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E_1929_Zeitung_Nr.044

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 17. Mai 1929 GelBe Liste Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° 44 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Frdtof Monatlich „G»!»e List«« BaSbjliailcb Fr. &.—, jährlich Fr. 10.—. Im Anstand unttr Portozmchlag, »fern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97. Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rcehnung HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Auslandfahrten im Automobil Der internationale Autotourismus hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Nicht weniger als 103 000 fremde Automobilisten sind im Jahre 1928 zu vorübergehendem Aufenthalt in die Schweiz eingereist, und die Zahl der vom Automobilclub der Schweiz und vom Schweizerischen Touringclub im letzten Jahr an die Mitglieder abgegebenen Triptyks und Gernzpassierscheinhefte dürfte wohl die Zahl von 40000 übersteigen. Die Anstrengungen der Automobilisten-Verbände gehen denn auch auf internationalem Gebiet dahin, den Automobilreiseverkehr möglichst zu erleichtern und speziell die Ein- und Ausreisevorschriften für die verschiedenen Staaten möglichst einfach, einheitlich und wenig schikanös zu gestalten. Hand in Hand damit gehen die Anstrengungen, die von den Automobil-Clubs und speziell von dem Internationalen Verband in Paris unternommen werden, um die in • verschiedenen europäischen Staaten noch bestehenden Automobilsteuern und Abgaben für den vorübergehenden Aufenthalt fremder Automobilisten in diesen Ländern für Aufenthalte bis zu zwei oder drei Monaten vollständig in Wegfall zu bringen. Nachdem nun die eigentliche Automobil- •fahrsaison wieder eingesetzt hat und sich die meisten Automobilisten mit Plänen für ihre diesjährigen Auslandfahrten befassen, dürfte es angezeigt sein, in Nachstehendem kurz auf die wichtigsten Vorschriften für Automobil- Auslandfahrten hinzuweisen. Wer heute eine Fahrt ins Ausland unternimmt, hat sich mit nachstehenden Ausweisen zu versehen und die nachfolgend erwähnten Vorschriften zu beachten. 1. Internationaler Fahrausweis. Der Automobilist hat für diejenigen Wageninsassen, welche das Fahrzeug auf dieser Auslandfahrt lenken wollen, einen internationalen Fahrausweis zu beschaffen, welcher von der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle ausgestellt wird, und zwar auf Grund der nationalen Fahrbewilligung. Die Gültigkeit des internationalen Fahrausweises beträgt ein Jahr und ist für dessen Ausfertigung je eine Passphoto der in Betracht kommenden Personen notwendig. Die Ausstellungskosten belaufen sich auf 5 Franken. 2. Reisepass. Alle Wageninsassen haben FEUILLETON Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. sich mit einem gültigen Reisepass zu versehen, welcher von den Gemeindekanzleien ausgestellt wird und wozu eine Passphoto notwendig ist. Für Aufenthalte zu touristischen Zwecken ist für Schweizer in den meißopyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München. (8. Fortsetzung) Manderton trat zuerst ein und drehte das Ltoht an. Er befand sich in einem engen, kleinen, fensterlosen Vorraum. Auf der einen Seite stand ein Kleiderständer, auf der anderen ein alter Eichenkasten. Eine offene Tür führte von hier ins Atelier, einen grossen, nackten Raum mit einem riesigen Atelierfenster, das mit Abblendungsvorrichtungen versehen war. Es war merkwürdig, die verschiedenen Methoden der beiden Polizisten zu beobachten. Manderton machte mit grossen Schritten eine blitzartige Untersuchung der ganzen Wohnung, den Hut auf dem Kopf, die ausgegangene Pfeife im Mund. Seine scharfen Augen gingen von einer Wand zur andern, als könnt© er von ihnen das Geheimnis erfahren. Das Verfahren des Franzosen war gänzlich anders. Er hatte dicht hinter Manderton das Atelier betreten, blieb aber in der Mitte stehen und nahm langsam die Umgebung in Augenschein. Seine Finger hielten achtlos eine Zigarette, der Kopf war auf die Seite geneigt wie der eines Hahns, der sich im Hühnerhof umsieht, während seine Augen forschend über die Wände, die Decke und den Boden hinliefen. Manderton, der im Schlafzimmer verschwunden war, schoss plötzlich wie ein Sturmwind wieder heraus. «Fingerabdrucke am Fenster,» rief er. «Haben Sie das Zeug zum Fixieren?» Schweigend zog Boulot aus seiner Tasche die Holzbüchse, in die er beim Drogisten seine Fläschchen und Pinsel hineingestopft hatte und händigte sie dem andern ein. Manderton griff schnell danach und verschwand von neuem. Boulots Aufmerksamkeit war auf den Boden gerichtet. Ein einfacher Holzboden mit ein paar Fellen auf dem Podium, einigen orientalischen Teppichen und wahllos verstreuten indianischen Matten. Nach einiger Zeit kam Manderton zurück. Er konnte nur die plumpen Beine des Fraazosen erkennen, dessen Oberkörper von der Staffelei verdeckt war. Er betrachtete das Bild auf der Staffelei, von dem er das Papier entfernt hatte. «Im Schlafzimmer sind zwei Teetassen,» sprudelte Manderton heraus, «und Fingerabdrücke und der Eindruck von einem schwere« Stiefel auf dem Fensterbrett. Sieht fast so aus, als ob sich Mr. Quayre auf französisch empfohlen hätte. Den Tee wollten sten Staten des Kontinents ein Visum des betreffenden Konsulates nicht mehr notwendig. So ist heute kein solches konsularisches Visum mehr nötig für Reisen nach folgenden Ländern: Andora, Belgien, China, Dänemark, Danzig, Deutschland, Frankreich (inklusive Algier und Marokko), Grossbritannien (ausser Gibraltar und Malta), Japan, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Monaco, Niederlande, Norwegen, Oesterreich, Portugal (inklusive Azoren und Madeira), Saargebiet, Schweden, Spanien, Tanger (Internationale Freizone) und Tschechoslowakei. Andererseits hat Frankreich für Fahrten nach dem Elsass eine gewisse Erleichterung geschaffen, indem Schweizer und Franzosen, welche in der Schweiz wohnen, Touristenkarten gegen Vorweisung eines amtlichen Ausweises beziehen können. Diese Karten berechtigen zum einmaligen Grenzübertritt nach Frankreich und zwar nach den Departementen Haut-Rhin und Bas-Rhin, inklusive das Vogesengebiet. Die Touristenkarte ist fünf Tage gültig und kostet 50 Rappen. Die Karten werden an der Grenzpassierstelle Elsässer-Bahnhof in Basel von 8—12 und 14—17 Uhr abgegeben, Samstag und Sonntag können die Karten auch zu andern Zeiten bezogen werden. Die Abgabe der Karten selbst erfolgt nur zu touristischen Zwecken. 3. Nationalitätsschild. Für alle Auslandfahrten ist ein Nationalitätsschild CH nötig, welches bei den Touristikbureaus des A.C.S. und des T. C. S. sowie bei den kantonalen Motorfahrzeug - Kontrollen bezogen werden kann. 4. Zollausweis für den Wagen. Diejenigen Automobilisten, die dem A.C.S., dem T.C.S. oder der A.S.P.A. angehören, können die für Auslandreisen notwendigen Zollausweise bei den Bureaus der genannten Verbände beziehen, und zwar je nach Wunsch in Form von Triptyks oder Grenzpassierscheinheften. Die Triptyks sind jeweils nur für ein Land gültig und eignen sich besonders für diejenigen Fälle, wo ein öfterer Grenzübertritt nach dem nämlichen Land stattfindet. Die Grenzpassierscheinhefte sind gleichzeitig für mehrere Länder, je nach der Wahl des Reisenden, gültig und enthalten dieselben 50 Blätter für Ein- und Austritte. Die Gültigkeit der Triptyks und Grenzpassierscheinhefte beträgt ein Jahr. Während die Ein- und Austrittsvermerke bei den Triptyks nur provisorische sind und vor Ablauf des Ausweises eine definitive Löschung nötig ist, sind alle Eintragungen der Zollbeamten in den Grenzpassierscheinheften definitive Visas und bedürfen nachträglich keiner definitiven Löschung mehr. Wer ein Triptyk bezieht, bedarf ferner noch eines Freipasses für die Wiedereinreise in die Schweiz. Dieser wird auf Grund der Einfuhrzollquittung des Wagens vom Schweizerischen Grenzzollamt bei der Ausreise oder auch von einem Innenzollamt in Genf, Lausanne, Bern, Basel, Zürich etc. ausgestellt. Wer mit einem Grenzpassierscheinheft ins Ausland fährt, bedarf keines Freipasses,*doch muss alsdann bei der Ausstellung des Grenzpassierscheinheftes auf Grund der vorzulegenden Zollquittung ein bezüglicher Vermerk durch den ausstellenden Club im Carnet vorgenommen werden. Es haben nun Italien und Frankreich für gewisse Gebiete des Landes provisorische Einreisekarten geschaffen, wie sie die Schweiz als erste im Jahre 1924 mit ihrer Fünftagekarte eingeführt hat. Italien gibt solche provisorischen Fünftagekarten aus, die zum Aufenthalt in einem Rayon von 350 km vom Einreisezollamt weg ohne Triptyks oder Grenzpassierscheinheft berechtigen. Doch muss sowohl die Ein- wie die Ausreise über das nämliche Zollamt erfolgen, und zwar sind hierfür nur folgende Zollstellen bestimmt : Chiasso-Strade an der schweizerischen Grenze und Grimaldi und. Piena an der französischen Grenze. Die Karten kosten 25 Lire und werden in der Schweiz von folgenden Stellen ausgegeben : Touristikbureaus des Ä. C. S. in Zürich, Luzern, Lugano und Chiasso und R. Rusca in Chiasso. Anderseits gibt Frankreich an die in der Schweiz wohnenden Automobilisten durch das Office francais de tourisme, 3, rue du Mont-Blanc in Genf (offen von 9—12 und 14—18 Uhr, Sonn- und Feiertage ausgenommen) provisorische Einreisekarten (acquits provisoires) für den Besuch der Grenzdepartemente Ain und Jura für fünf Tage zu Fr. 1.50 und der Departemente Savoie und Haute-Savoie für acht Tage zu 2 Fr. ab. Die Ein- und Ausreise muss bei einem der folgenden französischen Grenzzollämter erfolgen : St-Julien, Moillesulaz, Veigy-Route, Chens-le-Pont, La Cure, Crassier, Ferney- Voltaire, St-Genis, Pougny-Chancy, St-Gingolph und Vallorcine. Auch für die Departemente Haut-Rhin, Bas-Rhin und Territoire de Beifort werden an schweizerische Automobilisten solche provisorische Einreisekarten, gültig für acht Tage, zum Preise von Fr. 1.50 abgegeben und zwar bei folgenden Stellen: Oeffentliches Verkehrsbureau in Basel, Verkehrsbureau in sie im Schlafzimmer trinken, das ist ganz klar. Der Kessel steht noch auf dem Kocher und das Teezeug mit einem Teller voll Kuchen auf dem fisch. Ich mein', die Dunkelheit lichtet sich ein wenig....» Während er sprach, war er um die Staffelei herumgegangen und stand nun neben Boulet, der anscheinend in die Betrachtung des Bildes versunken war. Als Mandertons Augen auf die Leinwand fielen, erstarben die Worte auf seinen Lippen und ein leiser Pfift der Ueberraschung entfuhr ihm. Er fand sich vor einem unvollendeten Bild von Dolores Driscol. «Noch heute nachmittag hat er daran gearbeitet,» sagte Boulot. «Sehen Sie nur, es ist noch nass.» Er nahm von dem grossen Tisch eine Platte auf. «Schauen Sie her — die Sepia, die er für den Stuhl gebraucht hat, den gleichen, der da droben auf dem Podium steht . . .» «Sie glauben,> begann Manderton und klopfte nervös mit den Fingern auf den Fisch, «dass das Driscolmädel heut nachmittag hier war . . .?» Boulot zuckte die Achseln und blies eine Rauchwolke aus seiner Zigarette. «Wenn er nicht nach dem Gedächtnis gemalt hat. Aber, eher ami, Talent hat er! Ich kenne mich in solchen Sachen aus. Dieses Porträt ist bewunderungswürdig — be —wun—derungs—würdig!» INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2mm hohe Grundzeit oder deren Raum 45 Cts. (ür ä!» Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehrass 4 Tage vor Erscheinen der betrettenden Nummer Pfingsten Pfingsten wird uns dieses Jahr nach dem langen herrischen Winter das sein, was uns andere Jahre Ostern war : Licht und Freude, Befreiung von Dunkel und Schwere. Es ist wie ein Aufatmen. Es geht nicht nur über die Felder, dieses Aufatmen, es geht hinein in die grauen Steinkasernen der Städte, in denen die Menschen hausen, erfasst auch sie, die kleinen, selbstsicheren Geschöpfe. Die Menschen! Mit einem verächtlichen Mundzucken strafen sie die Gefühle, « Vorrechte der guten alten Zeit», wappnen sich mit ihrer modernen Sachlichkeit. Wenn aber die Natur ihr prunkendes und duftendes Brautgewand webt, erfüllt sie, die wackeren Zeitgenossen eines Einstein und Freud, das uneingestandene, namen- und ziellose Frühlingssehnen ! Sie alle werden irgendwie anders aus den wohlbemessenen Bahnen ihres Seins geworfen, laufen einige Tage verwundert and verwirrt durch eine plötzlich geheimnisvolle Alltäglichkeit. Sie sehen den jungfräulichgrünen Schleier über dem Land, den entzückenden Schatten knospenden Grüns auf der schmutzigen Mauer an ihrem Wege und hören zwischen den Hupen und Erschütterungen der hetzenden Fahrzeuge irgendwoher, weiss Gott woher, die unbekümmerte, unendlich freche und unendlich süsse Stimme eines Vogels. Mit einem Mal freuen sie sich der beiden Tage, da sie der Enge ihrer Bestimmung entrinnen können, ihrer Sehnsucht folgend, die Weite gewinnen und fern von den Zeugen ihres Erraffens und Ergeizens, ihres Steigens und Fallens nichts anderes sein können als Kinder, staunende, dumme, ahnungslose Kinder. Pfingsten: Läuterung, Ausgiessung eines neuen Geistes. Kraft wird wiedergefunden, und Wille und Glaube zu einem ganzen Jahr. Hinter dem Fest liegt schon der Sommer mit seiner reifen Männlichkeit. Das ist wie ein Ziel. Sommer sein, reif und männlich, wollen sie alle: die Grossen und die Schwachen. V. Laufen, Verkehrsbureau in Delsberg, M. J. Theurillat, Hotel de la Gare in Pruntrut und M. A. Frelechoux, Restaurateur, in Boncourt. Die Ein- oder Ausreise muss über die Zollämter von Delle, Rechesy, Pfetterhouse- Route, Courtavon, Kiffis, St-Louis-Route erfolgen. XIII. Boulots Morgenspaziergang. Boulot blickte vorsichtig aus der Tür seines Schlafzimmers. Jetzt, gegen Ende Juni, war es um halb fünf schon völlig hell. «Tiens, tiens!» murmelte er. Vor der ersten Türe des Korridors standen ein Paar winzige Spangenschuhe aus sämischem Leder mit sehr hohen Stöckeln. Boulot nahm sie zur Hand, und ein neugieriger Ausdruck legte sich über sein Gesicht. Er untersuchte den Absatz des einen Schuhes. Ein zufriedenes Lächeln erschien auf seinen Zügen, während er die Schuhe wieder hinstellte. Dann ging er auf den Fussspitzen in die Halle hinab, sperrte die Haustür auf und trat in den blendenden Sonnenschein hinaus. * Mit kurzen schnellen Schritten wanderte er die Sloanestrasse hinunter. Er hatte lange zu gehen, ehe er auf ein Auto traf, und auch dann dauerte es noch geraume Zeit, bis es ihm endlich gelang, die Aufmerksamkeit des verschlafenen Chauffeurs auf sich zu lenken. An der Ecke der Bortonund Hammersmithstrasse Hess er sich absetzen. Ehe ©r an den schmutzig gelben Ziegelhaufen gelangte, der auf Mandertons Plan als Kloster bezeichnet war, bog er in einen schmalen Seitenweg ein, der sich hinter Ouayres Wohnung bis zum Eisenbahnzaun tunzog.