Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1930_Zeitung_Nr.010

E_1930_Zeitung_Nr.010

Ausgabe: Deutsche Schweiz. Nummer 20 Cts. BERN, Dienstag 4. Februar 1930 26. Jährgang. - N° 10 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Strassenf ragen Kilometer... Neben die Schiene ist in den letzten Jahren wiederum die Strasse getreten. Schien es noch vor kurzer Zeit, als sei sie vollständig der Vergessenheit verfallen und als sei sie gerade noch gut genug, bäuerlichen Fuhrwerken, einsamen Wanderern oder Strassenvaganten den Weg zu weisen, so hat sie nun ihren ehemaligen Rang als Verbindungsweg sich neu erobert und ist im Begriffe, in steigendem Masse den Verkehr an sich zu ziehen. Einige Zahlen mögen das Wort erhärten. Eine auf Ende 1927 abgeschlossene Strassenstatistik weist nach, dass die Schweiz heute über 13,935 km Staats- und Gemeindestrassen verfügt, die alle dem Automobilverkehr zugänglich sind. Grossbritannien verfügt über 287,588 Strassenkilometer, die dem Automobilverkehr erschlossen sind, Schweden über 71,273 km, Belgien über 44,288 km, Deutschland über 348,700 km, Frankreich über rund 625,000 km, Italien über 183,270 km. Die Zahlen locken zu Vergleichen. Man kann aus ihnen ermessen, in welchen Ländern der Automobilismus bereits zum Herrscher des Verkehrslebens geworden ist. Dabei ist die Tatsache interessant, dass pro Kilometer Strassenlänge, welche für das Automobil befahrbar sind, die Schweiz und Grossbritannien mit 3,1 Automobilen an der Spitze marschieren. Es folgen Belgien mit 1,3, Schweden mit 1,2, Frankreich mit 1,1 und Deutschland mit 1. Es ist selbstverständlich, dass der zunehmende Automobilismus für die Instandstellung und die Verbesserung des Strassennetzes ganz andere Summen erfordert, als dies früher der Fall war. Die «Automobil-Revue» hatte Gelegenheit genug, zu wiederholten Malen diesen ganzen Fragenkomplex zu behandeln. Im Jahre 1927, diese Zahl dürfte interessieren, wurden von 28 Staaten, wobei die Vereinigten Staaten nicht inbegriffen sind, für Bau und Unterhalt von Strassen insgesamt über fünf Milliarden Schweizerfranken ausgegeben. Die Zahl mag verblüffen, steht jedenfalls aber im Einklang mit der Grosse der Automobilsteuer, welche die Automobilisten in diesen 28 Staaten zu entrichten haben. Denken wir nur an den Kanton Bern, in welchem im Jähre 1929 die Motorfahrzeugbesitzer allein rund 4 Millionen Franken an Steuern und "Gebühren entrichten mussten. Jedenfalls steht fest, dass der heutige moderne Strassenbau, wenn nicht zu 100 F E U I L L E T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (13. Fortsetzung) «Gerade im Gegenteil. Der Hof hat sein Geheimnis bekommen; mir scheint es, als ob dort seltsame Dinge zu jeder Tageszeit vorgingen. Gjaernaes selbst und das Fräulein sind ganz anders geworden, als sie bisher waren.» «Was dachten Sie sich, als Sie von dem Morde hörten?» «Ich dachte mir nichts,» murmelte der Verwalter, «aber als ich erfuhr, dass Sie umhergingen und nach einem Wagen fragten, konnte ich mein Gewissen nicht länger zum Schweigen bringen über das, was ich wusste.» «Ich dachte mir's, dass Sie kommen würden,» sagte der Detektiv trocken. «Sie sahen mich so seltsam an, als Sie von Gjaernaes aufbrachen,» antwortete der Verwalter. «Ich durfte nicht länger zögern.» Er erhob sich. «Ich glaube auch nicht, dass ich etwas Unrechtes getan habe,» fuhr er fort. «Ich sagte dem Herrn, dass ich zu Ihnen gehen wollte.» «Suchte er Sie nicht daran zu hindern?» «Gewiss; als er dann aber einsah, dass das nichts nützte, betonte er, dass alles, was vorgekommen wäre, nur ihn persönlich anginge.» Prozent, so doch zu 90 Prozent ganz sicher zu Lasten der Motorfahrzeugbesitzer fällt. Automobilstrasse Basel-Zürich. Der Gedanke der Hafraba ist nicht tot. In Deutschland sind Kräfte unentwegt an der Arbeit, um die Idee einer Automobilstrasse Hamburg-Basel-Mailand in die Wirklichkeit umzusetzen. In der Schweiz knorzte die Sache bedenklich. Alte Rivalitäten zwischen Zürich und Bern brachten die Angelegenheit ziemlich zum scheitern. Der gegründete Verein erhielt ein neues Kleid und wurde auf breitere Grundlagen gestellt. Eine Verständigungsbasis wurde gefunden. Man trennte sich an der letzten Generalversammlung in Ölten mit freundschaftlichem Händedrücken. Seitdem hörte man nichts mehr. Die Schwierigkeiten scheinen gross zu sein, um so grösser, als in unserem Lande die Auffassung dominiert, dass ein gut ausgebautes Strassennetz wertvoller ist als einige wenige ausgesprochene Automobilstrassen. Und doch lebt das Projekt und Fachmänner sind an der Arbeit, am Studium. Der Initiativfreudige wird letzten Endes den Sieg davontragen. Das Projekt einer Automobilstrasse von Basel nach Zürich ist ausgearbeitet. Die 80 km lange Autoraobilstrasse liegt auf eigenem Trasse. Sie ist nach dem Projekte auf lange Strecken hin kerzengerade. In Ortschaften ist sie durch Zäune abgesperrt. Telephonanlagen mit Sprechstationen in Abständen von tausend Metern stellen die Verbindung mit den Reparaturwerkstätten her. Auch der Ordnungsdienst mit Kleinautomobilen ist vorgesehen. Als Startplätze werden der Aeschenplatz in Basel und der Bahnhofplatz in Zürich genannt. Das Birstal soll mit einem 400 Meter langen Viadukt überführt werden. Die Strasse führt zwischen Rheinfelden und Stein südlich der Eisenbahnlinie entlang, von Mumpf bis Stein am bewaldeten Nordhang des Berges «Auf der Fluh». Der Bözberg ist überwunden. Er wird auf 2000 Meter Länge mit einer fünfprozentigen Steigung erklommen. Dann geht's nach Brugg und hernach zur Aare und Limmat, welche bei Vogelsang mit eisernen Fachwerkbrücken überfahren werden. Von Nussbaumen an ist der Ausbau der bestehenden Strasse von Ennetbaden nach Wettingen vorgesehen, 16 m breit, wobei 10 m auf die Fahrstrasse und zwei mal 3 m auf die Trottoirs entfallen sollen. Einige Gebäude ver- Asbjörn Krag sass lange da und dachte nach. «Sie müssen nun nach dem Hofe zurückkehren,» sagte er schliesslich. «Jawohl.» «Dann grüssen Sie, bitte, Gjaernaes von mir und fragen Sie ihn, wann es ihm genehm wäre, mich zu empfangen.» «Genehm?» rief ich erstaunt. Asbjörn Krag winkte mir mit der Hand und fuhr, zum Verwalter gewandt, fort: «Sie können ihm ferner sagen, dass ich mich in seine Geheimnisse nicht eindrängen will.» Bald darauf ging der Verwalter, und ich blieb mit Asbjörn Krag allein. «Was glauben Sie nun?» fragte er. «Mir will es so scheinen, als ob Gjaernaes geliefert ist,» erwiderte ich. «Das ist ja ein schreckliches Unglück — bedauernswerter Freund!» Aber Asbjörn Krags Gedanken mussten fallen dem Abbruch. Oberhalb der Landvogtei soll die Strasse durch ein Viadukt um 14 m gehoben werden. Dann geht's schnurgerade nach Dietikon. Im Härdli führt eine Bogenbrücke aus Eisenbeton über die Limmat. Der Anscliluss an die bestehende Autostrasse ist erreicht. Gegen Zürich hin werden alle kreuzenden Strassen und Wege überführt. Auf dem Escher-Wyssplatz in Zürich hat das Tram dem Automobil zu weichen. Am Sihlquai fallen verschiedene Gebäude dem Abbruch-Honegger in die Hände. Auf einer eisernen Fachwerkbrücke geht es über die Mündung der Sihl bis zur Achse der Walchebrücke. Die Ausführung des Projektes kostet 60 Millionen Franken. Grosszügigkeit ist ihm nicht abzusprechen. Es lockt und reizt. Hätten wir nur schon die 60 Millionen Franken beieinander und die Bewilligung der verschiedenen Kantonsregierungen! Aber so jung und schön wie das Projekt sind unsere kantonalen Regierungen nicht mehr. Deshalb dürften Jahre dahin gehen, bis an die Ausführung herangeschritten werden kann. Zudem wird das Zürcher Projekt die Berner Gruppe stacheln und dann dürfte der 0 Mit Reklamieren und Protestieren bringt man sich leicht in den Ruf des Querulanten. 5Ver von uns, der je Freiburg-Basel fuhr, hat nicht geschimpft über den Zustand des Teilstücks Schliengen - Eimeldingen? Gewiss aber keiner so, wie in der Protestversammlung der oberdeutschen Verkehrsinteressenten in Schliengen gegen die Strassenbaubehörden losgezogen wurde, so dass den-beiden mitgeladenen Vertretern der Verkehrskommission des A. C. S. wenig zu sagen übrig blieb. Das war vor 10/4 Monaten. Ein halbes Jahr später konnte das grössere Teilstück der umgebauten Strasse bereits befahren werden, und nun steht die Eröffnung der ganzen Strecke unmittelbar bevor. Auf diese Fixigkeit hat der Tenor jener Protestversammlung wohl nicht nur ein klein bisschen eingewirkt. Nicht bloss für den Basler, sondern für den Nordwestschweizer überhaupt, ist die Freiburgerstrasse so wichtig wie eine der dem schweizerischen Jura zuführenden Hauptstrassen. Sie bildet auch einen integrierenden Bestandteil der internationalen Route Frankfurt-Schweiz-ltalien, sah aber in Linien- wohl weit fort sein, denn er sagte wie geistesabwesend: «Geliefert, ja, ja. So, meinen Sie das also?» Er wurde von Minute zu Minute wortkarger, und da ich glaubte, dass er mit seinen Grübeleien allein sein wollte, verliess ich ihn. Zum Abendessen kam ich erst spät, so dass es elf Uhr wurde, ehe ich mit dem Mahle fertig war. Als ich an seinem Fenster voroetkam, hörte ich ihn innen auf und ab gehen. Da ich ihn aber nicht stören wollte, trat ich den Heimweg zu meinem kleinen Häuschen an Ėin Unwetter war im Anzüge. Der Abend war bisher mild und licht gewesen, aber irgendwo am Horizont gab es Regen. Von dort wehte es, dass die Luft feucht und unsichtig wurde. Es kam plötzlich auf, etwa so, wie eine Metallplatte beim Anhauchen beschlägt. Das Meer wälzte blaugraue Wellen in den Hafen. Stundenlang war es ganz still gewesen, aber nun zeigte sich draussen im Meer eine schwarze Furche; Sturm und und Regen kamen näher. Rasch ging ich am Strande entlang, um zu rechter Zeit meine Hütte zu erreichen. Es fiel mir auf, wie einsam sie hier draussen lag. Niemals vorher hatte ich das so gefühlt, und ich bereute es fast, mich nicht um eine ajidere Unterkunft bemüht zu haben. Als ich die Tür hinter mir zumachte, lief der Regen schon an den Fensterscheiben herunter. Der Leser wird verstehen, dass für mich nach alledem, was ich gehört und erlebt hatte, an Schlaf nicht zu denken war. Ich verschloss die Tür, zog die Gardinen vor den Fenstern zusammen und machte Licht. Dann versuchte ich, in einem Buche zu lesen. Ganze Sätze las ich wieder und wieder, ohne zu begreifen, was ich las, denn ich konnte meine Gedanken nicht sammeln. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlusa i Tage vor Erscheinen der Nummern Meinungsstreit von neuem beginnen und weitere Jahre in Anspruch nehmen. Vielleicht wird die geplante Aütomobilstrasse doch einmal kommen, mit ihr vielleicht zugleich ein Projekt Basel-Bern. Aber vorerst sind wir der Ansicht, dass d"ie uns zur Verfügung stehenden Millionen für den weitern Ausbau und die Instandstellung unseres heute bestehenden Strassennetzes zu verwenden sind. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten weisen auf letztern Punkt hin. Die Schweiz darf auf Automobilstrassen nicht verzichten. Im Gegenteil, wir dürfen mit unsern «Rüstungen» nicht hintan halten. Der heranwälzende Verkehrsstrom muss uns bereit finden. Wir müssen den Strom auffangen und darauf Bedacht nehmen, dass die Schweiz nicht umfahren wird. Die Probleme sind ganz die gleichen wie bei der Eisenbahn. Unser Strassennetz ist ausbaufähig. Wir brauchen nicht neue Strassenzüge zu erstellen (mit Ausnahme einiger Alpenübergänge), sondern unsere Aufgabe liegt darin, die bestehenden - Strassen gradzustrecken und sie für den ausschliesslichen Automobildurchgangsverkehr auszubauen, daneben aber für den stets abnehmenden Pferdeverkehr, sowie auch für den Veloverkehr Nebenstrassen herzurichten. +. Internationale Durchgangsstrasse Freiburg-Basel führung, Profilierung, Breite und Oberflächenunterhalt seit vielen Jahren derart aus, dass mancher Ortsunkundige unterwegs anhielt im Glauben, er sei auf Abwege geraten. Mit dem Ausbau haben die Deutschen- gewissermassen nun eine nationale Angelegenheit liquidiert, wie denn als eine solche Herr Bürgermeister Dr. Hoffmann (Freiburg) damals in Schliengen den unwürdigen und unhaltbaren Zustand der Strasse bezeichnete, mit der Deutschland sozusagen seine Visitenkarte in höchst despektierlicher Weise an die Schweiz abgebe. Bei der neuen Linienführung ist man — das darf zugestanden werden — grosszügig vorgegangen. Bis jetzt zweigte die Strasse nördlich von Eimeldingen westlich ab über die Bahnlinie (wo sich jüngst das schwere Automobilunglück ereignete^ nach Kirchen, wand sich wie ein getretener Wurm mit unübersichtlichen Kurven durch das lange Dorf, verliess es auf unmöglich schmaler Brücke, durchzog Efringen, querte neuerdings die Bahn und erreichte im Engpass durch die Reben das Tal des Engebachs. Diese ganze Strecke ist heute für den Fernverkehr kassiert. Schliesslich legte ich das Buch fort, schloss die Augen und wiederholte vor mich hin den letzten Satz, den Asbjörn Krag gesagt hatte: «Geliefert, ja, ja. So, meinen Sie das also?» Ich sank mehr und mehr zusammen und duselte vor mich hin. Dabei merkte ich, wie der Regen nachliess und schliesslich aufhörte. Eine oder zwei Minuten mochte ich wohl auch geschlafen haben, da wurde ich plötzlich ganz wach, weil ich hörte, wie jemand hart au meine Tür pochte. Es klopfte tatsächlich an die Tür. Mein erster Gedanke war: «Die Tür ist verschlossen, das ist gut!» Da klopfte es wieder. «Wer ist da?» rief ich. Keine Antwort. Ich konnte meine Pulsschläge zählen, so stark klopfte mir das Herz. Es war ja töricht von mir, mich zu fürchten, aber die Angst überkam mich wohl so leicht, weil ich eben aus dem Schlummer aufgeschreckt war. Da klopfte es wieder gegen die Tür mit harten, knochigen Fingern. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, zu wissen, dass da draussen im Dunkeln jemand stand. Wer in aller Welt konnte das nur sein? Ich fragte wieder, indem ich so laut rief, wie ich nur konnte. Endlich kam eine Antwort, aber ich begriff sie nicht; es war eine leise, belegte Stimme. Fortsetzung siehe Auüer-Feierabead.