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E_1929_Zeitung_Nr.041

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Ausgabe? Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 7. Mai 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. — N° 41 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich _G«lbe Halbjährlich Fr. 6.-, jährlich Fr. 10.—. Im Anstand unter Portozuschlag, •ofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Betteilung im ADMINISTRATION: Breltenralnstrasse 97, Berp In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raunt 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grössere Inserate nach Seitentarita InseraUnschlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Praktiken . . . Wo die Argumente nicht mehr verfangen, da wird einem alten eidgenössischen Usus gemäss mit dem Schlagworte der Qegner zu töten versucht. So weit sind wir heute auch im Kampf um die Strassenverkehrsinitiative gekommen. Die Qegner haben keine stichhaltigen Gründe zur Verwerfung in die WagschaJe legen können. Das Argument, als wäre die Strassenverkehrsinitiative ein Einbruch in den eidgenössischen Staatsfiskus, der bei einer eventuellen Annahme wie Butter an der heissen Sonne zerrinnen müsste, so dass in den Händen des Herrn Musy nur noch ein Nichts zurückbliebe, konnten mit Leichtigkeit widerlegt werden. Da, im Augenblick der Verzweiflung, greifen die Qegner zum Schlagwort. Man malt, wie ein Korrespondent im «St. Galler Tagblatt» ganz'richtig schreibt, den Teufel an die Wand, «weil man eine unbequeme Initiative, die aus dem Volke gekommen ist, erledigen' möchte». Man versucht, den Stimmberechtigten das Gruseln beizubringen, indem man ihnen von erneuten Zollerhöhungen, von einer Verschärfung der Stempelsteuer, von einer Verlängerung der Kriegssteuer, ja sogar von einer direkten Bundessteuer spricht. Diese Teufelchen sollen den Stimmberechtigten das Schlottern beibringen und sie zum Nein zwingen. Aber nicht nur dies. Sogar ein neuer Vogt ist erstanden. Nachdem der vor drei Jahren aufgeblasene. Brotvogt wie ein sterbendes Teufelchen in sich zusammengesunken ist, nehmen ihn die gleichen Leute, die mit solchen Spielzeugen sehr gut umzugehen wissen, wieder aus der Schublade heraus und blasen ihn nun unter der Maske des Strassenvogtes von neuem auf. Solches Gebaren müssen wir als Praktiken bezeichnen, die unsere öffentliche Meinung bewusst irre zu führen suchen. Praktiken sind es auch, wenn man dem Volke innerhalb 14 Tagen beispielsweise die Finanzlage der Eidgenossenschaft rosig und dann bald wieder einmal brandschwarz an die Wand malt, so dass unser gutes Volk schlussendlich gar nicht mehr darüber kommt und sich über den Stand unserer eidgenössischen Finanzen überhaupt kein richtiges Bild mehr zu machen imstande ist. Je nachdem der Hase laufen soll, werden die Bundesfinanzen als saniert oder als nach zu grossen Bedenken Anlass gebend bezeichnet, und der geduldige Hase läuft natürlich in der Richtung, den ihn der Finanzdirektor zu laufen heisst. Solche Praktiken aber sind ungesund. Die Pressionsmittel, die jeweils in den Abstimmungskämpfen verwendet werden, führen zu politischer Unlust und schliesslich zur Stimmenthaltung des sich noch frei fühlenden Bürgers. Er wird von dieser Art Politik einfach angewidert, und deshalb wäre es wohl Auf die Strasse mit dem Benzinzoll . . . I STRASSENVERKEHRSINITIATIVE: JA! ganz klug, wenn im Augenblicke, da Fragen dem Volke zum Entscheide vorgelegt werden, unsere Herren Bundesväter sich grösserer Zubrückhaltung befleissen würden. An demagogische Praktik streift es auch, wenn beispielsweise heute vom Schweizerischen Bauernsekretariat behauptet wird, die Automobilbesitzer wollten dem Bunde vorschreiben, wie er die Fussgänger und Fuhrwerke zu behandeln habe. Wenn die Automobilisten befehlen, würde man bald keine Kuh mehr frei an den Dorfbrunnen oder auf die Weide treiben dürfen und schliesslich würde noch die Breite der Heufuder und die Länge des Stammholzes eidgenössisch reglementiert ! Das ist nun eine Behauptung, die ausserordentlich zu bedauern ist. Aber sie sollte sämtlichen Motorfahrzeugbesitzern mit einem Schlage die Augen öffnen. Sie bewahrheitet leider unsere Auffassung, dass es heute noch in unserem Schweizervolke viele Führer gibt, die von einem eidgenössischen Strassenverkehrsgesetze, in dem alle Strassenbenützer. miteinbezogen werden, nichts wissen wollen. Sie werden einem jeden solchen Gesetze den härtesten Kampf ansagen. Die Initiative einmal verworfen, werden wir wohl jahrelang auf die unbedingt notwendige einheitliche Strassenverkehrs - Gesetzgebung warten dürfen. Warum ? Weil es heute noch so und so viele sich Führer nennende Persönlichkeiten gibt, die entweder über ihr Heufuder oder über ihre eigene Nase nicht hinauszublicken vermögen... Die Motion Lachenal bietet deshalb absolut keine Gewähr dafür, dass nach einer eventuellen Verwerfung der. Initiative ein Strassenverkehrsgesetz aus den Parlamentär rischen Beratungen entstände, wie es im Interesse aller Strassenbenützer unbedingt aus der Legislative hervorgehen sollte. Di© Vernehmlassung, sowohl des Schweizerischen Bauernsekretariats als auch beispielsweise die Ausführungen Nationalrats Mächler am kantonalen freisinnigen Parteitag in Rapperswil beweisen deutlich, dass man ein alle Strassenbenützer umfassendes Verkehrsgesetz einfach nicht will. Wir nennen dies Praktiken, die von sämtlichen Motorfahrern auf das entschiedenste zurückgewiesen werden müssen. Man hat scheints vergessen, dass man seinerzeit, als man den Benzinzoll in exorbitanter Weise erhöhte, von biindesrätlicher Seite versprach, dass die Erträgnisse des Benzinzolles schlussendlich wieder den Automobilisten Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München. (5. Fortsetzung) Der Franzose rieb sich bedächtig die Nase. Manderton, der sich eine Pfeif© angezündet hatte, beobachtete ihn schaTf. «Was Sie auch sagen mögen, mon ami, wäre es nicht doch möglich, dass Madame heute ein Atelier ohne Ihr Wissen besucht hat?» Cranmore schüttelte ein wenig gereizt den Kopf. «Möglich schon,» antwortete er, «aber das würde doch heissen, dass meine Frau jemand besucht hat, von dem ich keine Kenntnis hätte ...» Boulot stützte die Arme auf und lehnte sich über den Tisch. «Lieber Freund,» sagte er offen, «vielleicht ist das so ...» Aber Cranmore machte heftig eine verneinende Gebärde. «Ah, jetzt weiss ich, wo Sie hinaus wollen,» rief er. «Und da möchte ich Ihnen gleich sagen, Boulot, und Ihnen, Manderton, dass meine Frau keinen Geliebten hatte. Unsere Ehe ist — war — vollkommen glücklich. Und noch etwas anderes will ich Ihnen sagen, Ich werde se nicht zugeben, dass das Andenken meiner armen, toten Carmen da drin besudelt wird. Merken Sie sich das! Sie, Boulot, sehen als Franzose solch© Dinge vielleicht in einem anderen Licht als wir...» Eine grosse, rote Hand legt© sich auf seine Schulter. «Nur ruhig Blut,» sagte Manderton. «Wir müssen jede Möglichkeit ins Auge fassen, wie Sie wissen...» Cranmore zuckte die Achseln. «Ich wollte Sie nicht kränken,» fiel Boulot ein, «und bitte Sie um Entschuldigung, mon eher. Aber abgesehen von dieser Möglichkeit — wissen Sie von jemand, der irgend etwas gegen Madame hatte?» «Nein,» entgegnete Cranmore bestimmt. «Nein! Ausgeschlossen! Meine Frau hatte keinen Feind auf der Welt! «Also haben Sie keine Erklärung?» fragte Manderton. «Keine. Ich bin einfach wie vor den Kopf geschlagen. Ich kann mir nur vorstellen, dass irgend ein Wahnsinniger...» Manderton betrachtete aufmerksam die Spitzen seiner glänzend schwarzen Stiefel. «Sie erwähnten vorhin,» bemerkte er, «dass Ihr© Schwägerin Bekannte unter dem Chelsea-Kreis hat. Hatte sie die Gewohnheit, Ateliers zu besuchen?» «Früher einmal. Aber da habe ich einen Riegel vorgeschoben. Um ganz offen zu sein: ich verbot ihr den Verkehr . . .» «So,» sagte Manderton in geschäftsmässigem Tone. «Und verboten Sie ihr den Verkehr mit irgend einem bestimmten Herrn?» Cranmore blickte den Inspektor an und rieb nervös seine Hände aneinander. «Sie wissen, dass ich Ihnen in allem helfen möchte,» erklärte er, «aber ich will keinen ungerechten Verdacht auf jemand werfen. Sie haben mich eben gefragt, Boulot, ob es einen Menschen gebe, der vielleicht etwas gegen meine Frau gehabt haben könnte. Mr. Mandertons Frage erinnert mich, dass es mit einem jungen Maler einen Verdruss gab, weil er, nach Ansicht meiner Frau und meiner eigenen, sich zuviel mit Dolores, meiner Schwägerin, beschäftigte. Ich war gezwungen, ihm das Haus zu verbieten. Vielleicht hat er sich darüber besonders gekränkt, weil er Carmen schon vor meine Zeit in New York gekannt hatte ...» Cranmore blickt© auf und sah, wie ihn die beiden Polizisten gespannt anstarrten. «Ich möchte ihn aber auch nicht einen Augenblick zu diesem grauenhaften Verbrechen in Beziehung bringen,» fügte er hastig hinzu. «Der junge Quayre ist absolut unfähig, eine solche . . .» «Wie war der Name?» Manderton hatte sein Taschentuch herausgezogen. Sein Benehmen war mit einem Male streng amtlich geworden. Cranmore starrte ihn fassungslos an. «Sie glauben doch nicht . . .» begann er. «Mein Gott! . . .» «Bitte um Namen und Adresse!» wiederholte Manderton. «Sein Name ist Julian Quayre. Aber seine Adresse ist mir leider nicht bekannt. Ich weiss, dass er irgendwo in London ein Atelier hat. Dort gewesen bin ich nie. Im Adressbuch . . .» Mit einem schüchternen Husten erhob sich Mr. Ruddick aus seinem Winkel. Die drei Männer erschraken fast, so vollständig hatten sie seine Anwesenheit vergessen. | «Was zum Henker wollen denn Sie?!» fuhr ihn Manderton an. «Nur wegen der Adresse vom Mr. Quayre,» stotterte der Drogist. «Er ist nämlich gewissermassen ©in Kunde von mir. Noch vor ein paar Tagen hab ich eine Tube Zahnpaste ...» «Himmelherrgott!» stiess Manderton hervor, «sagen Sie doch endlich, wo er wohnt!» «Auf dem Brokeplatz, hier am Ende der Strasse,» sagte Mr. Ruddick. VI Dolores Die dramatische Erklärung war noch kaum aus dem Munde Mr. Ruddicks, als das Geklingel der Ladenglocke hörbar wurde. Im Zwielicht stand ein junges, schlankes Mädchen auf der Schwelle, mit dunklen Augen, die aus einem totenblassen Gesicht hervorsahen. Als das Mädchen in den Lichtkreis der Gaslampe trat, bemerkte er, wie sie der Ermordeten glich. Ihre Schönheit war ihrem Alter entsprechend weniger reif, und der Teint war anders, aber sie hatte dieselbeni feingemeisselten Gesichtszüge, den gleichen klaren, lieblichen Ausdruck, den er auf dem stillen Antlitz der anderen wahrgenommen hatte. (Fortsetzung siehe im „Antler Feierabeud")