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E_1929_Zeitung_Nr.001

E_1929_Zeitung_Nr.001

Ausgabe; Deutsche Schweiz. BERN. Freitto, 4. Janurr Nummer 20 Cts. 25 Jahrgang. — N r l ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: HalbjUiffleb Fr. 6.-. jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, »fern nicht pos tarnt lieb bestellt. Zuschlag für nostamtliche UesteJlung im Im und Ausland 30 Rannen. Pnstcheek-Rechnune I1I'414 Drei bundesgerifhflfdie Entscheide im Automobilwesen. Ich habe mich gefragt, ob ich die nachfolgenden Zeilen eigentlich nicht besser im «lustigen Teil » zur Veröffentlichung bringen sollte. Nicht etwa, weil ich die Absicht habe, ein humoristisches Feuilleton zu schreiben oder Witze zu erzählen, sondern weil das, was ich dir, lieber Leser, vor Augen führen möchte, tatsächlich zum Lachen ist, resp. zum Lachen wäre, wenn es nicht uns Automobilisten so empfindlich treffen würde. Also, lieber Leser, höre und staune: Im Jahre 1926 wurde in Bern einem Motorradfahrer eine Bewilligung zur Führung eines Motorfahrzeuges ausgestellt. Der betreffende Motorradfahrer war in den Jahren 1913 und 1916 also 13 und 10 Jahre vorher, wegen einiger Delikte, die mit dem Automobilwesen in keinem Zusammenhange standen, bestraft worden. Es wurde aber keinerlei Anstand genommen, ihm die Fahrbewilligung trotzdem ohne weiteres zu erteilen. Es ist diese in den folgenden Jahren auch stets anstandslos erneuert worden. Im Frühjahr 1928 wurde nun dieser Motorradfährer wegen einer unzulässigen Auspuffvorrichtung, und wegen unleserlicher Kontrollnummern verzeigt. Die kantonale Polizei direktiön hat daraufhin den dauernden, Fahrbewilligungsentzüg verfügt. -Sie begründete ihren Entscheid damit, äAss der betreffende Motorradfahrer -20 Vorstrafen wegen Uebertretung der Motorrad Vorschriften sowie Vorstrafen aus den Jahren 19l3 und 1916 aufweise, die ihn^ zur Führung eines Motorfahrzeuges für alle Zukunft als unwürdig und unfähig erscheinen liessen. Dabei ist aber der Gemassregelte seit 1926, d. h. seit Erlangung der Fahrbewilligung im Kanton Bern, nur neunmal wegen Widerhandlunsren gegen die Automobilvorschriften bestraft worden. Alle übrigen Vorstrafen haben zur Zeit der Erteilung der Fahrbewilligung bereits bestanden und und haben also damals der Behörde keine Veranlassung gegeben, von der Erteilung der Fahrbewilligung abzusehen. Zudem hat die städtische Polizeibehörde im Zeitpunkt, Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (7. Fortsetzung) Die Vorbereitungen zum Rekordversuch begannen Wochen voraus. Der Rennwagen, der Tag und Nacht unter schärfster Bewachung stand, wurde in dieser Zeit ständig verbessert und geändert. Einige kurze Probefahrten brachten eine Auslese der zur Verfügung stehenden Rennfahrer. In der ganzen Zeit der Vorversuche und der Probefahrten war die Atlantic-City-Rennbahn völlig für das grosse Publikum abgesperrt. Die Henderson-Company hatte die schnelle Bahn — die schnellste in den Staaten —bis zum durchgeführten Weltrekord in Beschlag genommen und gestattete keinen neugierigen Besucher. Auch die Presse war in den ersten Wochen ausgeschlossen, und es hatte allgemeines Aufsehen erregt, als sogar der bekannte Sportreporter des «New Jersey Staats Journals», Mr. Ashley, abschlägig beschieden wurde. So kam es auch kaum an die Oeffentüchkeit, dass der Rekordwagen wenige Tage vor der geglückten Rekordfahrt einen Unfall erfuhr, der beinahe das ganze Unternehmen in Frage gestellt hätte. Der aus einer Anzahl prominenter Fahrer ausgewählte, jugend'ich Sportsmann Frank Hilton hatte an der Nordseite der Bahn das Tempo zu stark forciert, so dass der Wagen ins Sch'eudern geriet und auf ein Haar gegen die Tribünenwand geflogen wäre. William Henderson, der diesem aufregenden Vorfall, der übrigens zu einer Verwindung des Rahmens geführt i Bncbeint leden Itlenstaa und tollst Monatlich „Celbe Usta» ADMIMStllATION: Breitenralnstrasse 97, Bero Telephon Hollwerk S&Ä1 relesramra-Adresse: Autorevue. Bern an welchem dem betreffenden Motorradfahrer die Fahrbewilligung sage und schreibe dauernd entzogen und er wegen seines Vorlebens und seiner Vorstrafen des Führern eines Motorfahrzeuges unwürdig erklärt wurde, ein Leumundszeugnis ausgestellt, in welchem bestätigt wird, dass er einen guten Leumund besitze und in den bürgerlichen Ehren und Rechten stehe. Gestützt auf diese Tatsachen und mit Rücksicht da-auf, dass der betreffende Motorradfahrer auf den Gebrauch seines Motorrades zur Ausübung seines Berufes dringend angewiesen war und dass ein dauernder Fahrbewilligungsentzug jedenfalls eine durch nichts begründete, unverhältnismässig schwere wirtschaftliche Folgen nach sich ziehende, weit über das Ziel hinausschiessende, harte Massnahme darstellte, wurde beim Bundesgericht der staatsrechtliche Rekurs ergriffen, um den Entscheid der kantonalen Polizeidirektion aufzuheben oder jedenfalls bloss zeitlich, d. h. auf ein Jahr, zu befristen. Das Bundesgericht wies den Rekurs mit der Begründung ab, die vielen Vorstrafen — effektiv handelt es sich seit Erteilung der Fahrbewilligung im, Kanton Bern bloss ujij dereji neun und zudem waren, wie betreits erwähiii die früherrr Vörsträföü beär Erteilung dep Fälirböwilligung den bßrni-> sehen .Behörden ja bekannt— liessen eben' darauf schliessen, dass es sich " um «inen unordentlichen Fahrer handle Und dass da» mit die Frage, ob der Leumund hier eine Rolle spielen körine, dahingestellt bleiben könne. Das Bundesgericht, wies den Rekurs nicht nur ab, sondern es verurteilte noch den Anwalt des betreffenden Motorradfahrers wegen mutwilliger Beschwerdeführung zu einer Busse von BY. 10.—. Es darf wohl ruhig dem Leser überlassen werden, zu entscheiden, wer sich in Wirklichkeit dieser Busse-zu schämen hat!! Ein Automobilist fährt in der Dunkelheit bei stürmischem und regnerischem Wetter in einer Stadt durch eine beidseitig mit Bäumen bepflanzte Strasse. Plötzlich springt hatte, beigewohnt, veranlasste, dass Frank Hilton von der Steuerung des* Rekordwagens zurücktreten musste. Dem Einwand der Rennleitung begegnete er dadurch, dass er persönlich für die Neubesetzung sorgen wolle. Die Herren blieben in nicht geringer Bestürzung zurück. Die Rekordfahrt war für den Dienstag der obersten Sportbehörde gemeldet; heute war Donnerstag. Man hielt es für ausgeschlossen, das sich ein neuer Fahrer in diesen wenigen Tagen auf der schwierigen Bahn zurechtfinden könne. Auch die Führung des schweren Wagens selbst machte zum mindesten ein längeres Studium aller Elemente, der gesamten Konstruktion, notwendig. So schüttelte man denn den Kopf und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Am nächsten Tage kam nichts. Die Herren der Rennleitung konnten ihre Nervosität nicht mehr verbergen. Direktor Ber'gson, der als neutraler Delegierter und als Vertreter der obersten Sportbehörde dem Rennausschüss vorsass, rief mehrmals erregt bei Henderson an. Endlich Hess dieser ihm mitteilen, dass der Rekordversuch pünktlich zur festgesetzten Zeit, am Dienstag, um 15 Uhr. von der rechten Strassenseite unter einem Baum eine Person hervor und überquert in schnellster Gangart, ohne irgendwelche Vorsichtsmassnahmeri, die Strasse. Sie wird von dem rechtsfahrenden Automobilisten erfasst und verletzt. Dass der Automobilist mit übersetzter Geschwindigkeit fuhr oder es sonst an irgendwelcher Vorsicht hätte fehlen lassen, ist nicht erwiesen. Trotzdem wurde der Automobilist verurteilt, und zwar mit folgender Begründung: Ganz abgesehen davon, ob das erlaubte Mass an Geschwindigkeit eingehalten worden ist oder nicht, hätte dem Automobilisten ganz allgemein die Verpflichtung obgelegen, andere Strassenbenützer nicht zu gefährden. Was diese Verpflichtung alles in sich schliesst, könne allerdings zum voraus nicht festgestellt werden. Es sei dies vielmehr von Fall zu Fall, gestützt auf die besondern Verhältnisse, zu entscheiden. VorJiegendenfalls wären die Witterungsverhältnisse sehr ungünstig gewesen, es hätte ein Gewitter mit wolkenbruchartia-em Regen und heftisrem Wind geherrscht, d. h. es hätten Verhältnisse vorgelegn, die jeden Verkehr, sei es für Fussgänger sei es für Automobilisten schwierig gestaltet hätten. Es könne daher für das Gericht kein Zweifel bestehen, dass der Automobilist seine Aufmerksamkeit hätte verdoppeln und seine Geschwindigkeit soweit herabmindern sollen, dass er beim geringsten Hindernis sofort hätte anhalten können, um SO ineht äts.^er hätte wissen INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltrne 2mm hohe Grunclzelle oder denn Raum 45 Gt». (Ur die Schweiz: für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti> Grflssere Inserate nach Seltenüiril. laseraiansenlusü 4 Tnne vor Ersrtwlnen der betreffenden Nummer durch plötzliche Erkrankung, Augenleiden, Schwerhörigkeit u. dgl. am schnellen Ausweichen verhindert sein könne. Diese Argumentation mag ja in einzelnen Fällen richtig sein, nie aber da, wie z. B. vorliegendenfalls, wo der Verunglückte das Automobil kommen sah und trotzdem nicht ausgewichen ist, bis es zu spät war. Gestützt auf den Entscheid des Bundesgerichtes ist dem Strassen-Gaunertum nun Tür und Tor geöffnet. Jeder Gauner darf nun also mitten auf die Strasse stehen, Automobile anhalten, Insassen belästigen, ausrauben etc., denn der Automobilist ist verpflichtet anzuhalten, sintemal man ja nie wissen kann, ob es sich nicht vielleicht um einen von einer «plötzlichen» Krankheit befallenen handelt, der am Ausweichen verhindert ist! Dr. R. v. Stürler. Nachdem dieses Jahr ausserordentlich früh weite Gebiete unseres Landes mit einer reichlichen Schneedecke bedacht worden sind und den Voraussagen gemäss mit einem ziemlich strengen Winterregiment gerechnet werden muss, drängen sich verschiedene Fragen auf, die im besondern den Strassenunterhalt während der Wintermonäte' betrefr fen. Man ist vielleicht bei vielen kantonalen Stra^senämtern der Ansicht, dass während dieser für sie «toten» Saison keine besonde- soll&n, däss unter, .die&eft Jerhähnissen vomrem Aufgaben ihjer» Organe- harren. Die Erfahrung der fetzten Jahre zeigt aber, dass Gewüter überraschte Fussgänger unter Bäumen Schutz zu suchen pflegen und der rapid zugenommene MötorfahrzeügVerkehr auch in der Winterzeit an die -Strasssa jederzeit, ohne die sonst üblichen Vorsichtsmassvahmen zw beobachten, plötzlich über besondere Anforderungen stellt und dass die die Strasse springen können! Millionen Franken Autosteuern, die alljährlich: von den Motorfahrzeugbesitzern den Kantonen entrichtet werden, erstere berechtigen,, Das dritte «Stücklein» war bereits in der « Automobil-Revue» vom 30. November auch in dieser Hinsicht gewisse Begehren an veröffentlicht. Es darf also — nach der die zuständigen Behörden zu stel-en. "•' " Auffassung des Bundesgerichts — jedermann mitten in die Strasse stehen und dass die Fälle nicht so selten sind, wo plötz- Es hat sich im letzten Winter gezeigt, Automobile anhalten. Selbst wenn absichtlich oder grob fahrlässig 1 nicht ausgewichen gangenen Regenfällen die Strassen rasch in lich einsetzendes Frostwetter nach vorange- wird, ist der Automobilist für allfälli^e eine äusserst glatte und gefährliche Eisbahn Unfallfolgen haftbar. Denn —' satrt das hohe verwandelt, die je nach den Witterungsverhältnissen oft Tage lang bleibt. In diesen Bundesgericht weise — es müsse der Fahrer mit der Möglichkeit rechnen, dass ein Fällen wäre es wohl angezeigt, wenn besonders gefährliche Stellen, wie in seiner Fahrbahn stehender Mensch unübersichtliche und einem unbekannten HeKrji, der auffallenderweise eine Brille mit dunkelgefärbten Gläsern trug, die sein Gesicht nicht deutlich erkennen Hessen. William Henderson stellte den Fremden als «Colonel Miller» vor, bezeichnete ihn als Südamerikaner, der nur des Spanischen mächtig sei und deshalb vsm einer Rede Abstand nehmen wolle. Ein junger Journalist drängte sich mit gezücktem B'eistift vor. Es war der Vertreter des «Heraldo de Buenos Aires», ein temperamentvoller Argentinier, der den Colonel Miller mit einem Schwall Spanischer Worte bedeckte. Der also Attackierte hatte darauf nur ein stereotypes Lächeln und einige undeutlich gemurmelte Entgegnungen, die in dem allgemeinen Stimmengewirr unverständlich blieben. Bei dem Essen ergriff unter atemloser Spannung der ältere Henderson, Henry, das Wort zu einer kurzen Erklärung. «Meine Herren.» begann er mit seiner trokkenen, brüchigen Stimme, «meine Herren, die Henderson-Motor-Car-Company, dankt Ihnen durch mich für Ihr Erscheinen. Meine Gesellschaft hat, wie Sie wissen, einen Rekordversuch angemeldet, der zu der vorgesehenen Stunde zur Durchführung kommen durchgeführt werden sollte. Für den Tagsoll.» vorher, den Montag, wurden die Herren zur Hier stockte der Redner eine kleine Weile Vorstellung des neuen Fahrers in die Empfangsräume der Rennbahn geboten. Im An- «Meine Herren, es sind Ihnen wohl die und blickte sich langsam im Saale um. sch'uss daran sollten einige Runden vor der Widerwärtigkeiten bekannt, mit denen meine Kommission und ausgewählten Pressevertretern gefahren werden. fen hatte. Sie sind überwunden — restlos Firma auf dem Wege zum Rekord zu kämp- Bei diesem Entscheid blieb es, und die Eingeladenen fanden sich auch zur angesetzten Prob'em — ich gestehe ein. dass es ein Pro- überwunden! Insbesondere ist das Fahrer- Stunde, trotz ihrer Skepsis, ein. Wenige Minuten später fuhr die schwere Henderson- die uns zu der Hoffnung herechHgt. unser blem war! — in einer Weise ge'öst worden, Limousine vor mit. den beiden Hendersons weitgestecktes Ziel zu erreichen! Ich darf Strassen und Winter. Ihnen nochmals unseren Meisterfahrer, Colonel Miller, vorstellen, der sich bereit erklärt hat, unseren Wagen zu steuern. Sie werden im Anschluss an unser Diner Gelegenheit bekommen, das Rekordfahrzeug, mit Colonel Miller am Steuer, in Fahrt zu sehen!» Mr. Henry Hess sich aufatmend nieder und griff zu seinem Glas. Einige Herren taten ihm Bescheid. Bei den meisten Zuhörern war jedoch eine, starke Skepsis zu den gehörten Ausführungen vorhanden, und Direktor Bergson gab diesen Empfindungen Ausdruck, als er in seiner bestimmten Art erklärte : «Meine verehrten Herren! Wenn wir auch die Erklärungen der sehr ehrenwerten Henderson-Motor-Car-Company vernommen haben, so hegen wir doch berechtigte Zweifel daran, dass der uns vorgestellte Fahrer, Colonel Miller, die von der obersten Sportbehörde vorgeschriebenen Qualifikationen, zur Durchführung einer so schweren und vor allem auch nicht ungefährlichen Fahrt besitzt. Als Delegierter der Sportbehörde muss ich deshalb bitten, dass uns hier in diesem Kreis seitens des Colonels einige Erklärungen abgegeben werden, zumal wir über seine Person Näheres nicht kennen! Und ist der Herr unserer Sprache nicht mächtig, so mag er in seinem heimatlichen Idiom zu uns sprechen; es werden sicher einige Herren unter, uns sein, die ihn verstehen und uns nachher den Sinn seiner Worte deuten können!» Direktor Bergson hatte sich zu'etzt sichtlich erregt. Dabei hatte er die Hendersons und den Colonel scharf im Auge behalten, und mit Genugtuung bemerkt, dass seine. Entgegnung ihre Wirkung auf die drei Herreff I nicht verfehlt hatte. (Fortsetzung Met.)