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E_1929_Zeitung_Nr.084

E_1929_Zeitung_Nr.084

Ausgabe: Deutsche Schweiz. RCDM n: Ä „.*«„ 1 nirfotiAr 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° H ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb* Liste" Halbjlhrileh Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97. Bern •olern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Das kommende Automobilgesetz IL«) In 16 Artikeln des verworfenen Gesetzes wurden die Verkehrsvorschriften näher präzisiert Artikel 15 schrieb vor, dass das Automobil nur in betriebssicherem Zustand verkehren und dass die Sicherheit des Verkehrs nicht durch Uebermüdung des Automobilführers gefährdet werden dürfe. Die Frage wdrd vom Departement aufgestellt, ob die Vorschrift noch straffer gefasst, die Sanktion noch verschärft werden solle. Artikel 16 schreibt jedem Automobil das Lichterführen vom Beginn der Dämmerung an vor. Auch das Departement ist einverstanden, dass entweder in diesem oder in einem anderen Artikel die grundsätzliche Beleuchtungspflicht für die anderen Fuhrwerke ausgesprochen werden müsse. Die Detailvorschriften sollen der Verordnung überlassen werden. Es empfiehlt sich dies' auch mit Rücksicht auf die internationale Ordnung, die ja von Jahr zu Jahr wichtiger wird. Die Forderung, dass auch andere Fuhrwerke Lichter zu führen hätten, ist ein altes Postulat der Automobilisten, dessen Realisierung.dringend notwendig ist. Bei der Behandlung dieses Artikels wird im fernem auch die wichtige Ab-blendungsfrage, wenn Immer möglich, zu einer Abklärung gelangen müssen. Artikel 14 verlangte, dass jedes Automobil mit einer Schallvorrichtung versehen. sei, die namentlich bei beschränkter Sicht als Warnsignal zu dienen hat. Das Departement glaubt, dass der Artikel etwas zu knapp geraten sei. Er sollte zwei Grundsätze enthalten: das Obligatorium einer Schallvorrichtung, sodann die Warnpflicht, wo die Sicherheit des Verkehrs es verlangt. Artikel 17 stellt hierfür keine Wegleitung auf, sondern nennt nur das Beispiel der beschränkten Sicht. Die Frage erhebt sich, ob das Warnsignal nicht auch dann nötig sei, wenn zwar der Fahrer die Gefahr sieht, der Gefährdete aber nicht. Detailregeln werden jedenfalls in die Verordnung aufgenommen werden müssen, damit bei richtiger oder unrichtiger Beachtung der Automobilist nicht der Willkür des Richters ausgeliefert wird. Eine Menge kleiner Detailmomente, wie Distanz, Ausweichsmöglichkeiten, Hörbarkeit, physische Konstitution spielen dabei eine grosse Rolle. •) Siehe Auto-Revue" No. 83 F E U I L L E T O N Patent No. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. (7. Fortsetzung) Artikel 18 verbot das Fahren mit offenem Auspuff. Das Geräusch soll auf das Unvermeidliche beschränkt bleiben. Hier erhebt sich die Frage, ob der offene Auspuff überhaupt verboten oder durch konstruktive Vorschriften verunmöglicht werden soll, ob eine obligatorische Vorschrift »einer Schalldämpfervorrichtung genüge oder ob sie durch Betriebsvorschriften ergänzt werden muss. Unserer Auffassung nach genügte im Gesetz Alinea 1, die Frage des offenen Auspuffs könnte in der Verordnung erledigt werden. Im Artikel 19 blieb es dem Bundesrate vorbehalten, den Zeitpunkt zum Verbot der Vollgummibereifung für gewisse Arten von Motorwagen zu bestimmen. Das Departement nimmt in dieser Frage keine entschiedene Stellung ein. Es betont nur, dass die internationale Konvention jede Gummibereifung zulasse und dass das Ausschliessen der Vollgummibereifung noch zu überlegen sei. Der Weg der Entwicklung geht wohl dahin, dass von einem Zulassen der Vollgummibereifung wird Abstand genommen werden müssen und dass diese Art der Bereifung nur noch bei ausserordentlichen Verhältnissen (im kleinen' Rayon-Verkehr und bei Traktoren) wird geduldet werden können. Dagegen scheint uns die Forderung ganz klar zu sein, dass Pneureifen und halbelastische Reifen in den Bestimmungen gleichge' stellt werden müssen. '" Artikel 20 bestimmte zehn Tonnen als maximales Gesamtgewicht eines geladenen Motorlastwagens. Da Departement stellt zu diesem Artikel verschiedene Fragen. Soll eine absolute Vorschrift über das Maximalgewicht aufgestellt werden oder kann bei Pneu- oder elastischer Bereifung eine höhere Grenze zugelassen werden? Wie ist es mit den dreiachsigen Motorlastwagen? Wie mit dem Lastenzug? Sind temporäre Herabsetzungen des Maximalgewichtes bei aufgeweichten Strassen zuzulassen? Der Schweizerische Motorlastwagenverband wird jedenfalls um die Beantwortung dieser Fragen nicht verlegen sein. Grundsätzlich wird man sich auf die 10-Tonnen-Last einigen können. Dagegen wird man nach den guten Erfahrungen in Zürich den Kippwagen eine Ausnahme zugestehen und sie nach Ladung und nicht nach Gewicht bewerten müssen. Artikel 21, der sich über die Geschwindigkeiten im allgemeinen aussprach, legte fest, dass der Führer eines Motorfahrzeuges die Geschwindigkeit seines Fahrzeuges beständig beherrschen und dass jeder Motorwagen, dessen Konstruktion eine Geschwindigkeit von über 15 km in der Stunde zulasse, mit einem Geschwindigkeitsanzeiger versehen sein müsse. Dieser dem französischen Code de la Route entnommene Grundsatz, ist von; automobilistischer Seite als vollständig genügender Ersatz für alle Gesohwindigkeitsbestiminungen betrachtet worden. Immerhin darf nicht unbeachtet gelassen sein, dass damit der Fahrer leicht dem willkürlichen Urteil des Richters ausgeliefert werden kann.. Dass die Bestimmungen des Konkordates vollständig veraltet sind, braucht jedenfalls, nicht noch einlässlicher betont zu werden. Der Artikel steht übrigens im Zusammenhang mit dem folgenden, welche sich über normale und reduzierte Höchstgeschwindigkeiten näher auslassen. Die diesbezüglichen Bestimmungen sind abhängig von der Kardinalfrage, ob bestimmte Kilometerzahlen als obere Grenze der Geschwindigkeit aufzustellen und Abstufungen vorzunehmen sind, die dann nach den verschiedenen Gefahrsituationen gruppiert werden müssten, oder ob man es beim Grundsatz des Artikels 21 bewenden lassen will, indem man, wie seinerseits im bundesrätlichen Gesetzesentwurf, beifügte, dass der Führer den Lauf zu verlangsamen oder nötigenfalls anzuhalten habe, wenn das Fahrzeug Anlass zu einem Verkehrshemmnis oder Unfall bieten könnte. Das Departement gibt zn, dass eine zu ^niedrig gegriffen© Hpchstgesphwindfekett die wirtschaftliche Ausnützung des Automobils beeinträchtigt und dass in städtischen Verkehrsverhältnissen gefährliche Verkehrsstockungen nur durch rascheres Fahren vermieden werden können. Erwiese sich aus verschiedenen Gründen die Ansetzung von Geschwindigkeiten als notwendig, so könnte, nach Departementsauffassung, nur eine recht hoch anzusetzende absolute Höchstgeschwindigkeit in Frage kommen. Wir glauben, dass nach den gemachten Erfahrungen die Lösung der Frage nicht mehr zu schwer sein sollte. Infolge der technischen Fortschritte, ganz besonders seit der Einführung der Vierradbremse, kann die Geschwindigkeit ausserörts unbedingt freigegeben werden. Es ist dies eine Forderung, welche, wie wir hoffen, die zuständigen Verbände mit aller Energie vertreten werden. Auch innerorts genügte eine Geschwindigkeitslimitierung nur an gefährlichen Stellen. Wir wissen, dass bei der eidgen. Post ein Entwurf ausgearbeitet ist, welcher für den Ueberlandverkehr der Autocars keine Geschwindigkeitsgrenzen und für den Innerortsverkehr eine solche von 30 km vorsieht. Was den Post-Autocars zugestanden, wird jedenfalls den Personenwagen nicht versagt bleiben dürfen. Das System der rein individuellen Verantwortlichkeit, wie dies nun; auch in Deutschland zur Anwendung gelangt, dürfte übrigens zur Sicherheit des Verkehrs das seine beitragen und eventuelle «Geschwindigkeitskoller» besser heilen als tolerierte Höchstgeschwindigkeiten, die gewisse Naturen zum Ueberschreiten nur zu gerne reizen. Die kantonal-bernische Strassenverkehrsllga an der Arbeit. Welch dringendem Bedürfnis der Zusammenschluss der am Verkehr interessierten Verbände entsprochen hat, zeigt sich immer deutlicher! Der Vorstand der kantonal-bernischen Strassenverkehrsliga hielt am letzten Freitag, den 27. September, abend 20 Uhr, im «Kornhausstüblb in Bern erneut eine Vorstandssitzunjj ab, an welcher der vom Vizepräsidenten, Herrn Dr. von Stürler, in vorbildlicher Kürze abgefasste Statutenentwurf bereinigt und genehmigt wurde. Die Statuten sollen gedruckt ; und allen Mitgliedersektionen baldmöglich zugestellt werden. An den Bernischen Regierungsrat ist, zuhanden der Mitglieder des Grossen Rates, das nachfolgende, von 18 Verbänden und wetteren Vereinigungen unterzeichnet© Schreiben gerichtet worden: , « Sehr geehrte Herren Regierungsräte! Die Unterzeichneten gestatten sich, Sie von der Gründung einer bernischen Strassenverkehrsliga gebührend in Kenntnis zu setzen, welcher sich die nachgenanntea Verbände der am Strassenverkehr direkt beteiligten Interessenten angeschlossen haben. Sie haben von der demnächst bevorstehenden Realisierung des Grossratbeschlusses für Schaffung eines kantonal-bernischen Strassenverkehrsamtes und dem Vollzug der Wahl des Vorstehers desselben Kenntnis genommen. Bei dem fortgesetzten Anwachsen des Strassenverkehrs und seiner zunehmenden Bedeutung für alle Bevölkerungsschichten ist es der Liga mehr daran gelegen, gleich von Anbeginn mit diesem Amte einen festen Kontakt zu finden, der beiden Teilen gestattet, ständig alle auftretenden Verkehrsfragen durch gemeinsame Behandlung in zweckdienlichster Weise zu lösen und eine gangbare Regelung anzustreben. Auch gegenwärtig liegt wieder eine grössere Anzahl von Postulaten vor, welche der Abklärung bedürfen und entweder eine Abänderung oder eine Ergänzung und Erweiterung bestehender Vorschriften erfordern. Andere Postulate hinwiederum verlangen der prinzipiellen Stellungnahme. Es dürfte daher bei der Vielseitigkeit derselben und der Rücksichtnahme auf spezielle Erfordernisse eine gegenseitige gründliche Aussprache der gegebene Weg sein, der am ehesten eine allseitig befrie- Kraft hatte seine Unterhaltung mit dem Beamten abgebrochen. Jetzt hörte man, wieseien telephonisch vom Unfall unterrichtet berichtete das Mädchen, die Herrschaften Max Keller schlief unruhig. So sehr ihn der Motor plötzlich auf Touren kam, erster, worden und bereits mit einem Taxi zur Unglücksstelle gefahren. Die Vorstellung von Paganini war vor-daüber. Mizzi Dorn hatte herrlich gesungen. freut hatte, so war es für ihn doch eine pressor heulte, rasch vergrösserte sich der «Bitte Herr Kraft, nehmen Sie Platz im Zusammentreffen mit Alfred Fleissig ge- zweiter, dritter Gang, die Direkte, der Kom- Max Keller und seine Schwester erhoben grosse Aufregung gewesen. Dazu kam, dass Punkt. Mit atemloser Aufmerksamkeit sah alles gegen Westen; rasend stieg die Ge- Schluchzend entfernte sie sich und Hess Arbeitszimmer von Herrn Max.» sich von ihren Plätzen, nahmen ihre Garderobe und gingen durch die Bastei-Anlagen zu der Erfindung bei grosser Geschwindigkeit. sein grosser Tag bevorstand: Die Prüfung Fuss nach Hause. Sie sprachen von Alfred, Am Morgen traf ihn die Kunde vom Hinschied der Freunde. Tief erschüttert begab und Hedy gestand ihrem Bruder, dass sie den Verlobten mehrmals wiedergesehen habe: er sich zu Kraft, der ihn zum Mittagessen «Unsere Liebe ist trotz aller Enttäuschungen so gross wie vor vielen Jahren und wir und nahmen schweigend ihre Mahlzeit ein. geladen hatte. Die Freunde begrüssten sich sind bereit, unsern Weg mit Opfern zu er-Nachher wollten sie gemeinsam hinausfah- kaufen. Alfred sucht sich eine Stelle und wir freuen uns auf das gemeinsame Leben, wenn es sich auch noch so bescheiden gestalten wird.» Plötzlich stand Alfred Fleissig vor ihnen. Es brauchte keine lange Aussprache zwischen den Freunden, der Boden war geebnet, und bald floss die Unterhaltung, als ob bloss Wochen zwischen Abschied und Wiedersehen gelegen hätten. Man sprach über die Zukunft des Paares. Fleissig konnte mit Hilfe von Max als Ingenieur eine Stelle finden. Bald war man zu Hause angelangt. Hedy ging zu Bett, denn der Bruder hatte Alfred noch eine vertrauliche Mitteilung zu machen, die seine Existenz betraf. Beglückt trennten sich die wiedergefundenen Freunde, nichts ahnend von den furchtbaren Ereignissen dieses Abends. ren in den Hardwald. Die Behörden waren verständigt worden. Der diensthabende Polizeioffizier sollte den Versuchen beiwohnen. Nach dem Essen gingen Kraft und Keller in die Garage. Der Bankier hestieg seine Limousine mit der Begründung, er fühle sich nicht wohl genug.'im offenen Wagen zufahren. Er folgte dem Rennwagen in kleinem Abstand. Bald waren sie auf der langen, geraden Strasse der Hard angelangt. Eine grössere Anzahl Leute hatte sich dort eingefunden. Di© beiden begrüssten den von der Polizeidirektion abgeordneten Beamten. Dann setzte sich der Ingenieur ans Steuer und fuhr einen Kilometer zurück an den Start. Die Spannung der Schaulustigen war gestiegen. schwindigkeit, näher kam das Gebrüll, näher das fliegende Ungetüm. Krachend, donnernd tobte es vorbei. Da — ein kratzendes Geräusch, ein Stöhnen und Aechzen im stählernen Körper. Im Bruchteil einer Sekunde drehte sich der Wagen wie ein Kreisel nach rechts, prallte mit voller Wucht gegen die Böschung, überschlug sich und begrub den Fahrer unter sich. Weithin flog der Pneu des rechten Vorderrades. Alles sprang hinzu. Als Erster war Kraft zur Stelle. Er zwängte sich unter das zertrümmerte Automobil, und während es einige Männer zu heben versuchten, zog er den Ingenieur hervor. Max Keller war tot. Ein friedliches Lächeln lag auf seinem bleichen Gesicht. Voller Zuversicht hatte er in die Zukunft geschaut und das Letzte aus dem Motor herausgeholt Man bettete Keller ins Gras. Fritz Kraft anerbot sich, die Trauernachricht Frau Keller und ihrer Tochter zu überbringen. Er fuhr mit der Limousine in die Stadt. Als er am Keller'schen Hause läutete, den Bankier allein. Nach einer Stunde kamen Frau Keller und ihre Tochter im Leichen-Automobil mit dem Toten vor dem Hause an. Der Polizeihauptmann und der Gerichtsarzt halfen ihnen aussteigen und befahlen den beiden im Führerraum sitzenden Polizisten, die Leiche ins Haus zu tragen und den Damen behilflich zu sein. Sie selber wurden zu Kraft ins Arbeitszimmer geführt und erklärten ihm, das Unglück sei durch Abspringen des rechten vorderen Pneus veranlasst worden; man sehe die Spur des Rades deutlich; jedenfalls sei die Bereifung dieser Schnelligkeit nicht gewachsen gewesen. Als die Damen eintraten, verabschiedeten sich die Amtspersonen und* Kraft sprach den so schwer heimgesuchten Frauen seih Beileid aus und trüg ihnen seine Hilfe an. Dann verHess er sie. (Fortsetzung folgt.)