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E_1929_Zeitung_Nr.048

E_1929_Zeitung_Nr.048

Ausgabe? Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 31. Mai 1929 25. Jahrgang. - N» 48 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. f'ostcneck-Rechnuns» 111/414 felephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Das erste Hunderttausend überschritten Die Ergebnisse der eidg. Motorfahrzeugstatistik pro 1928. Als der Ausweis für das Jahr 1927 ein Total von 85 981 Motorfahrzeugen für die ganze Schweiz ergab, da sprachen wir die bestimmte Erwartung aus, im kommenden Jahre werde das erste Hunderttausend nicht nur komplettiert, sondern auch bereits überschritten. Die Resultate der auf 31. Dezember 1928 abschliessenden Zusammenstellung des eidgenössischen statistischen Amtes haben uns Recht gegeben. Um die Entwicklung des Motorfahrzeugwesens richtig würdigen zu können, ist es wohl am zweckmässigsten, die Pauschalergebnisse der letzten Jahre miteinander zu vergleichen, wie dies in folgender j Tabelle der Fall ist. Personenwagen', Lastwagen- und Motorräder- bestand der Schweiz: i il I I 1 Ende lfllO 2276 326 4647 7 249 Ende April 1913 4665 751 4954 10 370 Ende April 1914 5411 920 5 504 11835 Ende 1917 5076 1216 3113 9 405 Ende Juni 1922 15 011 5 790 9 753 30554 Ende Juni 192~3 16 697 6 342 10 510 33 549 Ende 1924 22540 8 253 „13 664 - 44 457 Ende 1925 ' 28 697' 8 929 18 967 "" 56 593 Ende 1Ö26 36 070 10 857 23600 70027 Ende 1927 42 369 12 078 31 534 85 981 Ende 1928 50 168 13143 38 432 101 743 Aus dem Inhalt heutiger Nr.: Seite 2: Aktuelles vom Tage. « 3: Sport. « 5: Aus den Kantonen. « 7: Technik. « 11: Unsere T. C. S.-Seite. aa 518 374 328 413 127 116 70 57 46 39 Wir ersehen daraus, dass seit dem Jahre 1917, also innert 11 Jahren, sich der Bestand jeder Fahrzeugkategorie gerade verzehnfacht hat! Die für das Automobil sprunghaft sich auswirkende Entwicklung setzt hauptsächlich ab 1923 ein, welche Progression bis Ende 1928 unaufhaltbar fortgeschritten ist. Wenn die Gesamtzunahme von einem Jahre auf das andere für 1927 und 1928 fast gleich geblieben ist, indem sie im ersteren 15 954 und im letzteren 15 762 betrug, so stellt der Statistiker einen Rückgang in der relativen Vermehrung ein, indem sie pro 1927 noch 22,8 Prozent, für das Berichtsjahr nur 18,3 Prozent betragen hat. Bekanntlich hat aber die eidgenössische Motorfahrzeugstatistik bis im letzten Jahre an dem grossen Grundübel gekrankt, dass die Zahl der in jedem Kanton ausgegebenen Verkehrsbewilligungen und nicht die Zahl der besteuerten und damit verkehrsberechtigt gewordenen Fahrzeuge erfasst wurde. Wenn also ein Fahrzeug innerhalb eines Jahres den Besitzer wechselte und dabei gleichzeitig eine weitere Verkehrsbewilligung für den neuen Besitzer ausgestellt wurde, so erfolgte auch in der Statistik eine doppelte Aufzählung des nämlichen Vehikels. Deshalb waren die bisherigen Angaben ungenau und die Zahlen höher als der effektive Bestand. Unter der Führung des Kantons Zürich, wo sich städtisches und kantonales statistisches Amt seit längerer Zeit mit Energie für die Revision des Auszählungssystemes einsetzten, haben nun eine Reihe Kantone dem eidgenössischen Bureau für 1928 erstmals die zuverlässigen Unterlagen geliefert durch Angabe der tatsächlich fahrberechtigten Autos und Motorräder. Dadurch hat sich der in den bisherigen jährlichen Aufstellungen eingeschlichene Fehler natürlich wesentlich verringert, und sind die Zahlenergebnisse dem wahrheitsgetreuen Bestand an Motorfahrzeugen sehr nahe gekommen. Der Fehler ist zwar dieses Jahr noch nicht ganz ausgemerzt worden, indem einige Stände immer noch, über die Zahl der Verkehrsbewilligungen berichteten. Das eidgenössische statistische Amt teilt uns aber mit, |3 dass es alle Vorkehrungen getroffen habe, um für die Berechnung des Ergebnisses pro 1929 ein durchaus zuverlässiges und einheitliches Unterlagematerial von den Kantonen zu erhalten, so dass wir mit nächstem Jahr endlich eine einwandfreie Landesstatistik für Motorfahrzeuge haben werden. Wie gross die Differenz bei der Einstellung der einen oder andern Zahlen sein kann, sei am Beispiel des Kantons Zürich, für den gerade beide Unterlagen vorliegen, erläutert. Laut dem Ausweis der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle wurden im Jahre 1928 total 8603 Verkehrsbewilligungen für Personenautomobile und Gesellschaftswagen, sowie 6739 Bewilligungen für Motorräder ausgegeben. Die Zahl der verkehrsberechtigten Autos beziffert sich aber nach der eidgenössischen Zusammenstellung nur auf 7840 und diejenige der Motorräder auf 5723. Also allein für den Stand Zürich ergibt sich ein Unterschied von 1779 Fahrzeugen, je nachdem die Verkehrsbewilligungen oder die besteuerten Fahrzeuge in Berücksichtigung gezogen werden. Es ergibt sich daraus, wie sehr man die Ergebnisse der früheren Jahre mit Skepsis aufnehmen muss, und wie wenig von einem effektiven Rückgang der relativen Zunahme gesprochen werden kann. Wir können uns deshalb der Auffassung des eidgenössischen Statistikers, diese Aenderung in der Entwicklung «beruhe, wenn auch nur zu einem kleinen Teil, auf einem Schein », keineswegs anschliessen, da schon das Beispiel für Zürich zeigen dürfte, welche ganz beträchtlichen Fehlerquellen die bisherige Zählweise in sich schloss und die festgestellte relative Abnahme deshalb zum allergrössten Teil auf die vorerwähnten Unterschiede im Verrechnungssystem zurückgeführt werden müssen. Das Personenauto hat innerhalb der verschiedenen Motorfahrzeugkategorien seit 1922 die nämliche Position inne, indem durchwegs rund die Hälfte der gesamten Motorfahrzeuge auf diese Kategorie entfallen. Bei den Lastwagen sowie den Motorrädern hat sich dieses Verhältnis aber wesentlich zugunsten der letzteren verschoben, indem die Vermehrung der Nutzfahrzeuge und Traktoren für das Jahr 1928 nur 8,8 Prozent ausmacht, bei den Motorrädern für die nämliche Zeit aber 21,9 Prozent erreicht. In den letzten 5% Jahren hat sich der Bestand an Personenautos etwa verdreifacht, derjenige der Lastwagen verdoppelt und der Bestand an Motorrädern vervierfacht. Die Verteilung der Fahrzeuge auf die einzelnen Kantone ergibt folgendes Bild (der Vollständigkeit halber geben wir gleich die Tabelle für alle Fahrzeugkategorien wieder): In absoluten Zahlen betrachtet, war also auf Ende 1928 Bern der motorfahrzeugreichste Kanton, der durch eine geringe Differenz Zürich den Rang streitig machen konnte, das seit Jahren unbestritten immer zu oberst in der Liste stand. Die drei Kantone mit Beständen über 10,000 Stück, Bern Zürich und Waadt verfügen allein schon über 43 % des ganzen Landesbestandes. Appenzel I.-Rh. weist nach wie vor den geringsten Fahrzeugpark auf, der noch nicht einmal das erste Hundert erreicht hat! Insgesamt zählen wir noch sieben Kantone mit weniger als 1000 Motorfahrzeugen. Natürlich handelt es sich hier um die inneren und die übrigen Bergkantone: Uri, Ob- und Nidwaiden, Glarus, Zug, sowie die beiden Appenzell. Setzen wir nun die Motorfahrzeuge mit der jeweiligen Kantonsbevölkerung in. Beziehung, so ändert sich das Bild' ganz wesentlich. Dem Städtekanton Genf fällt alsdann die Ehre zu, der motorfahrzeugreichste Stand der Eidgenossenschaft zu sein, der bezüglich der Fahrzeugdichtigkeit die anderen Kantone weit hinter sich lässt. Ist' in Genf schon jeder 18. Einwohner im Besitze eines solchen Beförderungsmitteis, so trifft dies in der Waadt, die im zweiten Range folgt, erste jeden 30. Bewohner. Nach Neuenburg, das mit 32 Einwohnern pro Fahrzeug'an dritter Stelle steht, folgen in kurzen Abständen die übrigen verkehrsreichen Kantone Zürich, Basel-Städt, Aargau, Bern, Baselland, Luzern und Sblothurn. Während in der Mehrzahl dieser Kantone unter den Motorfahrzeugen das Automobil an erster "Stelle steht, ist der Motorradbestand in Solothurn und Baselland bereits etwas grösser, erreicht aber eine erdrückende Mehrheit hauptsächlich im Kanton Aargau, wo rund 1500 Motorräder mehr stehen. Eine bescheidene "Motorfahrzeugdichtigkeit mit 100 und mehr Einwohnern auf ein Fahrzeug ergibt sich in Graubünden, Uri'und in Appenzell I.-Rh., wo es erst auf jeden 152. Einwohner ein Motorvehikel trifft. Eine grössere Rolle spielt der Lastwagen in den Kantonen Zürich, sowie in den beiden Basel, da dort die Zahl der Nutzfahrzeuge jeweilen wenigstens ein Fünftel des gesamten Bestandes darstellt. Wie sehr einschränkende Bestimmungen die Entwicklung einer Fahrzeugkategorie hintanhalten können, zeigt sich besonders im Kanton Graubünden, der trotz seines ausgedehnten Strassennetzes und seinem eminenten Verkehrsbedürfnis nur 22 Lastwagen zählte, weil dort durch Schutzgesetze für die Bahnen der Aktionsradius der Nutzautomobile ein sehr beschränkter ist. Es ist jedoch zu hoffen, dass auch in diesem Kanton die hemmenden Barrieren für den Lastwagen fallen werden, in dem Augenblick, da der Kanton ein Viermillionen- Strassenbauprogramm verwirklichen will. Die Provenienz und die Stärke der einzelnen Automobilmarken geht aus der obenstehenden Tabelle hervor: pfc | Pe re ~^e7~ || Ust^gen') II M(„ er 1 Tot». 1 £»*£ KaHtOn6 |~~^ ^8~" 1927 1928 1928 192? 1928 '"gg" Zürich 6965 7840 I 3198 3039 5723 15162 16602 34 Bern 6523 82981584 1491 6886 14201 16675 42 Luzern 1772 2 5 1 0 6 2 2 624 1699 3655 4833 38 Uri 96 1 0 9 3 0 25 93 211 227 112 Schwyz 380 4 4 5 1 5 4 158 456 873 1059 68 Obwalden. . . . 1 0 8 • 1 3 4 4 0 48 73 211 255 72 Nidwaiden . . . 1 1 2 1 2 6 3 8 52 89 224 267 65 Glarus 237 2 7 3 4 9 53 185 438 611 - 67 Zug 281 3 4 1 9 9 137 257 576 735 46 Freiburg ....1169 1361191 190 1292 2247 2843 53 Solothurn. . . .1325 1608317 369 1629 3071 3606 39 II Basel-Stadt. . .1620 2 1 8 5 7 9 7 934 999 3261 4118 37 Basel-Land . . . 6 7 6 8 3 8 4 3 2 483 1018 1926 2339 38 II Schaffhausen . . 4 6 8 5 7 2 1 7 7 203 556 1095 1331 40 Appenzell-A. Rb...285 3 7 3 5 4 56 288 586 717 77 Appenzell-I. R h . . 4 4 4 4 7 7 45 82 96 152 St. Gallen. . . .2226 2 5 5 8 4 4 8 617 1730 4015 4805 63 Graubünden. . . 3 9 5 5 8 9 2 8 22 622 855 1233 100 Aargau 1964 2 2 9 9 6 7 6 746 3806 4656 6851 37 Thurgau ....1274 1532326 359 1441 2705 3332 42 Tessin ......1430 1440298 291 1015 2575 2746 56 Waadt . . . . 5 2 9 8 5862916 1007 3789 9671 10658 30 Wallis 701 8 6 6 1 9 3 187 541 1676 1594 85 Neuenburg . . .1706 1945364 400 1555 3379 3900 32 Genf ......5304 58831047 1091 2479 8625 9453 18 Verwaltung u. Betriebe d. B u n d e s - 1 3 7 - 654 166 957_ - Total 42369 50168 12078 13143 38432 85981 101743 39 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Personenwagen: > Fiat (Italien) 8467 Citroen (Frankreich) 4720 Buick (U. S.A.) 2693 Ford (U S. A.) 1978 Peugeot (Frankreich) 1919 Chrysler (ü S. A.) 1737 Renault (Frankreich) 1641 Chevrolet (U.S.Ä.) 1442 Ansaldo (Italien) 1181 Essex (U.S. A.) 1008 Benz-Mercedes (Deutschland) Ö25 Amilcar. (Frankreich) 826 Mathis (Frankreich) 807 Studebacker (U. S. A.) 798 Martini (Schweiz) 758 Overland (U. S.A.) 747 Saurer (Schweiz) ' Berna (Schweiz) Ford (U. S A.) Fiat '(Italien) Fordson (U S A.) Chevrolet (U. S. A.) 2375 1163 1065 1038 756 668 16,9 9,4 5,4 3,9 3,8 3,5 3,3 2,9 2,0 1,8 1,6 1,6 1,6 1.5. 1,5 18,1 8,8 8,1 7,9 5,8 5,1 74,5 30,9 15,9 11,7 12,6 10,3 10,7 8,5 10,4 5,9 35,7 5,4 5,3 4,7 45,1 4,4 45,8 22,4 35,0 68,8 24,8 21,9 Der Aufstellung ist zu entnehmen, dass Fiat, gleich wie im Vorjahre, immer noch mit grossem Vorsprung an erster Stelle steht. Während bei den Personenwagen die Stellung der Schweiz zufolge der Fabrikation einer'einzigen Firma eine bescheidene ist, führt das Inland erfreulicherweise bei den Lastwagen, wobei unsere beiden nationalen Marken Saurer und Berna überhaupt an erster Stelle stehen. Wir sehr sich bei der Einfuhr in den letzten Jahren aber das Verhältnis bei den Importländern zugunsten der Vereinigten Staaten verschöben hat, zeigt der Statistiker an folgenden Unterlagen: Beteiligung der Herkunftsländer am Auto* mobilbestand: Herkunftsland Marken Lastwagen: 03 ta Bestand und prozentuale Beteiligung! 1926 1927 1928 Stück % Stück % Stück % Schweiz 6170 13,5 6 369 11,7 6 865 10,8 Deutschland 4016 8,8 4 058 7,5 4 024 6,4 Frankreich 13 491 29,6 15 320 28,1 16 859 26,6 Italien 9 647 21,1 11972 22,0 12 871 20i3 U.S.A. 9 814 21,5 14142 26,0 19 992 31,6 Amerika hat also seit 1926 die beiden Hauptimportländer Frankreich und Italien ordentlich überholt und sie absolut sowie auch prozentual überflügelt. Zurückkommend auf das Endergebnis der Statistik für das Jahr 1928, deren Resultate sieh durch die Praxis bereits wieder wesentlich nach oben verschoben haben werden, zeigt sich, dass die Motorisierung unseres Landes unvermindert anhält. Wenn wir aber bedenken, dass trotz einer Verzehnfachung des Bestandes innerhalb elf Jahren die Verkehrsgesetzgebunig durch das Konkordat, das seit 15 Jahren besteht, immer noch die gleiche ist, so geht schön hieraus die dringende Notwendigkeit einer gründlichen Revision der einschlägigen Bestimmungen hervor. Anderseits aber lässt sich auch hier ermessen, welche Bedeutung der Gesamtheit der Motorfahrzeugbesitzer als Bürger und Stimmberechtigte zukommt. Treten sie als eine geschlossene Phalanx auf, so vermag ihr Entscheid doch das Endergebnis jeder Abstimmung in der einen oder andern Richtung fühlbar zu beeinflussen. Es ist deshalb auch keine verfrühte Forderung ^rnehr, wenn die politischen Parteien von den Verkehrsverbänden ersucht werden, bei der Aufste"ung von Nominationen durch geeignete Kandidaten auch die Interessen der Motorfahrzeugbesitzer wahren zu lassen. Der Markstein des ersten Hunderttausend liegt nun bereits hinter uns: die Entwicklung schreitet aber tüchtig weiter und ist nur zu hoffen, dass der bemerkenswerte Abschluss der Etappe 1928 auch überall die nötige Beachtung findet, damit vorab Gesetzgebung und Strassenwesen mit der fortschreitenden Motorisierung des Landes besser Schritt halten. z. Das Feuilleton musste raumeshalber für diesmal verschoben werden. •2,4 m