Themenheft 2017_web

anneliesbruhne

ARBEIT

aus Berufung

Themenheft zum Reformationsjubiläum 2017

Impulse der Reformation

für Wirtschaft, Arbeitswelt und Kirche


VORWORT

ARBEIT

aus Berufung

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,

welche Bedeutung hat Martin Luther für die heutige

Wirtschafts- und Arbeitswelt? Was macht das

„protestantische Arbeitsethos“ aus? Welche Gefährdung

trägt es in sich?

Nicht nur von Luther, auch von Johannes Calvin,

Huldrych Zwingli und den anderen Reformatoren

gingen Impulse aus, die die Wirtschaft und Arbeitswelt

in Deutschland und Europa bis heute nachhaltig

beeinflusst haben. Im Jahr des 500. Jubiläums der

Reformation fragen wir nach der Aktualität der

reformatorischen Anstöße und nach ihrer orientierenden

Kraft für unser modernes Wirtschaften und für die

Gestaltung Europas.

Die damaligen Reformatoren hatten die Auswirkungen

des Frühkapitalismus vor Augen. Wie aktuell ist ihre

Kritik des Wuchers für die gegenwärtige Finanzwelt?

Welche unterschiedlichen Modelle der Sozialsysteme hat

die Reformation in den Ländern Europas mitgeprägt?

Und welche Linien lassen sich insbesondere für den

deutschen Sozialstaat und die damit eng verbundene

Soziale Marktwirtschaft nachzeichnen? Welche Wurzeln,

welche Aktualität hat das Leitbild vom „Ehrbaren

Kaufmann“ und welche Führungsleitlinien werden durch

Luther inspiriert?

Das vorliegende Themenheft lädt ein, sich im Jahr des

Reformationsjubiläums und darüber hinaus kritisch und

konstruktiv mit dem „Erbe der Reformation“ und seinen

sozial- sowie wirtschaftsethischen Impulsen auseinanderzusetzen.

Der Kern der Reformation war die

Einsicht in die bedingungslose Liebe Gottes zu allen

Menschen. Diese schenkt uns die „Freiheit eines

Christenmenschen“, die uns in gleicher Weise zur Liebe

und zu verantwortlichem Handeln befreit und auch

verpflichtet.

INHALT

3 GRUSSWORTE

4 DAS THEMA

04 Arbeit als Gottesdienst –

Martin Luthers

Arbeitsverständnis

06 Von der Reformation

zur Sozialen Marktwirtschaft

08 Die Reformation und das soziale

Zusammenleben in Europa

10 Führen mit Luther –

Ethische Führungsgrundsätze

für heute

11 ZWISCHENRUF

11 Blickwechsel: Wertschätzung?!

12 STIMMEN AUS DER PRAXIS

12 Luther würde Fehlentwicklungen

im Finanzsektor anprangern –

Interview mit

Dr. Christian Hecker

14 Der Ehrbare Kaufmann

wurde zu einer Haltung –

Interview mit

Christian Dyckerhoff

16 Das Bessermachen ist die Kür –

Interview mit Ulrike Gauder

und Uwe Tischer

18 ZWISCHENRUF

18 Sind Frauen die besseren

„Ökonomen“?

20 SPIRITUELLE ANREGUNGEN

20 Woran hängt mein Herz?

Predigtimpuls I

22 Arbeiten aus Berufung

Predigtimpuls II

23 Biblische Texte

24 Gebet, Segen, Lieder

25 LITERATUR & LINKS

26 IMPRESSUM & KONTAKTE

MICHAEL KLATT

Landessozialpfarrer i.R.,

Bundesvorsitzender des

Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt

im Evangelischen Verband

Kirche Wirtschaft Arbeitswelt


GRUSSWORT

Oft wird das „protestantische Arbeitsethos“

als sehr strenge Vorgabe angesehen.

Martin Luthers These aber, dass

der Beruf in der Welt die Berufung des Menschen

ist, war zu seiner Zeit eine Befreiung.

Bis dahin galt allein das zölibatäre Leben im

Kloster als gutes Leben vor Gott. Der Reformator

macht deutlich: Jeder Mensch hat eine

Gabe, damit eine Begabung. Diese einzubringen

für das Gemeinwohl meint verantwortlich

leben vor Gott. Dabei ist die Magd, die den

Besen schwingt, nicht weniger wert als der

Fürst, der das Land regiert.

Die Arbeitswelt wird damit durch Martin Luther

wesentlich aufgewertet. Es entsteht ein lutherisches

Berufsethos, denn Fleiß und Disziplin

gelten nun als gottgefällig, als „Gottesdienst

im Alltag der Welt“. Dabei ist Luther wichtig,

dass das Wirtschaften dem Menschen dient

und nicht dem Mammon. Scharf kritisiert er

Geldgeschäfte, die nur der Bereicherung Einzelner

dienen und nicht dem Gemeinwohl. Und

für ihn ist nicht nur Beruf, was Einkommen erbringt,

sondern eben auch das Tun, das der

Gemeinschaft dient, das Erziehen der Kinder,

die Sorge für die Alten – sein Berufsbegriff ist

wesentlich umfassender als der heutige.

Bis heute ist dieses Arbeitsethos prägend. Und

doch vergessen viele, dass Luther niemals die

Arbeit selbst an Gottes Stelle gesetzt hätte.

„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“,

mahnt der Reformator. Und er kann auch

sagen: „Man dient Gott auch durch Nichts tun“.

Es geht also um die rechte Balance einerseits,

die eigenen Gaben für das Gemeinwohl einzubringen,

und andererseits das Gotteslob, die

Beziehung zu Gott nicht außer Acht zu lassen.

Durch „Gutes Tun“ rechtfertigt der Mensch

sein Leben nicht, aber ein frommer Mensch

wird alles daran setzen, gut und verantwortlich

zu handeln.

Insofern: „Arbeit als Berufung“ ist ein sehr

passender Titel zum Reformations jubiläumsjahr

2017! Gut, wenn dieses Heft dazu beiträgt,

die reformatorischen Wurzeln zu entdecken

und ihre aktuelle Umsetzung heute zu

reflektieren.

Ihre

MARGOT KÄSSMANN

Botschafterin des Rates der EKD

für das Reformationsjubiläum 2017

DIE REFORMATOREN UND DIE PHILATELIE

In vielen europäischen Ländern, aber auch

in Übersee, wurden die Reformatoren mit

einer Briefmarke geehrt – in diesem Jahr sogar

im Vatikan. Dies macht die Bedeutung der

Reformation im täglichen Gebrauch sichtbar.

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

+++ IM SCHWEISSE DEINES ANGE SICHTS SOLLST DU DEIN BROT ESSEN, BIS DU WIEDER ZU ERDE

3


Frankfurt, Hauptwache mit St.-Katharinen-Kirche

DAS THEMA

ARBEIT ALS GOTTESDIENST –

MARTIN LUTHERS ARBEITSVERSTÄNDNIS

ALLE CHRISTEN SIND GEWEIHTE

PRIESTER

Zu den wertvollsten Impulsen der Reformation

ge hört Martin Luthers Aufwertung der Arbeit

und des weltlichen Berufs. Das protestantische

Arbeitsethos ist sprichwörtlich geworden.

In der Antike wurde die körperliche Arbeit gering

geschätzt. Dies wirkte bis in die mittelalterliche

Theologie weiter: Nur die mönchische

und priesterliche Lebensform galt als wahres

Christsein. Martin Luthers grundlegende Erkenntnis

der bedingungslosen Liebe Gottes

(Rechtfertigungslehre) führte ihn zur Einsicht

des „Priestertums aller Gläubigen“: „Wie nun

die, welche man jetzt Geistliche heißt oder

Priester, Bischöfe oder Päpste, von den anderen

Christen durch keine andere oder größere

Würde unterschieden sind, als dass sie das

Wort Gottes und die Sakramente verwalten

sollen – das ist ihr Werk und Amt –, so hat die

weltliche Obrigkeit das Schwert und die Rute

in der Hand, die Bösen damit zu strafen, die

Rechtschaffenen zu schützen. Ein Schuster,

ein Schmied, ein Bauer, ein jeglicher hat seines

Handwerks Amt und Werk, und doch sind

alle gleich geweihte Priester und Bischöfe, und

ein jeglicher soll mit seinem Amt oder Werk

den andern nützlich und dienstlich sein.“ (An

den christlichen Adel, 1520)

Jeder Mensch ist von Gott in eine Aufgabe

„gerufen“. Alle Be rufe haben grundsätzlich den

gleichen Rang, weil alle Christen durch den

Glauben vor Gott als geweihte Priester und

Bischöfe gelten und weil alle Berufe aufeinander

angewiesen sind und ihren speziellen und

nicht ersetzbaren Beitrag zum gesellschaftlichen

Gesamtwohl leisten.

Diese Aufwertung des weltlichen Arbeitens wendet

Luther kritisch gegen die Hoch schätzung

vermeintlich guter religiöser Werke: „Fragst du

sie weiter, ob sie auch das als gute Werke erachten,

wenn sie arbeiten in ihrem Handwerk,

gehen, stehen, essen, trinken, schla fen und allerlei

Werke tun zur Leibes nah rung oder gemeinem

Nutzen, und ob sie glauben, dass Gott

auch dabei ein Wohlgefallen an ihnen habe, so

wirst du wieder finden, dass sie Nein sagen

und die guten Werke so eng fassen, dass sie

nur das Beten in der Kirche, das Fasten und

„Das ist nun das erste Stück,

dass der Mann fleißig soll arbeiten,

damit er sein Weib und

Kinder ernähre, denn von Arbeit

stirbt kein Mensch, aber vom

Ledig- und Müßiggehen kommen

die Leute um Leib und Leben,

denn der Mensch ist zur Arbeit geboren, wie

der Vogel zum Fliegen.“ MARTIN LUTHER

4 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

WERDEST, DAVON DU GENOMMEN BIST. 1. MOSE 3,19. +++ SECHS TAGE SOLLST DU ARBEITEN UND


DAS THEMA

Almosengeben übrig bleiben; die andern halten

sie für vergeblich, Gott sei nichts daran gelegen.“

(Von den guten Werken, 1520) Luther

sieht in dem gängigen Übermaß der religiösen

Praktiken und Feste eine Form des Müßiggangs

und der Vermeidung von Arbeit.

ARBEIT ALS GOTTESDIENST

Die Aufwertung der Arbeit und des weltlichen

Berufes findet für Luther in der starken metaphorischen

Rede von der „Arbeit als Got tesdienst“

ihren Ausdruck. In einer Predigt zum

höchsten Gebot (1532) formuliert er pointiert:

„Wenn ein jeder seinem Nächsten diente, dann

wäre die ganze Welt voll Gottesdienst. Ein

Knecht im Stall wie der Knabe in der Schule

dienen Gott. Wenn so die Magd und die Herren

fromm sind, so heißt das Gott gedient, so wären

alle Häuser voll Gottesdienst.“ So eröffnet

Luther allen Christen ein neues, zutiefst wertschätzendes

Selbstverständnis ihres gesamten

Lebens und Arbeitens und auch ein Kri terium

für gute Arbeit: Sie dient dem Nächs ten.

Allen Formen des Arbeitens kommt diese

Würde zu. Im Glauben „werden alle Werke

gleich und ist eins wie das andere; es fällt aller

Unterschied der Werke dahin, sie seien groß,

klein, kurz, lang, viel oder wenig.“ (Von den

guten Werken, 1520)

DIE GEFAHR DER ÜBERHÖHUNG

VON ARBEIT

Luthers metaphorische Rede von der „Arbeit

als Gottesdienst“ kann in eine Überhöhung der

Arbeit abgleiten. Diese Gefahr besteht ins besondere

in den entwickelten, modernen Gesell

schaften. Sie haben sich zu Arbeits ge sellschaf

ten entwickelt. In ihnen hängt die gesell -

schaftliche Anerkennung nicht mehr am durch

die Geburt vorbestimmten Stand, sondern an

dem „selbstverantworteten“ oder „selbstverschuldeten“

Berufsstatus. „Jeder ist seines

Glückes Schmied“, so lautet das moderne

Leitmotiv. Wer erwerbslos wird, gerät nicht nur

in eine materielle Krise, sondern auch in eine

Krise der Identität und des Selbstwertgefühls.

Arbeit wird zur neuen Re ligion, wenn alles der

Arbeit und den An forderungen der Ökonomie

untergeordnet wird. Arbeit wird zum höchsten

Wert, wenn die selbst empfundene und die von

anderen zugeschriebene Würde an dem erar-

beiteten Status hängt. Ein möglichst hohes

Einkommen und Vermögen sind sichtbare

Zeichen dieser modernen Religion. Sie zeigen,

dass „man es geschafft“ hat. Das protestantische

Arbeitsethos kann in dieser Ausprägung

missverstanden werden.

SPIRITUALITÄT BEGRENZT ARBEIT

Martin Luther hat eine zutiefst positive Sicht

auf Arbeit und Beruf geprägt. Seine Kritik der

„guten Werke“ hat er insbesondere auf die im

engeren Sinn religiösen Werke bezogen. Aber

diese Kritik trifft auch die moderne Form der

Selbsterlösung durch Arbeit. Die befreiende

Einsicht Luthers besteht darin, dass das Vertrauen

in die bedingungslose Liebe Gottes ein

Selbstwertgefühl vermittelt, das frei und unabhängig

von aller Anerkennung durch Arbeit

oder sonst einer Lebensleistung macht.

Es braucht allerdings spirituelle Räume und

Zeiten, in denen dieses Vertrauen immer wieder

geweckt und genährt wird. Luther denkt

hierbei vornehmlich an die tägliche Andacht

und den sonntäglichen Gottesdienst. In modernem

Kontext braucht es vielfältige Formen

der Unterbrechung und Entschleunigung der

Ar beit: Begrenzung von Arbeitszeiten und der

Ver fügbarkeiten, Auszeiten, Meditation, Pilgern,

Sonn tagsruhe, Sabbatzeiten u.a.

Die Hochschätzung der Arbeit durch Luther ist

eine bleibende Errungenschaft. Arbeit, die human

gestaltet wird, erfüllt mit Lebensfreude: „Der

Mensch ist zur Arbeit geboren, wie der Vogel

zum Fliegen.“ Arbeit muss aber zugleich relativiert

und begrenzt werden. Hoch schät zung und

Begrenzung müssen gut in Balance gehalten

werden. Dies dient der Humanisie rung der Arbeit

und der „Freiheit eines Chris ten menschen“.

JOCHEN GERLACH

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

ALLE DEINE WERKE TUN. ABER AM SIEBENTEN TAGE IST DER SABBAT DES HERRN, DEINES GOTTES. DA

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DAS THEMA

VON DER REFORMATION

ZUR SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT

FAIRER AUSGLEICH

Dass in einer auf dem freien Markt gründenden

Wirtschaftsordnung jedem „das Seine“

zukommen soll, war für die protestantische

So zialethik nie umstritten. Denn ein Wirt schaftssystem

kann nur dann funktionieren, wenn es

unter den Beteiligten einen fairen Aus gleich

gibt. Es geht darum, inwieweit es gelingt, die

unterschiedlichen Erträge von Kau fen und Verkaufen,

von Arbeit-Geben und Ar beit-Nehmen

in eine ausgewogene Balance zu bringen – ob

also am Ende so etwas wie „soziale Gerechtigkeit“

herrscht. Nicht von ungefähr benennt

die Unternehmerdenkschrift der EKD von 2008

die „soziale Gerechtigkeit als Voraussetzung

für breiten Wohlstand“.

rung die Tür für ihre eigenen Ge rechtigkeitsforderungen

geöffnet. Die Bauern aufstände in

Mittel- und Süddeutschland wa ren auch eine

Folge seiner reformatorischen Gedanken. Aller

dings wurden sie nur vom so genannten

„linken Flügel“ der Reformation un ter Thomas

Müntzer in politische Forde rungen umgesetzt.

In der spätmittelalterlichen Stände gesellschaft

musste das zwangsläufig scheitern.

„Es sollte nicht so heißen:

Ich darf meine Ware so

teuer geben, wie ich kann

oder will, sondern so: Ich

darf meine Ware so teuer

geben, wie ich soll oder

wie es recht und billig ist.“

MARTIN LUTHER

VON DER REFORMATION ZUM

SOZIALEN PROTESTANTISMUS

Auch wenn sich Martin Luther mehr mit theologischen

statt mit ökonomischen Überlegungen

beschäftigt hat, prägte er dennoch einen

Ausdruck, der zu einem geflügelten Wort für

das Wirtschaftsleben geworden ist. Er formulierte

den Gedanken, dass jedermann „seine

Ware so teuer hergeben soll, wie es recht und

billig ist“ (Von Kaufshandlung und Wucher,

1524). Danach geht es beim Herausfinden des

gerechten Preises um den Grundsatz der Bil ligkeit,

also um das, was als angemessen empfunden

wird. Das Marktverhalten wird jetzt

auch sozial bewertet. Fair bzw. gerecht ist das,

was von allen als „recht und billig“ akzeptiert

wird. In Verbindung mit Luthers Parole von der

„Freiheit eines Christenmenschen“ wurden damals

der recht- und mittellosen Landbevöl ke-

Luther- und Calvinfenster, Ev. Stadtkirche Walldorf (Baden)

Einen ökonomisch weiterführenden Rahmen

steckte der Genfer Reformator Johannes Calvin

ab. Im Gegensatz zu Martin Luther stimmte er

dem Zinsgeschäft als Motivationsantrieb für

das Wirtschaftshandeln zu und legitimierte

damit die aufkommende Geldwirtschaft. Doch

auch für ihn musste sich jegliches Wirt schaf ten

am Gemeinwohl, und das bedeutete an dem

sozial ausbalancierten Verhältnis zwischen den

einzelnen Gesellschaftsschichten, messen lassen.

Wenn in der Folge der Cal vi nis mus vielfach

zum Motor des modernen Kapitalismus

erklärt wurde (Max Weber, 1920), dann darf

man dabei seine unbedingte Forde rung nach

der sozialen Verantwortung nicht vergessen.

Das von den Reformatoren aufgebrachte Thema

der christlichen Freiheit, die durch die Verantwortung

gegenüber Gott und dem Nächs ten

bestimmt wird, wurde zu einem Leit motiv eines

sich sozial verstehenden Protes tantis mus, der

auf gesellschaftlichen Ausgleich bedacht war.

Während bei Johann Hinrich Wichern, dem Begründer

der Diakonie, die Be wältigung der sozialen

Frage im 19. Jahr hun dert noch ein Projekt

individueller, sozialer Hilfs maßnahmen war,

6 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

SOLLST DU KEINE ARBEIT TUN. 2. MOSE 20,9F +++ UNSER LEBEN WÄHRET SIEBZIG JAHRE, UND WENN’S


DAS THEMA

sollte sich das zum 20. Jahrhundert hin ändern.

Mit der Konstituierung des evangelisch-sozialen

Kon gresses 1890 wurden erste Wei chenstel

lungen für die Entwicklung einer mo dernen

Wirt schafts ordnung nach den „sittlichen Idealen

des Christentums“ vollzogen, wozu schon

erste Ansätze von Mitbestimmung gehörten.

Der Millionste Käfer, 1955

DIE SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT

Noch während des NS-Regimes kam es auf

Bitten der Bekennenden Kirche zum Entwurf

einer neuen „Wirtschafts- und Sozialordnung“

in evangelischer Tradition für die Nachkriegszeit,

für die das Stichwort vom „fairen Ausgleich“

wesentlich wurde. Die Grundsätze dafür

formulierte der um die Ökonomen Walter

Eucken, Constantin von Dietze und Adolf Lampe

versammelte „Freiburger Kreis“. Gegen einen

unregulierten Marktliberalismus auf der einen

und eine staatliche Planwirtschaft auf der anderen

Seite entwickelten sie das Konzept eines

marktwirtschaftlichen „Ordoliberalismus“. Es

handelte sich dabei um ein Wirtschafts programm,

bei dem „ein Wirtschaftender der

Nächste des anderen sein kann“ und „echte

Gemeinschaft möglich ist“ (Denkschrift Freiburger

Kreis, 1944). Das sah man am ehesten

garantiert durch den „freien Wett bewerb auf

dem Markt“, der sowohl durch staatliche Verordnungen

reguliert als auch durch ein kompensatorisches

Sozialsystem flankiert wird.

Dieses Modell der später so genannten Sozialen

Marktwirtschaft galt als das Ideal einer offenen

Wirtschaftsordnung, in der „die Ziele der

Freiheit und der sozialen Ge rechtigkeit zu

einem praktischen Ausgleich“ gebracht werden,

wie das einer ihrer Prota gonisten, Adolf

Müller-Armack, prägnant formulierte hatte. Die

Globale Wirtschaft ganz lokal: Oikocredit

Soziale Marktwirtschaft wurde dann konstitutiv

für das Wirtschafts system in der frühen

Bun desrepublik. Sie trägt bis heute ein evangelisches

Copyright. Haben doch darin zwei

reformatorische Grund prin zipien – das der per -

sonalen Freiheit und das der sozialen Ver antwortung

– ihren Nieder schlag gefunden.

VERANTWORTUNG

IM GLOBALEN KONTEXT

Auf dem Erfahrungshintergrund der jüngsten

Finanz- und Schuldenkrise betonen heute beide

christlichen Kirchen die tragende Rolle der Sozialen

Marktwirtschaft für ein men schen dienliches

und nachhaltiges Wirtschaf ten. In der

ge meinsamen „Sozialinitiative“ von 2014 erinnern

sie daran, dass diese allerdings im mer

wie der an die sich wandelnden wirtschaft li chen

und sozialen Bedingungen angepasst wer den

muss. Angesichts von Globalisie rung und Kli mawandel,

aber auch von Migra tions strömen geht

es nun um die notwendige Wei terent wicklung

zu einer „ökologisch-sozialen Marktwirtschaft“

(Gemeinsame Verantwor tung 2014), für die die

ökologischen und sozialen Verantwortlichkeiten

aller Akteure grundlegend sind. Damit ist erneut

der Grundton angeschlagen, der gerade

die evangelische Sozial- und Wirtschaftsethik

von Anfang an durchzieht: Wirtschaftliches

Handeln soll dem Leben dienen, indem es auf

fairen Ausgleich bedacht ist. Dazu gehört die

Sozialpartner schaft zwischen Arbeitgebern

und Arbeitneh mern mit ihrem Recht auf betriebliche

Mitbe stimmung genauso dazu wie

die Beachtung von öko-sozialen Standards in

der Wert schöp fung – und zwar weltweit.

Daran hat in guter reformatorischer Tradition

der soziale Protes tantis mus immer wieder zu

erinnern, wenn er seiner Verantwortung im

globalen Kontext gerecht werden will.

THOMAS LÖFFLER

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

HOCH KOMMT, SO SIND’S ACHTZIG JAHRE, UND WAS DARAN KÖSTLICH SCHEINT, IST DOCH NUR MÜHE

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DAS THEMA

DIE REFORMATION UND DAS SOZIALE

ZUSAMMENLEBEN IN EUROPA

der Sozialschutz im Wesentlichen als Aufgabe

der Familie angesehen wird und der Staat nur

vergleichsweise geringen Einfluss nimmt

(Göstra Esping-Andersen, 1990).

Diese Einteilungen sind natürlich nur Grob -

beschreibungen. Die Wirklichkeit ist differenzier

ter und die Modelle vermischen sich.

Deutsch land hat sich in der Vergangenheit eher

an dem „nordischen Sozialmodell“ orientiert, in

den vergangenen Jahren aber (z. B. in der privat

finanzierten Rente) auch zunehmend Ele mente

des „angelsächsischen Modells“ aufgenommen.

Im Bereich der Bildungspolitik spielt wiederum

die Familie im europäischen Vergleich

eine überdurchschnittliche große Rolle.

UNTERSCHIEDLICHE

SOZIAL MODELLE IN EUROPA

Die Lebenssituationen der Menschen in Europa

sind überaus vielfältig. Je nachdem, ob jemand

in Skandinavien, in Großbritannien oder

in einem der Mittelmeerländer lebt, findet er

sich in sehr unterschiedlichen Wirtschaftsund

Sozialsystemen wieder. Die Art und Weise,

wie die Wirtschaft und der Sozialschutz organisiert

sind, die Rolle des Staates, aber auch

die Werte und Normen, nach denen die Menschen

ihr Zusammenleben gestalten, unterscheiden

sich grundlegend.

Woher kommen diese Unterschiede? Der dänische

Sozialwissenschaftler Göstra Esping-

Andersen unterscheidet in Europa drei verschiedene

Sozialmodelle: Ein „nordisches

Modell“, das wir aus Schweden, Finnland oder

Norwegen kennen und das durch ein hohes

Niveau an Sozialschutz und eine überdurchschnittliche

Qualität von sozialen Dienstleistungen

geprägt ist, die durch hohe Steuersätze

finanziert werden. Ein zweites, „angelsächsisches

Modell“, in dem der Sozialschutz sehr

viel stärker von der Eigeninitiative der Menschen

abhängig ist und das durch große wirtschaftliche

Freiräume bestimmt wird. Und

schließlich ein „Mittelmeer-Modell“, in dem

KONFESSIONELLE WURZELN

Der Politikwissenschaftler Philip Manow führt

diese Unterschiede in den europäischen So zialmodellen

auf die konfessionellen Prägun gen

der Gesellschaft zurück. So begründet er den

nordischen Sozialstaat mit der lutheri schen

Lehre von den zwei Regimenten, die dem

Staat eine besondere Verantwortung für das

Wohlergehen der Menschen zuweist. Im Wirtschaftsliberalismus

angelsächsischer Prä gung

sieht er bis heute ein Spiegelbild des Puri ta nismus

und der calvinistischen Wirt schaftsethik.

Und den Mittelmeerraum sieht er durch die katholische

Soziallehre geprägt, die die Familie in

den Mittelpunkt der Gesellschaft stellt. Man

müsste hierzu auch die orthodox geprägten

Länder im Mittelmeerraum ergänzen, deren

Sozialsystem sich in ähnlicher Weise auf die

Familien stützt (Philip Manow, 2002).

„Es passt sich aber

nicht, dass einer auf

des anderen Arbeit hin

müßig geht, reich ist

und wohl lebt, wäh rend

es dem Arbeitenden

übel geht, wie es jetzt die

verkehrte Gewohnheit ist.“

MARTIN LUTHER

8 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

UND ARBEIT GEWESEN. PSALM 90, 10 +++ WENN ABER DIE SONNE AUFGEHT, DANN GEHT DER MENSCH


DAS THEMA

Leisninger Kastenordnung, 1523:

Erste evangelische Kastenordnung,

mit einem Vorwort von Luther.

VON DEN KASTENORDNUNGEN DER

REFORMATION ZUM EU-VERTRAG

Tatsächlich lassen sich die Entwicklungslinien

der heutigen Wirtschafts- und Sozialordnung

an verschiedenen Stellen explizit bis in die Zeit

der Reforma tion zurückverfolgen. Im sozialen

Be reich spielen dabei die Kir chen ordnungen

der Refor mation eine wesentliche Rolle. In diesen

Kir chen ordnungen wurde nicht nur geregelt,

welche Farbe der Talar des Pfarrers

ha ben soll, sondern auch das Ehe- und Fa milienrecht

und der Unterhalt von Schulen und

Stipendien. Die dazugehörigen „Kasten ordnungen“

ordneten im Vorgriff auf spätere

sozial staatliche Entwicklungen die Fürsorge

für die sozial Schwachen. Ihr Ziel formulierte

die württembergische Kasten ordnung

wie folgt: „Dem Armen zu

Hilf und Trost, auch zur Bes serung

des Gemeinnutzens, da mit

Reich und Arm desto füglicher

(einvernehmlicher) beieinander

bleiben und wohnen mögen.“ In

diesen Kas tenord nungen findet

sich auch erstmals das so genannte

„Subsidiaritäts prinzip“,

wonach zunächst jene gesellschaftliche Ebene

für die soziale Absicherung zuständig ist, die

den Menschen am nächsten ist.

Von der Neuordnung des Verhältnisses von

Kirche und Staat in der Reformationszeit lassen

sich interessanterweise Verbindungen bis

zum heutigen Vertrag der Europäischen Union

ziehen, da Napoleon die südwestdeutschen

Kirchenordnungen als Vorlage für seinen Code

Civil nutzte. Das französische Recht bildet aber

wiederum die Grundlage des europäischen

Rechts. An manchen Stellen des EU-Vertrags

finden sich so bis heute direkte Formulierungen

aus den Kirchenordnungen, ohne dass dies

„Dem Armen zu Hilf

und Trost, auch zur

Besse rung des Gemeinnutzens,

damit Reich

und Arm desto füglicher

beieinander

bleiben und wohnen

mögen.“

WÜRTTEMBERGISCHE

KASTENORDNUNG

den streng auf ihre weltanschauliche Neutralität

bedachten Institutionen der Europäischen

Union bewusst wäre.

„DIE GUTEN, DIE SCHLECHTEN

UND DIE HÄSSLICHEN“

Spannend ist, welche unterschiedlichen Rollen

die verschiedenen Regionen in der Finanzund

Wirtschaftskrise spielen. Philip Manow

stellt die These auf, dass die anhaltende Wirt -

schafts krise ihren Ursprung gerade in jener

wirtschaftlichen Freiheit habe, die das „angelsächsische

Modell“ prägt und die auf die calvinistische

Theologie zurückzuführen sei. Umgekehrt

sei zu beobachten, dass die katholisch

geprägten Länder im Mittelmeer raum am stärksten

durch die Wirt schaftskrise

getroffen wurden. Die Länder

mit einem lutherisch geprägten

Wirtschafts- und So zialmodell

haben es demgegen über vergleichsweise

gut geschafft, die

wirtschaftlichen und sozialen

Aus wirkungen der Krise in Grenzen

zu halten.

Wenn Manow mit seiner These Recht hat,

dann sollten die europäischen Staaten jenes

Gesellschaftsmodell stärken, das seinen Ursprung

in der Zuordnung von Staat und Kirche

in der Reformation hat und das sich gerade in

Krisenzeiten als das Modell erwiesen hat, das

am besten geeignet ist, dass „Reich und Arm

desto füglicher beieinander bleiben“. 500 Jahre

nach dem Thesenanschlag von Martin Luther

an der Schlosskirche in Wittenberg sollte

Europas Wirtschafts- und Sozialpolitik in diesem

Sinn unbedingt „lutherischer“ werden, um

erfolgreich zu sein!

DIETER HEIDTMANN

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

HINAUS AN SEINE ARBEIT UND AN SEIN WERK BIS AN DEN ABEND. PSALM 104, 22F +++ ES IST

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DAS THEMA

FÜHREN MIT LUTHER –

ETHISCHE FÜHRUNGSGRUNDSÄTZE FÜR HEUTE

Es gibt von Martin Luther keine ausgearbeitete

„Führungsphilosophie“ für die

Lei tung von Unternehmen. Allerdings

beschreibt er in der Tradition mittelalterlicher

Fürstenspiegel in seiner Schrift „Von weltlicher

Obrigkeit“ (1523) Verhaltensregeln und Charak

termerkmale, die bis heute Gültigkeit haben.

Führung, so Luthers Grundidee, ist nichts,

das sich aus einer hierarchischen Position, aus

Status oder Entscheidungs befug nissen ableitet,

sondern aus dem Charakter und der

Per sönlichkeit des Menschen. Übersetzt in die

heutige Führungssprache hat er nachfolgende

Prinzipien entwickelt. Sie können durchaus als

ein Beitrag des lutherischen Protestantismus

und als Ressource für heutige Führungskräfte

gesehen werden:

„Die Kaufleute haben unter

sich eine allgemeine Regel.

Das ist ihr Wahl spruch und

die Grundlage aller Geschäfte.

Sie sagen: Ich kann meine

Ware so teuer verkaufen, wie

ich es vermag. Sie halten das

für ein Recht. Tatsächlich

aber ist damit der Habsucht Raum gegeben,

und der Hölle sind alle Türen und Fenster

geöffnet. Denn was heißt das anderes als: Ich

frage nicht nach meinem Nächsten.“

MARTIN LUTHER

1. Liebe zum Anderen

Führung folgt nicht dem Eigeninteresse,

sondern zielt auf das Wohl der Gemeinschaft.

2. Achtsamkeit und Fürsorglichkeit

Führung heißt den jeweilig Geführten dienen

und nutzen.

3. Gottvertrauen

Führung braucht die Weisheit des Herzens,

die Gott schenkt.

4. Gesinnung und Verantwortung

Führungsverantwortung braucht Gesinnung,

deren Quelle Gottvertrauen und Bildung ist.

5. Integrität und Gesetz

Führung folgt nicht nur dem Gesetz und den

Regeln, sondern der Integrität der Person.

6. Angemessenheit und Gerechtigkeit

Führung heißt Integrität in der Beurteilung

der Leistung und des Verhaltens der

Geführten.

7. Willen und Können

Führung heißt Engagement und

Professionalität.

JOSEF WIELAND

REFORMATION HEUTE

Sozialethische Schriftenreihe

zum 500. Jubiläum der Reformation

Ziel der Reihe ist es, das sozialethische Erbe

der Wittenberger Reformation zu würdigen,

die Wirkungsgeschichte kritisch zu bilanzieren

und die Bedeutung für einen sozialen

Protestantismus zu aktualisieren.

Herausgeben vom: Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD

Bestellung unter: info@si-ekd.de

oder als Download unter: www.si-ekd.de/downloads.html

10 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

UMSONST, DASS IHR FRÜH AUFSTEHT UND HERNACH LANGE SITZET UND ESSET EUER BROT MIT


ZWISCHENRUF

BLICKWECHSEL: WERTSCHÄTZUNG?!

Arbeit aus Berufung – was heißt das

eigentlich? Bei Ärz ten oder Piloten fällt

es nicht schwer, das Sinn hafte in dem

Beruf oder die Leidenschaft für den Beruf zu

erahnen. Aber was ist mit Menschen, die

putzen, wa schen, schlachten, Fliesen legen

und Müll wegräumen? Machen diese Frauen

und Män ner ihren Job aus Berufung?

Luther sagt, dass jede Arbeit – dient sie den

anderen – wertvoll ist. Er geht sogar noch

einen Schritt weiter und erklärt, dass jede

Arbeit ein Dienst an der Gemeinschaft und

somit ein Dienst an Gott ist! Jede Arbeit ist

wertvoll und verdient Anerkennung.

Wollen wir also Luthers Aus sage ernst nehmen,

dann müssen viele von uns in sich ge hen.

Denn wie oft denkt man: Nein, diesen Job,

möchte ich nicht machen. Sei es nun die Ar beit

als Kanalreiniger oder als Putz frau. Dabei ist

es gute Ar beit. Sie dient der Ge sell schaft, sie

dient uns allen. Sie macht unser aller Leben

besser und schöner. Die Menschen, die sie für

uns verrichten, verdienen unsere Wertschätzung

und einen gerechten Lohn! Sie verrichten

ihre Arbeit oft unter schwie rigen Arbeits be dingungen.

Mit unserer Aner kennung können auch

solche Ar beits bereiche mit Über zeugung und

aus Be rufung gemacht werden – weil sie dem

Nächsten dienen!

NORA LANGEROCK-SIECKEN

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG 11

SORGEN; DENN SEINEN FREUNDEN GIBT ER ES IM SCHLAF. PS 127,2 +++ DU WIRST DICH NÄHREN VON


STIMMEN AUS DER PRAXIS

LUTHER WÜRDE FEHLENTWICKLUNGEN

IM FINANZSEKTOR ANPRANGERN

INTERVIEW MIT DR. CHRISTIAN HECKER,

BUNDESBANKDIREKTOR, HAMBURG

Herr Dr. Hecker, wie kommt ein Bundesbank

direktor dazu, sich mit den Wirt schaftstheorien

Martin Luthers zu befassen?

! Mein Interesse ist geweckt worden, als

ich vor einigen Jahren zufällig auf Luthers

Schrif ten „Sermon von dem Wucher“ und „Von

Kaufs handlung und Wucher“ gestoßen bin.

Dort habe ich bemerkt, wie sich der Reformator

bei seiner ethisch motivierten Zinskritik

zugleich um ein fundiertes Verständnis der

zugrundeliegenden ökonomischen Sachverhalte

bemühte, wobei er vor dem Hintergrund

seiner Zeit wirklich Bemerkenswertes leistete.

Die Reformation entstand in einer Zeit des

Umbruchs, als der steigende Reichtum

ei ner kleinen Gruppe von Großkaufleuten

der offen sichtlichen Armut breiter Bevölke

rungs schichten gegenüberstand. Ist

diese Si tua tion mit der heutigen Zeit vergleichbar?

! Natürlich gibt es da erhebliche Unterschie

de, aber gleichwohl tragen viele ökonomische

Umbrüche unserer Tage ebenfalls zur

Ver schärfung der Ungleichheit zwischen Arm

und Reich bei. So schafft die Globalisierung

der Wirtschaft Gewinner und Verlierer, und es

ist Aufgabe der Wirtschaftspolitik, dafür zu

CHRISTIAN HECKER,

Dr. rer. pol., geb. 1976,

Diplomvolkswirt,

ist Bundesbankdirektor

und Mit glied

im Deutschen

Netzwerk Wirtschaftsethik

(dnwe). Der

Beitrag stellt aus schließlich seine

persönliche Meinung dar und

gibt nicht notwendigerweise

Positionen der Deutschen

Bundesbank wieder.

sorgen, dass die Verlierer den Anschluss

wieder erreichen. Dabei stellt sich allerdings

– noch stärker als zu Luthers Zeiten – das

Pro blem, dass sich Unternehmen und Banken

längst global bewegen, während sich Politik

zumeist weiterhin innerhalb nationaler Grenzen

abspielt. Darüber hinaus führen auch unzureichend

regulierte Finanzmärkte zu einer Vermögenskonzentration,

die aus ethischer Sicht

problematisch ist. Dies wird vor allem dann

deutlich, wenn durch staatliche Bankenrettungen

der Vermögenserhalt wohlhabender

Investoren subventioniert wird, also Gewinne

privatisiert und Verluste sozialisiert werden.

12 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

DEINER HÄNDE ARBEIT; WOHL DIR, DU HAST’S GUT. PS 128,2 +++ SO SAH ICH DENN, DASS NICHT


STIMMEN AUS DER PRAXIS

Wäre Martin Luther heute Teil der Occupy-

Bewegung und würde seine Thesen auf einer

Protestkundgebung in Frankfurt vor tragen?

! Luther würde ohne Zweifel viele Fehl entwicklungen

im Finanzsektor anprangern. Ob er

die Occupy-Bewegung unterstützen würde, vermag

ich nicht einzuschätzen, denn bekannt lich

stand er allem, was nach Aufruhr aussah, sehr

kritisch gegenüber. Er setzte eher auf die

Fähigkeit von Regierungen zur Regulierung.

Verdammen würde Luther insbesondere maßloses

Gewinnstreben und millionenschwere

Boni im Bankensektor sowie alle Arten von

Finanzgeschäften, die auf Intrans pa renz oder

Betrug basieren. Außerdem würde er die

Macht kritisieren, die von systemrelevanten

Banken ausgeht. Bankenrettungen durch den

Staat wären in seinen Augen ein klares Beispiel

dafür, wie sich Finanziers (in seiner

Sprache: Wucherer) öffentlicher Gewalt bemächtigen

und dadurch die Ordnung der Welt

auf den Kopf stellen.

Martin Luther folgte der traditionellen kirchlichen

Lehre von der „Unfruchtbarkeit des

Geldes“. Johannes Calvin hatte eine sehr

viel positivere Einschätzung von Han del

und Bankwesen. Wenn sich die beiden bei

Ihnen bewerben würden, wem würden Sie

den Job geben?

! Johannes Calvin hätte aufgrund seiner juristischen

Ausbildung sogar die Einstellungsvoraussetzungen

bei einer Zentralbank erfüllt,

während Luther, der ja sein Jura-Studium

zugunsten der Theologie aufgegeben hatte,

schon an den formalen Kriterien unserer Personalauswahl

gescheitert wäre. Aber Spaß

beiseite: Beide haben sich in ihren Schriften

durchaus fundiert mit ökonomischen Fragen

auseinandergesetzt.

„Geld kann den Hunger

nicht stillen, sondern ist

im Gegenteil der Grund

für Hunger. Denn wo

reiche Leute sind, da ist

alles teuer.“

MARTIN LUTHER

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Punkt,

der sich aus der Kritik Martin Luthers an

den Finanzmärkten für die heu tige Zeit lernen

lässt?

! Luther hat immer wieder einen Aspekt

betont, der in der heutigen Zeit regelmäßig

ausgeblendet wird: Jeder Gewinn, der in Form

von Zinsen, Dividenden o. ä. ausgeschüttet

wird, ist Ausdruck des Segens Gottes zu unserer

Ar beit. Diese Tatsache schränkt zugleich

unseren Umgang damit ein, denn ein solcher

Segen ist kein Rechtsanspruch und darf daher

nicht als sichere Einnahme für alle Zeiten

ver plant werden. Für das Finanzsystem insgesamt

bedeutet dies, dass Spielraum für

Ungewiss heit geschaffen werden muss. Das

heißt im Klartext: Eventuelle Verluste müssen

verkraftet werden, ohne dass die Märkte kollabieren

oder der Staat mit Steuergeldern eingreifen

muss.

DAS INTERVIEW FÜHRTE DIETER HEIDTMANN

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

BESSERES IST, ALS DASS EIN MENSCH FRÖHLICH SEI IN SEINER ARBEIT; DENN DAS IST SEIN TEIL. PRED

13


Speicherstadt Hamburg

STIMMEN AUS DER PRAXIS

DER EHRBARE KAUFMANN WURDE

ZU EINER HALTUNG

INTERVIEW MIT CHRISTIAN DYCKERHOFF, VORSITZENDER VORSTAND DER

„VERSAMMLUNG EINES EHRBAREN KAUFMANNS ZU HAMBURG“

Im Jahr 2017 feiern wir als Evangelische

Kir chen 500 Jahre Reformation und Sie

feiern mit der „Versammlung eines Ehrbaren

Kaufmanns“ (VEEK) ebenfalls ihr

500-jähriges Bestehen. Gibt es hier einen

Zu sam menhang?

! Nein, das ist eher ein Zufall. Gegründet

wur de die Versammlung eines „gemeenen

Koop manns“ als Interessensverband der seehan

deln den Hamburger Kaufleute. Von 1665

bis 1933 war die VEEK die Trägerin der Vorgän

ger institutionen der heutigen Handelskammer.

Als sich später der Hamburger Senat

„Ehrbarer Senat“ nannte, wollten die Hamburger

Kauf leute nicht zurückstehen und wurden

zur „Ver sammlung eines Ehrbaren Kaufmanns“.

Als nach dem Krieg das IHK-Wesen in

Deutsch land neu geregelt wurde, überführten

engagierte Mitglieder die Versammlung zu

einer Ver eini gung Hamburger Kaufleute, die

CHRISTIAN

DYCKERHOFF war bis zu

seiner Pensionie rung

Mitglied des Vorstandes

der BDO Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

AG.

Bis zum 31.12.2016

war er Vorstand der

„Ver samm lung eines

Ehrbaren Kauf manns zu Hamburg“ e.V.

Christian Dyckerhoff ist Mitglied im

Johanniterorden.

sich für ihre Stadt und deren Wirtschaft engagierten.

Zu nehmend orientierten sie ihr Handeln

in Wirt schaft und Gesellschaft an ethischen

Grundsätzen.

Ist hier ein Ideal formuliert?

! Ideale, die sich als lebbare Haltung zeigen,

wollte der Hamburger Kaufmann schon immer

14 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

3,22 +++ UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE. MT 6,11 +++ NIEMAND KANN ZWEI HERREN DIENEN:


„Das kann man aber nicht leugnen, dass

kaufen und verkaufen ein notwendig Ding ist,

das man nicht ent behren und gut christ lich

gebrauchen kann, besonders in den Dingen, die

zum täglichen Bedarf und in Ehren dienen.“

MARTIN LUTHER

haben. Augenmaß, Verantwortungs bewusstsein,

Orientierung an Treu und Glauben.

Welche Rolle haben dabei die christlichen

Werte?

! Die Vorsitzenden der VEEK waren immer

Per sonen, die sich bewusst in eine christliche

Tradition gestellt haben, so dass diese Grundlage

auch in das Leitbild eingeflossen ist.

Es sind die im VEEK handelnden Personen,

die für christliche Werte einstehen?

! Christliche Werte sind sicher ein Teil des

von der VEEK in 2008 publizierten Leitbilds.

Wir verstehen uns aber nicht als eine Vereinigung

„christlicher Kaufleute“. Die Mitglieder

wollen als handelnde Kaufleute bewusst dafür

einstehen, eine dem Leitbild entsprechende

Handlungsweise in den Unternehmen und in

der Gesellschaft an den Tag zu legen.

Dem Anspruch steht die Wirklichkeit gegen

über. Welche Möglichkeit haben Sie,

Mitglieder bei unethischem Verhalten zu

sanktionieren?

! Handlungsleitend und Orientierung ist die

Gesetzeslage, die von allen gesellschaftlichen

Gruppen entschieden wird. Wer gegen Gesetze

verstößt, wird gebeten, auszutreten. Es gibt

darüber hinaus auch ein Schiedsgericht.

Wie offen sind Sie für andere Religionen

oder auch nicht religiöse Unternehme rinnen

und Unternehmer?

! Unser Leitbild ist sicher von der abendländischen

Kultur geprägt. Jedoch ist jeder, der

die Voraussetzungen zur Aufnahme in die

VEEK erfüllt und sich mit den im Leitbild niedergelegten

Grundsätzen einverstanden erklärt,

herzlich willkommen.

Wie blicken Sie in die Zukunft?

! Unternehmerisches Handeln ist immer an

der Zukunft orientiert, denn wir wollen auch

morgen noch Geschäfte machen, Wirtschaft

gestalten und der Gesellschaft dienen. Mit der

Digitalisierung stehen wir vor Entwicklungen,

die Wirtschaft und Gesellschaft stark verändern

werden. Die VEEK erwartet von den Kaufleuten,

sich immer wieder zu fragen, ob ihr

Han deln sich an den Grundsätzen des Leitbildes

auch in bisher unbekannten Situationen

orientiert.

DAS INTERVIEW FÜHRTE RENATE FALLBRÜG

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

ENTWEDER ER WIRD DEN EINEN HASSEN UND DEN ANDERN LIEBEN, ODER ER WIRD AN DEM EINEN

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Messestand für eine Druckerei aus bedrucktem Papier, der sich über den Messetag optisch wandelt von schwarz-weiß zu bunt.

STIMMEN AUS DER PRAXIS

DAS BESSERMACHEN IST DIE KÜR

INTERVIEW MIT ULRIKE GAUDER UND UWE TISCHER,

IMPULSLABOR FRANKFURT

Sie betreiben das „Impulslabor“ Was ist

das?

! Wir sind ein Designbüro, entwickeln Corporate

Designs für den Mittelstand und öffentliche

Institutionen und arbeiten zwei- und dreidimensional,

also für Print, Web und Raum.

Was war die Motivation, ein eigenes Unternehmen

zu gründen?

! Die Freiheit, Projekte selbst in die Hand

neh men zu können und zu entscheiden, wie

wir die Dinge angehen. Am Ende entscheidet

der Kunde, aber wir überprüfen die Themen

aus der Sicht des Externen und entwickeln

daraus schlüssige Kommunikationsstrategien.

Warum gerade in einem innovativen, kreativen

Bereich?

! Das hat zunächst mit der Herkunft und

der Familie zu tun. Hinzu kam die Faszination,

exis tierende Dinge zu überdenken und zu

ULRIKE GAUDER

Diplom-Grafik-Designerin,

Jahrgang 1965, studierte in

Stuttgart und Offenbach,

nach Stationen in Paris,

Leipzig und Erfahrungen in

verschiedenen Designbüros,

leitet sie seit 20 Jahren gemeinsam

mit Uwe Tischer das Designbüro Impuls labor

mit den Schwerpunkten Konzeption und Ge ­

staltung für Corporate Design-, Web design-,

Messe- und Ausstellungs-Projekte.

überprüfen, ob man sie nicht besser machen

könnte. Ob das dann innovativ ist, entscheiden

aber andere mit einem gewissen Abstand.

Martin Luther hat einmal gesagt, „ändern

ist leicht, bessern ist schwer“.

! In unserem Beruf geht es meist darum,

exis tierende Dinge intelligenter und nachhaltiger

zu machen, nicht um die Eintagsfliege

von etwas Neuem, das keiner braucht.

16 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

HÄNGEN UND DEN ANDERN VERACHTEN. IHR KÖNNT NICHT GOTT DIENEN UND DEM MAMMON. MATTH 6,


STIMMEN AUS DER PRAXIS

„Das ist immer das

Kennzeichen eines

Löhners, dass er

seiner Arbeit gern ein

Ende sähe. Aber einen

wahren Liebhaber, den verdrießt

weder Arbeit, Zeit noch Mühsal.“

MARTIN LUTHER

Kirche ha ben sich aber schon viele die Zähne

ausgebissen. Auf jeden Fall gehört der Mut

dazu, sich einzumischen und auch eine gewisse

Bereit schaft, die Kritik dafür auszuhalten.

Die Kirche muss die Men schen außerhalb

der Kirche einbeziehen.

Fragen, Nachdenken und Überdenken hilft

dabei. Das Bessermachen ist die Kür, Luther

hat’s gewusst.

Die Reformatoren nutzten die neuesten Medien

ihrer Zeit. Was müsste Martin Luther

heute tun, um seine Thesen unter das Volk

zu bringen?

! Medien sind nur ein Vehikel zur Kommunikation.

Entscheidend ist die Botschaft. Wenn

die Botschaft inhaltlich stimmt, dann lassen

sich daraus auch die Methoden der Kommunikation

entwickeln, diese z. B. viral und

provokant zu verbreiten. Das Ergebnis ist dann

originär und schlüssig. Allein mit der Wahl

des Mediums ist man nicht näher an den

Leuten. An Konzepten zur Erneuerung der

UWE TISCHER,

Diplom-Produktdesigner,

Jahrgang 1966, studierte in

Schwäbisch-Gmünd und

Offenbach. Nach Erfahrungen

in Mailand und bei

einem staatlichen Umweltprogramm

in Hessen, gründete er mit Ulrike

Gauder vor 20 Jahren das Impulslabor, das

überwiegend für mittelständische Firmen,

Sozialunternehmen und Verbände tätig ist.

Er kümmert sich um Konzept, Messe-,

Ausstellungs-Projekte und Exponate.

Sie sind selbst evangelisch. Spielt Ihr Glau be

im wirtschaftlichen Alltag eine Rolle?

! Wir werden selten nach unserer Religion

gefragt. Aber unser Beruf hat viel mit Werten

und manchmal auch mit Missionsarbeit in

Sachen Gestaltung zu tun. Ähnlich wie Architekten

hängen wir an dem Ideal, die Welt verbessern

zu wollen. Dabei geht es um Grundwerte

wie Respekt, Wertschätzung, Umgang

mit Ressourcen und menschlichen Bezie -

hungen. Das findet sich in den kleinsten Projekten

wieder. Uns interessiert eine nachhaltige

Wir kung.

Wir hinterfragen in unseren Projekten immer

die Glaubwürdigkeit und glauben an das

Gute und Ehrliche. Oberflächliche Gesten und

Schaumschlägerei fliegen über kurz oder lang

auf. Nur ein aufrichtiges und vertrauensvolles

Miteinander führt zum Erfolg. Wir meinen,

dass daraus Qualität und eine gute Gestaltung

erwächst.

2017 ist das Reformationsjahr. Nehmen Sie

daran teil?

! Wir haben überlegt, was steht eigentlich in

den 95 Thesen und was ist davon heute noch

aktuell? Schön wäre, wenn im Reformationsjahr

die Themen des Respekts, des Teilens und

der Toleranz in einer pluralen Gesellschaft im

Mittelpunkt stehen würden.

DAS INTERVIEW FÜHRTE DIETER HEIDTMANN

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

24 +++ WAS HÜLFE ES DEM MENSCHEN, WENN ER DIE GANZE WELT GEWÖNNE UND NÄHME DOCH

17


ZWISCHENRUF

SIND FRAUEN DIE BESSEREN „ÖKONOMEN“?

Dieser Werbespot sagt mehr als tausend

Worte: Eine Frau sitzt bei einem Bankbe

rater und wird gefragt, was sie beruflich

macht. „Ich leite erfolgreich ein Familienunternehmen“,

sagt sie lächelnd. Den Bankgeschäften

scheint nichts im Wege zu stehen.

Doch wie sich zeigt, hat sie weder einen Handwerksbetrieb

noch steht sie als Geschäfts führerin

einem Unternehmen vor und sie ist auch

nicht Teil eines Vorstandes oder Auf sichts -

rates. Sie ist Hausfrau und Mutter. Als solche

verfügt sie über alle Qualifikationen, die auch

in Managementhandbüchern als Grund voraussetzungen

zu finden sind: Organisationskompetenz,

Führung und Ausbildung, Team-Building-

Kompetenz, Belastbarkeit, Fle xi bilität, soziale

Kompetenz und wirtschaftliches Denken.

KATHARINA VON BORA

ALS ÖKONOMIN

Im Sinne dieses Werbespots kann auch Katharina

von Bora, die Ehefrau Martin Luthers, als

evangelische Unternehmerin der ersten Stunde

bezeichnet werden. Sie führte die Finanzen,

den Haushalt, betrieb ein Internat, sorgte für

Um- und Ausbauten, ließ Bier brauen und war

in jeder Hinsicht geschäftstüchtig und gut

orga nisiert. Und das in einer Zeit, in der sie

rechtlich nicht geschäftsfähig war – allein,

weil sie eine Frau war.

Heute liegen uns profunde Analysen zum

Thema Frauen und Führung vor. Es gibt engagierte

De batten zur Frage, warum es so

wenige Frauen in Vorstände oder Aufsichts räte

schaffen. In den Unternehmen werden Mentoring-Projekte

und spezielle Trainee-Programme

angeboten, mit denen Frauen gezielt

gefördert werden. Und doch bleibt die Erfahrung,

dass da noch manches dicke Brett gebohrt

werden muss.

Wenn wir mit Blick auf das Lutherjahr 2017

über Frauen und Führung nachdenken, stellt

sich die Frage, was an der Reformation so

nach haltig wirksam ist, dass es über die sozialen

und kulturellen Bedingtheiten jener Epoche

„Ich würde meine

Käthe nicht für Frankreich

und Venedig

dazu hergeben,

denn Gott hat sie mir

geschenkt und mich

ihr gegeben.“

MARTIN LUTHER

18

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

SCHADEN AN SEINER SEELE? ODER WAS KANN DER MENSCH GEBEN, WOMIT ER SEINE SEELE AUSLÖSE?


ZWISCHENRUF

heute noch reformatorische Kraft besitzt. Mein

Dank: „Lieber Martin Luther, liebe Reformatoren,

für die Erkenntnis, dass Bildung für alle

Menschen der Schlüssel für eine geistige, persönliche

und auch eine berufliche Entwicklung

ist, möchte ich euch heute noch einmal herzlich

danken. Es ist der erste wichtige Schritt

für jegliche Emanzipation!“ Und wenn ich

Luthers „allein die Schrift“ ernst nehme, dann

entdecke ich in der Bibel viele starke Frauen.

Zum Beispiel Lydia, die Purpurhändlerin (Apostel

geschichte 16,14f) und erste Leiterin einer

christlichen Gemeinde in Europa. Diese Unternehmerin

hat viel dazu beigetragen, dass die

christliche Gemeinschaft wachsen und sich

entwickeln konnte.

Vor Gott spielt es keine Rolle, ob ich ihm als

Hausfrau, Unternehmerin oder Anwältin diene.

Und doch bleiben in der Welt Fragen: Wie

komme ich zu meinem Beruf? Was fördert und

was hindert mich, meine Gaben zu entfalten?

Welche Arbeit ist was wert? Und warum denken

wir heute immer noch bei den Stichworten

„Management, Führungskraft und Ziel orientierung“

zuerst an Männer?

RENATE FALLBRÜG

Lucas Cranach d. Ä.:

Katharina von Bora, um 1530,

Landesmuseum Württemberg

KATHARINA VON BORA (1499 – 1552)

war säch sische Adelige und Ordensfrau.

Mit 26 Jahren verheira tete sie

sich mit Martin Luther, was bewusst

gegen das zölibatäre Gebot der Kirche

erfolgte. Gemeinsam hatten sie

sechs Kinder und begrün deten damit

die Tradition des evangeli schen

Pfarrhauses. Mit strengem Regiment

führte sie den großen Haushalt in

Wittenberg, der viele Personen aus

dem Umkreis des Reformators zu Gast

hatte. Nicht zuletzt deshalb wurde

sie auch „die Lutherin“ genannt.

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

MATTH 16,26 +++ LIEBE DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST. MATTH 19.19 +++ EIN ARBEITER IST

19


SPIRITUELLE ANREGUNGEN

WORAN HÄNGT MEIN HERZ?

PREDIGTIMPULS I

Es ist die Frage, die sich in der Arbeitswelt

letztlich nicht wegschieben lässt, sondern

recht verstanden werden will. Oder

wollen wir bei der Frage nach der alles bestimmenden

Größe des Lebens Gott und Geld verwechseln?

Nein, denn nach dem Menschenbild

der Bibel hat ein Mensch Augen, um zu sehen,

Ohren, um zu hören, und ein Herz, um zu verstehen

(5. Mose 29,3).

Im Wirtschafts- und Arbeitsleben drehen sich

die Aktivitäten der Menschen in irgendeiner

Weise um Güter und Dienstleistungen, die mit

Kosten und Preisen, mit Löhnen und Profiten

zu tun haben. Es geht um das liebe Geld. Wir

müssen dabei aufpassen: Nicht dem Geld,

„Man muss beten, als ob

alles Arbeiten nichts

nützt, und arbeiten, als ob

alles Beten nichts nützt.“

MARTIN LUTHER

sondern Gott gebührt die größte Aufmerksamkeit.

Deshalb sagt das erste Gebot: „Ich

bin der HERR dein Gott. Du sollst nicht andere

Götter haben neben mir.“

Martin Luther schreibt zum ersten Gebot im

Großen Katechismus: „Die zwei gehören zusammen,

Glaube und Gott. Woran du nun,

20 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

SEINES LOHNES WERT. LUK 10,7 +++ ALLE DINGE SIND MÖGLICH DEM, DER DA GLAUBT. MARKUS 9,23


SPIRITUELLE ANREGUNGEN

sage ich, dein Herz hängst und worauf du dich

verlässt, das ist eigentlich dein Gott … Es ist

mancher, der meint, er habe Gott und alles zur

Genüge, wenn er Geld und Gut hat; er verlässt

sich darauf und brüstet sich damit so steif und

sicher, dass er auf niemand etwas gibt. Sieh,

ein solcher hat auch einen Gott: der heißt

Mammon, d. h. Geld und Gut; darauf setzt er

sein ganzes Herz. Das ist ja auch der allgemeinste

Abgott auf Erden. Wer Geld und Gut

hat, der weiß sich in Sicherheit, ist fröhlich und

unerschrocken, als sitze er mitten im Paradies;

und umgekehrt, wer keins hat, der zweifelt

und verzagt, als wisse er von keinem Gott.

Denn man wird ja ganz wenig Leute finden, die

guten Muts sind und weder trauern noch klagen,

wenn sie den Mammon nicht haben; das

klebt und hängt der menschlichen Natur an bis

in die Grube.“

Man könnte sich bei diesen kritischen Worten

zur Macht und Faszination von Geld und

Gut nun eventuell bequem zurücklehnen und

denken, so sehr hängt mein Herz nicht am

schnöden Mammon, dass ich in Gefahr geraten

könnte, Gott und Abgott zu verwechseln.

Auch Luther kennt offensichtlich solche intellektuellen

Ausflüchte und fährt in seiner

Besinnung fort: „Ebenso ist’s auch mit einem,

der darauf vertraut und trotzt, dass er großes

Wissen, Klugheit, Gewalt, Beliebtheit, Freundschaft

und Ehre hat. Der hat auch einen Gott,

aber nicht diesen rechten, alleinigen Gott. Das

siehst du abermals daran, wie vermessen,

sicher und stolz man auf Grund solcher Güter

ist, und wie verzagt, wenn sie nicht vorhanden

sind oder einem entzogen werden. Darum

sage ich noch einmal, dass die rechte Auslegung

dieses Stückes ist: Einen Gott haben

heißt etwas haben, worauf das Herz gänzlich

vertraut.“

Wir können uns in der Beantwortung der Gretchenfrage,

wie wir es im Alltag unserer Berufe

mit Gott und dem Geld halten, von keinem anderen

Menschen vertreten lassen. Das erste

Gebot gibt uns aber eine elementare Grundorientierung.

Damit wir Gott über alle Dinge

fürchten, lieben und ihm vertrauen.

EINGANGSGEBET

Gott, in der Stille dieses Augenblicks

sei du unseres Herzens Licht,

das uns Klarheit gibt über unser Wesen,

unsere Hoffnungen und Ziele.

Erfülle uns mit deinem Geist

und stärke unseren Glauben.

Vertreibe alles Dunkle und Böse.

Mache uns frei für das Hören auf dein

Wort, durch Jesus Christus

unseren Bruder und Herrn. Amen.

FÜRBITTENGEBET

Gott, wenn du bei uns bist,

verwandelt sich unsere Welt.

Wenn du uns erleuchtest,

weicht unsere Dunkelheit.

Wenn dein Wort uns bewegt,

erwacht unser Glaube.

Du bist da für uns und alle Welt.

Deshalb danken wir dir und bitten:

Gib Mut und Hoffnung,

wenn wir mutlos und niedergeschlagen

sind. Lass den Glauben in uns stark

und fröhlich werden, wenn wir uns

schwach und traurig fühlen.

Wenn wir unser Recht fordern,

erinnere uns an das Recht der anderen.

Wir bitten für die eine Welt, in der wir

leben, und auch für die Arbeitswelt,

in der wir uns einbringen wollen.

Lass uns aufpassen,

dass wir nicht dem Geld und anderen

Gütern solche Aufmerksamkeit geben,

die allein dir gebührt.

Schärfe unser Verstehen,

dass wir uns im Alltag an deine Gebote

halten und unser Herz an dich hängen,

durch Jesus Christus

unseren Bruder und Herrn.

KARL-ULRICH GSCHEIDLE

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

+++ WAS HAST DU, DAS DU NICHT EMPFANGEN HAST? 1. KOR 4,7 +++ WER GESTOHLEN HAT, DER

21


SPIRITUELLE ANREGUNGEN

ARBEITEN AUS BERUFUNG

PREDIGTIMPULS II

Wahrscheinlich war es Zufall, dass in

der ARD ausgerechnet mit dem

Beginn des großen Lutherjahrs am

31. Oktober 2016 eine Themenwoche zur

„Zukunft der Arbeit“ startete. Aber ganz so

verkehrt lagen die Programmmacher damit

nicht. Unser heutiges Verständnis von Arbeit

und Beruf hat nämlich ganz wesentlich mit

Martin Luther und seiner Reformation zu tun.

Zuvor war das Arbeiten zwar eine naturgegebene

Notwendigkeit, um seinen Lebensunterhalt

zu verdienen, aber es hatte keinen

besonderen Stellenwert. Wer nicht zu arbeiten

brauchte wie die Feudalherren oder der Klerus,

der war in jedem Fall besser dran. Mit Luther

änderte sich das.

„Alle Arbeit ist nichts

anderes als ein

Finden und Aufheben

der Güter Gottes.“

MARTIN LUTHER

Für ihn bekam die körperliche Arbeit eine ganz

neue Qualität. Ja, sie wurde mit dem Gottesdienst

der Kleriker auf eine Ebene gestellt.

„Wenn der Knecht im Stall und die Magd in der

Stube ihre Arbeit gewissenhaft verrichten, so

bedeutet das Gott und zugleich dem Nächsten

zu dienen“, so schrieb der Reformator einmal.

Die Arbeit im Alltag wurde für Martin Luther

zum Gottesdienst in der Welt und die jeweilige

Tätigkeit eines Menschen galt für ihn als seine

Berufung durch Gott. Ein neues Wort bereichert

seither die deutsche Sprache: Das Wort

„Beruf“! Nicht von ungefähr sieht man in der

Ausbildung des lutherischen Berufsbegriffs

einen der größten Beiträge der Reformation

zur modernen Arbeitskultur. Fleißig, gewissenhaft,

anständig und pünktlich seine Arbeit zu

erledigen, das galt fortan als Inbegriff der protestantischen

Arbeitsethik. Die Würde der

Arbeit, die sich in diesem Berufsverständnis

ausdrückt, sie hat auch mit der Würde des

Menschen zu tun, der in seiner Arbeit einen

Sinn entdecken will.

Arbeit 4.0

Doch wird unsere Arbeitswelt das in Zukunft

noch ermöglichen, was das Wort Beruf beinhaltet

und was die Gewerkschaften gegenwärtig

mit dem Stichwort „gute Arbeit“ umschrieben

haben? Nämlich eine Berufstätigkeit, die

Freude macht und Sinn vermittelt und dazu

noch angemessen entlohnt wird? Die zunehmende

Digitalisierung und die Beschleunigung

der Arbeitsprozesse sowie der damit verbundene

Kostendruck haben die menschliche

Seite der Arbeit vielfach in den Hintergrund

treten lassen. An vielen Arbeitsplätzen lässt

schon der „Kollege“ Roboter grüßen. Aber wer

bei seiner Berufsausübung nur noch von Zielvereinbarungen

getrieben und von Kennziffern

gerastert wird, dem geht leicht das Gefühl für

jene Würde der Arbeit verloren, die doch auch

zum Beruf gehört. Der verliert seine Lust und

manchmal auch seine Gesundheit. Der Beruf

wird zum Job und die Arbeit zum Zwang.

Arbeiten aus Berufung? Gar noch aus dem

Mo tiv heraus, seinen Mitmenschen und damit

Gott zu dienen, wie Martin Luther sich das

einst gedacht hatte? Nur die wenigsten werden

dieser Beschreibung der Berufstätigkeit noch

zustimmen. Doch ohne tieferen Sinn, meine ich,

geht es im Arbeitsleben dennoch nicht. Irgendetwas

wird jeder darin finden, wo er oder sie

sagen wird: „Das ist meins, das tue ich gern.

Und wenn ich für andere damit nützlich bin,

dann umso besser.“ Stellen Sie sich – sofern

Sie berufstätig sind – einmal vor, was wäre,

wenn Sie am Montagmorgen plötzlich nicht

mehr zur Arbeit müssten? Ich bin mir si cher,

den meisten würde ganz schön viel fehlen.

THOMAS LÖFFLER

22 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

STEHLE NICHT MEHR, SONDERN ARBEITE UND SCHAFFE MIT EIGENEN HÄNDEN DAS NÖTIGE GUT, DAMIT


SPIRITUELLE ANREGUNGEN

BIBLISCHE TEXTE

1. Mose 2,5.15; 3,19: Die Ambivalenz von

Arbeit: Die mühevolle Notwendigkeit der

Arbeit und die Möglichkeit einer nützlichen

Selbstentfaltung.

2. Mose 20,2.10: Die Befreiung der Sklaven

aus Ägypten und die Begrenzung der Arbeit

durch den Sabbat.

Psalm 104: Die Arbeit als erfüllende Tätigkeit

geschieht zum Lob Gottes.

Psalm 127: Der Schlaf setzt der Arbeit

gottgewollte Grenzen

Spr 14,34: Gerechtigkeit als Qualität eines

Gemeinwesens.

Jes 58, 6–12: Soziale Gerechtigkeit führt zu

gelingender Gemeinschaft.

Am 5, 21–24: Recht und Gerechtigkeit statt

falscher Gottesdienst

Mt 6, 33: Gerechtigkeit als Dimension des

Reiches Gottes

Mt 19, 16ff: Die Gefahr des Reichtums.

Mt 20, 1–16: Die Arbeiter im Weinberg:

Gerechter Lohn und die Würde aller Arbeitenden.

Mt 22,34–40: Das höchste Gebot: Gott und

den Nächsten lieben.

Mt 25, 14–30: Von den anvertrauten Talenten.

Klugheit im Wirtschaften.

Gal 5,13: Die Berufung zur Freiheit realisiert

sich im Dienst am Nächsten.

Eph 5, 9: Die Gerechtigkeit als Frucht des

christlichen Lebens.

2. Thess 3,10: Arbeit als Dienst für die

Gemeinschaft, von der sie lebt.

1 Petr 3,15: Bereitschaft zur Verantwortung.

Mt 5, 6: Seligpreisung der Gerechten.

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THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG 23

ER DEM BEDÜRFTIGEN ABGEBEN KANN. EPH 4,28 +++ SETZT EURE EHRE DAREIN, DASS IHR EIN STILLES


SPIRITUELLE ANREGUNGEN

GEBET IN DER VERANTWORTUNG

Hab’ Dank, Gott, für die Möglichkeiten

in meinem Berufsalltag.

Ich bin frei, eigene Ideen umzusetzen,

kann meine Zeit weitgehend selbst gestalten

und ich kann meine Fähigkeiten

zum Wohl des Unternehmens und seiner

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzen.

Und doch, Gott, trage ich an manchen

Tagen schwer an der Verantwortung.

Der Markt ist enger geworden,

die Entscheidungen müssen immer

schneller getroffen werden und

die Dynamik der Veränderung ist an

manchen Tagen kaum zu überblicken.

Bei Dir suche ich Kraft, Liebe und

Besonnenheit für diesen Arbeitstag.

Leite und begleite mich in meinem

Tun und Lassen. Amen.

SEGEN

Gott, segne uns und behüte uns

bei all unserem Tun und Arbeiten,

in Industrie, Verwaltung und Pflege,

in Handel, Handwerk und Wirtschaft.

Gott, lass dein Angesicht leuchten über uns,

an Orten,die uns Heimat sind,

bei unseren Familien und Freunden

und allen Menschen, die uns wichtig sind.

Und sei uns gnädig,

dass wir befreit werden von Sorgen,

Angst und Schuld.

Gott, erhebe dein Angesicht auf uns

dort, wo wir uns engagieren

in Kirchen und Gewerkschaften,

in Parteien, Verbänden und Vereinen.

Und gib uns Frieden.

Lass uns erkennen,

dass unser Leben mehr ist,

als alles, was wir daraus machen können.

Sei mit uns.

Amen.

LIEDER

EG 254 Wir woll’n uns gerne wagen

EG 262 Sonne der Gerechtigkeit

EG 299 Aus tiefer Not schrei ich zu dir

EG 432 Gott gab uns Atem

EG 495 O Gott, du frommer Gott

EG 494 In Gottes Namen fang ich an

EG 497 Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun

EG

EG

Die Erde ist des Herrn (Regionalteil)

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit

gehen (Regionalteil)

„Die Herren machen das selber, dass

ihnen der arme Mann feind wird. Die

Ur sache des Aufruhrs wollen sie

nicht wegtun.

Wie kann es die

Länge gut

werden?“

THOMAS MÜNTZER

„Denn Gott legt irdische

Güter zu dem einen Zweck in

die Hände der Reichen, dass

sie die Gelegenheit und die

Fähigkeit haben, ihren

Nächs ten, die in der Be dürftig

keit leben, zu Hilfe zu

kommen“

JOHANNES CALVIN

24 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

LEBEN FÜHRT UND DAS EURE SCHAFFT UND MIT EUREN EIGENEN HÄNDEN ARBEITET. 1. THESS 4,11 +++


LINKS UND LITERATUR

LITERATUR

Günther Brakelmann / Traugott Jähnichen (Hg.):

Die protestantischen Wurzeln der Sozialen

Marktwirtschaft. Ein Quellenband. Gütersloh 1994.

Göstra Esping-Andersen: The Three Worlds of

Welfare Capitalism. New York 1990.

Anika Füser / Gunther Schendel / Jürgen Schönwitz

(Hg.): Beruf und Berufung? Wie aktuell ist das

reformatorische Berufsverständnis? Leipzig 2017.

Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte

Gesellschaft. Initiative des Rates der EKD und der

Deutschen Bischofskonferenz für eine erneuerte

Wirtschafts- und Sozialordnung. Hannover 2014.

Jochen Gerlach: Arbeiten und Mensch sein.

Zur anthropologischen Bedeutung von Arbeit.

In: Leibhaftes Personsein. FS Eilert Herms zum

75. Geb., E. Gräb-Schmidt u.a. (Hg.). Leipzig 2015,

297–312.

Hans-Jürgen Goertz, Thomas Müntzer:

Revolutionär am Ende der Zeiten. München 2015.

Christian Hecker: Wenn aus Kontingenz

Notwendig keit wird. Die neue Welt der Finanzmärkte

und die alten Warnungen Martin Luthers.

In: Zeitschrift für Evangelische Ethik (ZEE),

München 3/2015.

Traugott Jähnichen u.a. (Hg.): Calvin entdecken.

Wirkungsgeschichte, Theologie, Sozialethik.

Berlin 2010.

LINKS

Reformationsjubiläum:

www.r2017.org

Sozialwissenschaftliches Institut der EKD:

www.ekd.de/si

Deutsches Netzwerk Wirtschaftsethik:

www.dnwe.de

Arbeitskreis Evangelische Unternehmer:

www.aeu-online.de

Institut für Wirtschafts- und Sozialethik

Marburg:

www.iwse.de

Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik:

www.wcge.org

Stiftung Sozialer Protestantismus:

www.ev-sozialakademie.de

BESTELLUNG

Unsere Themenhefte können

Sie hier bestellen:

KWA-Geschäftsstelle

Telefon: 0511 473877-12

E-Mail: info@kwa-ekd.de

Traugott Jähnichen: Soziale Marktwirtschaft,

Reformation heute. Die sozialethische Schriftenreihe

zum 500. Jubiläum der Reformation,

(Sozialwiss. Institut der EKD, Hg.), Hannover 2015.

70 Jahre Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-

Kreises, Nachdruck (AEU Hg.), Karlsruhe 2015.

Die Liebe Gottes in den Ordnungen der Welt –

Themen und Arbeitshilfen zu den bleibenden

Impulsen der Reformation für Wirtschaft und

Arbeitswelt, Ideenheft zur Vorbereitung des

Jubiläumsjahres (KDA Baden und Württemberg, Hg.),

2015 – nur online verfügbar: www.kda-baden.de.

Martin Luther: Sermon von den guten Werken,

1520, WA 6, 196–276.

Philip Manow: ‚The Good, the Bad and the Ugly‘.

Esping-Andersen‘s Welfare State Regime Typology

and the religious Roots of Western Welfare

States. Kölner Zeitschrift für Soziologie und

Sozialpsychologie. Köln 2002. Bd. 54, 203-225.

Nils Ole Oermann: Anständig Geld verdienen.

Eine protestantische Wirtschaftsethik.

Freiburg i.Br. 2014.

Hans-Jürgen Prien: Luthers Wirtschaftsethik.

Nürnberg 2012.

Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit

des Umbruchs. München 2012.

Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der

Arbeitswelt. EKD-Denkschrift. Hannover 2015.

Unternehmerisches Handeln in evangelischer

Perspektive. EKD-Denkschrift. Hannover 2008.

Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist

des Kapitalismus. Vollständige Ausgabe

(Dirk Kaesler, Hg.). München 3. Aufl./2010.

Gerhard Wegner: Beruf, Reformation heute.

Die sozialethische Schriftenreihe zum 500.

Jubiläum der Reformation, (Sozialwiss. Institut der

EKD, Hg.). Hannover 2014.

THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

SEID ALLEZEIT BEREIT ZUR VERANTWORTUNG VOR JEDERMANN, DER VON EUCH RECHENSCHAFT

25


IMPRESSUM & KONTAKTE

ERSTELLT VOM

KDA-BUNDESAUSSCHUSS

FÜHRUNG UND VERANTWORTUNG

REDAKTION

Thomas Löffler

KDA Baden

thomas.loeffler@ekiba.de

Dr. Jochen Gerlach

Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales,

Ev. Kirche Kurhessen-Waldeck

jochen.gerlach@ekkw.de

AUTORINNEN UND AUTOREN

Renate Fallbrüg

Pastorin KDA Nordkirche

renate.fallbrueg@kda-nordkirche.de

Dr. Jochen Gerlach

Leiter Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales,

Ev. Kirche Kurhessen-Waldeck

jochen.gerlach@ekkw.de

Karl-Ulrich Gscheidle

Wirtschafts- und Sozialpfarrer

KDA Württemberg

karl-ulrich.gscheidle@ev-akademie-boll.de

Dr. Dieter Heidtmann

Leiter KDA Baden

dieter.heidtmann@ekiba.de

Nora Langerock-Siecken

Referentin Öffentlichkeitsarbeit

und Fundraising

Geschäftsstelle KWA

n.langerock-siecken@kwa-ekd.de

Thomas Löffler

Wirtschafts- und Sozialpfarrer

KDA Baden

thomas.loeffler@ekiba.de

Prof. Dr. Josef Wieland

Wirtschaftsethiker am Lehrstuhl für

Institutional Economics,

Zeppelin-University, Friedrichshafen,

Direktor Leadership Excellence Institute

Zeppelin | LEIZ

josef.wieland@zu.de

VERANTWORTLICH

Michael Klatt

Vorsitzender

Ev. Verband Kirche Wirtschaft Arbeitswelt

(KWA) und Vorsitzender des Kirchlichen

Dienstes in der Arbeitswelt (KDA)

KOORDINATION

Nora Langerock-Siecken

Referentin Öffentlichkeitsarbeit

und Fundraising

Geschäftsstelle KWA

Friedrich-Karrenberg-Haus

Arnswaldtstraße 6

30159 Hannover

n.langerock-siecken@kwa-ekd.de

www.kwa-ekd.de

DIE ARBEITSFELDER DES KWA

Bundesverband Evangelischer

Arbeitnehmerorganisationen

Bernhard Dausend

Vorsitzender (BVEA)

www.kwa-ekd.de/bvea

Handwerk und Kirche

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Vorsitzender (AHK)

www.ahk-ekd.de

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Michael Klatt

Vorsitzender (KDA)

www.kda-ekd.de

DIE KAMPAGNEN DES KWA

www.sozialwahl-evangelisch.de

www.5000-brote.de

www.forum-kwa.de

www.kwa-ekd.de/arbeitplus

RÜCKMELDUNGEN ERWÜNSCHT

Das Redaktionsteam freut sich

über Rückmeldungen zu dieser

Broschüre: info@kwa-ekd.de

Gerne nehmen wir auch Ihre

Anregungen in unsere weitere

Arbeit auf.

GESTALTUNG UND REALISATION

Gestaltung: Holger Giebeler

www.magascreen.com

Korrektorat: Marthe Thamer

Druckerei: Schroeder-Druck & Verlag GbR

www.schroeder-druck.de

Auflage: 8.500

Februar 2017

ISSN 2366-9845

BILDNACHWEIS

EKKW, Orange Cube Werbeagentur (1)

Julia Baumgart, ekd (3 o.),

Sergii Figurnyi/Fotolia.com (4 o.), Pixabay (5),

Andreas Ockert, Walldorf (6),

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sebastian heinicker (9 o.),

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wolfgangstaudt/Fotolia.com (14, 15 o.)

BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft,

Hamburg (14 u.), Impulslabor (16, 17),

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Briefmarken-Fotos:

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AUSSCHÜSSE UND BEAUFTRAGTE

KDA BUND

Allianz für den freien Sonntag

Dr. Ralf Stroh

Theologischer Referent für

Wirtschafts- und Sozialethik

Zentrum Gesellschaftliche

Verantwortung (ZGV) der EKHN

r.stroh@zgv.info

Arbeit und Technik

Nina Golf

Sozialwissenschaftliche Referentin

KDA Bayern

golf@kda-bay.de

Peter Greulich

Referent für Arbeit, Wirtschaft und Soziales

KDA Hannover

greulich@kirchliche-dienste.de

Erwerbslosigkeit, Sozial- und

Arbeitsmarktpolitik

Heike Riemann

Referentin / Regionsleiterin

KDA Nordkirche

heike.riemann@kda.nordkirche.de

Karin Uhlmann

Wirtschafts- und Sozialpfarrerin

KDA Württemberg

karin.uhlmann@ev-akademie-boll.de

Europa

Dr. Jürgen Born

Referent für Wirtschaftspolitikund

Unternehmensethik

Institut für Kirche und Gesellschaft

der EKvW

juergen.born@kircheundgesellschaft.de

Waltraud Kämper

Referentin für Wirtschaft und Arbeitswelt

KDA Hannover

kaemper@kirchliche-dienste.de

Führung und Verantwortung

Renate Fallbrüg

Pastorin KDA Nordkirche

renate.fallbrueg@kda-nordkirche.de

Dr. Jochen Gerlach

Leiter des Referates

Wirtschaft-Arbeit-Soziales

Evangelische Kirche

von Kurhessen-Waldeck

jochen.gerlach@ekkw.de

Thomas Löffler

Wirtschafts- und Sozialpfarrer

KDA Baden

thomas.loeffler@ekiba.de

Netzwerk Steuergerechtigkeit

Dr. Brigitte Bertelmann

Referentin für Wirtschaft und Finanzpolitik

Zentrum Gesellschaftliche

Verantwortung (ZGV)der EKHN

b.bertelmann@zgv.info

Transaktionssteuer: Steuer gegen Armut

Thomas Krämer

Sozialwissenschaftlicher Referent

KDA Bayern

kraemer@kda-bay.de

26 THEMENHEFT 2017: ARBEIT AUS BERUFUNG

FORDERT ÜBER DIE HOFFNUNG, DIE IN EUCH IST. 1. PETRUS 3,15 +++


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EB_ImageAnz_Reformationsjahr_Luther_148,5 x 133mm zzgl Anschnitt_4C

Mittwoch, 25. Januar 2017 15:23:50

BERUFUNGSFABRIK

ARBEITEN AUS BERUFUNG IST ZUMUTUNG, HERAUSFORDERUNG

UND SINNSTIFTUNG ZUGLEICH. Die Ausstel lung führt die Besucher

durch die Welt der Wirtschaft und Arbeit mit dem Ziel, Selbstverständliches

zu hinterfragen, auf Verantwortung und Solidarität hinzuweisen

und jeden Einzelnen in seinen Berufungschancen zu sensibilisieren.

Besuchen Sie uns und lassen Sie sich durch unsere BERUFUNGSFABRIK

anregen, Gewohntes zu hinterfragen und Neues zu entdecken.

Anlässlich der Weltausstellung Reformation in Wittenberg

findet vom 20. Mai bis 10. September 2017

eine erlebnisorientierte Ausstellung im Garten des

Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik statt.

INFOS ZUM

PROGRAMM UNTER:

www.r2017.org/programm

KOOPERATIONSPARTNER:

Sozialwissenschaftliches

Institut der EKD

Evangelischer Verband

Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt

Wittenberg-Zentrum

für Globale Ethik

Hans-Böckler-Stiftung


„Ein Schuster, ein Schmied,

ein Bauer, ein jeglicher hat

seines Handwerks Amt und

Werk, und doch sind alle

gleich geweihte Priester und

Bischöfe, und ein jeglicher

soll mit seinem Amt oder

Werk den andern nützlich

und dienstlich sein.“

MARTIN LUTHER

EVANGELISCHER VERBAND

KIRCHE WIRTSCHAFT ARBEITSWELT

Friedrich-Karrenberg-Haus

Arnswaldtstraße 6

30159 Hannover

Telefon: 0511 473877-0

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