Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1929_Zeitung_Nr.081

E_1929_Zeitung_Nr.081

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 20. September 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N*> 81 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden DIenstaa und Freitag "Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postchcck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Ein Verteilungsvertrag und ein Postulat In seiner Sitzung vom 17. September 1929 hat der Verwaltungsrat der schweizerischen Bundesbahnen die neuen, zwischen der Ge- , ueraldirektion der Bundesbahnen und der Lötschbergbahn abgeschlossenen Verteilungsverträge betreffend den Güterverkehr der Lötschbergbahn für die Strecken Thun-Spiez- Brig, Spiez-Interlaken-Ost und Münster- Lengnau genehmigt. Die kantonal-bernische Fisenbahndifektion hat der Presse über die Bedeutung der Verhandlungen und des Abischlussses ein grösseres Communique zur Verfügung gestellt. Was uns Automobilisten, ganz speziell die Berner Automobilisten* am Abschlnss der langwierigen Verhandlungen interessiert, ist kurz folgendes : Prinzipiell möchten wir erwähnen: Die Erstellung der Berner Alperibahn hat sich als ©in© Notwendigkeit aufgezwängt. An ihr waren nicht nur der Kanton, sondern auch weitere (grosse Landesteile interessiert. Pflicht der Bundesbahnen wäre es gewesen, diese Verkehrslinien selbst zu erstellen. Die Zurückhaltung des schweizerischen Eisenbahndepartementes und die zunehmende Begeisterung der Berner für eine grosse Sache haben die Berner Alpenbahn' als eidgenössisches Unternehmen leider nicht erstehen lassen. Die Berner bauten ihre Bahn und luden sich damit zugleich eine ungeheure Finanz- Jast ,au! den Buckel, eine Last, welche schwere Rückwirkungen auf den Finanzhaushalt des Staates Bern zeitigte und die Steuerschraube ganz bedenklich anziehen Hess. Die erwartete Rentabilität der Lötschbengbahn setzte nicht ein und der Staat Bern hat für sein kühnes Unternehmen, wofür er ein A2- Millionen-Anleihen aufbrachte, den jährlichen 'Jahreszins von 1,680,000 Franken zu entrichten, ein Betrag, der bei jährlichen Staatseinnahmen von Tund 30 Millionen Franken etwas bedeuten will! Wohl einigten sich Bundesbahnen und Lötschbergbahn auf eine gewisse Teilung des Verkehrs. So aber, wie diese Verkehrsteilungsverträge nach Artikel 21 des Tarifgesetzes vom 27. Juni 1901 abgeschlossen wurden, bedeuteten sie eine folgenschwere Hemmung der finanziellen Entwicklung der Lötschbergbahn, hatte letztere doch für den Güterverkehr auf der Strecke Scherzligen- Brig 33% Prozent des erzielten Reingewinnes und für den Güterverkehr auf der Strecke Münster-Lengnau 30 Prozent des Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. (4. Fortsetzung) erzielten «Reingewinnes» an die S. B. B. zu entrichten. So hatte die Lötschbergbahn das schmerzliche Vergnügen, den Schweizerischen Bundesbahnen, nach, richtiger -Auffassung, eine eigentliche Bruttogewinnabgabe von zehn Millionen Franken abzuliefern, quasi als Dank dafür, dass der Kanton Bern für ein grösseres Gebiet der Schweiz einen Alpendurchstich erstellt hatte, dessen Erstellung, wie gesagt, Aufgabe der Bundesbahnen gewesen wäre. Nun ist es zu einer begrüssenswerten Verständigung gekommen, der die Berner jedoch nicht restlos befriedigt gegenüberstehen werden, die aber andernteils wohl nur durch die wohlwollende Haltung des eidgenössischen Eisenbahndepartementes- erreicht wurde. Nach den erzielten Ermässigungen betragen die Rückerstattungsbeträge noch ll x / 9 Prozent für den Güterverkehr auf der Strecke Thun-Brig und 10 Prozent für den Güterverkehr der Strecke Münster- Lemgnau. Für die Lötschbergbahn tritt demzufolge eine Entlastung von einer halben Million Franken ein, die aber nicht genügt, um deren Selbsterhaltung sicherzustellen. Wenn zweifellos ein Erfolg auf Berner Seite zu buchen ist, so halten wir andernteils doch dafür, dass am 17. September 1929 das letzte Wort über den Lötschberg und das Verhältnis zu den Bundesbahnen nicht gesprochen wurde. Auch der heutige Zustand bleibt unbedingt unbefriedigend. Eine eventuelle Verpachtung der Lötschbergbahn an die Bundesbahnen kann unserer Ansicht nach kaum in Frage kommen. Eine endgültige and saubere Lösung wird nur der Verkauf des Lötschberges an den Bund bringen. Auf dieses Ziel hinzutendieren haben nicht nur die Automobilisten, sondern sämtliche Bürger des Staates Bern allen Grund. Schwer genug lasten noch die übrigen Dekretsbahnen auf dem Berner Fiskus und auf dem Berner Volke. Die bernische Eisenbahnmisere — wir dürfen dies wohl so bezeichnen — ist der ausschlaggebende Grund der hohen Steuerlast, einer sich damit immer mehr bemerkbar machenden Kapitalabwanderung aus dem Kanton Bern und des bis zur heutigen Stunde noch nicht durchgehend hergestellten bernischen Strassennetzes. Darauf hinzuweisen ist unsere Pflicht. Neben dem Schienenwege besitzt der Kanton Bern das weitverzweigteste und grösste Strassennetz, für dessen Instandhaltung er Dr. Fischer stand vom Nachtessen auf und lud seine Frau ein, mit ihm am Radio zuerst den Vortrag über «Methoden moderner Verbrecher und deren Bekämpfung durch unsere Polizei» und nachher das Konzert der Donkosaken anzuhören. Frau Dr. Fischer läutete und*bat, den Tee um neun Uhr auf der Veranda zu servieren, vorher aber nicht zu stören, sie würden auch keine Gäste empfangen an diesem Abend. Das Mädchen möchte die Fenster schliessen, es beginne zu regnen. Dann legten sie sich voll gespannter Erwartung die Kopfhörer um. Das Mädchen tat wie befohlen und ging in die Küche, um der Köchin beim Abtrocknen zu helfen. Sie klatschten über alles mögliche, über ihre Liebhaber und wann sie heiraten könnten, über die Herrschaft und deren Vorzüge und Fehler. «Der Herr ist in letzter Zeit sehr oft gedrückt gewesen und hat sehr schlecht ausgesehen, sicherlich hat er einen Kummer. Ach, die beiden haben es eigentlich recht schön, sie sind glücklich verheiratet und reich, und doch habe ich in den letzten Wochen mich oft eines dumpfen Gefühls nicht erwehren können, als ob etwas ganz Schlimmes im Anzug sei; ich habe auch von weissen Blumen geträumt, das ist ein böses Zeichen. Ein Käuzchen hat alle Nacht im Garten geschrien. Horch, jetzt kommt das Gewitter schon unheimlich nahe, das ist ein richtiger Schlag. Marie, es ist mir so unheimlich zumute, diese Dunkelheit und das Gewitter. Die drückende schwüle Luft.» Die Uhr schlug neun. «Bring jetzt den Herrschaften den Tee, Clara.» Das Zimmermädchen nahm das Tablett und ging damit ins Esszimmer. Hier herrschte völlige Finsternis und Totenstille. Durch das offene Fenster hörte man die Regentropfen auf die jungen Blätter fallen und ein betäubender Duft von Blumen drang herein. Die Schwüle war durch den rauschenden Regen nicht gewichen. Ein matter Lichtschimmer spielte von der Strassenlaterne in die Veranda und beleuchtete undeutlich und geheimnisvoll die beiden Gestalten in den bequemen Klubsesseln. «Frau Doktor, darf ich zum Servieren das Licht anzünden?» Die Frau antwortete nicht. «Darf ich andrehen, Frau Doktor?» Wieder keine Antwort. «Frau Doktor, ums Himmelswillen!» Hell flammten die grellen Lampen auf. Das Mädchen sah die beiden blass, mit über die Lehnen herabhängenden Armen, lang ausgestreckt und unit weit aufgerissenen, däser- Im Jahre 1928 allein Fr. 6,225,827.99 auszugeben hatte. Die notwendigen Verbesserungen des bernischen Strassenwesens wären aber dem Staate rein unmöglich gewesen, wenn die Baudirektion nicht einzig aus der Motorfahrzeugsteuer 2,900,862.75 Franken gezogen hätte, um mit 90 Prozent dieses Geldes die Staubbekämpfung, den Ausbau der Hauptstrassen sowie gewisser Dorfdurchfahrten durchzuführen. An die sechs Millionen Franken betragende Gesamtaufwendung des Staates für das Strassenwesen leisten somit die Motorfahrzeugbesitzer nicht weniger als 50 Prozent, wobei zu betonen ist, dass in diesem Steuerbetrag nur derjenige Teil inbegriffen ist, welcher der Baudirektion zugesprochen wird. Die Automobilsteuern ständig zu erhöhen, auch wenn die Strassenlast von Jahr zu Jahr grösser werden sollte, geht jedoch nicht an. Der Staat Bern muss hierfür noch andere Quellen bereithalten. Eine solche Quelle erschlösse sich sofort, wenn einmal der über 1,5 Millionen Franken betragende Jahreszins für die Lötschbergbahn dahinfiele. Es bedeutete dies für den Kanton Bern nicht nur eine finanzielle Erholung, sondern der frei werdende Betrag müsste, wenigstens zumgrössten Teil, wenn er fernerhin zweckentsprechend angelegt werden sollte, unbedingt der Baudirektion und dem bernischen Strassenwesen zur Verfügung gestellt werden. Heute fitesst der Betrag in einen Danaidensack; einmal die Lötschbergbahn Bundesbahn geworden, könnte der betreffende Betrag .zu "einer sich rentierenden Kapitalanlage werden. Unser Postulat muss deshalb mit aller Folgerichtigkeit dahin tendieren, die Berner Alpenbahn so rasch als möglich den Schweizerischen Bundesbahnen abzutreten, wohin sie schon lange, oder besser gesagt, von Anfang an, hingehört hätte, und wenigstens den frei werdenden Zinsenbetrag zur Instandhaltung des bernischen Strassennetzes zu verwenden. K. Aus dem Berner Grossen Rat. Nach etwas stürmischen Debatten über landwirtschaftliche und militärische Fragen glitten die Verhandlungen in ruhigere Bahnen, als bei der Behandlung des Staatsverwaltungsberichtes Fragen der Baudirektion in den Vordergrund gerückt waren. Dass im Berner Grossen Rate die Auseinandersetzungen über das Strassenverkehrswesen immer länger werden, deutet auf die nen Augen. Sie schrie vor Entsetzen, die Köchin eilte herbei, befühlte zögernd die welken Gesichter. «Sie sind tot, grosser Gott, telephoniere sofort Herrn Dr. Beck.» Clara eilte zum Apparat. Dr. Beck war nicht zu Hause. Er war zu einer Geburt weit aufs Land gerufen worden. «Dann rufen wir Herrn Dr. Ritter.» Ritter war zu Hause. «Ich komme sofort, lassen Sie die Stellung der Toten, überhaupt das ganze Zimmer unverändert, ich werde die Polizei mitbringen.» Nach einer Viertelstunde hielt der Wagen vor dem Hause. Die bestürzten Mädchen öffneten die Türe und führten die drei Herren ins Zimmer. Sofort wurde eine genaue Untersuchung vorgenommen. Die Toten hatten an den Ohren, unter den Kopfhörern, kleine aber deutliche Brandwunden. «Das Gewitter», sagte der Gerichtsarzt. Dr. Ritter und der Polizeioffizier waren der gleichen Ansicht: Tod durch Blitzschlag. Die Herren setzten sich und entwarfen gemeinschaftlich das Gutachten über den Fall Fischer; dann verliessen sie das Haus. Weithin über>die Gärten erklang der eintönige Ruf des Käuzchens. Nachdem Dr. Beck seinen Freund Kraft verlassen hatte, besuchte er die andern Patienten und kam müde um sieben Uhr nach Hause. Das Mädchen servierte ihm das Zeichen der Zeit. Schon Grossrat Weber, der im Namen der Staatswirtschaftskommission referierte, wies in einem emdrücfclichen Votum auf den gegenwärtigen Stand des bernischen Strassennetzes und seiner Verkehrsdichtiigkeit hin. Ganz besonders betonte er, dass es mit der Herstellung der Strassen nicht getan sei, sondern dass der nachherige Unterhalt ebenso bedeutungsvoll wäre. Der Kanton Bern gibt jährlich für den Unterhalt der Strassen pro Kilometer 1343 Franken aus, eine bereits schöne Summe, wie wir hinzufügen wollen, die aber leider nicht langt, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Ganz besonders gehen wir mit dem Referenten der Staatswirtschaftskommission dahin einig, dass sich die Regierung in vermehrtem Masse mit den aus dem Verkehr entstehenden Problemen wird befassen und ihr Augenmerk in allererster Linie nun auf die Wegnahme der Bahnen von der Strasse wird richten müssen. Es ist dies eine Forderung, welche die «Automobil-Revue» schon seit Jahren unterstreicht. Die Schiene gehört nicht mehr auf die Strasse, die Bahn hat ihr eigenes Trasse zu suchen. In diesem Zusammenhange möchten wir auch unsererseits die stadtbernischc Verkehrsordnung in Erinnerung rufen. Es wäre wahrlich nicht verfrüht, wenn ihr endlich Gesetzeskraft verliehen würde. Dass von verschiedener Seite auch die Frage der Bahnübergänge in Diskussion gezogen wurde, ist mehr als erfreulich. Herf Dr. Mosimann kritisierte die unbewachten Bahnübergänge und stellte das Begehren, solche unbedingt mit elektrischen Warn- Apparaten auszurüsten. Herr Wey verlangte die örtliche Bedienung des gefährlichen Ueberganges der Gürbetalbahn bei der Hol- Iigenstrasse, die heute noch durch Fernleitung geschehe. Die Gefahr sei zu gross, dass Fuhrwerke zwischen zwei Barriere« auf dem Trasse eingeschlossen würden. In dieser Auffassung wurde er von Dr. Meyer unterstützt, der in der Lage war, aus eigener Erfahrung die Gefährlichkeit automatischer Bahnübergänge, bei denen leicht Automobilisten eingeschlossen werden können, zu belegen. Jedenfalls wird die bernische Eisenbahndirektion gut tun, sich ihrerseits des nähern mit der Frage der Bahnübergänge zu befassen und für nötige Abhilfe Sorge zu tragen. Begehren für Strassenverbesserungen blieben nicht aus. Herr Notar Keller verlangte eine- Verbesserung der Strassen im Emmental und Herr Meuri trat für das Strassennetz der Ajoie ein, deren Hauptverbindungi mit Frankreich (Strasse nach Beifort), er ganz besonders kritisierte. Herr Brahier Nachtessen. Nachher brachte sie wie jeden Abend den schwarzen Kaffee mit den Zigarren zum Diwan. Behaglich streckte sich der Arzt aus und rauchte. Wie mochte es heute abend dem Bankier ergehen? Anscheinend besser, sonst hätte er berichtet. Sie schienen in Gefahr zu sein, die vier Freunde. Das Resultat der Untersuchung des Mageninhaltes war dem Arzt bereits bekannt. Arsenik war gefunden worden. Man musste also annehmen, dass ein Anschlag auf das Leben des Bankiers durchgeführt, dass aber glücklicherweise kein nennenswerter Erfolg erzielt worden war. Ob er, Beck, wohl dem Feind erliegen würde? Es war so schwer, gegen etwas Unbestimmtes anzukämpfen, einen unbekannten Feind unschädlich zu machen. In diese Gedanken hinein schrillte das Telephon. Es war neun Uhr. Eine tiefe Männerstimme war am Apparat: «Herr Doktor, ich telephoniere im Auftrag von Dr. Auer. Er ist seit zwei Stunden schon bei meiner Frau. Die Geburt geht nicht vorwärts. Wir wohnen auf einem Gehöft. Fahren Sie bitte nach Oberkirch; bei der Wegkreuzung am Ostausgang des Dorfes erwarte ich Sie, um Ihnen den Weg zu weisen.» «In vierzig Minuten werde ich bei der Wegkreuzung sein», antwortete der Arzt und legte den Hörer zurück. Er nahm seine Geburtstasche, gab dem Mädchen die nötigen Instruktionen und holte den Wagen in der Garage. Er glitt durch die Nacht, ein Dorf