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E_1928_Zeitung_Nr.004

E_1928_Zeitung_Nr.004

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERlf; Freitag, 13. Januar 1928. Nummer 20 Cts. 2*. Jahrgang. — N° 4 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Lifte" Halbjahrlich Fr. S.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern u a£e DuvcBi^an^i^ebühven Der in Nr. 2 der «A. R.» erschienene Leitartikel «Um dio Durchgangsgebühren im Kanton Nidwaiden» ist in weiten Kreisen mit grossem Interesse gelesen worden. Die diesbezüglichen Verhältnisse in den kleinen Kantonen werden aber noch viel zu reden und zu schreiben geben, namentlich auch im Zusammenhang mit der Verteilung des Benzinzolls. Es ist zu wünschen, dass die Diskussion in ruhigem und sachlichem Tone geführt wird! Wir veröffentlichen nachstehend einen Artikel des Herrn Ständerates Amstalden in Samen, der erklärt, nie ein Freund der Durchgangsgebühren als solcher gewesen zu sein. Er betrachtete diese vielmehr stets als eine durch die Verhältnisse aufgezwungene Massnahme. Immerhin erachtet er es aber auch als seine Pflicht, alles zu tun. um seinem Kanton die Mittel zu beschaffen, die nötig sind, um dem Autoverkehr zu dienen ... und gedient werde ihm durch gute Strassen. Wir freuen uns, von berufener Seite vernehmen zu dürfen, dass dor guto Wille auch in der Innerschweiz vorhanden ist, das Mögliche zu tun, um die Strassen dem heutigen, stark gesteigerten Verkehr anzupassen. Dabei darf aber das Auto. das heutzutage den Strassenverkehr beherrscht und schon grosse Einnahmen für Strassenverbesserungen leistet, nicht weiter zu Steuern in dieser oder jener Form herangezogen werden. Die Redaktion. Die Frage der Durchgangsgebühren ist in ein akutes Stadium getreten. Der Bundesrat hat sie in seiner Botschaft zum Bundesbeschluss über die Verteilung des Benzinzollviertels als verfassungswidrig erklärt. Herr Bundesrat Häberlin tat das gleiche schon bei der Beratung des verworfenen Automobilgesetzes. Der Ständerat hat in der Benzinzollvorlage den Bezug solcher Gebühren verboten. Es war daher zu erwarten, dass diese Gebühren ! Gegenstand der ständerätlich'en Diskussion sein werden. Kein Diskussionsredner hat sich aber eingehend mit der Verfassungsmässigkeit beschäftigt, man hat nur auf das Gutachten von Herrn Prof. Blumenstein hingewiesen und betont, dass man in dieser Frage in guten Treuen verschiedener Ansicht sein könne. Der Unterzeichnete, der sich bei der Eintretensdebatte sehr ausführlich über die Vorlage ausgesprochen hat, hat die Entstehung der Durchgangs- oder Kontrollgebühren geschildert und darauf hingewiesen, dass die betreffenden Gebirgskantone in einer Art Notstand gewesen seien zufolge des gewaltig gesteigerten Strassenunterhaltes. Man begreife durchaus, dass diese Gebühren von den Miteidgenossen als lästig, sogar als Schikane empfunden würden und kein Mensch weine ihnen beim Verschwinden eine Träne nach, wenn die Gebirgskantone einigermassen durch den Benzinzoll entschädigt würden. Man hat denn auch weniger eine Kompensation für den Wegfall postuliert, sondern vielmehr darzutun versucht, dass die besonderen Verhältnisse der Gebirgs- und kleinen Kantone berücksichtigt werden sollten. Einige Zahlen hiefür: Z. B. Obwalden hat 55 Kilometer Kantonsstrassen, darunter die 35 Kilometer lange Brünigstrasse. Der Unterhalt dieser sehr frequentierten Durchgangsstrasse zwischen Luzern und Interlaken hat sich gegenüber vor dem Kriege verachtfacht. Nicht nur wurden in den letzten zwei Jahren die sämtlichen Einnahmen aus dem Automobil- und Fahrradverkehr (Autosteuern der eigenen Autos und die Durchgangsgebühren) für die Strasse verwendet, es wurden noch rund 100,000 Franken aus den übrigen Staatseinnahmen darauf gelegt. Das bedeutet für einen kleinen Kanton mit einem Steuerkapital von 120 Millionen ein sehr grosses Opfer zugunsten des modernen Strassenverkehrs. Wir haben daher auch mit guten Motiven darauf hingewiesen, dass der Bund nur die allgemeinen Durchgangsstrassen und nicht die Auslagen für das gesamte Strassennetz der Kantone subventionieren solle. Während z.B. bei Obwalden 63% seiner Kantonsstrassen Durchgangsstrassen sind, gibt es andere Kantone, die nur 20—30 % Durchgangsstrassen haben, von den Städtekaritonen Baselstadt und Genf gar nicht zu reden, die nun alle Auslagen für ihr gesamtes Strassennetz anmelden können. Wir haben daher vor allem darauf gedrungen, dass eine grundlegende Aenderung im Verteilungsinodus des Benzinzollvieitels erfolge, wobei die Interessen der Gebirgs-, und der kleinen Kantone mit verhältnismässig langen und kostspieligen Durchgangsstrassen und wenig eigenen Automobilen besser gewahrt werden sollten, eventuell sei für diese Kantone ein Ausgleichsfonds von mindestens 10 % auszuscheiden. Wir wollen gerne anerkennen, dass man für diese Bestrebungen im Ständerate Verständnis gefunden hat, wenn auch noch nicht in dem Masse, wie es wünschenswert gewesen wäre. Aber die Vorlage ist noch nicht zu Ende beraten und der Nationalrat hat die Gelegenheit, noch einen Schritt weiter zu gehen. Wir können die Automobilisten versichern, dass bei uns der gute Wille vorhanden ist, das Mögliche zu tun, um unsere Strassen dem heutigen enorm gesteigerten Verkehr anzupassen. Kein einsichtiger Mann verschliesst sich diesem Bestreben. Die Einstellung der Oeffentlichkeit gegenüber dem Auto hat sich gewaltig verändert. Das Auto beherrscht den Strassenverkehr, und man wäre blind, sich dieser Tatsache zu versehliessen oder die Hefte nach rückwärts revidieren zu wollen. Aber soviel ist sicher: wenn die Durchgangsgebühren wegfallen und wir in der Folge eine bedeutende Summe verlieren (Obwalden ca. 60,000 Franken,), die wir bisher restlos für Korrekturen der Strassen verwendet haben, und uns anderseits nicht aus dem Benzinzoll wenigstens der grössere Teil dieses Wegfalles ersetzt wird, dann bedeutet diese gesetzliche Regelung für den Automobilverkehr einen Rückschritt! Wir können unsern Bauern und Handwerkern auf dem Lande nicht wohl zumuten, dass sie in Zukunft noch bedeutend grössere < Opfer für das Strassenwesen leisten, das in Hauptsache von auswärtigen Automobilen benützt wird. Wir sind überzeugt, wir werden mit diesen kurzen sachlichen Erwägungen auch in Kreisen ruhig denkender Automobilisten die Einsicht fördern, dass es nötig ist, den Gebirgsund kleinen Kantonen gegenüber besondere Rücksicht walten zu lassen in der Zuschöpfung der Bundesgelder. Es war bisher stets eidgenössischer Grundsatz, dass der Stärkere dein Schwächeren helfen sollte. Die Urkantone haben grosse Sympathien im Lande draussen, man weiss deren Eigenart und Einfachheit und deren demokratische Einrichtungen zu schätzen. Die Landkantone sind das notwendige Pendent gegenüber den Städten und daher von eminenter politischer und volkswirtschaftlicher Bedeutung. Sorgen wir dafür, dass auch diese kleinen Alpenrepubliken gesund und kräftig bleiben und sie (imstande sind, ihre Bundespflichten zu erfüllen. Wenn automobilistische Kreise in diesem Sinne wirken,, wird das zum parlamentarischen Erfolge wesentlich beitragen und ,wir kennen uns übe'r"die alten «Schlagbäume»" hinweg aufrichtig die Hand zum Frieden reichen! Ständerat Amstalden. Das Automobil im Jahre 1927. II. Sportliches. Die schweizerische Rennsaison wurde wie üblich eröffnet durch das internationale Kilometer-Flachrennen von Eaux-Mortes im Rahmen des Genfer Salons, ebenfalls wie üblich bei den denkbar ungünstigsten Witterungsverhältnissen. Hürlimann fuhr in 0:25,1 auf Mercedes-Kompressor die beste Zeit der Tourenwagen, Delmar auf Steyr mit 0:22,5 die beste Zeit der Sportwagen und Martin auf Amilcar mit 0:21,6 die beste Zeit der Rennwagen und des Tages (Stundenmittel 166,667 km). Der nicht gestartete Benoist stellte Tags darauf auf Delage mit 0:17,3 (208,092 km Stundenmittel) einen neuen schweizerischen Kilometerrekord auf. BIoss die nackten Resultate seien für die folgenden schweizerischen Rennen angeführt: Neuenburg-Chaumont, beste Zeit des Tages, Merz auf Bugatti, 5:24,4. — Bergrennen von Mauborget, beste Zeit des Tages und neuer INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für dia Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nnmmer Streckenrekord, Merz auf Bugatti, 9:28,6. — Kilometerflachrennen von Zürich, beste Zeit des Tages und der Rennwagen, Kessler auf Alfa-Romeo mit 181,880 km Stundenmittel; Blättler auf Mercedes, beste Tourenwagenzeit; Delmar auf Steyr, beste Sportwagenzeit. — Am Gurnigel wurde die beste Zeit des Tages von Delmar auf Steyr in der Sportwagen-Kategorie mit 9:16,9 erreicht (neuer Rekord). — Rheineck-Walzenhausen, beste Zeit des Tages und der Rennwagen, Merz auf Bugatti (neuer Streckenrekord), in 5:58,4. Das Klausenrennen mit dem Grossen Bergpreis der Schweiz hat seinen Ruf als das klassische Bergrennen Europas bestätigt: Teilnehmerrekord mit 123 Wagenmeldungen, Rekordbesuch, alle Rekorde fallen, Caracciola auf Mercedes stellt einen neuen Rekord der Tourenwagen (17:43,8), Delmar auf Steyr einen neuen Rekord der Sportwagen (18:15), Rosenberger auf Mercedes einen neuen Klausenrekord mit 17:17 auf, und Chiron auf Bugatti gewinnt den Grossen Bergpreis der Schweiz. Für die schweizerische Automobilmeisterschaft 1927 zählten fünf Wettbewerbe: Flachrennen von Eaux-Mortes, Flachrennen von Zürich (Altstetten-Schlieren),. Mauborget, Gurnigel und Klausen. Acht Fahrer haben den Meisterschaftstitel erlangt, in der Tourenwagenkategorie: Scheibler (Bern) auf Fiat (Klasse F), Botta (Genf),, auf Diatto (Klasse E) und Gacon (Neuenburg) auf Martini (Klasse C) ; in der Sportwagenkategofie: Probst (Bern) auf Salmson (Klasse G), Schneider (Zürich) auf Bugatti (Klasse F), Thoms (Zürich) auf Bugatti (Klasse E) und Delmar (Ausland) auf Steyr (Klasse C); in der Rennwagenkategorie: Merz (Zürich) auf Bugatti (Klasse D). a) Der schweizer. Automobilrennsport des Jahres 1927 im Lichte der Statistik. Nachdem wir am 19. Oktober 1926 einen Bericht über die Automobilsaison des Jahres 1926 haben erscheinen lassen, mögen nun nachstehend kurz auch die Zahlen des Jahres 1927 näher erfasst sein. Wie in den andern Ländern des Kontinents hat das verflossene Jahr auch in der Schweiz einen gewissen Abbau im Automobilsport gebracht, und zwar einerseits in der Zahl der Veranstaltungen und anderseits in der Zahl der beteiligten schweizerischen Fahrer. Wenn wir in den nachstehenden Ausführungen die bezüglichen Ziffern näher beleuchten, so sei grundsätzlich darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns hiebei wie schon im Jahre 1926 ausschliesslich auf die offenen nationalen und internationalen Rennen beschränken und die geschlossenen Rennen wie das Kilometerren- Von Teheran nach Kabul. Reiseerlebnisse von G. Stratil-Sauer. (Scbluss) Längst schon "waren die fünf anderen Autos, die über Nacht mit dem «Wanderer» im Hofe des Hotels gestanden hatten, auf dem Wege nach Bagdad. Da jedoch die Strasse nach Kirmanschah, unserem nächsten Ziel, steil aufwärts führte, gelang es meiner Maschine, die anderen, die in kurzen Abständen einander folgten, noch vor dem nächsten höheren Pass einzuholen. Die Gleichheit von Weg und Ziel, die gemeinsame Rast zur Essenszeit und vor allem die Notwendigkeit, bei Unfall und Gefahr einander beizustehen, schliesst auf diesen Strecken die Automobile der gleichen Tagesfahrten fest zusammen wie eine Familie. So war es auch bei unserer Kolonne u. ich empfand es nur als natürlich, dass zwischen all diesen neuen Ford- und prächtigen Buickwagen meine kleine, arg mitgenommene Maschine wie ein unmündiges Kind behandelt wurde, so dass man mir auch väterliche Ratschläge und wohlmeinende Warnungen in Fülle angedeihen Hess. Um so erstaunter war die ehrwürdige Familie, als «das Kind» nun mitten im steilen Anstieg zum Pass, mit behender Geschwindigkeit kletternd, seine Begleiter weit hinter sich liess, während ich noch zurückrief: «Am Abend in Kirmanschah werden wir uns wiedersehen!» Auf der Höhe stoppte ich ab. Tief unten schlängelte sich der Gamasab in spiegelndem Lauf durch die Ebene, rings um mich aber schimmerten und flimmerten die Felsen in glitzerndem Silber; denn der fegende Passwind bläst hier jede Verwitterungskrume von ihrem seidenweichen Phyllitgestein, und seine Sandkörnchen polieren es im Fluge spiegelglatt. Es war ein Märchenland aus klarem Glas- und Silberschimmer, das mich umgab, und zu diesem metallisch hellen Glänze bildeten die dunklen Granitketten im Nordwesten, in Kurdistan, ein seltsames Widerspiel. Vor mir, zu ineinen Füssen, lag ein hügelig zerschnittenes Becken aus Kalken und Sandgestein, vom kalten Farbenklang von Weiss und Braunrot beherrscht. Erst fern im Süden ging es in einen wärmeren Ton über; denn dort versanken die langgezogenen Ketten an seinem Saum in violetten Schatten, die weich und rein den Horizont haben. Mit belustigtem Lachen erwiderte umflossen. Zart verschwammen alle Formen in dieser Farbe eines Bischofsgewan- schlimmsten Böswilligkeit nie solch eine Un- ich, dass mein kleines Rad ja selbst bei der des, und nur ein sonderbar geformter Kegel tat zu vollbringen vermöchte. Und damit sprang scharf umrissen zwischen ihnen auf. wollte ich mich wieder auf den Sattel Es musste der hornartig gebogene Behistun schwingen. Da aber verhaftete mich der Anführer mit dem ganzen Ritual persischer sein, der die berühmten Skulpturen aus der Achämenidenzeit trägt. Feierlichkeit, indes seine Leute sich des Rades bemächtigten. Ein scharfer Höhenwind mahnte mich zur Abfahrt; fröstelnd schlug ich den Mantelkragen auf und verliess diesen silbergesponweichen; ein Fordwagen, auf dem ein Sarg Wiederholtes Hupen zwang uns zum Ausnenen Märchenpalast, um über spitze Serpentinen in steilem Gefälle achthundert Meter stoppte der Perser ab, höchst erstaunt, «das tanzte, sauste heran. Jäh im Vorübergleiten abwärts zu sausen. Trotz einiger Stürze im Kind» in so veränderter Lage wiederzufinden. Nachdem ihm aber die Soldaten mit ausgefahrenen Sande hatte ich die Ebene so schnell erreicht, dass ich noch immer keines ausführlicher Wichtigkeit den Grund meiner der folgenden Familienglieder hinter mir entdecken konnte. er und trat dann mit einer glänzenden Ge- Gefangennahme erklärt hatten, lächelte auch Kaum aber näherte ich mich dem ersten genrede für mich ein. Und auch hier verfehlte der Zauber persischer Beredsamkeit Dorfe, da sprangen mir die Soldaten in den Weg und zwangen mich mit heftigem Schreien und Gestikulieren zum Halten. Hilflos endlich in eindringlich beschwörendem Tone seine Wirkung nicht; denn als der Perser mühte ich mich, aus den fremden Lauten schloss, da hatten die Soldaten mich längst den Sinn des seltsamen Gebarens zu entnehmen, bis mir endlich einer der Perser in fran- herbei und halfen mir beim Aufsteigen und losgelassen, schoben mir freundlich das Rad zösischer Sprache die Erklärung gab: sie beschuldigten mich, im Passe hinter Hamadan erfreut, dass die Affäre zu einem so friedli- Anschieben, als seien sie selbst am meisten mit meinem Motorrad ein Lastauto böswillig chen Ausgang gebracht war. angefahren und in den Abgrund gestürzt zu — ENDE —