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E_1928_Zeitung_Nr.067

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Ausgäbet Deutsche Schwebt Freitag, 10. August 1928. Nummer 20 Cts. 21. Jahrgang. — N° 67 fc ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Ericheint jeden Dienstag und Freitat Monatlich „Galt» tau" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.». Im Ausland' unter PortozÜBChlag, ADMINISTRATION: Breftenralnstrasse 97, Bern Sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuna HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorerue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Gnmdzeile oder denn Raum 45 CU. für die Schweiz; für Anzeigen au» dem Ausland 60 UM. Grossere Inserate nach Seitentarif. tnseratansetitass •* Tage var Erscheinen der betreffenden Nummer Ein neue* l?l«i»t«>a»a aebsstofff Stehen wir vor einer epochemachenden Umwälzung? misch feste Bindung erreichen. Dass das Herstellungsverfahren vorläufig noch geheim gehalten wird, ist selbstverständlich. Wir haben jedoch den Eindruck, dass wir vor einer epochemachenden Erfindung stehen, die ganz besonders für unser Land zur grössten Bedeutung ? werden könnte, sofern man sich rechtzeitig das Herstellungsverfahren zu sichern wüsste. Wir wissen heute ja zur Genüge, wie gross unsere Alkoholproduktion r im Lande und wie gros s zudem noch unsere Einfuhr ist. Noch heute ist die neue Alkoholgesetzgebung nicht unter Dach. Bereits hat der Kampf um die Revision des Alkoholmonopols auf's Neue eingesetzt. Neu entbrennt der Kampt um den Brennhafen. Wir glauben, dass durch eine vermehrte Verwendung des Alkohols als Betriebsstoff die ganze Frage ungemein leichter gelöst werden könnte. Auf Detailfragen einzugehen, ist wohl noch verfrüht. Dagegen steht fest, dass durch eine vermehrte Verwendungsmöglichkeit des Alkohols als Industriesprit nicht nur der Bauernsame, sondern allen Teilen unseres Volkes wirksam geholfen wäre. , Dem Bauer wäre seine Obstproduktion, gesichert; der Alkoholfeüfel könnte beim Genicke gepackt werden, und die Alkoholverwaltung hätte es in der Hand,, durch eine " entsprechende und den volkswirtschaftlichen Bedürfnissen entgegen* kommende Preispolitik es zu ermöglichen, dass der neue Brennstoff, in grossen Quantitäten hergestellt, zu billigen Preisen abgegeben werden könnte. Im Jahre 1926 betrug die Einfuhr an Benzin 761,980 Doppelzentner im Werte von rund 27 iyillionen Franken. Im Jahre 1927 ist die Benzineinfuhr auf 951,408 Doppelzentner gestiegen in einem Werte von allerdings nur 25 Millionen Franken, da der Benzinpreis auf dem Weltmarkte eine wesentliche Senkung erfahren hatte. Könnte diese Einfuhr zum grossen Teile sistiert werden, so wäre somit rund eine Viertelmilliarde unserm Lande zu ersparen. Allerdings muss dabei betont werden, dass dem Bunde durch den Benzinzoll eine wesentliche Einnahme entginge und dass damit auch die Benzinzollanteile für die Kantone in Wegfall kämen. Allein, Bund und Kantone könnten sich durch Abgaben der Alkoholverwaltung eine neue und der alten entsprechende Einnahmequelle sichern. Hierüber sich des näher zu äussern, wäre ebenfalls verfrüht; warten wir die neuesten Versuche mit dem Betriebsstoff des Herrn Direktor Steiger ab und hoffen wir, dass sich aus den Resultaten für unsere schweizerische Industrie, für den schweizerischen Automobilismus und nicht zuletzt zu Nutz und Frommen unserer Volksgesundheit positive Erfolge ableiten lassen werden. Wir glauben, vor einer bedeutenden Umwälzung zu stehen, die für unsere Volkswirtschaft und für unser Land von weittragender Bedeutung werden kann. 11. — 17. August Eine fchuieizerisdie AuBomobilwoche Zukunft liegt im Serienfabrikat. Touristische Zerreissproben und Schönheitskonkurrenz lauten die Tangenten. Technik und Schönheit verschmelzen zu einem Begriff. Zum ersten Mal seit dem Kriege wird eine internationale Veranstaltung, wie es die Alpenfahrt ist, auch wirklich international organisiert. Grenzen und alter Hader verwischen, gemeinsam findet man sich zur Arbeit zu ehrenvollem friedlichharten Wettstreit Die wegen den ausserordentlichen Anforderungen der Strecke schwierigste aller bisherigen Alpenfahrten verdient von Seiten des kaufenden Publikums grösstes Interesse, fahren doch alle teilnehmenden Fabrikteams ausnahmslos serienmässige Wagen. Darin liegt der hohe und, wenn man so sagen will, durchaus praktische Wert der Fahrt. Anderseits hat auch Luzern, in Anbetracht K. dessen, dass es sich um ein erstes, versuchsweises Unternehmen handelt, einen einzigartigen Erfolg erzielt. Welchem Bedürfnis die Organisatoren entgegengekommen sind, beweist die ausserordentliche Beteiligung der Marken. (Nicht weniger als sieben führende -ander sind vertreten!) Schönheitskonkurenz, ein Wort, das wie kein zweites lockt! Die «versagende» Bremse. Letzter Tage ist bei der Abfahrt von Bad Fideris nach dem gleichnamigen Dorf ein schwerer Automobilunfall passiert, der drei Todesopfer und mehrere Verletzte zur Folge hatte. In der «N. Z. Z.» wird der Vorfall wie folgt beschrieben: « Am Samstagabend um 6.30 Uhr fuhr vom Bad Fideris ein mit sieben Personen besetztes Auto aus Horgen gegen das weiter unten liegende Dorf Fideris. Der Fahrer wollte auf der abfallenden Strapse, um besser bremsen zu kön- - nen,. vom dritten in den zweiten Gang umschalten und versuchte, auf der Strasse im Walde oberhalb des Hotel « Aquasana» anzuhalten. Als sein Schalthebel auf Leerlauf stand, war es dem Fahrer unmöglich, den Wagen mit seinen - Bremsen ganz zum Stehen zu bringen. So musste der Hebel im Leerlauf bleiben, während der Wagen weiter lief und in zunehmende Geschwindigkeit geriet. Unter Hilferufen der Autoinsassen rannte der Wagen am Hotel « Aquasana» vorbei, um an der starken Kurve unterhalb des Hotels in den abfallenden Wald geradeaus •» zu rennen Dort blieb das Auto an einer Tanne. A zerstört liegen. » In einigen anderen Zeitungen ist von einem «Versagen der Bremsen» die Rede; anhand der oben zitierten Darstellung kann sich der Fachmann ohne weiteres die Ursache, welche zu dem verhängnisvollen Unfall führte, rekonstruieren. Das Strässchen zwischen Station und Bad Fideris weist den Sommer über eine lebhafte Frequenz auf, zahlreiche Privatautos fahren zum Bad hinauf, auch besteht eine regelmässige Autopostverbindung. Trotzdem die Strasse verhältnismässig schmal ist und zahlreiche Kurven hat, ist sie durchaus nicht schwieriger zu befahren, als irgend eines der Hunderte von Bergsträssehen in Alpen oder Jura. Das verunfallte Automobil war ein grosser, schwerer Wagen, der, mit sieben Personen besetzt, reichlich 2000 kg wog. Bei dem starken Gefälle in kurvenreicher, enger Strasse erforderte dessen Beherrschung an und für sich eine mehr als durchschnittliche Geschicklichkeit des Lenkers; von einem Versagen der Bremsen kann aber in diesem Falle bestimmt nicht gesprochen werden. Der betreffende Motorwagen-Typ ist von Haus aus derart beschaffen, dass sowohl die Fuss- als die Handbremse schon an und für sich imstande ist, den Wagen'auch bei starkem Gefälle derart zu meistern, dass die betreffende Strecke ohne jede Schwierigkeit befahren werden kann. Wirken gar beide Bremsarten gleichzeitig zusammen, so ist auch bei stärkster Belastung des Wagens und bei angemessenem Tempo die Bremsung reichlich kräftig genug, um den Wagen nötigenfalls rasch zu stellen. Keineswegs hat dieser Wagen einen längeren Bremsweg nötig als andere Fahrzeuge gleicher Grosse und Stärke, wobei allerdings hervorzuheben ist, dass es sich um ein Modell 1921 ohne Vorderradbremsen handelt. Aus der obigen Darstellung lässt sich indessen deutlich ersehen, dass der Lenker den Wagen über Gebühr in Schuss kommen Hess. Hätten nun beide Bremsarten richtig funktioniert, so wäre auch ohne Einrückung eines tieferen Ganges die Geschwindigkeit des Fahrzeuges nicht derart verhängnisvoll rasch geworden, dass der Lenker die Macht über dasselbe verlieren musste. Ob ein Bruch eines Bremszuges infolge starker Betätigung eintrat, wird die amtliche Untersuchung feststellen; derartige Brüche oder Reissen der Bremsorgane sind jedoch äusserst selten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bremsen ungenügend stark eingestellt waren und infolgedessen der Abbremsung des schweren Fahrzeuges auf der stark abfallenden Strecke Es wird nicht nur die schönsten Wagen, sondern auch die schönsten Frauen, die ganze internationale, elegante Welt Luzern's auf den Plan rufen! Sowohl an der Alpenfahrt als an der Schönheitskonkurrenz steht unsere nationale Marke Martini in der Konkurrenz. (Organisation und Nennungen im Sportteil!) Lehren aus itutomobil-Unfälfen überhaut nicht gewachsen waren, ist naheliegend. Als das Fahrzeug bereits eine starke Geschwindigkeit hatte, wollte der Fahrer einen niedrigeren Gang einschalten; diese Manipulation war vollständig verfehlt, denn es ist technisch gar nicht möglich, von der dritten Geschwindigkeit in die zweite herabzugehen, nachdem das Fahrzeug bereits ein rascheres Tempo angenommen hatte; im Gegenteil, durch das Herausreissen des Ganges aus der dritten Uebersetzung hat der Lenker dem Fahrzeug noch zu stärkerer Geschwindigkeit verholfen, weil bekanntlich darnieder Widerstand des Kompressionsdruckes und des Getriebes wegfällt und die bereits ungenügend wirkenden Bremsen noch mehr beeinträchtigt wurden. Aus dem Vorfall ist ersichtlich, dass der Lenker, entgegen einer in der «Automobil- Revue» schon dutzendfach behandelten Methode des Bergabfahrens gehandelt hat. Wer starkes Gefälle befährt, hat vorher die kategorische Pflicht gegen Sich und seine Nebenmenschen, sich genau über den Zustand seiner Bremsen zu vergewissern; es kann vorkommen, dass im Verlaufe einer längeren Fahrt die Bremswirkung nachlässt; manche Einflüsse wirken hierbei mit, auch kann durch Eindringen von Fett oder Oe'l die Bremswirkung grossenteils aufgehoben werden. Derartige Ursachen treten aber fast nie plötzlich in Erscheinung, sie tauchen unter leicht festzustellenden Anzeichen nach und nach auf. Wenn der Fahrer verhindert ist, momentan, d. h. sofort, an Ort und Stelle, wenn er das Nachlassen der Bremsen konstatiert, den Schaden zu beheben — was nicht schnell genug geschehen und was jede paar Kilometer durch einen am Wege sich befindenden Automechaniker besorgt werden kann — so muss er durch vorsichtiges und genau überlegtes Fahren der verhinderten Bremswirkung Rechnung tragen, also vor allem ein entsprechend herabgesetztes Tempo wählen, das der verminderten Bremsfähigkeit angepasst ist. Stellt der Fahrer eine Bremsstörung vor einem starken Gefälle fest, so besitzt er in seinem Motor ein absolut sicher wirkendes Korrektiv. Das Einschalten des zweiten oder gar des ersten Ganges bringt auch bei starkem Nachlassen der Bremsen ein Fahrzeug ohne Gefährdung durch eine kurvenreiche, stark abfallende Bergstrasse hinunter. Selbstverständlich muss aber die 'Bremswirkung des Motors eingesetzt werden, bevor ein starkes Gefälle befahren wird. Wenn der verunfallte Chauffeur vor seiner Abfahrt in Bad Fideris ein Nachlassen der Bremskraft seines Wagens verspürte, durfte er die Fahrt im dritten Gang überhaupt nicht antreten; war die Bremswirkung sehr stark beeinträchtigt, so hätte er unbedingt den ersten Gang einschalten sollen, dann hätte sein Tempo kaum mehr als 12 km selbst an der steilsten Stelle und trotz siebenfacher Belastung des Wagens betragen. Die allzu starke Verlangsamung des Fahrzeuges hätte er mit vorsichtiger Gasgebung beschleunigen können; die zweite Geschwindigkeit konnte er einsetzen, nachdem er das stärkste Gefälle hinter sich hatte, niemals aber darf bei ungenügender Bremswirkung der Wagen in der oberen Geschwindigkeit bewegt werden, in der Hoffnung, bei zunehmendem Tempo auf eine niedrigere Geschwindigkeit zurückzuschalten. Dieses Manöver kann nie gelingen, weil es, wie gesagt, technisch undurchführbar ist Es ergibt sich aus diesem Vorfall erneut die dringende Mahnung, bei Fahrten auf Berg- wegen Stoffandranges musste das Feuilleton zurückgestellt werden.