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E_1930_Zeitung_Nr.004

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 14. Januar 1930 Plummer 20 Cts. 26. Jährgang. — N°4 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 sofern nicht postamtlich bestellt. „ r Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Nachtfahrverbot Anfangs Dezember hat der Verband der Gesellschaftswagenbesitzer der Zentral- und Westschweiz, in Verbindung mit dem Hotelierverein des Kantons Bern, dem Wirteverein des Kantons Bern und dem Hotelierverein Biet und Umgebung dem hohen Regierungsrat des Kantons Bern betreffend Nachtfahrverbot eine Eingabe eingereicht, die infolge der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Problems auch weitere Kreise interessieren dürfte und die wir gerne, auf vielseitigen Wunsch, in der «Automobil-Revue» veröffentlichen. Das Begehren obgenannter Verbände wurde durch eine Sondereingabe des Verkehrsvereins der Stadt Bern warm unterstützt. Die Eingabe an die Regierung selbst lautet: «Der Verband der Gesellschaftswagen- Besitzer der Zentral- und Westschweiz, der Hotelierverein des Kantons Bern und der Wirteverein des Kantons Bern gestatten sich, Ihre Aufmerksamkeit neuerdings auf die Frage des Nachtfabrverbotes im Kanton Bern zu lenken. Bereits während der Vorbehandlung des bernischen Automobildekretes vom Herbst 1927 haben die Organe des genannten Verbandes darauf hingewiesen, dlass einzelne Bestimmungen des Dekretes in die wirtschaftlichen Verhältnisse verschiedener Gewerbebetriebe allzutief einschneiden und'geeignet sind, deren Inhaber m ihrer Existenz zn gefährden. , L ,.. > , ., Heute können wir bereits auf die «weü§hrige Erfahrung in bezug auf die Auswirkung des Nachtfahrverbotes zurückblicken. Es stellt sich dabei heraus, dass vor allem die Besitzer von Gesellschaftswagen durch das Verbot ganz empfindlich getroffen werden. Da die eigentliche Saison eine sehr kurze ist und die Wagen infolge unserer langen Winter fast während eines halben Jahres zur Untätigkeit verurteilt sind, empfinden die Besitzer der Gesellschaftswagen dieses Nachtfahrverbot als besonders drückend. Während des Winters können diese Gesellschaftswagen hauptsächlich nun bei Nacht verwendet werden, da die Gesellschaften diese meistens nur zu der Zeit benutzen, da die Bahnen stille stehen 1 . Erscheint jeden Dienstag, und Freltng Monatlich „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Wie Sie, hochgeehrte Herren, wohl wissen, hat das Nachtfahrverbot schon zu zahlreichen ausserkantonalen Verwahrungen und Protesten geführt. Viele ausserkantonale Geschäftsleute haben ihre geschäftlichen Beziehungen im Kanton Bern abgebrochen und werden sie solange nicht mehr aufnehmen, als dieses Verbot aufrechterhalten wird. Das Nachtfahrverbot wirkt sich zudem für den Kanton Bern um so schwerer aus, da andere Kantone dem Beispiel Berns nicht gefolgt sind. Wenn auch ohne weiteres zugegeben sei, dass die Bewilligungen zu Nachtfahrten heute leichter zu erhallten sind als vor kurzer Zeit und damit die zuständigen Direktionen ihre Bereitwilligkeit bewiesen und sich vor wirtschaftlichen Notwendigkeiten nicht verschlossen haben, so ist doch zu betonen, dass die bernischen Gesellschaftswagen^Besi'tzer durch das Nachtfahrverbot gegenüber ausserkantonalen Kollegen wirtschaftlich schwer benachteiligt werden. Der ausserkantonale Gesellschaftswagenbesitzer kann längere Ausfahrten im Kt. Bern unternehmen, um noch rechtzeitig die Kantonsgrenze zu passieren. Schwerer fällt dies dem berniseben Gesellschaftswagen-Besitzer, der ausserkantonale Fahrten unternehmen will, da er, um dem Nachtfahrverbot zu genügen; für die Teünebmer zn früh die Heimkehr antreten muss. Wemt das Ifachtfahrverbot wirklich aur im Interesse der Ruhe erlassen worden ist, so müssen wir neuerdings feststellen,' dass die GeseHschaftswagen als lärmende Objekte nicht mehr in Frage kommen können. Infolge der technischen Fortschritte, insbesondere durch die eingeführte Pneubereifung, verursachen die Gesellschaftswagen nicht mehr Lärm als irgendein modernes Personenautomobil. In bezug auf die Arbeitszeit der Chauffeure ist hervorzuheben, dass auch bei einer Aufhebung des Nachtfahrverbotes die Vorschriften über die Arbeitszeit genau eingehalten werden können. Auch ist wohl ganz klar, dass durch dieses Nachtfahrverbot nicht nur unsere bernische Hotellerie, sondern das ganze Geschäftsleben beeinträchtigt wird, indem entweder das Territorium des Kantons Bern einfach umgangen oder kurzerhand durchfahren wird. Zahlreiche Erfahrungen beweisen, wie stark eine grosse Zahl Hotels von der Bedienung durch die Geselschaftswagen geradezu abhängig ist. Es kann zahlreichen Hotelbesitzern nicht gleichgültig sein, ob ihre Etablissemente durch Gesellschaften vermittelst Automobile erreicht werden können oder ob sie von dieser Kundschaft wegen dieses Nachtfahrverbotes absehen müssen. Es ist zweifellos, dass durch das Nachtfahrverbot besonders die im Kanton Bern ansässigen Gesellschaftswagen-Besitzer in ihrer Gewerbefreiheit ausserordentlich eingeschränkt werden. Aber nicht nur dies. In Anbetracht der ohnehin hohen Steuern und besondern Abgaben erschwert man diesen Leuten heute ihre Existenz ohne stichhaltige Gründe. Es scheint uns deshalb in Erwägung aller angeführten Punkte im Interesse der bernischen Volkswirtschaft zu liegen, wenn die Behörden auf diese Bestimmung des Dekretes zurückkommen und für die Gesellschaftswagen-Besitzer eine Milderung eintreten lassen können. Aus diesem Grunde erlauben wir uns, hochgeehrte Herren, Ihnen neuerdings das Gesuch zu unterbreiten, Sie möchten nochmals den ganzen Fragenkomplex einer wohlwollenden Prüfung unterziehen und Mittel und Wege erwägen, um für die Kategorie Gesellsobaftswagen-fiesitzer das Nachtfahr- „ verbot aufzuheben* Wir glauben & der Ariftahine nicht fehl zu gehen, dass sie J&C Notwendigkeit einer Revision des Berner Dekretes einsehen und dass Sie bereit sind, nicht nur dieser Schicht unseres Gewerbestandes zu helfen, sondern auch eine Barriere aus dem Wege zu schaffen, die bis dahin dem Kanton Bern nur wirtschaftlichen Schaden zufügen konnte, ohne unsern Dekretsbahnen, deren missliche Lage wir voll und ganz verstehen, irgendwelche namhaften Vorteile zu verschaffen. Der Weg, der in die Zukunft weist, heisst Zusammenarbeit zwischen Eisenbahn und Automobil. Wir sind davon überzeugt, dass das Automobil den Dekretsbahnen zu einem guten Helfer in der Not werden könnte, sofern man auch von bahnamtlicher Seite diese Zusammenarbeit wünscht und dem freien INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Gewerbe die Fessel des Nachtfahrverbotes weggenommen werden könnte.» Wir glauben, dass die h. Regierung des Kantons Bern an dieser Eingabe nicht achtlos wird vorbeigehen können. Es ist anzunehmen, dass ihre Antwort den betreffenden Verbänden in Bälde zugestellt wird. Autounglück und Strassenbau. Das sich am Neujahrsabend auf der Strasse zwischen Landhof und Reinach bei Basel zugetragene Automöbilunglück veranlasst mich, einem längst gehegten Vorsatze folgend, den unhaltbaren Zustand einer der wichtigsten Zufahrtsstrassen Basels näher zu beleuchten. Die Frequenz der von Basel durch das Birstal in den Jura führenden Strasse hat mit der Entwicklung des Automobilismus einen ungeahnten Umfang angenommen. Zwei Faktoren sind es vornehmlich, die in dieser Beziehung ihren Einfluss geltend machen. Erstens hat die Strasse den Durchgangsverkehr aufzunehmen, von Basel nach dem Bernbiet und nach der ganzen Westschweiz. Während der Fremdensaison wird sie von Ausländern, besonders von Deutschen, Engländern und Holländern sehr viel befahren. Zweitens bildet diese Strasse die einzige Verbindung des nördlichen Jura, des Schwarzbubenlandes, des ganzen Birstales,, der Ajoie und der Freiberge mit Basel und! da alle diese Gebiete wirtschaftlich mit der Stadt eng rerbitndeii sind, ist der Auto- und FtÖirwednrerRefar em sehr intensiver. Der KäötOTBesrnihäfdenlntuch die Wichtigkeit dieser Verkehrsader längst erkannt und hat dieselbe im Laufe der letzten Jahre der vermehrten Inanspruchnahme angepasst. Das Trasse wurde an vielen Orten verbreitert und korrigiert, die Kurven wurden ausgebaut und die ganze Strecke bis Münster gewalzt und geteert Von Angenstein weg ist die Strasse heute wirklich* in gutem, zum Teil sogar in vorzüglichem Zustande. Leider kann dies von dem der Stadt zunächst liegenden Strassenstück im Kanton Baselland nicht gesagt werden und wer vom Jura kommend gegen Basel fährt, macht schon in Aesch, der ersten basellandschaftlichen Gemeinde, ganz unliebsame Beobachtungen. Bevor die Strasse auf den Hauptplatz einmündet, führt sie zwischen zwei nahe zusammentretenden Häu- Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (7. Fortsetzung) *Ich wusste darauf nichts zu erwidern, denn er hatte wirklich das Richtige getroffen. Ein Wagen machte gerade jetzt draussen auf dem Wege halt. Der Detektiv warf einen Blick aus dem Fenster. «Das ist der Amtsvorsteher, der mich abholt Sie dürfen mitkommen.» «Wohin denn?» «Nach dem Edelhof. Dort bin ich noch nicht gewesen. Haben Sie keine Lust?» Ich überlegte. «Sie werden verstehen,» sagte ich, «dass ich von den gestrigen Ereignissen einigermassen mitgenommen bin. Ich möchte mich nicht gern neuen Aufregungen aussetzen.» «Was für Aufregungen sollten das wohl sein?» fragte der Detektiv lächelnd. «Ich will mit dem Besitzer auf Qjaernaes sprechen und nur etwas über den letzten Besuch des Unglücklichen daselbst hören. Sie erweisen mir einen Dienst, wenn Sie mitkommen.» «Aber ich interessiere mich durchaus nicht so sehr für die Sache. Nehmen Sie doch lieber den Mediziner mit.» Der Detektiv nahm entschlossen ineinen Arm. , «Kommen Sie nur,» sagte er,.»Sie haben ja nichts zu versäumen.» Der Amtsvorsteher behandelt«) den fremden Detektiv mit ausgesuchter Höflichkeit. Er bürstete sogar noch an dem Sitz im Wagen herum, obgleich dieser gar nicht schmutzig war. Als wir abfuhren, stand ein Teil der Hotelgäste auf der Veranda und betrachtete uns mit grösster Neugier; der Mediziner kam im blendendweissen Sportkleid herunter, voller Begier mitgenommen zu werden, aber wir fuhren an ihm vorüber. Enttäuscht blieb er stehen und sah uns nach, indem er die Hand über die Augen legte. Ich winkte ihm ironisch; er war mir nicht gerade sympathisch, dazu war er zu hübsch. Sein Knebelbart war zu gut gepflegt, und unter dem Bart verbarg sich stets ein höhnisches Lächeln. Als wir nach der Sandgräberhütte kamen, hielt der Amtsvorsteher auf Asbjörn Krags Veranlassung an. Krag brachte seinen photographischen Apparat in Ordnung und bat den Amtsvorsteher, das Häuschen zu öffnen. «Was wollen Sie da drinnen?» fragte ich. «Haben Sie den Toten nicht bereits gesehen?» «Jawohl,» antwortete der Detektiv, «aber da hatte ich nicht genug Licht.» «Nicht genug Licht?» «Ja, um ihn zu photographieren. Verstehen Sie denn nicht?» «Aber damit verstossen Sie gegen die Abmachung,» wandte ich ein. «Sie versprachen mir ja Fernhaltung neuer Aufregungen.» Der Amtsvorsteher war inzwischen damit beschäftigt, den Riegel zurückzuziehen. Asbjörn Krag und ich standen allein beim Wagen. Wieder bekam das Gesicht des Detektivs den unangenehmen Ausdruck von verkniffenem Misstrauen. «Haben Sie Furcht, ihn zu sehen?» fragte er. «Dann können Sje ia draussen bleiben. Ich zwinge Sie nicht, mit hereinzugehen.» Ohne zu antworten, schritt ich .rasch auf die Hütte zu. Asbjörn Krag kam hinterher, noch immer mit seinem Apparat beschäftigt. Die kleine Sandgräberhütte ähnelt den winzigen Häuschen, die bei Bahnbauten in unbewohnten Gegenden errichtet werden. Die Hütte diente früher zur Aufbewahrung von Spaten, Hacken und anderen Geräten für die Sandgräberei. An den Wänden stand noch ein Teil dieser Werkzeuge, die jetzt mit einer Kruste von eingetrockneter Erde und Lehm bedeckt waren. Es war nur ein Raum in dem Häuschen vorhanden. Der Detektiv öffnete die Fenster, damit die frische Luft hereindringen konnte. Mitten im Raum stand ein breiter, unbehobelter Tisch. Auf diesen hatte man den Toten gelegt. Ich trat an ihn heran und sah ihm ins Gesicht. Nun erinnerte ich mich auch dessen, was der Mediziner tags vorher gesagt hatte, und musste ihm stillschweigend recht geben. Es war, als ob der Tote lächelte, und in diesem Lächeln lag ein gewisser Hohn, eine Art Triumph. Plötzlich fuhr ich ein wenig zusammen, da ich ein Knacken im Apparat des Detektivs hörte. Als ich mich umsah, bemerkte ich, dass der Detektiv mich scharf fixierte. «Ich dachte, Sie wollten den Toten photographieren,» sagte ich. «So ist es auch,» antwortete der Detektiv, «aber ich musste zugleich Ihr Gesicht aufnehmen. Sie zeigten einen unverkennbaren Ausdruck von Verwunderung und Grauen. Es ist geradezu eine Manie von mir, Gefühlsausdrücke auf die Platte zu bannen.» Der Detektiv lagerte den Toten anders, so dass das Tageslicht auf sein Gesicht fiel. Der Forstmeister sah jetzt ganz so aus, als ob er noch lebte; seine Wangen zeigten noch die Röte des Lebens. Ich stand vor ihm und sah bewundernd auf das scharfgeschnittene Profil mit der hohen Stirn. Sein Haar war dicht und braun, ich bemerkte deutlich, dass es nach der rechten Seite hinübergekämmt war. Sein Bart schimmerte leicht rötlich. «Wollen wir nicht seinen Schlips wieder in Ordnung bringen?» sagte ich zu dem Detektiv. Der Schlips hatte sich beim Fall nach hinten verschoben, so dass der Knoten auf einem Ohr sass, und der gestärkte Kragen war an zwei Stellen geknickt. «Nein,» erwiderte der Detektiv, «lassen Sie ihn nur so, wie er ist.» Es kam mir vor, als ob der Detektiv gar nicht damit fertig werden konnte, den Toten zu photographieren. Die Luft in dem Räume wurde immer drückender, mir wurde schlecht, aber ich wollte den Detektiv nur ungern meine Schwäche merken lassen. Endlich war er fertig, aber als er den Apparat zusammenklappte, war ich nahe daran, ohnmächtig zu werden. Asbjörn Krag öffnete die Tür, so dass der Luftzug durch den Raum hindurchstrich. Das tat mir wohl. Ich konnte bemerken, dass der Amtsvorsteher ein wenig blass geworden war, er hatte niemals vorher mit einer solchen Sache zu tun gehabt. Asbjörn Krag hingegen war ebenso ruhig und unerschüttert wie zuvor. Er versah den Apparat mit neuen Platten und pfiff währenddessen vor sich hin. Der Tote da vor ihm auf dem Tisch schien ihm nur ein interessantes photographisches Motiv zu sein. ForteetJnrnf siehe Autler-Feierabend.