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E_1929_Zeitung_Nr.086

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Dienstag 8. Oktober 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. - N° 86 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag . Monatlich „Gelbe Ulla" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •otern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/ 414 Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehinss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Der Pariser Automobil-Salon 1929 Allgemeiner Eindruck. Paris, 3. Oktober 1929. Paris, die Stadt der Städte, heute noch immer das geistige Zentrum Frankreichs, die Stadt höchster kultureller Bestrebungen, daneben die Stadt hochkultivierter Mode, hat ihren Autosalon eröffnet. Auch diesmal ist er wieder eine Augenweide, nicht nur eine technische Schau, sondern vor allem auch eine Modeschau. Auch das Automobil ist ja der Mode unterworfen. Es geht ihm wie dem Kleide. Die Dame, die nach dem letzten Geschmacke gekleidet ist, der Fahrer, der den Dernier Cri trägt, sie beide können nicht in einem veralteten Car sitzen, es wäre dies eine Geschmacklosigkeit. Deshalb wetteifern auch die Konstrukteure, der herrschenden Geschmacksrichtung Rechnung zu tragen. Selbstverständlich bleibt der Motor das Wichtigste, gibt er doch dem "Wagen Richtung und Kraft. Er vertritt die Zivilisation. Zu ihm muss sich aber die Kultur gesellen, und so arbeitet am Personenwagen nicht nur der Ingenieur allein; mit ihm arbeitet der Automobilarchitekt, der Künstler, der dem Wagen Linie und Form, Schwung und Eleganz verleiht. Der Ingenieur hat Unerhörtes ^erreicht Der Äutomotor darf heute als-die eleganteste Maschine angesprochen werden. Seine Leistungsfähigkeit hat sich stark vermehrt; aber je leistungsfähiger er geworden, desto einfacher, klarer und übersichtlicher ist sein Bau. Und aus dem vibrierenden Herz hat man alle Teufeleien verbannt, die noch vor Jahren den Automobilfahrer in die grösste Verlegenheit bringen konnten. Der Motor ein Herz — und welches Herz kennt nicht seine Launen! Aber diese Launen werden wohl auch in kürzester Frist noch überwunden werden können; eingeweihte Fahrer wissen sie jetzt schon zu bezwingen. Die Generation, die mit dem Motor quasi aufgewachsen ist und die von ihm spricht, wie einst Grossväterchen von seinen Pferden sprach, die heute wagemutig und zukunftsfreudig am Volant steuert, hat auch den alten Stil im Bau des Wagens überwunden. Nicht nur die Frau, sondern auch die Karosserie ist der schlanken Linie Untertan geworden. Die Haube ist lang, der Kühler oft hoch und schmal, der Radstand vergrössert, der Bau im Ganzen niedriger und so zwischen den Achsen, dass die Stosswirkung auf ein Minimum herabgesetzt werden konnte. Dazu eine Federung, wie man sie kaum mehr überbieten dürfte. Die Schlankheit hat sich durchgesetzt, die elegante Linie wird besonders durch die vordem Schutzbleche charakterisiert. In reizvollem Schwung verlaufen die breiten Flügel nach hinten. Mit der Eleganz verbindet sich das jugendliche Ungestüm. Der Vorbau bringt den Drang nach vorwärts zum Ausdruck. Auch wenn der Wagen steht, ahnt man die rassige Bewegung, erkennt man die Kräfte, die in den Zylindern nach Befreiung und Nachsichauswirken drängen. Das Kleid aber ist nicht nur elegant, es ist auch praktisch. Die Innenausstattung ist vollkommen und mit den letzten Finessen versehen. Seit Jahrhunderten zeichnete sich alles Vornehme, alles Hochkultivierte durch eine gewisse Bescheidenheit und durch Unauffälligkeit aus; so ist es auch heute mit dem Automobil geworden. Der wirklich vornehme Wagen muss von distinguierter Farbe sein. Das Schreiende, äusserlich'Auffallende, das Grelle und Blendende hat diskreten Farben Platz machen müssen. So hat sich zur Zivilisation die Kultur gesellt. Der höchstleistende Motor hat sich ein elegantes, aber vornehmes Kleid übergeworfen. Mit diesem Kleide tritt er im Pariser Salon auf und weiss sich die Herzen der Menschen im Sturme zu erobern. Man sieht es ihm an, er weiss von der Umwälzung, die ©r im ganzen heutigen Verkehrsleben gebracht hat. Er kennt den Einfluss, den er im heutigen Wirtschaftsleben auszuüben imstande ist. Er ist davon überzeugt, dass mit ihm die Menschheit weiterschreiten und dass er alle noch vorhandenen Hindernisse mit Leichtigkeit überwinden wird. Die Eröffnung. Paris, den 3. Oktober 1929, Heute Donnerstag morgen, um 9 Uhr, wurden die Portale des Grand Palais zur diesjährigen Ausstellung dem Publikum geöffnet. Gleich zu Beginn herrschte ein grosser Andrang von Besuchern. Der Salon überrascht wiederum durch eine Riesenbeteiligung:: 1020 Aussteller verzeichnet allein die Serie «Tourisme; 372 Firmen haben Stände der Serie « Moto et Cycles » beschickt und nicht weniger als 272 stellten bei den «Poids lourds», den Lastwagen, aus. Die Stände sind dieses Jahr in einem hellen Marron gehalten, Pflanzengrün belebt die weite Halle. Der Gesamteindruck der Dekoration ist beser als 1928. Alles ist schlichter und dem Typus des modernen Wagens weit besser auf den Leib geschnitten. Die Beleuchtung ist grandios. Der Donnerstag. Während am Mittwoch noch das Hasten und Hämmern der Arbeiter herrschte und alle zwei Minuten ein schwerer Camion über die Rampe in die Halle einrollte und ganze Ballen von Dekorationsseide schleppte, mit einem Wort, die ganze Nacht hindurch wie im Fieber die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, bietet sich heute morgen der ganze Salon empfangsbereit. Obwohl das Wetter dem ersten Besuchstage nicht gewogen war — ein feiner Regen rieselte unablässig hernieder — parkten den ganzen Tag Hunderte von Besucherwagen vor dem Grand Palais. Auf den Avenues zwischen dem Champs Elysees und dem Quai de la Seine, wo die Versuchsfahrten mit den Modellen stattfinden, herrschte Hochbetrieb. Die Menge ist das Konglomerat aller internationalen Automobilausstellungen: ein Gemisch von (Eigene Berichterstattuug) WANDERER rWVWHWV^V L IIHIIII..,! —vi.^- 1-r ^ n • • - • • - - — — - — " • - " " . - - — — - — - — . . . . . . . . . . . . _ 1-roaamtQnainlif sin*» »«*»««.« Oi. II _ J 11 •