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E_1930_Zeitung_Nr.015

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 21. Februar 1930 Wummer 20 Cts. 26. Jährgang. - N° 15 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden nienstan und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. [Im Ausland unter Portozusehlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainsir. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-RechnunK HI/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Goldener Boden desHandwerks? Kann das Auto dem Gewerbe neuen Lebensimpuls geben? Das Gewerbe steht gegenwärtig nicht in Das Automobil wird denn auch je länger rosigen Schuhen. Das alte Sprichwort vom je mehr zum besten Hilfsmittel des Gewerbes werden. Rasche und zuverlässige Be- goldenen Boden des Handwerkes besitzt nicht mehr seine ganze Schlagkraft. Die dienung auch nicht ortsansässiger Kunden mächtige industrielle Entwicklung droht sind heute Hauptfaktoren des täglichen Erwerbes. Das Tätigkeits- und Absatzgebiet heute noch die gewerblichen Berufsarten zu erwürgen. Eine vielleicht zu einseitige Einstellung der Bankwelt erschwert zudem den schränkt sich heute nicht mehr nur auf den des Handwerkers und Gewerblers be- handwerklichen Lebenskampf. Nur mit Mühe Niederlassungsort, die Kreise müssen weiter kann sich derart der Kleinbetrieb gegenüber gespannt und je länger die Radien werden, dem Grossbetrieb behaupten. Neue Wege, desto notwendiger das Verkehrszeug, das um unser Handwerk und Gewerbe aus der die persönliche Fühlungnahme mit dem Kunden ermöglicht und neue Geschäftsverbin- Schwere des Daseins herauszuführen, sind gesucht worden. An theoretischen Vorschlägen hat es nicht gefehlt. Man hat überall dung sicherstellt. Das Automobil dient aber dem Gewerbe eingesetzt, hat die gewerblichen Organisationen nach Kräften ausgebaut, hat den Ge- nicht nur als Hilfsinstrument, sondern es hat überdies eigene Gewerbebranchen erschlossen und alten, welche infolge der Fabrikdanken der Berufssolidarität vertieft, hat Lehrlings- und Meisterprüfungen eingeführt, konkurrenz abzuserbeln drohten, wieder am das handwerkliche Können zu verbessern, hat nach Submissionsverordnungen ge- neuen Lebensimpuls gegeben. In die Einzelheiten einzugehen, führte zu weit. Nur eines rufen, um einer wilden Konkurrenz die Tore sei erwähnt. In der Motorfahrzeugindustrie zu schliessen. Bürgsehaftsgenossenschaften, und den ihr zugewandten Gewerbe sind bereits über 50 Millionen Franken investiert. Gewerbe - Gesetzgebungen, Warenhandelsgesetze sollen das ihrige zur Neublüte unseres handwerklichen Gewerbestandes beitra- Die Zahl de* durch das Motorfahrzeugwesen ihr tägliches Brot verdienenden Landeseinwohner ist auf 40,000 gestiegen. Eine Zahl, gen. Aehnlich wie für die Landwirtschaft denkt man auch für das Gewerbe an Hilfsaktionen. die nach unserer Ansicht übrigens zu tief gegriffen sein dürfte. So hat es eigentlich an schützenden Vorkehrungen nicht gefehlt Sie sind nicht zu Frag«: Haben Handwerk und Gewerbe früh gekommen, sondern reichlich spät Bereits ist ein Teil unseres Kleinhand werlcer- schweizerischen Automobilismus, der ihnen nicht vitalstes Interesse am Aufschwung des" tums verproütarisiert. Aber bei aller Not heute schon, wenn wir die Einnahmen des und bei aller Depression dürfen wir denAutomobiltourismus mit einbeziehen, Millionen von Franken zufliessen lässt? Wahrlich, Mut nicht verlieren. Selbst ist der Mann, das muss auch heute noch die Devise des es kann dem schweizerischen Handwerkerund Gewerbestand um den Automobilismus freierwerbenden Gewerblers sein. Fest verankert in seiner Organisation, in seinem Be T nicht gleichgültig sein. Hier ist für ihn wieder goldener Boden, den er sich nicht ent- rufsverbande oder Gewerbeverband hat er doch auf eigenen Füssen zu stehen und unerschrocken mit klarem Auge den Kampf hängt aber mit der Strasse aufs engste zuziehen lassen darf. Der Automobilismus mit dem Leben um seine Existenz aufzunehmen. Dieser Kampf wird ihm heute mit hundert Millionen Schweizerfranken. Den sammen. Diese Strasse kostet heute in die Hilfe des Automobils erleichtert. Neue Untersuchungen zeigen denn auch deutlich, wie leider nicht zur Verfügung und doch muss Kantonen und Gemeinden steht dieses Geld stark auch schon das Kleingewerbe sich des etwas geschehen. An eine Erhöhung der motorisierten Lastwagens bedient und wieSteuerlast ist nicht zu denken. Aber im es Wert darauf legt, sich zur raschern und Tationelleren Bedienung der Kundschaft die Vorteile des Motorfahrzeuges zu sichern. Die statistische Zusammenstellung des Motorlastwagenbestandes und seine Wagenverteilung nach Verwendungsarten zeigt die bedeutsame Tatsache,, dass heute das Lebensmittelgewerbe mit der Landwirtschaft prozentual an der Spitze marschiert und dass auch in andern Gewerbegruppen der prozentuelle Anteil am Lastwagen bedeutend gestiegen ist. ti O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (18. ForUetrang) «Ich hatte einen bestimmten Argwohn, dass so etwas mitspielten verbesserte mich der Detektiv, «aber dass ein so klarer, richtiger Betrug vorlag, glaubte ich doch nicht. Schon als ich hier ankam, verfügte ich über zahlreiche Auskünfte — mehr als Sie ahnen. Ich kannte die Geschichte von dem unglücklichen Tode des alten Gjaernaes, ich wusste von seinen falschen Wechseln und von der Versicherungssumme, die seinem Sohne alsbald ausbezahlt wurde. Sie müssen zugeben, dass ich damals schon über ein vortreffliches Material verfügte. Ich hatte wirklich Anhaltspunkte genug. Dazu stellte ich fest, dass der alte Gjaernaes in einem auffallend günstigen Augenblicke vom Schauplatze verschwand, und da nrich gerade dieser Zufall aufs Haar an ein Vorkommnis aus neuester Zeit in Holland erinnerte, erwachte mein Argwohn, wenn ich auch keinen Zusammenhang zwischen dem volkswirtschaftlichen Interesse des Ganzen liegt es, dass im Ausbau unseres Strassennetzes kein Unterbruch eintritt. Deshalb auch das vielseitige Begehren nach dem halben Benzinzoll, der es ermöglichte, den Kantonen in ihrer grossen Aufgabe des Strassenausbaues und der Strasseninstandstellung in weitgehendstem Sinne entgegenzukommen, ohne den Bund finanziell zu gefährden. Auch wenn man dem Bunde einige Millionen mehr entzöge, so würde das Defizit durch die sich ständig vergrössernden Einnahmen Mord an dem Forstmeister und dem Tode des alten Gjaernaes finden konnte.» Der Detektiv fuhr in seiner Auseinandersetzung fort, während ich ihm mit steigender Spannung zuhörte. Asbjörn Krag sprach langsam und genau so, als ob er jeden Satz erst überlegte, ehe er ihn von sich gab. Seine Darstellung erinnerte mich auffallend an eine sachkundige Rechtsbelehrung. «So kam ich denn hierher,» fuhr er fort. «Als ich hier erfuhr, was Sie in der Nacht erlebt hatten, in der der Forstmeister erschlagen wurde, kam ich sogleich einen Schritt weiter. Ihnen wurde der Zutritt zum Hause verwehrt, noch dazu in sehr schroffer Weise. Ich begriff, dass sich da etwas innerhalb des Hauses befand, was Sie nicht sehen sollten.> «Aber der Forstmeister —?» wandte ich ein. «Ja, der Forstmeister,» antwortete Asbjörn Krag, «der nahm eine Ausnahmestellung ein. Der Forstmeister war im Begriffe, Mitglied der Familie zu werden, also war es notwendig, ihn mit dem furchtbaren Geheimnisse bekannt zu machen. Ich kam also zu dem Schlüsse, dass sich an jenem Abend etwas ereignet haben musste — etwas sehr Ernstes. INSERTIOXS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensobluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern an Automobil- und Zubehörzöllen ausgefüllt, werden können und sollten die Zollden ist (wenigstens muss man an Hand der 1929 so wenig genau Bericht erstattet worbrühneh nicht reichlicher fliessen, was je-erschienenedoch nicht anzunehmen ist, so hätte es der Sitzungsberichte zu dieser Bund immer noch in der Hand durch leicht durchzuführende Sparmassnahmen am richtigen und nicht am falschen Orte zu sparen. Handel und Verkehr bringen Verdienst und Reichtum. Man verstopfe diese Quellen nicht, rsöndern trage zu ihnen in vermehrtem Masse Sorge. ©• Klausen 1930 (Den Urnern ins Stammbuch.) Wie in der «Automobil-Revue» bereits berichtet wurde, ist kürzlich im. Urner Landrat ein Postu'at angenommen worden, durch das der Regierungsrat eingeladen wird, inskünftig dafür besorgt zu sein, dass die Veranstalter von Motorfahrzeugrennen im Kanton Uri für alle daraus entstehenden Kosten und Schäden aufzukommen haben. Da im Lande Uri bekanntlich nur ein Motorfahrzeugrennen, das Klausenrennen, abgehalten wird, dürfte es sich bei diesem Vorstoss automobilfeindlicher Kreise nur um einen solchen gegen das Klausenrennen handeln. Es ist nicht das erste Mal, dass sich in Uri eine solche Bewegung geltend macht. Zwar hat man, solange die bekanten Älpenstrassentaxen noch bestanden, alljährlich gerne den Obolus all der Hunderte von Automobilisten, die das Rennen besichtigen, entgegengenommen (in « fetten » Jahren bis zu FT. 13,000). Seitdem nun aber diese Alpenstrassentaxen durch den Benzinzoll abgelöst worden sind, und letzterer nicht so reichlich fliesst, wie man erwartet hat, steht man in Uri dem Klausenrennen bedeutend kühler gegenüber. Schon letztes Jahr machten sich bei der Einholung der Bewilligung für das Rennen erhebliche Widerstände geltend. Es ist dann das Entgegenkommen der urnerischen Behörden vom Organisationskomitee und vom AGS gebührend anerkannt und verdankt worden. Es ist klar, dass die unbefriedigende Aus-' schüttung des Benzinzollanteils im Lande Uri eine gewisse Missstimmung ausgelöst hat, die sich nun in zwar wenig angebrachter Weise gegen das Automobil überhaupt richtet, das bis 1929 dem Kanton an Steuern und Landstrassentaxen bis zu Fr. 280,000 per Iahr eingebracht hat. Man sucht, um den Ausfall zu decken, nach andern Ersatzeinnahmen und glaubt sie nun zum Teil auch im Klausenrennen gefunden zu haben. Aus dieser Psychose heraus dürfte denn auch die Anregung entstanden sein. Es ist nun aber eigenartig, dass von regierungsrätlicher Seite aus über die Abmachungen mit dem Organisationskomitee des Klausenrennens In derselben Nacht wurde der Forstmeister draussen auf der Heide erschlagen.» «Wie wollen Sie das aber in Zusammenhang miteinander bringen?» fragte ich. «Aus "weichem Grunde ist der bedauernswerte Mensch erschlagen worden?» «Wie wollen Sie das Ereignis erklären?» «Vielleicht bereute es der junge Gjaernaes. Vielleicht auch zog sich der Forstmeister zurück und drohte, das Geheimnis der Polizei zu verraten. Dann fuhr Gjaernaes ihm nach... und so —» «Glauben Sie das?» fragte der Detektiv. Dabei kam es mir vor, als ob Asbjörn Krag abermals lächelte, schadenfroh und hämisch. Aber plötzlich wurde er ernst und sagte: «Ich war von der ersten Stunde an darüber im klaren, dass so nicht der Zusammenhang war. Ich glaube auch heute nicht, dass der junge 'Gjaernaes der Mörder ist.» «Wer ist es dann sonst?» Statt der Antwort fragte der Detektiv: «Soll ich fortfahren?» «Ja, bitte, fahren Sie fort,» sagte ich und legte mich im Bett zurück, während ich die Arme unter dem Kopf verschränkte. Ich hörte angespannt zu und der Detektiv fuhr fort: Ueberzeugung kommen), sonst hätten die Urner Landräte feststellen müssen, dass das Postulat gar nicht mehr berechtigt ist, indem schon die Durchführung des letztjährigen Klausenrennens auf diese, im Postulat vorgeschlagene Weise erledigt worden ist. In der bezüglichen Vereinbarung mit dem Kanton Uri haben sich nämlich die Organisatoren dazu verpflichten müssen, für alle Schäden, den die Klausenstrasse durch Training und Rennen erleidet, aufzukommen. Wie dies im Landrat als « neueste » Neuigkeit mitgeteilt wurde, ist die Strasse vor und nach dem Rennen durch einen gemeinsamen Augenschein abgenommen und die vom Organisationskomitee zu bezahlende Entschädigung auf rund Fr. 2600 festgelegt worden, welcher Betrag auch bezahlt wurde. Dazu kam noch eine Entschädigung an die Korporation Uri in der Höhe von Fr. 1400, also zusammen rund Fr. 4000. — Das Organisationskomitee, d. h. der ACS dürfte daher den effektiven Schaden voll vergütet haben und andere Leistungen des Kantons kamen nicht in Betracht, indem auch diegestellte Polizeimannschaft bezahlt wurde. . Eigenartig berührt auch die Behauptung, der Kanton Uri habe kein Interesse am Rennen und habe z. B. das letzte Klausenrennen auch der Geschäftswelt nichts eingetragen. Nun ist Tatsache, dass allein das Organisationskomitee für Feuerwehr, Sanitätsmannschaften, Autotranspofte, Unterkunft und Verpflegung von diversen Mannschaften usw. einen Betrag von mehr als Fr. 8000 im Lande Uri zurückgelassen hat, der doch irgend welchen Geschäftsleuten hat zukommen müssen. Ausserdem wurden zwei Automobil-Clubs aus dem Ausland in Flüelen resp. Andermatt für zwei Tage untergebracht, die Hotels auf der Passhöhe und auf dem Urnerboden waren während 10 Tagen vollständig bis auf das letzte Bett besetzt und auch nach Urigen, Unterschächen, Altdorf und Flüe!en wurden zahlreiche Quartierbestellungen von Zürich aus vergeben. Ausserdem ist durch Rennfahrer und Zuschauer ein schönes Stück Geld im Kanton Uri zurückgeblieben, das Restaurants, Hotels, Garagen usw. zugekommen ist. Mit diesen vagen Behauptungen kann es nicht stimmen. Zugegeben vielleicht, dass am letztjährigen Klausenrennen nicht mehr so viele Automobilisten nach dem Rennen in Altdorf und Flüelen Station machten wie im Jahre 1927. Daran war aber erfahrungsgemäss das scheussüche Regenwetter schuld, das kurz nach Schluss des Rennens einsetzte und die Zuschauer eben zur direkten Heimfahrt veranlasste. «Durch meine Untersuchungen hier rings in der Gegend sah ich mich in dem Argwohne mehr und mehr bestärkt, dass sich an jenem Abend auf dem Edelhof irgend etwas Ausserordentliches ereignet haben musste, etwas Entscheidendes und Ernstes. Und sogleich, nachdem ich den Verwalter gesehen und mit dem jungen Besitzer gesprochen hatte, war ich davon überzeugt, dass dort ein Geheimnis verborgen sei, stand doch die Erzählung von dem Ertrinken des Vaters bei meinen Schlussfolgerungen noch nicht im Vordergrund. Aber meine Gedanken streiften ständig um die Sache herum; es wollte nicht stimmen, wie ich es auch wieder und wieder versuchte. In dem Spiel, das ich spielte, war der Tod des Vaters ein wichtiger Zug oder — richtiger gesagt — dieser Umstand war eine wichtige Figur^ ich wusste nur noch nicht, wohin ich sie setzen sollte, um das ganze Spiel mit einem Schlage zu entscheiden. Sie werden sich entsinnen, dass ich mich für das alte Bild an der Wand in Gjaernaes' Arbeitszimmer interessierte. Wohl. Aber entsinnen Sie sich auch der Tür?» «Der Tür?» fragte ich. «Was meinen Sie?» (Fortsetzung folgtJ