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E_1929_Zeitung_Nr.087

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Mittwoch 9. Oktober 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N° «7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freltan Monatlich „(Hlbt List»" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •oJern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag tür postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrninstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/ 414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Für die Vereinheitlichung der Strassenverkehrssignale Wie unsern Lesern aus verschiedenen Mitteilungen bekannt sein dürfte, konnte bis anhin zwischen dem Schweizerischen Städteverband und der Schweizerischen Baudirektoren-Konferenz in bezug auf eine einheitliche Gestaltung der Strassenverkehrstafeln leider noch keine Einigung zustande gebracht werden. Wir haben bereits in Nr. 85 der «Automobil-Revue» betont, dass wir damit nach vielverheissenden Anfängen grade auf einem •wichtigen Gebiet des Verkehrswesens vor Unstimmigkeiten und Differenzen stehen, die dem Verkehr niemals förderlich sein können. Je einfacher die Fragen, desto komplizierter werden sie behandelt, das scheint typisch Schweizerart zu sein. So leider auch auf diesem Gebiete. Um einem allfälligen Chaos vorzubeugen, schlugen wir deshalb vor, die Signalvorschriften in den Verordnungen des kommenden Automobilgesetzes einheitlich zu behandeln. Dieser Vorschlag erhält nun seine Unterstützung, indem der Schweizerische Städteverband eine Eingabe an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement beschlossen hat, worin dieses ersucht werden soll, in der Kontroverse zwischen der Baudirektoren-Konferenz und dem Städteverband über die Gestaltung der Strassenverkehrstafeln zur Erreichung vollständiger Einheitlichkeit in Stadt und Land, zu vermitteln. Wir nehmen an, dass das Departement sofort bereit sein wird, diese Vermittlerrolle zu übernehmen,-da es gegenüber allen Strassenbenützern geradezu unverantwortlich wäre, sie mit verschiedenen Signalsystemen zu beglücken, in einem Augenblicke, da aus zweckdienlichen Gründen alles der Einheitlichkeit zustreben sollte. Die Signaltafeln des Schweizerischen Städteverbandes sind im engsten Kontakte mit dem damaligen Chef der Polizeiabteilung im Schweizerischen Justiz- und Polizeidepartement, Herr Prof. Delaquis, ausgearbeitet F E U I L L E T O N Patent Ko. 2002. Kriminalroman von Ludwig Peter. (10. Fortsetzung) Kraft nahm geistesabwesend seine Mahlzeit ein, verliess bald sein Tischchen und ging an den Strand hinunter. Langsam entfernte er sich vom Hotel. Er wanderte auf dem Fusspfad dem Meer entlang gegen Laurana. Weit hinter ihm lagen die Lichter von Abbazia; er lief durch die Finsternis. Von Zeit zu Zeit drehte er sich um. Er war eben an jener Stelle angelangt, wo der Weg hoch in den Felsen dem Meer entlang führt, als er von hinten angerufen wurde. Alfred Fleissig ragte gewaltig vor ihm auf. Mit heiserer Stimme forderte er Rechenschaft darüber, warum er von Fritz Kraft in unzweideutiger Weise des Mordes an den Freunden verdächtig worden sei. Kraft zitterte am ganzen Leibe. Schritt um Schritt wich er zurück, und da er sah, dass ihm Fleissig folgte, stürzte er sich mit einem Mal auf seinen Gegner und suchte ihn in die Tiefe zu stürzen. Aber der Legionär war flink und stark wie ein Panther. Ineinander verkrampft rollten die beiden über das schmale Felsband. Unter ihnen rauschte das Meer. Ein Schatten warf sich zwischen die Ringenden und hielt Kraft mtt einem Revolver in Schacht. Es war Dr. Steinmann. «Folgen Sie mir ins Hotel, Herr Klein, sagte er kurz zu dem Bankier. Herr Fleissig, Sie werden der Unterredung als Zeuge beiwohnen.» Ohne ein Wort zu erwiedern schritt Kraft worden. Herr Prof. Delaquis war von der Vortrefflichkeit des neuen Signalisierungssystems überzeugt. Er hat sich deshalb bereits im April 1927 in Wien und im November 1927 in Genf vor der Kommission des Völkerbundes für sie eingesetzt und mit Erfolg zur internationalen Einführung empfohlen. Die Kommission, welche die Signalordnung für den Strassenverkehr ausarbeitete, bestand aus drei städtischen, und zwei kantonalen Polizeivertretern, sowie vier Vertretern der grossen Verkehrsverbände des A. C. S., des T. C. S., der Aspa und des S. R. B. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Auch die kantonalen Polizeidirektoren erteilten dazu ihre ausdrückliche Zustimmung, und die Kantonsregierungen genehmigten teils ausdrücklich, teils stillschweigend die Aufstellung dieser Tafeln in sämtlichen Schwetzerstädten. Nun hat unterdessen, wie man weiss, die Baudirektorenkonferenz ihr eigenes, sich allerdings an die Signalordnung des Schweizerischen Städteverbandes anlehnendes Zeichensystem ausgearbeitet. Die Differenzen zwischen den beiden Stellen betreffen in .der Hauptsache die Form der Tafeln. Der Städter verband wählte für alle Zeichen des Strassenverkehrs die runde Tafel. Der rote Grund bedeutet Verbot, der blaue die ^eachtung besonderer Verkehrsregelungen. Die Baudirektoren-Konferenz hat bei ihreni Tafelsystem neben der runden auch die dreieckige und die rechteckige Tafel eingeführt. Die dreieckige Tafel war bisher durch eine internationale Konvention für die Kenntlichmachung von fünf- bestimmten Gefahren im Ueberlandverkehr reserviert. Sie warnte vor Kreuzung, Kurve, Bahnübergang, Rinne oder Höcker und unbewachtem Bahnübergang. Eine weitere dreieckige Tafel, die sich überall sehr gut einführte, war diejenige, die den Beginn der Ortschaft, also des Ortstempos, anzeigte. Es wäre nun direkt für die Automobilisten irreführend, wenn diese Tafel beispielsweise im städtischen Verkehr für die Bezeichnung von Baustellen Verwendung voran. Im Hotel bat er den Detektiv, ihn in fünf Minuten im Lesezimmer zu erwarten. «Ich halte Sie für klug genug, nicht zu fliehen», entgegnete Steinmann und nickte. Nach fünf Minuten erhoben sich beide Herren und begaben sich in das Appartement des Bankiers. Als auf ihr Klopfen keine Antwort erfolgte, traten sie ein. Der Salon war leer; die Tür zum Schlafzimmer stand offen, das Licht brannte, auf dem Bett lag Fritz Kraft. Er hatte sich vergiftet. Man benachrichtigte die Polizei. Die Beamten nahmen noch in derselben Stunde die Leichenschau vor. Da Kraft keine nähern Verwandten hatte, wurde ins Geschäft telegraphiert. Als die Vertreter der Behörde sich entfernt hatten, lud Dr. Steinmann Fleissig zu einer Unterredung ein. Seit der Klärung des Falles war er ein anderer Mensch; die belastenden Dokumente waren entkräftet. Der Detektiv wandte sich an seinen Gast: «Zuerst muss ich mich wegen meines Besuches bei Ihnen entschuldigen. Ich kannte damals schon den Täter, hoffte aber, von Ihnen Wichtiges zur Beweisführung zu erfahren; deshalb verdächtigte ich Sie, denn als zurückhaltender Mensch hätten Sie mir als Fremder keinerlei Aufschluss erteilt; nur der Affekt konnte Ihre Zunge lösen. Meine Rechnung war richtig, Sie verrieten mir, was ich noch nicht gewusst hatte, die Tatsache von Kellers Erfindung. So wurden mir die Motive zur Tat klar.» Fleissig entgegnete: «Ich kann den Gedanken, dass Kraft der Mörder seiner Freunde ist, noch immer nicht fassen, ich erkennen keine Zusammenhänge.» Der Detektiv lächelte: «Sehen Sie, der Laie gsht immer von Voraussetzungen aus, finden sollte. Die viereckige Signalform, welche von der Baudirektoren-Konferenz als Ortsbezeichnung, als Geschwindigkeitsbezeichnung oder mit der Aufschrift « Spital », «Schule» etc. vorgeschlagen wird, findet sich in jeder Strasse massenhaft bei Firmenschildern, Strassenbezeichnungen und kann ^deshalb leicht zu argen Missverständnissen führen. Das Tafelsystem der Baudirektoren- Konferenz möchte möglichst Aufschriften bei Tafeln vermeiden. Wenn diesem Gedanken eine gewisse Zweckmässigkeit auch nicht ohne weiteres abgesprochen werden kann, so ist doch immerhin zu betonen, dass Aufschriften unter allen Umständen unmissverständlich sind, dass sie den Fahrer zum Einhalten eines vernünftigen Tempos zwingen und vom Ausländer schliesslich die primitivsten Kenntnisse der Landessprache verlangen. Nun hat jedes System seine Vor- und Nachteile. Der grosse Vorteil aber der städtischen Paris, 5. Oktober 1929. Nun ist der Salonbetrieb vollständig in Schwung geraten und der Samstag sah eine Völkerwanderung nach dem Grand Palais, wie sie eben nur eine Weltstadt aufzubringen imstande ist. Freitag, da der Präsident der Republik seinen Besuch abstattete und soundsoviel Stände mit seinem liebenswürdigsten Lächeln beglückte, von dem ällsoigleich in Presse und Publizität gebührend Kenntnis genommen wurde, war auch der Tag der hohen Pariser Gesellschaft. Eine elegante Welt, welche der Modekunst der Pariser Salons alle Ehre machte, gab sich Rendez-vous in der Ausstellung und der eindrucksvolle Park vornehmer Privatfahrzeuge, der die ganzen Gebäulichkeiten umsäumte, Hess den Rang der Besucher vermuten. Unter kundiger Leitung war es möglich, die Mehrzahl der französischen Automobilfabrikanten einmal von Angesicht kennen zu lernen, machten doch Bugatti, Citroen, Peugeot u. a. m. für kurze Zeit wenigstens selber die Honneurs an ihren Ständen die ihm unumstösslich erscheinen: Ein Freund tötet den Freund nicht. Das ist falsch; alles, selbst das Widernatürlichste, kommt vor.Es handelt sich für uns bei jedem Fall darum, möglichst viel wichtigere und weniger wichtige, auffallendere und mehr versteckte Zeichen der Tat und des Täters zu sammeln und diese ohne Voreingenommenheit zuordnen. Dabei helfen uns Fehler und Unvorsichtigkeiten, die bei der Ausführung des Deliktes begangen wurden. So erhalten wir vorerst einen Fingerzeig, der aber, wenn man die Interessen an dem Verbrechen richtig als Faktor einsetzt, zu einer Theorie verhilft, die eine gewisse Wahrscheinlichkeit in sich schliesst. Von Sicherem und Wahrscheinlichen ausgehend u. weiter forschend u. kombinierend, findet man sich auf die richtige Spur, und schliesslich reiht sich Glied an Glied, so dass die psychischen Bedingungen und die materielle Abwicklung des Verbrechens klar zu Tage treten.» «Ueber unsern Fall hier will ich Ihnen gerne Auskunft geben. Am Morgen nach dem Tode des Ehepaares Dr. Fischer und Dr. Becks las ich von den beiden Unfällen in der Zeitung. Ich überdachte mir einige auffallende Punkte, als sich Herr Kramer bei mir meldete und von seinen Ahnungen erzählte. Als ich ihm, der von nichts wusste, vom Tode seiner Freunde erzählte, bat er mich, die -Sache zu untersuchen. Ich wurde sofort stark in den Bann dieser geheimnisvollen Vorgänge gezogen und begann alsbald mit der Arbeit. Zuerst ging ich zu Kraft, den ich in seinem Geschäft zu finden hoffte. Er lag aber an einer Arsenikvergiftung krank zu Hause. Auf meine Frage, ob die Verstorbenen Feinde gehabt hätten, übergab er mir Ihren Brief und Ihre Phetographie. Dann INSEPTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. tOr die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 CU, Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Signalordnung besteht darin, dass es in allen Städten bereits eingeführt, dass es auch in Landstädten und Dörfern zur Anwendung gelangt, dass der Völkerbund das ganze System adoptiert hat und dass wir damit auf dem besten Wege waren, eine internationale einheitliche Regelung zu erhalten. Die Beschlüsse der Baudirektoren- Konferenz kommen aus diesem Grunde verspätet und durchbrechen in wesentlichen Punkten das bereits sich gut eingelebte System. Das ist ihr grosser NachteiL Eine Einigung aber muss unbedingt zustande kommen, nicht.nur im Interesse des Strassenverkehrs, sondern auch um unser Land und ihre Behörden vor dem internationalen Forum nicht der Lächerlichkeit auszusetzen. Die Vermittlerrolle des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes ist deshalb mehr als erwünscht und dürfte sicher nicht aussichtslos sein. —t. Vom XXIII. Pariser Salon und hielten dort Cercle, wenn sie nicht etwa durch die Begleitung des Präsidenten in Anspruch genommen waren. Samstag war Volkstag im wahren Sinn© des Wortes. In ständiger Brandung wogt© ein Menschenmeer zwischen den Ständen auf und ab, dass es kaum noch möglich war, sich einen Weg zu bahnen und dennoch scheint es uns, dass der Andrang gerade letztes Jahr ein noch viel beträchtlicher gewesen ist. Dass die Prospektsammler in Unmenge grassierten, versteht sich von selbst, und die Papierflut vor dem Gebäude am Abend bewies wieviel Drucksachen und wohlgemeinte Informationen aller Art gedankenlos mitgenommen und wieder weggeworfen werden. Aber auch das Pubikum der wirklichen Interessenten war in Masse vertreten und umlagerte vorab die Stände der populären Wagenmarken wie Citroen, Peugeot, Renault, die eben besonders auch bescheideneren Börsen etwas bieten können. Da rechnete manch einer, wie sich die Monatsraten etwa mit seinem Salär vertragen würden und die begab ich mich ins Haus Fischers und fand dort im Schreibtisch einen anonymen Brief. An der Antenne vermisste ich den Einschlag eines Blitzes. Dafür entdeckte ich am andern Ende des Drahtes, in der Nähe des ; Giebelfensters von Fräulein Bleuler, eine blank gescheuerte Partie. Hier war ein Verbindungsstück angeschlossen worden. Im Zimmer selbst fand ich den untern Teil eines zerbrochenen Reagenzrohres, dessen Inhalt Tetanus-Kulturen aufwies, was durch bakteriologische Untersuchung festgestellt wurde. Am gleichen Rohr war aber auch ein Fingerabdruck sichtbar, obschon, wie Fräulein Bleuler mir mitteilte, Herr Klein sonst mit Handschuhen arbeitete. Das gleiche Fräulein Bleuler hat, als Sie Ihr Bild sah, dasselbe als mit Herrn Klein identisch erklärt. Meine weitern Nachforschungen ergaben, dass die übrigen Gerätschaften des Zimmers im Fluss versenkt worden waren. Die Hauptsache, ein Hochspannungsstransformator, wurde tags darauf auf meinen Befehl herausgezogen. Der «Unfalb Fischer war nun klar. Die beiden Eheleute waren durch Kramers Hellsehertum geängstigt. Klein schickte ihnen den anonymen Brief. Darin stand, dass jemand Dr. Fischer nach dem Leben trachte, er solle den Vortrag des Chefs der Berliner Polizei anhören über .Methoden moderner Verbrecher und deren Bekämpfung durch unsere Polizei'. Er werde Freitag, abends achteinviertel Uhr, im Radio zu hören sein. Fischer könne viel daraus lernen, das zur Erhöhung seiner persönlichen Sicherheit beitrage. Das Ehepaar wurde von K'ein mit hochgespanntem Wechselstrom von dessen Zimmer aus getötet. Der Strom lief durch die Kopfhörer. (Fortsetzung folgt.)