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E_1928_Zeitung_Nr.073

E_1928_Zeitung_Nr.073

Ausgabe: Deutsche Schweiz, Bf P lt. Freilag, 31. ßunusi 1928. Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N° 73 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Encbeint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieb MG«lb» Lift*** Halbjährlich Fr. 5—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoznschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bero Sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnnne III/414 ' Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Autorcrue, Bern INSEKTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Gröstere Inserate nach Seitentarif« InseratenseUnss 4 Taae v«r Erscheinen der betreffenden Nummer Pan-Europa im Automobilverkehr Die beständige Zunahme des internationalen Reiseverkehrs mit dem Automobil, die •jetzige Zusammenballung des Verkehrs in den Grosstädten und innerhalb derselben an besondern Brennpunkten, erheischen unbedingt eine internationale Verkehrsregelung. Im Interesse eines flüssigen Verkehrs, im Interesse der Sicherung der Fahrzeuge und ihrer Insassen, aber auch zum Zwecke der Sicherheit der Fussgänger ist eine möglichste Einfachheit und völlige Vereinheitlichung der Verkehrsregelung zur Notwendigkeit geworden. Das Comite Permanent de la Circulation Routiere, eine Sonderkommission der Association Internationale des Automobil- Clubs Reconnus, hat die Aufgabe erhalten, allgemein für alle Länder gültige Verkehrsvorschriften auszuarbeiten. Auf Grund von Vorschlägen dieser Kommission sind bereits die sechs dreieckigen Warnungstafeln gutgeheissen worden. Die Auswahl der Farbe und des notwendigen Materials hat man den einzelnen Ländern .überlassen. Auf die im Herbst dieses Jahres stattfindende Generalversammlung der internationalen Föderation sind nun neue Bestimmungen aufgestellt worden, die ganz besonders Verkehrsschilder, als auch mechanische Signale und Handzeichen betreffen. Es sind - Neuerungen, bzw* Aende T rungen, die für die gesamte Verkehrsregelung fewiss von grundlegender Bedeutung sein werden. Die in Vorschlag kommenden Verkehrsschilder, Signale und Zeichen gehen darauf aus, die Höchstgeschwindigkeiten, die Strassensperrungen, die Fahrtrichtungen, die Höchstbelastungen bekanntzugeben, sowie auch die- Ankündigungen der Verkehrsbeamten und Fahrzeugführer zu fixieren. Die Schilder für Höchstgeschwindigkeiten, die vom Komite gutgeheissen wurden, sollen quadratische Form mit einer Seitenlänge -von 60 cm erhalten. Mindestens 20 cm hohe schwarze Buchstaben haben die geforderte Höchstgeschwindigkeit anzugeben. Die Farbe soll mit derjenigen der dreieckigen Warnungsschilder übereinstimmen. Für die Wegesperrtaieln ist .folgende Vereinheitlichung vorgesehen-: Eine runde rote Scheibe soll die vollständige Sperrung für alle Fahrzeuge kundgeben. Wo ,es klimatische Verhältnisse erfordern, soll es gestattet sein, ein durchlöchertes Schild aufzustellen. Die runde rote Scheibe soll auch dann zur Verwendung kommen, wo die Sperrung nur einzelne Kategorien von Fahrzeugen betrifft. Durch figürliche Darstellung der betreffenden Kategorien wird augenfällig die Absicht der Sperrung dargetan. Betrifft das Verbot des Durchganges beispielsweise ein Automobil, so zeigt die Figur eines Automobils das Verbot an. Die figürlichen Darstellungen sollen in weisser Farbe auf die rote Scheibe gemalt sein. Betrifft das Verbot zwei oder mehrere Kategorien, so ist unterhalb der roten Scheibe auf rechteckigen, weisssn Schildern mit schwarzer Schrift anzugeben, für wen die Strasse gesperrt ist. Für die Richtungszeichen ist sowohl die Form eines Pfeiles als auch die Form einer runden Scheibe mit blauem Untergrund und weissem Pfeil gewählt worden. Sind Schilder notwendig, die das Halten von Automobilen an bestimmten Stellen zu verbieten haben, so sollen dafür blaue Scheiben mit roter Umrandung in Frage kommen. Die erlaubte Parkierung ist durch eine blaue Scheibe mit einem weissen P anzuzeigen. Für die Festlegung des Höchstgewichtes bei Brücken und dergleichen sollen die Zeichen die Form eines Quadrates von 60 cm Seitenlänge erhalten, in blau gehalten sein und auf einem darunter angebrachten Rechteck in weissem Felde die Gewichtsgrenze mit schwarzen Buchstaben angeben. Die Kommission empfiehlt' die Signale nachts in irgend einer Form, sei es durch Beleuchtung oder durch Reflektoren kenntlich zu machen. Gesperrte Strassen sollen nachts durch rotes Licht oder roten Reflektor angezeigt werden. Allgemein empfiehlt die Kommission im Interesse der Vereinfachung, die Schilder auf ein Minimum zu beschränken. Darin hat sie wohl recht, da ein Zuviel FahrzeugfüJÜrer und Publikum nur verwirren könnten. Für den Automobilfahrer ist es besonders schwer, die verschiedenen Zeichen der Verkehrsbeamten richtig aufzufassen. Deshalb hat das Komitee allen Scharfsinn darauf verwendet, auch in der Zeichengebung eine Vereinfachung zu erlangen. Es hat sich auf fünf Zeichen beschränkt, auf drei Haltzeichen und zwei Richtungszeichen. Als Haltzeichen gilt der aufwärtsgestreckte Arm mit der Handfläche nach vorn für die von vorn kommenden Fahrzeuge, der horizontalgehaltene Arm mit der Handfläche nach vorn, für die sich hinter dem Beamten befindlichen Fahrzeuge, beide Zeichen zusammen gelten für alle von vorn und hinten kommenden Wagen. Als Zeichen des Losfahrens für die vor dem Beamten haltenden Fahrzeuge wird der als Halt emporgestreckte Arm mit der Handfläche nach hinten gedreht und der Unterarm im Zeichen des Winkens mehrmals gebeugt. Für die hinter dem Beamten haltenden Fahrzeuge wird die Freigabe der Durchfahrt dadurch angezeigt, dass der horizontal ausgestreckte Arm gegen die entgegengesetzte Schulter gebeugt wird. Dieses Signalsystem hat sich, wie bekannt, bereits in Grossbritannien, wie auch in Grossstädten, die der internationalen Vereinigung der Städte angeschlossen sind, Die veralteten, in ihrer Auswirkung geradezu lächerlich wirkenden Geschwindigkeitsmaxima des Konkordates von 18,25 und 40 km pro Stunde sind bekanntlich auch Jieute noch für die* richterliche Beurteilung von Verkehrsfällen massgebend. Zwar haben polizeiliche Instanzen für ihre eigenen Bedürfnisse diese Grenzen nach oben verschoben in der richtigen Erkenntnis, dass sich praktisch die Innehaltung der Konkordatstempi gar nicht durchführen lässt und insbesondere in grösseren Städten zu Verkehrsstockungen bedenklicher Art führen müsste. So haben die Polizeivorstände von Zürich und Winterthur stillschweigend die Fahrgeschwindigkeit für Autos und Motorräder im Stadtinnern auf 30 km festgesetzt und erstreben schon seit längerer Zeit die Sanktionierung dieser Massnahme durch den Regierungsrat. Bei den meisten Geschwindigkeitskontrollen wird ferner mit einer gewissen Toleranz gerechnet, die allerdings in einzelnen Orten, wo es eben auf die Moneten ankommt vielleicht 2 km beträgt, anderwärts aber wieder bis auf 15 km hinaufgeht, weil es den Aufsichtsbehörden selbst klar ist, dass die 18 km Vorschrift ins Museum gehört. bewährt. Für die grossen Kreuzungswege und die grossen Verkehrszentren können überhaupt nur noch Lichtsignale oder drehbare rote Scheiben zur Anwendung gelangen. Die Kommission musste auch darauf Bedacht nehmen, die Zeichen der Fahrzeugführer untereinander und den Verkehrsbeamten gegenüber zu vereinheitlichen. Die Kommission schlägt vor: Die Absicht, eine neue Richtung einzuschlagen oder zu wenden, wird, wie bisher, durch Ausstrecken des Armes oder eines mechanischen Richtungszeigers angedeutet. Wird der Arm von oben nach unten mehrere Male bewegt, so ist dies das Zeichen, dass. man gewillt ist, langsamer zu fahren oder gänzlich zu halten. Die Absicht, jemanden vorfahren zu lassen, wird, wie jetzt bereits schon üblich, durch einfaches Bewegen des Armes von hinten nach vorn angedeutet. Soll dem Verkehrsbeamten die eigene Absicht kundggeben werden, gerade auszufahren, so wird die Handfläche senkrecht zur Windschutzscheibe gehalten und der Unterarm mehrfach nach vorn bewegt. Bei Fahrtänderungen nach rechts oder links ist die Handfläche parallel zur Windschutzscheibe zu halten und die Richtung, nach welcher man abweichen will, durch Bewegen des Unterarmes gegen die Fahrtrichtung anzuzeigen. . Aus den obigen Darlegungen ist wohl ersichtlich, dass ein grosser Teil der neuen Vorschläge des Komitees in den meisten Ländern bereits eingeführt worden ist. Immerhin weisen Anwendung und Form einzelner Signale noch Unterschiede auf. Eine Ausgleichung und eine Einigung herbeizuführen, ist das Ziel der Arbeit des Komitees, dessen Vorschläge im ganzen genommen, wohl als sehr praktisch gewertet werden dürfen. Nun hat die Generalversammlung der Association Internationale das Wort. Abänderungsvorschläge dort einzubringen, steht jedermann frei Da es aber zur Einführung von Neuerungen erwiesenermassen immer eine geraume Zeit braucht, ist eine Einigung im Hinblick auf den wachsenden internationalen Automobilverkehr zur dringenden Forderung geworden, K. Notfall und Geschwindigkeitsübertretungen. Wenn nun diese Verkehrsbestimmungen schon im tagtäglichen Leben als sehr hinderlich empfunden werden, wieviel mehr kommt dies bei dringlichen Fahrten zur Geltung, wo es gilt möglichst an Zeit einzusparen, um rasch an Ort und Stelle zu sein. Der Verkehr mit dem Kranken- und Feuerwehrauto, die Fahrt des Arztes und des Tierarztes in dringenden Fällen gehören- in diese Kategorie. Bei derartigen Fahrten wurde die Einhaltung des 18-kilometer-Tempos zur Farce und man erwartet deshalb allgemein, dass dieser dringliche Verkehr gar tiicht den Konfcordäfsvorschriften untergestellt wird, Dass dies aber in einzelnen Kantonen unverständlicherweise nicht der Fall ist, musste vor kurzem ja ein Tierarzt im Aargauer Gebiet erfahren, dessen Fall wir in Nr. 61 der «A.-R.» mitgeteilt hatten. Das Bezirksgericht hob bekanntlich eine wegen Geschwindigkeitsübertretung verhängte Busse auf, indem es den Tatbestand des dringenden Notialles als erwiesen annahm und deshalb eine Anwendung der Konkordatsbestimmungen, nicht als zulässig betrachtete, ein Entscheid, den das Obergericht leider nicht bestätigte. Die vom aargauischen Obergericht vertretene Auffassung, wonach der Notfall den Konkordats-Paragraphen nicht ausschalte, wird nun glücklicherweise nicht restlos geteilt. So wird beispielsweise im Kanton Zürich anders entschieden und ist gerade in diesem Zusammenhang die Ansicht des Chefs der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle interessant, der sich kürzlich in einem Gutachten über die Frage der Geschwindigkeitsübertretungen bei polizeilichen Kontrollen zu äussern hatte. Er spricht nämlich der bekannten, mit Motorrad ausgerüsteten, fliegenden Kontrolle das Recht der Geschwindigkeitsübertretunng in Ausübung ihres Berufes zu und zieht gleichzeitig folgende Parallele mit den übrigen Notfällen: «Ohne Berechtigung zu Geschwindigkeitsübertretun- Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag. München. (30. Forteetennj?) Also brütete und brütete Mr. Cherry am Kamin, während Mike die Feder mit aufreizender Gleichgültigkeit über das weisse Papier gleiten Hess. Nachdem diese unmögliche Situation zwei Jahrzehnte, wie es Mr. Cherry vorkam, in Wirklichkeit aber drei Minuten gedauert hatte, hörte man auf der Auffahrt den Kies laut knirschen und einen Augenblick danach das Auto keuchend halten. Mr. Cherry entfloh ein unheimlicher, halberstickter Laut. Mike schaute mit sanftem Staunen auf die Uhr. «Schon zurück?», sagte er. «Wie die Zeit fliegt!» Und setzte seine Schreiberei fort. Während Mr. Cherry noch überlegte, ob er sich nicht durch einen kühnen Griff der Schmuckkassette bemächtigen und mit einem Sprung in die Freiheit retten solle, öffnete sich die Fenstertür und Hess Mrs. Bytheways reichen Umfang herein. «Ach, Sir Michael!», sagte sie von Freundlichkeit überfliessend. «Es tat mir so leid, Sie verlassen zu müssen, aber wir armen Hausfrauen —! Jetzt müssen Sie aber mit mir kommen und mir helfen zum Lunch etwas Obst zu pflücken!» Wenn sie auch ein grausamer Zwang für kurze Zeit von der Seite ihres Idols gerissen hatte, so hatte sie nicht die Absicht, das wieder geschehen zu lassen. «Nichts wäre mir lieber als das,» begann Mr. Cherry hastig, «aber meine Briefe —» «Also das ist nur eine Ausrede, Sir Michael! Sie haben Zeit genug gehabt, Ihre Briefe zu schreiben, und jedenfalls geht die Post nicht vor sechs Uhr ab. Sie können Sie nachmittag beenden. Wenn Sie nicht kommen, mein Obst bewundern, verzeihe ich Ihnen nie!» Einem Regiment Kosaken, einer Sturmflut, dem schnellsten Expresszug — allen diesen kann man eher widerstehen als der Entschlossenheit eines Gesellschafts-Snobs, noch dazu eines solchen, wie Mrs. Bytheway es war. Während sich Mr. Cherry noch sträubte und unhaltbare Einwürfe von sich gab, war er schon sanft zur Türe hinausgeweht, und bevor er sich dessen recht bewusst I ward, stand er auf der Terrasse. Und indes er in dem Gedanken Trost suchte, dass ja niemand das Geheimnis der Kohlenkiste kannte und er bei einigem Glück noch immer rechtzeitig abfahren könne, wurde er ohne Aufenthalt in den Garten geschleppt. Als die Schritte auf der Terrasse verklungen waren, ging Sir Michael Fairlie zu der Kohlenkiste, hob den Deckel auf und schaute hinein. «Ei zum Kuckuck!», rief er aus. Er hätte nicht sagen können, was er zu finden erwartet hatte, aber diese Entdeckung überraschte ihn doch. : " Er hob die Kassette heraus und betrachtete sie mit Interesse. Ueber ihren Inhalt war kein Zweifel möglich und ebensowenig über die Art und Weise, wie sie an diesen seltsamen Aufbewahrungsort gelangt war. Mike erfasste eine plötzliche Wut gegen den Mann, det .picht genug damit, sich fälschlich unter einem ehrwürdigen Namen einzuführen, diesen Namen auch noch als Schild für seine Gaunerei missbrauchte. «Der Teufel soll den Kerl holen!», sagte der rechtmässige Besitzer des Namens. Aber was tun? Der offenbar einfachste Weg war, die Kassette ihrer Eigentümerin zurückzustellen, aber Mike scheute die Enthüllungen, die das nach sich ziehen musste. Es war besser, die Sache insgeheim in Mrs. Bytheways Zimmer zurückzuschaffen, und zwar jetzt, während sie noch im Garten war. So wurde die Oeffentlichkeit vermieden und der Dieb würde in einen schönen Zustand geraten, wenn er zurückkehrte und seine Beute verschwunden war. Mike lachte bei dem Gedanken in sich hinein, nahm die Kassette in die Hand, hielt sie, als sollte sie jeden Augenblick explodieren, öffnete die Tür und trat in die Halle hinaus. «Ah, James!,» sagte da eine Stimme, «ich wollte ja mit Ihnen sprechen — wegen was war es nur so schnell? Ach Gott, es ist mir wieder entfallen! Ach ja, natürlich; über Mrs. Gizzards Wünsche wegen der Abzugsrohre.» Mike machte fast einen Luftsprung, als er sich herumschwang und die Kassette dabei instinktiv hinter sich versteckte. Mr. Bytheway, mit einem freundlichen Lächeln auf seinem Schafsgesicht, kam eben durch die Hallentür und legte seine Mütze und Handschuhe zerstreut ab, Fortsetzung folgt.