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E_1929_Zeitung_Nr.052

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Ausgäbe: Detrt«che Schweiz. BERN, Freitag 14. Juni 1929 Nummer 20 Cts. 2.T. Jahrgang. - N° 52 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlieh „Gelbe Litte" Halbjihrllch Fr. 5.—, Jährlich FT. XO.-. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht poctamtlich bestellt Zuschlag für pottamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breltenrainstruse 97, Bern Rappen. r>ostcheek-Rechnuns 111414 lelephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaJtene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach SeitentarU. : Inswalenscliiuss 4 Tan« vor Erscheinen der Vninnrnn Aus dem Bundeshaus Schutz der StrassenbenOtzer — Die Forderungen der Nebenbahnen Die zweite Sessionswoche hat im Nationalrat entsprechend der Föhnstimmung, die sich über die Bundesstadt ausbreitete, recht schwül eingesetzt. Allem Anschein nach scheinen die Nachmittagssitzungen den Herren nicht gerade wohl zu bekommen, ganz besonders dann nicht, wenn der Geschäftsbericht des Bundesrates zur Diskussion steht und damit Gelegenheit geboten ist, Herz und Galle ungehemmt zu entleeren. Auf dem Gebiete des politischen Departements wurden von verschiedener Seite starke Attacken geritten. Plötzlich erkannte man das friedliche schweizerische Parlament mit seinem plätschernden Redefluss und seinen in die Zeitung guckenden Volksvertretern nicht mehr. Bewegung war in die Masse gekommen. Hatten schon Bundesrat Motta und der aargauische Nationalrat Schmid sich ein heftiges Duell geliefert, so standen nun plötzlich zwei tessinische Heissporne einander gegenüber, denen die schrille Glocke des Ratspräsidenten nichts mehr bedeutete. Umgeben von einem Knäuel sich plötzlich interessierender Ratsherren lagen sich zwei tessinische Kampfhähne in den Haaren, die sich in ihrer schönen Sprache sogar die «angenehmsten Dinge» zu sagen wussten! Die Tessiner sind uns nichtsdestoweniger ein liebes Völklein geworden — wir kennen sie aus dem A. C. S. und dem T. C. S. und wissen, dasi ihr Herz am Wehten Flecke klopft. Deshalb ist auch dtr Nationalrat bereit, ihren kulturellen und wirtschaftlichen Bedürfnissen in weitgehendstem Masse entgegenzukommen. Eine weit ruhigere Stimmung herrschte im Saale, als der unentwegte Verfechter des Automobils, Herr Vallotton-Warnery, auf die Lücke im Rechtsschatz für die schweizerischen Strasseribenützer hinwies, solange die automobilfahrenden fremden Diplomaten nicht vor den schweizerischen Gerichten* für ihre Missetaten belangt werden können. Wir haben ; darüber in der «Automobil-Revue» •unsere Auffassung ausdrücklich kundgegeben und können uns der Ansicht des Herrn Vallotton nur arlschliessen. Es muss unbedingt geprüft werden, ob in bezug auf die Haftpflicht nicht die Exterritorialität der fremden Gesandten eingeschränkt werden Der Fall Cranmore "Kriminal-Roman von V. WiUiam8. Copyright .1925 by Gearr Müller Verla« A.-G., München. (14. ForuetEang) Das Gespräch verstummte. Um das pemliche Schweigen zu überbrücken, zog Mr. Soker aus seiner Westentasche einen sehr schmutzigen Bleistift und begann sich die Zähne damit zu stochern. «Da nun meine Schwester doch nicht da ist,» fing er dann wieder an, «... wenn ich Ihnen vielleicht mit was dienen könnte?» Er streckte die Hand aus und machte mit den Fingern eine eigentümliche Bewegung. Wenn's nichts Unrechtes ist ... ich muss aufs Geschäft und meinen guten Namen Rücksicht nehmen . . .» «Zum Henker, mit wem glauben Sie denn, das Sie reden?!» brach der Fremde los. «Halten Sie mich für einen Spitzbuben oder was sonst?» «Bitte, bitte, ich wollt Sie nicht beleidigen.» «Dann halten Sie Ihre Zunge im Zaum, oder 's könnt was geben!» Der Fremde wandte sich um. «Da kommt Ihre Schwester die Strasse herunter,» sagte er. «Ich möchte Sie überraschen, sagen Sie nichts, dass ich da bin. Ich stell mich hinter den Schrank da und wenn Ra . . . Rosa im Laden ist, werd ich herauskommen.» Und als Mr. Soker diesen Vorschlag mit etwas rnisstrauischem Gesicht kann. Herr Vallotton schlägt zur Abhilfe des Missstandes vier Massnahmen vor. Es soll kein fremder Diplomat ohne Fahrbewilligung ein Automobil steuern dürfen. Die Bewilligung ist ihm zu entziehen, wenn ein Unglücksfall verschuldet wird. Ferner ist allen Diplomaten die Haftpflichtversicherung vorzuschreiben und den Opfern von Automobilunfällen ein direkter Anspruch gegen die Versicherungsgesellschaft einzuräumen. Auf alle Fälle geht es nicht mehr an, dass, wie es bei den Gesandten von Uruguay und China der Fall war, Einheimische zu schwerem gesundheitlichem und materiellem Schaden gelangen, die fremden Diplomaten sich aber in unfairer Weise drücken können. In dieser Hinsicht hat' uns die Antwort des Herrn Bundesrat Motta beruhigt, teilt er doch die Auffassung des Herrn Vallotton. Der Bundesrat ist bereit, von den fremden Diplomaten einen inländischen Ausweis und genügende Versicherung zu fordern. Ebenfalls ist Herr Motta gewillt, die Frage zu prüfen, ob den Opfern der von Diplomaten verursachten Autounfälle nicht das Recht des direkten Schadendeckungsanspruches gegenüber den Versicherungsgesellschaften, bei denen die betreffenden Diplomaten versichert sind, einzuräumen Sei. ' i Die -zwölf Millionen Franken, unserer Nebenbahnen haben angeklopft. Nieder einmal wird der Bundesrat eingeladen, diesmal' von Herrn Nationalrat Gnägi, Bericht und Antrag einzubringen, ob nicht auch den Nebenbahnen für ausserordentliche Aufwendungen in der Kriegs- und Nachkriegszeit eine angemessene Entschädigung auszurichten sei. Das Postulat ist von 35 Herren unterzeichnet worden, unter denen sich eine ganze Reihe Verwaltungsräte unserer verschiedenen Nebenbahnen befinden dürften. Auf alle Fälle ist auch Herr De Muralt, der Präsident der M. O. B. dabei, dann nicht zu vergessen der Glarner Herr Tschudy, Verleger des «Motor» und des «Auto-Touring». Herr Bundesrat Haab wird dieses Postulat mit sehr gemischten Gefühlen entgegennehmen, denn •«eines schickt sich nicht für alle, sehe jeder, wo er stehe, sehe jeder, wie er's treibe». aufnahm, fügte er hinzu: «Und wenn Sie auch nur einen Ton von sich geben, mein Junge, dann schlage ich Sie in den Boden hinein, dass nur Ihr Hut noch herausschaut. Da können Sie Gift darauf nehmen!» > Die Angst beraubte Mr. Soker der Stimme. Im nächsten Augenblick trat Mrs. Amschel, erhitzt und mit rotem Gesicht, über die Ladenschwelle. Mit einem Ausruf der Erschöpfung Hess sie sich auf einen Küchenstuhl fallen, der mit dem Rücken gegen die Strasse dastand. «Ganz hin bin ich,» rief sie. «Und die Füsse tun mir weh! Grad, dass ich noch hergekommen bin. Issy, hol mir doch die Pantoffeln aus dem Schlafzimmer, schnell!»* Ohne eine Antwort abzuwarten, begann sie, ihre Schuhe aufzuschnüren. So konnte sie den Fremden nicht sehen, der aus seinem Versteck hervorgetreten war und sie mit zynischem Lächeln betrachtete. Dann sah sie auf, und ihr Gesicht verzerrte sich in schrecklicher Weise. Leichenblässe breitete sich darüber, ihr Mund,zuckte, und ein Ausdruck des Entsetzens kam in ihre schwarzen Augen. Sie streckte eine ihrer fetten Hände aus, wie um sich zu verteidigen, während ihr Bruder die beiden misstrauisch beobachtete. Er wollte gerade etwas sagen, aber der Fremde packte ihn beim Kragen und zog ihn aus seinem Winkel hervor. «Hinaus mit dir!» befahl er kurz. Mr. Soker hielt sich nicht mit Einwendungen auf. Seine Gewohnheit, achtzehn Stunden von den vierundzwarrzig des Tages den Holt auf dem Kopfe zu behalten, erlaubte ihm, ohne Unsere schweizerischen Nebenbahnen treiben es nicht so schlecht in den letzten Jahren. Die Sihltalbahn z. B. schloss für das Jahr 1928 mit einem Einnahmeüberschuss von 335 000 Franken ab. Ihre Einnahmen sind um 69 000 Franken gestiegen. Die Traces der Bahn konnten überall ausgebaut werden und trotzdem langte es noch zu einer Dividende von- 4 %. Die Finanzlage verschiedener bernischer Bahnen hat sich in letzter Zeit ebenfalls in erfreulicher Weise gebessert. Trotzdem beispielsweise die Gürbetalbahn ein noch besseres Besoldungsgesetz aufweist als die Bundesbahnen, konnte sie im letzten Jahre einen Ueberschuss von 530000 Franken herauswirtschäften, damit verschiedene Betriebsschulden vermindern und die Kreditforderung der Kantonalbank von Bern begleichen. Der Betriebsleitung ist dafür nur Anerkennung zu zollen. Ein gutes Ergebnis verzeichnet auch die Erlenbach-Zweisimmen- Bahn; indem auch hier die Gesamtbetriebseinnahmen'um rund 40 000. Franken höher sind als diejenigen im Vorjahre. Die Spiez- Erlenbach-Bahn erzielte sogar einen Einnahmeüberschuss von 221000 Franken und die Berri-Schwarzenburg-Bahn vermochte ihren Einnahmeüberschuss von 117 000 auf 171000 Franken zu steigern. Von den. eigentlichen Bergbahnen wollen wir gar nicht sprechen, die ; meisten schwimmen gegenwärtig im Gelde. Es gibt daneben — leider, sagen wir — andere Unternehmungen, ganz besonders im Kanton Bern, die wirklich Mühe haben, sich durchzuhalten. Ob ihnen allerdings mit einer eidgenössischen Subvention auf die Bange geholfen" wäre, ist eine Frage für sich. Auch die Privatbahnen, wenigstens ein Grossteil unter ihnen, haben der. schweizerischen Volkswirtschaft Bedeutendes geleistet. Es sei ferne von uns, dies abzustreiten. Wir lehnen uns nur gegen jene Taktik auf, die während des Kampfes um die Strassenverkehrs-Initiative dem Schweizervolk plausibel zu machen versuchte, dass ein erhöhter Beitrag an die Strassenkosten der Kantone den Bund zum Bankerott führen müsste und die heute nun sich nicht scheut, trotz der angeblich prekären Lage unserer Bundesfinanzen wiederum neue Opfer von ihnen zu fordern. 35 Millionen den Bundesbahnen, 12 Millionen den Privatbahnen, das macht 47 Millionen Franken, die ohne Pleitegehen des Bundes « umgruppiert» werden sollen, während die «Umgruppierung» der 20 Millionen weiteres auf der Strasse zu erscheinen. Mit zwei Sprüngen war er draussen. XIV. Monsieur Boulot sucht das Motiv. Im Damenklub der Bondstrasse herrschte die mittägliche Ruhe eines Sommertages. Katie Carroll und Violet Morris, die beiden Servierfräuleins, standen am Tisch neben dem Speisenaufzug. Die beiden unterhielten sich leise über die 'Ermordung von Mrs. Cranmore. Katie Carroll war die letzte gewesen, die mit der schönen Mrs. Cranmore gesprochen hatte, und ihr flammend rotes Haar war demgemäss von der Gloriole der Sensation umwoben. Seit der «Planet» ihren Namen genannt hatte, war es ein begehrtes Ziel der Zeitungsphotographen, «das rote Servierfräulein» auf ihre Platten zu bringen. Es war aber jetzt kein Zeitungsmensch, der auf sie zukam, sondern Hawkins, der Klubpikkolo, der ihr mitteilte, dass sie unten im Bureau von einem Herrn erwartet würde. Und fast ehe er noch seine Botschaft ausgerichtet hatte, klingelte das Klubtelephon und die strenge Stimme von Miss Hardbake, der Sekretärin, forderte sie auf, sofort hinunterzukommen. Der Herr, der sie zu sprechen wünschte, war Boulot. Er hatte sich bei Miss Hardbake mit einer Visitenkarte Cranmores eingeführt und erklärt, dass er an Stelle seines unglücklichen Freundes gekommen wäre, um einige Auskünfte zu erlangen. Seine natürliche Liebenswürdigkeit hatte genügt, ihm das Herz der alten Jungfer zu erschliessen, die dem Klub als bezahlte Sekretärin vorstand. s Franken an die Kantone das equilibrierte Bundesbudget aus der. Waage hätte werfen sollen. Gegen solche nationalrätliche Machenschaften ist entschieden Protest einzulegen. Was übrigens die Entschädigung an die Privatbahnen anbetrifft, so dürften höchstens die Forderungen für die Kohlen- und •Elektrifizierungsposten als gerechtfertigt erscheinen. Die beiden machen annähernd 10 Millionen Franken aus. Wird im Verhältnis zu den Bundesbahnen subventioniert, so entfielen auf die Nebenbahnen, sofern man grundsätzlich für eine Subvention zu haben ist, ungefähr 2,5 Millionen Franken; diese stünden zu den 35 Bundesbahn-Millionen in keinem unbilligen Verhältnis. K. Ein Vierteljahrhundert Automobilismus im Kanton St. Gallen. Obgleich der Kanton St. Gallen kein «Lan3 der unbegrenzten Möglichkeiten» ist, so gibt er uns über die Entwicklung des Automobilismus doch ein ausserordentlich interessantes, in einzelnen Punkten sogar ein .überraschendes Bild von der Zunahme des Automobilund Fahrradverkehrs. Wobei allerdings zu sagen ist, dass die Verhältnisse sich in andern Kantonen ziemlich analog, entwickelt haben dürften. Dieser Rückblick zeigt uns auch, wie die Automobillrage nicht bloss eine Frage des Verkehrs.' ist, sondern auch zu einer Art « Strassenfrage» geworden ist, an deren Lösung gegenwärtig überall, wenn auch nicht mit dem gleichen Nachdruck, gearbeitet wird. Und Hand in Hand damit ist die Autofrage auch zu einer Finanzfrage geworden, für den. Aütomobilbesitzer einmal, dann aber vor allem für den Fiskus, der in allen Kantonen aus den Automobiltaxen,nicht bloss Hunderttausende von Franken herauszuholen versteht, sondern in grösseren Kantonen gleich Millionen. Bestimmte amtliche Angaben über den Stand des Automobilismus und das Fahrradwesen im Kanton St. Gallen stehen uns erst mit dem Jahre 1904, also seit genau einem Vierteljahrhundert, zur Verfügung. Doch ist anzunehmen, dass schon im Jahre 1903 im Kanton St. Gallen rund 100 Autos und Motorräder und gegen 8000 Velos zu zählen gewesen sein werden. Mit dem 1. Januar 1904 trat im Kanton St. Gallen die erste interkantonale Verord- Von ihr erfuhr er, dass es nicht möglich gewesen war, die Stunde genau festzustellen, wann Mrs. Cranmore am vergangenen Tag in den Club gekommen war. Dass. sie zwischen fünf und halb sechs Uhr dagewesen war, schien jedoch sicher. Mehrere Mitglieder hatten sie gesehen, aber nichts Ungewöhnliches an ihr bemerkt. Sie war weder ans Telephon gerufen worden, noch hatte sie mit irgend jemand gesprochen. Die einzige, die eine gewisse Ungeduld an Mrs. Cranmore beobachtet haben wollte, war das Servierfräulein, das ihr den Tee gebracht hatte. Aber auch eist dann, als sie nach der Rechnung rief, vorher sollte sie wie immer gewesen sein. Und gerade deshalb war es dem Mädchen aufgefallen, weil Mrs. Cranmore sonst immer die Liebenswürdigkeit selbst gewesen war. «Vielleicht,» schloss Miss Hardbake, «möchten Sie das Mädchen selbst sehen und mit ihr sprechen?» Zwei Minuten später stand Katie Carroll schüchtern und zitternd vor dem Franzosen. Boulots erster Blick galt immer den Augen. Katie Carrolls Augen befriedigten ihn. Es waren ehrliche und, was ihm in diesem Falle noch wichtiger war, kluge Augen, die ihn nun gespannt und etwas furchtsam anblickten. «Miss Hardbake' sagte mir, dass Sie Ihre Aussage bei der Polizei schon abgegeben haben, Fräulein. Sie wird ihr sicher von grossem Nutzen gewesen sein. Aber eine kleine Frage möchte ich noch an Sie stellen. Aus welchem Grunde wollte wohl nach Ihrer Ansicht Mrs. Cranmore den Club in solcher Eile verlassen?»