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E_1929_Zeitung_Nr.024

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Montag 18. März 1929 Fünfte Salon -Nummer Nummer 20 Cts.- 25. Jahrgang. — N° 2i ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: EndKbrt J«dM Dteutat u*d Fnltaa Umatlteh „Gclh* ttou- H«B>J»hr«eh Ft. 5.-, jahrlieh Fr. tO—. In Ausland mUr Portoemchtaa, •otern nicht postamtlich battellt Zuschlag für postamtliche Battellung Im ADMINISTRATION: Breftennünunuie 97, Bern In- and Ausland 30 Rappen. Postcheck-Reehnung 111/41« : Telephon- Bollwerk 89184, • IWegrftntm-Adnise: Aatorevn», Bern INSERTIONS-PREIS: Die aefatjesp«!tene 2 mm höh« Grundzeile oder butnttnsektasa 4 Tags vor Erscheinen der betreffenden Ifnmmer Zwei Sporttage am Genfer Salon. Der Kilometer arrete. Eatunorto 1929. Nach wenigen Stunden Schlaf aus den Federn. Durch morgenleere Strassen gleitet der Wagen Eaumorte zu. Wir sind sehr früh. Noch ist die Zahl der parkierenden Wagen klein. Vor der Tribüne und dem Zeitmesserstand ist Leben. Die Chronometreure telephonieren ununterbrochen mit der Station am anderen. Ende der, Strecke. Die Leitung klappt. Der Zeitmesserschlauch ist beidseitig mit Expanderriemen gegen den Rückschlag des Startes abgefedert. Auf der Brücke der Zeittafel steht die Bemannung bereit. Die letzten Sanitätssoldaten beziehen ihre Posten. Mählich setzt der Strom der Zuschauer ein., Der Morgen ist ernüchternd grau. Das «Eaumortelüfterl» wagt ab und zu einen Vorstoss. Ueber der weiten Ebene, in die sich die Strecke wie ein Pfeil hineinfrjsst,. hängt Nebel. Die Felder sind niisstönig. Ein kleiner Kreis von Presseleuten bildet sich. Auf der Tribüne tauchen die bekannten Gesichter auf. Aus Genf hat eine Völkerwanderung angesetzt. Hinter den Stakejtten sind dichte Reihen. Der Streckendienst arbeitet wie noch nie. Ein Kinooperäteür, der sich von den Photographen durch einen Pullover' demier cri unterscheidet, turnt um seinen Apparat. Die Zeiger stehen auf fünf vor halb zehn. (Von unserem Sonderberichterstatter.) Genf, den 17. März 1929. Ein Toureuwagen liegt hinter dem Startschlauch. Man raunt vom Beginn. Die obligatorischen Besucher lächeln verzeihend. In ihrer Erfahrung gibt es nur Rennen mit Verspätungen. Hinter dem ersten Wagen liegt aber schon eine ganze Kolonne Konkurrenten. Der Eröffnungswagen steht mit laufendem Motor. Wäre es möglich? Der Lancia hetzt lQs,.die Fahne flattert im Winde. Kurz darauf ist er wieder in Sieht. Decrauzat steigt lächelnd aus der niederen Türe. Die Motoren gurgeln und donnern. Es riecht nach Öel. Die Offiziellen schreien, denn der Lärm ist gross. Der Starter senkt seinen Kommandostab. Etwas sanft schiebt der Erste los. «Ein Kilometer, der pünktlich beginnt. Fabelhaft,» räsonniert einer hinter mir. Es ist wirklich fabelhaft. ' Das nationale Rennen. Dem zagen Airfangsversuch der Toure»- wagen des.:in letzter Stund© eingeschriebenen Fahrers Ernens auf Renault (750—1000 cem) folgt, m .der nächst höheren Klasse Gailay auf Ceiräno im Alleingang. Sein eigentlich schon recht sportlich zugestutzter "Wagen rückt an die 80 Kilometer - Grenze. Hier sei" eingeflochten, dass der Weltrekord für den Kilometer-Arrete 139 Stundenkilometer beträgt. Segrave erreichte dieser Tage für das Lance über 370 Stundenkilometer. Man wird jedoch dieses Zahlenverhältnis für die Beurteilung der Resultate nicht als Grundlage nehmen dürfen. Der Weltrekord im Lanc£ ist derart auf die Spitze getrieben worden, dass er als Vergleich nicht zuständig ist, namentlich deshalb, weil er in den letzten Jahren unter Einsetzung aller Mittel' ständig forciert wurde, was vom Weltrekord mit stehendem Start nicht gerade behauptet werden kann. Als erster der Klasse 1500 cem bis 2000 cem geht der Doktor und Sportsmänn Avondet auf Ansaldo vom Start. Wie nicht anders zu erwarten, kann er seinen Konkurrenten Brot hinter sich bringen. Immerhin, das Stundenmittel' ist auf 70 km zurückgefallen. Kramer, einer unserer Alpenfahrer 1928, scheint mit sich und seinem Wagen nicht sehr zufrieden .zu sein, selbst ein Meister hat seinen schwarzen Tag. Während die gesamte Dreiliterklasse am Start durch Abwesenheit glänzt, rückt die Fünfliterklasse statt mit den 3 eingeschriebenen mit vier Konkurrenten an. Der junge Duval auf Chrysler sorgt dafür, dass das Stundenmittel auf 87|6 km ansteigt. Ihm fällt die beste Zeit-der Tourenwagen und gleichzeitig die beste Tageszeit der Amateure zu. Der neueingeschriebene Kinsmen auf Voisin leistet nichts Bemerkenswertes und die. beiden Auburn mit Vater und Sohn am Volant brachten den respektlosen Sieg des Sohnes üb€r seinen Papa. Schmid auf Mercedes bleibt bei den Achtlitern aus. Mit dem Erscheinen des Draufgängers par excellence Scheibler auf Fiat beginnt der Reigen der Sportwagen. Obwohl sein treuer Wagen einen tmgteioa kleineren Zylinderinhalt besitzt, erreicht er beinahe die Bestzeit der vorhergehenden Kategorie. Der kleine Rally vom A. C F. muss sich vor Scheibler ganz gewaltig beugen. In der Zweiliterklasse hagelt es Forfaits. Weder Kessler, noch Probst, noch Lohner lassen sich blicken, so dass sich das hübsche Fräulein Münz allein auf den Weg machen! muss. Mit 42 Sekunden, d. h. einem Stundenmittel von 85,7 km hat sie ebensoviel Erfolg wie mit ihrem schicken Renndress, der genau den Farben ihres Bugatti angepasst ist. Einen spannenden Zweikampf liefern sich in der 2000—3000-ccm-Klasse Dr. Escher aus Zürich und Moser aus Bern, beide auf Bugatti. Dem Zürcher gelingt es, den Berner nach allen Regeln der Kunst zu schlagen; Escher passiert als erster die 100-Küometer- Grenze. Duval auf Chrysler kann in der 3000-5000-ccm-Klasse gegen Eschers Zeit nicht aufkommen, übertraf aber noch seine erste Leistung. Gleich der erste Start der Rönnwagen, es ist der Genfer Sarbach auf Amilcar (750 •bis 1100 cem), bricht der Bestzeit der Sportwagen das Genick. Der getreue Donnetfahrer Lepicard bleibt um beinahe sechs Sekunden hinter dem teuflisch vörbeifegenden weissen Aniilcar zurück. (Der Franzose hat wirklich. ftichf die besten Chance« bei uns. Wie mir die Dönnet-Leute erklären, war-Lepicard infolge eines Getriebedefektes gezwungen, vom ersten Gang direkt in den dritten zu schalten, wodurch er einen beträchtlichen Tempoverlust erlitt.) Mit bösen Augen fährt die grosse Kanone des Tages, Morel (Frankreich) auf Amilcar 1500 cem zum Start. Durch das Anfahren der vorhergehenden Konkurrenten ist Sand auf die Piste gekommen. Mo« rel verlangt entrüstet sofortige Beseitigung* «Je ne veux pas sauter au retour dans les Morel auf Amilcar (Margnetos Bosch), absoluter Sieger efes Kilometer arrete mit 117,600 Std-Km. Er gewann, den Speziaipreis unseres Blattes. ßtoittmatter, aKif Bugatti, beste Zeit des nationalen Rennens, Eecher aui Bugatti, beste Zelt der Sportwagen im nationalen Reimen wo» Weatzel-Mosau, auf Mureedee-Bena, beute Zeit der Sportwagen im internationalen Rennen |