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E_1929_Zeitung_Nr.109

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Dienstag 24. Dezember 1929 Nummer 20 Cfs. 25. Jährgang. — N° 109 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblau für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: ITatbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Reehnung II1/414. Erscheint jeden Dienstafl und Freitag • Monatlich „Gelbe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION! Breitenrainstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIO\S-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odei? deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlüss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Ein Warnsignal. Letzter Tage meldete der Draht ein schweres Autounglück, das sich an einem Bahnübergang in der Nähe von Gelisa in Spanien ereignet hat. Ein vollbesetzter Autobus wollte ein ungeschütztes Bahngeleise kreuzen, als ein Schnellzug heranbrauste, den Wagen überfuhr und völlig zertrümmerte. Von den Insassen wurden 20 getötet und 17 schwer verletzt. Wir stehen vor einem schauderhaften Unglücke in Spanien, das aber ebensogut bei uns in der Schweiz hätte passieren können. Es wird dieses Unglück ganz gewiss auch ein Drohfinger für unsere Bahnen sein. Unsere Forderung, die Niveau-Uebergänge raschmögHchst zu beseitigen und sie wenigstens alle mit den nötigen Warnsignalen zu versehen, das Bahnpersonal, das sich mit den Barrieren zu beschäftigen hat, zu strengster Aufmerksamkeit und Pflichterfüllung zu ermahnen, wird erhärtet. Nicht umsonst hat der Verband der Gesellschaftswagenbesitzer der Zentral- und Westschweiz das Schweizerische Eisenbahndepartement auf die eventuellen Unglücksfälle aufmerksam gemacht, die durch den Zusammenstoss von Autocars und Eisenbahn geschehen könnten- Glücklicherweise konnte bis heute ein solches Unglück in unserem Lande vermieden werden. 'Aber der Drohfinger steht, warnend vor uns. Wir wissen zu. unserer Beruhigung, dass die zuständigen Instanzen der Eisenbahnen durch die"""Vorgekommenen Unfälle an' Niveau- UebecgängenJhte ganze Aufmerksamkeit auf diese Gefahrenquellen richten, und wir nehmen an, dass auch sie, ihrer grossen Verantwortung vollständig bewusst, durch dieses grässliche Geschehen erneut auf die grosse Frohe Feste! Gefährdung der Automobilfahrer durch Warnsignalen versehene Niveau-Uebergänge schlecht bewachte und mit ungenügenden I aufmerksam geworden sind. Automobilbesteuerung, Be nzinzollformel Das neue Verkehrsgesetz und die Benzinzolfverteilungs-Beschlüsse sind berufen, die heutigen misslichen Verhältnisse in der fiskalischen Belastung des Motorfahrzeugverkehrs gründlich zu reformieren. Heute werden von den Kantonen Steuern auf die Benützüngsmöglichkeit erhoben, jedoch nach einer Basis, die jeder Steuergerechtigkeit zuwiderläuft. Der Zylinderinhalt als Steuerfuss hat sich längst überlebt. Im geltenden Konkordat steht noch eine Formel zur Berechnung der Steuerpferde, aber jeder Kanton taxiert diese Pferde verschieden. Die grossen Kantone beziehen am meisten, aber sie leisten auch etwas dafür. Die kleinen Kantone scheuen sich, grosse Steuern zu erheben. Sie klagen lieber, das Geld reiche nirgends hin. Der Bund erhebt eine Steuer auf die effektive Benatzung der Fahrzeuge in Form des Benzinzqlles, d. h. wer viel fährt, braucht viel Benzin und leistet automatisch mehr Steuern. Aber die-Erträgnisse dieser Gebrauchssteuer werden auf recht unzulängliche Weise verteilt, ein Viertel statt eines Hauptanteils, ferner bekommen die dicht bevölkerten Städtekantone den Löwenanteil, während die Alpenkantone fast leer ausgehen. Zum Glück regen sich min allerorten Stimmen gegen diese fehlethafte Verteilung (etwas zu spät, nach dem ,12. Mai 1929). Es ist daher Zeit, jetzt für eine sachgemässe Erhebung und Verwendung der Motorfahrzeugeinnahmen zu plädieren. Die Einleitung mag gezeigt haben, dass Automohiilsteuern und Benzinzollformel zusammen betrachtet und womöglich auch gemeinsam geregelt werden müssen. In der Hauptsache werden dabei volkswirtschaftliche Erwägungen massgebend sein. Dass mit Formeln viel erreicht werden kann, zeigt die Entwicklung des europäischen Motors : Steuer- und Rennformeln erzeugten den höchsttourigen Motor vop kleinstem Zylinderinhalt. Es ist anzunehmen, dass die Steuern auf die Benutzungsmöglichkeit noch lange bleiben werden. Bis zu einem gewissen Grade spricht manches für sie. Sie sind gewissermassen ein «Generalabonnement» auf alle Schweizer Strassen. Sie fördern die möglichst wirtschaftliche Ausnutzung jedes Wagyens; je mehr gefahren wird, desto kleiner wird die Steuerquote auf den genutzten Kilometer. Nur sollte diese feste Steuer etwas gerechter nach den Abnützungsgraden erhoben werden.. Nicht der Zylinderinhalt nützt die Strassen ab, sondern das Gewicht, und das, Tempo (hier ist die Progression sogar geometrisch). Jeder soll zahlen, was er konsumiert. Und wenn der Lastwagen die Strasfve.risJffflärmehr beansprucht als der Personenwagen, so soll er auch genau xmal 'mehr £ahteh. Wir sagen dies selbst auf die Gefahr hin, dass man bei der S. B. B. allzu freundlich lächelt! Wir möchten daher eine Formelzur Diskussion bringen, welche die Steuer, proportional dem Bruttogewicht und der Maximalgeschwindigkeit des Fahrzeuges berechnet. St. = GXCmax. Der Bund sollte daher irgend einen Weg finden, um die Besteuerung der Motorfahrzeuge zu reformieren. Z. B. Hesse sich eine gewisse Kompetenz aus dem Doppelbesteuerungsverbot; ableiten. Oder dann muss eben ein Automohilsteuer-Konkordat erreicht werden, das die gemeinsame Besteuerung der Motorfahrzeuge nach gleichen Grundsätzen und gleiclien Tarifen bezweckt. Wenn dann den unwürdigen Marktereien um Steuernach- Jässe und -nachbezüge bei Verstellung der Fahrzeuge oder Wohnsitzwechsel ein Ende gesetzt wird, so wäre es sehr zu begrüssen. Dies allein liesse sich sicher mit dem Doppelbesteuerungsverbot im Bundesgesetz regeln, wenn sonst nichts erreicht wird. Früher sind oft an Stelle dieser festen Steuern auf die Benutzungsmöglichkeit verschiedene Gebrauchssteuern vorgeschlagen worden, zumeist durch registrierende plombierte Fahrkilometerzähler (nach Konstruktion der Taxameter). Diese Instrumente sind aber immer noch zu empfindlich und würden, zu allerlei Manipulationen geradezu ver* locken. Ferner haben sie den grossen Nachteil, dass die Steuer kreditiert werden muss. Was ist zu tun, wenn der Betreffende kein Geld hat oder haben will, die Vorteile der Autobenützung aber schon in der Tasche hat? Immer kann man nicht die Fahrzeuge pfänden. Eine andere Grundlage wäre die Reifen* Steuer. Man kann einen Reifen nicht abnützen ohne die Strasse auch abzunützen. Wir glauben aber, dass die Benzinbesteuerung genügt und sich auch steuertechnisch besser eignet. Die jetzige offizielle Benzinzollförmef macht ein recht harmloses und gerechtes Gesicht. Wenn man aber ihre einzelnen Elemente (Funktionen nennen es die. Mathematiker) näher auf ihre Wirkung und Begründung prüft, so staunt man, wie sie die langen parlamentarischen und öffentlichen Diskussionen überstanden hat, ohne dass man auf ihre innere Schwäche gekommen wäre. Erst als man sich die statistischen Unterlagen beschaffte und die Formel durphrechnete, ersah man die groteske Begünstigung volkreicher Städtekantone, die in Genf sogar die Idee wachwerden Hess, man könnte eigentlich . ganz gut -die allgemeinen Staatsschulden mit dem Benzinzoll tilgen... Mathematisch ausv< gedrückt lässt sich die offizielle Formel so schreiben : b = = 3 (S + Ü + S) ^ • wobei bedeuten : Grossbuchstaben die gesamteidgenössischen, Kleinbuchstaben- die einzelkantonalen Anteile an Benzinzoll (B, b), Strassenlänge (S, s), Einwohnerzahlen (E, e), Aufwendungen für Autostrassen in den letzten drei Jahren (A, a). Der Faktor -^ (Aufwendungen für Autostrassen) beruht offenbar auf der Erwägung, dass viele Kantone in den letzten Jahren unter grossen Opfern ihre Strassen zum grossen Teil bereits ausgebaut und sich oft entsprechende Schulden für deren Gegenwert aufgehalst haben. Diese Schulden soll der Benzinzoll abtragen helfen. Man kann aber ebenso scharfsinnig umgekehrt argumentieren : Diese Kantone hatten eben seinerzeit das Geld in der Tasche, z. B. aus Erträgnis- IWeÖmaclitssliminung erfüllt das. Land; Schnee liest unter kaltem Himmel. Mögen Licht und Freude in jedes Heim einziehen! Die Redaktion der «Automobil-Revue.» ' '.'• "üS ..' * "J V Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. Deutsches Recht beim Verlag Georg Müller in München. (2. Fortsetzung) Der eiserne Wagen! In meiner Erinnerung blitzt es auf, dass ich schon einmal davon gehört habe. Es war eine sonderbare Erzählung, die ich aber nicht behalten habe. Ich weiss nicht mehr recht, was es war, aber Nacht und Dunkelheit zusammen erwecken in mir das Gefühl, dass es irgend etwas Schreckhaftes war. Rasch packe ich den Mann beim Arm und gehe mit ihm ein Stück weiter. «Der eiserne Wagen?» frage ich. «Wie lange ist es her, seit Sie ihn gehört haben?» «Fünf Jahre, es war in jener Nacht, als der alte Gjaernaes starb.» «Wem gehört der Wagen?» «Ja, wem gehört der Wagen?» antwortete der Mann und schüttelte* den Kopf. Ich frage nicht weiter, denn nun kommen wir aus dem Gehölz und die rotgestreifte Markise vor dem Hotel verjagt die Stimmung der Herde. Nun können wir auch den eisernen Wagen nicht mehr hören, denn der Wald liegt zwischen ihm und uns und lässt den Laut nicht herüberdringen. Ich steige hinauf in mein Giebelzimmer und öffne beide Fenster. Das erste, was ich sehe, ist ein matter Lichtschimmer, weit, weit entfernt. Also sind die Leute auf Gjaernaes noch immer nicht zur Ruhe gegangen. Es interessiert mich plötzlich, zu erfahren, wann dieses Licht erlöschen wird. Ich setze mich ans Fenster, aber da mich das Warten müde macht, gehe ich bald im Zimmer auf und ab, rauche einige Zigaretten und trete wieder ans Fenster, wobei ich denke: Nun muss aber doch das Licht endlich verlöscht sein Aber das Licht blinkt dort noch immer. Eine ganze Stunde verstreicht. Ich fühle, dass die Nacht plötzlich warm und schwül wird und halte die Hände aus dem Fenster, ein paar schwere Regentropfen fallen darauf. Die Luft ist still, ein lauer Regen rieselt herab und es wird warm draussen. Ich lausche und schaue; und da höre ich es wieder, dieses ferne Rasseln von Eisen, aber das Geräusch ist nun weiter entfernt als vorher. Lange Zeit höre ich es nicht, dann tönt von da und dort ein schwacher Klang herüber, wieder ist es ruhig und dann höre ich wieder das Rasseln eine Minute lang oder länger- Der eiserne Wagen! Ich schliesse die Fenster. Draussen wird es hell, der Tag steigt allmählich über die Berge herauf. Ich sehe, wie die Bäume taufeucht werden. Ein letzter Blick über die Heide dorthin... noch immer brennt das Licht, ich lasse die-Gardine herab.