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E_1929_Zeitung_Nr.003

E_1929_Zeitung_Nr.003

Ausgabe: Deutsche Schweiz. Fre'fao, 11. Januar 19*9. Nummer 20 CK- 25 Jahrgang. — N 1 3 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Encbeint ledi-n Illenstna und Freitag Monatlieh „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Ifihrllch Fr. 10.—. Im Ausland unter Portomschlag, Solero nicht postamflich bestellt. Zuschlag Tür postarntliche Uestellung Im ADMIXISTItATIOAl: Breitenratastrasse 97, Bero In- und Ausland Hft Rannen. Postcheck-Hechnunü III'414 Telephon Kollwerb »9.8-t Veleizrejnm-Adresse: Autorevue. Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtRespaltene 2 mm hohe Grundzeit oder deren Raum 43 Cts. für die Schweiz: (ür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach ?>eiteulurU, Inseratansebhiss * Tnae vor Kneheinen der bptrerteniien Nnmmnr Endlich: Aiis efifen 19[fiillBonera ! Die Referendumsfrist für den Bundesbeschluss vom 21. September 1928 betreffend Ausrichtung von Bundesbeiträgen an die Kantone für den Unterhalt und den Ausbau der Automobilstrassen lief am 1. Januar 1929 unbenutzt ab. Der Bundesrat setzte nachträglich den Bundesbeschluss auf das gleiche Datum in Kraft. Die Verteilung des Benzinzollviertels wird in den nächsten Wochen zur Tatsache werden. So harren derweilen die kantona'en Staatskassiere der Auszahlung von 19 Millionen durch den Bundesfiskus. Nach jahrelangen Verhandlungen in Kommissionen und Parlamenten gelangen endlich die Benzinzollbetreffnisse für die Jahre 1925, 1926, 1927 und 1928 dorthin, wo sie gehören: in die kantonalen Staatskassen. Nicht nur die kantonalen Baudirektoren, sondern auch die Automobilisten und mit uns alle Verkehrsinteressenten erleben damit eine erste verdiente Genugtuung für ihre Bemühungen um den Ausbau eines gediegenen schweizerischen Netzes von Durchgangsstrassen. Mit besonderer Freude soll der Abschluss dieser ersten Periode in unserm Gedächtnis festge- ! halten werden. Gleichzeitig wollen wir aber unser wirkliches Ziel wiederum ins Auge fassen, d. h. wir denken an unsern unerfüllten Wunsch: Der Bundesfiskus möge den gesamten Benzinzoll für den Ausbau und den Unterhalt des schweizerischen Durchgangsstrassennetzes zur Verteilug kommen lassen. Statt 4,5 Millionen jährlich würden dann 16 bis 18 Millionen zugunsten des Strassenwesens in die kantonalen Staatskassen f'iessen. Bei aller Anerkennung des Erreichten soll dieses Ziel nie ausser acht gelassen werden. Zurückblickend auf die Geschichte der Benzinzollverhandlunigen erwähnen wir, dass der Standpunkt der Verteilung der Benzinzolleinnahmen für das Strassenwesen erstmals vom Bundesrate selbst in einem Berichte über den Benzinzollzuschlag erwähnt wurde. Die Verdoppelung des Benzinzolles erregte damals berechtigtes Aufsehen, so dass die Zweckbestimmung: Entrichtung von Benzinzollanteilen an die Kantone für ihre Strassen im Bericht des Bundesrates als Beruhigung gegenüber den Spendern der Benzinzollmillionen, den Automobilisten, notwendig war. Rekordfieber. Ein Sportroman von Allred Nauck. (8. Fortsetzung) sem gegenüber. Die Hendersons hatten in Nach einer längeren Pause, in der verschiedene Herren ihrer Zustimmung zu dem erwarteten den Beginn der Fahrt. Colonel einer Zuschauertribüne Platz genommen und Vorschlage Direktor Bergsons ostentativ Miller befand sich bereits im Fahrtdress und Aubsdruck gaben, erhob sich endlich William prüfte mit sachverständigen Blicken das Henderson, bleich und mit erzwungener Ruhe. Nach einigen belanglosen Redensarten fuhr er in ausgesprochen scharfem Tone fort : «Letzten Endes ist unsere Gesellschaft einzig und allein für die Durchführung der Rekordfahrt und die Besetzung unseres Fahrzeuges, verantwortlich! Wenn Colonel Miller hierfür ausersehen wurde, so werden wir diese Auswahl aus ganz besonderen Gründen getroffen haben! Und im übrigen werden sich sogleich die Herren von den Qualitäten unseres Fahrers selbst überzeugen können. Ich glaube, dass damit die hier zu Tage getretene Gegensätzlichkeit schnellsten aus der Welt geschafft wird!» Einige Stimmen zollten Beifall und so fand Direktor Bergson in dem allgemeinen Aufbruch, der nun einsetzte, keine Gelegenheit zu einer erneuten Erwiderung. Die At'antic-City-Rennbahn lag im Licht der hellen Nachmittagssonne. An dem Startplatz waren eine Anzahl Monteure mit den Bundesrat und Bundesversammlung verständigten sich hierauf, noch vor einer Rege- Das eidgenössische Departement des In-lenern berechnet gegenwärtig nach den Auf- machen und den einen oder den andern Kan- Kassen in wohltuender Weise fühlbar stellungen der Kantone die einzelnen Betreffnisse und nimmt auf dem Wege der Verstänlich .einmal modernen Erfordernissen anzu* ton dazu ermuntern, sein Strassennetz enddigungen die notwendigen Bereinigungen vor. passen. Unserem Lande wird die Verteilmg Die Ausgaben aller Kantone für den ge- lung der Benzinzollverteüung, dahin, von 1925 an jährlich je ein Viertel der Benzinzoll- samten Strassenhaushalt belaufen sich jetzt einnahmen zur späteren Verteilung an diejährlich auf rund 40 Millionen. Der Bundesfiskus streicht aber jedes Jahr aus Benzin- Kantone zurückzustellen. Diese Rückstellungen sind von 1925 bis 1928 auf den ansehnlichen Betrag von 19 Millionen aufgelaufen. dabei stets der Automobilist — mindestens und AutomobiSzöllen — der Leidtragende ist Im Herbst 1928 kam der langerwartete 30 Millionen Franken ein, wovon nur ein Bundesbesch'uss über die Verteilung des Benzinzollviertels zustande, der einerseits die künftige Bemessung der Anteile jedes Kantons von 1929 an regelt und anderseits die Verteilung der zurückgestellten 19 Millionen ordnet. Die Verteilung der zurückgestellten 19 Millionen weicht vom zukünftigen Subventionssystem ab, weil die Durchgangsgebühren für eine Anzahl von Kantonen verschiedene finanzielle Verhältnisse ergeben. Der Bundesbeschluss fordert von den Kantonen das Fallenlassen ihrer Durchgangsgebühren. Ein Kanton, der seine Durchgar.gsgebühren aufrecht erhielte, würde seinen Anspruch auf die Bundessubvention ver'i-eren. Nun hat aber der Benzinzollbeschluss eine spezielle Begünstigung der Bergkantone zugelassen, da gerade die Bergkantone den Ausfall der Einnahmen aus den Durchgangsgebühren empfindlich spüren. Das Subventionssystem von 1929 an bestimmt, dass die Benzinzollanteile nur zu zwei Dritteln gemäss den' Ausgaben der Kantone für das Automobilstrassennetz zu bemessen sind. Für den restlichen Drittel stellt das Verteilungssystem auf die Länge der Durchgangsstrassen ab. Für lange Bergstrassenzüige, die nicht nach modernen Strassenbauverfahren (Teerung usw.) zu behandeln sind, entspringen daraus bedeutende Vorteile, die eine Kompensation für den Ausfall der Durchgangsgebühren bilden. Das Verbot der Erhebung von Durchgangsgebühren ist nun auf den 1. Januar in Kraft getreten und wird selbstredend für die Jahre 1925 bis 1928 keine Wirkung haben. Der Berechnungsmodus für die Benzinzollbetreffnisse dieser Jahre lässt daher die Berücksichtigung jenes Drittels nach Massgabe der Strassenlängen dahinfallen. Allein entscheidend für den Berechnungsmodus sind nun die kantonalen Gesamtausgaben für das Strassenwesen. letzten Vorbereitungen beschäftigt. Der Rekordwagen befand sich noch in dem Schuppen, aus dem er jetzt langsam herausgeschoben wurde. In kleinen Gruppen, lebhaft gestikulierend, traten die Herren aus dem Tunnel, der unter der Bahn hindurch zum Innenraum führte, und placierten sich, durch eine Barriere von dem Startplatz getrennt, die- Fahrzeug, dessen Motor soeben angeworfen wurde. Auch jetzt war es nicht möglich, nähere Einzelheiten über das Rekordfahrzeug zu erhalten. Es war lediglich bekannt, dass die Maschine rund 800 PS entwickelte bei der ausserordentlich hohen Kompression von 1 : 10. Der Motor war zwölfzylindrig und in drei Punkten in einem Hilfsrahmen aufgehängt. Das waren im wesentlichen die technischen Einzelheiten, die über die Maschine an die Oeffent'ichkeit gelangt waren, Die Henderson-Company hatte alle neugierigen Frager abschlägig beschieden und lediglich zwischen uns amdarauf hingewiesen, dass es sich bei der Maschine um eine in langjährigen Versuchen entwickelte Spezia'konstruktion handle, die noch zu weiterer Vervollkommnung geführt werden solle. Inzwischen hatte der Fahrer nebst einem Begleitmonteur Platz genommen und prüfte mit einigen Handgriffen die Scha'telemente Viertel des Benzinzolles, rund 4,5 Millionen, dem Automobilverkehr zugute kommen. Wenn der erste Benzinzollanteil neben diesen hohen Beträgen sich sehr bescheiden ausnimmt, wird er sich dennoch in den kantona- Das eben verflossene Jahr Kat der Verkehrsentwicklung keine besonders auffallende Tribute gezollt. Unaufhaltsam und unablässig nimmt die Entwicklung ihren Lauf, aber es ist als ob gerade das demokratische System im besondern nicht dazu angetan sei, für neuzeitliche Erscheinungen das richtige Verständnis aufbringen zu können. Unser Verwaltungsprinzip stützt sich mehr auf die Mentalität der breiten Masse, als auf praktische und logische Erwägungen. Wie wären sonst die im vergangenen Jahre in so manchen Kantonen neu erlassenen Gesetze zu erklären, die sich offensichtlich gegen wirtschaftliche Freiheit und Verkehrsentwicklung richten. Es ist heute kein Geheimnis mehr, dass vor allem die Schweiz. Bahnverwaltungen nach allen möglichen Mitteln trachten, den Motorfahrzeugvo r kehr zu unterbinden und manche Mehrbelastung des Motorfahrzeugverkehrs, die mit rein fiskalischen Erwägungen begründet wird, ist ohne Zweifel dem Willen nach Erschwerung der modernen Verkehrsart entsprungen. Das Nachtfahrverbot, das in verschiedenen Kantonen z. T. durchgeführt, z. T. noch in Beratung steht, bezweckt eigentlich in erster Linie die wirtschaftliche Schwächung der Ausnützvmgsmöglichkeit des Lastwagenbetriebes. Man weiss, dass gerade zur Nachtzeit viele Transporte über Land geführt werden und wer auf der Strecke St. Gallen —Zürich Gelegenheit hat, den Lastwagenverkehr während der Nacht zu beobachten, hatte in wenigen Augenblicken die weit ausladende Nordkurve erreicht, wo sie hinter einer Hügelkette den Blicken entschwand. Wieder vergingen nur wenige Augenblicke, als der schwere Wagen am Ausgang der Kurve sichtbar wurde. Mit Gläsern verfolgten viele die Fahrt, bis die lange Südgerade erreicht war, in der auch wieder die Beobachtung unmöglich wurde. Langsam verklang auf der langen Bahn das Donnern des Motors, bis es wieder aus der Ferne wahrnehmbar wurde. Und dann tauchte der Wagen wieder am Eingang der Südkurve auf und warf sich förmlich in die schnurgerade Zielseite der Bahn. Gleich einem Schatten sauste das Fahrzeug, den Blicken der Zuschauer kaum fassbar, am Ziel vorbei, eine langet schwere Staubwolke hinter sich lassend. Jetzt wurde auch am Startplatz die gemessene Geschwindigkeit allen Augen sichtbar auf einer grossen Tafel vermerkt. Die Südwärts-Mei'le war in 16,17 Sekunden, die Nordwärts-Meüe in 18,3 Sekunden zurückgelegt. Der Fahrer hatte zum Anlauf und zur Erreichung dieser hohen Geschwindigkeit ca. vier Meilen benötigt. Die festgestellte, angenommene Stundengeschwindigkeit belief sich auf rund 330 km. Als Colonel Miller seinen Wagen zum Abstoppen brachte, wurde ein Stoppweg von fast einer Meile ermittelt, ein Beweis dafür, welche der Maschine. Endlich hob er die Hand und ungeheuren Kräfte das Fahrzeug vorwärts gab damit das Zeichen zur Abfahrt. Mit einem ohrenbetäubenden Lärmen kam die Ma- Bremsleistungen die E'emente des Motors getrieben haben und mit we'chen erheblichen schine überraschend schnell auf Touren und zum Stillstand gebracht werden mussten. des Benzinzollantciles in Verbindung mit den nachfolgenden Strassenverbesserungen eine bedeutsame Erleichterung des Verkehrs und späterhin auch eine willkommene Steigerung der Verkehrsmenge bringen. Sowohl touristisch als auch wirtschaftlich werden die Verkehrsverbesserungen unserem Lande im interkantonalen wie auch im internationalen Durchgangsverkehr neue Möglichkeiten sichern und die verkehrspolitische Stellung der Schweiz (als Binnenstaat) innerhalb den vorauseilenden Nachbarstaaten festigen. La, Verkehrsforfsilirll2 und neuer Celst» wird sich sagen müssen, dass die Verteilung des Verkehrs auf Tag- und Nächtstunden nur von Vorteil ist. Wer die Einschränkung dieses Verkehrs auf die Tageszeit verlangt, steht entweder im Dienste der Schweiz. Bundesbahnen oder enbehrt des Einblickes in die wirklichen Verhältnisse. Solche neue Verordnungen sind nicht als Fortschritte zu buchen. Wie steht es mit den Verkehrsmassnahmen? Wo es sich um die Handhabung polizeilicher Vorschriften handelt, wollen wir zugeben, dass in der Mentalität vieler Polizeiorgane Wandlungen in verkehrsfreundlichem Sinne sich vollzogen haben.. Wenigstens kann konstatiert werden, dass äer Verkehrspolizist nicht allein Vorschriften kennt, sondern gelegentlich auch gesunde Sinne walten lässt. Nach dieser Richtung glauben wir im neuen Jahr eher auf Fortschritt rechnen zu dürfen. In andern Ländern, so z. B. in Frankreich, England, Deutschland wird immer mehr auf vernunftmässige Handhabung der Gesetzesvorschriften gehalten. Vor uns liegt ein vevkehrsfreundlicher Erlass des preussischen Ministeriums des Innern, in welchem die Polizeiverwaltungen angewiesen werden, für eine sachgemässe Verkehrsregelung auf den Landstrassen und andern Wegstrecken Sorge zu tragen» Der Regierungspräsident nimmt weiter Bezug auf einen Erlass des Preussischen Ministers, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Polizeibehörden und -Beamten sich aller Was nun folgte, lässt sich kaum mit Worten wiedergeben. Im Nu wurde die Rennbahn von den Besuchern gestürmt. Alles schrie und lärmte durcheinander, umringte den Wagen und den Fahrer und liess dem Colonel kaum Zeit, das Fahrzeug zu verlassen. Der jüngere Henderson überreichte ihm einen grossen Blumenstrauss und sprach einige Worte der Anerkennung und des Dankes, die allerdings in dem grossen Tumult verloren gingen. Inzwischen wurde das Rekordfahrzeug sogleich wieder sorgfältig abgedeckt und in den Schuppen geschoben,, in dem es in den Stunden bis zur offiziellen- Rekordfahrt einer gründlichen Nachprüfung unterzogen wurde. Noch lange sassen die Herren, die als Zuschauer dem sensatione'len Ereignis beigewohnt hatten, beisammen und tauschten ihre Gedanken über die grandios verlaufene Fahrt und insbesondere über den auf so eigenartige Weise aufgetauchten Colonel Miller aus. Die Herren der Henderson-Company mit den Inhabern und Leitern der Firma hatten sich längst zurückgezogen und auch Direktor Bergson war mit einigen Herren der Rennkommission gegangen. Es war sehr spät geworden, als endlich die letzten der Eingeladenen die Rennbahn verliessen. Und in der grossen, hellerleuchteten Halle der Bahn wurde fieberhaft an den Vorbereitungen zur Rekordfahrt gearbeitet. — (Fortsetzung folgt.)