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E_1929_Zeitung_Nr.018

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 5. März 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 18 ERSTE SCHWEIZERISCHE ÄUTOMOBIL-ZEITüN Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Preltu Monatlich „Gelbe UM«" Halbjährlich Fr. 5.—, jfihrlicn Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoraschlag, ADMINISTRATION; Breitenralnstrasse 97, Bern •otern nicht postaratlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Reehnuns DI/414 Telephon Bollwerk 39.34 Telegramm-Adresse: Autoren», Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU> Grössere Inserate nacb Seitentarif. laseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nnmmer Nach und vor Entscheidungen Aufbau. Das Schweizervolk hat am 3. März mit seinem Entscheid über die Getreideversorgung unseres Landes ein Zeugnis seiner staatspolitischen Klugheit abgelegt. Ein erbitterter Kampf liegt hinter ihm. So, wie er geführt •wurde, konnte man sich fragen, ob die schweizerische Demokratie, auf harte Probe gestellt, diese bestehen werde. Der dritte März ist ein Zeichen dafür, dass unser Volk nun doch Schlagworte und Rosstäuscher-Kniffe von überzeugenden Argumenten zu unterscheiden weiss. Deshalb möchten wir diesen Tag als einen Markstein in unserer Geschichte bezeichnen. Er erhält unserem Lande den Pflug, er bewahrt unsere Landwirtschaft vor einseitiger Betriebswirtschaft, er sichert unserem Volke das Brot. Der erfreuliche Entscheid liegt aber auch darin, dass sich die Mehrheit unseres Schweizervolkes, nachdem es zu verschiedenen'Malen sich zum Nein bekannt hatte, sich zum Ja zurückgefunden zu haben scheint. Und auf dieses Ja legen wir besonderen Wert. Eine Nach längerer Diskussion hat der. Grosse Rat des Kantons Luzern in seinen beiden Sitzungen vom letzten Freitag Vormittag und Nachmittag die Vorlage über den Verkehr mit Motorfahrzeugen in zweiter Lesung angenommen. Nachstehend in aller Kürze das Wesentlichste: Ein Antrag auf Streichung der Bestimmung, die eine periodische Nachprüfung der Wagen vorsieht, wurde verworfen. Bei Paragraph 16 wird die Bestimmung aufgenommen, dass die Lastwagen mit Strassenspiegeln zu versehen sind. Ein berechtigter Antrag, wonach allen Fuhrwerken bei Nacht ein Schlussliciht vorzuschreiben sei, wird leider mit grosser Mehrheit abgelehnt, dagegen wird das Nachlfahrverbot fallen gelassen (was sagen die gnädigen Herren von Bern dazu?). Das Höchstgewicht eines Lastwagen- Zuges wird auf 15 Tonnen festgesetzt Die regierungsrätliche Vorlage sah nur eine solche von 12 Tonnen vor, dagegen wird die Vollgummi Bereifung nur noch zwei Jahre geduldet. Periodische Nachprüfungen werden gesetzlich vorgeschrieben. (22. Fortsetzung) Wieder spürte Jonathan Stups durch das Verbrecherviertel Barmouths. Es war am frühen Mittag und die Strassen lagen wie ausgestorben. An der Ecke der Downtownstreet befand sich das Lokal von «bloddy Jim», in dem die Auslese der Verbrecherwelt verkehrte. Der «blutige Jim» hielt in seinem Lokal ein strenges Regiment. Wer sich ungebührlich aufführte, wurde ohne viel Federlesens an die frische Luft befördert. Da anderseits Jim schon so manchen schweren Jungen vor dein Zugriff der Polizei bewahrt hatte, so fügten sich ihm die ärgsten Rauhbeine und Hessen sich bei ihm und seinen schlechten Getränken wohl sein. Der Mittag war heiss, und die Sonne flimmerte. Kein Mensch Hess sich weit und breit sehen. Vor den Fenstern der Spelunke waren die Vorhänge herabgelassen. Schon wollte Stups nach flüchtigem Blick vorübereilen, als er wie gebannt stehen blieb und dann schnell mit einem Satz in einer gegenüberliegenden Toreinfahrt verschwand, von wo er die Spelunke beobachten konnte. Die Türe hatte sich langsam geöffnet und ein hochgewachsener Mann trat vorsichtig und nach allen Seiten spähend heraus. Demokratie, die nur verneint, ist nicht lebensund nicht aufbaufähig. Und in nächster Zu r kunft harren Fragen der Lösung, die in ähnlicher Weise wie der Getreideartikel ebenfalls von grundlegender Bedeutung sein* werden. Wir erinnern da nur an die Alkoholgesetzgebung, an die Gesetzgebung über die Sozialversicherung und nicht zuletzt an die Gesetzgebung über den Automobil- und Strassenverkehr. Ohne Wille zur Gemeinschaft, ohne Wille zur gemeinsamen Arbeit, wobei über Standes- und Ortsinteressen das Wohl des Ganzen im Auge zu behalten ist, lassen sich ; diese grossen Probleme nicht lösen. Am 15. Mai wird die Strassenverkehrsinitiative, welche in grosszügiger Weise ebenfalls einbrennendes Problem zur Lösung.bringen möchte, dem Schweizervolke vorgelegt. Möchte an diesem Tage das gleiche freudige Bekenntnis zum Ja im Schweizerlande obsiegen, damit auf lange Sicht hin unserer Eidgenossenschaft der Strassenfriede und damit die Grundlage zu weiterer wirtschaftlicher Blüte gesichert wäre. Das luzernische Automobilgesetz Ein schöner Erfolg der Luzerner Motorfahrzeugbesltzer. — Das Nachtfahrverbot fällt. Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. Der Gebührentarif setzt bei fünf Pferdestärken einen Betrag von 160 Franken ein, gegenüber 150 Franken in der regierungsrätlichen Vorlage, dagegen wurde die Skala für mehr als 5 PS zu Gunsten der Automobilisten reduziert und den Gemeinden beim Bezug der nunmehr vorgesehenen Gebühren Beiträge von rund 200 000 Fr. zugesichert. Zu einer spannenden Aussprache führte am Schlüsse die Beratung des nochmals aufgegriffenen Paragraphen 19, der die Weü- und Zuverlässigkeitsfahrten regelt. Dr. Arnold stellte dabei den Antrag, die Wettfahrten die er als «prämierte Autorasereien» bezeichnet, einfach zu verbieten. Wir brauchen uns in der «Automobil- Revue» jedenfalls über die Unvernünftigkeit und Kurzsichtigkeit des Antragstellers nicht mehr weiter auszulassen. Regierungsrat Dr. Walter hat dem Manne die richtige Antwort gegeben, indem er darauf hinwies, wie sehr die schweizerische Automobilindustrie auf Wett- und Zuverlässigkeitsfahrten angewiesen ist. Das Wichtigste in Der Kommissar fasste ihn schärfer ins Auge- Jetzt hatte er keinen Zweifel mehr: Es war einer der Gesuchten; es war der «schwarze Raoul», der nach Erledigung seiner Einkäufe den ihm von früher her bekannten Jim aufgesucht und in seiner Gesellschaft einige Stunden bei verschiedenen Whiskys verplaudert hatte. Die Aussprache hatte sich gelohnt. Der «bloddy Jim» hatte sich nach einigem Zögern und nach Zustimmung sehr weitgehender Forderungen bereit erklärt, die beiden Verbrecher, deren Bild an jeder Strassensäule angeschlagen war, durch «bootlegers» (Alkohoischmuggler) nach den Staaten zu befördern. — Der «schwarze Raoul» schwankte die sonnendurchglühte Strasse entlang. Trotz seiner Trunkenheit unterHess er es instinktmässig nicht, sich öfters misstrauisch umzusehen. Mit grösster Vorsicht folgte ihm Stups, voll innerer Genugtuung, dass endlich seine Ausdauer Erfolg hatte. Der Verbrecher hatte die Stadt verlassen und schlug einen Landweg ein, der zur Küste hinab führte. Er beschleunigte seine Schritte, sodass der Kommissar Mühe hatte, ihn in Sichtweite zu behalten. Endlich tauchten hinter einer Hügelkette einige niedrige Hütten auf. Und plötzlich — plötzlich warf Raoul sein Paket in hohem Bogen von sich und lief mit : der Frage sei nicht das Verbot, sondern das Treffen der nötigen Vorschriftsmassnahmen, um Unfälle zu vermeiden. Glücklicherweise konnte sich der Luzerner Grosse Rat vor einem reaktionären Anfall bewahren, der Antrag des Herrn Dr. Arnold wurde mit 61 gegen 28 Stimmen abgewiesen, und somit werden auch in Zukunft im Kanton Luzevn Wett- und Zuverlässigkeitsfahrteu zur Ausführung gelangen können. Zum Grenzverkehrsanstand mit Frankreich. Kürzlich machte in der welschen Presse ein Communique die Runde, mit dem Hinweis darauf, dass Frankreich bereit wäre, im Konflikte betreffend die Autocars neue Unterhandlungen zu beginnen. Aus eingezogenen Erkundigungen zu schliessen, entbehrt jene Mitteilung leider jeder Grundlage. Wie sich unsere Leser erinnern werden, wurde gegen Ende des Jahres 1928 durch französische Ministerialverfügung der im Verkehr zwischen Genf und den Zonen bis jetzt im Autocarsverkehr bewilligte Freipass ohne vorherige Benachrichtigung der schweizerischen Behörden aufgehoben, und die Verzollung der Wagen verfügt. Auf. dieses rigorose Vorgehen hin, das nicht angetan ist, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern zu befestigen, griff das Politische Departement, in Verbindung mit der Oberzolldirektion zu Repressalien, indem es am 3. Januar 1929 die Schweizergrenze den französischen Autocars ebenfalls sperrte. Aehnlich wie mit Deutschland stund die Schweiz in Verhandlungen mit Frankreich, um auch betreffend der Frage der Verkehrstaxen zu einer Einigung zu gelangen. Allein die Schritte unseres Ministers in Paris blieben bis heute ohne jeglichen Erfolg. Von Paris ans kam immer die gleiche Antwort, dass Frankreich nicht in der Lage sei auf den Verkehrstaxen irgendwelche Konzessionen zu machen, währenddem beispielsweise man sich mit Deutschland dahin einigen konnte, dass die deutsche Regierung beim Grenzübertritt schweizerischer Automobile während fünf Tagen auf die Erhebung einer Steuer verzichtet und dass bei Wegfall der Berggebühren sogar ein steuerfreier Grenzübertritt von 14 Tagen bewilligt wird, welch letztere Frage ja nun endgültig geregelt ist. Dafür er- einem unartikulierten Schrei zu einem abseits gelegenen Häuschen hinüber. Jonathan Stups wusste im Augenblick nicht, was das zu bedeuten habe. So schnell, wie ihn seine kurzen Beine trugen, eilte er vorwärts. Und jetzt sah er auch, wie der «scwarze Raoul» einen vor ihm laufenden Mann zu erreichen suchte, der soeben, mit blinkendem Messer in der Hand, in dem Inneren der Hütte verschwand. Im nächsten Augenblick ertönte ein wüstes Geschrei, eine Frauenstimme Hess sich in hohem Diskant vernehmen; dann krachte ein Schuss. Stups zog seine Waffe und sprang über die Trümmer der Tür- Im vorderen Raum lag ein junges Weib mit blutender Kopfwunde am Boden. Joseph Tuggs stand wie von Sinnen daneben. Das Messer war ihm entfallen. Der Schuss, den Etienne auf ihn abgefeuert, hatte seine Anna getroffen und ihrem Leben ein Ende gemacht. Die beiden Verbrecher waren durch den Hinterausgang verschwunden. XIX. In den Werkstätten der World-Motor-Car- Company klang die Symphonie der Arbeit. Mit dem Umschwung der Verhältnisse kehrte das Vertrauen der Käuferkreise zu dem World-Wagen zurück und die Aufträge häuften sieh. In den Betrieben mussten zwei, bald rnässigte die Schweiz die Zuschlaggebühr für konzessionspflichtige Fahrten von 25 Rp. auf 15 Rp. Mit Frankreich sind wir, wie gesagt, leider noch nicht so weit. Wir glauben zu wissen, dass das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement durch Herrn Minister Dunant wiederholt in Paris angeklopft hat. und dass die neueste Antwort aus dem französischen Regierungsgebäude lautet: «Die Angelegenheit ist sehr verzwickt, unsere technischen Dienste studieren gegenwärtig den ganzen Fragenkomplex, haben Sie Geduld, wir werden Ihnen antworten!» Man kann die Auffassung aufbringen, dass diese Antwort besser ist als keine, aber das allzulange Warten macht müde und verstimmt. Das Vorgehen Frankreichs in dieser Angelegenheit entspricht der alten französischen Taktik des Mürbemachens, währenddessen aber stoppt der Verkehr, worunter beide interessierten Kreise leiden. Nur ein Beispiel unter andern: Die Compagnie de Transports Automobile Morschwiller-le-Bas (Alsace), hat in den letzten zwei Sommer beständige Fahrten nach Einsiedeln unternommen und einem einzigen Hotel in dorten ca. 2200 Personen zugeführt. Im letzten Sommer führte die betreffende Gesellschaft überdies noch ca. 1000 Personen ins Berner Oberland und auf den St. Gotthard. Für diesen Sommer liegen bereits über 800 Anmeldungen von französischen Reiselustigen vor* die hauptsächlich während der Pt'ingsttaga die Schweiz besuchen möchten. Eine Gruppe von 15 Holländern hat sich unter anderm für eine zwanzigtägige Schweizerreise angemeldet. Dies nur ein kleines Beispiel um zu zeigen, in welch harter Weise der grosse Nachbar den kleinen mit seiner rigorosen und unbegründeten Massnahrae tritt. Es wäre deshalb wirklich im Interesse beider Teile, wenn der Zankapfel so rasch als möglich beseitigt werden konnte. K. Strassengesetz im Grossen Rat von St. Gallen. Wir haben in unserer letzten Nummer eine kurze Orientierung der letzten Beratungen in St. Galler Grossen Rat ober das neue Strassengesetz gegeben. Ein Eintreten auf die bei alten Gesetzes-Entwurfs-Diskussionen langwierige Debatten erübrigt sich' für uns. Von Wichtigkeit waren die Beratungen über die Beteiligung des Grund- Eigentums beim Staats-Straesenbau. Die sogar drei Schichten eingerichtet werden, so-* dass bald Arbeitermangel eintrat und die Fabrikleitung ziemlich wahllos Arbeitskräfte einstellen musste, die in normalen Zeiten nicht in Frage gekommen wären. Die technische Leitung hatte alle Hände voll zu tun, die gute Qualität der World- Erzeugnisse, die den Ruf des Unternehmens begründet hatten, auf alter Höhe zu erhalten. Ueberall wurde mit Hochdruck gearbeitet und fortwährend waren Verbesserungen der Fabrikationsprozesse und Erweiterungen der Betriebsstätten im Gange. In der Abteilung S wurde mit besonderer Intensität geschafft. Entstand hier doch unter persönlicher Leitung Bob Sagreves der neue Rekordwagen, der als Modell S 3 bezeichnet wurde. Der Motor befand sich bereits seit zwei Tagen auf dem Prüfstand, sorgfältig betreut und beobachtet von ausgewählten Ingenieuren, die die praktischen Leistungen wieder und immer wieder mit den errechneten kontrollierten. Unstimmigkeiten wurden sogleich der Abteilungsleitung weiter gegeben, die ihrerseits weitere Verbesserungen und Aenderungen veranlasste- Der neue Wagen sollte und musste ein in jeder Hinsicht hochwertiges Produkt werden und den Weltrekord überbieten, das war das Ziel, mit dem Sagreve und seine Getreuen schafften. (Fortsetzung tolst.)