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E_1928_Zeitung_Nr.031

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Atisgabe: Deutsche Schweiz. DFRli. Donirrstag. S.flpriira Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N n 31 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freilag Monatlieh -Gelbe List«« Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, totern nicht postamtllch bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung im ADMINISTRATION: fireltenralnstnuse 97. Bero In- und Ausland 30 Flappen. Postcheck-Rechnung II1/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Eine neue Alpenstrasse Das Projekt einer Sanetschstrasse Unsere hehr© Alpenwelt wird im 20. Jahrhundert erneut durch die Strasse erschlossen. Billiger als Tunnels- oder Zahnradbauten kommen die Strassen zu stehen. Aber nicht nur vermehrter Drang nach dem Geniessen erhabener Naturschönheiten, sondern das wirtschaftliche Bedürfnis vermehrter und kürzerer Verbindungswege lassen immer wieder neue Strassenprojekte auftauchen. Dass dabei ganz besonders die Möglichkeiten besserer Verbindungen zwischen den Kantonen Bern und Wallis ins Auge gefasst werden ist nicht verwunderlich. Die beiden Kantone sind heute noch durch den hohen Alpenwall getrennt, kehren einander quasi den Rücken zu, sie, die einander kulturell und volkswirtschaftlich viel zu geben hätten. Es ist daher ausserordentlich erfreulich, dass die Herren Ingenieur Steiner in Bern und Rauchenstein in Sitten sich der Frage angenommen haben und uns heute ein Projekt einer Sanetschstrasse vorweisen, das mit einem Kostenvoranschlag von drei Millionen Franken des Studiums wert ist. Aus dem technischen Bericht der Projektverfasser möchten wir folgende Angaben hervorheben: Heute ist das Wallis mit dem Kanton Bern nur in seiner äussersten Ostecke durch die Grimselstrasse fahrbar verbunden. Alle übrigen Passübergänge wie Gemmi, Rawyl und Sanetsch sind nur schlechte Saumpfade. Wenn von diesen drei Pässen gerade der Sanetsch für den Ausbau zu einer Fahrstrasse in Aussicht genommen wird, liegen besondere Gründe vor: 1. Der Sanetschübergang ist der niedrigste der verschiedenen Pässe. Es liegen die Gemmi 2329 m, der Rawyl 2415 m, der Sanetsch aber nur 2234 Meter über Meer. 2. Der Sanetsch hat seinen südlichen Ausgangspunkt in der Kantonshauptstadt Sitten, also dem wichtigsten Verkehrszentrum des Wallis, und den grossen Gemeinden Saviese und Conthey, die besonders Interesse an einer Strasse haben. 3. Der eigentliche Endpunkt auf Bernerboden ist Gsteig, wo die Pillonstrasse einmündet. Als Endpunkt im weiteren Sinne ist Saanen zu bezeichnen, wo sich die Sanetschstrasse mit den Strassen aus dem Simmental und aus der Waadt und dem Kanton Freiburg vereinigen. Durch diese Zufahrtsstrassen in Gsteig und Saanen wird die Sanetschstrasse von Westen und Norden her alimentiert. 4. Die Gemeinden Saviese und Conthey, mit 6000 Einwohnern, haben ihre Voralpen, Alpen und Wälder meistenteils im Tale der Morge und am Sanetsch, sowohl südlich wie nördlich der Wasserscheide. Die Ostergruss Frühling lässt sein blaues Band... Die Regentropien überkugeln sich vor Uebermut an den Fenstern unserer Redaktionsstube. Petrus schleppt seinen zottigen Wolkenmantel über die Dächer der Bundesstadt, schüttelt über dem Bundeshaus seine Pfeife aus und hat schon — schwup, den ehrwürdigen Münsterturm in graue Nebel gehüllt. Es wäre trostlos — grenzenlos trostlos, wenn... ja, wenn dieses hoffnungsvolle Etwas nicht wäre. Ist es die Spatzenbrut, die sich im Strassenkot balgt, ist es der kleine Bäckersjunge, der jeden Morgen unseren Weg kreuzt und pfeift, als ob es nur einen Bäckerjungen gäbe auf der weiten Welt, ist sorgt ja dafür, dass&vlr Automobilisten aus dem Gwunder und Kopfschütteln gar nicht herauskommen — es ist doch schon so, nicht wahr? Dass der Osterhase unsere Eier mit Vorliebe im Bundeshause versteckt, wissen sogar die ehrwürdigen Kantonsväter, besonders diejenigen aas den Bergen! Es wird in der Tat getuschelt, dass das goldene Ei des Benzinzolles mit Bestimmtheit in den Kellern des Bundeshauses zu finden sei. Leider sind nicht alle Eier goldig, noch weniger Kolumbuseier; es gibt sogar welche, die faul sind und höchst unästethische Düfte verbreiten. So beklagt man sich allerorten, namentlich in Basel, dass im Kanton Bern ein faules Ei ge- es das spiegelblanke Schaufenster an derlegt worden sei, dessen verkehrswidriger Ecke mit den dultigen Frühlingskleidchen? Firniss bedenkliche Zerrbilder bürgerlicher Ueberm Pult, unter Napoleons Aphorisme Gleichheit widerspiegle! von den Dieben, die vor dem Gesetze nicht Es wäre noch von einer ganzen Reihe Eier gestraft werden, obwohl sie einem das Kostbarste stehlen: die Zeit — unter diesem Aus- zu sprechen, selbst solchen, die noch nicht ausgebrütet sind — und es hoffentlich nie sein spruch steckt seit gestern eine Karte von der werden! — doch wir wollen uns nicht den italienischen Riviera — der freundliche Gruss Appetit auf den Festtagsbraten verderben. eines Autlers, den sein flinker Wagen von den nordischen Regenschauern in die Gärten des Südens gerettet. Die Postkarte ist ein Kabinettstück der Naturvergewaltigung, aber weiss der Himmel — es steckt doch was von Sonne drin, von Sorgenlosigkeit, von Wünschen ...! Man könnte ganz elegisch werden! Ostern hüpft der Osterhase durch das taufrische Kleefeld zu den Wohnungen der Menschen und schüttelt vor den Türen sein eiergefülltes Kränzchen aus. So steht es im Märchenbuche und in den gläubigen Herzen unserer Kleinen geschrieben. Der Gwunderchratten des Autler-Osterhasen kann aber auch allerlei geheimnisvolle Eier bergen, das dürfte auch in ungläubigen Herzen zu lesen sein. Und das ganze Jahr Sanetschstrasse ist für die rationelle Bewirtschaftung derselben wertvoll, ja notwendig. Neben der durchgehenden Fahrverbindung zwischen Wallis und Bern erfüllt somit die Sanetschstrasse einen bedeutenden land-und forstwirtschaftlichen Zweck. Das generelle Projekt wird hinsichtlich Trace, Steigungsverhältnissen, Strassenbreite und Konstruktionsart beiden Anforderungen gerecht. Es bleibt überdies finanziell in Grenzen, die die baldige Ausführung der Strasse erlauben werden. Ueber die Linienführung wird mitgeteilt: Die Strasse beginnt in Granois (Höhe ca. 850 m) in der Gemeinde Saviese und führt oberhalb Chandolin auf der linken Talseite der Morge Einmal muss es doch Frühling werden... Bleibt uns Wünschen und Hoffen! Das Hoffen auf sonnige Osterfahrten durch das erwachende Land, unsere Wälder und Täler, am Blau unserer Seen, im Glast unserer Schneeberge! — Auf Südlandfahrten! — Der Wunsch auf eine wahrhaft frohe Ostern im Kreise der Familie! ~ Auf ein bekömmliches «.Eierleset» für Klein und Alt — auch wenn wir Automobilisten uns nicht auf dem Bundesplatz Rendez-vous geben wollen, um das goldene Ei am richtigen Ort zu suchen! Möge Ostern unser Hoffen festigen, der Vorbote zu einem « sommerlichen » Sommer sein! Den Lesern, Inserenten und Freunden unseres Blattes wünschen wir ein glückhaftes Gut'fahrt! Redaktion und Administration. bis zum Pont Neuf, wo die enge Schlucht überbrückt wird. Alsdann wendet sie sich nach Combaz, wo das 2,4 Kilometer lange INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grösjere Inserate nach Seltentnrü. Inseratensehhiss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer wird. Bei Kilometer 20,1 erreicht die Strasse die Passhöhe (Cöte 2234). Von hier wendet sie sich etwas nach Osten, kreuzt die Saane* und zieht sich dann dem westlichen Ufer des Stausees des projektierten Sanetschkraftwerkes der Stadt Bern entlang bis zur Kantonsgrenze zwischen Wallis und Bern. Von hier führt die Strasse im Westhang des Spitzhorns nach Lochstafel, dem Ausgangspunkt für die Walliser Windspillen, und von hier in direkt nördlicher Richtung gegen die Krinnen, um sich dann nach 'Südwesten gegen Gsteig zu wenden, wo sie bei Kilometer 35,5 auf Cöte 1190 endigt. Hinsichtlich der Steigungsverhältnisse ist zu sagen, dass die mittlere Steigung 6,8 Pro? zent beträgt, die Maximalsteigung 10 Prozent. Die letztere ist auf einer Länge von zirka 6,5 Kilometer vorgesehen. Dieses Maximum ist zulässig für die projektierte Strasse. Die fahrbare Strassenbreite inkl. 50 Zentimeter Schale ist zu 4 Meter angenommen. Die Verbreiterung auf 4,5 Meter ist vorgesehen für Strecken, wo sich diese Massnahme, ohne grosse Kostenerhöhung durchführen, lässt. Das Steinbett erhält eine St.ärke von, 18 Zentimeter. Von den Baukosten, die auf rund 3,000,000 Franken berechnet sind, entfallen auf die Strecke im Kanton Wallis Fr. 2,000,000 und: auf diejenige des Kantons Bern 1,000,000 Franken. Eine angemessene Subventionierung .seitens des Bundes und der beiden Kantone rechtfertigt sich nicht nur im Hinblick auf die? mit der Erstellung der Strasse verbundenenalp- und forstwirtschaftlichen Vorteile,> sondern auch aus militärischen Gründen. X Reparatur-Abonnement. Ein Vorschlag von Dr. M. Krauthammer. Das Auto ist nicht mehr ein Luxus, sondern ein Bedarfsartikel... Wer kennt dieses Schlagwort nicht? Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist das Auto heute zu einem unvergleichlich reduzierten Preise erhältlich, durch den Fortschritt der Technik derart auf die Höhe gebracht, dass jedermann, ohne weitere technische Kenntnisse es jederzeit zuverlässig gebrauchen und führen kann. Und doch können sich viele Menschen, für deren Beruf die Anschaffung eines Motorfahrzeuges mehr als erwünscht wäre, sich diese Ausgabe nicht erlauben, nicht des Preises, der doch heute bei vorzüglichen Wagen Verbindungsstück von Daillon (Gemeinde Conthey) her anschliesst. Bei Rouaz wird die Morge neuerdings überschritten. Das starke Talgefälle zwingt hier zu einer Entwicklung, für die sich das linke Ufer besser eignet. Diese Linienführung erleichtert auch den Anschluss der Voralpen und Alpen von Saviese im Gebiet der Nettage. Bei Glarey wendet sich die Strasse wieder auf die rechte Talseite und steigt in ei- in relativ bescheidenen Grenzen gehalten ist, sondern der Unterhaltungskosten wegen. Unter Unterhaltungskosten verstehe ich nicht, nigen Windungen bis zur Höhe von 1900die Ausgaben für Garage, Benzin und Ofel, Metern, von wo aus eine Erschliessung der sondern diejenigen für Reparaturen, die nicht Alpen Pointet, Larsey und Flore möglich selten in wenigen Jahren das Mehrfache der Frühliiigserwacheii Von Albert Maass. (Nachdruck verboten.) Fheobald Verslein war ein Dichter, und wohnte in einer kleinen Stadt. Es war vorauszusehen, dass er sich in Hilde Quist verlieben würde. Denn erstens war er überhaupt schwärmerisch veranlagt, zweitens sah er Hilde Quist jeden Mittag, wenn sie einkaufen ging, und drittens war sie sehr hübsch. Da war es denn bald um das Herz Theobald Versleins geschehen, besonders, als Hilde Quist ihn eines Tages angelächelt hatte, als er an ihr vorüberging und sie wie vernarrt ansah.. Die Sonne hatte so schön geschienen; die Amseln in den Gärten der kleinen Stadt hattenso lustig geflötet; und die Kinder, die gerade aus der Schule kamen, hatten vergnügt mit ihren Ranzen Fangball gespielt. Theobald Verslein dichtete im allgemeinen viel. Jetzt aber dichtete er sehr viel. Ach, wie flössen die Verse aus der Feder! Ein weisses Blatt nach dem anderen wurde vollgeschrieben, und immer stand in den Versen von ihr, von Liebe, von weicher Mondnacht, von Blumen, von Seligkeit, und überhaupt von allem, was Dichter in ihre Liebesbriefe zu bringen pflegen. Ach, hätte doch Hilde Quist einmal diese Verse lesen können, dann hätte sie ja wissen müssen, wie es um das Herz Theobald Versleins stand. Aber nein, das durfte der verliebte Dichter ja doch nicht wagen, die hübsche Hilde auf der Strasse anzusprechen, und ihr seine Gedichte zu verehren. Das schickte sich ja wohl nicht. Denn in diesem Städtchen legten die Mädchen viel Wert auf Sitte und Anstand. Und die lieben Nachbarn hatten alle gute Augen und böse Zungen. So behielt denn Theobald Verslein seine Gedichte für sich. Und mittags stieg er herunter von seiner Stube, und ging auf die Strasse. Und siehe, dann kam Hilde Quist daher, trug einen kleinen Korb, und lächelte schon von weitem, wenn sie Theobald Verslein sah. Und die natürliche Folge war, dass der Dichter sich immer mehr in Hilde Quist verliebte, sogar so sehr, dass ihm das Herz vor Sehnsucht zu schmerzen anfing. Hilde Quist aber hatte, wie man so sagt, einen andern. Das wusste Theobald Verslein nicht; das konnte er ja auch nicht wissen, denn dieser andere wohnte nicht in dem Städtchen. Er hatte sich vielmehr auf einer Alma mater der löblichen Wissenschaft in die Arme geworfen, und kam nur in den Ferien kurz auf Besuch in das Städtchen, in dem Hilde Quist und Theobald Verslein wohnten. Und er und Hilde hatten die hochlöbliche Aber eines schönen Mittags dann, als die Sonne wie ein goldener Ball schimmerte, und die Schwalben sehr hoch flogen, da ist Theobald Verslein von seinen Träumen wohl doch zu sehr eingefangen worden, und da hat sein Herz vor Sehnsucht wohl doch allzuweit ausgeschlagen; denn da hat er Hilde Quist auf der Strasse angesprochen, ein wenig befangen und unsicher, hat ihr einen schönen Tag gewünscht, und sie gefragt, ob sie nicht einmal Gedichte von ihm lesen wolle. Er würde sich sehr freuen, wenn sie seinen Gedichten eine solche Ehre erweisen würde. «O ja, gern,» hatte Hilde gesagt, und dann die Verse Theobald Versleins an sich ge- Absicht, dereinst Mann und Frau zu wer-nommenden. Ja, ja, du lieber Theobald Verslein, du und ist dann lächelnd ihren Weg weiter- Sie hat ihm noch schön gedankt, Männlein mit den dunklen Locken und dem gegangen. grossen, schwarzen Hut! Da verliebst du Theobald Verslein aber hat verzückt hinter dich in die hübsche Hilde Quist, da beginnt ihr hergesehen; und es ist ihm gewesen, als dein Herz' vor Liebe zu hämmern, da habe die Amsel auf der Gartenmauer plötzlich viel schöner gesungen als vordem, und schreibst du bald mehr Gedichte als alle Lyriker zusammen, und da draussen geht das als habe man in die Sonne grosse Haufen Leben seine eigenen Wege, und fragt nicht neuen Goldes hineingeschüttet, dass sie Jetzt nach deinem Herzen und Weh ! viel heller und schöner schien als bisher. Gib nur acht, lieber Theobald Verslein, Und in seinem Herzen hat es gesungen und dass das Leben dir nicht einen bösen, herzlosen Streich durch deine Träume macht! Lenzmorgen. Dann ist er auf seine geklungen wie Feiertagsglocken an einem Stub*