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E_1928_Zeitung_Nr.074

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, DiensiasJ. septem&er 1928. Nummer 20 Qs. 24. Jahrgang. — N° 74 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb* List« 4 * Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuschlas, Bofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Antorerue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 43 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cta> Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratonsehhiss 4 Tage vor Erseheinen der betreffenden Nummer BMe Flotonsieriin«! der Armeen Im Uhrensaal des französischen Aussenministeriums. An historischer Stätte, denn hier fanden alle Beratungen statt, die das neugeschaffene Europa politisch umgrenzen sollten. Am 10. Januar 1920, 4.15 Uhr nachmittags, wurde durch die Bevollmächtigten Deutschlands und der Alliierten das Protokoll ratifiziert, das dem Abschluss des Friedensvertrages vom 28. Juni 1919 bindende Kraft gab. 27. August 1928. Vor dem grossen Kamin ist die Tafel in Hufeisenform aufgestellt. Delegierte von 15 Nationen haben Platz genommen. In der Mitte Briand. Vor der grossen Tafel im Mittelpunkt des Saales steht ein einfacher, kleiner Tisch, der mit einer Glasplatte belegt ist; auf ihm liegt der Kellogg- Pakt zur Unterzeichnung bereit. Die andere Hälfte des Saales belegt «das Publikum»: die Mitglieder der französischen Regierung und der Parlamente, die in Paris akkreditierten Diplomaten und ihre Damen. Der Reihe nach setzen sich die Delegierten der Völker an den Tisch und unterzeichnen mit der goldenen Feder, welche die Stadt Le Hävre dem Staatssekretär Kellogg verehrte, den berühmt gewordenen Pakt. Photographisch© Apparate und Kurbelmaschinen arbeiten. Auf einer kleinen Erhöhung halten die internationalen Pressevertreter mit dem Stifte den historischen Augenblick fest. Der neueste Kriegsächtungspakt ist geschlossen. Er hat in der internationalen, Presse natürlich die verschiedensten Kommentare gerufen. Einen neuen Gedanken enthält er eigentlich nicht. Es ist die Bestätigung der Idee, die bereits im Völkerbundspakt und in Locarno niedergelegt wurde. Auf dem Papier soll der Krieg «als Mittel der Politik> für ewige Zeiten verworfen sein. Abrüstung in Gedanken —• Rüstung in Wirklichkeit? Wie es in der Wirklichkeit steht, zeigt vielleicht am besten die Tatsache def zunehmenden Motorisierung der Militärstaaten Europas und der Vereinigten Staaten von Nordamerika. In bezug auf Kampfwagen und Strassenpanzerkraftwagen ist leider von einer Abrüstung noch nichts festzustellen. An der Spitze steht hinsichtlich der Zahl Frankreich, das heute über ca. 3000 solcher Wagen verfügt, währenddem die schweren Wagen sich auf eine geringere Zahl beschränken dürften. Aber auch andere Staaten stehen ganz besonders punkto Qualität nicht nach. Nach den Angaben in Heigels Taschenbuch der Tanks, das 1927 in München erschienen ist, verlassen sich die Engländer besonders auf den Morris-Martel- Tank, der auf den Strassen eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern und im Gelände eine solche von 20 Stundenkilometern erreichen soll und dessen Besatzung aus einem Mann mit einem Maschinen- Sir Michaels Abenteuer. Roman Ton K. O. R. Brown*. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlag. München. (31. Fortsetzung) Sein Sekretär drückte sich — eine Beute heftigen Schreckens — an die Wand. Es ist ja leicht zu sagen, dass dies der Moment war, wo er die Kassette Mr. Bytheway mit einem leichten Lachen und der Bemerkung hätte überreichen sollen, er habe sie in der Bibliothek gefunden; das hätte er auch zweifellos getan, wenn er Zeit zur Ueberlegung gehabt hätte, aber die war ihm nicht gegönnt. Und im ersten Augenblick schien es ihm nur, dass, wenn er diesem liebenswürdigen Schwachkopf die Kassette gebe, er sich in weitläufige Erklärungen verstricken und die letzte Hoffnung auf eine private Unterredung mit Anne verlieren würde. Also drückte er sich noch fester an die Wand und betete um Erleuchtimg. Sie ward ihm. Sein Rückzug wurde plötzlich durch etwas Grosses und Kaltes aufge- gewehr besteht, dem «gepanzerten Reiter des 20. Jahrhunderts». Eine weitere interessante Konstruktion ist der Räder-Raupentank, System Cordan Lloyd, der, je nach dem Boden, auf Rädern mit 50 Kilometerstunden Geschwindigkeit oder auf Raupen mit 35 Stundenkilometer Geschwindigkeit fortbewegt werden kann. Der moderne, schwere Tank der Engländer ist der Vickers- Tank, der etwa 40 Tonnen wiegt, eine Stundengeschwindigkeit von 25 Kilometer erreicht und mit einer Besatzung von zehn Mann, einer Bewaffnung von zwei leichten Kanonen und vier leichten Maschinengewehren, als eigentlicher Schlachtkämpfer angesprochen werden darf. Dieser «Saurier» soll 80 cm starke Bäume umzurennen vermögen. Die Vereinigten Staaten sind im Begriff, ihren bisherigen schweren Tank durch einen mittelschweren Schnelltank zu ersetzen. Besonders erwähnenswert ist der sogenannte «Christin-Amphibium-Tank», der • von der U. S. Mobile Ordonriance Company in Hobokom hergestellt und von der Marine gegenwärtig erprobt wird. Auf den Strassen läuft er auf Rädern mit einer Geschwindigkeit von 6—48 Kilometerstunden, auf dem Gelände auf Ketten mit 4,8 bis 12,8 Kilometerstunden. Im Wasser wird er durch Schrauben fortbewegt. Soin Vierzylindermotor verfügt über 90 Pferdekräfte. Er ist mit einer 75-mm-Kanone ausgerüstet und mit vier Leuten bemannt. Als eigentliches Landungsfahrzeug ist er mit hochgezogenen halten, etwas, das seine tastenden Finger augenblicklich als den Schirmständer erkannten. Dieser war ein hoher Ständer aus Porzellan, grell rot bemalt und mit dicken gelben Putten in den unwahrscheinlichsten Stellungen verziert. Natürlich war Mrs. Bytheway sehr stolz auf diese Erwerbung, die ihr ein Antiquitätenhändler, der eine berechtigte Vorliebe für diese Art Kunden hegte, zv einem unverschämten Preis angehängt hatte. Bisher hatte Mike das üble Ding mit Widerwillen betrachtet; aber jetzt hätte er es umarmen mögen. Sehr sorgsam Hess er die Schmuckkassette aus seiner Hand in die dunklen Untiefen des Schirmständers gleiten; dann schöpfte er tief Atem, richtete sich auf und wandte einen offenen männlichen Blick auf seinen Herrn. «Die Abzugsrohre?», fragte er, nun ganz Sekretär. «Ja, natürlich, die Abzugsrohre! Nun, leider liegt Mrs. Gizzard mit Mumps oder so etwas zu Bett, aber sie rief mir, als ich eben wegging, durch das Fenster zu, es sei chronisch. Damals dachte ich, sie meine die Abzugsrohre, aber dann ist mir eingefallen, dass sie es doch vielleicht auf ihr Leiden Radio-Automobil der amerikanischen Armee Bordwänden und. einem verschliessbaren Dach versehen. Währenddem sich die Kampfwagen in fortdauernder. Entwicklung befinden, ist von den Strassenpanzerwagen nicht ganz das gleiche zu sagen. Da sie an die Strasse gebunden sind, besitzen sie natürlicherweise nur beschränkte Verwendungsmöglichkeit und sind auch für Aufklärungszwecke nur in beschränktem Masse brauchbar. Es ist deshalb auch begreiflich, dass alle Versuche dahingehen, diese Wagen durch Verwendung mit Kettentrieb von der Strasse zu lösen und sie auch für das Gelände brauchbar zu machen. Bereits hat man es in der Konstruktion modernster Kettenfahrzeuge so weit gebracht, dass sie selbst als Kampfwagen das schwierigste und für Menschen ungangbare Terrain zu überfahren vermögen. In Frankreich, England, den Vereinigten Staaten, in Italien, Polen und der Tschechoslowakei werden riesige Summen zur Konstruktion solcher geländegängiger Panzerwagen verwendet. Sie dienen zu Erkundigungs-, Führungs- und Mannschafts- Transportzwecken. Mit dem Bau dieser eigentlichen Panzerkraftwagen ist jedoch die Motorisierung der Armeen noch keineswegs vollständig. Eine starke Bewegung geht bekanntlich dahin, sowohl bei der Artillerie als auch bei der Infanterie das Pferd so weit als möglich bezog. Jedoch —» Im eifrigen Gespräch steuerte er rasch der Bibliothek zu, die Tür schloss sich hinter den beiden. Und Anne Kent, die eben aus dem Kinderzimmer kam, um die vormittägige Milch zu holen, mit der Violet May ihren Hunger beschwichtigte, traf gerade rechtzeitig an der Biegung der Treppe ein, um das bemerkenswerte Taschenspieler-Kunststück des Sekretärs zu sehen. Worauf sie mit einem bekümmerten Stirnrunzeln und einem ängstlich wehen Zug um den Mund weiterschritt. Zwölftes Kapitel. Sehr langsam kam Anne die Treppe herunter. Sehr langsam ging sie durch die Halle, an der Bibliothekstür — durch die man Stimmen über das Abzugsrohr-Problem hörte — vorüber, bis dorthin, wo der Schirmständer in seiner grellen Scheusslichkeit stand. Hier zögerte sie einen Augenblick u. biss sich auf die Lippen, dann fuhr sie mit einer Hand in seine dunklen Tiefen und — zog die Schmuckkassette hervor. Einen Augenblick lang starrte sie sie verständnislos an, dann, auszuschalten. Artillerie-Verstärkung rasch an entscheidenden Punkten einsetzen zu ^Können und daneben die Notwendigkeit,