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E_1929_Zeitung_Nr.050

E_1929_Zeitung_Nr.050

Aasgabe: Deutsch© Schwell. BERN, Freitag 7. Juni 1929 2t> Cfe. 25. Jährgang. — N° 50 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Diensta« und Freitag Monatlich „Gelbe List»" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10 . Im Ausland' unter Portozuschlag, sofern nicht poctamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue; Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile odw deren Raum 45 Cts. lür die .Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct»* Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Aus der Bundesversammlung Eine erste Subvention an unsere Bundesbahnen. Am 3. Juni haben sieb unsere Parlamentarier wieder in Bern Rendezvous gegeben, um . ein Menü von nicht weniger als 102 Traktanden entgegen zu nehmen. Ruhig haften sich die Herren an die Arbeit gemacht, da grosse politische Aktionen weder hinter noch vor uns liegen. Der 12. Mai stund nicht mehr in Diskussion. Die Ereignisse des Auslandes warfen eher ihre Schatten auch in den eidgenössischen Ratssaal hinein. Man unterhielt sich über den Ausgang der englischen Wah- Jen und die endliche Einigung der Sachverständigen zu Paris. Dann machte man sich wacker hinter die Erledigung der verschiedenen Rechenschaftsberichte. Währenddem die Herren Ständeräte den 828seitigen bundesrätlichen Amtsbericht, den man treffend den «Brockhaus federal» genannt hat, zur Diskussion stellten, begann der Nationalrat mit dem Rapport der Bundesbahnen und sah sich demnach bald einmal mitten in Verkehrsfragen drin. Man weiss ja, dass die Bundesbahnen beim Bunde angeklopft hatten. Sie verlangten eine sogenannte Nachentschädigung für am Schweizervolk geleistete Dienste während der Kriegszeit. Die Summe ging sehr hoch, so hoch, dass weder Bundesrat noch Bundesversammlung sie hätten verantworten können. Es stimmt ja, die Bundesbahnen haben für Militärtransporte, für Anschaffung von Güterwagen zur Sicherung der Landesversorgung, für Notstandsarbeiten, für die Einführung der elektrischen Zugsförderung usw. viel aufwenden müssen. Sie hatten aber auch an einem nicht einwandfreien, unrationellen Betrieb schwer zu tragen und spüren heute die schwere Last ihres Besoldungsgesetzes, ihrer Hilfskasse und ihrer schablonenhaften Arbeitszeitregelung. Die Konkurrenz des Automobils hat dann auch den Amtsschimmel des Bundesfuhrwerkes zu frischerem Trabe angetrieben. Das gemächliche Tempo, an das man sich infolge seiner Monopolstellung allmählich gewöhnt hatte und der Glaube, dass das Schweizervolk wegen der Bundesbahn und ihrer Funktionäre da sei, musste verlassen werden. Ein neuer Zug setzte ein und siehe Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg MüUec Verlag A.-G., München. (12. ForUeteang) «Ja, Dolöres,» fiel Cranmore hastig ein, »warum ist sie zu ihm hingegangen? Hat sie mit dir^ gar nicht darüber gesprochen?» »Sie sagte kein Wort, dass sie ins Atelier gehen wollte. Sie sprach nur davon, dass sie zum Tee in ihren Klub gehen würde, wenn es kühler wäre.» «Also haben Sie gar keine Erklärung für ihren Besuch bei Quayre?> In ihre Augen trat ein verzweifelter Ausdruck. «Nein!» »Und Sie haben auch keine Theorie?» «Nein, ich sag's Ihnen ja! Ich weiss nicht, warum sie hinging. Wie sollt ich das auch wissen?!» Sie biss sich auf die Lippen und wandte, dem Weinen nahe, den Kopf ab. Aber Manderton setzte nach einem Blick in sein Notizbuch das Verhör unerbittlich fort «Sie sagten gestern, dass Sie und Ihre Schwester hier zusammen zu Mittag assen. Als Sie fortgingen, um sich zum Ranelagh zu begeben, war Ihre Schwester noch zu Hause, nicht? — Schön! Nun, wieviel Uhr war es, als Sie das Haus verliessen?» «Etwa vier Uhr.* da, es ging — und zwar auf der ganzen Linie. Sparmassnahmen wurden durchgeführt, der ganze Betrieb durchrationalisiert, in die Büros strömte kaufmännische Zugluft, an den Schaltern und in den Wagen sah man entgegenkommendere und freundlichere Gesichter — es ging. Aus einer Zeit der Betriebsdefizite konnte man in eine solche der Ueberschüsse hineinfahren. Eine günstigere Wirtschaftskonjunktur verband sich mit dem neuen Geiste. So haben wir auch keinen Grund, pessimistisch in die Zukunft zu schauen, haben auch keinen Grund, durch höhere Beiträge immer wieder neue Begehrlichkeiten zu wecken. Das «Fuhrwerk des Bundes» fährt gut und es wird ihm bei gleichbleibender Führung und gutem Gespann möglich sein, auch weiterhin erfreuliche Ueberschüsse einzubringen. Aus diesen Gründen wohl auch hat der Bundesrat einstimmig sich für eine Subvention von 35 Millionen Franken ausgesprochen. Er hat sich vom richtigen Gedanken leiten lassen, dass die Bundesbahnen sich selbst zu erhalten hätten. Er hat zwar den Begriff Subvention aus leicht verständlichen Gründen umgangen und spricht nur von einem geschuldeten Ausgleich. Mit irgend einem Ausdrucke muss man ja die Sache begründen können, um so mehr, da bereits ein zweiter Reflektant vor der Türe steht und sich für. die Privatbahnen ebenfalls einige Millionen sichern möchte. Der Bundesversammlung lagen drei Anträge vor. Eine Kommissionsminderheit, mit Herrn Nationalrat Moser als Sprecher, wollte eine Vergütung von 50 Millionen ausrichten, und Herr Nationalrat Bratschi, der in seiner Eigenschaft als Sekretär des Eisenbahnerverbandes dafür zu sorgen hat, dass nicht mehr als acht Stunden gearbeitet und das 99 gegen 52 Stimmen für den Antrag der Kommission ausgesprochen. Die Bundesbahnen werden auch mit. 35 Millionen Franken zufrieden sein und es ist nur zu hoffen, dass sich der Ständerat in dieser Angelegenheit dem Beschlüsse des Nationalrates anschliessen wird. Das Kriegsdefizit, der Bundesbahnen sinkt auf rund 150 Millionen Franken herunter. Es wird dem «glänzenden Staatsbetriebe» wohl möglich sein, Schritt für Schritt sich weiter selber zu sanieren. Es ist schliesslich auch gar nicht gesagt, dass gerade unsere Generation • alle entweder mit Barrieren ausgerüstet oder aber, hauptsächlich im Zuge der Nebenbahnen, gänzlich unbewacht. Die Verordnung Automobil den gleichen unwirtschaftlichen Einschränkungen unterworfen wird wie dieschafft hier eine weitere Art der Uebergangskennzeichnung, diejenige durch optische und verpolitisierten Bahnen, wollte sich seine 80 Millionen Franken sichern. Die grosse akustische SignaÜisierumg mittels eines durch Mehrheit des Rates aber war davon Bahnpersonal oder automatisch durch den überzeugt, dass die 35 Millionen Franken für Zug betätigten Warnsignals. Der Strassenbenützer wird also in Zukunft zu unterschei- die Bundesbahnen genügen dürften und hat sich deshalb in der Hauptabstimmung mit den haben zwischen: «Gut. Und um wieviel Uhr waren Sie im Ranelagh?» «Ungefähr um 6 Uhr. Oder es mag auch 7 gewesen sein. Ich habe nicht genau aufgepasst.» «Aber Sie können doch nicht zwischen zwei und drei Stunden gebraucht haben» um von hier zum Ranelagh zu kommen? Wie haben Sie denn das gemacht?» s«Ich ging das grösste Stück zu Fnss.» «Aber wie ist 'dir denn das nur eingefallen, Dolores?» fragte Cranmore. «Da hast du ja das ganze Polo versäumt . . .» «Ich hatte Kopfweh und dachte, der Spa 1 - ziergang würde mir gut tun.» Nun mischte sich Manderton wieder ein. «Darf ich fragen, wie Sie da gegangen sind?» «Ich ging nicht den ganzen Weg zu FUSSL Bei der Hammersmithbrücke nahm ich ein Auto.» «Aber bis zur Hammersmithbrücke? Welchen Weg sind Sie da gegangen? Und haben Sie sich irgendwo aufgehalten?» «Nein!» Dolores erhob sich mit einem Ruck. «Ich kann nicht mehr antworten. Sie machen mich verwirrt. Es war doch solch ein Schock und ich weiss nicht mehr, was ich sage. Jim, lass mich jetzt auf mein Zimmer gehen . . .» «Ich will Sie nicht mehr länger bemühen,» sagte Manderton, nickte Cranmore kurz zu und ging schnell aus dem Zimmer. Boulot folgte ihm und holte ihn' in der Halle ein. «Zu Sägspänen werd ich das Alibi dieses jungen Frauenzimmers zerpflücken!» rief er {Kriegslasten auf sich nehmen müsse. Zudem ist ja nach einem bekannten Ausspruche Bis-. marks Politik die Kunst des Möglichen. Die Bundesfinanzen leisten wohl mit, der Ausschüttung der 35 Millionen ihr Möglichstes. Politik ist des fernem richtiges Handeln, das auf eine gründliche Sachkenntnis abstellt und sich nicht einfach von menschlichen Instinkten und Trieben leiten lässt. Mit einer Aus« schüttung von 35 Millionen Franken glauben wir, dass die Bundesversammlung gegenüber den Bundesbahnen richtig und korrekt ge* handelt hat. K. Signalisierung der Niveaukreuzungen Referat von Herrn Direktor Hunziker an der Sitzung der vereinigten Kreiseisenbahnrat© (29. Mai 1929). Mit Beschkss vom 7. Mai 1929 hat der Bundesrat auf Antrag seines Eisenbahndepartementes eine Verordnung über den Abschluss und die Signalisierung der Niveaukreuzungen der Eisenbahnen mit öffentlichen Strassen und Wegen erlassen, welche bezweckt, die sämtlichen öffentlichen Niveauübergänge im ganzen Lande den Strassenbenützern klar und einheitlich kenntlich zu machen. Nachdem sich Ihre Versammlung bereits einmal, in der Sitzung vom 24. November 1927, mit der Frage der Niveauübergamgssicherung befasst hat und der Sprechende Ihnen über den damaligen Stand der Angelegenheit.einige .Mitteilungen machen durfte, wird es für Sie von Interesse sein, die hauptsächlichen der neuen Vorschriften kennen zu lernen. Der Geltungsbereich der am 1. Juni in Kraft tretenden Verordnung erstreckt sich auf die sämtlichen öffentlichen Niveauübergänge der auf Schweizergebiet liegenden Bahnlinien. Bisher waren diese Uebergänge wütend. «Sie soll lernen, was es heisst, Georg Manderton zum Narren halten zu wollen! Kommen Sie um drei Uhr heut nachmittag auf die Station, Boulot, dann können Sie zuschauen, wie ich ihr den Garaus mache. Ich mache sie verwirrt!! Wenn sie wüsste, was ich in meiner Tasche habe, dann würde sie um ein Gutteil noch mehr verwirrt sein . . .» «Aergern Sie sich doch nicht, alter Freund,» sagte Boulot besdhwichtigend. «Sie wollen beweisen, dass sie gestern im Atelier war, nicht? Das ist schon bewiesen. Ja, ja, ich, Boulot, behaupte das. Und was ist nun mit dem Quayre?» «Er wird die Nacht im Untersuchungsgefängnis zubringen. Das ganze Fenster seines Schlafzimmers ist voll von seinen Fingerabdrücken. Ich sagte Ihnen doch, dass er da ausgerückt ist...» «Und das Messer?» «Dieser Esel von Drogist hat's geputzt! Nichts mehr darauf zu sehen.» «Dumm! — Und haben Sie den jungen Mann zum Sprechen gebracht?» «Noch nicht, aber ich werd ihn dazu bringen!» Boulot zog einen versiegelten Briefumschlag aus der Tasche. «Tun Sie mir den Gefallen, alter Freund,» sagte er überredend, «und geben Sie dem jungen Mann diese Note. Sie enthält nur eine Frage, die ihn zum Sprechen bringen wird. Wir wollen dann miteinander seine Geschichte hören.» Manderton zögerte einen Augenblick, dann nahm er den Umschlag an sich. «Ich weiss nicht, ob ich dazu berechtigt Dem effektiven Bahnabschluss durch geschlossene Barriere, dem signalisierten Bahnabschluss durch' optisch - akustische Sigmalisierung und der blossen Kemtlichmachnng unbewachter Uebergänge durch ein Warnsignal. Die Kennzeichnung dieser drei Arten des Bahnabschlusses erMgt am Gefahrpunkt selber und zwar für die beiden ersteren, effektiver und signalisierter Bahnabschluss, durchs dreieckförmige Signale, für die leztere Art, die blosse Keimtlichmachung, durch ein Kreuzsignal. Dabei wird mit bezug auf die Strassen mit erheblichem Motorfahrzeugverkehr im einzelnen folgendes vorgeschrieben: Beim Vorhandensein von Barrieren sind an diesen selber gleichseitige Dreiecktafeln von 70 cm Seitenlänge mit schwarzem Rand und weissem Feld zu befestigen und zwar an der für die Anfahrrichtung bestsichtbaren Stelle. Je nach den örtlichen Verhältnissen, sind entweder im schwarzen Dreieckrand rot reflektierende Glaskörper, oder es ist int weisseo Feld ein rotes Licht anzubringen. Durch diese Dreiecksignale wird bezweckt, die geschlossenen Barrieren den Fahrzeug* lenkern besser kenntlich zu machen und zwar namentlich auch zur Nachtzeit. Die Bundesbahnen sowohl als auch verschiedene Privatbahnen haben eine Grosszahl ihrer Barrieren bereits mit diesen Einrichtungen versehen, sie sollen nunmehr an den Barrieren sämtlicher öffentlicher Uebergänge angebracht werden. bin,» antwortete er.« Eigentlich müsste ich erst sehen, was darin steht.» «Dann geben Sie's dem jungen Mann oifen. Aber, bitte, lesen Sie's nicht vorher.» Der Engländer nickte und steckte den Unu schlag in die Tasche. Boulot brachte ihn bis zur Haustür. Er sah, als Manderton in sein Auto stieg, wie er einem Mann ein Zeichen machte, der gegenüber an einer Wand lehnte und in einer Zeitung las. XII. Nur vne ein Schatten. Mandertons Wagen wurde von einem ent* gegenkommenden Auto; gekreuzt, das vor Cranmores Haus anhielt. Boulot sah, wie ihm eine zierliche, kleine Dame entstieg, der ein grosser, junger Mann heraushalf. «Gott sei Dank,» hörte er Cranmores Stimme hinter sich, «dass Letty und Georg endlich da sind.» Lettice Harbury, "Jim Cranmores verheirä-s tete Schwester, hatte helle, braune Vogelaugen, graues Haar und eine schnelle, be* stimmte Art, die den Eindruck von Härte ge-< macht hätte, wenn nicht die Wärme ihres Wesens überall durchgebrochen wäre. Sie schüttelte ihrem Bruder kräftig die Hand, machte aber keine Anstalten, ihm, einen Kuss zu geben. «Meine liebe Letty,» sagte Cranmore, «DoV» lores ist ein bisschen auseinander. Sie ist im Wohnzimmer. Es wäre nett von dir, wenn da dich nach ihr umsehen würdest.» Mrs. Harbury Hess die Hand ihres Bruders los und eilte ins Haus. Die drei Männer folgten ihr. Dolores lag halb ausgestreckt, mit geschlossenen Augen, auf dem gelben Diwan, (Fortsetzune folgtJ