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E_1928_Zeitung_Nr.065

E_1928_Zeitung_Nr.065

Ausgabe: Deutsche Schweiz* n, Freitag, 3. August 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 65 är I EVä N ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe LUte" ualbjihrllch F*. 5.—, jährlich Fr. 10.—, Im Ausland unter Portozutchlag, ADMINISTRATION: Breitenraihstrasse 97, Ben» totern nicht postamtlich bestellt, Zuschlag für nostamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autofevue, Bern INSERTIOMS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odef deren Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CtM. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Pflehv wirts uidiei Üxi-sexr© Zölle Es gibt immer wieder Gelegenheiten, da die Presse auf Gemeinplätze hinweisen muss. So auch in diesem Falle. Das Automobil ist innert kürzester Frist zu einem Beförderungsmitted geworden, das aus unserem modernen Verkehrswesen nicht mehr wegzudenken ist. Längst hat es den tierischen Zug überholt, ihn ganz besonders im grossstädtischen Verkehre verdrängt. Mit der Strassenbahn ist es in erfolgreiche Konkurrenz getreten. Für die ^Eisenbahn bildet es eine wichtige Ergänzung. Seine grössere Beweglichkeit, seine Unabhängigkeit von der Schiene haben dazu beigetragen, dass das Automobil in immer stärkerem Masse Ergänzungs- und Ersatzmittel bisheriger Transportmöglichkeiten geworden ist. Für den Unternehmer, der zu plötzlichen Konferenzen aufgeboten wird, für den Arzt, der bei Notfällen möglichst rasch zur Stelle sein sollte, für den Kaufmann, für den die schnelle Lieferungsmöglichkeit seiner Ware zu einer Existenzfrage geworden ist, für die Landwirte, denen das Automobil zur Zurückeroberung des inländischen Marktes unschätzbare Dienste leisten kann, für die Polizeibehörden und Krankenanstalten, für die Feuerwehr, die zu schneller Hilfe herbeigerufen werden, ist das Automobil ein unentbehrliches und zeitersparendes Beförderungs- «nittel geworden. Automobil heisst Zeitersparnis, Rationalisierung, Erhöhung der Lei-; sttmgsintensität und damit H^ung und Stärkung, Bltihefo und Gedeihen unserer Volkswirtschaft. Also sollte man meinen, erklänge auch hier der Ruf: «Freie Bahn dem Tüchtigen, freie Bahn dem Automobil,» das produktive Werte schafft und nicht mehr Zeitgemässes über Bord wirft. Aber weit gefehlt. Anstatt die Bahn frei zu geben, wird sie verbarrikadiert. Anstatt neue Quellen aufzudecken und freizulegen, werden sie verstopft. Dass dabei Produktion und Kapital schaffendes Arbeiten Jahm gelegt wird, scheint keine Rolle zu spielen, ansonst man den schweizerischen Benzinzoll, der heute Fr. 23.— für 100 kg oder 17 Rappen für den Liter beträgt, sofort tmd ohne langes Besinnen heruntersetzen würde. Ein Vergleich illustriere: Zahlt man heute in der Schweiz für den Liter Benzin 55 Rp., so ist in Deutschland der Preis pro Liter auf 42 Rp. angesetzt. Er beträgt somit 13 Rp. weniger als bei uns. Der heutige Benzinzoll darf mit vollem Recht als abnorm hoch bezeichnet werden. Dies umsomehr, da er ja nur zum Teil den Kantonen für den Strassenunterhalt zur Verfügung gestellt wird, währenddem der grössere Teil in den Staatsfiskus fliesst, wobei eine Kontrolle über dessen Verwendung zur Unmöglichkeit wird. Es ist ganz klar, dass bei einer derartigen O« n l*e n Englische Abwehr. übersetzten Zollbelastung das Motorfahrzeug, sei es Automobil oder Motorrad, nie derart in den Dienst der Volkswirtschaft gestellt werden kann, wie das unbedingt wünschenswert wäre. Aber auch über den Automobileinfuhr zoll lässt sich ein kritisches Wörtchen sagen. Auch hier kommt man bei näherem Studium zum Schluss, dass das geltende Prinzip der Zollgebühren vom wirtschaftlichen Standpunkte aus unverständlich ist. Unser Zollsystem baut heute noch auf dem Gewichtssystem auf. Für die erste Klasse (bis 800 kg) sind 110 Franken, für die zweite Klasse (800 bis 1200 kg) Fr. 130, für die dritte Klasse (1200 -bis 1600 kg) Fr. 150.— und für die vierte Klasse (über 1600 kg) Fr. 170.— Zoll zu bezahlen. Vor der Zollerhöhung betrug der Zollansatz für den. billigsten Viersitzer- Personenwagen 29 Prozent des Verkaufswertes, für den teuersten Personenwagen aber bloss 2,5 Prozent des Wertes. Heute, nach der Zollerhöhung, beträgt die Einführgebühr für den billigen Wagen 37 Prozent seines Verkaufswertes, währenddem für den hochwertigen nur 4,6 Prozent erhoben werden. Lässt sich dieser Zustand wirklich rechtfertigen oder ist er nicht als widersinnig zu bezeichnen? Würde auch unser" Land dazu- kommen, die Gewichtszölle, wie die jWehrzahl der Staaten es getan hat, durch Wertzölle zu ersetzen, so würde sich das Bild dahin verschieben, dass die Zollbelastung auf Gebrauchswagen sich wesentlich erträglicher gestalten und diejenige ajjf hochwertige Wagen dementsprechend eine grössere würde. Wir wagen nicht daran zu denken, dass in nächster Zeit dieser volkswirtschaftliche Widersinn behoben werde. Der Weg für den Gebrauchswagen bleibt zum Schaden der Allgemeinheit verbarrikadiert* Nicht nur wird dessen Verbreitung unnötigerweise erschwert, sondern es ist auch ganz klar, dass durch die exorbitante Zollerhöhung die daraus entstehenden Mehrkosten in aller erster Linie von der Allgemeinheit zu tragen sind, was sich begreiflicherweise durch den Teuerungsindex der Lebenshaltung auswirken muss. Auf eine Aenderung in dieser Beziehung ist jedoch nicht zu hoffen, solange die Mitglieder unserer gesetzgebenden Behörden nur zum Teil den wirtschaftlichen Wert des Automobils erkannt haben und immer noch glauben, im Interesse «bahnamtlicher» Auffassungen dem Automobil gegenüber, weil ihm noch kein staatlicher Stempel aufgedrückt werden konnte, sich eine gewisse Reserve auferlegen zu müssen. K. Ztrr vorstehenden Frage wird uns weiter geschrieben : Dass der eidgen. Benzinzoll nichts anderes als eine fiskalische Massnahme des Bundes darstellt, die kaum in Einklang mit den allgemeinen volkswirtschaftliehen Interessen des Landes steht, weil sie eine Verteuerung des Transportes und infolgedessen auch der allgemeinen Lebenshaltung zur Folge hat, ist bekannt. Dass der zweite Gesichtspunkt, der den hohen Benzinzoll veranlasste, einen Schutz des Privilegs der Bahnen darstellt, wissen wir Automobilisten ebenfalls. Auch andere Länder machen ähnliche Erfahrungen wie wir; in keinem Lande mit entwickeltem Verkehrswesen ist indessen der Benzinzoll derart hoch, wie in der Schweiz. Auch in England will man neuerdings dem Staat auf Kosten der Automobilfahrer durch den Benzinzoll neue Mittel zuführen. Es ist interessant, wie die englische Wirtschafts- Presse diesen fiskalischen Beutezug auf die Automobilfahrer beurteilt. «Manchester Guardian» schreibt: «Der Fortschritt wird abgebremst. Wenn man alle patriotischen Argumente beiseite lässt, dann kann man den Vorschlag, das in England importierte Benzin mit einer 4 Penny-Steuer als zusätzlicher Belastung der motoristischen Beförderung- zu belegen, nur einen weiteren Beweis dafür erblicken, dass Fortschritt neuerdings zu einem strafbaren Vergehen gestempelt werden soll. Weil die Atitomo-bilindust'rie aus ihren Erzeugnissen- ein