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E_1930_Zeitung_Nr.003

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 10. Januar 1930 Nummer 20 Cts.> 26. Jährgang. - N° 3 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen AB O NNEME NTS- PR EI SE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Zweierlei Recht? Wir besitzen im Kanton- Bern eine Strasse Frutigen-Adelboden. Sie ist Staatsstrasse und wurde vor bald zehn Jahren mit einem Aufwand von ungefähr l 1 /^ Millionen Franken ausschliesslich aus Staatsgeld zur Automobilsträsse ausgebaut. Dabei wurden die Kurven korrigiert, die Strasse an vielen Stellen verbreitert und die Brücken verstärkt. Diese Bergstrasse birgt keine besondern gefährlichen Stellen, sie ist gut unterhalten und gut fahrbar. Merkwürdigerweise wurde diese Frutigen- Adelboden-Strasse dem allgemeinen Verkehr für Motorfahrzeuge nur zum Teil geöffnet. Im März 1922 stellte der Regierungsrat des Kantons Bern für die Benützung der Strasse gewisse Verkehrsvorschriften auf. Sie wurden in eine sogenannte Verkehrsordnung zusammengefasst und im August 1926 regierungsrätlich genehmigt. Darnach bleibt die Frutigen-Adelboden-Strasse für Lastautomobile mit oder ohne Personenbeförderung allgemein gesperrt, gewisse Ausnahmen vorbehalten. Warum diese Strasse dem allgemeinen Verkehr nicht geöffnet wird, nachdem das Bernervolk dafür Millionen aufgebracht hat, ist uns nicht erklärlich. Auf alle Fälle ist damit zweierlei Recht geschaffen worden und wurde damit der dort bestehenden Autogenossenschaft Frutigen-Adelboden ein Vorrecht, ja eine ausgesprochene Monopolstellung zugeschanzt, die, auch wenn die Kantonalbank von Bern daran interessiert ist, vollständig auf ungesetzlichem Boden steht. Der gegenwärtige Zustand ist rechtlich, tatsächlich unhaltbar. Diese Autogenossenschaft Frutigen-Adelboden gedeiht heute, dank ihrer Monopolstellung, ausserordentlich gut. Sie besitzt «ine sogenannte Konzession A von Seit© der schweizerischen- Oberpostdirektion. Sie führt aber nicht nur Fahrten zwischen Frutigen und Adelboden aus, sondern handelt wie eine private Transportgesellschaft, deren Wagen nicht selten in Kandersteg, in Interlaken, in Grindelwald, in der Aareschlucht, ja auf der Grimselpasshöhe anzutreffen sind. Auch hat sie ihren Wagenverkehr über da© Strecke Frutigen-Adelboden hinaus ausgedehnt, indem sie mit ihren Lastwagen die direkte Domizillieferung übernommen hat. Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. Deutsches Recht beim Verlag Georg Müller in München. (6. Fortsetzung) Es ist ganz klar, dass mit dieser einseitigen Konzessionierung weder den Gemeinden Adelboden und Frutigen, noch den Hotels in jener Gegend gedient ist. Nicht umsonst haben bereits im Jahre 1923 die Gemeinderäte der genannten Dörfer, der Verkehrsverein, der Hotelier-Verein und der Bergführer-Verein von Adelboden in einer gemeinsamen Eingabe und mit zirka 800 Unterschriften die Freigabe der Strasse für den allgemeinen Verkehr auch mit Lastautomobilen gefordert. Nur in gewissen Einzelfällen gelang es der Privat-Initiative, diese merkwürdige Monopolstellung der Autogenossenschaft zu durchbrechen. Abgesehen aber von verschiedenen bekannten Beispielen blieb die Adelbodener Strasse in den Händen des dort bekannten Strassenvogtes; der Verkehr mit Lastautomobilen ist heute noch im grossen und ganzen gesperrt. Zweifelsohne hat die bernische Regierung das Recht, gemäss den Bestimmungen des Strassenpolizeigesetzes und des Motorfahrzeugkonkordates Verkehrsordnungen über die Benützung von Strassen aufzustellen. Hingegen muss doch festgestellt werden, dass es schwer halten dürfte, trotz Entscheid der kantonalen Behörde und des Bundesgerichtes, die Ausnahmestellung der Autogenossenschaft Frutigen - Adelboden durch deren Konzession von der eidg.Pöstverwaltung zu rechtfertigen, kann doch die Vergünstigung einer Konzession nach der Verordnung vom 8. Februar 1916 unmöglich irgendein Vorrecht auf die Benützung einer Strasse schaffen. Der Schutz, welchen die Autogenossenschaft Frutigen-Adelboden bei der bernischen Behörde geniesst, ist wohl einzig darauf zurückzuführen, dass dieBern- Lötschberg-Bahn Gesellschafterin der betreffenden Gesellschaft ist und dass von hier aus wohl sich der Einfluss besonders geltend macht, dem privaten Gewerbe und .den privaten Lastautomobilen die Strasse nicht zu öffnen. Da die genannte Genossenschaft zugleich auch in nächster Zeit die Agentur der Sesa übernehmen dürfte oder eventuell bereits übernommen hat, so dürften die Zusammenhänge vollständig klar liegen. Durch die Tatsache, dass der Autogenossenschaft Fratigen-Adelboden von der ©idg. Vom Bett aus konnte ich ihn sehr genau betrachten. Ich schätzte ihn auf fünfunddreissig oder vierzig Jahre. Es war von mittlerer Grosse und breitschultrig. Sein Kopf war etwas zu klein für den breiten, starken Hals geraten. Er hatte einen Anflug von Glatze, einen graugesprenkelten Schnurrbart und trug einen schwarzgeränderten Kneifer; dabei hatten seine Augen einen seltsamen, fortwährend wechselnden Ausdruck. Wenn er sie zukniff, lagen sie wie zwei schwarze Linien hinter den Gläsern des Kneifers; sein ganzes Gesicht bekam dann ein sarkastisches und misstrauisches Aussehen; wenn er mich aber scharf ansah, wurden sie unnatürlich gross und stechend. Der Mensch machte auf mich nicht gerade einen sehr sympathischen Eindruck. «Wer sind Sie?» fragte ich. «Das haben Sie sicherlich bereits erraten,> erwiderte er. «Mein Name ist Asbjörn Krag.» «Polizeibeamter?» «Detektiv,» berichtigte er. «Die Bezeichnung «Polizeibeamter» setzt voraus, dass man staatlich angestellt ist. Es ist aber schon lange her, dass ich gegen festes Gehalt tätig war. Ich bin durchaus mein eigener Herr und nenne mich deshalb auch Privatdetektiv. Uebrigens haben Sie recht, Sie- schlafen sehr leise.» «Wieso?» «Ich brauchte Sie nur ein wenig anzusehen, damit Sie die Augen aufschlugen.» «Können Sie denn Schlafende dadurch aufwecken, dass Sie sie nur ansehen?» «Aber sicher! Das ist sehr leicht. Wenn ich gewusst hätte, dass Sie so leise schlafen, dann hätte ich Sie nicht so intensiv angeschaut.» Warum nicht?» «Es interessiert mich stets, schlafende Menschen zu betrachten und ihnen zuzuhören. Einzelne plaudern ja im Schlaf das aus, was sie wissen.» «Und was wünschen Sie von mir?» «Ich möchte mit Ihnen, über den Mord sprechen. Man hat mir erzählt, dass Sie den Erschlagenen bei Lebzeiten zuletzt gesehen haben.» «Jawohl, ich sah ihn um halb elf Uhr abends.» Und er wurde ziemlich genau um elf Uhr ermordet.» Mein Gesicht mag in diesem Augenblick einige Verwunderung über die Zuversicht des Mannes ausgedrückt haben, denn er fuhr gleich fort: «Dies zu folgern ist nicht gerade schwer. Von dem Edelhof bis zur Mordstelle ist ein Weg von einer halben Stunde.» «Aber man weiss ja nicht, ob er nicht noch anderwärts gewesen ist,» wandte ich ein. «Sie vergessen, dass es regnete,» erwiderte der Detektiv. .«Die Spur zeigt deutlich, dass Postverwaltung die Konzession A erteilt wurde, ist ihr alifälliges und ausschliessliches Recht auf die Benützung der Strasse in keiner Weise präjudiziert. Die Einräumung der Monopolstellung trägt den Charakter der Willkürlichkeit, bedeutet ein Verstoss gegen Artikel 72 der kantonal-bernischen Verfassung, welche alle Bürger vor dem Gesetz gleichstellt und zugleich ein Eingreifen in die Gewerbefreiheit. Die Verantwortung, welche der Autogenossenschaft durch die Konzession auferlegt wird, hat auch mit dem Moment der Verkehrssicherheit nichts zu tun; sie ist vornehmlich eine administrative und kurstechnische und bezweckt ausschliesslich die regelmässige Sicherstellung der vorgesehenen Kurse, die Zuverlässigkeit der Fahrparks und desFahrpersonals. Da der betreffenden Genossenschaft irgendein gemeinnütziger Charakter abgeht und es sich um eine rein private Erwerbsgenossenschaft handelt, so scheint die Tatsache um so unbegreiflicher, dass man Vertretern des oberländischen Privatgewerbes die Möglichkeit nimmt, mit eigenen Wagen ihre Kunden in Adelboden zu bedienen. Auch die Rechtfertigung mit der angeblichen Notwendigkeit der Einschränkung des Verkehrs auf dieser Strasse ist hinfällig. Die zunehmend© Entwicklung der betreffenden Autogenossenschaft widerlegt diese Behauptung von selbst. Der Verkehr hat sich beständig vermehrt; dabei wurden der betreffenden Genossenschaft keine Beschränkungen bezüglich des Lade- und Warengewichtes auferlegt. Dazu kommt, dass der heutige Zustand der Frutigen-Adelboden-Strasse einer Verkehrseinschränkung hinsichtlich der Lastautomobile gar nicht bedarf. Wir stehen deshalb in dieser Angelegenheit vor der merkwürdigen Tatsache, dass eine Staatsstrasse für die Allgemeinheit gesperrt und der Verkehr einer Genossenschaft ausgeliefert wird, die allerdings mit der B. L. S. in engstem Kontakte steht, dabei aber offensichtlich zweierlei Recht geschaffen und die Rechte und Interessen des freien Gewerbes nicht gewahrt wurden. Das Gesuch einer bekannten Oberländer Firma an den hohen Regierungsrat des Kantons Bern, man möchte ihr für ihre Autotransporte di© Frutigen-Adelboden-Strasse ebenfalls öffnen, wurde merkwürdigerweise abschlägig beurteilt. Das schweizerische' Bundesgericht in der Unglückliche niedergestürzt ist, bevor es zu regnen anfing.» Hierauf hatte ich nichts zu erwidern. Herr Asbjörn Krag erhob sich. '«Ich werde jetzt hier draussen umherschlendern, bis Sie sich angezogen haben,» sagte er. «Ich habe selten einmal Gelegenheit; auf dem Lande zu sein; da ist es denn ganz gescheit, die wenigen Stunden auszunutzen, die mir zur Verfügung stehen. Welch eine herrliche Luft!» «Wollen Sie so rasch wieder abreisen?» «Vielleicht; aber ich gehe nicht allein von hier fort.» «Wer wird Sie denn begleiten?» Der Detektiv kniff die Augen zu und sagte lächelnd: «Der Mörder; das ist doch leicht zu erraten.» Im Zimmer nebenan wurden Stimmen laut. Krag horchte. «Man spricht von dem. Toten», sagte er. «Alle Menschen sprechen von ihm.» Er nickte mir zu und ging hinaus. Den photographischen Apparat nahm er mit. Ich blieb noch eine kurze Zeitlang liegen und dehnte mich im Bett, da ich schlechterdings keine Lust hatte, aufzustehen. Endlich jedoch sprang ich vom Lager auf und fuhr in meine leichten Sommerkleider. Als ich das Fenster öffnete, schlug mir die Wärme von draussen unangenehm entgegen. Es war still und dunstig. Der Himmel schien dicht über der Erde zu hängen, als wolle er die Luft zusammendrücken, so dass sie heiss und stickig war. Kein Blatt rührte sich, der Sturm vom Abend vorher hatte sich längst gelegt INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Lausanne hat den Entscheid des Berner Regierungsrates geschützt, trotzdem die staatsrechtliche Beschwerde nach allen Teilen genau motiviert und unserer Ansicht nach unwiderlegbar ist. Verschiedenen Firmen des Unterlandes wurden Ausnahme-Bewilligungen erteilt, trotzdem ihre Waren, wenn unbedingt nötig, ebensogut mit der Bahn hätten spediert werden können. Der oberländischen Firma, welche infolge der Qualität ihrer Waren auf den Autotransport angewiesen ist, der sich eben auch hier vorteilhafter als der Bahnbetrieb erweist, wurde die Bewilligung nicht erteilt. Die Angelegenheit hat nicht nur in automobilistischen Kreisen, sondern ganz besonders im Berner Oberland gewaltiges Aufsehen erregt. Auf der einen Seite erklärt man sich beständig bereit, den Oberländern, den Gebirgsbewohnern zu helfen, auf der andern Seite stösst man einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung den Riegel vor, sobald man glaubt, vitale Interessen der B.L.S. kämen in Frage. Dort liegt der Haas im Pfeffer, ein Haas aber, der von der Bevölkerung auf die Länge hin nicht mehr ohne weiteres geschluckt werden dürfte. Um die Surbtalbahn. Man kennt die Vorgeschichte dieser Verkehrsverbindung, die nach den Wünschen einiger Surbtaler eine Bahn hätte sein sollen, dann aber eine Autobusverbindung wurde. Die Verkehrserwartungen nach dem Surbtal 1 wurden seinerzeit unterschätzt; erst mit der Einführung des Autobusverkehrs wurde auch hier die Richtigkeit der Behauptung bewie» sen, dass man einer Talschaft ein Verkehrsmittel geben muss, wenn sie sich entwickeln soll. Der Autobusverkehr nahm im Surbtal von Anfang an einen ungeahnten Aufschwung. Schon in der ersten Zeit stieg die durchschnittliche Reisendenzahl auf annähernd tausend Personen im Tag und sie ist seither noch im Zunehmen begriffen, so dass viele Wagen oft überlastet sind. Den stets noch zunehmenden Verkehr kann man leicht dadurch befriedigen, dass man mehr Wagen in den Dienst stellt und vermehrte Kurse einführt. Gewisse Kreise aber, denen der Autobetrieb im Surbtal nicht genehm ist, werfen, nun der Bundesbahndirektion vor, dass sie sich hier verrechnet habe und sie fordern er- So stand ich ein Weilchen und lauschte auf die Stimmen in dem anstossenden Zimmer. — Das klingt ja verteufelt laut, dachte ich bei mir, steckte mir eine Zigarre an und ging hinaus. Als ich in den Salon kam, galt meine erste Frage der Wirtin; ich bat sie um ein anderes Zimmer, da es mir da oben zu laut wäre und mich die Stimmen in meiner Nachbarschaft störten. Die Wirtin versprach mir, die Sache in Ordnung zu bringen; ich sah mich nun nach dem Detektiv um. Alsbald gewahrte ich ihn auch im Schatten einiger grosser Bäume. «Stehen Sie ruhig,» rief er mir zu. «Ich nehme soeben ein ausgezeichnetes Bild von Ihnen im Profil auf.» Es knackte in seinem photographischen Apparat. Lächelnd trat er auf mich zu und bat mich um Entschuldigung. «Die Liebhaberphotographie.» sagte er, «ist meine neueste Leidenschaft. Da ich aber meine Leidenschaften stets übertreibe, bin ich als Photograph eine Plage für meine Umgebung. Sie hoben sich so vortrefflich von der dunklen Felswand ab; ich hoffe, Sie entschuldigen mich. Haben Sie übrigens schon gefrühstückt?» Diese Frage kam ganz unerwartet. «Nein,» erwiderte ich. «Da Sie so sehr darauf erpicht waren, mit mir zu sprechen, wollte ich Sie nicht länger warten lassen.» «Dachte mir's, dachte mir's,» brummte er, während er gemütlich seinen Arm unter den meinigen schob. «Folgen Sie mir, Sie werden staunen, wie fein ich das angeordnet habe.» Damit zog er mich in ein kleines Hotelzimmer, wo ein für zwei Personen gedeckter D