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E_1929_Zeitung_Nr.059

E_1929_Zeitung_Nr.059

Vtasgafr :.Deutsche Schweiz, BERN, Dienstag 9. Juli 1929 ftummer 20 Cts. • ,25. Jährgang. — N° 59 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE! Erscheint jeden Dienstag und Freitag ' Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoetueblag. ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für poitamtlicbe Bectellu&g 30 Rappen. Postcheck-Rechnun? 111/414 Telephon Bollwerk-39.84,' ' ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Wo stehen wir? Zur Frage des Automobilverkehrs mit Frankreich Leider noch vor keiner Lösung. Paris hüllt sich in Schweigen und Bern wartet vergeblich auf Antwort Daneben warten so und so viele Besitzer von Autocars, denen ein Grossteil ihres Erwerbes durch die Lahmlegung des Grenzverkehrs beschnitten wird, warten so und so viele Hoteliers vergeblich auf ihre Gäste. Trotz der offensichtlichen wirtschaftlichen Schädigungen hüben und drüben der Grenze, geschieht nichts. Es scheint ganz so, 'als wenn die französische Regierung zuerst das Zonenproblem als Ganzes; lösen möchte, bevor sie auf Detailfragen einzutreten gedenkt. Müssig die Frage, was das einte Problem, mit dem anderen zu tun habe. Die Absicht von Seite der' französischen Regierung liegt offensichtlich vor, beide miteinander zu ^verquicken. Die Versammlung von Divonne, höchstpersönlich von Herrn Minister Painleve und als Ausdruck wachsenden Unbehagens auch auf savoyiseher Seite aufzufassen, hat scheint's in Paris wenig Eindruck gemacht. Es ist deshalb nicht unnütz, wenn wir nochmals kurz, auf den Stand der Angelegenheit zurückkommen. Wie bekannt sein dürfte, erhebt Frankreich für alle ausländischen Automobile eine Taxe von Fr. 10.— pro Tag, ohne Rücksieht auf die: Bauer des Aufenthaltes In Frankreich. Gemäss schweizerischen Autojnobilkonkordates dürfen auf ausländische Automobile nur. dann Taxen erhoben werden, wenn sich diese länger als drei Monate in der Schweiz aufhalten. Anders steht es mit den Gesellschaftswagen. Führen diese regelmässige Transporte aus, so sind sie nach Postregal konzessionspflichtig. Hat der Unterneh- *mer der regelmässigen Fahrten, Schweizer oder Ausländer, sein Geschäftsdomizil im Ausland, so hat er zudem eine Zuschlagsgebühr von 25 Rappen pro Wagenkilometer zu entrichten. Diese 25 Rappen haben jedenfalls in Paris verschnupft. Als Frankreich die Erhöhung der. allgemeinen französischen Tagestaxe auf Fr. 10.— durchführte, strebten die eidgenössischen Behörden schon im Jahre 1928 Unterhandlungen an, die für eine gewisse Frist gegenseitige Taxen-Befreiung zum Ziele hatten. Der Fall Cranmore 'Kriminal-Roman von V,. Williams. Copyright 1925 by Georg Hauer Verlas A.-G., München. (20. Fortsetzung) XX. Schritte im Garten. Ein schwarzer, gewitterdrohender Nachthimmel hing über der.Stadt. Georg Cranmore hatte aflf den Rat Mandertons hin seinen Bruder zum einstweiligen Umzug in seine eigene Wohnung bewogen, und Lettice Harbury, Dolores und Boulot speisten allein. Ohne ihn wäre es eine trübselige Mahlzeit geworden, aber erwusste so viele lustige Geschichten auf dem Pariser Leben zu erzählen, von Königen, Schwindlern, Schauspielerinnen, Staatsmännern, Künstlern und Journalisten, dass mehr als einmal ein leises Lächeln auf den traurigen Gesichtern seiner Zuhörerinnen erschien. Gegen Schluss des Mahles brachte ihm das Mädchen ein eben eingegangenes Telegramm. Boulot las es, und in seinen Augen blitzte es. Er schrieb die Antwort auf ein Platt Papier und gab es dem Mädchen zu sofortiger Besorgung. Dann erhob er sich hastig. «Entschuldigen Sie, meine Damen,» sagte er, «aber ich muss Sie jetzt verlassen. Wann ich zurück sein werde, kann ich nicht sagen, aber ich habe ja den Schlusses! und. werde mich bemühen, so leise zu sein als möglich .. Also auf Wiedersehen !> Frankreich antwortete nicht ganz in diplomatischer Gepflogenheit, indem es auf die schweizerische Anregung überhaupt nicht reagierte, sondern die Herabsetzung der erwähnten Konzessiöns-Zusehlagsgebühr verlangte. Frankreich ging aber noch einen Schritt weiter und verfügte bereits am 20. Dezember 1928, noch während die ganze Frage in der Schwebe lag, dass schweizerische Autocars beim Grenzübertritt ohne Ausnahme verzollt werden müssten. Diese Massnahme war von schwerwiegender Art. Das Verbot des Grenzübertrittes für schweizerische Autocars mit dem Triptyk, wohlverstanden ein Zolldokument, das von den internationalen Automobilorganisationen anerkannt und ausgestellt, kam einer vollständigen Sperre gleich. Die, schweizerischen Autotransportunternehmer dürfen mit ihren Autocars die französische Grenze nur gegen Entrichtung der vollen Eingangsgebühr überschreiten. Dieser Eingangszoll beträgt gegenwärtig 65 % ad valorem und ist als eine unerhörte Repressalie zu bezeichnen. ,Es ist deshalb ganz klar, dass der Schweiz kein anderer Weg offen blieb, als mit der entsprechenden Gegenmassnahme zu antworten. Friedlich; *te- Mr Schweizer nun einmal sind,, haben wir zu verschiedenen Malen in Paris angeklopft, um eine beide Teile befriedigende Lösung, herbeizuführen. Laut Depeschenagentuf hat die schweizerische Regierung auch kürzlich wieder die französische Regierung wissen lassen, dass sie die nur als Gegenmassnahme gedachte Sperre sofort'aufheben werde, wenn Frankreich Gegehrecht zu halten bereit sei. Darüber hinaus wurde neuerdings die Versicherung beständiger Bereitschaft zu Unterhandlungen abgegeben. Mit dem Bundesrat warten nun auch die schweizerischen Autocars-Besitzer, nicht nur aber sie, sondern auch die französischen Unternehmungen, die von dieser Sperre jedenfalls noch weit härter getroffen werden, als die schweizerischen. Trotzdem sich die französische Regierung bis heute sehr wenig entgegenkommend gezeigt hat und die Haltung Poincares in verschiedenen Fragen klar bewies, dass Als Dolores die Tür zum Wohnzimmer öffnete, erhellte ein blendender Blitz den kleinen Raum. Bei seinem Licht sah sie, dass die Zeiger der Uhr auf dem Kamin auf halb zwei Uhr standen. Von draussen tönte das unaufhörliche Klatschen des Regens. Dann rollte das Krachen des Donners über die Stadt. Um elf Uhr war sie zu Bett gegangen, aber sie hatte nicht schlafen können. Seit dem Gespräch mit Boulot sah sie ihre Schwester in einem neuen Licht: ein zerquältes Weib mit der beständigen Angst vor etwas Unbekanntem, die hinter dem schönen, klassischen Gesicht verborgen schlief. Das war nicht mehr die Carmen, wie sie sie gekannt hatte in ihrer strahlenden Schönheit, das war ein anderer Mensch, der sich die Hände blutig schlug an den Gitterstäben einer geheimnisvollen Welt und seines heimlichen Kummers nicht ledig zu werden, vermochte. . . Während Dolores zu Bett lag und auf das Herannahen des Gewitters wartete, war sie sich-plötzlich einer Empfindung bewusst geworden, als müsste sie ins Wohnzimmer gehen, das ganz mit der Persönlichkeit der Ermordeten durchtränkt war, um dort Antwort auf die vielen ungelösten Fragen zu finden. Die Vorhänge waren im Wohnzimmer zugezogen, aber sie drehte kein Licht an. Die Dunkelheit entsprach ihrer Stimmung, und das ununterbrochene Rauschen des Regens tat ihr gut. Sie ging zum Fenster, schob den Vorhang zurück und öffnete es halb. Ein neuer Blitz • fuhr hernieder, und erschrocken zog sie sich in den Hintergrund des Zimmers zurück und setzte sich auf den gelben Diwan, "mit dem. Rücken gegen das Immer mehr wird der Bezug der Triebmittel für die Motorfahrzeuge zu einem wichtigen nationalwirtschaftlichenProblem. So macht sich in sehr vielen Ländern, des Kontinents heute eine Bewegung geltend, die darauf hinausgeht, sich im Bezug solcher Brennstoffe vom überseeischen Import unabhängig zu .machen, wobei neben den mitspielenden nationalpolitischen Erwägungen ganz besonders das wirtschaftliche Moment, eigene Landesprodukte soweit als irgendwie angängig an deren Stelle zu verwerten, ausschlaggebend ist. Durch Studiengesellgchaften, systematische Nachprüfung aller technischen uiid kommerziellen Faktoren, durch ..programmassige Veriiichsfafarten, Wettbewerbe, Demonstrationen> Prämierungen usw. soll die Idee auf ihre Durchführbarkeit untersucht und popularisiert werden. Schon vor Jahresfrist ist auch in der Schweiz von einem grösseren Interessentenkreis aus .den verschiedensten Wirtschaftsgebieten der Gedanke aufgegriffen worden, es möchte diese Idee in der Schweiz ebenfalls durch eine zu gründende schweizerische Studiengesellschait gefördert werden, derselben soll die Aufgabe zufallen, die verschiedenen Möglichkeiten eines schweizerischen Ersatzbrennstoffes zu ergründen und die einschlägigen Fragen nach allen Richtungen abzuklären. Diese Möglichkeiten bestehen zweifellos auf verschiedenen Gebieten, so dem Alkohol, der Hölzkohle, der Elektrizität, den komprimierten Gasen usw. Sie wollen aber etappenweise sorgfältig abgeklärt sein, und Fenster, wie, um nichts mehr vom Gewitter zu sehen. Es fror sie an ihren nackten Füssen, und sie knipste den kleinen elektrischen Ofen an, der vor dem Kamin stand. Di© in den Milchglasröhren matt schimmernden Glühfäden warfen einen rötlichen Schein auf ihr bleiches Gesicht. Plötzlich riss Dolores die Augen entsetzt auf, und ihr Herz begann heftig zu schlagen. Durch das Rauschen des Regens hatte sie das Geräusch eines Fusstrittes draussen im Garten gehört. Noch einmal, dann Stille. All das Grauen* das sie eben aus ihrer Seele gescheucht hatte, stürzte wieder auf sie ein. Aus der Dunkelheit hinter ihr schien es zu kommen. • Sie wagte nicht, sich umzusehen. Bolzengerade sass sie auf dem Diwan und strengte ihr Gehör aufs äusserste an ... Dann — ein leiser Tritt auf den Stein, stufen vor dem Fenster, ein leichtes schnappendes Geräusch, das Rascheln des zurückgezogenen Vorhanges — eine unerträgliche Spannung riss an ihren Nerven — sie fuhr herum und starrt© — Ein grosser Mann stand im Zimmer mit dem Rücken gegen das Fenster, die Hände am Vorhang. Seine Augen schienen die Dunkelheit durchdringen zu wollen. Das rötliche Licht des elektrischen Ofens beleuchtet© düstere, entschlossene Züge in einem totenblassen Gesicht. XXI. Die KUtae des Drachens. , Von seinen Kleidern rann das Wasser, und di© schwarzen Haare, die unter dem triefen- ! INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Gnradzclle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU Grdssere Inserate nach SeltenUrlC Inseratensetiluss 4 Tone vor Erscheinen der Itnmmwn seine Sympathien gegenüber der Schweiz jedenfalls keine allzu grossen sind, hoffen wir dennoch, dass wir mit Frankreich innert baldmöglichster Frist zu einer gleichbefriedigenden Einigung' gelangen können, wie dies im Jahre 1928 mit Deutschland und 1929 mit Belgien der Fall war. Die Verkehrstaxen, wie sie Frankreich gegenwärtig erhebt, sind sowohl von der A. I. T., als auch von der A. I..A. C. R. einstimmig verurteilt worden. Die Schweiz ist sicherlich zu einem Entgegenkommen betreffend Zuschlagstaxen laut Postregal bereit; es hängt alles vom entgegenkommenden Schritte Frankreichs ab. Um dies zu ermöglichen, muss jedoch das gegenwärtige Regime in Frankreich zu vorderst einsehen lernen, dass es mit der Schweiz nicht als Quantite nagligeable, sondern als gleichberechtigter Staat zu verhandeln hat. Ist dies Poincar6 nicht möglich, so dürfte es dem kommenden Manne Frankreichs, Herriot, umso besser «gelingen. Die nächsten Tage werden demzufolge "nicht nur für Frankreich, wo sich die Opposition gegen das gegenwärtige Kabinett verdichtet, sondern auch für die Schweiz und für die französischschweizerischen Beziehungen von grösster Bedeutung sein. K. Zum Studium der Ersatzbrennstoffe zwar vom betriebstechnischen Standpunkte aus mit besonderer Rücksichtnahme auf die Eigenart unseres Geländes und die meteorologischen Verhältnisse, als sodann vom wichtigen Standpunkte der Preisgestaltung. Wir bewegen uns somit auf Neuland, wo vieles nur durch den praktischen Versuch gründlich und zuverlässig abgeklärt werden kann. Das Gesamtproblem ist für unser Land sowohl von der nationalen als der volkswirtschaftlichen Seite von solcher Bedeu* tung und Tragweite, dass seine Abklärung ein ; weitgehendes^ Interesse beanspruchen darf. Schon der eingangs erfolgte Hinweis auf andere Länder beweist, welche Bedeutung man anderwärts dieser Frage i?ereits seit Jahren beimisst. Sie muss daher für ein Land, wie die 'Schweiz, welches bisher total' auf den Auslandstezug angewiesen war und hierfür 1928 gegen 40 Millionen an ausländische Produzenten entrichtete, doppelt wichtig sein, nicht nur wegen sei-« ner isolierten Stellung im Falle von Handelsatockungen, sondern auch wegen der Verschlechterung der Handelsbilanz auf Kosten von Produkten, die ebensogut aus billigen Rohstoffen des Inlandes erzeugt werden könnten, aber heute noch grÖsstenteils brach liegen. So zählen z. B. zu den Gründen, welche für ein eingehendes Studium der Verwendung der Holzkohle sprechen, namentlich! auch die Interessen der schweizerischen Forstwirtschaft, welche davon sehr nahe berühr* werden. Die schweizerischen Waldungen produzieren gegenwärtig jährlich den Hut hervorsahen, klebten ihm am Kopfe. Langsam fielen von seinem Gesicht die Tropfen zu Boden, während er das jung© Mädchen unverwandt anstarrte. Es war ein scharfes, hartes Gesicht. Nur die grenzenlose Traurigkeit der Augen milderte den fast grausamen Eindruck. Ein© Hand in einem schwarzen Gummihandschuh fuhr hinter dem Rücken hervor und richtete die Mündung eines Brownings auf das jung© Mädchen. «Gehen Sie weg von dem Diwan!» Er flüsterte es nur, aber, seine Stimm© klang rauh und befehlend. Mit der Pistole deutete er auf einen Bücherschrank, der neben dem Kamin an der Wand stand. «Da stellen Sie sich hin und schauen Sie die Wand an! Wenn Sie sich umdrehen, ehe ich's sage, schiesse ich!» Sie blickte ihn an, ehe sie gehorchte. Nie hatte sie ein Gesicht gesehen, das sie in ähnlicher Weise erregte. So mochten di© Verdammten in Dantes Hölle ausgesehen haben. Weder Hoffnung noch Liebe oder Mitleid ging von dieser lebenden Maske aus — nur Trotz und Verzweiflung. Was für Greuel hatten wohl diese Augen betrachten müssen, welche Erinnerungen lagen in ihren Tiefen versunken, bis sie solch einen unmenschlichen Ausdruck angenommen) hatten?! Kein Wort weiter kam von dem Mann. Sie stand der Wand gegenüber und konnte nicht sehen, was im Zimmer vor sich ging. Aber sie hörte das Parkett leise krachen, als er sich dem Kamin näherte. Dann etit- !