

Werken – erspart!

Vor diesem Hintergrund thematisiert die Ausstellung Magie des

Augenblicks auch öffentliches und privates Sammeln der Kunst

der Moderne in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

In Zeiten bornierten nationalstaatlichen Denkens und des

in Europa verbreiteten geistigen Nationalismus’ waren es die für

die Kunst lebenden Leidenschaftlichen, neben den bereits erwähnten

mitteldeutschen Protagonisten Hugo von Tschudi und

Ludwig Justi in Berlin, Alfred Lichtwark und Gustav Pauli in Hamburg

und Bremen, Fritz Wichert und Gustav Hartlaub in Mannheim

oder Paul Ferdinand Schmidt in Dresden, die sich öffentlich

für die Moderne und die Kunst des französischen Nachbarn

einsetzten. Vor allem jedoch waren es diesseits wie jenseits des

Rheins private Sammlerinnen und Sammler, die der jungen

Avantgarde eine Heimstatt boten. So konnten Arthur und Hedy

Hahnloser-Bühler während ihrer ersten Paris-Reisen nicht die

von Gustave Caillebotte dem französischen Staat geschenkte

Impressionisten-Sammlung öffentlich bewundern, sondern waren

zum Entdecken der Moderne auf Besuche in den führenden

Kunstgalerien der Stadt und privater Sammlungen angewiesen.

Während man in Paris Caillebottes Legat ins Depot verbannt

hatte, führte in Deutschland Max Sauerlandts Ankauf von Emil

Noldes Abendmahl 1913 für das Kunstmuseum Moritzburg Halle

(Saale) zum sogenannten Museumsstreit mit dem General -

direktor der Königlich Preußischen Museen zu Berlin, Wilhelm

von Bode, über die Frage des Verhältnisses von Museen zur

zeitgenössischen Kunst. Demgegenüber lautete die Devise der

Hahnlosers dezidiert: „vivre notre temps“.

Das Erlebnis der eigenen Zeit, Zeitgenossenschaft, das Verstehen

der Künstlerfreunde und ein intensives Sich-Hineinfühlen

in deren Kunst prägten das Verhältnis vor allem Hedy Hahnlosers

zu den befreundeten Künstlern und ihren Werken und das

unermüdliche Engagement des Paares nicht zuletzt in der Gründung

des Kunstmuseums Winterthur vor exakt einhundert Jahren.

Ebenso sind die ersten Jahrzehnte des Sammlungsaufbaus

im Kunstmuseum Moritzburg geprägt von einem Miteinander

von gezieltem öffentlichen Sammeln und einem assistierenden

privaten bürgerschaftlichen Engagement mittels Schenkungen,

Stiftungen und finanzieller Unterstützungen. Und schon zu jener

frühen Zeit, als das Schweizer Sammlerpaar erstmals in Paris

weilte, seine Leidenschaft für die junge französische Kunst entbrannte

und hier wie dort heftig über die Moderne gestritten

wurde, konnte man in Halle (Saale) Werke französischer Avantgardemeister

im Original bewundern: bereits 1901, 1905 und

1907 präsentierten der Kunstsalon Aßmann und der Hallesche

Kunstverein Arbeiten von Vallotton, Monet, Manet, van Gogh

und Denis – zu einer Zeit, als über die große Cézanne-Gedächtnisausstellung

1907 in Paris die Vorreiter der Avantgarde gerade

erst wieder entdeckt wurden. Susanna Köller danke ich

herzlich für ihre Recherchen und ihren entsprechenden Katalogbeitrag.

Besonders freue ich mich, dass wir im Rahmen der

Ausstellung Magie des Augenblicks in einer flankierenden Exposition

unserer Sammlung Kunsthandwerk & Design unter

dem Titel Vorbild Frankreich einmal mehr auf die glanzvollen

Anfänge unseres Museums und seiner engen Verbindung zur

Bürgerschaft unserer Stadt aufmerksam machen können. Für

seine Ausführungen im Katalog und die Einrichtung der Ausstellung

in den historischen Zimmern im Talamt der Moritzburg danke

ich dem Kustos der Sammlung, Ulf Dräger. Sammlungspräsentation

und Sonderausstellungen zusammen werden damit

zu einem „vivre notre histoire du musée“.

Dass diese museale Sternstunde möglich wurde, ist das Verdienst

Vieler, denen ich an dieser Stelle meinen aufrichtigen

Dank aussprechen möchte. Allen voran gilt dieser den Leihgebern:

den Mitgliedern der Hahnloser/Jaeggli Stiftung mit ihrem

Präsidenten Dr. Beat Denzler und ihrem Altpräsidenten Hans

12


Frey sowie dem Präsidenten des Trägervereins Flora, Dieter

Thalmann; ferner den Geschwistern Steiner, Elisabeth Lasserre-

Jäggli, Verena Steiner-Jäggli und Rudolf Jäggli, ebenso wie Annemarie

Hahnloser sowie Bernhard und Mania Hahnloser-Sarpakis

und Prof. Dr. Paul und Dr. Margrit Hahnloser-Ingold. Dank

ihrer Unterstützung wurde es möglich, mit mehr als 150 Gemälden,

Aquarellen, Pastellen, Zeichnungen, Druckgrafiken und

Plastiken die um 1900 in Paris entwickelte Kunst so facettenreich

und qualitätvoll vorzustellen. Persönlich möchte ich mich

herzlich bei Dr. Angelika Affentranger-Kirchrath, der Kuratorin

des Museums Villa Flora, Winterthur, und Co-Kuratorin der Ausstellung

in Halle (Saale), bedanken. Sie hat mich seit meiner

ersten noch vagen Hoffnung, die Sammlung Hahnloser-Bühler

in Halle (Saale) zeigen zu können, während der zurückliegenden

zwei Jahre Vorbereitungszeit mit viel Engagement und Leidenschaft

ermutigt, unterstützt und beraten sowie in einer fruchtbringenden

Zusammenarbeit das kuratorische Konzept der Präsentation

in unserem Museum entwickelt. Ihr gemeinsam mit

Theres Schwarz-Steiner und Ludmilla Sala gilt auch mein Dank

für die zuverlässige Organisation der Ausstellung. Sie haben das

Projekt stets interessiert vorangetrieben, waren zu jeder Zeit

ansprechbar und sind auf viele meiner zusätzlichen Wünsche

für eine erfolgreiche Magie des Augenblicks in Halle (Saale) eingegangen.

In der Natur eines umfangreichen Tourneevorhabens

liegt es, dass für die Sicherheit der Werke an und zwischen den

verschiedenen Stationen Sorge zu tragen ist, was bei einem

Konvolut von nahezu 200 Werken eine sorgfältige Listenführung

voraussetzt. Den „Herrinnen der Listen“ in Hamburg und Halle

(Saale), Anne Barz und Annette Mattern, gilt daher mein besonderer

Dank ebenso wie den Restauratoren Paul Pfister und Daniel

Minder in der Schweiz sowie im eigenen Hause Dr. Albrecht

Pohlmann und Karin Helene Haupt für die Vorbereitung, Begleitung

und Betreuung der hochkarätigen Leihgaben. Es war eine

Freude, dieses aufwendige Tourneeprojekt mit den Kolleginnen

und Kollegen von der Hamburger Kunsthalle, Prof. Dr. Hubertus

Gassner und Dr. Daniel Koep, dem Musée Marmottan Monet,

Paris, Patrick de Carolis, Marianne Mathieu und Claire Gooden,

und der Staatsgalerie Stuttgart, Prof. Dr. Christiane Lange und

Dr. Anna Pfäfflin vorzubereiten. Für die konstruktive Zusammen -

arbeit gilt allen mein herzlicher Dank.

Das Besondere der Villa Flora ist ihr Gesamtkunstwerkcharakter

resultierend aus der Einheit von Sammlung und des sie umgebenden

Hauses mit Garten. Da das Museum Villa Flora in

Winterthur aufgrund rigoroser Sparmaßnahmen der Stadt Winterthur

seit 2014 vorübergehend geschlossen ist und man das

einmalige Ensemble von Haus, Garten und Sammlung zurzeit

nicht erleben kann, war es uns ein besonderes Anliegen, in der

Art und Weise der Präsentation der Sammlung Hahnloser-Bühler

im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) dem Besucher

etwas von diesem Einmaligen zu vermitteln. Dem Gestalterteam

der Ausstellung vom Büro hgb Visuelle Kommunikation, Ergin

Güner und Karsten Blum, danke ich daher im Besonderen. Sie

haben es vom ersten Treffen an verstanden, unsere Intentionen

adäquat umzusetzen, und auf diese Weise ein atmosphärisches,

in der Farb- und Wandgestaltung bestmöglich auf die Raumwirkung

in der Villa Flora abgestimmtes Ausstellungsdesign geschaffen,

das dem Besucher vom Prolog im Foyer des Nord -

flügels über die wohnräumlich gegliederte Abfolge einzelner

Kabinette in der Hauptausstellungsebene bis hin zum Grafik-

Kabinett im zweiten Obergeschoss ein besonderes Erlebnis der

Magie des Augenblicks erlaubt.

Für ein Museum wie das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

bedeutet eine solche Ausstellung in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes.

Daher gilt abschließend allen an ihrem Zustandekommen

Beteiligten mein aufrichtiger Dank. Einmal mehr hat das

Team im Zusammenspiel von Verwaltung, Technik und wissenschaftlich-kuratorischer

Kompetenz sowie der Bereiche Digitalisierung,

Kunstvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit unter der

Projektleitung von Susanna Köller bewiesen, was es in gemeinsamer

Anstrengung zu leisten vermag. Wie immer bedarf es zur

Realisierung solch ambitionierter Vorhaben verlässlicher Partner.

Ohne die Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt, hier

vor allem des Kultus- und Finanzministeriums, der Stiftung Pro

Helvetia und der Halleschen Wohnungsgesellschaft, vor allem

jedoch der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit

der Saalesparkasse wäre die Durchführung der Ausstellung

nicht möglich gewesen. Ihnen sowie allen Kooperationspartnern

gilt mein aufrichtiger Dank! Ich wünsche allen Besuchern

der Ausstellung und Lesern des Begleitbuches Entdeckerfreude

und Vergnügen beim Erleben der Magie des Augenblicks!

• T H O M A S B A U E R - F R I E D R I C H

Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale)

13


Die Magie

MEISTERWERKE AUS DER SAMMLUNG

des Augenblicks

ARTHUR UND HEDY HAHNLOSER-BÜHLER

• A N G E L I K A A F F E N T R A N G E R - K I R C H R AT H

ARTHUR UND HEDY HAHNLOSER-BÜHLER –

IHR HAUS UND IHRE SAMMLUNG

Hedy Bühler war die erste, die sich vom Haus zur Flora – damals

am Rand der Altstadt von Winterthur gelegen – verzaubern

ließ. 1898 erwarb sie es mit einem Teil ihres Erbes und

zog als frisch Vermählte mit ihrem Mann Arthur Hahnloser in

die Tösstalstraße. Ihr gefiel die Schlichtheit des Hauses, das

sich für sie so sympathisch abhob vom damals beliebten opulenten

Schlösschenstil der Villen mit ihrer oft erdrückenden Atmosphäre.

Die Flora in ihrem klaren, einfachen architektonischen

Zuschnitt war befreiend anders. Früh entdeckte sie darin

ein Potential zur Veränderung und den Ort, an dem sich ihre

schöpferische Natur entfalten konnte. So wandelte sich die Villa

Flora im Laufe der Jahrzehnte vom Handwerkerhaus, als das es

im Jahr 1846 vom Zimmermann Heinrich Heider erbaut wurde,

zum Haus für die Präsentation der stetig wachsenden Sammlung

von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler und 1995 gar zum

Museum. 1 Für diesen Zweck wurde die Villa Flora durch einen

Glasanbau am Eingang erweitert und im Inneren sanft renoviert.

Die Werke der Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler

konnten hier seither in wechselnden thematischen Bezügen

vorgestellt werden. Fast 20 Jahre später, nach 24 erfolgreich

durchgeführten, von Katalogen begleiteten Ausstellungen,

KAT. 61 HENRI MANGUIN: „La Flora“, Winterthur (Ausschnitt), 1912

musste das Haus am 28. April 2014 seine Türen schließen. Obwohl

in der Kunstwelt angesehen, etabliert und viel besucht,

fiel es im Jahr 2013 den Sparmaßnahmen der Stadt Winterthur

zum Opfer. Das Projekt einer Erweiterung und Sanierung der

Villa Flora wurde von der Stadt sistiert, der auslaufende Subventionsvertrag

nicht erneuert. Die städtischen Gelder blieben

aus, womit der Trägerverein Flora das Museum nicht mehr weiterführen

konnte und sich gezwungen sah, es vorübergehend

zu schließen.

Während aus diesem Grund ein Großteil der Bilder und Skulpturen

der in den Jahren 1905 bis 1936 passioniert und konzentriert

zusammengetragenen Kollektion auf Reisen geht und

nach der Hamburger Kunsthalle und dem Musée Marmottan

Monet in Paris im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Gastrecht

findet, bleiben Haus und Garten in Winterthur zurück und

können nur indirekt vorgestellt werden. Das versucht die Ausstellung

Magie des Augenblicks möglichst adäquat mit einem

Film von Nathalie David sowie mit Fotomaterial aus dem

Sammlungsarchiv und einigen sprechenden Gegenständen aus

der Villa Flora, die die Spuren der Zeit tragen und in Form eines

Prologs den Auftakt der Präsentation bilden.

Die Sammlung hat ihr Schwergewicht bei den Künstlern Pierre

Bonnard, Félix Vallotton und Édouard Vuillard – Malern, die

zur Gruppe der Nabis (auf Hebräisch: Propheten/Erleuchtete)

gehören und in ihren Werken die Magie des Augenblicks beschwören.

Die Ausstellung schöpft aus dem reichhaltigen

15


Gemälde

K ATA L O G


36


P I E R R E B O N N A R D

6 Effet de glace ou Le tub | Spiegeleffekt oder Der Badezuber, 1909

37


P I E R R E B O N N A R D

5 Intérieur: le chien Black et bouquet de lilas | Interieur: der Hund Black und ein Fliederstrauß, 1908

8 Les pois de senteur | Die Wicken, 1912

38


P I E R R E B O N N A R D

9 Les oranges ou Le compotier aux oranges | Die Orangen oder Obstschale mit Orangen, um 1912

39


PAU L C É Z A N N E

44 Groupe de maisons (Les toits) | Häusergruppe (Die Dächer), 1876/77

40


PAU L C É Z A N N E

46 Plaine provençale | Provenzalische Landschaft, 1883/85

41


M AU R I C E D E N I S

47 Petites baigneuses de La Bernerie | Die kleinen Badenden aus La Bernerie, um 1903

48 Mer grise | Das graue Meer, 1912

42


VI N C E N T VA N G O G H

49 La fête du 14 juillet à Paris | Das Fest des 14. Juli in Paris, 1886

43


VI N C E N T VA N G O G H

50 Le semeur | Der Sämann, 1888

44


45


Wie die Franzosen

AUSSTELLUNGEN FRANZÖSISCHER KUNST

nach Halle kamen

IN HALLE (SAALE) ZWISCHEN 1901 UND 1961

• S U S A N N A KÖ L L E R

LINKS ARISTIDE MAILLOL: Kniendes junges Mädchen, um 1900, Bronze,

Höhe 16,5 m, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

„Es ist gewiß eine Seltenheit für Halle, wir glauben sogar, es

ist das erste Mal, daß erste französische Künstler […] hier ausstellen.

Schon aus diesem Grunde wird die Ausstellung im

Kunstsalon Aßmann großes Interesse wecken.“ 1 Die hier angesprochene

Ausstellung französischer Kunst ist wohl tatsächlich

der früheste Beleg, dass moderne französische Malerei in

der aufstrebenden Saalestadt zu sehen war. Der Kunstsalon

Aßmann war 1899 von dem Architekten Willy Aßmann in der

Alten Promenade 8 (heute Universitätsring 8), wenige hundert

Meter vom heutigen Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

entfernt, eröffnet worden und präsentierte zeitgenössische

Kunst und modernes Kunstgewerbe. 2 Die Ausstellung französischer

Kunst im Winter 1901 war eine Kollektiv-Ausstellung

und zeigte vor allem Malerei der Impressionisten und Postimpressionisten,

Werke von Claude Monet, Alfred Sisley, Camille

Pissarro, Pierre-Auguste Renoir, Edgar Degas, Louis Valtat, Albert

Lebourg, Charles Cottet, Félix Vallotton sowie Antonio de

la Gandara, René Théodore Berthon, Jean-Auguste-Dominique

Ingres, Gustave Moreau und dem in Frankreich lebenden Dänen

Valdemar Christian Schønheyder Møller. 3 Leider hat sich

kein Katalog der Ausstellung erhalten, der die Rekonstruktion

ermöglichen sowie die Herkunft der Werke recherchieren ließe.

Allein über die hallesche Presse wurde die Exposition besprochen,

und es lässt sich ein Stimmungsbild zeichnen, das

von Begeisterung bis zu negativen Tönen aus nationalen Beweggründen

reichte. 4

Der im März 1834 gegründete Hallesche Kunstverein hatte sich

schon im Jahr seiner Gründung zum Ziel gesetzt, zeitgenössische

Kunst in regelmäßigen Ausstellungen dem Publikum zu

präsentieren – ein dringendes Bedürfnis, da die Stadt erst mit

der Gründung des Städtischen Museums für Kunst und Kunstgewerbe,

dem heutigen Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale),

im Jahr 1885 über ein eigenes Kunstmuseum ver fügte. 5 In besonderer

Weise gelang dieses Ansinnen vom 29. Oktober bis

Ende November 1905 mit der Ausstellung Moderner Meister, die

im Gebäude der Volkslesehalle am Hallmarkt gezeigt worden

war. 6 Leider haben sich zu diesem Ausstellungsvorhaben keine

Akten erhalten, dafür aber ein 14-seitiger Ausstellungskatalog,

der über Art und Umfang Auskunft gibt. Der etwas lapidar klingende

Ausstellungstitel ist Programm: eine kleine Zusammenstellung

von Künstlern und ihren Werken, die nicht nur zeitgenössisch,

sondern in ihrer Modernität bzw. Innovation erneuernd

auf die Kunst, mitunter aber eben auch verstörend auf das

Publikum gewirkt haben.

Der Einleitungstext des Kataloges, der wohl von dem Kunsthistoriker

und halleschen Universitätsprofessor Adolph Goldschmidt

7 verfasst wurde, mahnt den Besucher, beim Betrachten

gegenüber der andersartigen Kunst (in Abgrenzung zur bisher

erlebten „Durchschnittskunst“ und zu bisherigen Sehge-

129


Eine „révolution

MEISTERWERKE DER ART NOUVEAU UND ART DÉCO

véritable“

AUS DER SAMMLUNG KUNSTHANDWERK DES

KUNSTMUSEUMS MORITZBURG HALLE (SAALE)

• U L F D R ÄG E R

Im späten 19. Jahrhundert beherrschten schnell sich wandelnde

Moden den wachsenden Markt für anspruchsvolles Kunstgewerbe.

Das ausgeprägte Verlangen der bürgerlichen Repräsentationskultur

nach dekorativen Pretiosen schuf einen neuen

Markt für die sich rasant entwickelnde Dekorationsindustrie.

Gestalterische Innovationen wurden auf großen Ausstellungen

mit Preisen geadelt. Designunternehmer etablierten Marken,

die teilweise bis heute ein besonderes Image haben.

Tonangebend für Geschmacksfragen war Frankreich. In Paris

wurde das europäische „Weltgefühl“ gelebt und gestaltet. 1 In

den zitierenden Stilen des Historismus kumulierte jedoch die

auf dem ganzen Kontinent wahrzunehmende Kritik. Hier fanden

Reformbestrebungen ihren Ansatz. Die Pariser Weltausstellungen

boten die Podien für die sich eruptionsartig etablierenden

Facetten des Jugendstils. Französische Künstler waren

im Blick der zeitgenössischen Kunstkritik die Avantgarde. Die

Idee des Gesamtkunstwerks gab dem Kunstgewerbe und dem

Kunsthandwerk eine besondere Wertschätzung.

Dekore sollten der Körperlichkeit der Dinge entspringen. Eine

neue Materialästhetik bot reizvolle Farbkontraste und raffinierte

Oberflächentexturen. Die exotische Welt fremder Kulturen

LINKS Vase, Werkstatt ÉMILE GALLÉ, Nancy, um 1906/14, Höhe 14,5 cm,

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Inv.-Nr. MOKHWGL00819

gab eine Vielzahl von vorbildhaften Anregungen. Die beruhigende

Ausgeglichenheit des orientalischen Ornaments und die

ungewöhnliche Naturabstraktion in der Kunst Japans wurden

als Impuls gestalterisch adaptiert. Die Pariser Galerie „Salon

L’Art Nouveau“ des Hamburgers Siegfried Bing sollte der neuen

Kunstbewegung ihren Namen geben.

In der preußischen Provinz nahm das wohlhabende Bürgertum

die Innovationen aus Paris nicht nur wahr, sondern rezipierte

die Entwicklungen unmittelbar. In Halle (Saale) präsentierte

der traditionsreiche Kunstverein 1905 und 1907 u. a.

Werke von Claude Monet, Éduard Manet, Félix Vallotton und

Vincent van Gogh. 2 Bereits 1901 hatte im Kunstsalon des Architekten

Wilhelm Aßmann eine Gruppenausstellung namhafter

französischer Impressionisten stattgefunden. 3 Der erste

Konservator des 1885 gegründeten Kunstmuseums Moritzburg,

Franz Otto, erwarb bereits 1898 und 1899 eine Kollektion

von 30 französischen Jugendstilmedaillen. Damit waren

Werke von Louis Oscar Roty, Alexandre Charpentier, Adolphe

Rivet, Jean Lagrange und anderen in Halle präsent. Mit der

Ausstellung von Foto grafien aus der Pariser Weltausstellung

präsentierte das Museum dem halleschen Publikum auch das

internationale zeitgenössische Kunstgewerbe. Die Bibliothek

des Kunstgewerbevereins verfügte über die wichtigsten Zeitschriften

und Publikationen.

139


Publikationen

zur Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler

Hahnloser-Ingold, Margrit/Peruchi-Petri, Ursula:

Villa Flora Winterthur. Aus der Sammlung Arthur

und Hedy Hahnloser-Bühler, mit einem Beitrag von

Robert Steiner-Jäggli, Winterthur 1995.

Perucchi-Petri, Ursula: Die Sehnsucht nach dem

Paradies. Französische Landschaftsmalerei 1880 bis

1930. Aus der Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler,

Ausst. Kat. Villa Flora Winterthur, Winterthur

1997.

Dies.: Intime Welten. Das Interieur bei den Nabis.

Bonnard, Vuillard, Vallotton. Aus der Sammlung

Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler, Ausst. Kat. Villa

Flora Winterthur, Bern 1999.

Dies.: Die Nabis und das moderne Paris. Bonnard,

Vuillard, Vallotton und Toulouse-Lautrec, Ausst. Kat.

Villa Flora Winterthur, Bern 2001.

Dies.: Odilon Redon. Mythos und Traum. Aus der

Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler und

aus Schweizer Privat- und Museumsbesitz, Ausst.

Kat. Villa Flora Winterthur, Winterthur 2003.

Dies./Schwarz, Dieter: Pierre Bonnard. Gemälde und

Zeichnungen, Ausst. Kat. Kunstmuseum Winterthur,

Villa Flora Winterthur, Winterthur 2004.

Dies.: Félix Vallotton in der Villa Flora. Aus der

Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler und

aus Schweizer Privat- und Museumsbesitz, mit

Beiträgen von Angelika Affentranger-Kirchrath und

Margrit Hahnloser-Ingold, Ausst. Kat. Villa Flora

Winterthur, Bern 2007.

Affentranger-Kirchrath, Angelika: Die Seele einer

Zuckerdose. Stillleben und Interieurs in der Villa

Flora. Aus der Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler,

mit Beiträgen von Angelika Affentranger-Kirchrath

und Henriette Hahnloser, Ausst. Kat.

Villa Flora Winterthur, Bern 2008.

Dies.: Sehnsucht und Erfüllung. Maillol und Lehmbruck

in der Villa Flora, mit Beiträgen von Angelika

Affentranger-Kirchrath und Gottlieb Leinz, Ausst.

Kat. Villa Flora Winterthur, Winterthur 2010.

Dies.: Der Glanz des Alltäglichen. Amiet, Giacometti,

Hodler, Vallotton. Mit Werken aus der Villa

Flora und der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte,

mit Beiträgen von Angelika Affentranger-

Kirchrath und Isabelle Messerli, Ausst. Kat. Villa

Flora Winterthur, Bern 2010.

Hahnloser-Ingold, Margrit (Hrsg.): Die Sammlung

Arthur und Hedy Hahnloser. Mit den Augen der

Künstler, mit Beiträgen von Götz Adriani, Angelika

Affentranger-Kirchrath, Lukas Gloor, Margrit Hahnloser-Ingold,

Henriette Hahnloser, Rudolf Koella,

Ursula Perucchi-Petri und Valérie Sauterel, Bern/

Lausanne 2011.

Affentranger-Kirchrath, Angelika (Hrsg.): Geschichten

hinter Bildern. Die besondere Sammlungspräsentation

in der Villa Flora, Hörbuch, Villa Flora

Winterthur, Winterthur 2011.

Dies. (Hrsg.): Georges Rouault. Der Künstler als trauriger

Clown. Aus der Sammlung Arthur und Hedy

Hahnloser-Bühler und aus Schweizer Privat- und

Museumsbesitz, mit Beiträgen von Angelika Affentranger-Kirchrath,

Margrit Hahnloser-Ingold, Peter

Radelfinger und Christoph Viatli, Ausst. Kat. Villa

Flora Winterthur, Bern 2012.

Dies. (Hrsg.): Hahnloser/Jaeggli Stiftung: Meisterwerke!

Cézanne, Van Gogh, Vallotton, mit Beiträgen

von Angelika Affentranger-Kirchrath, Hans

Frey, Bettina Hahnloser und Robert Steiner-Jäggli,

Ausst. Kat. Villa Flora Winterthur, Winterthur 2013.

Dies. (Hrsg.): Hahnloser/Jaeggli Stiftung: Bonnard,

Vallotton, Vuillard im Bann des japanischen

Holzschnitts, mit Beiträgen von Angelika Affentranger-Kirchrath

und Sabine Bradel, Ausst. Kat.

Villa Flora Winterthur, Winterthur 2013.

Dies./Gassner, Hubertus/Koep, Daniel (Hrsg.):

Verzauberte Zeit. Cézanne, van Gogh, Bonnard,

Manguin. Meisterwerke aus der Sammlung Arthur

und Hedy Hahnloser-Bühler, mit Beiträgen von Angelika

Affentranger-Kirchrath, Judith Albert, Nathalie

David, Beat Denzler, Hans Frey, Hubertus Gassner,

Margrit Hahnloser-Ingold, Daniel Koep, Ursula

Palla, Ausst. Kat. Hamburger Kunsthalle, Petersberg

2015.

David, Nathalie: Villa Flora. Ihre Sammler, ihre

Künstler, Film, 78 Minuten, Pitchoun Production/

Hamburger Kunsthalle 2015.

Dies./Mathieu, Marianne (Hrsg.): Villa Flora.

Les temps enchantés. La collection Arthur et Hedy

Hahnloser-Bühler, mit Beiträgen von Angelika

Affentranger Kirchrath, Patrick de Carolis, Margrit

Hahnloser-Ingold, Robert Steiner-Jäggli, Ausst.

Kat. Musée Marmottan Monet, Paris, Paris 2015.

Magie des Augenblicks. Cézanne, van Gogh, Bonnard,

Vallotton, Matisse. Meisterwerke aus der

Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler,

Ausst. Kat. Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale),

hrsg. von Christian Philipsen in Verbindung mit Angelika

Affentranger-Kirchrath und Thomas Bauer-

Friedrich, Petersberg 2016.

158


Bildnachweis

Jakob Adolphi, Halle (Saale): S. 140 1. Reihe Mitte und rechts

Archiv Villa Flora: S. 24, Umschlagrückseite

Primula Bosshard, Fribourg, Suisse: S. 35, 67

bpk|Bayerische Staatsgemäldesammlungen: S. 80, 132

bpk|BnF, Dist. RMN-GP: S. 76

bpk|Hermann Buresch: S. 84

bpk|RMN – Grand Palais|Adrien Didierjean: S. 79 Abb. 1

bpk|RMN – Grand Palais|Hervé Lewandowski: S. 79 Abb. 2

Klaus E. Göltz, Halle (Saale): S. 141, 143, 144 Abb. 7, 145

Reinhard Hentze, 2005: S. 128

Reto Rodolfo Pedrini, Zürich: S. 14, 16, 17, 19, 20, 21, 28, 32, 34 oben, 36–51, 53, 55–66, 68–75, 81, 82, 96 rechts, 98 unten, 99 unten links

und rechts, 101–103, 116 rechts, 117 links, 126, 127, 131 Abb. 3, Titel (Ausschnitt), Umschlagsklappe vorne und hinten (Ausschnitt)

Prolith AG, Urtenen, Markus Mühlheim: S. 34 unten, 52

Punctum/Bertram Kober, 2016: S. 138, 142, 144 Abb. 5, 6

Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt: S. 6, 27, 83, 86, 88–96 links, 97, 98 oben links und rechts, 99 oben links und rechts, 100,

104–115, 116 links, 117 rechts, 118–125, 133, 134

Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Justine Halling: S. 140 1. Reihe links, 2. Reihe links u. rechts

Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Elisabeth Schönfeld: S. 140 2. Reihe Mitte

Falk Wenzel, 2012: S. 10

S. 130 aus: Faass, Martin (Hrsg.): Verlorene Schätze. Die Kunstsammlung von Max Liebermann, Berlin 2013

© VG Bild-Kunst, Bonn 2016 für die Werke von Pierre Bonnard, Henri Manguin, Albert Marquet

© Succession H. Matisse/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 für die Werke von Henri Matisse

© Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 für die Werke von Pablo Picasso

© Association Willy Maywald/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 für die Werke von Willy Maywald

Wir haben uns bemüht, für alle Abbildungen die entsprechenden Inhaber der Rechte zu ermitteln.

Sollten dennoch berechtigte Ansprüche offen sein, werden diese selbstverständlich im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten.

159


Impressum

Diese Publikation erscheint anlässlich der

Ausstellung

Magie des Augenblicks

Van Gogh, Cézanne, Bonnard, Vallotton, Matisse

Meisterwerke aus der Sammlung Arthur und

Hedy Hahnloser-Bühler

im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

12. März 2016 – 11. September 2016

www.magiedesaugenblicks.com

Herausgegeben von Christian Philipsen i. V. m.

Angelika Affentranger-Kirchrath und Thomas

Bauer-Friedrich

Band 9 der Schriften für das Kunstmuseum

Moritzburg Halle (Saale), herausgegeben von

Christian Philipsen

Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt,

Treuhänderin der nicht rechtsfähigen Stiftung

Moritzburg Halle (Saale) – Kunstmuseum des

Landes Sachsen-Anhalt

Vertretungsberechtigt: Vorstand/Generaldirektor

der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-

Anhalt, Christian Philipsen

Direktor: Thomas Bauer-Friedrich

Friedemann-Bach-Platz 5

06108 Halle (Saale)

Telefon +49 (0)345 21 259-68

Fax +49 (0)345 20 29 990

info@kunstmuseum-moritzburg.de

www.kunstmuseum-moritzburg.de

Ausstellungs- und Katalogkonzeption,

Redaktion: Angelika Affentranger-Kirchrath,

Thomas Bauer-Friedrich

Büro des Direktors: Kerstin Zwarg

Verwaltung: Birgit Behrens, Nancy Claus,

Dörte Reinisch, Katrin Stadler, Silke Trostel,

Jenny Ostwald

Digitalisierung, Fotothek: Lina Aßmann, Thomas

Severin, Stefan Trebstein

Bibliothek, Archiv: Isabell Meuer, Anne-Katrin

Bernsdorf, Birgit Dankner

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Ines Deák,

Katrin Greiner

Kunstvermittlung: Wolfgang Heger, Rita Jacobs -

hagen, Sigrid Reiche

AUSSTELLUNG

Ausstellungsmanagement: Susanna Köller

Registratur: Annette Mattern

Gestaltung: Karsten Blum, Ergin Güner,

hgb Visuelle Kommunikation, Hannover

Grafische Umsetzung: Schrift- & Symbolwerbung

GmbH, Halle (Saale)

Tischlerarbeiten: Sven Papon, Halle (Saale)

Glasarbeiten: Wolf-Dierk Lohnitz-glas + spiegel KG,

Machern

Malerarbeiten: Malerwerkstätten Claudia Hübner

Museumstechnik: Hendrik Arnhold, Jürgen Schmidt,

Uwe Seichter, Alexander Sowa

Konservatorische Betreuung: Karin Helene Haupt,

Daniel Minder, Paul Pfister, Albrecht Pohlmann

KATALOG

Gestaltung: Vicki Schirdewahn, Michael Imhof

Verlag

Lektorat: Dorothée Baganz, Michael Imhof Verlag

Lithografie: Michael Imhof Verlag

Druck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno,

Calbe

Papier: Gardapat Kiara 135 g/m 2

Schrift: Corporate, Freight

Titel: Félix Vallotton (Kat. 94, Ausschnitt)

Umschlag vorn und hinten: Félix Vallotton

(Kat. 101 und 102, Ausschnitte)

Rückseite: Villa Flora vom Garten aus gesehen,

um 1994

Gesamtherstellung:

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG

Stettiner Straße 25

D-36100 Petersberg

Telefon: +49 (0) 661 2919166-0

Fax: +49 (0) 661 2919166-9

info@imhof-verlag.de

www.imhof-verlag.com

© 2016 Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-

Anhalt (www.dome-schloesser.de), Michael Imhof

Verlag, Petersberg und die Autoren

Printed in EU

ISBN 978-3-7319-0319-2

Bibliografische Informationen der Deutschen

Bibliothek:

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet

über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich

aller Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede

Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes

ist ohne Zustimmung der Heraus -

geber unzulässig und strafbar. Dies gilt ins be -

sondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen,

Mikroverfilmungen, Einspeicherung und die Verarbeitung

in elektronischen Systemen. Die Herausgeber

haften nicht für Schäden, es sei denn, dass

ein Schaden durch Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit

seitens der Herausgeber verursacht wurde.

160


MAGIE DES AUGENBLICKS

VAN GOGH, CÉZANNE, BONNARD, VALLOTTON, MATISSE

MEISTERWERKE AUS DER SAMMLUNG

ARTHUR UND HEDY HAHNLOSER-BÜHLER


Das Ehepaar Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler aus Winterthur bei Zürich trug zwischen

1906 und 1936 eine einmalige Kollektion zeitgenössischer französischer Kunst zusammen.

Mit vielen der Künstler war das Sammlerpaar befreundet und stand mit ihnen in

regem Austausch, was die besondere Qualität ihrer Sammlung begründet. In ihrer Konzentration

auf die großen Überwinder des Impressionismus, wie Vincent van Gogh, Paul

Cézanne und Odilon Redon, wichtige Vertreter des Postimpressionismus, wie Pierre

Bonnard und Félix Vallotton, und Mitglieder der Fauves, wie Henri Matisse und Albert

Marquet, ist diese Sammlung einzigartig. Ihren Kern bilden jedoch die Mitglieder der

Künstlergruppe der Nabis, wie Pierre Bonnard, Maurice Denis, Édouard Vuillard und

Félix Vallotton.

Selten waren in der Vergangenheit Werke aus der Villa Flora in Winterthur bei Zürich

außerhalb der Schweiz ausgestellt. 2016 ist die einmalige Kollektion mit mehr als 150

Werken (Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Bronzegüssen) exklusiv

in den neuen Bundesländern zu sehen. Das Begleitbuch zur Ausstellung im Kunstmuseum

Moritzburg Halle (Saale) hebt besonders die Arbeiten auf Papier von Bonnard, Vallotton,

Vuillard und anderen aus deren frühen Schaffenszeit im Kreis der Nabis hervor. Gleichzeitig

würdigt es das Mitwirken dieser Künstler an der Revue blanche – jener tonangebenden

Zeitschrift im Paris der Jahrhundertwende – und publiziert viele ihrer einzigartigen

Werke erstmals.

Pierre Bonnard | Paul Cézanne | Maurice Denis | Vincent van Gogh | Aristide Maillol

Henri Manguin | Albert Marquet | Henri Matisse | Odilon Redon | Auguste Rodin

Kerr-Xavier Roussel | Henri de Toulouse-Lautrec | Félix Vallotton | Édouard Vuillard

ISBN 978-3-7319-0319-2

MICHAEL IMHOF VERLAG

Ähnliche Magazine