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E_1929_Zeitung_Nr.033

E_1929_Zeitung_Nr.033

Ausgabe: Deutsche Schweiz. RF.RN. Freit»* 12. Annl 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° 33 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUN® Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint leden UlrnoU»! und Freitag Monatlich „Gelbe Liste** Hafbjährltcb Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuachiag, lolern Hiebt postamtllch bestellt. Zuschlag für nostamtlicbe Uestellung im ADAUMSTItATlOX: Breitenralnstrnsse 97, Her» in- und Ausland 30 Ranpen. Postchrck-Rechnuns II1/414 Telephon Mollwerk 89.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Unsere Schweizerische Mustermesse Die Schweizerische Mustermesse in Basel öffnet wiederum ihre Tore. Wohlvorbereitet und reich ausgestattet tritt sie vor das Schweizervolk, um Zeugnis abzulegen von 6chweizerarbeit und Schweizerproduktion. Die Schweizerische Mustermesse ist ja ein richtiges Kriegskind. Geboren aus der Not, mit dem Ziel, der schweizerischen Wirtschaft nach Kräften zu helfen. Sie hat von Anfang an ihr Wirken auf rein nationalem Gebiete gesucht und sich gehütet, auf internationalen Boden überzugreifen. Darin liegt unserer Ansicht nach ihre Stärke. Sie hat sich durchgesetzt trotz Leipzig, Köln, Lyon, Wien, Prag und so .vielen anderen mehr. Der Gedanke an eine eigentliche Mustermesse geht ins Jahr 1916 zurück. Mehr als je machte sich damals bei uns der eintretende Materialmangel und die Abhängigkeit vom Ausland bemerkbar. Eine Mustermesse bot Gelegenheit, unserem Volke zu zeigen, was es aus eigener Kraft hervorzubringen imstande ist. Sie war aber auch in der Lage, die einheimischen Produkte mit dem Käufer und Interessenten in nähern Kontakt zu bringen. So fiel denn der Gedanke auf guten Boden. Im Frühling 1917 wurde in Basel, das besonders unter den Kriegswirren empfindlich litt,- die Mustermesse eröffnet. Trotzdem die Veranstaltung damals noch dezentralisiert durchgeführt werden musste, war der Erfolg unbestreitbar. Bereits im Jahre 1918 konnte die Mustermesse in konzentrierter Form durchgeführt werden. Auf dem Gelände des ehemaligen Badischen Bahnhofes waren Baracken errichtet worden, um die Stände aufzunehmen. Ein Jahr später mussten diese Baracken bereits erweitert werden. In den Nachkriegsjahren war die Basler Mustermesse zum Bedürfnis geworden. Die wirtschaftliche Lage hatte sich nicht gebessert. Schwer kämpften Handel und Industrie, Gewerbe und Handwerk neben der Landwirtschaft, um sich über Wasser halten zu können. Früher sichere Absatzgebiete waren verloren gegangen, zahlungssichere Käufer zeigten zerrüttete Valuten, hohe Zollmauern erschwerten den © N Der Tod am Volant. (Nach dem im «Berliner Tageblatt» erschienenen Aufsatz von Major H. 0. D. Segrave, Inhaber des Automobil-Weltrekordes.') In keinem anderen sportlichen Wettstreit kann eine winzige Kleinigkeit eine so grosse Rolle spielen wie beim Autorennen. Der Fahrer, der es fertig bringt, der Grenze menschenmöglicher Höchstleistung am nächsten zu kommen, ohne sie zu überschreiten, wird das Rennen gewinnen. Aber eben die unendliche Schwierigkeit, die darin liegt, genau bis an die Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit und keinen Schritt weiter zu gehen, macht das Autorennen zu einem so gefährlichen Sport — sie ist auch der Grund, warum die Sterblichkeitsziffer der Berufsrennfahrer so viel höher ist als die der Professionals irgendeines anderen Sports. Im allgemeinen kann man mit zwei Arten von Unfällen rechnen: mit solchen, die durch einen Irrtum des Rennfahrers in seiner Kalkulation bedingt sind und mit anderen, die durch einen Defekt an einem wichtigen Teil der Maschine verursacht werden. Bei weitem die grössere Zahl der Unfälle entsteht durch die erstangeführte Ursache — und sie sind im allgemeinen weniger gefährlich, da dem Fahrer ja immer noch die Kraft seiner Maschine bleibt, mit deren Hilfe er sich aus einer momentanen Schwierigkeit befreien kann. Aber wenn irgendein wichtiger Teil des Existenzkampf. Um so mehr musste der schweizerisoha Produzent eine Einrichtung schätzen lernen, dia ihm Gelegenheit bot, seine Ware den Wiederverkäufern und Interessenten auf dem Präsentierbrett vorzuführen und mit jedem einzelnen persönlich in Fühlung zu treten. Umgekehrt war dem Wiedprveikäuler in Basel Gelegenheit geboten, eine reichhaltige Auswahl an Waren anzutreffen und den geschäftlichen Teil gleich an Ort und, Stelle zu erledigen. Auch dieses Jahr ist die schweizerische Motorfahrzeugindustrie auf der Basler Mustermesse in hervorragender Weise vertreten. Man kennt den zähen Kampf, den gerade' diese für unser Land bereits wichtige Industrie zu führen hat. Das Ausland konkurrenziert in schärfstem Masse und im Inland bekämpfen die. Eisenbahnen das moderne iVerkehrszeug mit Unerbittlichkeit. Aber auch auf dem Gebiete der Motorfahrzeugindustrie wird trotz allem mit zäher Pionierarbeit nach vorwärts.gestrebt. Auch hier.wird Qualitätsarbeit, geleistet, die sich bereits auch im Auslaride einen guten Namen zu schaffen wusste. Heute sind Millionenwerte in der Automobilindustrie investiert, Tausende von Arbeitern und Angestellten finden dabei ihr gutes Auskommen. Ist es da nicht Pflicht unserer Behörde, zu diesem jungen Industrieschoss Sorge zu tragen, ist es nicht Pflicht unserer Verwaltungen, unseres ganzen Volkes, durch die Tat den weitern Ausbau dieser Industrie sicherzustellen? Mit den Jahren ist die Schweizerische Mustermesse zu einem Gradmesser des einheimischen Wirtschaftslebens geworden, wenn wir auch nicht so weit gehen möchten, die Messe als einen Spiegel des schweizerischen Wirtschaftslebens zu bezeichnen. Es fehlen auf der Basler Mustermesse die Gruppen der Lebensmittel und der landwirtschaftlichen Maschinen, die dem Comptoir Suisse in Lausanne zugeteilt wurden. Ueber die Zweiteilung des schweizerischen Messegedankens tiefgehende Erörterungen anzuknüpfen, halten wir heute als überflüssig. Wir müssen die Schweizerische Wagens, z. B. die Steuerung, die Vorderoder Hinterachse bricht, dann steht man dem Unglück hilflos gegenüber und muss ihm seinen Lauf lassen. Nerven. Die meisten Unfälle ereignen sich zu Beginn oder am Ende des Rennens. Die ausserordentliche Anspannung der Nerven bsim Start trübt die klare Urteilsfähigkeit des Fahrers und macht ihn unsicher. Gegen Schluss des Rennens aber besteht immer die Gefahr, dass der Wagen, der im 100-Meilen- Tempo fünf stunden lang über die Bahn geschleudert und gerissen wurde, bei der geringsten Gelegenheit defekt wird. Auch der Rennfahrer ist durch die ungeheure^und unausgesetzte Anspannung seiner Nerven bereits so abgestumpft, dass er nicht mehr im vollen Besitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte ist. In diesem Zustand kann es ihm leicht passieren, dass er seine Kurven nicht richtig einschätzt. Ein Schulbeispiel für einen Unfall, der sich beim Nehmen einer gefährlichen Kurve ereignete, ist der Todessturz Ascaris beim Rennen um den Grand Prix 1924. Auf der Monthlery-Bahn, wo das Rennen stattfand, gab es eine Kurve, die mit genau 130 Meilen Stundengeschwindigkeit genom-« tnen werden musste. Ascari hatte sie ajch schon zu wiederholten Malen in diesem Tempo ausgefahren, als plötzlich heftiger Regen einsetzte und die Bahn glatt und rutschig machte. Als Ascari abermals in rasender Fahrt bei der Kurve ankam, musste er plötzlich zu seinem Entsetzen sehen, dass es keine Der Kampf zwischen Zentralismus und Föderalismus ist in der Schweiz so alt wie diese selbst. Es brauchte Jahrhunderte, um diese Frage einigermassen zur Zufriedenheit aller zu lösen und ein stabiles Gleichgewicht herzustellen. Die Verfassungen von 1848 und 1874 sind in diesem Sinne Kompromisslösungen. Es beruht dieses auf unserem treibenden politischen Prinzip, das recht eigentlich in unserer demokratischen Staatsform ve-rankert ist. Die Quelle aller öffentlichen Gewalt liegt bei uns im Volke, in der Volkssouveränität. Sowohl in den Kantonen als auch im Bunde sind die letzten Entscheidungen in die Hände des Volkes gelegt. Unsere Demokratie ist von unten aufgebaut worden, die Grundlage bilden die autonomen Gemeinden, die sich zu 22 souveränen,Kantonen zusammengeschlossen haben und deren politische Zusammenfassung in unserem Bundesstaate die Krone erhalten hat. Rigorose Versuche auf Herstellung eines Einheitsstaates und auf Brüskierung der kantonalen Hoheiten haben stets fehlgeschlagen. Dringende Lebensnotwendigkeiten haben aber doch mit der stetigen Entwicklung volkswirtschaftlicher Zusammenhang© dazu geführt, dem Bunde Schritt für Schritt Hoheitsrechte abzutreten, die man ihm früher nie zugebilligt hätte. Die Wirklichkeit war eben stärker als der ausschliessliche alte Kantönligeist. So hat die Mehrheit des Volkes im Jahre 1874 dem Bunde die Militärgesetzgebung zugebilligt und den Kantonen nur noch einen Teil der Militärverwaltung Möglichkeit gab, sie auf der nassen Fläche in diesem Tempo glücklich zu überwinden. Aber es gab keine Hilfe mehr! Der Wagen drehte sich nach der Seite, sauste geradeaus weiter und brach mit 120 Meilen Stundengeschwindigkeit krachend in die Schutzbrüstung der Bahn ein. Er überschlug sich, prallte wie ein Gummiball im Graben an der einen Strassenseite ab, um schliesslich, das Unterste zu oberst gekehrt, 200 Meter von der Stelle entfernt, wo er die Bahn verlassen hatte, liegen zu bleiben. Ascari erlag innerhalb fünf Minuten seinen grässlichen Verwundungen. Ein anderer Autounfall ereignete sich beim Rennen um den Grand Prix 1922. Biaggio Nazzaro fiel ihm. zum Opfer. Aber hier war ein Defekt am Wagen die Ursache des Unglücks und nicht eine Unvorsichtigkeit des Führers. Biasgio Nazzaro hatte nur mehr ungefähr zehn Meilen zurückzulegen und den gefährlichsten Teil der Kurve bereits überwunden, als an seinem Wagen plötzlich die Vorderoder Hinterachse — niemals bekam man genau heraus, welche von beiden es war — in der Mitte »entzwei brach. Der Wagen sauste klirrend und verquer mitten über die Bahn und landete schüesslich unter grässlichem Knirschen und Splittern am Fusse eines Baumes. Eine wirre Masse ineinander verbohrter Metallteile war alles, was von diesem Wunderwerk menschlicher Schaffenskraft — 3em Traum eines Ingenieurs, dessen Verwirklichung 6000 Dc-llar gekostet hatte — übrig blieb. Der Lenker wie auch der Hilfsmechaniker waren beide sofort tot. INSERTIONS-PKEIS: Die ochtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ct». für i'je Schweiz: für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserats nach Seitentnrif. InseratensehhM* * Tage vor Brsehelnen der betreffenden Nummer Mustermesse in Basel so nehmen, wie sie ist. Wenn sie auch nicht ein vollständiges Bild unseres Wirtschaftslebens zu bieten vermag, so ist sie immerhin zu einer Mustermesse geworden, der man auch im Ausland zunehmendes Interesse entgegenbringt. Der prächtige Messepalast, der im. Jahre 1926 vollendet wurde und im Frühjahr 1927 zum erstenmal die ganze Messe beherbergte, birgt als gediegene Form einen reichen und wertvollen Inhalt: Schweizerarbeit- in bester und solidester Qualität. Dem Tiefstand des Jahres 1922 mit rund 800 Ausstellern folgte der Aufstieg und bereits das Jahr 1926 konnte wieder mehr als 1000 Aussteller verzeichnen. Eine zielbewusste Direktion," unermüdliche Produzenten und Wiederverkäufer haben die Schweizerische Mustermesse in Basel zu: einer richtigen nationalen Institution ausgebaut, wofür wir ihnen zu grossem: Dank, verpflichtet sind. Möge über der Schweizerischen Mustermesse des Jahres 1929 ebenfalls wieder ein gütiger Stern leuchten, möge sie wiederum einen Markstein in unserem volkswirtschaftlichen Leben bilden und möge harte und unablässige Arbeit von schönem Erfolge gekrönt werden. •£• Zentralismus und Föderalismus überlassen. Sie hat dem Bunde das Gesetzgebungsrecht nur über einen Teil des Zivilrechtes eingeräumt,- den Kantonen dagegen noch die Kompetenz zur Gesetzgebung m dem übrigen Teil dieses Rechtes und im Strafrecht vorbehalten. Allein von 1874 bis zum Jahre 1929 liegt ein weiter Weg, auf dem der Bund ganz besonders infolge dringender Verkehrsrücksichten durch Partiair revisionen seine Aufgaben, und seinen Herrschaftsbereich ausdehnen konnte- und durch die Verstaatlichung der Eisenbahnen, der Post und des Telegraphs sich einen neuen grosseh Machtzuwachs zu sichern wusste. Hand in Hand mit dieser zentralistischen Entwicklung hat dann allerdings der Bund die Kantone in steigendem Masse zu unterstützen begonnen, um ihnen die Durchführung der kantonalen Staatsaufgaben zu erleichtern, denn trotz der Machtkonzentratiöri in der Bundesgewalt haben sich die Kantone durch eine weitere Entfaltung der Volkssouveränität durchzusetzen vermocht. Die reine Demokratie schützt sie vor dem Beamtenstaat des Bundes. Umgekehrt gewährleistet dieser infolge der finanziellen Unterstützungen den Kantonen direkt ihre staatliche Existenz. Bedächtig und mit aller Vorsicht, dem schweizerischen Charakter entsprechend, hat der Bund überail da, wo sich das sachliche Bedürfnis herausstellte, seine Kompetenzen erweitert. Es führte zu weit, auf die verschiedenen Richfungskämpfe näher zu sprechen zu kommen, welche sich beispielsweise Ein sehr ernster Unfall ereignete sich einmal in Spa in Belgien. Einer unserer Wagen sollte zu einem schwierigen Bergrehncn starten und sein Führer, Andre Boileat, wurde von einem der Zuschauer bestürmt, ihn doch mitzunehmen, da er noch nie in einem Rennwagen gesessen hätte. Nach langem Hin und Her willigte Andre Boileat schliesslich ein und Iiess an Stelle des Begleitmechanikers den Zuschauer an seiner Seite Platz nehmen. Der Wagen startete zum Rennen und anfangs ging alles gut. Aber nur bis zur ersteh Biegung! Denn hier war die Strasse asphaltiert und das Auto konnte auf der nassen und rutschigen Fläche keinen Halt fassen. Es geriet ins Gleiten und sauste mit einer Stundengeschwindigkeit von 70 Meilen geraden-* wegs in eine, Gruppe von Bäumen. Der Führer wurde sofort aus seinem Sitz geschleudert und blieb mit dreifachem Kieferbruch liegen, während der Wagen sich entzündete und in Flammen aufging. Der unglückliche Passagier aber, den der heftige Anprall betäubt hatte, war im Wa^en geblieben und musste so elend verbrennen, bevor man ihn noch aus seiner grässlicheu Lage befreien konnte. Tragikomödien. Es gibt aber auch weniger tragische «berühmte» Unfälle, die nicht zu einem ernstlichen Unglück führten. Einmal brachten es die temperamentvollen Zuschauer eines Autorennens zustande, selbst einen kleinen Zwischenfall auf der Bahn zu produ-