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E_1928_Zeitung_Nr.103

E_1928_Zeitung_Nr.103

Ausgabe: Deutsche Schwell. v rifrsrn 11 npjRmlier 1928. Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N n 10? ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, tolero nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Flappen. PostcheckrRechnung 111/414 B Eisenbahngefährdung durch Motorfahrzeuge. zum Anhalten zu veranlassen; damit ist aber auch die Möglichkeit verbunden, dass Stösse oder Kuppelungsbrüche eintreten, dass Reisende oder Zugspersonal verletzt oder gefährdet werden. Die erhebliche Gefährdung im Sinne von Art. 67, Absatz 2, ist darum auch dann zu bejahen, wenn eine unmittelbar vor derGefahr nicht unmittelbar gegeben scheint, Aus dem Bundesgericht. Bei Schaffhausen fuhr ein Motorradfahrer in der Silvesternacht in die geschlossene Bahnbarriere des Niveauüberganges von Spitzwiesen, Durchfahrt des fälligen Zuges. Er stürzte, und sein Rad blieb in nächster Nähe des Geleises liegen, konnte freilich noch vor der Durchfahrt des Zuges vom Bahnwärter fcur Seite geschoben werden. Es erfolgte eine Anzeige wegen fahrlässiger Eisenbahngefährdung im Sinne von Art. 67, Absatz 2, des Bundesstrafgesetzes. («Wer durch Fahrlässigkeit die Sicherheit des Eisenbahn-, Dampfschiff- oder Postwagenverkehrs erheblich gefährdet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Mit der Gefängnisstrafe kann auch Geldbusse verbunden werden. In leichten Fällen kann der Richter auf Geldbusse allein erkennen.») Sowohl das Schaffffhauser Kantonsgericht als das Schaffhauser Obergericht sprachen den Angeklagten frei. Sie gingen dabei davon aus dass Art. 67 in der 1902 abgeänderten Fassung zwar nicht mehr bloss die beförderten Fahrgäste und Güter allein schütze, sondern den Bahnbetrieb als solchen, dass aber Absatz 2 für die fahrlässige Gefährdung das Vorliegen einer «erheblichen» Gefährdung voraussetze und dies© nur angenommen werden könne,- •wenn djß n&hß Wahrscheinlichkeit und nicht nur eine entfernte Möglichkeit eines schädigenden Ereignisses vorliege. Wenn auch das Rad im vorliegenden Falle in der Nähe der Geleise zu Fall gekommen sei, so könne doch nicht von einer erheblichen Gefährdung im Sinne einer wirklichen konkreten Gefahr für den Betrieb gesprochen werden. In Gutheissung einer von der Bundesanwaltschaft eingereichten Kassa tionsbeschwprde hat der bundesgerichtticiie Kassationshof dieses Urteil aufgehoben und die Angelegenheit zu neuer Behandlung zurückgewiesen. Wenn Art. 67 den Balmverkehr wirksam schützen soll, so muss sich sein Schulz auf den ganzen Bahnkörper, bei Niveauiibergäncen also auf den ganzen Raum zwischen den geschlossenen Bahnbarrieren ausdehnen. Jedes in diesen Raum eindringende bahnfremde Fahrzeug ist eine Gefährdung des Betriebes, denn wenn auch kein Zusammenstoss drohen mag, so genügt doch seine Gegenwart, um den herannahenden Zug zu einer Schnellbremsung oder ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^J ABONNEMENTS-PREISE: Enchetat teden Dienstag and Frtftaf ' Monatlieh »G«lfce Ltott» T O N Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (2. Fortsetzung) Claudine Bartheel, «Ia belle Claudine», hatte an diesem Premierenabend in sichtbarer Aufregung und in höchster Reizbarkeit ihre Garderobe betreten. Vergebens hatte die Zofe in stummer Verzweiflung versucht, die Diva zum Umkleiden zu bewegen, die, wie von Sinnen, den engen Raum durchmass. Erst als Manager und Inspizient immer wieder auf den nahen Beginn wiesen, begann sie sich in Hast und ohne Interesse fertig zu machen. Mechanisch trat sie hinaus in das grelle Rampenund Scheinwerferlicht. Mit Anstrengung fand sie sich. Und in einer Seitenloge Hess ein junger Mann kein Auge von ihr. Es war Anatole Etienne, der Chefkonstrukteur der Henderson- Motor-Car-Company. Am Tage vor der Premiere hatte Claudine Bartheel auf ungewöhnliche Weise ein Billett erhalten, das sie bestimmte, den Besuch im ^ City-Club abzusagen. Als sie an diesem Tage 'in ihre Limousine stieg, fand sie auf dem Polster ein Briefchen, das als Aufschrift «la belle Claudine » trug. Neugierig hatte sie es geöffnet Es enthielt die Worte: ADMIiMlSTRATION: Breftennlnstruse 97, Bern Telephon Bollwerk 39.S4 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern sondern bloss in den Grenzen der Möglichkeit bleibt. Der gleichen Richtlinie folgt ein zweiter Entscheid des bundesgerichtlichen Kassationshofes. Der Angeklagte war mit dem Auto dicht bei der Station Effretikon ..der Linie Winterthur—Zürich durch, die geschlossene Barriere hindurchgefahren, hatte seinen Wagen aber 1 Meter vor dem.nächstliegenden Geleise anhalten können; dies ereignete sich, als der Zug gerade auf dem vierten Geleise (vom Automobilisten aus gesehen) durchfahren sollte. Die Zürcher Gerichte bejahten die fahrlässige Eisenbahngefährdung und verurteilten den Autofahrer zu 70 Fr. Busse. In diesem Falle wurde die Kassationsbescbwerde von dem Verurteilten eingereicht, welcher geltend machte, dass von einer erheblichen Gefährdung nicht die Rede sei, weil ein Zug sogar auf dem ersten Geleise ungefährdet durchgefahren wäre, während der fällige Zug das vierte zu benutzen hatte. — Die Kassationsbeschwerde wurde abgewiesea unter dem Hinweis auf den oben ausgeführten Grundsatz^ dass jedes Eindringen eines bahnfremdW Fahrzeuges in dea ,abg*v schrankten Raum zum Mindesten -eine Schnellbremsung verursachen könne und daher eine erhebliche Gefährdung des Betriebes bedeute. Die ausgesprochene Busse bleibt somit in Kraft. W. Schafft Autoparkplätze! Aus zürcherischen Geschäftskreisen wird uns dazu geschrieben: «Der Automobilist, der tagsüber nach Zürich kommt oder des Abends an Anlässen oder Vorstellungen teilnehmen will, die « Madame, Sie werden gebeten, heute abend zu einer bedeutsamen Aussprache in Ihrer Wohnung anwesend zu sein.» Sonst nichts; keine Unterschrift, keinen Hinweis, welcher Art diese «bedeutsame» Aussprache sein könne. Sie überlegte. Was konnte dahinter stecken? Sollte sie Clifferton davon Mitteilung machen?! Nein, und so harrte sie der Dinge. Der Besuch in dem Club wurde mit der Entschuldigung leichter Unpässlichkeit abgesagt. Der Abend nahte. Sie hatte das Hauspersonal bis auf die Zofe beurlaubt. Clifferton hatte angerufen, hatte sie an den Club erinnert; sie schützte Migräne vor und wurde nervös, als er in sie drang. Wütend hängte sie ab, warf sich auf den Divan und wartete. Endlich die Klingel. Sie sprang auf, eilte in das Boudoir und musterte sich im Spiegel. Die Zofe kam, reichte eine Karte: « Anatole Etienne. » Sie las den Namen. «Etienne», wo hatte sie schon den Namen gehört. « Etienne », sie überlegte. Und da fiel es ihr ein. So hiess ja der frühere Konstrukteur der World-Motor- Car-Company; Clifferton hat oft von dem Mann erzählt, hatte seine grosse Arbeitskraft, seine hervorragende, technische Begabung gerühmt. Sie wusste auch, warum Anatole Etienne seinen Abschied von der World- grösseren Besuch aufweisen, wird immer Mühe haben, seinen Wagen an geeigneter Stelle parkieren zu können. Man muss bei jeder Gelegenheit die leidige Erfahrung machen, dass Zürichs Strassen- und Platzverhälrnisse für einen gemütlichen Mittelstadtverkehr mit Tram und einer Anzahl Fuhrwerke berechnet waren. Für einen solchen mögen sie wohl genügt haben, aber unter den heutigen Bedingungen sind die Raumverhältnisse ein wahres Krebsübel in emem Verkehr, der bald grossstädtische Dimensionen angenommen hat. Die wenigen Plätze, welche für das Parkieren der Wagen vorgesehen wurden, sind gewöhnlich ständig mit Fahrzeugen besetzt und auch an den Parkierungsstrassen säumen ganze Kolonnen von Autos eine oder beide Strassenseiten. Gerade die in. Strassen parkierten Wagen bilden ein bedenkliches Hemmnis für den ständig pulsierenden Strässenverkehr und sind ein dauerndes INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ctt. für die Schweiz; für Anzeigen au» dem Ausland 60 CU> Grössere Inserate nach Seitentarif. laseratonseMuss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nnmmer haben, in den Strassen der City überhaupt ein- und auszufahren und die Wagen in nächster Nähe und an einem geeigneten Ort für eine gewisse Zeit hinzustellen. Der Kunde soll: zudem ungehindert und ohne grossen Zeitverlust und langwieriges Manövrieren den Warteplatz auch wieder verlassen können. Es ist für die Ladenitmabar wichtig, das die im allgemeinen zahlungsfähige und kaufkräftige Kundschaft der Automobilistenaus Stadt und Land reibungslos in den Geschäftsvierteln: verkehren kann und dass anderseits auch der Strassenraum vor den Auslagen nicht ständig mit parkierenden Fahrzeugen irgendwelcher Art, die mit dem Betrieb in keiner Beziehung stehen, belagert ist. Der Verkehrsfachmaun unterstützt die nämlichen Bestrebungen, allerdings mehr im Interesse einer glatten Verkehrsabwicklung. Aber alle Beteiligten: Verkehrspolizei, Geschäftsleute und Automobilisten sind sich einig, dass die Schaffung von geeigneten Parkierungsmöglichkeiten zu einer der dringendsten Forderungen geworden ist. Dabei muss immer berücksichtigt werden, dass der Verkehr immer noch im Anwachsen begriffen ist und die Lösung des zum gordischen Knoten sich auswachsenden Problemes immer schwieriger und kostspieliger wird, je länger man zögert. Motor-Car-Company genommen. Was mochte Etienne von ihr wollen? Sollte sie ihn abweisen? Doch dann siegte die Neugierde: «Ich lasse bitten,» sagte sie mit erzwungener Gleichgültigkeit und strich sich über das erhitzte Gesicht. Mit einer tiefen Verbeugung begrüsste der junge Mann die Tänzerin. Sie deutete auf einen Sitz: «Bitte, mein Herr, was führt Sie zu mir?» Dabei bemühte sie sich, kühl und unnahbar zu erscheinen. Anatole Etienne setzte sein gewinnendstes Lächeln auf: «Verzeihen Sie mir, Madame, dass ich Ihre Zeit in Anspruch nehme und dass ich Sie auf so ungewöhnliche Weise gebeten habe, mich zu empfangen. Die Sache ist für uns beide wichtig und duldet keinen Aufschub!» Er machte eine kleine Pause und sah sie an. Sie hatte sich lässig in einen Sessel fallen lassen und verriet mit keiner Miene ihre Aufmerksamkeit. Als er schwieg, sagte sie nur: «Bitte, fahren Sie fort!» «Also hören Sie, meine Liebe: Von interessierter Seite wird Ihnen hiermit ein Angebot gemacht von zehntausend Pfund — zehntausend Pfund — für einen Dienst, dessen Erfüllung in Ihrer Macht liegt!» Sie sprang auf und Zornröte färbte ihre Wangen. «Mein Herr, wie kommen Sie dazu, mir ein derartig schamloses Angebot zu machen. Ich Die Parkierungsgelegenheiten längs den vielfach zu wenig breiten Strassen sind ein ungenügendes Hilfsmittel. Nur die Bereitstellung von Plätzen, auf welchen die Ansammlung von Autos den übrigen Verkehr nicht stört und die dazu bestimmt sind, diö heute mehr oder weniger planlos an Strassenseiten herumstehenden Wagen systematisch an bestimmten Orten zu konzentrieren* können wirksame Besserung und Abhilfe der Kalamität bringen. Es sind ja bereits grosszügige Projekte, welche von den Behörden überprüft werden, bekannt geworden. Wir erinnern nur an den Vorschlag, den Limmatausfluss einzudecken, um auf diese Weise iu der Nähe des Hauptbahnhofes grosse Parkie- Aergernis für die ansässigen Ladeninhaber. rungsflächen zu gewinnen. Aber bis zur Verwirklichung d ieses Projektes werden noch Ja, diese Verstopfung der Strassen ist für die Geschäftsleute noch mehr: ein empfindlicher Schaden, der sich rechnerisch zwar verschiedene Jahre ins Land gehen, weil es vordem gilt, verzwickte Wasserrechtsverhältnisse mit verschiedenen, an der Limmat. nicht leicht feststellen lassen wird, der für sie aber' umso empfindlicher wird, je länger sie interessierten Kantonen zu regeln wid weitere Fragen finanzieller und bautechnischer unter dieser primitiven Regelung der Parkierungsverhältnisse ausharren müssen. Natur abzuklären. Wenn die Behörden aber bis zu jenem Zeitpunkt weiter nichts unternehmen, dann werden wir in der Zwischen- Die Geschäftsleute wollen den ins Stadtzentrum kommenden Automobilkunden die zeit zu vielfach unhaltbaren Zuständen kommen. Uebrigens benötigt Zürich im Zentrum Erledigung ihrer Geschäfte und Einkäufe erleichtert wissen. Um dies zu erreichen, nicht uur einen, sondern manchen Parkierungsplatz und solange sich die Wasserrecht- müssen die Fahrzeugführer die Möglichkeit ler disputieren, kann die Stadt auf ihrem ureigenen Gebiete andere Vorkehrungen treffen. Plätze wie beim Pfauen, beim Bellevue,. an der unteren Rämistrasse, an der Gessnerallee, um nur einige Oertlichkeiten zur neunen, sollten für Parkierungszwecker umgeformt werden- Telephonkabinen, Bedürfnishallen und Zeitscliriftenkioskö müss-- teil unterirdisch aagefcgt werden uad dürften sich nicht auf für den Verkehr so notwendi-r. gern Boden breit machen. Wir brauchen ift Zürich noch gar nicht, wie in Riesenstädten, 1 an Parkierungsräume unter dem Boden zu' denken, wir haben noch mancherlei Möglichkeiten, den Verkehr von stehenden Fahrzeugenfrei zu machen und diese an bestimmten Plätzen zu samrneln. Durch teilweise Eindeckung von Sihl, Schanzengraben und Limmat kann noch viel kostbarer Raum gewonnen werden, der für diese Zwecke besonders geeignet wäre. In dieser Beziehung hat Zürich tatsächlich mit der Verkchrsentwicklung nicht Schritt gehalten. Wohl hat sich die Polizei zusammen mit anderen städtischen Verwaltungsabteihingen grosse Mühe gegeben, alles an verfügbaren Strassenseiten und Plätzen für das Parkieren zur Verfügung zu stellen, was ohne bauliche Veränderung eben möglich war, allein, wir haben eingangs schon erwähnt, dass die Aufstellung: der Fahrzeug© in den Strassen der Geschäftsviertel nur eine Aushilfsmassnahtne, und zudem eine teilweise sehr nachteilige, gewesen ist. Es ist deshalb bin nicht käuflich! Verlassen Sie mich augenblicklich!» Etienne verlor seine Ruhe nicht: «Hören Sie mich an, meine Liebe. Ihr Besitz wird mit dem Angebot nicht bezweckt; darüber können Sie beruhigt sein; es handelt sich um etwas anderes!» Wieder zögerte er eine kleine Weile und sah sie voll an. Endlich sprach er weiter: «Sie sind, Madame, die — Freundin des Mr. Reginald Clifferton — nicht wahr? Sie fiel heftig ein und Entrüstung bebte in ihrer Stimme: «Was interessiert Sie das ? Niemand hat ein Recht, sich um meine Angelegenheiten zu kümmern! Niemand!» Etienne lächelte sein mokantes Lächeln. «Ich verstehe Ihre Entrüstung nicht, meine Liebe,» sagte er mit ruhiger Stimme. «Ich verstehe Sie um so wenigeres Ihr Verhältnis mit Mr. Clifferton sozusagen offenes Geheimnis ist! Es ist uns aber noch weiteres bekannt geworden! Clifferton lässt es sich was kosten, dass seine schöne Freundin am Palace-Theater Star ist!» Er wartete die Wirkung seiner Worte ab und war innerlich befriedigt, dass sie Ueberraschung und Unruhe nicht verbergen konnte. Es dauerte lange, bis sie sich gefasst hätte und mit stockender Stimme fragen konnte: «Warum sagen Sie mir das alles, mein Herr? Was soll das? Der junge Mann war aufgestanden und trat