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E_1928_Zeitung_Nr.056

E_1928_Zeitung_Nr.056

Ausgabe: Detrtscffe ScnweTr. BERN, Dienstag, 3. Juli 1928. Nummer 20 Cts. 21. Jahrgang. — N° 56 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen Halbjahrlich sofern nicht In- ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Breitet Monatlich „Galba List«" Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breltenralnstr«sse 97, Ben? postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Antorerue, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm-hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. * Inseraienschluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Die Generalversammlung des A. C itfeia Die Generalversammlung des A. C. S. in Sitten liegt hinter uns. Sie ist von einem vollen Erfolg gekrönt. Wille zu guter Arbeit war überall vorhanden. Man diskutierte wenig, dafür gut. Und als gute Freunde ist man am Sonntag den heimatlichen Penaten zugefahren. Die Sitzung vom Samstag fand im Grossratssaale um 16.30 Uljr statt. Sie wurde vom Präsidenten, Herr Dufour, eröffnet. Als Stimmenzähler wurden ernannt die Herren Chantre und Stierlin. Der Appell ergab die Anwesenheit von 91 Delegierten, die insgesamt 10,080 Mitglieder vertraten. Der Jahresbericht, abgelegt durch den neuen Generalsekretär Primault, zeichnet sich durch seine Klarheit und Vollständigkeit aus. Es ist dies um so bemerkenswerter, als Herr Primault ja erst einige Wochen das schwere Amt eines Generalsekretärs übernommen hat. Der Jahresbericht weist unter anderem auf die erfolgreiche Arbeit der Strassenliga hin, erwähnt die Benzinzollfrage, die in der heutigen Form die Automobilisten nicht befriedigen kann, beschäftigt sich mit den Zuschlägen auf den Gebirgsstrassen, mit den Durchgangsgebühren an den Grenzen, erläutert den Stand des Tourismus und des Automobilsportes und hebt die zwei Generalversammlungen in Chur und Ölten,, die neun Sitzungen des Zentralvorstandes, so wie die 33 Sitzungen des Direktoriums hervor. Die Zahl der Mitglieder ist in ständigem Anwachsen begriffen. Betrug die Mitgliederzahl am 31. Dezember 1926 8986, so umfasst heute der A.C.S. 10,080 Mitglieder, woraus sich eine Erhöhung um 1094 Mitglieder ergibt. Die internationale Bedeutung des A. C. S. findet immer wieder ihren Ausdruck in den verschiedenen Sitzungen der A.I.A.C.R., wo die schweizerischen Delegierten eine hervorragende Stell© einnehmen, sei es auf sportlichem oder • auf touristischem Gebiete. Eine internationale Versicherung ist auf bestem Wege. Welch grosses Vertrauen die schweizerischen sportlichen Kräfte besitzen, zeigt die Tatsache, dass die Leitung der Internationalen Alpenfahrt in ihre Hände gelegt wurde. Die administrative Arbeit ist gewaltig gewachsen und wird in sechs Unterabteilungen durch 15 Personen geleistet. Ein Beispiel: 20,140 Briefe sind eingegangen, 39,353 wurden verschickt, 47 Protokolle mussten verfasst werden. Die Versicherungskommission hat 245 Verträge abgeschlossen, in einem Betrage von über acht Millionen Franken und 9381 Franken Prämienbeträge. 10,744 Triptyks sind ausgestellt worden, gegenüber 11,263 im Vorjahre. Dagegen ist die Zahl der Carnets de Passage von 324 auf 1332 angewachsen. Das Zentralbüreau für Tourismus sammelt besonders die internationalen Auskünfte, die es den Sektionen weiterleitet und beschäftigt sich mit der Herausgabe der Reiseführer usw. ! Ueber die Rechnung. , • erstattet in Abwesenheit der Rechnungsrevisoren Herr Naef aus Glarus den provisorischen Bericht. Die Rechnungen sind- in Ordnung. Sie schliessen mit einem Dbfizit von 56,000 Franken, was eigentlich in Anbetracht der Lage noch als klein zu bezeichnen ist.. Nächstes Jahr, hofft man, das Gleichgewicht wieder hergestellt zu haben. Die Finanzkommission und die Rechnungsrevisoren stellen Antrag, auf Genehmigung der Rechnungen. Den gleichen Antrag stellt Herr Direktor Christen aus Bern. Die Rechnung wird hierauf einstimmig angenommen unter Decharge-Erteilung an den Rechnungsführer. Aus der Sportkommission. Herr Jules Decrauzat erstattet, den Rapport der nationalen Sportkommission. Alle Gebiete der sportlichen Tätigkeit des A.C.S. werden dabei in meisterhafter Weise berührt, ganz besonders die internationalen Sitzungen der A.I.A.C.R. und die internationale Alpenfahrt, wobei hervorgehoben wird, dass nächstes Jahr der Start in der Schweiz stattfinden dürfte. Im Jahre 1927 wurden 125 Renn- und 189 Fahrer-Lizenzen erteilt. Das Championnat 1927 wurde von 34 Konkurrenten bestritten, wovon acht als Sieger hervorgingen. Merz, Karrer und Hürlimann zeichneten sich bei ausländischen Rennen aus. Das interessante Kilometer Lance endigte mit grossem Erfolg; ebenso darf das Eigenthal-Rennen als eine erfolgreiche Veranstaltung bezeichnet werden. Leider findet dieses Jahr weder das Klausen- noch das Dornach-Gempen-Rennen statt, und das Rheineck-Walzenhausen musste als offenes Rennen von der Liste gestrichen werden. Dagegen haben eine Reihe geschlossener Rennen stattgefunden. Die Reduktion der Zahl der Rennen scheint nicht gerade eine glückliche Idee gewesen zu sein. Das Championnat leidet dieses Jahr unter der Tatsache, dass das Reglement vom Rennen verlangt, dass es immer auf der gleichen Maschine auszutragen sei. Die Berichterstattung des HerM Decrauzat wird mit Beifall aufgenommen und gedruckt - allen Sektionen zugestellt werden. Auch der Bericht de Rabours über Versicherungswesen wird den Sektionen gedruckt zugeschickt. Herr de Rabours kann sich deshalb auf ein kurzes Resume beschränken. Er weist darauf hin, dass die Verhandlungen mit den Versicherungsgesellschaften vor einem erfolgreichen Abschlüsse stehen. Die Mitgliedes A. C. S. werden in den Genuss verbilligter Taxen, der Beneficequoten und verminderter Kostenanteile gelangen. Im fernem ist ein Erfolg darin zu sehen, dass in allen Fällen, da die Versicherungsgesellschaft sich gegen den Versicherten wenden könnte, ein Schiedsgericht angerufen werden kann. Ebenso sind Versuche eingeleitet, um Spezialversicherungen gegen totale Invalidität abzuschliessen. Im fernem sind Unterhandlungen mit einer Feuerversicherungs-Gesellschaft im Gange. Der Berichterstatter hat die Gewissheit, dass sich in Zukunft mehr Mitglieder dem Versicherungsdienst des A. C. S. anschliessen werden. Der Redner stellt den Antrag, dass der Versicherungs-Fonds, der von 1911 bis 1918 existierte, wieder neu eingeführt werde. In Anbetracht der Wichtigkeit dieses Problems, stellt Herr de Weck den Antrag, letztere Frage noch zu deren Prüfung dem Zentralkomitee und den Sektionen zu überweisen, um sie dann in der nächsten Generalversammlung endgültig zu lösen. Herr Fürsprecher Schnell (Emmental) schliesst sich dieser Auffassung an. Mit 39 gegen 32 Stimmen wird der Rückweisungsantrag gutgeheissen. Die Soiree. Nach Unterbruch der Verhandlungen offerierte die Firma Bonvin nach alter Walliser- Sitte eine Kostprobe ihrer edlen Tropfen in den grossen Kellereien. Der hohe und festlich geschmückte Saal des Grand Hotel de la Paix vereinigte hierauf über 160 Mitglieder zu einem exquisiten Diner. Herr Dufour verdankte in dessen Verlaufe den warmen Empfang und die aufopfernde Gastfreundschaft der Walliser Sektion und begrüsste die anwesenden Ehrengäste. Mit einem reizenden Intermezzo überraschten die in den Walliser-Farben kostümierten Töchterchen von Herrn Altpräsident Wegener, welche zur Freude der Festversammlung hübsche Verse vortrugen. Herr Chapuis freute sich an dem starken Aufmarsch der Walliser Sektion und' bezeichnete es als besonders glückhaftes Omen, dass Herr Rolliet, der Förderer der fruchtbaren Walliser Strassenpolitik, im Kreise des A. C. S. weile. — Liebenswürdige Worte, die von Herrn Rolliet mit einer Reihe neuer Korrektionsversprechungen belohnt wurden. Nach Fertigstellung des Teilstückes St. Maurice-Sitten ist die Ausbesserung des Simplons, der Furka und des Grossen St. Bernhard in Aussicht genommen. Reichen Beifall fand die begeisterte Ansprache von Herrn Charles de Torrente, Repräsentant der Stadt Sitten, welcher namens seiner Behörden für die Wahl des Tagungsortes dankte und das Automobil hochleben Hess. Musik und Tanz, von welschem Charme belebt, beschlossen den Abend. Der Sonntag. Die Sitzung des Sonntags wurde mit halbstündiger Verspätung aufgenommen. Die Rapporte der Redaktionskommission, wie auch der Verkehrskommission lagen nicht vor. Die technische Kommission absolvierte, wie der von Dr. Steinmann (abwesend) verfasste Bericht aussagt, 30 Oelproben, unternahm des weitern Versuche mit dem neuen Elektrolyte für Akkumulatoren und befasste sich mit der Strassensignalisierung bei Nacht, den neuen Strassenbelägen etc. Die Schlichtungskommission, zusammengesetzt aus den Herren F. Martin und E. Empeyta, behandelte mehrere Fälle sowohl einzelne Sektionen, als auch den A. C. S. als Ganzes betreffend, so u. a. eine Differenz zwischen dem A. C. S. und den Zollbehörden, als auch die Liquidierung der Affäre Naly, die voraussichtlich im Herbst zur Erledigung gelangt. Eine andere Affäre gegen die schweizerischen Exporteure wird sich zugunsten des A. C. S. entscheiden. Die Tourismus-Kommission hielt am 30. Mai 1928 eine Sitzung ab, die sich mit der Reorganisation der touristischen Dienste befasste. Die Arbeitsverteilung zwi • sehen Zentralsitz und Sektionen wurde durch das Zentralkomitee genehmigt. Die Sektionen Waadt und Zürich berichteten über ihre Informationsdienste betreffend Publizierung eines regelmässig erscheinenden Bulletins. Der Zentralsitz unterhält den Kontakt mit Sir Michaels Abenteuer. o N Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg MüJ]er. Verlag, Manchen. (14. Fortsetzung) «Das erweist die Köchin als eine Dame van Geschmack,» sagte Mike. «Und wie heisst die Köchin?» «Anne Martha Hopkins,> erklärte Violet May, «und sie geht mit dem Briefträger aus.» Mike wandte sich mit einem Ausdruck von Ehrfurcht an das blonde Mädchen. ^ «Heissen Sie wirklich Anne Martha nbpkins? Dann vermute ich, «Kent» ist eine Art Pseudonym. Ich tadle Sie darob nicht. Ich habe mir schon oft gedacht, man sollte sich einen eigenen Namen aussuchen dürfen; da hätte ich mir auch einen sehr komplizierten, schwer auszusprechenden gewählt. Freilich,» fuhr er nachdenklich fort, «ein Mädchen hat es leichter, sie kann ihn immer verändern. Anne Martha Hop —> «Nein, so heisst ja die Köchin!», sagte Violet May ungeduldig. «Die Köchin hat zwei Vornamen, aber sie hat nur einen. Sie heisst Miss Anne Kent, Lindleyhaussherrowbyhertfordshire.» «Vielen Dank,» sagte Mike und lächelte sie freundlich an. Dieses Kind konnte entschieden noch nützlich wirken. In Situationen dieser Art war es doch bekannt, dass die Krisis durch die Vermittlung eines unschuldigen Kindleins beschleunigt wurde. So war jetzt offenbar der Augenblick gekommen, dass Violet May in harmlosen Kindertönen spräche: «O, was für ein lieber Mann. Warumgibst du ihm keinen Kuss?», oder so etwas Aehnliches. Leider schien Violet May ihre Pflicht nicht zu kennen. «Kinder zahlen die Hälfte,» -erklärte sie ernsthaft und trollte sich. Nach ihrem Weggang entstand ein kurzes Schweigen. Dann wandte sich Mike zu dem Mädchen an seiner Seite. «Wissen Sie,» sagte er, «das heisst wirklich Glück haben.» «Was?», fragte Miss Kent. «Nun, dass ich Sie wieder getroffen habe.» Sie hob die Augenbrauen. «Es freut mich, dass Sie das finden, Mr. — ich habe leider Ihren Namen vergessen.» «Fair — James,» sagte Mike, etwas niedergeschlagen. «Fairjames?» «Nein, nein. Einfach James.» «Einfach — James? Mit Bindestrich?» «Nein, nein, nein! James! Michel James! Mike James! James!» «O, James!», sagte Miss Kent, wie jemand, der nach schwerer Arbeit einer komplizierten Sache auf den Grund gekommen ist. Aber ein 'eises Zucken ihrer Mundwinkel strafte die ernste Miene Lügen. Mike, der das Zucken bemerkte, grinste fröhlich, worauf Miss Kent nach kurzem Zögern frei herauslachte, denn Mikes Fröhlichkeit wirkte ansteckend. Freundschaftliche Beziehungen waren nun festgelegt. «Ja, sehr grosses Glück,» sagte Mike von Herzen, «denn Sie vergassen ja, mir Ihre Adresse zu geben.» Miss Kent blickte ihn entrüstet an. «Ich habe nicht vergessen!» «Doch, denn wenn Sie sie mir gegeben hätten, so hätte ich sie gewusst. Ich wusste sie nicht, also haben Sie sie mir nicht gegeben. Reiner, logischer Schluss. Es ist Ihnen entfallen, wie Mr. Bythewan sagt. Aber es ist schon gut —» «Aber es ist mir nicht entfallen!», sagte die schwer gereizte junge Dame. «Ich hatte nicht vergessen — ich meine, ich hatte nie die Absicht, nicht zu vergessen —» «Bitte, fassen Sie sich,» bat Mike sie. «Versuchen Sie, sich klar zu machen, was Sie eigentlich sagen wollen — wenn Sie überhaupt etwas sagen wollen; denn es ist eigentlich nicht nötig, denn jetzt kenne ich ja Ihre Adresse. Lindleyhaussharrowbyhertfordshire.» Miss Kent betrachtete ihn sprachlos vor Empörung. «Es tut mir leid,» sagte Mike grinsend. Obwohl sich Anne Kent ernstlich bemühte, ein gekränktes Gesicht aufzusetzen, ertappte sie sich plötzlich dabei, wie sie ihn auch anlächelte. Dieser merkwürdige junge Mann hatte entschieden etwas Einnehmendes. «Um von Etwas Ernsterem zu sprechen'» sagte der merkwürdige junge Mann, «wie lange sind Sie schon bei dem Gouvernanten-Geschäft?» «Zwei Jahre,» erwiderte Miss Kent mit überraschender Sanftmut. «Wie ? Zwei Jahre bei Violet May Gwen —» «Ach nein. Ich war schon in mehreren Stellungen. Diese hier habe ich an eben dem Tage bekommen, als Sie mich im Park von Richmond trafen.» «Sind Sie gern dabei?» fragte Mike. Anne schaute nachdenklich in sein nicht schönes, aber ehrliches Gesicht mit den freundlichen Augen und dem komischen Bug seiner Nase. Und ganz plötzlich freute sie sich, dass er diese Frage an sie gestellt hatte. «Nicht sehr,» sagte sie offen. «Also warum — ?» «Das tägliche Brot!» «Aber wenn Ihnen das nicht zusagt, können Sie nicht etwas anders anfangen? Maschinenschreiben oder — oder so etwas?» (Fortsetzung folgt.)