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E_1928_Zeitung_Nr.100

E_1928_Zeitung_Nr.100

Ausgabe: Deutsche Schweiz. rrrr. Frerrrp. 30. nouemDer 1928. Nummer 20 CH. 2*. Jahrgang. — N p 100 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONN EM ENTS-PR EISE: Erscheint Jeden Olenstao und Ftritag . Monatlich „Gelbe LUK** Halbjfihrllcb Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—, Im Ausland unter Portozusehlag, Bolero nicht postamtlicb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMIMSTIIATION; Breitenrainstrasse 97, Bert» In- und Ausland SO Rappen. Postchrck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 • Teleamnun-AdresM: Autorovue. Bern Auto und Fussgänger Muss das Auto anhalten, wenn sich ein Fussgänger in den Weg stellt? Immer häufiger zeigt sich bei den vielen Verkehrsunfällen, dass nicht nur die Vorschriften des Autokonkordates veraltet sind, sondern dass auch eine klare Regelung der Rechte der verschiedenen Strassenbenützer, ein eigentlicher «code de la route», not täte. Gerade in dieser Hinsicht gehen auch in der Rechtssprechung die Meinungen stark auseinander, wofür der nachstehende Prozess ein typisches Beispiel liefert Ein Automobilist fuhr im Februar 1925 nach Einbruch der Nacht auf der Strasse St. Blaise- Neuenburg mit etwa 35 km Geschwindigkeit bei angezündeten Scheinwerfern und holte bei der Tramhaltestelle Fort d'Hauterive ein Pferdefuhrwerk ein. Der das Fuhrwerk leitende Knecht Hess sein Pferd auf der rechten Strassenseite stehen und stellte sich dem Auto mit erhobenen Armen mitten in den Weg. In der Annahme, der Fussgänger wolle aufsitzen, fuhr der Autofahrer zu, da er damit nicht einverstanden war, und sich darauf verliess, der Unbekannte werde vernünftigerweise rechtzeitig Platz machen. Dieser aber entschloss sich erst zum Ausweichen, als es zu spät war, kam mit dem Auto in Kollision und wurde verletzt. In den Prozessen, die sich an diesen Unfall knüpften, behauptete der Knecht, er habe den Automobilisten zum Abblendet} veranlassen wollen, da sein Pferd wegen der Scheinwerfer scheu geworden sei. Das kantonale Gericht stellte auf Zeugenaussagen ab, wonach im Gegenteil bei dem Pferd keine Unruhe wahrnehmbar war. Im Prozess zwischen der Schweiz. Unfallversicherung und dem Verletzten nahm das Neuenburger Kantonsgericht an, es sei wegen Verschuldens des Verletzten ein Abstrich von der Hälfte der Versicherungsleistung zu machen. Das eidgenössische Versicherungsgericht stellte zwar ebenfalls Verschulden des Klägers fest, sah indessen von einem Abstrich ab. Die S. U. V. A. L., welcher der Rückgriff gegen den Automobilisten zustand, trat ihre Ansprüche an den Verletzten ab und dieser belangte den Automobilisten auf Fr. 20,000.— Schadenersatz. Das Neuenburger Kantonsgericht wies die Klage ab, mit der Begründung, der Unfall sei einzig dem Verschulden des Klägers zuzuschreiben. F E U Sir Michaels Abenteuer. \nmf fcantonaSU&n Allgemeines. Der Regierungsrat des Kantons St. Gallen hat in 112 Artikeln eine neue Vollzugsverordnung über den Motorwagen- und Fährradyerfiehr -erlassen. Aus diesen Verordnungen möchten, wi j auf folgende Punkte aufmerksam machen : Den Gemeinden wird das Recht Überbunden, den Motorwagen- und Fahrradverkehr innerhalb der Grenze auf einzelnen Strassen zu verbieten, zu beschränken oder nur unter bestimmten Bedingungen zu gestatten. Vorbehalten bleiben dabei die Durchgangsstrassen für den allgemeinen Verkehr. Das zulässige Polizei- und Militärdepartement ist befugt, da wo es nötig scheint den Gemeinden für die Verkehrsregelung die Anwendung der Normalien des Schweizerischen Städteverbandes ganz oder teilweise vorzuschreiben. Dem kantonalen Polizeikommando ist eine kantonale Automobilkontrollstelle angegliedert, welche die Bewilligung zur Benützung eines Motorfahrzeuges erteilt. Sämtliche Personenautomobile sowie Motorräder werden alle drei Jahre einer Nachprüfung in Bezug auf die Betriebssicherheit, Schalldämpfung usw. unterzogen. Die nach Artikel 11 des «Bitte das Tor zu schliessen», sagte sie und wandte sich wieder Tiggels zu. «Wissen Sie,» sagte Anne, «es war wirklich schrecklich von mir. Ich habe Ihnen ja fürch- Roman von K. O. R. Browne. terliche Sachen gesagt Aber ich — ich Copyright 1928 by Geore Müller, Verlag, München konnte Sie gar nicht verstehen- Sind Sie (Schluss) wirklich nur hergekommen, um Mr. Bytheway einen Gefallen zu erweisen?» Das sehr liebe Mädchen sass auf einer weissgestrichenen Bank im Rosengarten und «Nein», sagte Mike. tat nichts. Vor ihr führte Violet May, die dem Anne schaute ihn schnell an und schaute Erdbeben, das ihre Familie bis in die Grundfesten erschüttert hatte, ahnungslos gegen- «Oh», sagte sie mit ganz kleiner Stimme. dann ebenso schnell wieder weg. überstand, ein einseitiges Gespräch mit Tiggels. Hie und da machte sie eine Bemerkung «Nun, ich dachte — aber ich verstehe jetzt Dann fuhr sie eilig fort : zu ihrer Gouvernante und machte sich nichts noch nicht ganz. Wissen Sie, ich hörte Sie daraus, dass sie keine Antwort erhielt, denn mit diesem Mann sprechen und Sie sagten eigentlich bedurfte sie ja keiner. ihm, Sie seien hier, um zu nehmen was Sie Bei dem Klang von Mikes Schritten blickte kriegen!» Anne auf, errötete ein wenig und lächelte. Mike richtete sich jäh auf, als ihm plötzlich «Bitte, Mr. James, kommen Sie und nehmen Sie meine Entschuldigungen entgegen. «Guter Gott, das war es also? Das erklärt das Verständnis kam. Oh, Ihre arme Nase! Ach Gott, ichmeine ja, mir, warum Sie — aber ich führte ihn doch Sir Michael!» nur an der Nase herum.» Sir Michael setzte sich vorsichtig neben sie «An der Nase — ?» und drapierte sein herabgekommenes Hosenbein, so gut er konnte. Mike. «Stellen Sie sich vor, dass ein Uebel- «Versetzen Sie sich an meine Stelle», bat «Meine Nase», sagte er, «ist mir lange täter sich für Sie ausgibt (was nebenbei gesagt, niemand tun könnte, aber davon später), nicht so peinlich wie meine mangelhafte Bekleidung. Ich fühle mich ganz nackt und bitte würden Sie nicht auch, um so viel Unterhaltung wie möglich aus ihm herauszukriegen, um Nachsicht. Uebrigens», fügte er nicht feanz zusammenhängend hinzu, «nennen mich den Kerl noch encouragieren — ihn foppen — meine Freunde Mike.» ihm andeuten, dass Sie sozusagen aus demselben Holz find — nur, um einen Spass zu Pause. Violet May blickte auf und betrachtete die beiden ernsthaft. haben? Sagen Sie ja!» Das Bundesgericht (I. zivilrechtliche Abteilung) hat die vom Kläger eingereichte Berufung mit 5 gegen 2 Stimmen teilweise gutgeheissen und die Sache in dem Sinne, zu neuer Beurteilung an das Kantonsgericht zurückgewiesen, dass dem beklagten Automobilisten M des — noch festzustellenden — Schadens aufzuerlegen sei. Die Mehrheit war dabei allerdings der Auffassung, dass der Knecht fahrlässig handelte, indem er sein Pferd sich selbst überliess und sich dem herannahenden Auto in den Weg stellte. Dagegen sei auch der Autofahrer nicht berechtigt gewesen, den im Wege stehenden Fussgänger zu überrennen. Sein Verhalten sei durch Art. 34 des Konkordates vorgezeichnet, wonach er verlangsamen oder anhalten soll, wenn das Auto Anlass zu einem Verkehrshemmnis oder Unfall bieten kann. Der Fahrer müsse mit der Möglichkeit rechnen, dass ein in seiner Fahrbahn stehender Mensch durch plötzliche- Erkrankung, Augenleiden oder Schwerhörigkeit u. dergl. am schnellen Ausweichen Verhindert sein könne. Wenn er sodann auch im vorliegenden Falle in derselben Richtung gefahren sei, wie das Pferdefuhrwerk, und deshalb an sich nicht zum Abblenden verpflichtet gewesen sei, so habe doch immerhin die Möglichkeit bestanden, dass das Pferd wegen der Scheinwerfer scheu werde und der Knecht ihn zum Abblenden veranlassen wolle. Sein Verschulden rechtfertige es, dass ihm K des entstandenen Schadens auferlegt werde. — Die Minderheit vertrat dagegen die Ansicht, dass in solchen Fällen eine grundsätzliche Pflicht zum Anhalten für den Autofahrer nur bestehe, wenn der sich in den Weg stellende Fussgänger Polizeifunktionen ausübe, wenn er offenbar unzurechnungsfähig sei oder wenn er am richtigen Ausweichen verhindert sei; werde dagegen das Auto allgemein zum Anhalten in derartigen Fällen verpflichtet, so könnte damit verkehrsstörendem Unfug und Mutwillen Unberufener Tür und Tor geöffnet werden. Die Minderheit wollte daher die Klage in Bestätigung, des kantonsgerichtlichen Urteils abweisen. W. Pffiiclen Neureglung des Verkehrs in St. Gallen, «Oh», sagte Anne. «Ich verstehe. Ja.» «Nun, da haben Sie's also.» Wieder eine Pause. «Es tut mir schrecklich leid,» sagte Anne, «ich war scheusslich mit Ihnen. Aber dann kam die Sache mit dem Schirmständer. Schauen Sie, ich sah Sie, wie Sie die Kassette darin versteckten.» «Ich versteckte sie dort», sagte Mike, «weil ich fürchtete, dass, wenn ich sie zurückgäbe, alles herauskäme, und dass ich dann keine Gelegenheit mehr haben würde — alle Wetter!» rief er plötzlich mit lauter Stimme. «Sie sahen mich Sie verstecken? Dann — grosser Gott — waren Sie es, die sie in das Fach zurückstellte?» Anne fuhr zusammen und biss sich auf die Lippen. Tiefes Erröten machte sie noch anziehender, aber sie schwieg. «Alle Wetter!» sagte Mike ehrfürchtig, soweit man das ehrfürchtig sagen kann. «Alle Wetter! Warum haben Sie das nun getan?» Keine Antwort. «Warum», sagte Mike, «haben Sie, während Sie mich für eine Art minderen Karl Moor hielten, die Schmuckkassette zurückgestellt und nichts gesagt?» Keine Antwort. «Warum», sagte Mike, «haben Sie mir denn noch die Möglichkeit offen gelassen, zu gehen, ehe das Dach über mir einbrach?» Nicht mehr Antwort als vorher. «Warum?» sagte Mike. «Rauchen verboten», bemerkte Violet May «Warum?» sagte Mike. INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grunrfzeile oder dtreo Raum 15 Cts. für die Schweiz: für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct* ' ' Grössere loserate nach Seitentaril, laseratensehtass 4 Tane *or Erscheinen der betreffenden Nummer Konkordates zu deckende Versicherungssumme ist für jedes Motorfahrzeug im Minimum auf 30 000 Franken für eine, verunfallte Person und für das Unfailereignis im Minimum auf 50 000 Franken für ein Motorrad Und auf 100 000 Franken. für eitv Automobil festgesetzt worden. Die zu deckende Schadensumme für Lastwagen ist bei einem Fassungsvermögen bis 10 Personen auf 100 000, bei einem solchen von 11 bis 20 Personen auf 200 000 und von über 20 Personen auf 300 000 Franken festgelegt. Ausdrücklich ist erwähnt, dass die Versicherungsgesellschaften wegen grobfahrlässiger Herbeiführung des Schadenereignisses und im Falle schuldhafter Verletzung der Anzeigepflicht ihre Leistungen gegenüber den Verletzten, den Hinterbliebenen eines Getöteten und den Sachbeschädigten nicht kürzen dürfen. Die Fahrbewilligung wird Personen unter 18 Jahren nicht erteilt. Steigen dem Experten bei der Fahrprüfung Zweifel über die körperliche und geistige Eignung des Gesuchstellers auf, so ist er berechtigt, die Einholung eines ärztlichen Zeugnisses zu veranlassen. Mit Gefängnis-, Arbeits- oder Zuchthausstrafen Gebüsste können die Fahrbewilligung frühestens nach Ablauf eines Jahres wiederum neu, erhalten. Die jährlichen Gebühren sind wie folgt festgesetzt : Für Motorwagen bis und mit 5 PS 120 Fr.; bei Motorwagen bis und mit 15 PS für jede weitere PS einen Zuschlag von 20 Fr.; bei Motorwagen von mehr als 15 PS für jed« weitere PS einen Zuschlag von 25 Fr. bis zum Maximum von insgesamt 1000 Fr. Last-, wagen und Traktoren zahlen einen Zuschlag von 20%. Anhängewagen bezahlen : Einaelv ser bis 500 kg Tragkraft 50 Fr.; Einachser über 500 kg Tragkraft 100 Fr.; Zweiachser bis 1000 kg Tragkraft 100 Fr. und Zwen achser über 2000 kg Tragkraft 200 Fr. LasN* automobile, welche für Personentransport« verwendet werden, haben für die generelle Verkehrsbewilligung noch einen Zuschlag von. 25 % der ordentlichen jährlichen Gebühren zu entrichten. Bei der Berechnung für die Pfer>* destärke wird die revidierte Formel 0,4 angewendet. Die Motorfahrzeuge des Staates und der Gemeinden, welche Feuerlösch- oder Militärzwecken, Krankentransporten und an-* dern Aufgaben des Gemeinwesens dienen^ sind von der Taxe der Verkehrsbewilligung befreit. Die Scheinwerferbeleuchturig Ist ausser auf der Landstrasse auch auf schlechtbeleuehtei ten Strassen von Städten und Ortschaften geJ stattet. Die Wagenführer sollen immerhin auf Personen und. Tiere gebührend Rücksicht nehmen. Motorfahrzeuge werden nur dätift» zürn Verkehr zugelassen, wenn sie mit einet wirksamen Schalldämpfung versehen sind. Eine nachträgliche Abänderung kann Bestra« fung oder Entzug der Verkehrsbewflligung zur Folge haben. Das Fahren mit ausgeschaltetem Motor ist untersagt. Die Höchstbreite für alle Motorfahrzeuge einschliesslich Anhängewagen und ihre Ladung darf 2,2 Meter nicht überschreiten. Alle Motorwagen mit Windschutzscheiben müssen einen gutwirken-* den Scheibenwischer aufweisen. Motorfahr-i zeugfahrer, welche sich der Uebertretung der Fahrgeschwindigkeit oder einer andern Vorschrift schuldig machen, werden von den Polizeiorganen wenn immer möglich ange* halten; den Fahrern wird dabei die Uebertretung mitgeteilt. Nach dieser Bestimmung, welche sich in Artikel 38 der Vollzugsverordnung befindet, ist herauszulesen, dass der Kanton St. Gallen von geheimen Automobil-; kontrollen absieht, was mehr als zu begrüs-» sen wäre. Miss Kent bewegte sich unruhig und sprach endlich mit einer ganz leisen, schwachen Stimme. «Ach nun, Sie schienen, — ich meine,, ich dachte, Sie könnten nicht gar so schlecht sein — und ausserdem — haben Sie mir damals in Richmond einen Dienst erwiesen und», — die schwache Stimme wurde immer schwächer und erlosch. Schweigen. Bedeutungsvolles Schweigen. Dann schöpfte Sie Michael Fairlie tief Atem und wendete sich langsam der verlegenen jungen Dame an seiner Seite zu. Langsam erhob er seine grosse rechte Hand und legte sie auf die ihre. Und langsam gab er Worte von sich. «Da wir von Richmond reden, fällt mir ein, dass ich Ihnen noch nicht den wirklichen Grund gesagt habe, warum ich hergekommen bin. Haben Sie etwas dagegen, wenn ich es Ihnen jetzt sage, Anne?» Wieder kurzes Schweigen. «Nein, Mike», sagte Anne. • • • «Gestern», erzählte Violet May der getreuen Tiggels, «sah ich, wie der Briefträger der Köchin einen Kuss gab! Wirklich, ich. hab's gesahen! So einen lauten, den man auch gehört hat.» Sie wandte sich, um zu sehen,, welche Wirkung diese skandalöse Enthüllung auf die beiden auf der Bank habe — «Der Briefträger hat es viel lauter gemacht als Sie», sagte Violet May. — Ende —